Mehrheit der Deutschen äußert sich in der Öffentlichkeit nur vorsichtig

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Skeptiker
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Re: Mehrheit der Deutschen äußert sich in der Öffentlichkeit nur vorsichtig

Beitragvon Skeptiker » Fr 8. Nov 2019, 23:30

Selina hat geschrieben:(08 Nov 2019, 00:49)
Aber was ist es denn dann Geheimnisvolles, was man lieber für sich behält? Du kannst das wortreich umschreiben oder knapp beantworten: Es gibt schlicht nichts Ungesagtes. Selbst, wenn man dabei in Abgründe blicken muss, alles wurde bereits gesagt. Und das in einer brutalen Offenheit und Klarheit, dass es einem kalte Schauer über den Rücken jagt. Ja, was denn nun noch? Was ist es, was noch zu sagen wäre?

Selina, irgendwann nehme ich es Dir leider nicht mehr ab, dass Du nicht verstehst was ich sagen will.

Natürlich wurde "alles gesagt". Von vielen - es wird ständig diskutiert. Und alles legal - prima könnte man meinen. Aber nein! Wenn sich die Berichte mehren, dass die Leute ihren Mund nicht mehr aufmachen wollen - und ich rede von der Mitte der Gesellschaft, nicht den Schreiern von den Rändern - dann muss man das doch als besorgniserregend wahrnehmen. Du offenbar nicht. Ich nehme das zur Kenntnis. Manche sind halt sensibel wenn Effekte einsetzen, die für die Demokratie nicht wünschenswert sind, manchen anderen ist es egal, solange ihre persönliche Vorstellung von Politik Oberwasser hat.

Immer und immer wieder dreht sich in der bürgerlichen Presse alles um das Thema der moralischen Stigmatisierung konservativer oder gar rechter Positionen. Was glaubst Du, denken die sich das nur aus? Sind die alle bekloppt? Hast Du schonmal darüber nachgedacht ob da - rein theoretisch - etwas falsch laufen könnte?

Kristina Schröder liefert heute ganz aktuell nochmal einen Einblick in der Welt (wieder Bezahlartikel):
KRISTINA SCHRÖDER
Diese Verachtung hat mich eingeschüchtert
Meinungsfreiheit heißt nicht automatisch Meinungsvielfalt. Kristina Schröder kennt Pöbeleien noch aus ihrer Zeit als Familienministerin. Sie habe Positionen vertreten, die in „tonangebenden Milieus“ verpönt sind. Die Reaktionen seien heftig gewesen.

Zwei Deutungen in Sachen Meinungsfreiheit ringen derzeit in Deutschland miteinander.

Da sind die AfD und ihre befreundeten Truppen. In diesen Kreisen wird hingebungsvoll das Bild gepflegt, dass man dies und das heute „ja nicht mehr sagen darf“. Gesagt wird es dann aber doch, nämlich von den mutigen Leuten von der AfD, die sich dem „linken Meinungsterror“ und den „Mainstreammedien“ wacker widersetzen.

Auf der anderen Seite die deutschen Feuilletons, zumindest die fortschrittlichen. Nach den Vorfällen um Bernd Lucke, Thomas de Maizière und Christian Lindner nehmen sie sich des Themas derzeit an. Und kommen nach einigen pflichtschuldigen Demutsgesten an die Freiheit der Andersdenkenden dann doch ziemlich unisono zu dem Schluss: Habt euch doch nicht so. Wer eine kontroverse Position äußert, muss auch mit der Kritik daran leben.
...
Rechtliche Meinungsfreiheit heißt aber nicht automatisch tatsächliche Meinungsvielfalt. Letztere ist bedroht, und zwar deshalb, weil bestimmte Positionen zwar nicht von den Gerichten, aber dafür von der Gesellschaft umso empfindlicher sanktioniert werden.

