Mehrheit der Deutschen äußert sich in der Öffentlichkeit nur vorsichtig

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Tom Bombadil
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Re: Mehrheit der Deutschen äußert sich in der Öffentlichkeit nur vorsichtig

Beitragvon Tom Bombadil » Fr 25. Okt 2019, 18:10

odiug hat geschrieben:(25 Oct 2019, 18:02)

Dem könnte ich sogar was abgewinnen, wenn du nicht im gleichen Satz selbst bestimmen willst, wer nun Schutz bedarf und wer nicht.

Ich "bestimme" da rein gar nichts, das Grundgesetz und die Genfer Konvention bestimmen das. Wie auch schon vorher oft geschrieben: ich kann jeden verstehen, der aus Afrika abhauen will, um in Europa sein Glück zu finden, würde ich wohl auch tun, aber das ändert nichts daran, dass das nunmal kein Grund für Asyl und Schutz gem. GK ist.

Und um ehrlich zu sein, von den vielen, denen ich dabei nicht über den Weg trauen würde, bist du einer davon

Das beruht durchaus auf Gegenseitigkeit.
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Re: Mehrheit der Deutschen äußert sich in der Öffentlichkeit nur vorsichtig

Beitragvon Unité 1 » Fr 25. Okt 2019, 18:15

Selina hat geschrieben:(25 Oct 2019, 17:03)

Das ist der eigentliche Kern der Debatte. Aber ich könnte wetten, dass deine berechtigten Fragen unbeantwortet bleiben.

Ja, das vermute ich auch. Vor einem halben Jahr wurden die Punkte auch schon mit einem EOD abgeschmettert. Weil es eben einfach nicht in die Erzählung einer unterdrückten Meinungsfreiheit passt.
Unten stand ein Gummibaum.
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Re: Mehrheit der Deutschen äußert sich in der Öffentlichkeit nur vorsichtig

Beitragvon odiug » Fr 25. Okt 2019, 18:36

Tom Bombadil hat geschrieben:(25 Oct 2019, 18:10)

Ich "bestimme" da rein gar nichts, das Grundgesetz und die Genfer Konvention bestimmen das. Wie auch schon vorher oft geschrieben: ich kann jeden verstehen, der aus Afrika abhauen will, um in Europa sein Glück zu finden, würde ich wohl auch tun, aber das ändert nichts daran, dass das nunmal kein Grund für Asyl und Schutz gem. GK ist.


Das beruht durchaus auf Gegenseitigkeit.

:D ... ja ... auf Gegenseitigkeit wird es wohl beruhen :p
Also was die Flüchtlinge aus Afrika betrifft, kommt darauf an woher die kommen und vor was sie fliehen.
Die Leute haben wirklich handfeste Gründe aus Eritrea zu fliehen.
Dass wir nach Afghanistan und den Irak abschieben, halte ich aus humanitären Gründen für verantwortungslos.
Dass derzeit überhaupt davon geredet wird, Flüchtlinge nach Syrien zurück zu schicken, finde ich geradezu absurd.
Wobei ... dank Trumps kleinen Stunt mit Erdogan und dem Verrat an den Kurden, sowie den US Sicherheitsinteressen, redet kaum jemand mehr davon, Syrer abzuschieben.
Trump hat auch sein Gutes :p
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Re: Mehrheit der Deutschen äußert sich in der Öffentlichkeit nur vorsichtig

Beitragvon odiug » Fr 25. Okt 2019, 18:45

Unité 1 hat geschrieben:(25 Oct 2019, 15:15)

Nach dieser Allensbachumfrage sind übrigens 58% der Befragten der Meinung, über Hitler und das Dritte Reich zu reden sei heikel und man könne sich dabei leicht den Mund verbrennen.

Eine Frage an die Verfechter einer widerspruchslosen Meinungsfreiheit: Glaubt ihr, dass diese "Vorsicht" darauf zurückzuführen ist, dass jene 58% eine Meinung vertreten, die als NS-Verharmlosung etc. aufgefasst werden könnte? Denkt ihr, dass dieser Befund ein Indiz für eine "Unfreiheit" ist? Wenn nein, warum nicht?

Blödes Beispiel? Okay, dann ein anderes: Nach dieser Allensbachumfrage sind 62% der Befragten der Meinung, über Juden zu reden sei heikel und man könne sich dabei leicht den Mund verbrennen.

