Nullzinspolitik und Inflation

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Maikel
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Re: Nullzinspolitik und Inflation

Beitrag von Maikel »

firlefanz11 hat geschrieben: Mo 2. Mai 2022, 14:50 schon damals haben diverse VWLer prognostitziert, dass das KEIN vorübergehendes Phänomen sein wird.
"Diverse VWLer": wie viele? mit welcher Relevanz? Wie viele VWLer waren anderer Meinung?
Wer entscheidet, nach welchen "VWLern" wir uns richten sollen?

Soweit ich erinnere, behaupten "diverse VWLer" schon seit etwa 10 Jahren, daß ganz kurzfristig die dicke Inflation kommen sollte.
Die menschliche Sprache ist einzigartig, aber nicht eindeutig.
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Re: Nullzinspolitik und Inflation

Beitrag von Maikel »

Realist2014 hat geschrieben: Mo 2. Mai 2022, 15:16 Basierend auf den Monatszahlen greift die Argumentation mit "Corona -Nachholung" ja wohl schon seit dem Herbst 2021 nicht mehr.
Herbst 2021 war die Zeit, in der sich die wieder erhöhte MWSt auf die Inflation auswirkte.
Außerdem waren z.B. die Energiepreise immer noch in der "Erholung" vom Corona-Tief.
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Re: Nullzinspolitik und Inflation

Beitrag von Maikel »

Skull hat geschrieben: Mo 2. Mai 2022, 15:49 Hat ja super geklappt… :?: :dead:
Inwieweit das geklappt hat, werden wir nie wissen; denn es bleibt unklar, was passiert wäre, wenn die EZB mit Gerede von Inflation diese evtl. noch weiter verstärkt hätte.
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Realist2014
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Re: Nullzinspolitik und Inflation

Beitrag von Realist2014 »

Maikel hat geschrieben: Mo 2. Mai 2022, 16:00 Herbst 2021 war die Zeit, in der sich die wieder erhöhte MWSt auf die Inflation auswirkte.
Außerdem waren z.B. die Energiepreise immer noch in der "Erholung" vom Corona-Tief.
Gemäß den von Skull angeführten offiziellen Zahlen wäre das aber schon eine "Überkompensation" gewesen mit über 5% ...
Laut Aussage der linken Ideologen sind alle ökonomisch erfolgreichen dumm, und die wahre Intelligenz tritt sich in der untersten ökonomischen Etage auf die Füße.....daher muss diese Etage ausgebaut werden
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Skull
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Re: Nullzinspolitik und Inflation

Beitrag von Skull »

Maikel hat geschrieben: Mo 2. Mai 2022, 16:03
Inwieweit das geklappt hat, werden wir nie wissen; denn es bleibt unklar, was passiert wäre,
wenn die EZB mit Gerede von Inflation diese evtl. noch weiter verstärkt hätte.
Du brauchst gar nicht von „Gerede“ schreiben.
Inflation begann, Inflation verstärkte und beschleunigte sich. Inflation IST da.

Da sollte man man weder vorher, noch zwischendurch die Augen zu machen.

Auch diese nicht als Gerede bezeichnen.

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Niklas
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Re: Nullzinspolitik und Inflation

Beitrag von Niklas »

Maikel hat geschrieben: Mo 2. Mai 2022, 15:54 Soweit ich erinnere, behaupten "diverse VWLer" schon seit etwa 10 Jahren, daß ganz kurzfristig die dicke Inflation kommen sollte.
Ja, das ist richtig. Ich kann mich sehr gut daran erinnern. Nur habe ich diesen Warnungen nicht geglaubt: die EZB ist doch UNABHÄNGIG, und die Inflation kann deswegen gar nicht 2% übersteigen.

Ohne Pandemie und Krieg müsste man wohl andere Begründungen für Inflation und Verschuldung suchen.
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Re: Nullzinspolitik und Inflation

Beitrag von Maikel »

Skull hat geschrieben: Mo 2. Mai 2022, 16:21 Inflation begann, Inflation verstärkte und beschleunigte sich. Inflation IST da.
Fast richtig. Inflation hat nicht begonnen; die war schon immer da.

Aber wir waren schon mal weiter, und hatten über die Gründe für die jetzt verstärkte Inflation diskutiert.
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Re: Nullzinspolitik und Inflation

Beitrag von Atue001 »

Beim Thema Inflation muss man genau hinschauen - was sind jeweils die Ursachen, und was entwickelt sich daraus für die Zukunft?

Eine Form der Inflation ist es, wenn die vorhandene Geldmenge nicht mehr passt - also viel mehr Geld vorhanden ist, als die Wirtschaft eigentlich braucht. Eine Inflation, die darauf basiert, kann durch Verknappung der Geldmenge bekämpft werden.
Die derzeitige Variante der Inflation basiert aber weniger auf der Exorbitanten Geldmenge, als vielmehr auf der Verknappung zahlreicher Rohstoffe.

Nehmen wir mal an, der Krieg wäre morgen vorbei, und die Nachwehen der Corona-Probleme wären auch binnen Wochen gelöst. Dann könnte eine Folge sein, dass sich Energie aber auch Rohstoffe dramatisch verbilligen, weil sie einfach verfügbar wären. Das könnte dann zu einer Art Deflation führen - weil über viele Monate Dinge billiger wären als im Vorjahr.

Worauf ich hinaus will: Bei der Analyse eines Inflationsszenarios ist es wichtig, dass man die Ursachen mit in den Blick nimmt. Aktuell ändern sich die Szenarien durch die Verwerfungen in der Weltpolitik sehr schnell sehr dramatisch. Aufgabe der EZB ist es in diesem volatilen Umfeld, die Märkte dabei zu begleiten, bis sich neue Gleichgewichte einstellen. Da nicht absehbar ist, wie die neue Gleichgewichtssituation aussieht, und da die Möglichkeiten der EZB zur Steuerung einzelner Märkte sehr begrenzt sind, hängt beim aktuellen Inflationsszenario sehr viel davon ab, wie die Politik reagiert und agiert. Aktuell aber passiert da relativ wenig. Die Ukraine-Krise überlagert sehr viel. Lediglich auf dem Energiesektor wird teilweise staatlich eingegriffen, um zu hohe Energiepreise zu vermeiden - das aber auch nicht konsistent, sondern in jedem EU-Land individuell.

