Warum wählen die Leute jetzt FDP?

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Selina
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Re: Warum wählen die Leute jetzt FDP?

Beitragvon Selina » Fr 14. Dez 2018, 08:03

Solange die FDP ihren eigenen liberalen Ursprungswerten treu bleibt und sie nicht kompatibel mit der rechtsradikalen AfD wird, kann ich gut mit ihr leben. Sie gehört zur politischen Farbenskala nun mal dazu.
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JJazzGold
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Re: Warum wählen die Leute jetzt FDP?

Beitragvon JJazzGold » Fr 14. Dez 2018, 08:17

Selina hat geschrieben:(14 Dec 2018, 00:59)

Warum wählen die Leute jetzt FDP, heißt die Thread-Frage. Klingt, als würden Massen die Partei wählen. So viele Leute sind es aber nun auch wieder nicht. Die FDP wurschtelt doch schon seit ewigen Zeiten zwischen 8 und 9 Prozent herum. Das sind ganz und gar nicht viele. In etwa so viele, wie Die Linke wählen. Manchmal sogar ein Prozentpunkt weniger. Und schaut man sich mal nur den Osten an, da sind es sogar noch weniger. Viel weniger. Also kein Grund für Jubel.


Im Eingangsbeitrag werden 10% erwähnt. Ich nehme an, es handelt sich um die 10,7%, die die FDP zur Bundestagswahl erreichte, kombiniert mit dem Erstaunen, dass es tatsächlich wieder rund 10% in Deutschland wagen, liberal zu denken und zu wählen, entgegen rechter und linker paternalistischer Gesinnung und Trends. Insofern muss die Frage, richtig interpretiert, so gelesen und verstanden werden, “Warum wählen diese Leute jetzt FDP?“. Zum Vergleich, 2013 waren es 4,8%. Seitdem hält sich die FDP stabil bei 8-10%. Das ist zwar noch kein Anlass zum Jubeln, es soll ja eine Partei geben, die sogar jubelt, wenn sie zum x-gen Mal den Einzug in den bayerischen Landtag verpasst hat, aber ein Anlass zufrieden mit einem grundlegenden Ergebnis zu sein, das zur letzten Bundestagswahl in allen Bundesländern deutlich über 5% lag und Beteiligung an drei Regierungskoalitionen in den Ländern aufweist.

Anlass zum Jubeln ist die zwangsläufig lautende Antwort auf die Frage, die in der immerhin rund 10%gie Erkenntnis liegt, dass das Wohl des Einzelnen ebenso viel wiegt, wie das Wohl von Vielen.

Eine Erkenntnis, die, würde sie sich flächendeckend durchsetzen, die kollektivistischen paternalistisch etablierten linken/rechten Ränder des politischen Spektrums zum Erodieren bringen würde. Ergo sollten diese Ränder jubeln, dass sie sich im Vergleich noch auf ähnlichem prozentualen Niveau halten können. Allerdings in einem anderen Thread.


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Re: Warum wählen die Leute jetzt FDP?

Beitragvon Klopfer » Fr 14. Dez 2018, 09:33

Europa2050 hat geschrieben:(14 Dec 2018, 06:41)

Man kann ja über den Zielkonflikt über Freiheit und Fürsorge durchaus geteilter Meinung sein.

Aber Willkür - egal ob:
- christlich bis hin zur hl. Inquisition,
- monarchisch bis zu „l‘ etat est moi“
- kommunistisch bis zum Stalinismus,
- faschistisch bis zu Shoa,
- islamistisch bis zum IS

haben eines gemein - eine Unterdrückung von Freiheit und Selbstbestimmung und nicht ein zuviel davon.

