Wer ermöglichte den Aufstieg der NSDAP?

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schokoschendrezki
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Re: Wer ermöglichte den Aufstieg der NSDAP?

Beitragvon schokoschendrezki » Fr 12. Apr 2019, 09:26

Tom Bombadil hat geschrieben:(10 Apr 2019, 16:34)

Warum dann das Herumreiten auf der bügerlichen Mittelschicht, wenn alle Gesellschaftsschichten ihren Anteil am Aufstieg der NSDAP hatten? 1934 war der Käse sowieso schon gelutscht.
Warum dann der NPD-Verweis auf das "kleinbürgerlich-handwerklich-mittelständische" Pirna? In den tollen alternativen Städten wie Leipzig, Hamburg, Berlin blüht dafür der Linksextremismus auf.

"Diffuse Ängste im Paradies" heißt es treffend in einem sonst eigentlich eher zweifelhaften Kanal:
Nur, worüber sind die Menschen in der Sächsischen Schweiz eigentlich unzufrieden? Das Leben geht hier, zwischen Bad Schandau und Pirna, schließlich einen geregelten Gang: Es gibt keine industriellen Schandflecke in der weitgehend unberührten Natur, die Lebenshaltungskosten sind niedrig, von überall her strömen die Touristen ins Elbsandsteingebirge. Und die Ausländer, vor denen so viele Angst zu haben scheinen, finden sich auch nach der Flüchtlingswelle hier kaum: 2,7 Prozent beträgt ihr Anteil im Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge, im Schnitt sind es in der Bundesrepublik 10,5 Prozent.
https://www.n-tv.de/politik/Die-Saechsische-Schweiz-gehoert-der-AfD-article20450211.html
Und blüht in Städten wie Leipzig, Hamburg oder Berlin wirklich der "Linksextremismus"? Im Moment blühen die Obstbäume. Was wollen uns die Angstschürer und Hassvergifter eigentlich wirklich einreden?

Laut einem top-aktuellen Blog-Eintrag auf den Seiten von Frau Vera Wollenbürger blüht in Berlin gerade der "Totalitarismus". Sie müsste eigentlich besser wissen, was Totalitarismus bedeutet.

https://vera-lengsfeld.de/2019/04/11/extremismus-spirale-in-berlin-blueht-der-totalitarismus/#more-4299

Ihre steile These in diesem Artikel läuft darauf hinaus, dass 1933 Rechte die Macht ergriffen, weil "Juden und Rechte" verunglimpft wurden.

Die Extremismus-Spirale in Schritten:

1. Bürger werden aufgrund eines Merkmals zu einer Gruppe zusammengefasst (Rechte oder Juden)

2. Das Merkmal wird negativ bewertet (Rechte: Faschisten, Rassisten, Zerstörer des Pluralismus oder Juden: Volksschädlinge, Schmarotzer, Verschwörer, Zerstörer des deutschen Volkes)


Ich habe mir überlegt, was man dieser ungeheuerlichen Argumentation irgendwie sachlich kritisch entgegnen könnte. Zumal der Artikel exakt auf das Thema dieses Threads passt. Ich kann nach wiederholtem Lesen und Überdenken aber einfach nur sagen: Die Frau hat den Verstand verloren. Sie hat tatsächlich den Verstand verloren!
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Re: Wer ermöglichte den Aufstieg der NSDAP?

Beitragvon Alpha Centauri » Mo 15. Apr 2019, 07:56

Dafür gibt es vielerlei Gründe, Nachwirkungen der Wirtschaftskrise, unstabile politische Verhältnisse, eine in sich völlig zerstrittene Linke ( SPD gegen KPD) und das Versagen der bürgerlichen Schicht und Parteien ( bis hin zur Gemeinsame Sache machen mit den Nazis) z.b. Ermächtigungsgesetz statt Rechtsstaat und Demokratie mit einem Wort die Weimarer Verfassung zu schützen.
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Re: Wer ermöglichte den Aufstieg der NSDAP?

Beitragvon DarkLightbringer » Mo 15. Apr 2019, 08:43

Die NSDAP erreichte bei den Wahlen 1928 gerade mal unbedeutende 2,6 %.
Im September 1930 sah das dann ganz anders aus, plötzlich erreichte sie 18,3 %.

Was war passiert?