Die Themen, bei denen der Furor droht, sind gar nicht so viele: Bisher war es vor allem Deutschlands nationalsozialistische Vergangenheit, die zuverlässig für Sprengstoff sorgte. Aber mit dem Aussterben der Generation, die direkt involviert war, lässt auch die Emotionalität der Auseinandersetzung nach.
...
Derzeit sind es vor allem Aussagen zu den Themen Migration und Islam, die streng bewertet und schnell verurteilt werden. Außerdem jede Bemerkung zur Situation und Befindlichkeit von tatsächlichen oder vermeintlichen Minderheiten: Homo-, Trans- und Intersexuelle, Menschen anderer Hautfarbe, Frauen, Menschen, die sozial, körperlich oder ästhetisch benachteiligt sind. Und Einlassungen zum Klimawandel und Klimaschutz, die sind auch immer gefahrengeneigter.

Das Spezifische der Debatten über diese Themen ist nicht, dass sie kontrovers sind. Sondern dass demjenigen, der hier eine missliebige Position äußert, nicht nur sachlich widersprochen, sondern er als Person moralisch verurteilt, oft geradezu verbal hingerichtet wird. Er ist fortan in der öffentlichen Etikettierung derjenige, der „das“ gesagt hat, und kann so oft über Jahre nicht mehr unbefangen am öffentlichen Diskurs teilnehmen.

Ich sprach über deutschenfeindlichen Rassismus bei Migranten und die überproportionale Gewaltneigung von muslimischen Männern, über die zweifelhafte Verfassungstreue mancher Initiative „gegen rechts“ und die aus freien Stücken getroffene Entscheidung vieler Frauen, Kinder zeitweise wichtiger zu finden als Karriere.
...
Denn die Reaktionen waren heftig. Mir wurde zugetragen, dass in einer frauenbewegten Redaktion nur höhnisch gelacht wurde, wenn mein Name fiel. Oft setzte man sich mit mir nicht inhaltlich auseinander, sondern sprach mir schlicht die intellektuelle Satisfaktionsfähigkeit ab. In der Presse wurde ich als „Feindin aller Frauen“ und „törichtes Mädchen“ bezeichnet.
...
Denn es zeigt, dass der Versuch, das Spektrum des legitim Sagbaren einzuschränken, durchaus erfolgreich ist. Man braucht einiges an Stehvermögen, um sich dagegen zu behaupten.

Allerdings unterliegen die tabuisierten Themen durchaus Schwankungen: Während nach meiner Wahrnehmung bei den Themen Migration und Islam heute sehr viel mehr sagbar ist, ohne gleich den Rassismus- oder Islamophobievorwurf zu ernten, verengt sich die Debatte über die sogenannten Minderheitenthemen immer mehr.
...
Die politische Stoßrichtung dieser Diskursverbote ist dabei in der öffentlichen Debatte eindeutig: nach rechts. Intellektuelle, die sich in Deutschland wirkmächtig zu Wort melden, sind nach wie vor überwiegend links. Egal, ob sie einen universitären, publizistischen oder künstlerischen Hintergrund haben. Dieser tonangebenden Schicht gelingt es seit vielen Jahren, den Korridor des legitimen Diskurses an ihren Überzeugungen und Bedürfnissen auszurichten und dabei die intellektuelle Freiheit, die unser Grundgesetz gewährt, immer mehr einzuschränken.
...

https://www.welt.de/debatte/kommentare/ ... htert.html

Für Dich ist das alles Kinderkram. Ja, genau so lange, wie es keinen Widerstand gegen solches Verhalten gibt. Den gibt es nun aber, und der wiederum schmeckt Dir nicht.

Schonmal darüber nachgedacht, dass diese unsägliche Arroganz und Intoleranz gegenüber politisch Andersdenkenden sich mal rächen könnte? Das tut es gerade, aber ihr macht weiter und weiter und weiter ...
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Re: Mehrheit der Deutschen äußert sich in der Öffentlichkeit nur vorsichtig

Beitragvon Selina » Sa 9. Nov 2019, 00:22

Skeptiker hat geschrieben:(08 Nov 2019, 23:30)

Selina, irgendwann nehme ich es Dir leider nicht mehr ab, dass Du nicht verstehst was ich sagen will.

