Negative und positive wirtschaftliche Folgen von Corona

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JJazzGold
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Re: Negative und positive wirtschaftliche Folgen von Corona

Beitragvon JJazzGold » Fr 22. Mai 2020, 07:32

Calvadorius hat geschrieben:(22 May 2020, 00:23)

Dreh die Sicht mal um.
Der Steuerzahler soll rund 10 Mrd. € für die Rettung der Lufthansa ausgeben.
Das ist eine Stange Geld.

Würde ich mir bloß eine Aktie der Lufthansa kaufen (aktuell 8,35 € pro Aktie), hätte ich tatsächlich schon ein Stimmrecht.

Wieviele Aktien sind von der Lufthansa im Umlauf?
Aktuell sind nichtmal 500 Mio LH-Aktien "unterwegs" (ausgegeben).
Genau: 478.190.000

10.000.000.000 € : (aktuell) 8,35€ (je Aktie) = 1.197.604.790 Anteile.

Dh. also der Steuerzahler soll mehr als das Doppelte des Firmenwerts einfach mal so hinlegen.

OK, es gibt auch nicht stimmberechtigte Anteile (bei der Lufthansa auch? (das weiß ich jetzt echt nicht.)).
Aber wurscht: tun wir mal so als gäbe es die (nur für Spaß: 1:1), und teilen wir die gleichmäßig auf stimmberechtigte und nicht ~ Anteile auf (für Dummies: wir teilen schlicht durch Zwei).

Bleiben also knapp 600 Mio. stimmberechtigte Anteile.
(Mein Telefon sagt: 598.802.395kommanochwas)
Das ist immer noch deutlich mehr als überhaupt an Anteilen der LH gehandelt werden.

Wie bitte soll der Staat als Verwalter öffentlichen Vermögens diesen Verzicht rechtfertigen?
Und er muß sich -bitteschön- nicht vor der "Lufthansa" rechtfertigen, sondern vor dem Steuerzahler.



Meine Sicht ist der Vergleich der Zeit, als die Lufthansa eine staatliche Airline war mit der Zeit, als Sie liberalisiert war und da fällt eindeutig letztere zugunsten des Steuerzahlers aus.
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Re: Negative und positive wirtschaftliche Folgen von Corona

Beitragvon JJazzGold » Fr 22. Mai 2020, 07:49

Skull hat geschrieben:(21 May 2020, 20:59)

Ich sehe das nicht so schwarz.

Faule Äpfel gibt es überall. Auch mache ich da Unterschiede. Damals...heute.
Der Wunsch und die „Kultur“ damals, als Politiker von „allem“ Ahnung zu haben.

Zwischen mitentscheiden und echten Einfluss nehmen, sehe ich immer noch Unterschiede.
Ob der Staat als Miteigentümer und Investor (temporär) tätig wird oder als Hauptentscheider und Möchtegern-Unternehmer.

Ich nehme gerne das Beispiel der West-LB auf. Der Staat als Möchtegernunternehmer und sein Einfluss.
Nein, so etwas schwebt mir bestimmt nicht vor. Wirst Du aber wohl vorher gewusst haben.

mfg


Es bleibt, wie üblich, nichts Anderes ab, als abzuwarten und auf das Verhandlungsgeschick Spohrs zu setzen, der immerhin ein “Lehrling“ Webers war. Inzwischen sind die Mitsprache Optionen zum Glück deutlich abgespeckt worden und im Zuge der letzten Aufsichtsratsitzung anteilig längst erfüllt.

Sicher existiert ein Unterschied zwischen damals und heute. Heute kann es sich die Regierung nicht leisten à la Waigel die Schultern zu zucken und lapidar zu sagen, helft euch selbst, wir haben uns entschlossen, die Werften zu retten, für euch ist kein Geld da. Nichts desto trotz ist auch heute die Lufthansa wieder ein Polit-Spielball zwischen schwarz und rot. Das Letzte, was in einer solchen Situation angemessen ist.