Kein Szenario, welches es der EZB besonders leicht macht.
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Re: Nullzinspolitik und Inflation

Beitrag von firlefanz11 »

Lagarde will ja noch nciht mal zugeben, dass es zu eienr Stagflation kommem wird... :rolleyes:
Zinserhöhungen sind schon deshalb nötig um eine Lohn-Preis Spirale sowie ein weiteres Nachgeben des Euro gegenüber dem USD zu verhindern...
Und was sagen Sie als Unbeteiligte(r) zum Thema Intelligenz?
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Re: Nullzinspolitik und Inflation

Beitrag von Wähler »

firlefanz11 hat geschrieben: Do 12. Mai 2022, 10:38 Lagarde will ja noch nciht mal zugeben, dass es zu eienr Stagflation kommem wird... :rolleyes:
Zinserhöhungen sind schon deshalb nötig um eine Lohn-Preis Spirale sowie ein weiteres Nachgeben des Euro gegenüber dem USD zu verhindern...
Leider ist das alles nicht so einfach, weil ja auch bedacht werden muss, dass Zinsteigerungen die Zinsausgaben der verschuldeten Staaten erhöhen.
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Re: Nullzinspolitik und Inflation

Beitrag von firlefanz11 »

Wähler hat geschrieben: Do 12. Mai 2022, 15:51 Leider ist das alles nicht so einfach, weil ja auch bedacht werden muss, dass Zinsteigerungen die Zinsausgaben der verschuldeten Staaten erhöhen.
Nur ist es nunmal nicht das Mandat der EZB die hochverschuiddeten Südstaaten zu pampern sondern für Preisstabilität zu sorgen...
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Re: Nullzinspolitik und Inflation

Beitrag von Wähler »

Wähler hat geschrieben: Do 12. Mai 2022, 15:51 Leider ist das alles nicht so einfach, weil ja auch bedacht werden muss, dass Zinsteigerungen die Zinsausgaben der verschuldeten Staaten erhöhen.
firlefanz11 hat geschrieben: Do 12. Mai 2022, 15:53 Nur ist es nunmal nicht das Mandat der EZB die hochverschuiddeten Südstaaten zu pampern sondern für Preisstabilität zu sorgen...
Das ist eine zu einfache Theorie. In den USA hat die Zentralbank auch noch andere Ziele.
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Re: Nullzinspolitik und Inflation

Beitrag von Skull »

Wähler hat geschrieben: Do 12. Mai 2022, 16:53 Das ist eine zu einfache Theorie. In den USA hat die Zentralbank auch noch andere Ziele.
Und WIR leben in Deutschland und in Europa. :)

In anderen Ländern mögen Zentralbanken ja andere Ziele haben.

Ich bitte aber um Einhaltung der Ziele, die die EZB hat.

Da bin ich konservativ. Und möchte nicht, dass die Zentralbank zum Arm der Politik verkommt.

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Re: Nullzinspolitik und Inflation

Beitrag von Adam Smith »

Wähler hat geschrieben: Do 12. Mai 2022, 15:51 Leider ist das alles nicht so einfach, weil ja auch bedacht werden muss, dass Zinsteigerungen die Zinsausgaben der verschuldeten Staaten erhöhen.
Je höher die Staatsverschuldung desto mehr bestimmt die Höhe der Zinsausgaben die Ziele einer Zentralbank.
TOKIO (Dow Jones)--Die Bank of Japan (BoJ) hat ihre Entschlossenheit bekräftigt, die Zinsen in Japan trotz deutlich höherer Inflation nicht steigen zu lassen. Die Zentralbank erklärte, sie werde an jedem Geschäftstag zehnjährige japanische Staatsanleihen zu einer Rendite von 0,25 Prozent kaufen, um sicherzustellen, dass die Rendite dieses Niveau nicht überschreitet. Sie hat in diesem Monat bereits häufig interveniert, um diese Obergrenze zu wahren.
https://www.finanzen.net/nachricht/akti ... t-11287854
Das ist Kapitalismus:

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Re: Nullzinspolitik und Inflation

Beitrag von Mendoza »

Adam Smith hat geschrieben: Fr 13. Mai 2022, 08:04 Je höher die Staatsverschuldung desto mehr bestimmt die Höhe der Zinsausgaben die Ziele einer Zentralbank.



https://www.finanzen.net/nachricht/akti ... t-11287854
Und was soll man mit dieser, deiner Nachricht anfangen? Die Inflation in Japan betrug zuletzt lächerliche 1,2%. Wenn das Ziel 2% ist braucht man dann logischerweise an den Leitzinsen auch nichts zu ändern.
Churchill "Dem Kapitalismus wohnt ein Laster inne: Die ungleichmäßige Verteilung der Güter. Dem Sozialismus hingegen wohnt eine Tugend inne: Die gleichmäßige Verteilung des Elends."
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Re: Nullzinspolitik und Inflation

Beitrag von Adam Smith »

Mendoza hat geschrieben: Fr 13. Mai 2022, 18:33 Und was soll man mit dieser, deiner Nachricht anfangen?
Auf dem ersten oder zweiten Blick kann man damit natürlich wenig anfangen. Selbst ein dritter oder vierter Blick helfen nicht weiter. Dann dürfte es aber dann doch verwundern, warum es bei der japanischen Zentralbank diese Entschlossenheit in Bezug auf die Rendite gibt.
Das ist Kapitalismus:

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Re: Nullzinspolitik und Inflation

Beitrag von Atue001 »

Skull hat geschrieben: Fr 13. Mai 2022, 07:38
In anderen Ländern mögen Zentralbanken ja andere Ziele haben.

Ich bitte aber um Einhaltung der Ziele, die die EZB hat.
Wenn wir speziell die FED und die EZB vergleichen, dann gibt es da zwar in Nuancen unterschiedliche Ziele, die auch zu einer unterschiedlichen Währungspolitik führen - aber praktisch sind diese doch eher gering. Die FED schaut ein wenig intensiver auf die Arbeitslosigkeit - aber da die volkswirtschaftlichen Parameter wie Arbeitslosigkeit, Staatsverschuldung, Inflationsrisiko, ... ... ... eng miteinander verflochten sind, achtet auch die EZB auf deutlich mehr Parameter als nur die Preisstabilität. Im Grunde genommen stützt eine vernünftige Währungspolitik immer auch eine vernünftige Wirtschaftspolitik - arbeiten die beiden Gegeneinander, entsteht ein unguter Mix für die Volkswirtschaften.

Aus meiner Sicht sind die Unterschiede zwischen FED und EZB nicht wirklich bedeutend - relevanter ist, dass Zentralbanken möglichst unabhängig von der Politik agieren können. Damit sie das können, sind aber in einer Demokratie Regularien notwendig - also quasi der gesetzliche Rahmen innerhalb dessen sich die Zentralbanken unabhängig bewegen können.

Wenn die EZB beispielsweise die Arbeitslosigkeit nicht berücksichtigen dürfte, oder die Unterschiede in den einzelnen Märkten in Europa nicht in ihre Überlegungen einbeziehen dürfte - dann wäre das Korsett für eine EZB für viele verschiedene Länder zu eng. Ist es aber nicht - die EZB kann sogar in gewissem Rahmen ihre Ziele selbst konkretisieren und hat das im Bezug auf das 2%-Ziel auch getan.
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Re: Nullzinspolitik und Inflation

Beitrag von Mendoza »