Ein paar hast du vergessen:
- wirtschaftsliberal bis hin zu Umweltzerstörung, Klimazerstörung, Tierquälerei und Arbeitnehmerausbeutung.
- libertär bis hin zur Eigennützigkeit, Chaos und Unrecht.
Da bin ich doch ganz froh dass die FDP eine 5% Partei ist und bleibt. Die FDP ist und bleibt für die überwiegende Mehrheit nicht wählbar.
Also unter demokratischen Verhältnissen aussichtslos. :) Daher ist die Selbstbeweihräucherung hier unanbebracht.
Zuletzt geändert von Klopfer am Fr 14. Dez 2018, 09:35, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Warum wählen die Leute jetzt FDP?

Beitragvon Alpha Centauri » Fr 14. Dez 2018, 09:35

Europa2050 hat geschrieben:(14 Dec 2018, 06:41)

Man kann ja über den Zielkonflikt über Freiheit und Fürsorge durchaus geteilter Meinung sein.

Aber Willkür - egal ob:
- christlich bis hin zur hl. Inquisition,
- monarchisch bis zu „l‘ etat est moi“
- kommunistisch bis zum Stalinismus,
- faschistisch bis zu Shoa,
- islamistisch bis zum IS

haben eines gemein - eine Unterdrückung von Freiheit und Selbstbestimmung und nicht ein zuviel davon.


Gut beschrieben denn eines ist offensichtlich religiöse Fanatiker ( aller Evangelikale, Salafisten , Islamisten) wie auch politisch - ideologische Extremisten ( von Stalinisten bis Nationalsozialisten/ Faschisten) sind in einem Punkte Brüder im Geiste und können sich die Hände reichen, sie alle sind Feinde der individuellen Freiheiten des Einzelnen das Individuum gilt immer weniger bis nichts im Gegensatz zu einer propagierten ominösen Klasse oder Gemeinschaft( die sich stets für was besonderes halten) . "Du bist nichts dein Religion,Klasse, Volksgemeinschaft usw. ist alles" ist die freiheitsfeindliche Grundeinstellung all dieser aufgezählten Demokratie Feinde.
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Re: Warum wählen die Leute jetzt FDP?

Beitragvon Klopfer » Fr 14. Dez 2018, 09:40

Alpha Centauri hat geschrieben:(14 Dec 2018, 09:35)


Bist du dir auch ganz sicher dass die FDP, ihre Mitglieder und ihre Klientel als Beispiel für Demokratiefreunde taugen? Na da wäre ich mir mal nicht so sicher...
Fanatiker und Extremisten verheissen übrigens nie etwas Gutes, das gilt auch für liberale Extremisten.
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Re: Warum wählen die Leute jetzt FDP?

Beitragvon Selina » Fr 14. Dez 2018, 09:45

JJazzGold hat geschrieben:(14 Dec 2018, 08:17)


Im Eingangsbeitrag werden 10% erwähnt. Ich nehme an, es handelt sich um die 10,7%, die die FDP zur Bundestagswahl erreichte, kombiniert mit dem Erstaunen, dass es tatsächlich wieder rund 10% in Deutschland wagen, liberal zu denken und zu wählen, entgegen rechter und linker paternalistischer Gesinnung und Trends. Insofern muss die Frage, richtig interpretiert, so gelesen und verstanden werden, “Warum wählen diese Leute jetzt FDP?“. Zum Vergleich, 2013 waren es 4,8%. Seitdem hält sich die FDP stabil bei 8-10%. Das ist zwar noch kein Anlass zum Jubeln, es soll ja eine Partei geben, die sogar jubelt, wenn sie zum x-gen Mal den Einzug in den bayerischen Landtag verpasst hat, aber ein Anlass zufrieden mit einem grundlegenden Ergebnis zu sein, das zur letzten Bundestagswahl in allen Bundesländern deutlich über 5% lag und Beteiligung an drei Regierungskoalitionen in den Ländern aufweist.

Anlass zum Jubeln ist die zwangsläufig lautende Antwort auf die Frage, die in der immerhin rund 10%gie Erkenntnis liegt, dass das Wohl des Einzelnen ebenso viel wiegt, wie das Wohl von Vielen.