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Re: Negative und positive wirtschaftliche Folgen von Corona

Beitragvon Kölner1302 » Fr 22. Mai 2020, 08:24

yogi61 hat geschrieben:(20 May 2020, 17:43)

Offenbar gibt es jetzt eine Einigung mit der Lufthansa zu deren Rettung.

Die Spitzen der Bundesregierung haben sich geeinigt, wie der Staat bei der Lufthansa einsteigen soll. Nach SPIEGEL-Informationen ist ein Vertreter des Bundes auf dem Weg nach Frankfurt, um den Deal mit der kränkelnden Airline zu schließen.

Die Einigung soll vorsehen, dass der Bund sich mit 25 Prozent plus einer Aktie an der wirtschaftlich schwer angeschlagenen Airline beteiligt und ihr darüber hinaus weiteres Kapital bereitstellt. Zwei Aufsichtsräte sollen demnach von der Bundesregierung besetzt werden. Insgesamt dürfte sich die Beteiligung auf neun Milliarden Euro addieren.

https://www.spiegel.de/wirtschaft/unter ... 74d376107b


ÄNDERUNG DES INNENRAUMS DER FLUGZEUGE
wenn man den Innenraum der Flugzeuge von Großraum auf Abteile ändern würde, ähnlich wie früher bei der Bahn, und für einzelne Reisende auf Langstrecken wabenartige Strukturen (Schlafkabinen) in den Flugzeugen bilden würde, könnte man die Atemluft der Passagiere besser voneinander abgrenzen und die Flugtickets besser verkaufen
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Re: Negative und positive wirtschaftliche Folgen von Corona

Beitragvon JJazzGold » Fr 22. Mai 2020, 08:30

Kölner1302 hat geschrieben:(22 May 2020, 08:24)

ÄNDERUNG DES INNENRAUMS DER FLUGZEUGE
wenn man den Innenraum der Flugzeuge von Großraum auf Abteile ändern würde, ähnlich wie früher bei der Bahn, und für einzelne Reisende auf Langstrecken wabenartige Strukturen (Schlafkabinen) in den Flugzeugen bilden würde, könnte man die Atemluft der Passagiere besser voneinander abgrenzen und die Flugtickets besser verkaufen


Dann lohnt es sich nicht mehr zu fliegen. Das sind Tonnen mehr an Gewicht und dementsprechend mehr Korosinverbrauch, bei einer Reduzierung auf ca. 30% der Passagieranzahl. Zudem lässt sich der Atemluftkreislauf nicht in partielle kleine Kreisläufe teilen.
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Re: Negative und positive wirtschaftliche Folgen von Corona

Beitragvon 3x schwarzer Kater » Fr 22. Mai 2020, 08:31

JJazzGold hat geschrieben:(21 May 2020, 15:44)

Die Alternative zu 20% Einstieg und 5% Wandelanleihe durch den Staat heißt Insolvenz in Eigenverwaltung.
Insofern ist Ersteres vorzuziehen. Es müssen zwei Sitze im Aufsichtsrat sein, damit nicht nur die Union, sondern auch die SPD ein lukratives Pöstchen verteilen kann. Wir werden sehen, welche fachferne Flachpfeife dort installiert wird.


Bezeichnend ist ja folgender Satz im Welt-Artikel in Bezug auf die "Verhandlungen".

Lufthansa-Chef Carsten Spohr wehrte sich gegen eine Einmischung in operative Entscheidungen darüber, wo beispielsweise ein Langstreckenflug starten oder welche Routen bedient werden dürfen.