Atue001 hat geschrieben: Fr 13. Mai 2022, 23:10 Wenn die EZB beispielsweise die Arbeitslosigkeit nicht berücksichtigen dürfte, oder die Unterschiede in den einzelnen Märkten in Europa nicht in ihre Überlegungen einbeziehen dürfte - dann wäre das Korsett für eine EZB für viele verschiedene Länder zu eng. Ist es aber nicht - die EZB kann sogar in gewissem Rahmen ihre Ziele selbst konkretisieren und hat das im Bezug auf das 2%-Ziel auch getan.
Die Arbeitslosigkeit in der Eurozone kann ja schon mal gar kein Grund für die Nullzinspolitik sein. Die ist auf einem Rekordtief!
https://www.wiwo.de/konjunktur-arbeitsl ... 98564.html
Dazu kommt, dass die EZB schlicht und ergreifend ihre Kompetenzen überschreitet, wenn sie hier Wirtschaftspolitik betreibt. Dafür hat sie gar kein Mandat!
Churchill "Dem Kapitalismus wohnt ein Laster inne: Die ungleichmäßige Verteilung der Güter. Dem Sozialismus hingegen wohnt eine Tugend inne: Die gleichmäßige Verteilung des Elends."
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Re: Nullzinspolitik und Inflation

Beitrag von Jo33 »

Ich sehe mittlerweile die große Gefahr, dass die Bürger das Vertrauen in den Euro verlieren, bzw schon verloren haben. Bei den nächsten Wahlen, wird sicherlich wenn es die nächsten, Monate und Jahre so weitergeht, eine Partei an die Macht kommen, einzig mit dem Ziel den Euro abzuschaffen, da La Garde ihn wertlos, ihn umgebracht hat.

Eigentlich müsste jetzt von der EZB eine Rede kommen, in der mit tiefer Überzeugung gesagt wird, wir machen Alles damit der Euro stabil bleibt, koste es was es wolle, der Euro bleibt stabil.

Sonst sehe ich, eine Ende des Euros noch in diesem Jahrzehnt, das Vertrauen in die EZB und somit auch den Euro ist futsch. Das könnte zu einer Rebellion der Bevölkerung führen.
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Re: Nullzinspolitik und Inflation

Beitrag von Atue001 »

Mendoza hat geschrieben: Di 17. Mai 2022, 23:22 Die Arbeitslosigkeit in der Eurozone kann ja schon mal gar kein Grund für die Nullzinspolitik sein. Die ist auf einem Rekordtief!
https://www.wiwo.de/konjunktur-arbeitsl ... 98564.html
Dazu kommt, dass die EZB schlicht und ergreifend ihre Kompetenzen überschreitet, wenn sie hier Wirtschaftspolitik betreibt. Dafür hat sie gar kein Mandat!
Also erst mal sage ich nicht, dass die EZB ihre Zinspolitik primär an der Arbeitslosigkeit ausrichtet! Primär ist es der Erhalt des Euros und ebenso primär der Erhalt der Währungsstabilität, die derzeit mit 2% Inflation definiert ist.

Tatsächlich aber scheint es mir so zu sein, dass die EZB durchaus mit berücksichtigt, was steigende Zinsen mit den Staatshaushalten ihrer Mitglieder macht. Insbesondere die Staatshaushalte von Griechenland, Italien, Frankreich und Belgien sind hier gefährdet - wobei wahrscheinlich Italien derzeit den fragilsten Gesamtzustand haben dürfte. Steigen die Zinsen relevant, generiert das Milliardenmehrbelastungen in deren Haushalte mit der Folge, dass die erkennbar notwendigen Investitionen für Klimaschutz und anderes mehr kaum aufzubringen wären. Von den aktuellen Zusatzlasten durch die Belastungen des Ukrainekrieges rede ich dabei noch nicht mal.

Unterm Strich würden die steigenden Zinsen dazu noch zu einer Rezession führen, die weitere finanzielle Belastungen mit sich bringt.

Entsteht ein solches Gemengelage kann es dazu kommen, dass es den EURO-Währungsraum auseinander reißt - für dessen Stabilität und Funktionieren die EZB aber zuständig ist. Auch deshalb wird die EZB hier weiterhin zögerlich agieren - insbesondere auch deshalb, weil die DERZEITIGE Inflationslage weniger einer Geldschwemme geschuldet ist, als einer Verknappung von Rohstoffen. Mal angenommen Putin würde intern abgesägt und ein Nachfolger würde konsequent alle russischen Völkerrechtsverletzungen in der Ukraine rückgängig machen und sich rein auf russisches Kernterritorium zurückziehen - die Sanktionen könnten schnell zu Ende gehen und die Rohstoffverknappung in der Welt könnte sich deutlich entspannen. Mal angenommen Corona wäre dann noch auf die Gefahr einer heftigen Erkältung reduziert, und die Verknotungen in der weltweiten Logistik wären beendet - binnen zwei Jahre hätten wir regelrecht deflationäre Entwicklungen zum Vorjahr, weil einfach Rohstoffe (auch Weizen etc.) hinreichend verfügbar wären.

Was völlig korrekt ist, ist der Umstand, dass die EZB keine Wirtschaftspolitik betreiben darf - was aber ebenso richtig ist ist der Umstand, dass Währungspolitik einen direkten Einfluss auf die Wirtschaftspolitik hat und umgekehrt. Insofern ist eine völlige getrennte Betrachtung von wirtschaftlichen Zusammenhängen und der Finanzstabilität schlicht und einfach nicht sinnvoll - Aufgabe der EZB ist die Sicherung der Währung (und deren Stabilität), die aber kann sie nur erfüllen, wenn sie die jeweilig vorhandenen wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen mit berücksichtigt. Und unter diesen Umständen kann es sinnvoll sein, länger als rein unter Finanzstabilitätsgesichtspunkten erstrebenswert, auch auf niedrige Zinsen zu setzen, und eine moderat höhere Inflation auch über mehrere Jahre in Kauf zu nehmen - wobei moderat sicher nicht auf Dauer mehr als 5% bedeuten kann.

Aktuell ist deshalb (wie auch schon durch die EZB signalisiert) mit einer Zinswende zu rechnen - die aber sicherlich gegenüber dem Handeln der FED eher zögerlich ausfallen wird.
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Re: Nullzinspolitik und Inflation

Beitrag von Skull »

Jo33 hat geschrieben: Mi 18. Mai 2022, 22:53
Ich sehe mittlerweile die große Gefahr, dass die Bürger das Vertrauen in den Euro verlieren, bzw schon verloren haben.
Aha. Wo und woran kann man das denn sehen ? :?:

Und warum haben die Bürger in den USA, in GB, AUS oder anderen Währungsräumen das Vertrauen in Ihre Währungen nicht verloren ?

Die haben ja ebenfalls ähnliche Inflationsraten zu verzeichnen.

Erklär‘ mal.

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Re: Nullzinspolitik und Inflation

Beitrag von Atue001 »

Jo33 hat geschrieben: Mi 18. Mai 2022, 22:53 Ich sehe mittlerweile die große Gefahr, dass die Bürger das Vertrauen in den Euro verlieren, bzw schon verloren haben. Bei den nächsten Wahlen, wird sicherlich wenn es die nächsten, Monate und Jahre so weitergeht, eine Partei an die Macht kommen, einzig mit dem Ziel den Euro abzuschaffen, da La Garde ihn wertlos, ihn umgebracht hat.
Das halte ich für ein überinterpretierendes Wunschdenken von EURO-Gegnern. Es ist keineswegs so, dass die Stabilität der Konkurrenten (insbesondere Dollar) besser wäre - auch die USA kämpft derzeit mit hohen Inflationsraten, wie weite Teile der Welt.

