Ermittlung der neu fest zu legenden Grundsteuer

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H2O
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Ermittlung der neu fest zu legenden Grundsteuer

Beitrag von H2O »

Mir will kein Unterforum einfallen, wo mein heutiges Anliegen "Ermittlung der neu fest zu legenden Grundsteuer" vorgetragen werden könnte.

Meine Frau, unser "Finanzminister", nervt mich seit Wochen, jetzt endlich der Forderung des Bremer Finanzamts nach zu kommen, die steuerlich wichtigen Daten zur Bemessung der Grundsteuer für unser Eigentum in Bremen zusammengefaßt an zu liefern. Zur Erleichterung der Formfragen gibt es hier www.grundsteuererklaerung-fuer-privateigentum.de eine Abfrageprozedur, die den Steuerpflichtigen führen soll, damit er nichts wesentliches vergißt. Leider kommt man aus dem Ausland (in meinem Fall also Polen) nicht an diese Prozedur heran... da kommt sofort der Abbruch der Abfrage. Warum, das weiß der Teufel. Unser steuerlich zu bewertendes Grundstück liegt ja unverändert in Bremen...

Das mit e-mail um Hilfe gebetene Finanzamt meldet sich ganz einfach nicht. Vermutlich "Land unter". Da steht unsereiner fern der Heimat unter Druck, denn die Presseverlautbarungen der Ämter wiederholen, daß bis Oktober die Daten verfügbar gemacht sein sollen... ansonsten drohe Fürchterliches, mindestens! Manchmal tröpfelt durch, daß an eine Verlängerung der Abgabefrist gedacht ist, weil erst 18% der Steuerpflichtigen die Daten in der geforderten Form angeliefert haben (Vermutlich wahre Steuerprofis, oder nach fachlicher Anleitung durch kundige Steuerberater. Na, die findet man sicher nicht im Ausland, wo ganz andere Gesetze greifen...).

Aber meine Frau, also unser Finanzminister, ist ja auf Draht! Sie hält sich und liest auch die Zeitschrift "Finanztest" der Stiftung Warentest. Und siehe da, in der neuesten Ausgabe Oktober 2022 erschien rechtzeitig vor dem Abgabetermin für die Grundsteuerdaten unter "Steuern" auf Seite 70 ein Beitrag zur Grundsteuererklärung: "Alternativen zu ELSTER". Dort werden 4 Programme kurz bewertet. Von ELSTER, dem Steuerprogramm schlechthin, wird wegen der für Laien unverständlichen Terminologie (Wortwahl) abgeraten; das Programm unter www.grundsteuererklaerung-fuer-privateigentum.de hatten wir oben schon. Das Programm wird gelobt, aber was hilft mir das, wenn es seine Benutzung bei Wohnsitz im Ausland verweigert... immer noch, nach vielen Wochen...

Also keine Hilfe vom Finanzamt Bremen, untaugliche offizielle Programme für Leute, die sich vor gar nichts mehr fürchten!

Doch sind noch zwei weitere Hilfsprogramme im Angebot. Eins, von dessen Benutzung "Finanztest" abrät: Fehlermeldung ohne Abhilfe, unübersichtlich. Schwamm drüber!

Als letztes und empfohlenes Hilfsprogramm "WISO-Grundsteuer" der Firma Buhl GmbH. Kostet leider Geld (etwa 30 EUR), aber am Ende gut angelegtes Geld, um das vorweg zu nehmen. Tatsächlich ist es meinem "Finanzminister" und mir gelungen, das Programm sinnvoll zu nutzen, so manche zunächst unverständliche Hürde zu nehmen, und aus Unterlagen aus den vergangenen 30 Jahren die angeforderten Daten ordnungsgemäß zu übertragen. Das Programm kennt offenbar den DAU (dümmster anzunehmender User), hilft also mit Vorschlägen für Format und Inhalt von Daten. Kurzum: Nach 150 min zähem Kampf mit den Tücken des Objekts hatten wir die Daten "im Kasten" auf einem mit "ENTWURF" gekennzeichneten Formblatt, das vermutlich dem Ergebnis von ELSTER entspricht.

Kleiner Spaß am Rande: Fast wären wir kurz vor dem Ziel noch gescheitert bei den Anreden für mich und meine Frau. Das Feld hatte ich leer gelassen; das Programm ermahnte mich, doch bitte den Anredecode ein zu tragen. Tja, 02 Herr, 03 Frau. Verzweifelter Versuch mit 02 und 03... nichts ging. Also dann eben Klartext Herr, Frau ... und lief durch! Deutsche Sprach, schweres Sprach... Ansonsten: Chapeau!