Glaubt ihr, dass diese "Vorsicht" darauf zurückzuführen ist, dass jene 62% eine Meinung vertreten, die als antisemitisch aufgefasst werden könnte? Denkt ihr, dass dieser Befund ein Indiz für eine "Unfreiheit" ist? Wenn nein, warum nicht?

Eben!
Wenn ich sage, dass ich mich zu bestimmten Themen eher vorsichtig äußere, so tu ich das nicht, weil ich Zensur oder Kritik fürchte, sondern weil ich mir bewusst bin, dass manche Themen heikel sind, dass es da viele berechtigte Sensibilitäten gibt, die ich nicht unnötig verletzen will.
Das heißt beileibe nicht, dass ich mit meiner Meinung zurückhalten werde, sondern nur, dass ich nicht unbeabsichtigt provozieren will.
Das sollte eigentlich normal sein.
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Re: Mehrheit der Deutschen äußert sich in der Öffentlichkeit nur vorsichtig

Beitragvon DarkLightbringer » Sa 26. Okt 2019, 00:04

Also braucht man jetzt Saalschutz im öffentlichen Raum oder nicht? ;)
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Re: Mehrheit der Deutschen äußert sich in der Öffentlichkeit nur vorsichtig

Beitragvon DarkLightbringer » Sa 26. Okt 2019, 00:12

Der Bundespräsident:
"Andere zum Schweigen bringen zu wollen, nur weil sie das eigene Weltbild irritieren, ist nicht akzeptabel."
https://www.tagesschau.de/inland/steinm ... e-101.html

Es geht nicht um "Heil Hitler" oder sowas, sondern darum, ob der öffentliche Diskurs nur noch von den Extremen beherrscht werden soll.
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Re: Mehrheit der Deutschen äußert sich in der Öffentlichkeit nur vorsichtig

Beitragvon Tom Bombadil » Sa 26. Okt 2019, 01:00

odiug hat geschrieben:(25 Oct 2019, 18:36)

Also was die Flüchtlinge aus Afrika betrifft, kommt darauf an woher die kommen und vor was sie fliehen.

Selbstverständlich, jeder Einzelfall müsste genau geprüft werden.
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Re: Mehrheit der Deutschen äußert sich in der Öffentlichkeit nur vorsichtig

Beitragvon Fliege » Do 7. Nov 2019, 20:29

jack000 hat geschrieben:(im Threadstartbeitrag; 23 May 2019, 16:51)
https://www.welt.de/politik/article1939 ... _RB78nChG4
[...]
Wie kommt es dazu das man hier in Deutschland seine Meinung nicht frei äußert?
Skeptiker hat geschrieben:(25 Oct 2019, 00:00)
Wenn sich lt. Eröffnungsbeitrag nur jeder Fünfte frei fühlt seine Meinung in der Öffentlichkeit zu vertreten, dann trifft offensichtlich für vier Fünftel das NICHT zu. Wer sich aber unfrei fühlt seine Meinung in der Öffentlichkeit frei zu vertreten, der ist offensichtlich eingeschüchtert.

Mir leuchtet dieses Argument ein: Wenn die Regierung beteuert, es bestehe Meinungsfreiheit, dann ist die Meinungsfreiheit in Gefahr.
Medienversagen: "für den gehobenen Moralbedarf"; Migrationsdesaster: "wie ein Hippie-Staat"; Klimahysterie: "weltweit dümmste Energiepolitik".
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Re: Mehrheit der Deutschen äußert sich in der Öffentlichkeit nur vorsichtig

Beitragvon Skeptiker » Do 7. Nov 2019, 22:03

Interessante Aussage von Frank Meyer in der Kolumne im Focus.
Ausgehend von der Situation in der Schweiz erzählt er:
Wenn in der Bevölkerung, wenn bei den Bürgerinnen und Bürgern, welche Richtung auch immer, irgendwas nicht passt, dann sagt man: Du, da machen wir was. Und das kann man und dann tut man das und dann muss die Politik das diskutieren, dann muss die Elite raustreten, dorthin, wo der Bürger ist.
Das ist in Deutschland nicht so. Diesen Vorgang müssen die Medien garantieren. Sie müssen diese Debatte führen, wirklich, nicht mit angezogener Handbremse, nicht, wie soll ich sagen, in dieser wattigen Atmosphäre, wo alles schön abgewogen ist. Nein! Rabiat, Rabiat, radikal, das sind gute Wörter. Radikal müssen sie sie führen. Sie tun es nicht.