Hätten wir heute noch die DM, wäre die DM auch stark Inflationsgefährdet - weil die URSACHE der Inflation nicht die Geldschwemme sondern steigende Preise durch Rohstoffverknappung ist. Steigert man nun die Zinsen, wird lediglich die Wirtschaft abgewürgt - das dämpft zwar die Rohstoffnachfrage, aber beispielsweise zum Preis steigender Arbeitslosigkeit. Die destabilisiert die Haushalte und bringt höhere Sozialkosten mit sich. Damit steht weniger Investitionskapital zur Verfügung - und das in Zeiten, in den wir die Volkswirtschaften in Richtung der Nach-Öl-Ära umbauen MÜSSEN - weil sonst die Kosten durch den Klimawandel durch die Decke gehen.

Nein - wir haben kein Währungsproblem - wir haben einen völlig unsinnigen Krieg und eine verfehlte und verspätete Politik des Umbaus im Sinne der Anforderungen durch den Klimawandel. Da hilft auch eine andere Währung nicht.
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Re: Nullzinspolitik und Inflation

Beitrag von jack000 »

Skull hat geschrieben: Mi 18. Mai 2022, 23:08 Und warum haben die Bürger in den USA, in GB, AUS oder anderen Währungsräumen das Vertrauen in Ihre Währungen nicht verloren ?
Weil diese eine Währung haben die in einem einheitlichen Wirtschaftsraum funktioniert. D.h. die Antwort auf deine Frage ist die selbe warum die EZB die Zinsen nicht erhöht.
Die haben ja ebenfalls ähnliche Inflationsraten zu verzeichnen.
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Re: Nullzinspolitik und Inflation

Beitrag von Skull »

Atue001 hat geschrieben: Mi 18. Mai 2022, 23:14
Steigert man nun die Zinsen, wird lediglich die Wirtschaft abgewürgt - das dämpft zwar die Rohstoffnachfrage, aber beispielsweise zum Preis steigender Arbeitslosigkeit. Die destabilisiert die Haushalte und bringt höhere Sozialkosten mit sich. Damit steht weniger Investitionskapital zur Verfügung - und das in Zeiten, in den wir die Volkswirtschaften in Richtung der Nach-Öl-Ära umbauen MÜSSEN - weil sonst die Kosten durch den Klimawandel durch die Decke gehen.
Das möchte ich so nicht stehen lassen.

Natürlich sollen steigende Zinsen Finanzierungskosten erhöhen. Nachfrage beinflussen und Preise dämpfen.

Da geht es aber nicht um eine Destabilsierung, noch weniger um ein Abwürgen.

Das was Du ja gerade formulierst, das Zinsen immer niedrig bleiben.
In Krisen und Rezessionen zur Stimulation.
In Inflationszeiten auch. Bei niedriger Arbeitslosigkeit auch. Könnte ja zu höherer Arbeitslosigkeit führen.
In Verschuldungszeiten der Staaten willst Du es auch. Wegen der Staatshaushalte und deren Finanzierung.

Wann sollen denn Zinsen höher sein ? :?: :?: Nie ?

WIE soll denn die/eine Zentralbank die Inflation bekämpfen ?
Es gibt keine „gute“ oder „schlechte“ Inflation. Ursachen sind da egal.

Die EZB hat Inflation zu bekämpfen. Mit Ihren Möglichkeiten. DAS ist Ihre Aufgabe.


Hinterher…kommt IMMER der „Kater“. Je später, desto grösser.

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Re: Nullzinspolitik und Inflation

Beitrag von Skull »

jack000 hat geschrieben: Mi 18. Mai 2022, 23:21
Weil diese eine Währung haben die in einem einheitlichen Wirtschaftsraum funktioniert.
ICH habe bisher NICHT das Vertrauen in den Euro verloren.
Die meisten, die ich kenne, ebenfalls nicht.

Meines Wissens nach funktioniert der Euro. Habe noch nichts Gegenteiliges vernommen.

In der Presse kann ich auch nicht lesen, das viele das Vertrauen in den Euro verloren haben.

Kannst DU mir nun neue (Deine) Erkenntnisse mitteilen ?

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Re: Nullzinspolitik und Inflation

Beitrag von Atue001 »

Skull hat geschrieben: Mi 18. Mai 2022, 23:33 Das möchte ich so nicht stehen lassen.

Natürlich sollen steigende Zinsen Finanzierungskosten erhöhen. Nachfrage beinflussen und Preise dämpfen.

Da geht es aber nicht um eine Destabilsierung, noch weniger um ein Abwürgen.

Das was Du ja gerade formulierst, das Zinsen immer niedrig bleiben.
In Krisen und Rezessionen zur Stimulation.
In Inflationszeiten auch. Bei niedriger Arbeitslosigkeit auch. Könnte ja zu höherer Arbeitslosigkeit führen.
In Verschuldungszeiten der Staaten willst Du es auch. Wegen der Staatshaushalte und deren Finanzierung.

Wann sollen denn Zinsen höher sein ? :?: :?: Nie ?

WIE soll denn die/eine Zentralbank die Inflation bekämpfen ?
Es gibt keine „gute“ oder „schlechte“ Inflation. Ursachen sind da egal.

Die EZB hat Inflation zu bekämpfen. Mit Ihren Möglichkeiten. DAS ist Ihre Aufgabe.


Hinterher…kommt IMMER der „Kater“. Je später, desto grösser.

mfg

Das ist eine Fehlinterpretation dessen, was ich geschrieben habe. Du lässt es so erscheinen, als wäre allein die Zinserhöhung das Instrument der Wahl, welches die EZB quasi ergreifen MUSS wäre, um auf Inflation zu reagieren. Dabei ist das Korsett oder der Instrumentenkoffer der EZB deutlich vielfältiger als ein einziger Zinssatz! Um nur ein Beispiel von vielen zur Diversifizierung des Instrumentenkoffers der EZB zu benennen - die EZB kann die Zinssätze in Abhängigkeit von der Dauer der Verpflichtung des Zinsnehmers differenzieren - das ändert schon viel!


Tatsächlich hat die EZB viel mehr Instrumente, mit denen sie Geldpolitik betreiben kann. Ein Beispiel sind die Auflagen, die sie gegenüber Banken erlässt, die Kredite vergeben. Hier kann sie variabel restriktiv oder auch lockerer agieren.
Andere Methoden sind die Eingriffsmöglichkeiten der EZB zum Kauf von Schuldverschreibungen - hier kann sie stärker oder weniger stark agieren. Je nachdem was sie tut und wie stark sie das jeweilige Instrument nutzt, beeinflusst sie die Stabilität der Währung.

Und tatsächlich kann die EZB auch über die Geldmenge steuern.

Selbstverständlich sind die Ursachen einer Inflation NICHT egal! WENN beispielsweise eine Inflation allein deshalb entsteht, weil die Geldmenge nicht mehr passt - dann erfordert das eine umgehende Korrektur durch die EZB, die für die Geldmengenentwicklung ursächlich verantwortlich ist.