Natürlich wurde "alles gesagt". Von vielen - es wird ständig diskutiert. Und alles legal - prima könnte man meinen. Aber nein! Wenn sich die Berichte mehren, dass die Leute ihren Mund nicht mehr aufmachen wollen - und ich rede von der Mitte der Gesellschaft, nicht den Schreiern von den Rändern - dann muss man das doch als besorgniserregend wahrnehmen. Du offenbar nicht. Ich nehme das zur Kenntnis. Manche sind halt sensibel wenn Effekte einsetzen, die für die Demokratie nicht wünschenswert sind, manchen anderen ist es egal, solange ihre persönliche Vorstellung von Politik Oberwasser hat.

Immer und immer wieder dreht sich in der bürgerlichen Presse alles um das Thema der moralischen Stigmatisierung konservativer oder gar rechter Positionen. Was glaubst Du, denken die sich das nur aus? Sind die alle bekloppt? Hast Du schonmal darüber nachgedacht ob da - rein theoretisch - etwas falsch laufen könnte?

Kristina Schröder liefert heute ganz aktuell nochmal einen Einblick in der Welt (wieder Bezahlartikel):

https://www.welt.de/debatte/kommentare/ ... htert.html

Für Dich ist das alles Kinderkram. Ja, genau so lange, wie es keinen Widerstand gegen solches Verhalten gibt. Den gibt es nun aber, und der wiederum schmeckt Dir nicht.

Schonmal darüber nachgedacht, dass diese unsägliche Arroganz und Intoleranz gegenüber politisch Andersdenkenden sich mal rächen könnte? Das tut es gerade, aber ihr macht weiter und weiter und weiter ...


Selbstverständlich verstehe ich, was du sagen willst. Nur zu gut. Kein Wunder: Der Popanz von der angeblich eingeschränkten Meinungsfreiheit wird in schöner Regelmäßigkeit von Neurechts verbreitet und am Leben gehalten. Und von einigen Konservativen auch. Der Grund: Solange man den Leuten verklickern kann, dass angeblich keine echte Meinungsfreiheit herrsche und ein "Meinungsdiktat" von Linksgrün ausgeübt werde, solange kann man auch die Legende aufrechterhalten, man müsse nun endlich für andere, neue, freiere Verhältnisse sorgen. Alles Erfindung, alles Theater, um für Neurechts künstlich eine Legitimation zu schaffen. Denn was willst du denn zum Beispiel gerne noch gegen die Migration sagen, was angeblich sofort bestraft und geächtet wird? Was? Gibt es da einen einzigen Satz, der noch nicht gesagt worden ist? Nein, gibt es nicht. Über Migration ist von allen Seiten schon alles gesagt worden. Und besonders seit 2015. Es gibt die ständig in larmoyantem Ton beklagte Beschränkung und Einengung der Meinungsfreiheit nicht.
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Re: Mehrheit der Deutschen äußert sich in der Öffentlichkeit nur vorsichtig

Beitragvon naddy » Sa 9. Nov 2019, 13:32

Selina hat geschrieben:(09 Nov 2019, 00:22)

Kein Wunder: Der Popanz von der angeblich eingeschränkten Meinungsfreiheit wird in schöner Regelmäßigkeit von Neurechts verbreitet und am Leben gehalten.


Und auf diesen Popanz fallen 58% der Bevölkerung herein? Das sollte dann aber zumindest zu noch mehr Zweifeln an der Demokratie führen als die Wahl Trumps, Orbans und Erdogans, oder?

Alles Erfindung, alles Theater, um für Neurechts künstlich eine Legitimation zu schaffen. Denn was willst du denn zum Beispiel gerne noch gegen die Migration sagen, was angeblich sofort bestraft und geächtet wird? Was? Gibt es da einen einzigen Satz, der noch nicht gesagt worden ist? Nein, gibt es nicht. Über Migration ist von allen Seiten schon alles gesagt worden. Und besonders seit 2015. Es gibt die ständig in larmoyantem Ton beklagte Beschränkung und Einengung der Meinungsfreiheit nicht.


