Warum driftet Deutschland nach rechts?

Moderator: Moderatoren Forum 2

Warum driftet Deutschland nach rechts?

Diskurs-Hypothese
23
50%
soziologische Hypothese
23
50%
 
Abstimmungen insgesamt: 46
Benutzeravatar
Selina
Beiträge: 8812
Registriert: Do 29. Sep 2016, 14:33

Re: Warum driftet Deutschland nach rechts?

Beitragvon Selina » Di 12. Feb 2019, 16:18

schokoschendrezki hat geschrieben:(12 Feb 2019, 14:56)

In Deutschland speziell ist (akut) folgende Problematik (noch und zum Glück) nicht absehbar: Das Entstehen der absoluten parlamentarischen Mehrheit einer einzelnen Partei. Die dann die Macht hat, auch sozusagen das Grundgefüge der Gesellschaft zu verändern. Mit dem Potenzial einer Entdemokratisierung auf demokratischem Weg. Wie - ansatzweise jedenfalls - in Polen oder Ungarn.

Immer wenn mit düsteren Mienen und finsteren Blicken auf eine drohende "Spaltung der Gesellschaft" verwiesen wird, gibts bei mir eher einen Beruhigungseffekt. Die Sache mit der "Spaltung der Gesellschaft" ist komplizierter als man erstmal denkt. Eine soziale Spaltung im Sinne des Abgehängtseins eines Teils der Gesellschaft ist etwas anderes und vor allem etwas keinesfalls wünschenswertes. In einem solchen Fall findet aber eine DIskussion und die Wahrnehmung einer "Spaltung" gar nicht mehr statt. Bewegungen wie Pegida oder Parteien wie die AfD rekrutieren sich ja keineswegs aus sozial Abgehängten. Weder die Insel Usedom noch die Sächsische Schweiz gehören zu den sozialen Notstandsgebieten. Im Gegenteil. Ganz nüchtern besehen würde ich da eher eine Konkurrenzsituation innerhalb des normalen Mittelstands-Bürgertums vermuten. Es gibt Modernisierungsverlierer bzw. solche, die sich selbst so sehen mit entsprechenden Kompensationsstrategien. Eine dieser Strategien heißt: "Leitkultur". Wir hier.


Die Anhängerschaft der Neurechten rekrutiert sich nicht nur aus sozial Abgehängten. Aber auch. Das Beispiel Usedom zeigt eben gerade, dass es Ecken in Ostdeutschland gibt, die nur vordergründig nach Wohlstand aussehen, aber eigentlich Regionen mit einem hohen Niedriglohnsektor und demzufolge einer großen Unzufriedenheit sind. Ich hab vor einiger Zeit mal eine Dokumentation über den krassen Unterschied zwischen Kaiserbäder-Landschaft an der Usedom-Strandpromenade und dem Hinterland von Usedom gesehen, da kriegt man das Grausen. Der Frust der Einheimischen dort ist wegen schlimmer Perspektivlosigkeit sehr hoch. Hab ich auch vor Ort selbst erlebt. Hier steckt durchaus eine der Ursachen für die Rechtsdrift. Nicht zu unterschätzen.

Zitat:

Rechtsruck im Ferienparadies
Beispiel Usedom

Auf der Ferieninsel Usedom hat bei der Landtagswahl 2016 jeder dritte Wähler sein Kreuzchen bei der AfD gesetzt. Warum ausgerechnet an der Ostsee, wo ein Großteil der Bewohner vom Tourismus lebt? Sind die Menschen dort ausländerfeindlicher als anderswo? Viele Usedomer sagen, das Wahlergebnis habe ganz andere Gründe. Aber welche?

Von Alexia Späth

Überrascht war man auf der Insel nicht von dem Ergebnis. Trotzdem bleiben die meisten Insulaner dabei: Die Wahl war eine Protestwahl. Man fühle sich vergessen und wolle auf sich aufmerksam machen.