https://www.focus.de/politik/deutschlan ... 23561.html

Ich denke das beschreibt es recht gut. Er hat da in meinen Augen Recht. Mein Eindruck ist, dass man in Deutschland gerne eine Konsensgesellschaft abbildet, die es aber so nicht mehr gibt. Die Konflikte werden aber nicht ausreichend ausgetragen.
Diese auf dem öffentlichen Podium mangelhaft ausgetragenen Konflikte bleiben bei der Bevölkerung bestehen und entladen sich dann in Hass und Polarisierung. Dagegen wiederum versucht man mit Repression gegen Hassverbrechen vorzugehen - was bleibt einem dann auch anderes über ...

Deutschland erscheint mir wie ein gigantischer Schnellkochtopf. Es baut sich Druck auf, und weil wir den Dampf und den Geruch nicht mögen, halten wir die Ventile zu - was es nicht besser macht. Der Druck wird immer größer und alle rufen "wo kommt bloß der ganze Hass her?".
Vielleicht sollten wir den Deckel lösen? Dann wird es dampfen und stinken, aber nie ist man in der Gefahr, dass einem das Ding um die Ohren fliegt. DAS ist der Sinn der angstfreien und freien Rede.

Genau diese Einstellung sehe ich aber sehr wenig. Es ist viel wichtiger WAS gesagt wird, als dass jeder sich FREI fühlt zu reden. Jeder glaubt die Ventile dicht stopfen zu müssen und nimmt den wachsenden Druck als Indiz für die Schlechtigkeit des Inhalts. Der Knall wird kommen, wenn wir nicht endlich lernen den Dampf und Gestank beim Kochen zu akzeptieren.
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Re: Mehrheit der Deutschen äußert sich in der Öffentlichkeit nur vorsichtig

Beitragvon Selina » Do 7. Nov 2019, 22:15

Skeptiker hat geschrieben:(07 Nov 2019, 22:03)

Interessante Aussage von Frank Meyer in der Kolumne im Focus.
Ausgehend von der Situation in der Schweiz erzählt er:

https://www.focus.de/politik/deutschlan ... 23561.html

Ich denke das beschreibt es recht gut. Er hat da in meinen Augen Recht. Mein Eindruck ist, dass man in Deutschland gerne eine Konsensgesellschaft abbildet, die es aber so nicht mehr gibt. Die Konflikte werden aber nicht ausreichend ausgetragen.
Diese auf dem öffentlichen Podium mangelhaft ausgetragenen Konflikte bleiben bei der Bevölkerung bestehen und entladen sich dann in Hass und Polarisierung. Dagegen wiederum versucht man mit Repression gegen Hassverbrechen vorzugehen - was bleibt einem dann auch anderes über ...

Deutschland erscheint mir wie ein gigantischer Schnellkochtopf. Es baut sich Druck auf, und weil wir den Dampf und den Geruch nicht mögen, halten wir die Ventile zu - was es nicht besser macht. Der Druck wird immer größer und alle rufen "wo kommt bloß der ganze Hass her?".
Vielleicht sollten wir den Deckel lösen? Dann wird es dampfen und stinken, aber nie ist man in der Gefahr, dass einem das Ding um die Ohren fliegt. DAS ist der Sinn der angstfreien und freien Rede.

Genau diese Einstellung sehe ich aber sehr wenig. Es ist viel wichtiger WAS gesagt wird, als dass jeder sich FREI fühlt zu reden. Jeder glaubt die Ventile dicht stopfen zu müssen und nimmt den wachsenden Druck als Indiz für die Schlechtigkeit des Inhalts. Der Knall wird kommen, wenn wir nicht endlich lernen den Dampf und Gestank beim Kochen zu akzeptieren.