Schönes Beispiel dafür, wie das mit der "Meinungsfreiheit" funktioniert: Einfach jeder Kritik an der Nicht-Migrationspolitik der Bundesregierung - die übrigens bis vor Kurzem offiziell noch "Flüchtlingskrise" hieß - das Etikett "Neurechts" aufpappen - und schon sind alle kritischen Betrachter in einen Topf mit echten Rassisten geworfen und zum Abschuß im neuen Volkssport "Rassismus-Tourette" freigegeben. Und die ehemals vom Verfassungsschutz als potentielle Terrortruppe verdächtigte ANTIFA mutiert derweil zur Volksbefreiungsbewegung: "Der bayerische Verfassungsschutz 2016 lobte Recherche- und Enttarnungserfolge von Antifagruppen: Das „Outing“ von Rechtsextremisten habe Straftaten verhütet und Teilnahme von Enttarnten an Aussteigerprogrammen bewirkt." (wiki).
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Re: Mehrheit der Deutschen äußert sich in der Öffentlichkeit nur vorsichtig

Beitragvon conscience » Sa 9. Nov 2019, 15:07

naddy hat geschrieben:die ehemals vom Verfassungsschutz als potentielle Terrortruppe verdächtigte ANTIFA mutiert derweil zur Volksbefreiungsbewegung:


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Re: Mehrheit der Deutschen äußert sich in der Öffentlichkeit nur vorsichtig

Beitragvon Selina » Mi 13. Nov 2019, 10:15

Ich sehe in meinem Umfeld niemanden, der sich in der Öffentlichkeit vorsichtig äußert. Zumindest niemanden von den AfD-Wählern. Die plärren den ganzen Tag herum, die Meinungsfreiheit sei eingeschränkt, äußern sich aber bei jeder Gelegenheit ganz unverblümt fremdenfeindlich. Überall, wo im Wohngebiet mal was kaputtgeht, mal ein Kübel umgeworfen wird oder ne Scheibe zu Bruch geht, heißt es bei den lieben Nachbarn gleich "kein Wunder bei den vielen Ausländern". Ungefragt, ungeprüft.
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Re: Mehrheit der Deutschen äußert sich in der Öffentlichkeit nur vorsichtig

Beitragvon naddy » Mi 13. Nov 2019, 12:55

Selina hat geschrieben:(13 Nov 2019, 10:15)

Ich sehe in meinem Umfeld niemanden, der sich in der Öffentlichkeit vorsichtig äußert. Zumindest niemanden von den AfD-Wählern. Die plärren den ganzen Tag herum, die Meinungsfreiheit sei eingeschränkt, äußern sich aber bei jeder Gelegenheit ganz unverblümt fremdenfeindlich. Überall, wo im Wohngebiet mal was kaputtgeht, mal ein Kübel umgeworfen wird oder ne Scheibe zu Bruch geht, heißt es bei den lieben Nachbarn gleich "kein Wunder bei den vielen Ausländern". Ungefragt, ungeprüft.
(fett von mir).

Guter Ansatz! Vielleicht solltest Du den auch mal in diesem Thread vertreten.
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Re: Mehrheit der Deutschen äußert sich in der Öffentlichkeit nur vorsichtig

Beitragvon jack000 » Mi 13. Nov 2019, 21:17

Selina hat geschrieben:(13 Nov 2019, 10:15)

Ich sehe in meinem Umfeld niemanden,

Du sowieso nicht. Aber stelle dir mal 2 Autos vor bei denen bei einem ein AfD-Aufleber und bei dem anderen ein AntiFa-Aufkleber angebracht wird.
=> Welches Auto wird aus deiner Sicht als erstes beschädigt werden und welche Erkenntnis lässt sich daraus ziehen?
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Re: Mehrheit der Deutschen äußert sich in der Öffentlichkeit nur vorsichtig

Beitragvon unity in diversity » Do 14. Nov 2019, 04:17

jack000 hat geschrieben:(13 Nov 2019, 21:17)

Du sowieso nicht. Aber stelle dir mal 2 Autos vor bei denen bei einem ein AfD-Aufleber und bei dem anderen ein AntiFa-Aufkleber angebracht wird.
=> Welches Auto wird aus deiner Sicht als erstes beschädigt werden und welche Erkenntnis lässt sich daraus ziehen?