Wirtschaftliche Situation

Die wirtschaftliche Situation auf der Insel ist auf den ersten Blick gar nicht so schlecht: Die Bevölkerungszahl ist stabil, der Tourismus wächst, im Wahljahr 2016 um etwa acht Prozent. Fast jeder Zweite lebt direkt oder indirekt davon. Doch die Löhne in der Tourismusbranche sind niedrig, oft nur der Mindestlohn und im Winter bricht der Verdienst ganz weg. Große Industrie gibt es keine. In Mecklenburg-Vorpommern liegt die Arbeitslosigkeitsquote mit 8,6 Prozent höher als im Bundesdurchschnitt. Das Pro-Kopf-Einkommen liegt weit unter dem aller anderen Bundesländern. Dazu kommt die Abwanderung von jungen, gut ausgebildeten Arbeitskräften und die deutschlandweit höchste Jugendarbeitslosenquote (12,1 Prozent).

Abbau der Infrastruktur

2011 wurde als Reaktion auf den Bevölkerungsschwund im Rahmen einer Polizei-, Kreisgebiets- und Amtsgerichtsreform die Zahl der Landkreise und kreisfreien Städte reduziert. Ämter, Bankfilialen, Schulen und Gerichte wurden geschlossen und zusammengelegt. Durch diese Reform wurden auf Usedom das Amtsgericht, Finanzamt und die einzige Geburten- und Kinderstation, trotz heftigster Proteste, geschlossen. Viele Insulaner fühlen sich seitdem von den Politikern nicht mehr ernst genommen.

Ausländerfeindlichkeit

Die Zahl der Ausländer erhöhte sich im Zeitraum von 2000 bis 2016 insgesamt um 527 auf 709 Personen. Das entspricht einem Anteil an der Gesamtbevölkerung von 5,7 Prozent. Trotzdem konnte es sich die AfD mit Parolen, wie dass für Flüchtlinge "viel mehr getan werde als für Einheimische" zunutze machen.

Bundestagswahl 2017

Wenig Arbeitsplätze außerhalb der Touristenzeit, eine hohe Jugendarbeitslosigkeit und der Abbau der Infrastruktur bleiben eine gefährliche Mischung mit viel Frustpotenzial. Auch nach der Landtagswahl 2016 hat sich die Stimmung auf Usedom nicht viel verändert: Bei der Bundestagswahl 2017 wählten in Garz 44,1 Prozent der Einwohner die AfD. In Peenemünde, im Norden der Insel, liegt der Stimmenanteil genauso hoch. In Wolgast bleibt die Partei mit 31,3 Prozent stärkste Kraft.


https://www.3sat.de/page/?source=/ard/197787/index.html
Drüben im Walde kängt ein Guruh - Warte nur balde kängurst auch du. Joachim Ringelnatz
Benutzeravatar
think twice
Beiträge: 20080
Registriert: Fr 4. Jul 2014, 14:14
Benutzertitel: sozialdemokratisch
Wohnort: Bunte Republik Deutschland

Re: Warum driftet Deutschland nach rechts?

Beitragvon think twice » Di 12. Feb 2019, 16:25

Vor einigen Jahren war ich bei einem Fußballspiel von Hansa Rostock. Auf den ersten Blick war es ein gruseliger Anblick. Eine ganze Kurve voll schwarzgekleideter Glatzen. Dann las ich ein Banner, welches quer über das ganze Treppengeländer gespannt war: "Arbeitslos, wo andere Urlaub machen." Das hat mich doch sehr nachdenklich werden lassen.
Duldsamkeit heißt nicht, dass ich auch billige, was ich dulde.
(Mahatma Gandhi)
Benutzeravatar
Selina
Beiträge: 8812
Registriert: Do 29. Sep 2016, 14:33

Re: Warum driftet Deutschland nach rechts?

Beitragvon Selina » Di 12. Feb 2019, 16:37

think twice hat geschrieben:(12 Feb 2019, 16:25)

Vor einigen Jahren war ich bei einem Fußballspiel von Hansa Rostock. Auf den ersten Blick war es ein gruseliger Anblick. Eine ganze Kurve voll schwarzgekleideter Glatzen. Dann las ich ein Banner, welches quer über das ganze Treppengeländer gespannt war: "Arbeitslos, wo andere Urlaub machen." Das hat mich doch sehr nachdenklich werden lassen.