Was möchtest du denn gerne mal "angstfrei" und "rabiat" sagen? Lass es raus!
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Re: Mehrheit der Deutschen äußert sich in der Öffentlichkeit nur vorsichtig

Beitragvon jack000 » Do 7. Nov 2019, 22:23

Selina hat geschrieben:(07 Nov 2019, 22:15)

Was möchtest du denn gerne mal "angstfrei" und "rabiat" sagen? Lass es raus!

Was soll denn aus deiner Sicht verboten sein/verboten werden?
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Re: Mehrheit der Deutschen äußert sich in der Öffentlichkeit nur vorsichtig

Beitragvon Selina » Do 7. Nov 2019, 22:34

jack000 hat geschrieben:(07 Nov 2019, 22:23)

Was soll denn aus deiner Sicht verboten sein/verboten werden?


Alle nötigen Gesetze sind bereits vorhanden und finden auch Anwendung. Und alles andere wird doch in schönster Offenheit rund um die Uhr gesagt. Gerade die eher rechtsaußen Befindlichen reden doch ständig. Was soll da noch Geheimnisvolles ausgesprochen werden, was bislang noch niemand gelesen oder gehört hat?
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Re: Mehrheit der Deutschen äußert sich in der Öffentlichkeit nur vorsichtig

Beitragvon jack000 » Do 7. Nov 2019, 22:38

Selina hat geschrieben:(07 Nov 2019, 22:34)

Alle nötigen Gesetze sind bereits vorhanden und finden auch Anwendung.

Deswegen meine Frage an dich, was denn nun verboten werden soll?
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Re: Mehrheit der Deutschen äußert sich in der Öffentlichkeit nur vorsichtig

Beitragvon Selina » Do 7. Nov 2019, 22:41

jack000 hat geschrieben:(07 Nov 2019, 22:38)

Deswegen meine Frage an dich, was denn nun verboten werden soll?


Ich hab überhaupt nichts dergleichen gesagt. Meine Frage lautete: Was möchtet ihr denn gerne mal so richtig "rabiat" und "angstfrei" sagen?
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Re: Mehrheit der Deutschen äußert sich in der Öffentlichkeit nur vorsichtig

Beitragvon Bartleby » Do 7. Nov 2019, 22:52

Selina hat geschrieben:(07 Nov 2019, 22:41)

Ich hab überhaupt nichts dergleichen gesagt. Meine Frage lautete: Was möchtet ihr denn gerne mal so richtig "rabiat" und "angstfrei" sagen?


In der legendären Diskussion zwischen Robert Jungk und Ulrich Horstmann wird Horstmann am Ende gefragt, ob er denn, wenn er auf Knopfdruck die Menschheit auslöschen könnte, auch drücken würde. Geschuldet ist dies natürlich einer gewissen Ignoranz oder einer Vulgarisierung eines philosophischen Gedankens, der nachapokalyptisch nicht mehr zu denken wäre und deshalb besser noch zu Lebzeiten des Untiers gedacht würde.

Es gibt Momente, da wäre ich sicher, dass ich eine Antwort auf die Frage gäbe, würde man sie mir vorlegen. Weil man genau weiß, warum es besser nichts geben soll als überhaupt etwas. Solche Beiträge zum Beispiel. :D
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Re: Mehrheit der Deutschen äußert sich in der Öffentlichkeit nur vorsichtig

Beitragvon Skeptiker » Do 7. Nov 2019, 23:32

Selina hat geschrieben:(07 Nov 2019, 22:15)
Was möchtest du denn gerne mal "angstfrei" und "rabiat" sagen? Lass es raus!

Wenn Du meinen Beitrag aufmerksam gelesen hast, dann wirst Du festgestellt haben, dass er in erster Linie eine konfliktscheue Medienlandschaft im Auge hat, was durch unausgetragene Konflikte Auswirkungen auf die Gesellschaft hat.

Deine Frage ist natürlich polemisch und unterstellend, weil Du hier wider besseren Wissens suggerieren willst, ich wolle hier irgendwelche phösen Beschimpfungen plazieren, obwohl Dir sehr bewusst ist, dass es mir genau darum niemals gegangen ist. Du verfolgst meine Beiträge, und weisst daher, dass ich sehr wohl für eine noch strengere Auslegung, in jedem Fall aber konsequentere Strafverfolgung von Volksverhetzung bin. Auf der anderen Seite stehe ich aber für eine sehr liberale Auffassung von Diskussionskultur - absolut gegenteilig zu Deiner Auffassung, die - nach meinem Empfinden - im wesentlichen das für moralisch und richtig erklärt, was Deiner Meinung entspricht, und alles andere zum Teufelszeug erklärt, gegen das man sich - auch mit zweifelhaften Methoden (siehe Diskussion zur Redefreiheit mit Einblick in Gedanken zur Selbstjustiz) - zur Wehr setzen muss.