Genau dazwischen liegt das Jahr 1929, deshalb muss man sich die Ereignisse im Zeitraum näher ansehen. Es war natürlich das Krisenjahr, die Aufschwungphase war damit vorbei.
Aber noch etwas ist bemerkenswert. Im fraglichen Zeitraum gab es eine groß angelegte Kampagne gegen den Young-Plan. Sowohl die Rechtsnationalen wie auch die KPD agitierten in dieser Zielrichtung.

Populär wurde ein Volksbegehren, unterstützt vom Pressezar Hugenberg, der DNVP, vom "Stahlhelm", dem "Alldeutschen Verband" und eben von Adolf Hitler.
Das Plebiszit scheiterte zwar, aber die NSDAP wurde deutlich bekannter.
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Re: Wer ermöglichte den Aufstieg der NSDAP?

Beitragvon Tom Bombadil » Mo 15. Apr 2019, 09:08

schokoschendrezki hat geschrieben:(12 Apr 2019, 09:26)

Im Moment blühen die Obstbäume.

In der Sächsischen Schweiz etwa nicht?

Was wollen uns die Angstschürer und Hassvergifter eigentlich wirklich einreden?

Keine Ahnung, was Angstschürer wie Selina und du uns eigentlich einreden wollt.

Die Frau hat den Verstand verloren. Sie hat tatsächlich den Verstand verloren!

So ist das immer, wenn es inhaltlich hapert, dann wird diffamiert.

Und was hat das mit dem Aufstieg der NSDAP zu tun?
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Re: Wer ermöglichte den Aufstieg der NSDAP?

Beitragvon Skeptiker » Mo 15. Apr 2019, 09:25

Schöner Artikel in der WELT zu dem Thema:
Hitlers politische Karriere begann im Linksextremismus
Am 19. April 1919 wurde in München ein gewisser „Hittler“ zum stellvertretenden Soldatenrat gewählt. Es war seine erste politische Aktivität. Hier dürften die Wurzeln seines Rassenwahns liegen.

https://www.welt.de/geschichte/article1 ... ismus.html
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Re: Wer ermöglichte den Aufstieg der NSDAP?

Beitragvon Wolverine » Mo 15. Apr 2019, 09:28

Skeptiker hat geschrieben:(15 Apr 2019, 09:25)

Schöner Artikel in der WELT zu dem Thema:

https://www.welt.de/geschichte/article1 ... ismus.html


Was wieder einen Aufschrei bei den Hütern der wahren Wahrheit verursachen wird.
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Re: Wer ermöglichte den Aufstieg der NSDAP?

Beitragvon DarkLightbringer » Mo 15. Apr 2019, 09:30

Skeptiker hat geschrieben:(15 Apr 2019, 09:25)

Schöner Artikel in der WELT zu dem Thema:

https://www.welt.de/geschichte/article1 ... ismus.html

Ein schöner Artikel ja, nur kannte 1919 kaum jemand Hitler.

Der Aufstieg der NSDAP wurde 1929 gestaltet und trug bei der Reichstagswahl 1930 Früchte.
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Re: Wer ermöglichte den Aufstieg der NSDAP?

Beitragvon space » Mo 15. Apr 2019, 09:40

Wie immer ist es nie einfach. Viele Faktoren spielen mit hinein.

Einmal war der Revanchismus und großdeutsche Ideologie bis in die Mitte hinein verbreitet, so war es leicht für die Nazis dort Fuß zu fassen.
So folge ich der Einschätzung vieler Historiker, dass der Aufstieg der NSDAP durch die Wählerwanderung der nichtkatholischen bürgerlichen Parteien stattfand.

Gleichzeitig war der Antisemitismus gesellschaftlich so verankert, dass die antisemitische vorgebliche Kapitalismuskritik - also alles was als negative Auswirkung des Kapitalismus wahrgenommen wurde personifiziert auf die Juden zu projizieren, auf fruchtbaren Boden fiel. So war es auch kein Widerspruch, dass Hitler schon früh den Kontakt zur Wirtschaft suchte, und dort nur anfangs Ablehnung erfuhr. Ihr übriges taten dann die weiteren Eliten in Militär, Justiz und Staatsapparat, die von rechtsnational bis kaisertreu viele Schattierungen von rechts darstellten.