Genau. Das ist das Problem. So zumindest empfinden das viele Leute aus Meckpomm. Und etliche von solchen Frustrierten und Abgehängten gehen dann den rechten Rattenfängern auf den Leim. Die vermitteln gerade jungen Menschen eine besondere Art von "Kameradschaft" und Zusammengehörigkeitsgefühl, was es sonst nicht mehr gibt in der Region, wo fast alle Jugendklubs und andere kulturelle Einrichtungen dicht gemacht haben.
Drüben im Walde kängt ein Guruh - Warte nur balde kängurst auch du. Joachim Ringelnatz
Benutzeravatar
Wolverine
Beiträge: 8723
Registriert: So 7. Jul 2013, 19:19
Benutzertitel: Scouts

Re: Warum driftet Deutschland nach rechts?

Beitragvon Wolverine » Di 12. Feb 2019, 16:44

Alexyessin hat geschrieben:(12 Feb 2019, 16:11)

Natürlich ist das verbrämtes Gerede. Sorgen machen ist in Ordnung, aber dafür rechtsextrem zu wählen macht diese Sorgen, begründet oder nicht, nicht leichter.


Nein, ist es nicht. Dadurch, dass man die Sorgen der Leute nicht ernst genommen hat und sie nicht beachtet hat gab es erst diese Wahlerfolge der AfD. Nach dem Motto "Stellt euch nicht so an........" löst man keine Probleme, man schafft welche, wie man an den Wahlergebnissen sehen kann. Der Wähler ist nun mal der Souverän, nicht die Parteien und keine Personen. Wer den Wähler nicht ernst nimmt, hat das Nachsehen.
If Israel were to put down its arms there would be no more Israel.
If the Arabs were to put down their arms there would be no more war.
Benutzeravatar
Alexyessin
Vorstand
Beiträge: 74289
Registriert: Do 17. Nov 2011, 22:16
Benutzertitel: Phönix
Wohnort: wo´s Herzal is

Re: Warum driftet Deutschland nach rechts?

Beitragvon Alexyessin » Di 12. Feb 2019, 16:52

Wolverine hat geschrieben:(12 Feb 2019, 16:44)

Nein, ist es nicht.


Natürlich. Rechtsextremismus hat noch nie Probleme gelöst oder Sorgen erleichtert.
Der neue Faschismus wird nicht sagen: Ich bin der Faschismus. Er wird sagen: Ich bin kein Nazi, aber...
Baier is ma ned so - Baier sei is a Lebenseinstellung
Mia glangt das i woas das i kennt wenn i woin dadat
Benutzeravatar
Selina
Beiträge: 8812
Registriert: Do 29. Sep 2016, 14:33

Re: Warum driftet Deutschland nach rechts?

Beitragvon Selina » Di 12. Feb 2019, 16:52

Wolverine hat geschrieben:(12 Feb 2019, 16:44)

Nein, ist es nicht. Dadurch, dass man die Sorgen der Leute nicht ernst genommen hat und sie nicht beachtet hat gab es erst diese Wahlerfolge der AfD. Nach dem Motto "Stellt euch nicht so an........" löst man keine Probleme, man schafft welche, wie man an den Wahlergebnissen sehen kann. Der Wähler ist nun mal der Souverän, nicht die Parteien und keine Personen. Wer den Wähler nicht ernst nimmt, hat das Nachsehen.