Da entsteht schon der Eindruck, dass die an den "Verhandlungen" beteiligten Regierungsvertreter zumindest zum Teil keine Ahnung davon haben welche Aufgaben, Kompetenzen und Verantwortungen den einzelnen Organen einer Aktiengesellschaft denn überhaupt zukommen. Vielmehr scheinen da wohl manche der Meinung zu sein, dass man als Aufsichtsrat sogar weisungsbefugt gegenüber dem Vorstand sei und hier mal richtig sagen kann, wo es denn lang geht (ohne dann dann natürlich die dem Vorstand zukommende Verantwortung zu haben).
Es würde mich jetzt ehrlich gesagt nicht wundern, wenn bei dem einen oder anderen Vorstandsmitglied in Anbetracht solcher Diskussionen die Entscheidung reifen sollte, sich so einen Kindergarten besser nicht anzutun und statt dessen lieber zurückzutreten.

Warten wir mal ab ;)
„Es wurde schon alles gesagt, nur noch nicht von jedem.“ (Karl Valentin)
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Re: Negative und positive wirtschaftliche Folgen von Corona

Beitragvon JJazzGold » Fr 22. Mai 2020, 10:06

3x schwarzer Kater hat geschrieben:(22 May 2020, 08:31)

Bezeichnend ist ja folgender Satz im Welt-Artikel in Bezug auf die "Verhandlungen".



Da entsteht schon der Eindruck, dass die an den "Verhandlungen" beteiligten Regierungsvertreter zumindest zum Teil keine Ahnung davon haben welche Aufgaben, Kompetenzen und Verantwortungen den einzelnen Organen einer Aktiengesellschaft denn überhaupt zukommen. Vielmehr scheinen da wohl manche der Meinung zu sein, dass man als Aufsichtsrat sogar weisungsbefugt gegenüber dem Vorstand sei und hier mal richtig sagen kann, wo es denn lang geht (ohne dann dann natürlich die dem Vorstand zukommende Verantwortung zu haben).
Es würde mich jetzt ehrlich gesagt nicht wundern, wenn bei dem einen oder anderen Vorstandsmitglied in Anbetracht solcher Diskussionen die Entscheidung reifen sollte, sich so einen Kindergarten besser nicht anzutun und statt dessen lieber zurückzutreten.

Warten wir mal ab ;)


Selbstverständlich wehrt er sich dagegen, nach einem Blick gen Frankreich. ;)
Nicht, dass die Inlandsrouten Gewinn abwerfen würden, das tun sie nur als Zubringer in Verbindung mit Auslandsanschlüssen. Das Problem besteht darin, dass die DB als Ersatzzubringer nicht ausreichend aufgestellt ist. Versuche als Beleg gab es in der Vergangenheit genügend.

Zudem ist eine liberalisierte Airline nicht dazu da, außenpolitisch gewünschte Verbindungen zu bedienen. Schon gar nicht so kurzfristig, wie sich das Politiker manchmal in ihrer Blase vorstellen. Bestes Beispiel dafür ist die kurzfristig wieder aufgenommene Bedienung Pakistans, für die dann nur ein A306 übrig blieb, was sich zwangsläufig als unrentabel erwies und nach einer Flugplanperiode wieder eingestellt wurde.

Korrekt, warten wir ab.
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Re: Negative und positive wirtschaftliche Folgen von Corona

Beitragvon Sören74 » Fr 22. Mai 2020, 10:44

Calvadorius hat geschrieben:(22 May 2020, 00:49)

Wir reden vom Zweieinhalbfachen des aktuellen Wertes.

Ich (persönlich) würde es Niemandem krumm nehmen, bei einem solchen Faktor tatsächlich über die Notwendigkeit einer bedingungslosen Rettung nachzudeken.


