Großbritannien - post Brexit

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Re: Großbritannien - post Brexit

Beitragvon Vongole » Mi 13. Okt 2021, 16:45

Kohlhaas hat geschrieben:(13 Oct 2021, 16:34)

Frag Intel. Das ist kein kleiner Krauter. Ich glaube bedenkenlos, dass die Intel-Leute ganz genau wissen, warum sie mit ihrer Chip-Produktion im EU-Binnenmarkt sein wollen. Könnte mit gut 400 Millionen zollfrei erreichbaren Kunden zu tun haben. :D

Zuzüglich der von der EU geschlossenen Freihandels- und Wirtschaftsabkommen, von der Intel ebenfalls profitieren würde.
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Re: Großbritannien - post Brexit

Beitragvon Kohlhaas » Mi 13. Okt 2021, 17:43

Vongole hat geschrieben:(13 Oct 2021, 16:45)

Zuzüglich der von der EU geschlossenen Freihandels- und Wirtschaftsabkommen, von der Intel ebenfalls profitieren würde.

Du hast völlig recht. Da hatte ich nichtmal drauf geachtet. Da hätten wir dann ein weiteres Argument gegen den Brexit: Einer Volkswirtschaft mit einem Binnenmarkt, in den knapp 450 Millionen Menschen leben, fällt es nunmal leichter, günstige Handelsverträge zu schließen, als einem abgehalfterten "Weltreich" mit nichtmal 70 Millionen Einwohnern...

Genau deshalb bin ich der Meinung, dass Außenpolitik für die nächste Bundesregierung zentrale Bedeutung haben sollte. Die meisten innenpolitischen Probleme werden wir nur lösen können, wenn wir außenpolitisch im EU-Kontext handeln und darüber hinaus transatlantisch denken. Eine Idee wie "Germany first" ala AfD wäre der Untergang für Deutschland.

Unabhängig davon irritieren mich die Probleme, die GB im Moment hat. Kann es denn wirklich sein, dass es in GB so viel "Arbeit" gibt, dass der Bedarf mit einheimischen Kräften nicht gedeckt werden kann? So viel produzierende Industrie/Gewerbe hat GB doch gar nicht. Negative Handelsbilanz. Seit vielen Jahren. Wichtigste Einnahmequelle war seit Thatcher der Finanzmarkt. London als größter und wichtigster Börsenplatz in der EU. In London hatte dieser "Finanzmarkt" mehr Beschäftigte als Frankfurt Einwohner hat. Wie kommt es jetzt bei "Vollbeschäftigung" zu diesem eklatanten Arbeitskräftemangel? Dieses "Problem" gibt es doch nirgendwo anders in der EU.
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Re: Großbritannien - post Brexit

Beitragvon sünnerklaas » Mi 13. Okt 2021, 17:44

Vongole hat geschrieben:(13 Oct 2021, 16:45)

Zuzüglich der von der EU geschlossenen Freihandels- und Wirtschaftsabkommen, von der Intel ebenfalls profitieren würde.


Dazu kommt ja inzwischen auch die zentralen Fragen:

- bekommt man in GB überhaupt die notwendigen Mitarbeiter
- können Produkte von Zulieferern überhaupt das Werk erreichen - Stichwort: Mangel an LKW-Fahrern
- können kurzfristig Spezialisten aus anderen Werken in anderen Ländern nach GB geschickt werden - Stichwort: hohe, sehr zeitaufwändige und dazu noch teure bürokratische Hürden bei der Vergabe von Arbeitsvisa.

Da geht man dann lieber in die EU, da ist alles geklärt.
Die Brexiteers wollten, dass nur handverlesene und sorgfältig und intensiv auf Herz und Nieren geprüfte Leute ins Land kommen. Das Ergebnis: die hohen Hürden schrecken genau diejenigen ab, die man eigentlich haben wollte.
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Re: Großbritannien - post Brexit

Beitragvon sünnerklaas » Mi 13. Okt 2021, 18:05

Kohlhaas hat geschrieben:(13 Oct 2021, 17:43)

Du hast völlig recht. Da hatte ich nichtmal drauf geachtet. Da hätten wir dann ein weiteres Argument gegen den Brexit: Einer Volkswirtschaft mit einem Binnenmarkt, in den knapp 450 Millionen Menschen leben, fällt es nunmal leichter, günstige Handelsverträge zu schließen, als einem abgehalfterten "Weltreich" mit nichtmal 70 Millionen Einwohnern...