Ich sehe gerade, dass Bernd Stegemann einen Artikel im Cicero geschrieben hat, der genau dieses Thema behandelt. Leider kann ich nur die Einleitung lesen, aber die zeigt schon den Tenor, welchen ich voll unterstütze:
MEINUNGSFREIHEIT
-Vom Missbrauch der Moral
VON BERND STEGEMANN am 5. November 2019

In der Debatte um die Grenzen der Meinungsfreiheit führen viele an, man dürfe doch alles sagen, dabei aber eben nicht empfindlich sein. Das verkennt, dass es immer häufiger um ein öffentliches Bloßstellen geht, aber nicht mehr um ein respektvolles Miteinander

63 Prozent der Deutschen glauben laut einer Umfrage, man müsse sehr aufpassen, wenn man seine Meinung öffentlich äußert. Zeit, Spiegel und viele andere Medien titelten in der Folge mit dem Thema Meinungsfreiheit. Und sogleich wurden Stimmen laut, die mit gespielter Naivität fragen, wo denn die Meinungsfreiheit in Deutschland eingeschränkt sei. Juristisch ist doch alles erlaubt, was nicht strafbar ist, und niemand wird heute von einer Stasi überwacht oder muss damit rechnen, dass ein Blockwart seine Radiosender kontrolliert. Wenn man die totalitäre Meinungsüberwachung aus finsteren Zeiten anführt, erscheinen die aktuellen Sorgen natürlich klein. ...

https://www.cicero.de/kultur/meinungsfr ... dards/plus

Leider ist da für mich Schluss - habe kein Abo. Es ist aber genau dieser Punkt.

WEIT INNERHALB des gesetzlichen Rahmens wurden von Ideologen Grenzlinie gezogen. Wer diese Linie überschreitet, der begibt sich in die Gefahr undifferenziert in einen Topf mit übelsten Charakteren geworfen zu werden. Für den Großteil der Leute reicht das schon um öffentlich schlicht die Klappe zu halten. Ziel erreicht - vordergründig.

Mehr und mehr glaube ich wir bewegen uns in eine große gesellschaftliche Krise hinein, wenn wir den Mechanismus nicht bald verstehen. Die Zahl derjenigen, die in den Extremismus abgleiten wird höher, je mehr gemäßigten Leuten ein latenter Maulkorb verpasst wird. Nach der Aussage von Stegemann im Artikel oben, empfinden 63% diesen offenbar schon. Sind aber ersteinmal alle Leute radikalisiert, dann sind die Dystopien der linken Bezichtiger zur selbsterfüllenden Prophezeihung geworden. Dieser Prozess verwirklicht sich sozusagen von alleine, wenn man ihm nicht entgegensteuert.

Ich sehe aber keinen Aufruf zu mehr Toleranz oder entspannterem Umgang miteinander. Ich erkenne nicht, wie man Leute ermutigt ihre Meinung zu sagen, auch wenn diese nicht konform geht. Alles was ich erkenne ist die latente Unterstellung, dass wenn die Leute meinen nicht frei reden zu können, das was sie sagen wollen schlicht übelster Rassismus sein müsse. Das ist keine rabiate Diskussionskultur, das ist eine diffamierende Unkultur. Eine radikale Diskussion kann immernoch sehr sachlich sein. In öffentlichen Diskussionen ist vom sachlichen Kern kaum mehr etwas zu erkennen.
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Re: Mehrheit der Deutschen äußert sich in der Öffentlichkeit nur vorsichtig

Beitragvon Alexyessin » Fr 8. Nov 2019, 00:33

Skeptiker hat geschrieben:(07 Nov 2019, 23:32) In öffentlichen Diskussionen ist vom sachlichen Kern kaum mehr etwas zu erkennen.