Ich kann mich nur wiederholen. Du sprichst von dem Aktienwert, aber der Wert der Lufthansa ist mehr als das.
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Re: Negative und positive wirtschaftliche Folgen von Corona

Beitragvon JJazzGold » Fr 22. Mai 2020, 11:17

Der Frust der Die Linke darüber, dass die Lufthansa nicht wieder zum “Volkseigentum“ wird, von dem “das Volk“ nachweislich nichts abbeissen kann sitzt tief. :D

“Zusammenfassend sagte sie: "Man hätte mit vier Milliarden Euro das ganze Unternehmen übernehmen können und dann gemeinsam mit den Beschäftigten die Mitbestimmung ausweiten und was für die Klimaschutzziele tun können."

https://amp.n-tv.de/wirtschaft/linke-em ... 96961.html

Das könnte euch so passen, ihr DDR Pleitiers.
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Re: Negative und positive wirtschaftliche Folgen von Corona

Beitragvon Sören74 » Fr 22. Mai 2020, 11:33

JJazzGold hat geschrieben:(22 May 2020, 11:17)

Der Frust der Die Linke darüber, dass die Lufthansa nicht wieder zum “Volkseigentum“ wird, von dem “das Volk“ nachweislich nichts abbeissen kann sitzt tief. :D

“Zusammenfassend sagte sie: "Man hätte mit vier Milliarden Euro das ganze Unternehmen übernehmen können und dann gemeinsam mit den Beschäftigten die Mitbestimmung ausweiten und was für die Klimaschutzziele tun können."

https://amp.n-tv.de/wirtschaft/linke-em ... 96961.html

Das könnte euch so passen, ihr DDR Pleitiers.


Ich sags mal so, im Februar wärst Du vermutlich noch jede Wette eingegangen, dass der Staat sich keine Anteile von der Lufthansa kauft. Und jetzt wird darüber verhandelt, ob man sich die Speerminorität sichert. Also kurzum, der Staat wird in den nächsten Monaten und Jahren in der Wirtschaft so viel Einfluss bekommen, was sich selbst die Liberalen nicht in ihren schlimmsten Albträumen vorstellen konnten. ;)
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Re: Negative und positive wirtschaftliche Folgen von Corona

Beitragvon JJazzGold » Fr 22. Mai 2020, 11:55

Sören74 hat geschrieben:(22 May 2020, 11:33)

Ich sags mal so, im Februar wärst Du vermutlich noch jede Wette eingegangen, dass der Staat sich keine Anteile von der Lufthansa kauft. Und jetzt wird darüber verhandelt, ob man sich die Speerminorität sichert. Also kurzum, der Staat wird in den nächsten Monaten und Jahren in der Wirtschaft so viel Einfluss bekommen, was sich selbst die Liberalen nicht in ihren schlimmsten Albträumen vorstellen konnten. ;)


Wie auch, wenn an andere Konzerne konditionslos Gelder vergeben werden und selbst beim staatseigenen Betrieb DB ohne selbige Konditionen nonchalant eine Kapitalerhöhung vorgenommen wird?

Die Liberalen verlieren sich nicht in substanzlosen Volkseigentum-Träumen, wie die Die Linke und auch nicht in Albträumen, sie opponieren im Rahmen ihrer Möglichkeiten.

Der Union traue ich zu, ermessen zu können, dass die Grenzen der freien Marktwirtschaft einzuhalten sind und die Vorteile, die diese ihr in Regierungsverantwortung bietet längst verinnerlicht hat.
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Re: Negative und positive wirtschaftliche Folgen von Corona

Beitragvon Skull » Fr 22. Mai 2020, 12:20

JJazzGold hat geschrieben:(22 May 2020, 11:17)

“Zusammenfassend sagte sie: "Man hätte mit vier Milliarden Euro das ganze Unternehmen übernehmen können und dann gemeinsam mit den Beschäftigten die Mitbestimmung ausweiten und was für die Klimaschutzziele tun können."

https://amp.n-tv.de/wirtschaft/linke-em ... 96961.html

Das könnte euch so passen, ihr DDR Pleitiers.

Natürlich kann man phantasieren.

Wie man denn mit 4 Milliarden das ganze Unternehmen übernehmen könnte, bleibt da aber offen.