In Chemnitz veranstaltet die Oberbürgermeisterin regelmäßig solche Bürgertreffs, das ging schon vor den Ereignissen im vorigen Sommer los. Und MDR überträgt das. Wenn man dann sieht und hört, wie sich diese "besorgten Bürger" gebärden, dann trifft einer deiner Lieblingsausdrücke, Hysterie, wirklich mal zu. Das sind keine Sorgen, das ist blanker Hass, blanke Fremdenfeindlichkeit, die sich da äußern. Sorgenvolle Anfragen und Gespräche gehen anders. In einer Stadt mit relativ niedrigem Ausländeranteil und noch niedrigerem Anteil an Muslimen "Angst vor der Islamisierung der Gesellschaft" zu haben, ist einfach nur albern und völlig an den Haaren herbeigezogen. Das sind keine besorgten Bürger, das sind Fremdenfeinde und Rassisten.
Drüben im Walde kängt ein Guruh - Warte nur balde kängurst auch du. Joachim Ringelnatz
Benutzeravatar
think twice
Beiträge: 20080
Registriert: Fr 4. Jul 2014, 14:14
Benutzertitel: sozialdemokratisch
Wohnort: Bunte Republik Deutschland

Re: Warum driftet Deutschland nach rechts?

Beitragvon think twice » Di 12. Feb 2019, 16:53

Selina hat geschrieben:(12 Feb 2019, 16:37)

Genau. Das ist das Problem. So zumindest empfinden das viele Leute aus Meckpomm. Und etliche von solchen Frustrierten und Abgehängten gehen dann den rechten Rattenfängern auf den Leim. Die vermitteln gerade jungen Menschen eine besondere Art von "Kameradschaft" und Zusammengehörigkeitsgefühl, was es sonst nicht mehr gibt in der Region, wo fast alle Jugendklubs und andere kulturelle Einrichtungen dicht gemacht haben.

Die Jugendlichen kann ich auch verstehen oder besser gesagt, ich kann ihre Beweggründe nachvollziehen.
Für erwachsene Mensche mittleren oder höheren Alters, die einen Job haben, die teilweise selbst Flucht- oder Vertreibungserfahrungen in der Familie haben, denen es eigentlich gut geht, und die dann auf der Strasse mit einem Lutz Bachmann oder Bernd Hoecke mitlatschen, aus "Protest",( gegen was?.)....Nein, dafür habe ich kein Verständnis.
Mit einem jugendlichen Nazi würde ich sprechen, mit einem erwachsenen Wutbuerger nicht.
Und es tut mir leid, ich habe auch für die Usedomer kein Verständnis. Usedom ist eine schöne Insel, ich war früher oft dort, aber seit ich weiss, wie die da wählen, kriegen mich keine 10 Pferde mehr dorthin.
Niedriglohn kann doch kein Argument sein, rechts zu waehlen. Niedriglohn ist normal in ganz Deutschland im Tourismus- und Gaststaettengewerbe. Und die waehlen rechts, obwohl sie quasi von den Fremden leben? Werde ich nie verstehen und will es auch garnicht.
Duldsamkeit heißt nicht, dass ich auch billige, was ich dulde.
(Mahatma Gandhi)
Benutzeravatar
Selina
Beiträge: 8812
Registriert: Do 29. Sep 2016, 14:33

Re: Warum driftet Deutschland nach rechts?

Beitragvon Selina » Di 12. Feb 2019, 17:08

think twice hat geschrieben:(12 Feb 2019, 16:53)

Die Jugendlichen kann ich auch verstehen oder besser gesagt, ich kann ihre Beweggründe nachvollziehen.
Für erwachsene Mensche mittleren oder höheren Alters, die einen Job haben, die teilweise selbst Flucht- oder Vertreibungserfahrungen in der Familie haben, denen es eigentlich gut geht, und die dann auf der Strasse mit einem Lutz Bachmann oder Bernd Hoecke mitlatschen, aus "Protest",( gegen was?.)....Nein, dafür habe ich kein Verständnis.
Mit einem jugendlichen Nazi würde ich sprechen, mit einem erwachsenen Wutbuerger nicht.
Und es tut mir leid, ich habe auch für die Usedomer kein Verständnis. Usedom ist eine schöne Insel, ich war früher oft dort, aber seit ich weiss, wie die da wählen, kriegen mich keine 10 Pferde mehr dorthin.
Niedriglohn kann doch kein Argument sein, rechts zu waehlen. Niedriglohn ist normal in ganz Deutschland im Tourismus- und Gaststaettengewerbe. Und die waehlen rechts, obwohl sie quasi von den Fremden leben? Werde ich nie verstehen und will es auch garnicht.