Beide brennen gleichzeitig. Daran erkennt man die Verrohung der Gesellschaft, in der immer weniger diskutiert wird. Stattdessen handeln immer mehr emotionsgeladen im Affekt.
Für jedes Problem gibt es 2 Lösungsansätze:
Den Falschen und den Unsrigen.
Aus den USA.
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Re: Mehrheit der Deutschen äußert sich in der Öffentlichkeit nur vorsichtig

Beitragvon Selina » Do 14. Nov 2019, 07:08

jack000 hat geschrieben:(13 Nov 2019, 21:17)

Du sowieso nicht. Aber stelle dir mal 2 Autos vor bei denen bei einem ein AfD-Aufleber und bei dem anderen ein AntiFa-Aufkleber angebracht wird.
=> Welches Auto wird aus deiner Sicht als erstes beschädigt werden und welche Erkenntnis lässt sich daraus ziehen?


Bitte nicht herablassend werden und bitte im Kontext zitieren. Wird man ja nochmal sagen dürfen :D
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Re: Mehrheit der Deutschen äußert sich in der Öffentlichkeit nur vorsichtig

Beitragvon schokoschendrezki » Do 14. Nov 2019, 09:42

jack000 hat geschrieben:(13 Nov 2019, 21:17)

Du sowieso nicht. Aber stelle dir mal 2 Autos vor bei denen bei einem ein AfD-Aufleber und bei dem anderen ein AntiFa-Aufkleber angebracht wird.
=> Welches Auto wird aus deiner Sicht als erstes beschädigt werden und welche Erkenntnis lässt sich daraus ziehen?

Weder das eine noch das andere. Nach Kriminalstatistiken geht gerade das Delikt "Sachbeschädigung" zurück. 2018 2,8 Prozent weniger als 2017. Gleichzeitig nimmt die sprachliche Verrohung in den Medien und im Internet im gleichen Zeitraum für jedermann spürbar zu.

Was heißt hier "Man äußert sich vorsichtig in der Öffentlichkeit"? Soll das ein Witz sein? Man lässt - im Gegenteil - Schritt für Schritt alle Schranken fallen.
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Re: Mehrheit der Deutschen äußert sich in der Öffentlichkeit nur vorsichtig

Beitragvon Tom Bombadil » Do 14. Nov 2019, 09:49

Selina hat geschrieben:(08 Nov 2019, 00:49)

Aber was ist es denn dann Geheimnisvolles, was man lieber für sich behält?

Das wurde hier doch schon xmal durchgekaut. Wer es wagte, Merkels Flüchtlingspolitik zu kritisieren oder das Bildungsniveau der Flüchtlinge ansprach oder auch nur der Meinung war, dass das nicht allesamt liebe Flüchtlinge sind, die da kommen, der wurde hier ganz flugs in die Naziecke gestellt. Natürlich nicht expressiv verbis, sondern blumig, aber dennoch pejorativ, umschrieben.
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Re: Mehrheit der Deutschen äußert sich in der Öffentlichkeit nur vorsichtig

Beitragvon schokoschendrezki » Do 14. Nov 2019, 09:51

Skeptiker hat geschrieben:(08 Nov 2019, 23:30)
Immer und immer wieder dreht sich in der bürgerlichen Presse alles um das Thema der moralischen Stigmatisierung konservativer oder gar rechter Positionen. Was glaubst Du, denken die sich das nur aus? Sind die alle bekloppt? Hast Du schonmal darüber nachgedacht ob da - rein theoretisch - etwas falsch laufen könnte?

Ja. Aber du ziehst eben nicht den rapiden Bedeutungsverlust ebenjener "bürgerlichen Presse" in Betracht. Und parallel dazu den Bedeutungsverlust der sogenannten "Volksparteien". Die FAZ gilt gemeinhin als die bürgerliche Zeitung. Rückgang der verkauften Auflage in den letzten 20 Jahren: 43,4 Prozent. Hallo?