Das ist wahr, liegt aber meiner Meinung nach nicht an irgendwelchen Denkverboten sondern von bewusster Unschärfe in den Gesprächen. Das fehlende "konkret werden", Fakten, die mit Quellen untermauert sind usw. sind leider Mangelware - und zwar meistens von der rechten Seite des politischen Spektrums. Wühle dich ruhig durch die ganzen Threads im 2er - immer dann, wenn anstatt nach subjektiven Gefühlen nach objektiven Daten gefragt wird kommt meistens nichts. Und bei FB ist das ganze noch schlimmer, da gibt es nicht mal annähernd so etwas wie eine QK. Das vergiftet aber das Diskussionsklima und bringt Menschen dazu - und das wieder in den meisten Fällen - gegenseitig sich anzugehen anstatt die Sachlage an Fakten diskutieren zu wollen.
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Re: Mehrheit der Deutschen äußert sich in der Öffentlichkeit nur vorsichtig

Beitragvon Selina » Fr 8. Nov 2019, 00:49

Skeptiker hat geschrieben:(07 Nov 2019, 23:32)

Wenn Du meinen Beitrag aufmerksam gelesen hast, dann wirst Du festgestellt haben, dass er in erster Linie eine konfliktscheue Medienlandschaft im Auge hat, was durch unausgetragene Konflikte Auswirkungen auf die Gesellschaft hat.

Deine Frage ist natürlich polemisch und unterstellend, weil Du hier wider besseren Wissens suggerieren willst, ich wolle hier irgendwelche phösen Beschimpfungen plazieren, obwohl Dir sehr bewusst ist, dass es mir genau darum niemals gegangen ist. Du verfolgst meine Beiträge, und weisst daher, dass ich sehr wohl für eine noch strengere Auslegung, in jedem Fall aber konsequentere Strafverfolgung von Volksverhetzung bin. Auf der anderen Seite stehe ich aber für eine sehr liberale Auffassung von Diskussionskultur - absolut gegenteilig zu Deiner Auffassung, die - nach meinem Empfinden - im wesentlichen das für moralisch und richtig erklärt, was Deiner Meinung entspricht, und alles andere zum Teufelszeug erklärt, gegen das man sich - auch mit zweifelhaften Methoden (siehe Diskussion zur Redefreiheit mit Einblick in Gedanken zur Selbstjustiz) - zur Wehr setzen muss.

Ich sehe gerade, dass Bernd Stegemann einen Artikel im Cicero geschrieben hat, der genau dieses Thema behandelt. Leider kann ich nur die Einleitung lesen, aber die zeigt schon den Tenor, welchen ich voll unterstütze:

https://www.cicero.de/kultur/meinungsfr ... dards/plus

Leider ist da für mich Schluss - habe kein Abo. Es ist aber genau dieser Punkt.

WEIT INNERHALB des gesetzlichen Rahmens wurden von Ideologen Grenzlinie gezogen. Wer diese Linie überschreitet, der begibt sich in die Gefahr undifferenziert in einen Topf mit übelsten Charakteren geworfen zu werden. Für den Großteil der Leute reicht das schon um öffentlich schlicht die Klappe zu halten. Ziel erreicht - vordergründig.

Mehr und mehr glaube ich wir bewegen uns in eine große gesellschaftliche Krise hinein, wenn wir den Mechanismus nicht bald verstehen. Die Zahl derjenigen, die in den Extremismus abgleiten wird höher, je mehr gemäßigten Leuten ein latenter Maulkorb verpasst wird. Nach der Aussage von Stegemann im Artikel oben, empfinden 63% diesen offenbar schon. Sind aber ersteinmal alle Leute radikalisiert, dann sind die Dystopien der linken Bezichtiger zur selbsterfüllenden Prophezeihung geworden. Dieser Prozess verwirklicht sich sozusagen von alleine, wenn man ihm nicht entgegensteuert.

Ich sehe aber keinen Aufruf zu mehr Toleranz oder entspannterem Umgang miteinander. Ich erkenne nicht, wie man Leute ermutigt ihre Meinung zu sagen, auch wenn diese nicht konform geht. Alles was ich erkenne ist die latente Unterstellung, dass wenn die Leute meinen nicht frei reden zu können, das was sie sagen wollen schlicht übelster Rassismus sein müsse. Das ist keine rabiate Diskussionskultur, das ist eine diffamierende Unkultur. Eine radikale Diskussion kann immernoch sehr sachlich sein. In öffentlichen Diskussionen ist vom sachlichen Kern kaum mehr etwas zu erkennen.