Die einzigen beiden Gruppen die tatsächlich widerstandsfähig gegen den Einfluss der der Nazis waren, waren die Arbeiterschaft und stark katholisch geprägten Milieus.
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Re: Wer ermöglichte den Aufstieg der NSDAP?

Beitragvon DarkLightbringer » Mo 15. Apr 2019, 09:55

space hat geschrieben:(15 Apr 2019, 09:40)

Wie immer ist es nie einfach. Viele Faktoren spielen mit hinein.

Einmal war der Revanchismus und großdeutsche Ideologie bis in die Mitte hinein verbreitet, so war es leicht für die Nazis dort Fuß zu fassen.
So folge ich der Einschätzung vieler Historiker, dass der Aufstieg der NSDAP durch die Wählerwanderung der nichtkatholischen bürgerlichen Parteien stattfand.

Gleichzeitig war der Antisemitismus gesellschaftlich so verankert, dass die antisemitische vorgebliche Kapitalismuskritik - also alles was als negative Auswirkung des Kapitalismus wahrgenommen wurde personifiziert auf die Juden zu projizieren, auf fruchtbaren Boden fiel. So war es auch kein Widerspruch, dass Hitler schon früh den Kontakt zur Wirtschaft suchte, und dort nur anfangs Ablehnung erfuhr. Ihr übriges taten dann die weiteren Eliten in Militär, Justiz und Staatsapparat, die von rechtsnational bis kaisertreu viele Schattierungen von rechts darstellten.

Die einzigen beiden Gruppen die tatsächlich widerstandsfähig gegen den Einfluss der der Nazis waren, waren die Arbeiterschaft und stark katholisch geprägten Milieus.

Das erklärt allerdings nicht den Unterschied von 1928 zu 1930, den Unterschied von 2,6 % zu 18,3 %.
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Re: Wer ermöglichte den Aufstieg der NSDAP?

Beitragvon John Galt » Mo 15. Apr 2019, 09:55

Die Rolle des "gekränkten" Adels wurde bislang noch nicht genannt. Ein Sohn vom Kaiser war unter den ersten 30 Mitgliedern.

Finanzieller Einfluss, Machtstreben, Fixierung auf Abstammung und "Blaublütigkeit" sowie Militärfetischismus waren teilweise gemeinsame Interessen. Natürlich ist der Adel keine homogene Gruppe in den 30ern gewesen. Bei vielen nach dem Ende des Kaiserreichs und der Wirtschaftskrise auch nur noch der Name übrig.
Zuletzt geändert von John Galt am Di 16. Apr 2019, 07:46, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Wer ermöglichte den Aufstieg der NSDAP?

Beitragvon space » Mo 15. Apr 2019, 09:58

Skeptiker hat geschrieben:(15 Apr 2019, 09:25)

Schöner Artikel in der WELT zu dem Thema:

https://www.welt.de/geschichte/article1 ... ismus.html


Wenn Welt.de irgendetwas kann, dann Clickbait. Denn der Artikel beschreibt nicht, dass sein, wenn man der Theorie folgen mag, anfängliches Wohlwollen gegenüber linker Politik ihn nach rechts geführt hat, bzw dieses irgendeine ideologische Kontinutät beinhaltete, sondern sein Antisemitismus als "Überkompensation seiner rückblickend als Irrweg empfundenen Mitwirkung an der Münchner Räterepublik zu sehen" ist. Weil da halt viele Juden involviert waren. Wem das als äußerst zweifelhafte Erklärung ausreicht, bitteschön. Es ist nur immer wieder amüsant, wie Rechte und antikommuniste 'Mittler' irgendwie versuchen, die Linke für Hitler verantwortlich zu machen.
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Re: Wer ermöglichte den Aufstieg der NSDAP?

Beitragvon schokoschendrezki » Mo 15. Apr 2019, 10:01

John Galt hat geschrieben:(15 Apr 2019, 09:55)

Die Rolle des "gekränkten" Adels wurde bislang noch nicht genannt.

Finanzieller Einfluss, Machtstreben, Fixierung auf Abstammung und "Blaublütigkeit" sowie Militärfetischismus waren teilweise gemeinsame Interessen. Natürlich ist der Adel keine homogene Gruppe in den 30ern gewesen. Bei vielen nach dem Ende des Kaiserreichs und der Wirtschaftskrise auch nur noch der Name übrig.