Genau deshalb bin ich der Meinung, dass Außenpolitik für die nächste Bundesregierung zentrale Bedeutung haben sollte. Die meisten innenpolitischen Probleme werden wir nur lösen können, wenn wir außenpolitisch im EU-Kontext handeln und darüber hinaus transatlantisch denken. Eine Idee wie "Germany first" ala AfD wäre der Untergang für Deutschland.


Das ganze wird ja in eine große Erzählung eingebettet. Die, dass man nur durch den Scheuersack und ein paar Jahre Schmalhans als Küchenmeister ertragen müsste - und dann käme die ganz große Zukunft schon von alleine, der große Anführer hätte schon in durch seine unendlich Weisheit den Durchblick. Der Markt würde dann alles regeln.
Interessant finde ich: in GB kann man schon jetzt beobachten, dass bei einer solchen Strategie der Markt gar nichts zum Besseren ändert. Im Gegenteil: am Ende kommt Plan- und Kommandowirtschaft heraus. Wenn man keine LKW-Fahrer hat und kein Geld der Welt Anreiz genug ist, muss man eben in letzter Konsequenz Leute dazu verdonnern, LKW zu fahren.

Unabhängig davon irritieren mich die Probleme, die GB im Moment hat. Kann es denn wirklich sein, dass es in GB so viel "Arbeit" gibt, dass der Bedarf mit einheimischen Kräften nicht gedeckt werden kann? So viel produzierende Industrie/Gewerbe hat GB doch gar nicht. Negative Handelsbilanz. Seit vielen Jahren.


Viele in GB hergestellte Produkte dürften nur für den britischen Markt produziert werden. Der Geschmack der Briten ist zuweilen etwas eigensinnig. Hinzu kommt, dass in der Logistig der Bedarf an LKW-Fahrern auch deshalb nach dem Brexit sehr viel größer ist, weil die Karbotage wegfällt.

Wichtigste Einnahmequelle war seit Thatcher der Finanzmarkt. London als größter und wichtigster Börsenplatz in der EU. In London hatte dieser "Finanzmarkt" mehr Beschäftigte als Frankfurt Einwohner hat. Wie kommt es jetzt bei "Vollbeschäftigung" zu diesem eklatanten Arbeitskräftemangel? Dieses "Problem" gibt es doch nirgendwo anders in der EU.

Ich hatte gestern schon aus einem Artikel zitiert, in dem es um die aktuelle Problematik am Finanzplatz London geht. Dort erweisen sich die extrem hohen Hürden bei der Vergabe von Arbeitsvisa nicht mehr nur als Bremsklotz, sondern als Hindernis. Man kann bei einem Problem nicht mehr kurzfristig von heute auf morgen einen Spezialisten von Frankfurt nach London schicken. Das braucht einen ewig langen Vorlauf. Da geht man dann früher oder später. Weil die Kosten und Widrigkeiten am Standort London den Nutzen nicht aufwiegen.
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Re: Großbritannien - post Brexit

Beitragvon Vongole » Mi 13. Okt 2021, 18:35

Kohlhaas hat geschrieben:(13 Oct 2021, 17:43)

(..)

Unabhängig davon irritieren mich die Probleme, die GB im Moment hat. Kann es denn wirklich sein, dass es in GB so viel "Arbeit" gibt, dass der Bedarf mit einheimischen Kräften nicht gedeckt werden kann? So viel produzierende Industrie/Gewerbe hat GB doch gar nicht. Negative Handelsbilanz. Seit vielen Jahren. Wichtigste Einnahmequelle war seit Thatcher der Finanzmarkt. London als größter und wichtigster Börsenplatz in der EU. In London hatte dieser "Finanzmarkt" mehr Beschäftigte als Frankfurt Einwohner hat. Wie kommt es jetzt bei "Vollbeschäftigung" zu diesem eklatanten Arbeitskräftemangel? Dieses "Problem" gibt es doch nirgendwo anders in der EU.