Aber was ist es denn dann Geheimnisvolles, was man lieber für sich behält? Du kannst das wortreich umschreiben oder knapp beantworten: Es gibt schlicht nichts Ungesagtes. Selbst, wenn man dabei in Abgründe blicken muss, alles wurde bereits gesagt. Und das in einer brutalen Offenheit und Klarheit, dass es einem kalte Schauer über den Rücken jagt. Ja, was denn nun noch? Was ist es, was noch zu sagen wäre?
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Re: Mehrheit der Deutschen äußert sich in der Öffentlichkeit nur vorsichtig

Beitragvon schokoschendrezki » Fr 8. Nov 2019, 12:10

Skeptiker hat geschrieben:(07 Nov 2019, 22:03)

Interessante Aussage von Frank Meyer in der Kolumne im Focus.
Ausgehend von der Situation in der Schweiz erzählt er:

https://www.focus.de/politik/deutschlan ... 23561.html

Ich denke das beschreibt es recht gut. Er hat da in meinen Augen Recht. Mein Eindruck ist, dass man in Deutschland gerne eine Konsensgesellschaft abbildet, die es aber so nicht mehr gibt. Die Konflikte werden aber nicht ausreichend ausgetragen.
Diese auf dem öffentlichen Podium mangelhaft ausgetragenen Konflikte bleiben bei der Bevölkerung bestehen und entladen sich dann in Hass und Polarisierung. Dagegen wiederum versucht man mit Repression gegen Hassverbrechen vorzugehen - was bleibt einem dann auch anderes über ...

Deutschland erscheint mir wie ein gigantischer Schnellkochtopf. Es baut sich Druck auf, und weil wir den Dampf und den Geruch nicht mögen, halten wir die Ventile zu - was es nicht besser macht. Der Druck wird immer größer und alle rufen "wo kommt bloß der ganze Hass her?".
Vielleicht sollten wir den Deckel lösen? Dann wird es dampfen und stinken, aber nie ist man in der Gefahr, dass einem das Ding um die Ohren fliegt. DAS ist der Sinn der angstfreien und freien Rede.

Genau diese Einstellung sehe ich aber sehr wenig. Es ist viel wichtiger WAS gesagt wird, als dass jeder sich FREI fühlt zu reden. Jeder glaubt die Ventile dicht stopfen zu müssen und nimmt den wachsenden Druck als Indiz für die Schlechtigkeit des Inhalts. Der Knall wird kommen, wenn wir nicht endlich lernen den Dampf und Gestank beim Kochen zu akzeptieren.


Das ist schon logisch argumentiert. Nur: In dem verwiesenen Artikel gehts ja eigentlich um das Phänomen "Ende der Volksparteien". Und genau das findet doch auch in Deutschland statt. Volles Rohr. Wenn auch vielleicht etwas verspätet im europäischen Vergleich. Ich habe eher die 60er bis 80er Jahre im Kopf, wenn ich an so etwas wie "Konsensgesellschaft" denke. Tagesschau, heute, zwei Volksparteien und eine kleine Schwester, sonst kaum etwas. Und danach, samstags, nach dem Abendbrot saß die Familie, die KInder gebadet im Bademantel bei der Rudi-Carrell-Show oder etwas später bei "Wetten dass". Davon ist doch die heutige bundesdeutsche Gesellschaft Lichtjahre weit entfernt. Jeden Tag gibt es einen neuen Tabubruch. Alles irgendwann mal per bürgerlicher Konvention eigentlich nicht sagbare wird täglich und stündlich in Deutschland herausgebrüllt.
"Ich kann keine Nation lieben, ich kann keinen Staat lieben, ich kann nur meine Freunde lieben." Hannah Arendt
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Re: Mehrheit der Deutschen äußert sich in der Öffentlichkeit nur vorsichtig

Beitragvon pLenarum » Fr 8. Nov 2019, 12:26

Damals als die Informationsversorgung noch einfach und linear war...
Nichts ist eindeutig. Verallgemeinerungen sind Lügen. Alle Verallgemeinerungen sind falsch, diese eingeschlossen.

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