WENN eine Inflation aber durch Verknappung von Rohstoffen entsteht - haben wir eine völlig andere Situation. Vor allem um so mehr dann, wenn die Verknappung einen temporären Charakter vorweist. Ein Beispiel: Eine knappe Kaffee-Ernte in einem Jahr.....treibt die Inflation. Aber eben auch nur in einem Jahr. Im Folgejahr entsteht eine Rekordernte.....die wirkt quasi als Deflation.......was ist die richtige Antwort einer EZB? Munteres Zinsschwankungsszenario? Mit all seinen negativen Nebenwirkungen? Oder hält man es besser aus......weil es sich über 3 Jahre eh ausgleicht.....


SOFERN sich auch die Staaten der EURO-Zone an den Stabilitätskriterien des EURO-Raumes orientieren, kann die EZB richtig gut über die unterschiedlichen Zinssätze agieren. DA aber die Stabilitätskriterien des Euros von den Mitgliedsstaaten teilweise nicht eingehalten werden, muss die EZB diesen Fakt mit seinen destabilisierenden Nebenwirkungen in ihren Überlegungen mit berücksichtigen - und genau das tut sie.

Das Standardbeispiel ist: Wenn der EURO-Raum zerbricht, weil die EZB die Zinsen deutlich erhöht hat, dann aber Italien und Frankreich es nicht mehr aushalten im Währungsraum des EURO mit zu agieren - dann hat die EZB kontraproduktiv gearbeitet. Denn: Ihr Auftrag ist ZUERST den Erhalt des EUROS für den EURO-Raum - und dies zum zweiten unter Beibehaltung der Währungsstabilität, die derzeit durch die EZB mit 2% Inflation definiert wird.


Oder anders:
Die Verantwortung für den EURO liegt definitiv bei der EZB - aber nicht alleine. Auch die Wirtschaftspolitiker des Euro-Raumes haben eine klare Mitverantwortung! Solange die Wirtschaftspolitik gemeinsam mit der EZB auf ein gemeinsames Ziel hin arbeitet, haben wir kein Problem. Wo immer die Wirtschaftspolitik aber kontraproduktiv zur Geldpolitik der EZB ausgerichtet ist, haben wir einen Zielkonflikt. Da der EURO-Raum nicht homogen organisiert ist, ist ein gutes Management in Richtung Währungsstabilität nicht trivial.
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Re: Nullzinspolitik und Inflation

Beitrag von Skull »

Atue001 hat geschrieben: Do 19. Mai 2022, 00:15
Du lässt es so erscheinen, als wäre allein die Zinserhöhung das Instrument der Wahl, welches die EZB quasi ergreifen MUSS wäre, um auf Inflation zu reagieren. Dabei ist das Korsett oder der Instrumentenkoffer der EZB deutlich vielfältiger als ein einziger Zinssatz!
Weder das eine, noch das andere.

Du brauchst mir auch nicht das Instrumentarium der EZB erklären…wollen.
…nicht trivial.
Deine üblichen Textbausteine verfangen bei mir … nicht. :)

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Re: Nullzinspolitik und Inflation

Beitrag von Atue001 »

Skull hat geschrieben: Do 19. Mai 2022, 00:19 Weder das eine, noch das andere.

Du brauchst mir auch nicht das Instrumentarium der EZB erklären…wollen.


Deine üblichen Textbausteine verfangen bei mir … nicht. :)

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Na, dann haben wir ja auch keinen Dissenz.
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Re: Nullzinspolitik und Inflation

Beitrag von jack000 »

Skull hat geschrieben: Mi 18. Mai 2022, 23:36 Kannst DU mir nun neue (Deine) Erkenntnisse mitteilen ?
Der Euro säuft gegenüber dem Dollar ab:
https://www.finanzen.net/devisen/dollarkurs
Sledge Hammer: Ich mag einem Verbrecher nicht seine Verbrechen vorlesen ... aber ich kann wenigstens lesen!
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Realist2014
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Re: Nullzinspolitik und Inflation

Beitrag von Realist2014 »

jack000 hat geschrieben: Do 19. Mai 2022, 12:25 Der Euro säuft gegenüber dem Dollar ab:
https://www.finanzen.net/devisen/dollarkurs
Das bevorteilt die Exporte außerhalb des Euro-Raums...
Laut Aussage der linken Ideologen sind alle ökonomisch erfolgreichen dumm, und die wahre Intelligenz tritt sich in der untersten ökonomischen Etage auf die Füße.....daher muss diese Etage ausgebaut werden
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jack000
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Re: Nullzinspolitik und Inflation

Beitrag von jack000 »

Realist2014 hat geschrieben: Do 19. Mai 2022, 12:35 Das bevorteilt die Exporte außerhalb des Euro-Raums...
Und macht alles teurer was in Dollar gekauft wird.
Sledge Hammer: Ich mag einem Verbrecher nicht seine Verbrechen vorlesen ... aber ich kann wenigstens lesen!
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Re: Nullzinspolitik und Inflation

Beitrag von Realist2014 »

jack000 hat geschrieben: Do 19. Mai 2022, 12:39 Und macht alles teurer was in Dollar gekauft wird.
Korrekt.

Hat halt alles im zwei Seiten.
Laut Aussage der linken Ideologen sind alle ökonomisch erfolgreichen dumm, und die wahre Intelligenz tritt sich in der untersten ökonomischen Etage auf die Füße.....daher muss diese Etage ausgebaut werden
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Re: Nullzinspolitik und Inflation

Beitrag von Skull »

jack000 hat geschrieben: Do 19. Mai 2022, 12:25 Der Euro säuft gegenüber dem Dollar ab:
https://www.finanzen.net/devisen/dollarkurs
Im Vergleich seit der Existenz des Euro säuft da gar nichts ab.

Zwischendurch war ja der US-Dollar auch schon dreimal „abgesoffen“. :D

Und auch war der Euro auch schon mal deutlich schwächer.

Normale Dekadenschwankung auf Grund von Zinsdifferenzen, politische Situationen und Krisen.

Mal so…mal so. :)

nfg
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Re: Nullzinspolitik und Inflation

Beitrag von Mendoza »

Das Problem ist ja nicht hauptsächlich das Euro/Dollar-Verhältnis. Die FED ist auch spät dran mit Zinserhöhungen. Wir haben 0% Zinsen bei z.Z. 7% Inflation - Tendenz steigend. Die Arbeitsverweigerung der EZB wird dazu führen was wir schon in der Türkei gesehen haben. Erdogan wollte auch die Ökonomie neu erfinden und mit niedrigen Zinsen die Inflation bekämpfen. Mit seiner genialen Methode hat er die Inflation von ca. 10 auf jetzt 70% hoch geschraubt. Offensichtlich strebt Frau Lagarde auch in diese Richtung. Auch wenn die EZB jetzt in den nächsten 12 Monaten um 1 bis 2% erhöht wird sie die Inflation nicht mehr einfangen können, denn es ist alles viel zu spät und zu wenig. Die Erzeugerpreise sind zuletzt um 30% gestiegen. So viel wie noch nie nach dem Krieg. Das wird irgendwann im Supermarkt und an der Tanke durchschlagen. Da können die noch soviel Entlastungspakete durchwinken wie sie wollen. Das ist alles nur Kosmetik.
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Re: Nullzinspolitik und Inflation

Beitrag von Atue001 »

Seit dem Beginn des Euros reißt die Kritik an selbigem nicht ab. Totgeburt. Deflation. Inflation. Zu hart. Zu weich. Zu viel. Zu wenig......
Wie oft schon wurde der Euro für tot erklärt....von noch so vielen "Experten".......