Niedriglohn und absolute Perspektivlosigkeit. Beides kann Menschen sehr frustriert machen. Man ist als Niedriglöhner immer auch Aufstocker und hat sich den Regeln vom Jobcenter zu beugen. Erniedrigend für junge Menschen, die ihr Leben noch vor sich haben. Die jungen Usedomer kommen aus diesem Teufelskreis nicht raus. Sie verlassen die Region oder ... werden Rechte. Und ja, solche Regionen, wo die Menschen vorwiegend von Niedriglöhnen leben müssen, gibts auch im Westen. Aber schau dir die Statistiken an: Dort, wo das der Fall ist, gehen die Zahlen der neurechten Wähler ebenfalls in die Höhe. Nicht so hoch wie im Osten, aber auch höher als in anderen westdeutschen Regionen.
Drüben im Walde kängt ein Guruh - Warte nur balde kängurst auch du. Joachim Ringelnatz
Benutzeravatar
schokoschendrezki
Beiträge: 12263
Registriert: Mi 15. Sep 2010, 15:17
Benutzertitel: wurzelloser Kosmopolit
Wohnort: Berlin
Kontaktdaten:

Re: Warum driftet Deutschland nach rechts?

Beitragvon schokoschendrezki » Di 12. Feb 2019, 17:12

Selina hat geschrieben:(12 Feb 2019, 14:23)

Nochmal: Es gibt auch in Russland faschistische Kräfte. Ja. Aber das gesamte russische System ist kein Faschismus. In Deutschland aber herrschte von 1933 bis 1945 ganz klar Faschismus, der bagatellisierend "Nationalsozialismus" genannt wurde und wird.

https://de.wikipedia.org/wiki/Russland


Da ist aber die Frage, was das sein soll, das "russische System". Der selbsternannte Philosoph und Eurasianer Alexander Dugin ist seit langer Zeit neben einigen Franzosen einer der führenden geistigen Köpfe der Neuen Rechten. Auch wenn Dugins Ideologie, zumindest solange Russland offiziell eine "Förderation" ist, nicht identisch ist mit der Politik der russischen Regierung. Was aber sowohl die Führung im Iran (Dugin ist in Teheran gern gesehener Gast) wie auch Putin wie auch die AfD wie auch die französische Nouvelle Droite eint ist eines: Der Hass auf den Liberalismus. Wie auch hier:

Wolverine hat geschrieben:(12 Feb 2019, 14:33)
... die Leute haben die Schnauze voll vom Liberalismus.
"Ich kann keine Nation lieben, ich kann keinen Staat lieben, ich kann nur meine Freunde lieben." Hannah Arendt
Benutzeravatar
Selina
Beiträge: 8812
Registriert: Do 29. Sep 2016, 14:33

Re: Warum driftet Deutschland nach rechts?

Beitragvon Selina » Di 12. Feb 2019, 17:55

schokoschendrezki hat geschrieben:(12 Feb 2019, 17:12)

Da ist aber die Frage, was das sein soll, das "russische System". Der selbsternannte Philosoph und Eurasianer Alexander Dugin ist seit langer Zeit neben einigen Franzosen einer der führenden geistigen Köpfe der Neuen Rechten. Auch wenn Dugins Ideologie, zumindest solange Russland offiziell eine "Förderation" ist, nicht identisch ist mit der Politik der russischen Regierung. Was aber sowohl die Führung im Iran (Dugin ist in Teheran gern gesehener Gast) wie auch Putin wie auch die AfD wie auch die französische Nouvelle Droite eint ist eines: Der Hass auf den Liberalismus. Wie auch hier:


Ich glaube nicht, dass das flächendeckend in diesem riesengroßen Russland der Fall ist. Es gibt dort entlegene Regionen, da gehts ums Überleben. Ja, denen sind Liberalismus oder Faschismus schnurz, sie wollen nur leben. Und das auf einem Niveau, das äußerst bescheiden ist. Nicht zu vergleichen mit dem, was wir unter "leben" verstehen. Mit "Hass auf Liberalismus" hat das nix zu tun. Die Lebensverhältnisse sind der Schlüssel. Ich glaube, wir sollten aufhören, mit unserem mitteleuropäischen Wohlstandsblick auf Russland zu schauen. Putin und Moskau sind nur ein kleiner Teil von Russland.
Zuletzt geändert von Selina am Di 12. Feb 2019, 18:03, insgesamt 2-mal geändert.
Drüben im Walde kängt ein Guruh - Warte nur balde kängurst auch du. Joachim Ringelnatz
Benutzeravatar
Alexyessin
Vorstand
Beiträge: 74289
Registriert: Do 17. Nov 2011, 22:16
Benutzertitel: Phönix
Wohnort: wo´s Herzal is

Re: Warum driftet Deutschland nach rechts?

Beitragvon Alexyessin » Mi 13. Feb 2019, 08:22

Wolverine hat geschrieben:(12 Feb 2019, 17:32)

Extremismus hat noch nie Probleme gelöst. Also wer Probleme hat soll lieber das Maul halten oder wie soll ich das verstehen? :D


Rechtsextremismus. Wolverine, Rechtsextremismus.
Es gibt viele Arten seine Missbilligung zu Ausdruck zu bringen. Eine rechtsextreme Partei wählen ist dahingehend eine der schlechteren Alternativen.
Der neue Faschismus wird nicht sagen: Ich bin der Faschismus. Er wird sagen: Ich bin kein Nazi, aber...
Baier is ma ned so - Baier sei is a Lebenseinstellung
Mia glangt das i woas das i kennt wenn i woin dadat
Benutzeravatar
euroade
Beiträge: 30
Registriert: Sa 29. Dez 2018, 15:43

Re: Warum driftet Deutschland nach rechts?

Beitragvon euroade » Mi 13. Feb 2019, 08:28

Wolverine hat geschrieben:(12 Feb 2019, 14:52)

Nun, da man die Sorgen bestimmter Menschen nicht ernst genommen hat sind massiv CDU, SPD und FDP-Wähler massiv nach rechts gewechselt. Das ist kein verbrämtes Gerede. Es gibt Menschen die sich Sorgen machen. Zu recht.


es gibt auch Grünwähler, welche die seiten gewechselt haben.
die Grünen hierzulande plädieren seit neuesten für überbevölkerung, bauboom und siedlungsverdichtung.einhergehend mit steigenden umweltbelastungen.
da ist halt nicht jeder Grüne mitgegangen.
Benutzeravatar
Tom Bombadil
Moderator
Beiträge: 36297
Registriert: Sa 31. Mai 2008, 15:27
Benutzertitel: Non Soli Cedit

Re: Warum driftet Deutschland nach rechts?

Beitragvon Tom Bombadil » Mi 13. Feb 2019, 10:32

Keoma hat geschrieben:(13 Feb 2019, 09:17)

Ach, es gab eine Zeit, da hat man mit "rechts" einfach die jeweils konservative Partei gemeint, in Ö die ÖVP und in D die CDU/CSU und keiner ist beim Ausdruck "rechts" zusammengezuckt, als hätte der Blitz eingeschlagen.

Ja, so war das mal, aber da haben Linke gute Arbeit geleistet, der politische Begriff "rechts" ist verbrannt.
The tree of liberty must be refreshed from time to time with the blood of patriots and tyrants. It is its natural manure.
Thomas Jefferson
Benutzeravatar
Wolverine
Beiträge: 8723
Registriert: So 7. Jul 2013, 19:19
Benutzertitel: Scouts

Re: Warum driftet Deutschland nach rechts?

Beitragvon Wolverine » Mi 13. Feb 2019, 13:02

Tom Bombadil hat geschrieben:(13 Feb 2019, 10:32)

Ja, so war das mal, aber da haben Linke gute Arbeit geleistet, der politische Begriff "rechts" ist verbrannt.