Die Frage ist natürlich schon, was hier Ursache und was Folge ist. Und ob da überhaupt ein kausaler Zusammenhang besteht. Ich glaube absolut nicht, dass die FAZ nicht mehr gekauft und gelesen wird, weil dort nur noch politisch korrektes Zeug geschrieben wird.
Zuletzt geändert von schokoschendrezki am Do 14. Nov 2019, 09:55, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Mehrheit der Deutschen äußert sich in der Öffentlichkeit nur vorsichtig

Beitragvon Tom Bombadil » Do 14. Nov 2019, 09:54

schokoschendrezki hat geschrieben:(14 Nov 2019, 09:51)

Rückgang der verkauften Auflage in den letzten 20 Jahren: 43,4 Prozent. Hallo?

Und wie hoch war der Zuwachs an Klicks auf die FAZ-Website im gleichen Zeitraum?
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Re: Mehrheit der Deutschen äußert sich in der Öffentlichkeit nur vorsichtig

Beitragvon schokoschendrezki » Do 14. Nov 2019, 09:56

Tom Bombadil hat geschrieben:(14 Nov 2019, 09:54)

Und wie hoch war der Zuwachs an Klicks auf die FAZ-Website im gleichen Zeitraum?


Das weiß ich nicht. Aber unter "bürgerlich" verstehe ich "lesen" und nicht "klicken" oder "wischen".
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Re: Mehrheit der Deutschen äußert sich in der Öffentlichkeit nur vorsichtig

Beitragvon Tom Bombadil » Do 14. Nov 2019, 10:02

schokoschendrezki hat geschrieben:(14 Nov 2019, 09:56)

Das weiß ich nicht. Aber unter "bürgerlich" verstehe ich "lesen" und nicht "klicken" oder "wischen".

Die FAZ-website wird also nur einfach angeklickt, dort wird dann nichts gelesen, weil "Bürgerliche" nach deiner Definition das nicht tun?
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Re: Mehrheit der Deutschen äußert sich in der Öffentlichkeit nur vorsichtig

Beitragvon Selina » Do 14. Nov 2019, 10:09

schokoschendrezki hat geschrieben:(14 Nov 2019, 09:42)

Weder das eine noch das andere. Nach Kriminalstatistiken geht gerade das Delikt "Sachbeschädigung" zurück. 2018 2,8 Prozent weniger als 2017. Gleichzeitig nimmt die sprachliche Verrohung in den Medien und im Internet im gleichen Zeitraum für jedermann spürbar zu.

Was heißt hier "Man äußert sich vorsichtig in der Öffentlichkeit"? Soll das ein Witz sein? Man lässt - im Gegenteil - Schritt für Schritt alle Schranken fallen.


Genau so siehts aus. Andersrum wird ein Schuh daraus: In einigen Gebieten läuft man Gefahr, "bestraft" zu werden, äußert man sowas wie, die Herkunft der Menschen spiele keine Rolle.
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Re: Mehrheit der Deutschen äußert sich in der Öffentlichkeit nur vorsichtig

Beitragvon Alexyessin » Do 14. Nov 2019, 10:33

naddy hat geschrieben:(09 Nov 2019, 13:32)
Und die ehemals vom Verfassungsschutz als potentielle Terrortruppe verdächtigte ANTIFA mutiert derweil zur Volksbefreiungsbewegung: "Der bayerische Verfassungsschutz 2016 lobte Recherche- und Enttarnungserfolge von Antifagruppen: Das „Outing“ von Rechtsextremisten habe Straftaten verhütet und Teilnahme von Enttarnten an Aussteigerprogrammen bewirkt." (wiki).


Juhu, du widersprichst dir mit deinem Zitat selbst. Schön zu lesen. :thumbup:
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Re: Mehrheit der Deutschen äußert sich in der Öffentlichkeit nur vorsichtig

Beitragvon schokoschendrezki » Do 14. Nov 2019, 11:27

Tom Bombadil hat geschrieben:(14 Nov 2019, 10:02)

Die FAZ-website wird also nur einfach angeklickt, dort wird dann nichts gelesen, weil "Bürgerliche" nach deiner Definition das nicht tun?

Nein. Natürlich wird dort auch (quer)gelesen.