Das Ende dieser sogenannten Vollbeschäftigung dürfte in Sicht sein, nachdem das Furlough-Programm Ende September ausgelaufen ist.
https://de.style.yahoo.com/roundup-kurz ... 39931.html

Die Menschen, die schon vor der Pandemie von Social Credit (entspricht etwa HARTZ IV) abhängig waren, bringen meist nicht die benötigten Qualifikationen mit, um den Fachkräftemangel auszugleichen.
Und zwar aus dem Grund, dass man für diese Arbeiten eben Kräfte aus anderen Staaten engagiert hat, die das preiswert erledigt haben, statt eigene Leute auszubilden.
Das rächt sich jetzt auf allen Gebieten, von den Kraftfahrern übers Gastgewerbe bis hin zu NHS.
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Re: Großbritannien - post Brexit

Beitragvon sünnerklaas » Mi 13. Okt 2021, 18:52

Vongole hat geschrieben:(13 Oct 2021, 18:35)

Das Ende dieser sogenannten Vollbeschäftigung dürfte in Sicht sein, nachdem das Furlough-Programm Ende September ausgelaufen ist.
https://de.style.yahoo.com/roundup-kurz ... 39931.html

Die Menschen, die schon vor der Pandemie von Social Credit (entspricht etwa HARTZ IV) abhängig waren, bringen meist nicht die benötigten Qualifikationen mit, um den Fachkräftemangel auszugleichen.
Und zwar aus dem Grund, dass man für diese Arbeiten eben Kräfte aus anderen Staaten engagiert hat, die das preiswert erledigt haben, statt eigene Leute auszubilden.
Das rächt sich jetzt auf allen Gebieten, von den Kraftfahrern übers Gastgewerbe bis hin zu NHS.


Bis die umgeschult sind, dauert es.
Vermutlich muss man, um aus der Misere herauszukommen, erst einmal Massenarbeitslosigkeit schaffen, um die Leute dann in die benötigten Berufe zwingen zu können.
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Re: Großbritannien - post Brexit

Beitragvon Misterfritz » Mi 13. Okt 2021, 19:14

Ärger um Brexit-Vereinbarung
Ex-Johnson-Berater behauptet, London wollte Nordirland-Protokoll nie einhalten
Dominic Cummings, Ex-Berater von Premier Johnson, hat in der Vergangenheit so einigen Schmutz über die britische Regierung enthüllt. Nun twitterte er über eine eigenwillige Strategie Londons bei den Brexit-Verhandlungen.
https://www.spiegel.de/ausland/boris-jo ... f3000e5a66

Das Dumme ist ja, dass man BoJo das tatsächlich zutraut, völlig egal, ob Cummings recht hat.
Und seine Handlungen sind ja auch dementsprechend.
Das Salz in der Suppe des Lebens ist nicht Selbstdisziplin, sondern kontrollierte Unvernunft ;)
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Re: Großbritannien - post Brexit

Beitragvon Kohlhaas » Mi 13. Okt 2021, 19:38

Vongole hat geschrieben:(13 Oct 2021, 18:35)

Das Ende dieser sogenannten Vollbeschäftigung dürfte in Sicht sein, nachdem das Furlough-Programm Ende September ausgelaufen ist.
https://de.style.yahoo.com/roundup-kurz ... 39931.html

Die Menschen, die schon vor der Pandemie von Social Credit (entspricht etwa HARTZ IV) abhängig waren, bringen meist nicht die benötigten Qualifikationen mit, um den Fachkräftemangel auszugleichen.
Und zwar aus dem Grund, dass man für diese Arbeiten eben Kräfte aus anderen Staaten engagiert hat, die das preiswert erledigt haben, statt eigene Leute auszubilden.
Das rächt sich jetzt auf allen Gebieten, von den Kraftfahrern übers Gastgewerbe bis hin zu NHS.