Warum gut angelegtes Geld? Nun, in unserem Fall wäre wohl eine "Dienstreise" zu einem deutschen Steuerberater mit Erfahrung in Sachen Grundsteuer fällig gewesen. Den Steuerberater hätten wir auch erst einmal finden müssen, nachdem vom Finanzamt Bremen keine Unterstützung zu haben war. 30 EUR zu vergleichen mit dann zu erwartenden 600 EUR... ein Schnäppchen. Das Lob im "Finanztest" war also völlig gerechtfertigt... mit gutem Willen kommt auch ein DAU mit dem Programm "WISO Grundsteuer" klar. Jedem Leidensgefährten sehr zu empfehlen! Aber die angefragten Daten muß man schon im Zugriff haben, sonst wird das nichts!

Der krönende Abschluß: Wie bekommt man die Daten ins Finanzamt? Der Vorschlag des Programms WISO Grundsteuer: Das Programm wird ein vollwertiges Dokument ELSTER elektronisch an das Finanzamt schicken, wenn die Person des Steuerzahlers zweifelsfrei belegt werden kann. Dazu wird der Benutzer auf VERIMI verwiesen; ein Unternehmen das für diese Fragen eine Lösung bietet. Die einfachste und wohl auch beste: Den Personalausweis vorn und hinten mit Smartphone ablichten und ein eigenes Portrait "SELFIE" auf dem gleichen Kanal abschicken zum biometrischen Vergleich mit dem Paßbild auf dem Personalausweis. Nach einigen bangen Minuten kommt die Bestätigung... und WISO Grundsteuer schreitet zur Tat: Ab die Post! Geschafft... in jeder Hinsicht!

So, nun ist das Finanzamt Bremen am Zuge.

Tja, warum habe ich diese längliche Geschichte erzählt? Unter den angeblich 82% Grundsteuerpflichtigen im Lande wird sich der eine oder andere Leidensgefährte befinden, der mit den offiziellen Programmen nicht bis zum gültigen Dokument durch dringt. Diese Leidensgefährten ermutige ich, meinem Weg zu folgen... wenn auch mit der Faust in der Tasche über diese Zumutung durch ein staatliches Amt. Das Amt hat sämtliche Daten im Zugriff... vermutlich sogar in elektronischer Form; läßt sich aber bedienen von seinen steuerzahlenden Bürgern. Ein Stück aus dem Tollhaus!
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jorikke
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Re: Ermittlung der neu fest zu legenden Grundsteuer

Beitrag von jorikke »

H2O hat geschrieben: Fr 23. Sep 2022, 20:37 Mir will kein Unterforum einfallen, wo mein heutiges Anliegen "Ermittlung der neu fest zu legenden Grundsteuer" vorgetragen werden könnte.
(...)
Ein Stück aus dem Tollhaus!
Großartig diese Ernsthaftigkeit. Leider kann ich mir in dieser Hinsicht nicht auf die Schulter klopfen.
Ich habe das ganze Zeug in der Ablage liegen lassen. Als mein Sohn neulich hier war kamen wir, mehr zufällig, auf das Thema zu sprechen.
Er las sich kurz ein, setze sich an den PC, und, ich schwöre es, keine 10 min später war alles erledigt.
Er ließ sich alles ausdrucken, drückte es mir in die Hand und sagte, heb es auf, es ist der Beweis geantwortet zu haben, falls die reklamieren.
So ist es nun. Meiner Meinung nach kann er in der kurzen Zeit, zudem noch ohne Rückfragen an mich,
nicht alles sinnvoll beantwortet haben.
Auf der anderen Seite bin ich aber festdavon überzeugt, etwa 80% aller Antworten an das Finanzamt sind voller Fehler. Wie sollen die armen Sachbearbeiter damit fertig werden.
Menschlich nehme ich an.
Völlig genervt werden sie das Meiste einfach durchwinken.
Ich sitze das mal aus.
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H2O
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Re: Ermittlung der neu fest zu legenden Grundsteuer

Beitrag von H2O »

Ja , lieber Jorikke, meine Frau ist wirklich sehr gewissenhaft... vermutlich die beste Staatsbürgerin, die es geben kann. Ihr Sohn hat vermutlich Glück gehabt, daß er von Ihrem Wohnort aus an das Programm
www.grundsteuererklaerung-fuer-privateigentum.de
heran kam. Das hat mich hier in Polen fast zum Wahnsinn getrieben. Ich war deshalb auch so weit, daß ich die Dinge treiben lassen wollte, aber meine Frau läßt in solchen Dingen nicht locker. Inzwischen bin ich fast sicher, daß sie damit Recht hatte. Geschafft, im wahrsten Sinne des Wortes.