Es geht schlicht und einfach darum: Diese bürgerliche Konsens-Bundesrepublik der Nachkriegszeit existiert nicht mehr. Das sollte man einfach erst mal zur Kenntnis nehmen. Anstelle einer Mehrheitskonsens-Gesellschaft oder einer top-down gegliederten hierarchischen Gesellschaft existieren mehrere nebeneinander laufende Gruppen und soziologische Biotope. Mit jeweils eigenen Kommunikationsgewohnheiten. Wir haben heute gleichzeitg und parallel Studierende und Professorxe anstelle von Studenten und Professoren, Stiefelnazis, Juristen und Mediziner, die bei den alten Herren in den schlagenden Verbindungen dabei sind und die sogenannten normalen Leute. Die allgemeine These von der Vorsichtigkeit der Öffentlichkeitsäußerung setzt notwendigerweise irgendeinen gesellschaftlichen Mainstream voraus, von dem man dann so eine allgemeine Behauptung aufstellen könnte. Diesen Mainstream gibts aber in der Form nicht mehr.
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Re: Mehrheit der Deutschen äußert sich in der Öffentlichkeit nur vorsichtig

Beitragvon Bartleby » Do 14. Nov 2019, 11:43

schokoschendrezki hat geschrieben:(14 Nov 2019, 11:27)

Nein. Natürlich wird dort auch (quer)gelesen.

Es geht schlicht und einfach darum: Diese bürgerliche Konsens-Bundesrepublik der Nachkriegszeit existiert nicht mehr. Das sollte man einfach erst mal zur Kenntnis nehmen. Anstelle einer Mehrheitskonsens-Gesellschaft oder einer top-down gegliederten hierarchischen Gesellschaft existieren mehrere nebeneinander laufende Gruppen und soziologische Biotope. Mit jeweils eigenen Kommunikationsgewohnheiten. Wir haben heute gleichzeitg und parallel Studierende und Professorxe anstelle von Studenten und Professoren, Stiefelnazis, Juristen und Mediziner, die bei den alten Herren in den schlagenden Verbindungen dabei sind und die sogenannten normalen Leute. Die allgemeine These von der Vorsichtigkeit der Öffentlichkeitsäußerung setzt notwendigerweise irgendeinen gesellschaftlichen Mainstream voraus, von dem man dann so eine allgemeine Behauptung aufstellen könnte. Diesen Mainstream gibts aber in der Form nicht mehr.



Ich glaube man sollte zwei Dinge zur Kenntnis nehmen: Erstens den Verlust des privaten Raumes und seinen Übergang in den totalen öffentlichen - auch die Arbeit am Selbst geschieht ja längst vor aller Augen - und den zweitens damit einhergehenden Kontrollverlust des Einzelnen über seine Äußerungen. Daher wird, wer halbwegs bei klarem Verstand ist, sich in der Öffentlichkeit auch vorsichtig äußern, da man weder die Heftigkeit der Gegenreaktion vernünftig abschätzen kann noch die mögliche Verbreitung.

Die köstliche Ironie der politischen Debatte liegt darin, dass die "öffentlich rechtlichen Bedürfnisanstalten" (heute Plasberg und Will) und die "emotionale Pissrinne" (heute Lanz) sich mit dem Auftauchen einer Ekel-Partei de facto über Nacht in Kathedralen der Meinungsfreiheit und -vielfalt verwandelt haben, in denen ihre bekehrten Gegner Abbitte leisten und ihre Verachtungsgebete des heiligen Zeitgeistes des Positiven sprechen.
In der Einsamkeit frisst sich der Einsame selbst auf, in der Vielsamkeit fressen ihn die Vielen. Nun wähle.
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Re: Mehrheit der Deutschen äußert sich in der Öffentlichkeit nur vorsichtig

Beitragvon Tom Bombadil » Do 14. Nov 2019, 12:31

schokoschendrezki hat geschrieben:(14 Nov 2019, 11:27)

Diesen Mainstream gibts aber in der Form nicht mehr.

Der "Kampf gegen Rechts" ist Mainstream und wird oft genug völlig übertrieben.
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