Dass man nicht von heute auf morgen Fachkräfte ausbilden kann, die ein dreijährige Ausbildung benötigen, ist schon klar. Den Briten fehlen im Moment aber doch sogar die Erntehelfer in der Landwirtschaft und die Servierer, die im Gastgewerbe, die abends das Bier zapfen. Das sind typische Jobs für "Ungelernte". Genauso in den Schlachthöfen. Da muss man doch nicht jahrelang lernen, um eine Rinderschulter auslösen zu können. Das waren zumeist keine Schlachtermeister, die da gearbeitet haben. Das waren, genau wie heute noch in Deutschland, überwiegend ungelernte Hilfskräfte. Der eine schießt in den Kopf, der andere hängt das tote Tier auf, der dritte bedient die Säge, die Viertel daraus macht.... Mehr müssen die Leute doch gar nicht können. Wenn man sich mal die Realität in deutschen Schlachthöfen anschaut, mag man gar kein Fleisch mehr essen. In GB ist es auch nicht anders. Da fehlen gerade nicht "Fachkräfte", sondern einfach nur geistig robuste Hilfsarbeiter.

Mich irritiert, dass selbst für solche "Hilfsarbeiten" nicht mehr genug Personal in GB vorhanden ist.

Ich meine das nicht abwertend. Ich selbst habe jahrelang mit derartigen Hilfsarbeiten in den Semesterferien mein Motorrad-Hobby finanziert. An jeder beliebigen Uni in Deutschland erarbeitet sich ein nennenswerter Teil der Studierenden mit Jobs im "Gastgewerbe" nebenbei ihr Studium. Mich irritiert, dass selbst an diesen Positionen offenbar nicht mehr genug Personal zu bekommen ist. Da geht es nicht um "Facharbeiter". All die vielen Polen und Rumänen und Bulgaren, die Johnson aus dem Land geschmissen hat, waren keine "ausgebildeten Facharbeiter". Das waren einfache Menschen, die einfache Jobs erledigt haben. Und komischerweise mangelt es jetzt in GB vielfach an genau solchen einfachen Menschen, die einfache Jobs erledigen.
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Re: Großbritannien - post Brexit

Beitragvon discipula » Mi 13. Okt 2021, 22:27

Kohlhaas hat geschrieben:(13 Oct 2021, 17:43)
Einer Volkswirtschaft mit einem Binnenmarkt, in den knapp 450 Millionen Menschen leben, fällt es nunmal leichter, günstige Handelsverträge zu schließen, als einem abgehalfterten "Weltreich" mit nichtmal 70 Millionen Einwohnern...


Die kleine Schweiz mit ihren popeligen 8 Millionen Einwohnern kriegt es jedenfalls auch hin, Abkommen zu schliessen. und je kleiner man ist, desto gezielter kann man steuern.

Das können die Briten auch.


Die meisten innenpolitischen Probleme werden wir nur lösen können, wenn wir außenpolitisch im EU-Kontext handeln und darüber hinaus transatlantisch denken.


sehr eigenartige Argumente :?: Innenpolitik erfordert die EU? hallo?
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Re: Großbritannien - post Brexit

Beitragvon discipula » Mi 13. Okt 2021, 22:30

Kohlhaas hat geschrieben:(13 Oct 2021, 19:38)

. Und komischerweise mangelt es jetzt in GB vielfach an genau solchen einfachen Menschen, die einfache Jobs erledigen.

womöglich müsste man etwas Geld in die Hand nehmen und vernünftige Löhne zahlen, wer weiss. Gute Arbeitsbedingungen schaffen.
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Re: Großbritannien - post Brexit

Beitragvon Adam Smith » Mi 13. Okt 2021, 22:45

discipula hat geschrieben:(13 Oct 2021, 22:27)

Die kleine Schweiz mit ihren popeligen 8 Millionen Einwohnern kriegt es jedenfalls auch hin, Abkommen zu schliessen. und je kleiner man ist, desto gezielter kann man steuern.

Das können die Briten auch.


Eben nicht. Weil die Schweiz Millionäre anzieht.
Das ist Kapitalismus:

Die ständige Wahl der Bürger bestimmt das Angebot.
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Re: Großbritannien - post Brexit

Beitragvon Schnitter » Mi 13. Okt 2021, 22:48

discipula hat geschrieben:(13 Oct 2021, 22:30)

womöglich müsste man etwas Geld in die Hand nehmen und vernünftige Löhne zahlen, wer weiss. Gute Arbeitsbedingungen schaffen.