Bezeichnend ist, dass diese Adelsverehrung gerade in der JUgendorganisation der Hugenberg-Partei DNVP, der "Bismarckjugend" verbreitet war. Von der sozialen Herkunft her, waren aber bei der Bismarckjugend 80 Prozent Arbeiterkinder. Die Katastrophe des Ersten Weltkriegs, die Inflation, die grassierende Arbeitslosigkeit auf der einen und die Erinnerung an eine vermeintlche vergangene nationale Größe auf der anderen Seite ...ein süßes Gift.
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Re: Wer ermöglichte den Aufstieg der NSDAP?

Beitragvon space » Mo 15. Apr 2019, 10:08

DarkLightbringer hat geschrieben:(15 Apr 2019, 09:55)

Das erklärt allerdings nicht den Unterschied von 1928 zu 1930, den Unterschied von 2,6 % zu 18,3 %.


Ich denke, da spielt der massive Einbruch der Wirtschaft bei gleichzeitigem Abbau sozialstaatlicher Instrumente eine nicht geringe Rolle.
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Re: Wer ermöglichte den Aufstieg der NSDAP?

Beitragvon DarkLightbringer » Mo 15. Apr 2019, 10:12

schokoschendrezki hat geschrieben:(15 Apr 2019, 10:01)

Bezeichnend ist, dass diese Adelsverehrung gerade in der JUgendorganisation der Hugenberg-Partei DNVP, der "Bismarckjugend" verbreitet war. Von der sozialen Herkunft her, waren aber bei der Bismarckjugend 80 Prozent Arbeiterkinder. Die Katastrophe des Ersten Weltkriegs, die Inflation, die grassierende Arbeitslosigkeit auf der einen und die Erinnerung an eine vermeintlche vergangene nationale Größe auf der anderen Seite ...ein süßes Gift.

Dieses süße Gift wurde dann speziell 1929/30 gern getrunken, auf Basis einer großen Kampagne.
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Re: Wer ermöglichte den Aufstieg der NSDAP?

Beitragvon DarkLightbringer » Mo 15. Apr 2019, 10:17

space hat geschrieben:(15 Apr 2019, 10:08)

Ich denke, da spielt der massive Einbruch der Wirtschaft bei gleichzeitigem Abbau sozialstaatlicher Instrumente eine nicht geringe Rolle.

Ja, die Krise in Verbindung mit einer Lager-Kampagne, bei der sich die NSDAP entscheidend profilieren konnte.
Denn von ganz allein kommt der Wähler ja nicht auf die Idee, dass irgendeine Splitterpartei die Lösung aller Krisen sein könnte.
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Re: Wer ermöglichte den Aufstieg der NSDAP?

Beitragvon Alpha Centauri » Mo 15. Apr 2019, 11:53

space hat geschrieben:(15 Apr 2019, 09:40)

Wie immer ist es nie einfach. Viele Faktoren spielen mit hinein.

Einmal war der Revanchismus und großdeutsche Ideologie bis in die Mitte hinein verbreitet, so war es leicht für die Nazis dort Fuß zu fassen.
So folge ich der Einschätzung vieler Historiker, dass der Aufstieg der NSDAP durch die Wählerwanderung der nichtkatholischen bürgerlichen Parteien stattfand.

Gleichzeitig war der Antisemitismus gesellschaftlich so verankert, dass die antisemitische vorgebliche Kapitalismuskritik - also alles was als negative Auswirkung des Kapitalismus wahrgenommen wurde personifiziert auf die Juden zu projizieren, auf fruchtbaren Boden fiel. So war es auch kein Widerspruch, dass Hitler schon früh den Kontakt zur Wirtschaft suchte, und dort nur anfangs Ablehnung erfuhr. Ihr übriges taten dann die weiteren Eliten in Militär, Justiz und Staatsapparat, die von rechtsnational bis kaisertreu viele Schattierungen von rechts darstellten.

Die einzigen beiden Gruppen die tatsächlich widerstandsfähig gegen den Einfluss der der Nazis waren, waren die Arbeiterschaft und stark katholisch geprägten Milieus.


Aus dem katholischen Milieu kam neben den Linken ( Kommunisten, Sozialdemokraten) der stärkste Widerstand ganz anderes aus den Parteien die bald vor Hitler einknickten z.b. Zentrumspartei
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Re: Wer ermöglichte den Aufstieg der NSDAP?