Zu einer Kapitalerhöhung unter Ausschluss des Bezugsrechtes bedarf es ja einer Zustimmung. Der Eigentümer.

Und wenn man (eventuell) mit 4 Milliarden den Laden übernehmen würde/könnte...
verschwinden ja trotzdem nicht die Liquiditätssorgen von knapp 9 Milliarden.

Dieser Satz ist die Krönung:

Da habe der Bund "in Mathe beim Grundkurs Prozentrechnung nicht aufgepasst

Den sollte man allererst SELBST beherzigen. :D

Erst denken, dann rechnen...danach vielleicht erst kommentieren, wäre da mein Tipp.

mfg
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Re: Negative und positive wirtschaftliche Folgen von Corona

Beitragvon Calvadorius » Sa 23. Mai 2020, 01:32

Orbiter1 hat geschrieben:(22 May 2020, 06:00)
Naja, wenn 99% der Flugzeuge nicht mehr abheben dürfen sinkt verständlicherweise der Aktienkurs und damit der Firmenwert. Die Lufthansa hatte letztes Jahr einen Umsatz von über 36 Mrd €.

Du redest über die Vergangenheit.
Ohne staatliche Hilfe wäre dieser Wert in nächster Zukunft NULL.
Orbiter1 hat geschrieben:(22 May 2020, 06:00)
Eine große Fluggesellschaft im eigenen Land ist für einen Staat ein strategisch wichtiges Unternehmen. Z. B. wenn es wie geschehen erforderlich ist kurzfristig mehrere 100.000 Staatsbürger aus der ganzen Welt zurückzuholen. Die Lufthansa ist auch Dienstleister für die Bundeswehr, müsste im Ernstfall das Militär logistisch unterstützen. Usw.

Das wäre doch gerade ein gewichtiges Argument dafür, daß der Staat bei diesem "strategisch wichtigen Unternehmen" ein Mitspracherecht hat.

Meine (persönliche, absolut subjektive) Meinung:
Staatliches Engagement in die Rettung der Lufthansa ja, bloß halt mit Gegenleistung: Mitspracherecht, Verzicht auf Dividendenzahlungen, Verzicht auf Boni.
Alles Andere wäre unanständig gegenüber denjenigen, die dieses Geld aufbringen.

Und ja: (weil @JJazzGold dieses in die Debatte eingebracht hatte) das sollte genau so natürlich auch für "TUI" gehandhabt werden, wie für alle als Gesellschaft organisierten Unternehmen ab einer gewissen Größenordnung.
Leben ist eine sexuell übertragbare Krankheit, die in jedem Fall tödlich endet.
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Re: Negative und positive wirtschaftliche Folgen von Corona

Beitragvon JJazzGold » Sa 23. Mai 2020, 08:11

Es wird immer kurioser, jetzt soll Lufthansa nur dann Geld vom Staat bekommen, wenn es dieses zu einem hohen Anteil dazu nutzt, Airbus zu retten, sprich Flugzeuge zu kaufen. In einer Zeit, zu der die Flotte großteils kostenträchtig am Boden steht, anteilig bereits der größte Teil der A380 Flotte vorzeitig ausgemustert wurden, und nicht gesichert ist, wann wieder alle Flugzeugflotten eingesetzt werden können. Das ist exakt die Art von “wirtschaftlichen Denken“, Lufthansa nur als Mittel zum Zweck der Airbusrettung zu nutzen und damit gleichzeitig langfristig Lufthansa als staatlichen Spielball, unrentabel und damit an der langen Leine des Staates zu halten, das ich befürchtet habe.
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Re: Negative und positive wirtschaftliche Folgen von Corona

Beitragvon JJazzGold » Sa 23. Mai 2020, 08:17

Calvadorius hat geschrieben:(23 May 2020, 01:32)

Du redest über die Vergangenheit.
Ohne staatliche Hilfe wäre dieser Wert in nächster Zukunft NULL.