Auch die Postings hier, die sich mit der 0%-Inflation und deren negativen Auswirkungen beschäftigen sind noch nicht so lange in der Versenkung verschwunden.....

Die Realität ist dennoch stets anders gekommen, als es die Kritiker "befürchtet" oder herbeigesehnt haben.....

Richtig ist, wir haben derzeit eine klare Inflation, auch eine die relevante Höhen von 7% und auch mehr erreicht. Ob die Tendenz steigt.....ist hingegen schon wieder Spekulation.
Das Handeln der EZB mit dem Handeln von Erdogan zu vergleichen.....ernsthaft?

Und sollten nächstes Jahr die Erzeugerpreise um 30% sinken.....was ist dann die richtige Maßnahme?

Ich möchte nur mal den Hinweis mit reinkippen, dass wesentliche Teile der Inflation durch die steigenden Energiepreise und Rohstoffpreise verursacht werden. Steigende Energie- und Rohstoffpreise brauchen wir aber gleichzeitig dringend, um einen schnelleren Umstieg auf nachhaltige Technologien hin zu bekommen - also um den Klimawandel zu bekämpfen. Doch es braucht ergänzend dazu auch den Umbau der Wirtschaft. Das geht nur mit hohen Investitionen. Wenn man die Inflation nun damit bekämpft, dass man nur die Zinsen steigen lässt, würgt das gerade die notwendigen Investitionen ab.


Gegen die Inflation hilft nicht allein der Maßnahmenkoffer der EZB - es braucht vor allem auch starke wirtschaftspolitische Begleitmaßnahmen, damit das, was notwendig ist, tatsächlich in die Pushen kommt. Es reicht nicht, einfach nur stoisch auf die Inflationsrate als solche zu schauen und auf deren Veränderung mit Zinsschritten zu reagieren - es bedarf einer umfassenden politischen Begleitung, damit das, was bereits als notwendig erkannt wurde, tatsächlich umgesetzt werden kann. steigende Zinsen verlangsamt die Wirtschaftstätigkeit - tatsächlich aber brauchen wir in bestimmten Bereichen der Wirtschaft derzeit eine Beschleunigung - insbesondere was Investitionen angeht. Das Dilemma kann die EZB alleine nicht umsetzen und lösen - hier braucht es auch begleitende Maßnahmen der Wirtschaftspolitik sowohl auf Ebene der EU als auch der Staaten.
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Re: Nullzinspolitik und Inflation

Beitrag von Mendoza »

Atue001 hat geschrieben: Sa 21. Mai 2022, 00:51 Gegen die Inflation hilft nicht allein der Maßnahmenkoffer der EZB...
Wenn der Koffer mal genutzt werden würde. Er steht aber nur in der Ecke. Als in D zu DM-Zeiten 6-7% Inflation anhängig war wurde von der Bundesbank mit Leitzinsen von 7-8% gegengesteuert. Momentan zahlt man bei der EZB noch Strafzinsen. Ein Witz, wo einem das Lachen im Halse stecken bleibt. Mit der "Laissez faire"-Politik unserer französischen EZB-Chefin dämmt man gar nichts ein. Erst recht keine Inflation.
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Re: Nullzinspolitik und Inflation

Beitrag von Gin-Tonic »

Es wird kein Umstellen auf "nachhaltige" Technologien geben wenn die Unternehmen weg sind. Gestern gabs dazu einen schönen Artikel im Handelsblatt, alleine die Kosten für Energie zwingen die Grundstoffhersteller (Chemie, Stahl, Glas etc) in die Knie.
Beim Primärenergiebedarf spielen Öl und Gas nach wie vor eine wichtige Rolle, beides wird in USD abgerechnet. Erhöht die FED den Zins fliesst mehr Geld in den USD der dann aufwertet. Die Teuerung schlägt dann auf alles durch (Mobilität, Logistik, energieintensive Industrie). Rohstoffe die für einen "nachhaltigen" Umbau der Industrie benötigt würden werden ebenfalls grösstenteils in USD gehandelt, auch deren Import wird teurer (auch hierzu gabs schon Artikel wie sehr sich zb eine WKA verteuert hat). Da die EU fast alle Grundstoffe importieren muss ist eine hohe Inflation Gift für die Wirtschaft, wird hier nicht gegengesteuert gibt es für die Industrie 2 Möglichkeiten: abwandern oder untergehen.

Nur mal so am Rande... wieso liegt die Inflationsrate in der Schweiz aktuell bei rund 2,5%?
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Re: Nullzinspolitik und Inflation

Beitrag von 3x schwarzer Kater »

Mendoza hat geschrieben: Sa 21. Mai 2022, 07:17 Wenn der Koffer mal genutzt werden würde. Er steht aber nur in der Ecke. Als in D zu DM-Zeiten 6-7% Inflation anhängig war wurde von der Bundesbank mit Leitzinsen von 7-8% gegengesteuert. Momentan zahlt man bei der EZB noch Strafzinsen. Ein Witz, wo einem das Lachen im Halse stecken bleibt. Mit der "Laissez faire"-Politik unserer französischen EZB-Chefin dämmt man gar nichts ein. Erst recht keine Inflation.
Die eigentlichen Frage ist ja, worin die Ursachen der augenblicklichen Inflation liegen und ob diese nur vorübergehend sind. Und für letzteres gibt es durchaus ja durchaus Anzeichen. Dann bräuchte die EZB aber tatsächlich noch nicht reagieren. Es wäre sowieso fraglich inwieweit eine Zinserhöhung die Verknappung bei Rohstoffen aufgrund der aktuellen Situation beseitigen kann. Kann sie nicht. Wäre damit also weitgehend wirkungslos. Allenfalls die Investitionstätigkeit wird eingedämmt, was in der augenblicklichen Situation eher kontraproduktiv wäre.
Problematisch wird es, wenn wir wie in den 70ern die Situation bekommen, dass sich die Inflation verselbständigt und aus sich heraus verselbständigt. Und das passiert, wenn die Lohn-Preisspirale in Gang gesetzt wir. Die Löhne also aufgrund der (vorübergehenden) Inflation stärker steigen als die Produktivität und das Inflationsziel. Dann wird es Zeit für eine Reaktion der EZB. Das wird man aber erst dann beurteilen können, wenn man ein Bild der Tarifabschlüsse in diesem Jahr hat.
Wichtiger als eine Zinserhöhung ist im Augenblick eher Lohnzurückhaltung zur Bekämpfung der Inflation. Und das ist Sache der Tarifpartner.
„Es wurde schon alles gesagt, nur noch nicht von jedem.“ (Karl Valentin)
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Re: Nullzinspolitik und Inflation

Beitrag von Skull »

3x schwarzer Kater hat geschrieben: Sa 21. Mai 2022, 08:16
…Inflation stärker steigen als die Produktivität und das Inflationsziel.
Dann wird es Zeit für eine Reaktion der EZB. Das wird man aber erst dann beurteilen können,
wenn man ein Bild der Tarifabschlüsse in diesem Jahr hat.
Wichtiger als eine Zinserhöhung ist im Augenblick eher Lohnzurückhaltung zur Bekämpfung der Inflation.