Damit ein Ingenieur gerne Schweine halbiert ?

Hehe ;-)
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Re: Großbritannien - post Brexit

Beitragvon sünnerklaas » Mi 13. Okt 2021, 23:14

Adam Smith hat geschrieben:(13 Oct 2021, 22:45)

Eben nicht. Weil die Schweiz Millionäre anzieht.


Nicht nur das. Es ist kein Problem, einen Consultant mal kurzfristig aus der EU in die Schweiz zu schicken. Von heute auf morgen, je nach Maßgabe und Notwendigkeit. In GB mag man das seit dem Brexit nicht mehr.
Und nein, es geht da nicht um irgendwelche Habenichtse, es geht um High Potentials. Und so, wie ich es gerade im GIS-Bereich mitbekomme, wird seit dem Vollzug des Brexits auch Theater bei Leuten aus den USA und Kanada gemacht.
Ganz ehrlich: die Briten sind aktuell dabei, es sich mit allen, aber auch wirklich allen so richtig zu versauen.
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Re: Großbritannien - post Brexit

Beitragvon Europa2050 » Do 14. Okt 2021, 07:19

discipula hat geschrieben:(13 Oct 2021, 22:27)

Die kleine Schweiz mit ihren popeligen 8 Millionen Einwohnern kriegt es jedenfalls auch hin, Abkommen zu schliessen. und je kleiner man ist, desto gezielter kann man steuern.

Das können die Briten auch.


Die Schweiz ist - außer dass sie formal nicht EU-Mitglied ist, und damit alles souverän regeln könnte, wenn sie wöllte - nahezu an allen Vertragswerken der EU (auch finanziell) beteiligt, bis hin zu Schengen und Verträgen der EU mit Dritten.
Und die Bundesregierung hat bei offenen Fragen aus dieser Konstruktion auch stets vermittelt, dass man eher auf Konsens als Konflikt setzt.

Genau dieses zur beiderseitigen Zufriedenheit funktionierende Modell wurde den Briten auch angeboten - aber das wollen sie auf keinen Fall. Man will sich abriegeln und wundert sich, dass die Skaleneffekte internationaler Arbeitsteilung nicht mehr da sind.

Deswegen ist ein Vergleich Schweiz - UK in Bezug auf das Verhältnis zur EU sinnlos.
United we stand - divided we fall...
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Re: Großbritannien - post Brexit

Beitragvon discipula » Do 14. Okt 2021, 08:35

Adam Smith hat geschrieben:(13 Oct 2021, 22:45)

Eben nicht. Weil die Schweiz Millionäre anzieht.


und wieso tut sie das?

Weil es Rechtssicherheit und politische Stabilität und eine gute Infrastruktur gibt. Alles Dinge, die ALLEN zugute kommen.

Die Schweiz ist allerdings auch für Arme attraktiv, so ist es nicht, die wollen auch gerne kommen. und auch die Schweizer selbst sind keineswegs alle reich.
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Re: Großbritannien - post Brexit

Beitragvon discipula » Do 14. Okt 2021, 08:37

Schnitter hat geschrieben:(13 Oct 2021, 22:48)

Damit ein Ingenieur gerne Schweine halbiert ?


und warum auch nicht? Der Germanist als Taxifahrer ist ja auch keine Ausnahme.

Essen müssen die Leute eben, das ist wichtig, dass Essen hergestellt wird. und ehrliche Arbeit ist nie eine Schande.
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Re: Großbritannien - post Brexit

Beitragvon discipula » Do 14. Okt 2021, 08:41

sünnerklaas hat geschrieben:(13 Oct 2021, 23:14)

Nicht nur das. Es ist kein Problem, einen Consultant mal kurzfristig aus der EU in die Schweiz zu schicken. Von heute auf morgen, je nach Maßgabe und Notwendigkeit. In GB mag man das seit dem Brexit nicht mehr.


ja dann müssen Leute eben ihr Hirn anstrengen und mittel- bis langfristig planen. und sich neue Lösungen überlegen. Leute ständig spontan kreuz und quer durch die Weltgeschichte zu spedieren, ist ja auch ökologisch nicht so das Wahre.