Yep. Das war auch die Absicht.
If Israel were to put down its arms there would be no more Israel.
If the Arabs were to put down their arms there would be no more war.
Benutzeravatar
Selina
Beiträge: 8812
Registriert: Do 29. Sep 2016, 14:33

Re: Warum driftet Deutschland nach rechts?

Beitragvon Selina » Mi 13. Feb 2019, 13:43

schokoschendrezki hat geschrieben:(12 Feb 2019, 14:19)

Im Betreff jedenfalls ist auch nicht von einer "akuten Gefahr" sondern lediglich von einer "Drift" die Rede ...

Mit diesen 12,5 Prozent vollzieht Deutschland den Anschluss an einen europa- und teils auch weltweiten Trend. Das war bis noch vor kurzem so wirklich nicht vorhersehbar. Und die Erklärung, dies sei lediglich die Reaktion auf eine angebliche Linksdrift der C-Parteien, eine Art Gegenpendelausschlag stimmt einfach nicht! Das ist eine populäre Erzählung, die zu hinterfragen ist. Die Entwicklung der AfD in Deutschland ist von der Eigendynamik eines Grenzüberschreitungs- und Tabubruchwettbewerbs geprägt. Keine der etablierten Parteien muss dafür irgendetwas tun oder unterlassen.


Das ist für mich im Moment der Kern der Debatte. Das in einer liberalen und freien Gesellschaft bislang Unsagbare und das jahrzehntelang auch zurecht "Geächtete" oder Verpönte wird durch die Rechtspopulisten und ihre Anhänger wieder sagbar und salonfähig gemacht. Eine Freude für die 12 bis 15 Prozent und eine Reaktion der Mehrheit, die von Ablehnung und Protest bis zu verständnisvollem Hinnehmen reicht.
Drüben im Walde kängt ein Guruh - Warte nur balde kängurst auch du. Joachim Ringelnatz
Benutzeravatar
Wolverine
Beiträge: 8723
Registriert: So 7. Jul 2013, 19:19
Benutzertitel: Scouts

Re: Warum driftet Deutschland nach rechts?

Beitragvon Wolverine » Mi 13. Feb 2019, 14:17

Selina hat geschrieben:(13 Feb 2019, 13:43)

Das ist für mich im Moment der Kern der Debatte. Das in einer liberalen und freien Gesellschaft bislang Unsagbare und das jahrzehntelang auch zurecht "Geächtete" oder Verpönte wird durch die Rechtspopulisten und ihre Anhänger wieder sagbar und salonfähig gemacht. Eine Freude für die 12 bis 15 Prozent und eine Reaktion der Mehrheit, die von Ablehnung und Protest bis zu verständnisvollem Hinnehmen reicht.


Ich glaube nicht, dass es wieder salonfähig wird. Offensichtlich wird einiges von vielen Menschen nicht mehr so schlimm empfunden. Man kann nicht jeden zwingen die Vernichtungslager der Nazis zu besuchen. Salonfähig wird so ein Völkermord niemals und das ist auch gut so.
If Israel were to put down its arms there would be no more Israel.
If the Arabs were to put down their arms there would be no more war.
Benutzeravatar
Moses
Moderator
Beiträge: 8199
Registriert: Di 20. Mär 2012, 14:43
Benutzertitel: Cogito ergo hic erro.
Wohnort: Da wo die Liebe wohnt
Kontaktdaten:

Re: Warum driftet Deutschland nach rechts?

Beitragvon Moses » Mi 13. Feb 2019, 14:44

Ich habe versucht den Strang zu reinigen . . . beginnend auf Seite 101 hab ich keinen Beitrag mehr gefunden, der sich mit dem Strangthema beschäftigt. Es geht - wie immer - um Muslime oder die AfD. Dafür gibt es mittlerweile viele andere Stränge. Die Frage nach dem warum, als Kerninhalt dieses Stranges scheint keinen User mehr zu interessieren.

Ich werde mich mit den anderen Moderatoren und dem Vorstand beraten, was mit diesem Strang hier geschehen soll. Bis dahin bleibt er - müllvermeidend - geschlossen.