Das wäre doch gerade ein gewichtiges Argument dafür, daß der Staat bei diesem "strategisch wichtigen Unternehmen" ein Mitspracherecht hat.

Meine (persönliche, absolut subjektive) Meinung:
Staatliches Engagement in die Rettung der Lufthansa ja, bloß halt mit Gegenleistung: Mitspracherecht, Verzicht auf Dividendenzahlungen, Verzicht auf Boni.
Alles Andere wäre unanständig gegenüber denjenigen, die dieses Geld aufbringen.



Der Punkt Gehalt/Boni ist seit März 2020 abgehakt. Der Vorstand verzichtet auf 20% seines Gehaltes und Boni werden nicht ausgezahlt.
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Re: Negative und positive wirtschaftliche Folgen von Corona

Beitragvon Orbiter1 » Sa 23. Mai 2020, 08:54

Calvadorius hat geschrieben:(23 May 2020, 01:32)

Du redest über die Vergangenheit.
Ohne staatliche Hilfe wäre dieser Wert in nächster Zukunft NULL.
Selbstverständlich will die Lufthansa auch in Zukunft wieder den Umsatz erreichen den sie in der Vergangenheit hatte. Und wie ich bereits berichtet habe ist die Größenordnung von 10 Mrd € als Hilfspaket im Vergleich zu anderen Fluggesellschaften nichts Ungewöhnliches.

Das wäre doch gerade ein gewichtiges Argument dafür, daß der Staat bei diesem "strategisch wichtigen Unternehmen" ein Mitspracherecht hat.

Meine (persönliche, absolut subjektive) Meinung:
Staatliches Engagement in die Rettung der Lufthansa ja, bloß halt mit Gegenleistung: Mitspracherecht, Verzicht auf Dividendenzahlungen, Verzicht auf Boni.
Alles Andere wäre unanständig gegenüber denjenigen, die dieses Geld aufbringen.
Wozu eine Staatsbeteiligung führen kann sieht man bei der Alitalia (s. Wikipedia Artikel). Die endet nach jahrzehntelangen Niedergang und mehreren Insolvenzen voraussichtlich als Staatsunternehmen mit nur noch 30 Flugzeugen (die Lufthansa hat fast 800).
Und ja: (weil @JJazzGold dieses in die Debatte eingebracht hatte) das sollte genau so natürlich auch für "TUI" gehandhabt werden, wie für alle als Gesellschaft organisierten Unternehmen ab einer gewissen Größenordnung.
Ein Reiseveranstalter hat keine strategische Bedeutung und der Staat ist als (Mit)Unternehmer wenn es sich nicht um ein Monopol handelt ein Desaster.
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Re: Negative und positive wirtschaftliche Folgen von Corona

Beitragvon Jessie » Sa 23. Mai 2020, 10:32

JJazzGold hat geschrieben:(22 May 2020, 11:55)

Wie auch, wenn an andere Konzerne konditionslos Gelder vergeben werden und selbst beim staatseigenen Betrieb DB ohne selbige Konditionen nonchalant eine Kapitalerhöhung vorgenommen wird?

Die Liberalen verlieren sich nicht in substanzlosen Volkseigentum-Träumen, wie die Die Linke und auch nicht in Albträumen, sie opponieren im Rahmen ihrer Möglichkeiten.

Der Union traue ich zu, ermessen zu können, dass die Grenzen der freien Marktwirtschaft einzuhalten sind und die Vorteile, die diese ihr in Regierungsverantwortung bietet längst verinnerlicht hat.

Dann muss ja nur noch der Bürger vom Wirtschaftssystem der freien Marktwirtschaft überzeugt werden... nicht dass die Union auch als 5%-Partei endet.
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Re: Negative und positive wirtschaftliche Folgen von Corona

Beitragvon JJazzGold » Sa 23. Mai 2020, 11:01

Jessie hat geschrieben:(23 May 2020, 10:32)

Dann muss ja nur noch der Bürger vom Wirtschaftssystem der freien Marktwirtschaft überzeugt werden... nicht dass die Union auch als 5%-Partei endet.