Und das ist Sache der Tarifpartner.
Mal ein paar Anmerkungen dazu:

Bei einer derzeitigen (und bereits seit einem Jahr sichtbaren ansteigenden) Inflation,
sollte man schon längst Zinserhöhungen durchgeführt haben.
Nicht weil es dann hohe Zinsen wären, sondern weil man handlungsfähiger wäre.
Was gerne ausgeblendet wird, das wir ja nicht von einem echten Zinsniveau reden.
Wir haben immer noch einen negativen „Leitzins“, haben Strafzinsen und (zwar auslaufende) Anleihen-Aufkaufprogramme.

Eine immer noch weiterhin „unnormale“ Situation, die Liquidität schafft und noch befeuert.

Wir reden nicht über Zinserhöhungen in einem grossen absoluten Bereichen.
Wir reden über Zinssätze der EZB von 1 bis 3 Prozent. Was weiterhin sehr niedrige Zinsen bedeuten würde.

Die EZB kann nicht noch weiter ein Jahr abwarten, was zukünftige Tarifabschlüsse bewirken.
Sie muss JETZT handeln. Und Deine Hinweise auf Lohnzurückhaltung sind weltfremd.
In Krisenzeiten wurden die Gewerkschaften zur Lohnzurückhaltung aufgefordert.
Was sie ja durchaus in Deutschland auch hinbekommen haben. Über einen längeren Zeitraum.
Dieses bei aktuellen Inflationsraten und gestiegenen und ausgeschütteten Gewinnen vieler Unternehmen
der letzten 7 Jahre weiter zu fordern, wird kaum zu realisieren sein.
Da werden die Arbeitnehmer kaum Verständnis für aufbringen.

Was ich zumindest verstehen könnte.

mfg
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Re: Nullzinspolitik und Inflation

Beitrag von Skull »

Gin-Tonic hat geschrieben: Sa 21. Mai 2022, 07:59
Nur mal so am Rande... wieso liegt die Inflationsrate in der Schweiz aktuell bei rund 2,5%?
Eine Inflation von 2,4 Prozent ist für die Schweiz nicht wenig.

[…]

Der mässige Anstieg hat viel mit dem starken Franken zu tun. Er hat in den letzten Monaten im Verhältnis zum Euro, der Währung unseres wichtigsten Handelspartners, nominal deutlich zugelegt. Das verbilligt die Importe auf breiter Front. Der starke Franken verhilft Schweizerinnen und Schweizern international zu einer hohen Kaufkraft. Und die Importgüter sind ja die hauptsächlichen Inflationstreiber.

Dazu kommt, dass die Schweizer Volkswirtschaft energieeffizienter agiert als beispielsweise jene der USA oder Deutschlands. Hierzulande wird also weniger Energie zur Produktion von Gütern und Dienstleistungen benötigt. Laut einer Analyse von Economiesuisse braucht beispielsweise Deutschland mehr als doppelt so viel Energie zur Herstellung von Gütern und Dienstleistungen wie die Schweiz.
In der Schweiz geben Konsumentinnen und Konsumenten weniger Geld für fossile Energien aus als Personen in Deutschland oder in den USA. Weil die Löhne hier etwas höher sind, entfällt von allen gekauften Gütern und Dienstleistungen ein kleinerer Teil auf fossile Energien. Das Gewicht von fossilen Treib- und Heizstoffen im Schweizer Landesindex der Konsumentenpreise beträgt deswegen lediglich 3,03 Prozent. In Deutschland liegt dieser Anteil bei 7,11 Prozent, in den USA beträgt er 4,97 Prozent.
Fossile Energien werden in der Schweiz zudem mit höheren Abgaben als anderswo belastet. Beispielsweise beträgt sie für Diesel 76,32 Rappen. Das macht einen hohen Anteil am Endpreis aus. Wenn die internationalen Erdölpreise steigen, schlägt das folglich weniger stark auf den Endpreis durch, denn die Steuern bleiben ja gleich hoch.

https://www.nzz.ch/wirtschaft/die-schwe ... gJRIPD_BwE

Für Alexander Koch von Raiffeisen ist das hohe Preisniveau in der Schweiz eine weitere Erklärung. «Konsumgüter waren in der Schweiz im letzten Jahr im Durchschnitt umgerechnet um 38 Prozent teurer als in der EU, unter anderem wegen höherer Lohnkosten und Mieten; der internationale Anstieg der Beschaffungspreise hat deshalb hierzulande eine spürbar geringere Hebelwirkung auf die Endverbraucherpreise.»

Ein weiterer Faktor sei auch die Berechnungsmethode abseits der Energiepreise, meint David Marmet, Chefökonom Schweiz bei der ZKB. Der Gesundheitsbereich werde im Schweizer Index viel stärker gewichtet als in anderen Industriestaaten. «Die Preise der Gesundheitspflege zeigen seit längerer Zeit einen Trend nach unten; entsprechend dämpft das hohe Schweizer Gewicht die einheimische Inflation», so Marmet.

https://www.tagesanzeiger.ch/warum-die- ... 3587728174

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Re: Nullzinspolitik und Inflation

Beitrag von Gin-Tonic »

@skull; darauf wollte ich hinaus, besonders auf den CHF
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Re: Nullzinspolitik und Inflation

Beitrag von Skull »

Gin-Tonic hat geschrieben: Sa 21. Mai 2022, 09:48 @skull; darauf wollte ich hinaus, besonders auf den CHF
Meinst Du die Probleme für die Schweizer Exportwirtschaft ? :D

Oder das existierende hohe Preisniveau innerhalb der Schweiz ?

Die seit mehr als einem Jahrzehnt „beklagt“ werden.

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Re: Nullzinspolitik und Inflation

Beitrag von sünnerklaas »

3x schwarzer Kater hat geschrieben: Sa 21. Mai 2022, 08:16 Allenfalls die Investitionstätigkeit wird eingedämmt, was in der augenblicklichen Situation eher kontraproduktiv wäre.
Zinsanhebungen gehen aus meiner Sicht und nach meinen Beobachtungen überhaupt nicht. Dann fliegt uns hier der Immobilienmarkt um die Ohren. Das ist alles kreditfinanziert und basiert auf dem Vertrauen, dass die Zinsen eben nicht steigen.
Und das Fiese an der ganzen Geschichte: Finanzierung und Kalkulation laufen im Vorfeld des Baus, ja im Vorfeld der konkreten Bauplanung ab. Wenn mir dann während der Bauerstellung die Finanzierung regelrecht um die Ohren fliegt, ist richtig Holland in Not. Dann hat man zwei Optionen: entweder unter großen Verlusten zuende bauen - oder die Arbeiten noch vor Fertigstellung abbrechen und irgendwie hoffen, dass man die potenzielle Bauruine irgendwie noch los wird.
Aus städtebaulicher Sicht ist das im Moment eine in jeder Hinsicht hochknifflige Situation.
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Re: Nullzinspolitik und Inflation