Moses
Mod
Der Herr gebe mir die Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann, den Mut, Dinge zu ändern, die ich nicht hinnehmen kann, und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden.
Benutzeravatar
Moses
Moderator
Beiträge: 8199
Registriert: Di 20. Mär 2012, 14:43
Benutzertitel: Cogito ergo hic erro.
Wohnort: Da wo die Liebe wohnt
Kontaktdaten:

Re: Warum driftet Deutschland nach rechts?

Beitragvon Moses » Do 14. Feb 2019, 13:03

Moderation und Vorstand haben lang und kontrovers über diesen Strang debattiert.
Die Entscheidung steht. Der Strang bleibt bestehen.

Wir alle sind der Überzeugung, dass dieser Strang wichtig ist. Umso wichtiger ist es, das die beteiligten User und auch die Moderation hier an einem Strang ziehen um die Diskussion über das "Warum" am Leben zu halten und sie nicht unter Seitendiskussionen über Parteien (hier natürlich vor allen die AfD) begraben zu lassen.

In allen Strängen dieses Forums gilt eine wichtige Regel: Bevor ich auf "Absenden" drücke, prüfe ich, ob mein Beitrag zum Thema passt, ob er besser samt Zitat in einen anderen Strang passt, ob ich vielleicht einen User persönlich angehe oder gar pöbelnd oder beleidigend aufgefasst werden kann - die Grundregel gilt es in diesem Strang ganz besonders zu beachten.
Wenn meine Antwort auf einen Beitrag zu einer Diskussion über die AfD, über Ungarn, Polen oder Russland führt, dann verlagere ich die Antwort dahin um den Strang hier nicht zu weit vom eigentlichen Thema zu entfernen, wenn ich mich zu einem persönlichen Angriff auf einen User habe hinreisen lassen, dann lösche ich den Text oder sende dem User eine PN. Wenn ich selbst persönlich angegriffen werde oder mich angegriffen fühle, dann melde ich den Beitrag und vertraue darauf, dass die Moderatorin hier entsprechend einschreitet.

Ich bitte alle User sich an diese Grundregeln der politischen Diskussion im politik-forum.eu zu halten. Das erleichtert neben der Lesbarkeit des Stranges auch die Arbeit der Moderation, führt zu weniger Eingriffen und Strangsperrungen.

In diesem Sinne, wohlbesonnen auf ein Neues

Moses
Mod
Der Herr gebe mir die Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann, den Mut, Dinge zu ändern, die ich nicht hinnehmen kann, und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden.
Benutzeravatar
firlefanz11
Beiträge: 6468
Registriert: Mo 10. Sep 2012, 12:18

Re: Warum driftet Deutschland nach rechts?

Beitragvon firlefanz11 » Do 14. Feb 2019, 17:29

Moses hat geschrieben:(14 Feb 2019, 13:03)

Moderation und Vorstand haben lang und kontrovers über diesen Strang debattiert.
Umso wichtiger ist es, das die beteiligten User und auch die Moderation hier an einem Strang ziehen um die Diskussion über das "Warum" am Leben zu halten...

Und um das "ob überhaupt"...
"Wer hier ist, weil er Hilfe beansprucht, hat eine besondere moralische Verpflichtung, den Helfern nicht das Leben zu zerstören."
Benutzeravatar
Moses
Moderator
Beiträge: 8199
Registriert: Di 20. Mär 2012, 14:43
Benutzertitel: Cogito ergo hic erro.
Wohnort: Da wo die Liebe wohnt
Kontaktdaten:

Re: Warum driftet Deutschland nach rechts?

Beitragvon Moses » Do 14. Feb 2019, 17:36

firlefanz11 hat geschrieben:(14 Feb 2019, 17:29)

Und um das "ob überhaupt"...

gern auch das, ja! :thumbup:
Der Herr gebe mir die Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann, den Mut, Dinge zu ändern, die ich nicht hinnehmen kann, und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden.

Zurück zu „2. Innenpolitik - Verfassung“

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 1 Gast