Ich drücke Ihnen die Daumen, daß Ihr Sohn das alles völlig richtig eingegeben hat. Unser Sohn wohnt und arbeitet sehr weit entfernt von uns. Da ist Hilfe in solchen Nöten nicht so einfach möglich. Aber wir haben es am Ende doch noch geschafft in gemeinsamer Anstrengung... ist doch auch ein Glücksgefühl!
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JJazzGold
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Re: Ermittlung der neu fest zu legenden Grundsteuer

Beitrag von JJazzGold »

jorikke hat geschrieben: Fr 23. Sep 2022, 23:49 Großartig diese Ernsthaftigkeit. Leider kann ich mir in dieser Hinsicht nicht auf die Schulter klopfen.
Ich habe das ganze Zeug in der Ablage liegen lassen. Als mein Sohn neulich hier war kamen wir, mehr zufällig, auf das Thema zu sprechen.
Er las sich kurz ein, setze sich an den PC, und, ich schwöre es, keine 10 min später war alles erledigt.
Er ließ sich alles ausdrucken, drückte es mir in die Hand und sagte, heb es auf, es ist der Beweis geantwortet zu haben, falls die reklamieren.
So ist es nun. Meiner Meinung nach kann er in der kurzen Zeit, zudem noch ohne Rückfragen an mich,
nicht alles sinnvoll beantwortet haben.
Auf der anderen Seite bin ich aber festdavon überzeugt, etwa 80% aller Antworten an das Finanzamt sind voller Fehler. Wie sollen die armen Sachbearbeiter damit fertig werden.
Menschlich nehme ich an.
Völlig genervt werden sie das Meiste einfach durchwinken.
Ich sitze das mal aus.

Hm.
Keine Ahnung, wie umfangreich die Fragebögen in Baden-Württemberg sind.
Die beiden Bögen in Bayern lassen meiner Meinung nach keine Möglichkeit für Fehler.
Geholt haben wir, eine Gruppe älterer Damen und Herren, die sich das Ausfüllen alleine nicht zutrauten, die Formulare bei der Gemeinde, einschließlich Begleitbogen mit Beispielen zu jeder Zeile.
Ausgefüllt haben wir zusammen, jeder entsprechend seiner mitgebrachten Unterlagen. Die Atlas Seite hatte ich zuvor für jeden abgerufen und ausgedruckt.
Das dauerte insgesamt zwei Stunden, erst mit Bleistift in die kopierten Seiten, Überprüfung, danach Übertragung mit Kugelschreiber ins Formular.
Die Formulare jeweils in einen Umschlag und die gesammelten Umschläge in den Briefkasten des Finanzamts, das war's.

In eine digitale Akte übertragen können die dafür Zuständigen.
Rückfragen erwarte ich bei den simplen Angaben für 1 Haus - 1 Besitzer, maximal 2 Besitzer, nicht.
Just for fun haben wir die Gartenhäuschen alle gelistet, selbstverständlich mit 0.
Die gefährlichste aller Weltanschauungen ist die der Leute, welche die Welt nie angeschaut haben.
Alexander Freiherr von Humboldt

Kranich oder gar nicht!
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H2O
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Re: Ermittlung der neu fest zu legenden Grundsteuer

Beitrag von H2O »

@ JazzGold:
Das ist natürlich eine sehr gute Erfahrung! Auch daß es zwei Bögen Formulare gab, die klar genug nachfragten. In meinem Falle blieb ja "die Gemeinde" auch auf Nachfrage stumm. Also kein Fragebogen, keine Erklärung. Und kein Zugang zum öffentlichen Abfrageprogramm für Anfragen aus dem Ausland.

Da bleibt mir nur noch, das erworbene Programm zu loben... ohne dessen Hilfe meine Frau und ich kläglich gescheitert wären. Durchaus möglich, daß wir Fehler gemacht haben, die das Programm nicht erkennen konnte. Das gute Gewissen zählt! Im Finanzamt ist das Ergebnis auf elektronischem Wege auch schon gelandet.

Inzwischen drohen die Ämter (heute im Weser-Kurier zu lesen) mit bis zu 25.000 EUR Säumnisgebühr für verspätete Abgabe. Ein Beschäftigungsprogramm für Steuerberater?
Weser-Kurier 2022-09-24, Seite 39
Zwangsgeld kann bis zu 25 000 Euro betragen
Grundsteuererklärung: Die unleidige Bürokratie wird gerne mal auf die lange Bank geschoben — das ist aber keine gute Idee
  • Wird die Steuererklärung überhaupt
    nicht eingereicht, kann grundsätzlich eine
    Schätzung durch das Finanzamt erfolgen“,
    sagt Bauer. Die Schätzung ist für Eigentüme-
    rinnen und Eigentümer in den meisten Fäl-
    len nachteilig, weil die Finanzämter groß-
    zügig runden. Doch selbst die Schätzung
    entbinde nicht von der Verpflichtung zur
    Abgabe der Erklärung. In der Regel setzten
    die Finanzbeamten mit dem Schätzungs-
    bescheid eine neue Vier-Wochen-Frist, sagt
    Bauer.
So wie ich dieses Vorgehen einschätze, wird das Finanzamt keine Verantwortung für seine eigene Schätzung übernehmen....
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