Beitragvon space » Mo 15. Apr 2019, 14:08

schokoschendrezki hat geschrieben:(10 Apr 2019, 16:26)

Nein. Das waren auch große Teile der Arbeiterschaft. Na logisch, bei einer "Arbeiterpartei". Diese Leute jedoch aus den Saalschutzgruppen und den Bierkellerprügeleien mussten spätestens bei dem Röhm-Putsch erkennen, dass sie und ihre Belange für die wirklichen Machthaber gar nicht von Interesse waren. Man traf sich nicht mehr im Bierkeller sondern in Bayreuth bei den Wagner-Aufführungen.


Die Arbeiterschaft war während des Aufstiegs in der NSDAP unterrepräsentiert. Die "Arbeiterpartei" war keine.

Und bei einem Vergleich der Wahlergebnisse von 1928 und 1932, wo zumindest die Wählerschaft für die NSDAP herkam. Diese kam fast ausschließlich auf Kosten der bürgerlichen Parteien und der DNVP während die katholischen und die Arbeiterparteien kaum verloren.
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Re: Wer ermöglichte den Aufstieg der NSDAP?

Beitragvon Tom Bombadil » Mo 15. Apr 2019, 16:42

space hat geschrieben:(15 Apr 2019, 14:08)

Die Arbeiterschaft war während des Aufstiegs in der NSDAP unterrepräsentiert.

Das ist falsch, wie schon im Eingangsbeitrag zitiert: Ab den Reichstagswahlen im Juli 1932 gaben mehr Arbeiter der NSDAP ihre Stimme als jeweils der KPD und SPD.
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Re: Wer ermöglichte den Aufstieg der NSDAP?

Beitragvon space » Mo 15. Apr 2019, 17:54

Tom Bombadil hat geschrieben:(15 Apr 2019, 16:42)

Das ist falsch, wie schon im Eingangsbeitrag zitiert: Ab den Reichstagswahlen im Juli 1932 gaben mehr Arbeiter der NSDAP ihre Stimme als jeweils der KPD und SPD.


Jeweils ist hier das Zauberwort, denn nur so ist der Satz nach deinem Zitat zu verstehen: "Deswegen wurde die NSDAP noch nicht, wie sie sich selbst gern gesehen hat, eine Arbeiterpartei."

denn - und das kommt ein paar Sätze zuvor: "Arbeiterstimmen trugen nicht in besonderem Maß zum Erfolg der NSDAP bei, sondern sie entsprachen dem durchschnittlichen Zuwachs."

Aber eigentlich bezog sich mein Satz ohnehin auf die Mitgliederstruktur der NSDAP, die widerspiegelte, dass es sich nicht um eine Arbeiterpartei handelte, und darum ging es mir letztlich.
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Re: Wer ermöglichte den Aufstieg der NSDAP?

Beitragvon Tom Bombadil » Mo 15. Apr 2019, 23:21

Also wenn die NSDAP mehr Stimmen von Arbeitern bekommt als jeweils die klassischen Arbeiterparteien, dann kann man wohl kaum sagen, dass die Arbeiterschaft am Aufstieg der NSDAP unterrepräsentiert gewesen sei. Nachdem die Weltwirtschaftskrise in Deutschland voll durchgeschlagen ist, bekamen die Nazis aus allen Bevölkerungsteilen viele Stimmen, sonst wäre es eine Randpartei geblieben, so wie es die AfD hoffentlich bleiben wird.

Das ist allerdings auch der Grund weswegen ich mir wegen einer drohenden Wirtschaftskrise große Sorgen machen, die Ähnlichkeiten sind frappierend: die roaring Twenties (vergleichbar mit der Zeit seit dem "Sommermärchen), Krise der internationalen Vereinigungen (damals Völkerbund, heute EU), die Sündenbockgruppe (heute die Flüchtlinge), die Nazis eigentlich schon weg vom Fenster (die AfD stagniert bei 12-15%), dann der Crash (heute die sich anbahnenden Rezession, "leveraged loan"-Krise), der den Weg zur Macht endgültig freimachte. Geschichte wiederholt sich: https://www.deutschlandfunkkultur.de/au ... _id=436239
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