Wie hoch schätzen Sie den Anteil der Bürger ein, die eine Planwirtschaft bevorzugen würden?
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Re: Negative und positive wirtschaftliche Folgen von Corona

Beitragvon Billie Holiday » Sa 23. Mai 2020, 11:34

JJazzGold hat geschrieben:(23 May 2020, 11:01)


Wie hoch schätzen Sie den Anteil der Bürger ein, die eine Planwirtschaft bevorzugen würden?


Irgendwann muß es doch mal klappen. :D
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Re: Negative und positive wirtschaftliche Folgen von Corona

Beitragvon JJazzGold » Sa 23. Mai 2020, 12:13

Billie Holiday hat geschrieben:(23 May 2020, 11:34)

Irgendwann muß es doch mal klappen. :D


Noch nicht einmal, wenn die Union lt. User Jessie auf 5% fallen würde. Wobei es durchaus nach wie vor Fans der Planwirtschaft gibt, aber eben nicht in ausreichendem Ausmaß, da Erfahrung, wie man sagt, klug macht. ;)
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Re: Negative und positive wirtschaftliche Folgen von Corona

Beitragvon 3x schwarzer Kater » Sa 23. Mai 2020, 12:54

Calvadorius hat geschrieben:(23 May 2020, 01:32)

Staatliches Engagement in die Rettung der Lufthansa ja, bloß halt mit Gegenleistung: Mitspracherecht, Verzicht auf Dividendenzahlungen, Verzicht auf Boni.
Alles Andere wäre unanständig gegenüber denjenigen, die dieses Geld aufbringen.



nun ja, Gehälter und Boni sind ja geregelt.

Was die Dividenzahlungen angeht entscheidet darüber letztendlich immer die Hauptversammlung. Der Punkt hat wohl eher kosmetischen Charakter. Denn wenn der Bund denn will kann er seine Wandelobligationen ja jederzeit in EK umwandeln um damit die Sperrminorität erlangen. Bedeutet wiederum, dass er in der HV eine eventuelle Ausschüttung verhindern kann, sofern der Vorstand eine Vorschlägt. In denen Verhandlungen ist das logischerweise auch keine Forderung. Denn Bund kann nichts fordern, was die Beteiligten nicht erfüllen können, da die Kompetenz darüber zu eintscheiden ganz woanders liegt. Letztendlich wohl nur eine Klarstellung, dass es unter der Beteiligung des Bundes keine Dividendenausschüttung geben wird.

Über das Mitspracherecht gibt es eigentlich wenig zu verhandeln. Denn die Aufgaben, Kompetenzen und Verantwortungen der einzelnen Organe einer Aktiengesellschaft sind ja im Aktiengesetz geregelt. Davon kann man im Prinzip ja auch nicht abweichen. Einzig die Zahl der Aufsichtsratssitze mag hier relevant sein. Aber auch hier gibt es nichts zu meckern, denn bei 20 Aufsichtsratsmitgliedern entspricht die Zahl von 2 Aufsichtsratsmitgliedern ja genau dem Anteil von 20% am Aktienkapital. Das Stimmrecht im Aufsichtsrat spiegelt somit auch Anteil an der Gesellschaft wider.
Weiteres braucht eigentlich nicht geregelt werden. Weiteres Mitspracherecht wird es nicht geben. Man darf nicht vergessen, dass in einer AG einzig und allein der Vorstand für die Geschäftsführung und die Strategie des Unternehmens verantwortlich ist. Und in dieser Funktion ist er auch nicht weisungsgebunden. Weder dem Aufsichtsrat gegenüber noch der Hauptversammlung. Er ist in seinem Handeln einzig und allein der Gesellschaft verpflichtet.
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