Beitrag von Mendoza »

sünnerklaas hat geschrieben: Sa 21. Mai 2022, 11:07 Zinsanhebungen gehen aus meiner Sicht und nach meinen Beobachtungen überhaupt nicht. Dann fliegt uns hier der Immobilienmarkt um die Ohren. Das ist alles kreditfinanziert und basiert auf dem Vertrauen, dass die Zinsen eben nicht steigen.
Und das Fiese an der ganzen Geschichte: Finanzierung und Kalkulation laufen im Vorfeld des Baus, ja im Vorfeld der konkreten Bauplanung ab. Wenn mir dann während der Bauerstellung die Finanzierung regelrecht um die Ohren fliegt, ist richtig Holland in Not. Dann hat man zwei Optionen: entweder unter großen Verlusten zuende bauen - oder die Arbeiten noch vor Fertigstellung abbrechen und irgendwie hoffen, dass man die potenzielle Bauruine irgendwie noch los wird.
Aus städtebaulicher Sicht ist das im Moment eine in jeder Hinsicht hochknifflige Situation.
Ab wann gehen denn höhere Zinsen? Wenn sich dich Preise jährlich verdoppeln? In den letzten Jahren hatten wir historisch tiefe Zinsen, die mit einer Sondersituation begründet waren. Nur scheint es seit 2008 nur noch Sondersituationen zu geben. Kann ja irgendwie nicht sein. Fakt ist, dass es für eine funktionierende Wirtschaft halbwegs stabile Preise bedarf. Die haben wir nicht mehr und wir steuern auf immer höhere Inflationsraten hin, wo Firmen nichts mehr vernünftig kalkulieren können. Schau dir die Länder an mit den höchsten Inflationsraten. Kein einziges von denen geht es wirtschaftlich gut. OK, vor hundert Jahren sind die Preise für Immobilien nicht zusammen gebrochen. Dafür war der Rest katastrophal. Das zu wollen erscheint mir jetzt nicht besonders clever.
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Re: Nullzinspolitik und Inflation

Beitrag von sünnerklaas »

Mendoza hat geschrieben: Sa 21. Mai 2022, 11:29 Ab wann gehen denn höhere Zinsen? Wenn sich dich Preise jährlich verdoppeln? In den letzten Jahren hatten wir historisch tiefe Zinsen, die mit einer Sondersituation begründet waren. Nur scheint es seit 2008 nur noch Sondersituationen zu geben. Kann ja irgendwie nicht sein. Fakt ist, dass es für eine funktionierende Wirtschaft halbwegs stabile Preise bedarf. Die haben wir nicht mehr und wir steuern auf immer höhere Inflationsraten hin, wo Firmen nichts mehr vernünftig kalkulieren können.
Das ist eben eine hochkomplexe Aufgabenstelliung: hebe ich die Zinsen zu stark an, hebe ich sie überhaupt an, fliegen mir Immobilienwirtschaft und die finanzierenden Bankinstitute von der Sorte "Too Big To Fail" um die Ohren.
Habe ich eine hohe Inflation, gehen - solange die Inflation nicht galloppiert - vielleicht nur ein paar Firmen pleite. Solange da keiner dabei ist, der "Too Big to fail" ist, ist alles in Butter.
Da ist eben extrem viel Fingerspitzengefühl gefragt. Das gesamte System muss eben krisenfester werden, benötigt nachhaltig wirksame Leitplanken.
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Re: Nullzinspolitik und Inflation

Beitrag von Realist2014 »

sünnerklaas hat geschrieben: Sa 21. Mai 2022, 11:07 Zinsanhebungen gehen aus meiner Sicht und nach meinen Beobachtungen überhaupt nicht. Dann fliegt uns hier der Immobilienmarkt um die Ohren. Das ist alles kreditfinanziert und basiert auf dem Vertrauen, dass die Zinsen eben nicht steigen.
Sorry,

Wir haben eine Immobilienpreisblase.
Ja, die könnte "platzen"- das wäre auch "gesund".
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Re: Nullzinspolitik und Inflation

Beitrag von Realist2014 »

sünnerklaas hat geschrieben: Sa 21. Mai 2022, 11:51 Das ist eben eine hochkomplexe Aufgabenstelliung: hebe ich die Zinsen zu stark an, hebe ich sie überhaupt an, fliegen mir Immobilienwirtschaft und die finanzierenden Bankinstitute von der Sorte "Too Big To Fail" um die Ohren.
.
Warum sollten die Banken ein Problem bekommen, wenn sie für ihre neu emittierten Kredite höhere Zinsen bekommen?
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Re: Nullzinspolitik und Inflation

Beitrag von Skull »

sünnerklaas hat geschrieben: Sa 21. Mai 2022, 11:07
Zinsanhebungen gehen aus meiner Sicht und nach meinen Beobachtungen überhaupt nicht.
Dann fliegt uns hier der Immobilienmarkt um die Ohren.
Das ist alles kreditfinanziert und basiert auf dem Vertrauen, dass die Zinsen eben nicht steigen.

Was ist da denn für ein merkwürdiges Vertrauen ? :D

Wenn jemand sooo denkt…ist dem natürlich nicht zu helfen.

Und wenn aus der „Immobilienblase“ mal ein bisschen Luft entweicht, wäre das nicht verkehrt.
sünnerklaas hat geschrieben: Sa 21. Mai 2022, 11:51
Das ist eben eine hochkomplexe Aufgabenstelliung: hebe ich die Zinsen zu stark an, hebe ich sie überhaupt an,
fliegen mir Immobilienwirtschaft und die finanzierenden Bankinstitute von der Sorte "Too Big To Fail" um die Ohren.
Ich vermute, dass ist DIR zu komplex.

Banken lechzen geradezu nach höheren Zinsen. ;)

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Re: Nullzinspolitik und Inflation

Beitrag von Realist2014 »

Skull hat geschrieben: Sa 21. Mai 2022, 14:47 Was ist da denn für ein merkwürdiges Vertrauen ? :D

Wenn jemand sooo denkt…ist dem natürlich nicht zu helfen.

Und wenn aus der „Immobilienblase“ mal ein bisschen Luft entweicht, wäre das nicht verkehrt.


Ich vermute, dass ist DIR zu komplex.

Banken lechzen geradezu nach höheren Zinsen. ;)

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Einigen scheint nicht klar zu sein, dass ja gerade wegen den extrem niedrigen Zinsen die Immobilienpreise so durch die Decke gegangen sind.
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Re: Nullzinspolitik und Inflation

Beitrag von Gin-Tonic »

@skull; wobei dort auch die Löhne höher sind 😉 wie sehr die energieintensive deutsche Industrie in Mitleidenschaft gezogen wird werdenwir in den nächsten 2 Jahren sehen (beim Vergleich ging es mir eben nur um die Währung und die Folgen für Rohstoffimporte).
@Immobilienfinanzierung; wer so auf Kante genäht kauft muss auf die Fresse fliegen
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