Und nein, es geht da nicht um irgendwelche Habenichtse, es geht um High Potentials.


jajaja. müssen sich die High Potentials halt damit abfinden, nicht überall den roten Teppich ausgelegt zu bekommen. shit happens.

UK ist ja nicht so klein, die sollten eigentlich fähig sein, ihre eigenen High Potentials in High Performers zu transformieren.


Ganz ehrlich: die Briten sind aktuell dabei, es sich mit allen, aber auch wirklich allen so richtig zu versauen.


Das ist ja, was sie wollten: kontrollierte Einwanderung. jetzt machen sie es.

Wenn sie damit in Kauf nehmen, dass sie unattraktiv werden für global agierende Firmen, so ist es eben so.
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Re: Großbritannien - post Brexit

Beitragvon sünnerklaas » Do 14. Okt 2021, 08:45

discipula hat geschrieben:(14 Oct 2021, 08:37)

und warum auch nicht? Der Germanist als Taxifahrer ist ja auch keine Ausnahme.

Essen müssen die Leute eben, das ist wichtig, dass Essen hergestellt wird. und ehrliche Arbeit ist nie eine Schande.


Die Hoffnung, Stellen durch das Downgroading von Überqualifizierten besetzen zu können funktioniert nur, wenn die Arbeitslosigkeit hoch ist.
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Re: Großbritannien - post Brexit

Beitragvon discipula » Do 14. Okt 2021, 08:46

Europa2050 hat geschrieben:(14 Oct 2021, 07:19)
Und die Bundesregierung hat bei offenen Fragen aus dieser Konstruktion auch stets vermittelt, dass man eher auf Konsens als Konflikt setzt.


Tendenziell ja. Die Schweizer sind meist ruhig, freundlich und diskret, und wenig dramatisch.

haben allerdings das Rahmenabkommen, auf das die EU so sehr drängte, letzthin trotzdem auch abgelehnt. Wenn der Konsens nicht zustande kommt, nimmt man auch den Konflikt in Kauf.



Genau dieses zur beiderseitigen Zufriedenheit funktionierende Modell


Die EU ärgerts ja schon, dass die Schweiz nicht mitmachen will. Und die setzt auch immer Druck auf. Beidseitig ist scheint die Zufriedenheit nicht zu sein.

Man will sich abriegeln und wundert sich, dass die Skaleneffekte internationaler Arbeitsteilung nicht mehr da sind.


Dass sich solche Effekte zeigen werden, war doch allen klar, die fünf Minuten übers Thema nachdachten. Wo konkret sie sich zeigen werden, ist im Voraus schwer zu sagen. und womöglich, auch wenn man's wüsste, noch schwerer, im Voraus Vorkehrungen zu treffen. aber "Probleme dann lösen, wenn sie auftauchen" ist nicht das schlechteste System.

Sobald der Druck steigt, steigt auch die Motivation.
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Re: Großbritannien - post Brexit

Beitragvon sünnerklaas » Do 14. Okt 2021, 09:31

Europa2050 hat geschrieben:(14 Oct 2021, 07:19)

Genau dieses zur beiderseitigen Zufriedenheit funktionierende Modell wurde den Briten auch angeboten - aber das wollen sie auf keinen Fall. Man will sich abriegeln und wundert sich, dass die Skaleneffekte internationaler Arbeitsteilung nicht mehr da sind.


Würde mich nicht wundern, wenn man irgendwann zur Autarkie-Politik kommt. Vom Gefühl her scheinen die Briten inzwischen fast auf dem Weg zu sein, sich in Sachen Abschottung langsam in Richtung eines Nordkoreas zu entwickeln: In Nordkorea sucht die Staatsführung sich ja auch aus, mit wem sie überhaupt redet, geschweige denn, mit wem geschäftliche Kontakte gepflegt werden. Das ist Freiheit. Kontakte der Bevölkerung zu anderen Ländern gibt es praktisch nicht, die könnten abhauen oder - noch schlimmer: auf dumme Gedanken kommen. Sämtliche Brücken sind seit dem 2. Wk abgebrochen.

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