Eine Erkenntnis, die, würde sie sich flächendeckend durchsetzen, die kollektivistischen paternalistisch etablierten linken/rechten Ränder des politischen Spektrums zum Erodieren bringen würde. Ergo sollten diese Ränder jubeln, dass sie sich im Vergleich noch auf ähnlichem prozentualen Niveau halten können. Allerdings in einem anderen Thread.




Naja, "rechte und linke Ränder", das ist immer so eine Floskel der konservativen Parteien. Denn es gibt schon noch einen riesengroßen Unterschied zwischen der Partei Die Linke und der ungeniert faschistoid daherredenden und daherbrüllenden AfD. Und was diesen ewigen Vorwurf von konservativen Leuten (FDP, CDU) des angeblichen Kollektivismus der Linken anbelangt, das kommt mir immer sehr rückwärts gewandt vor. Sicher mag das auf den so genannten "real existierenden Sozialismus" noch zugetroffen haben, aber heute steht Die Linke genau wie die anderen demokratischen Parteien selbstverständlich für Freiheit und Selbstbestimmung des Individuums. Das gerade ist ja eine Lehre aus den Jahrzehnten Sozialismus. Wenn es nicht so wäre, wäre es nie zu einer Vereinigung von West- und Ostlinken gekommen. Und der Gedanke der Gleichheit (nicht zu verwechseln mit Gleichmacherei) hat nix mit Kollektivismus zu tun, sondern eher mit gleichen sozialen Chancen für jedermann und damit, dass der Vertreter eine bestimmten Nation nicht besser oder mehr wert ist als der Vertreter einer anderen Nation. "Vertreter" ist ein blöder Begriff, sorry, aber mir fiel gerade kein anderes Wort ein. So viel nur dazu, weil es von Ihnen im Zusammenhang mit der FDP gerade eben erwähnt worden ist.

Und was die FDP selbst anbelangt: Ich messe die Partei immer daran, wie sich einzelne Leute äußern, in den diversen Gremien, bei öffentlichen Auftritten, aber auch hier im Forum. Und da gibt es etliche Liberaldemokraten, deren Äußerungen ich oft mittragen kann. Etwa in ihrem konsequenten Auftreten gegen die Faschismus-Anwandlungen der Neuen Rechten. Ansonsten, was bestimmte neoliberale Ansichten anbelangt, da gehen die Meinungen halt auseinander.
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Re: Warum wählen die Leute jetzt FDP?

Beitragvon Europa2050 » Fr 14. Dez 2018, 10:11

Klopfer hat geschrieben:(14 Dec 2018, 09:33)

Ein paar hast du vergessen:
- wirtschaftsliberal bis hin zu Umweltzerstörung, Klimazerstörung, Tierquälerei und Arbeitnehmerausbeutung.
- libertär bis hin zur Eigennützigkeit, Chaos und Unrecht.
Da bin ich doch ganz froh dass die FDP eine 5% Partei ist und bleibt. Die FDP ist und bleibt für die überwiegende Mehrheit nicht wählbar.
Also unter demokratischen Verhältnissen aussichtslos. :) Daher ist die Selbstbeweihräucherung hier unanbebracht.


Wilkür ist Willkür und Unweltzerstörung ist Umweltzerstörung.

Und du schriebst in dem zitierten Post von Willkür. Und da ist nunmal praktizierter Liberalismus (der ja nicht unbedingt an eine Partei gebunden sein muss, aber nunmal der „Markenkern“ der FDP ist) das historisch wie gegenwärtig einzig wirksame Gegenmittel.

Und wenn einer meint: Ich bin zwar gegen Willkür, aber dieses oder jenes höhere Ziel rechtfertigt schon die massive Beschränkung der Freiheit, ist er zumindest auf dem Weg zu Willkür.

Und das Thema -Ismus und Umweltzerstörung ist ein vielschichtiges, das lässt sich in einem halben Post eh nicht verfrühstücken.
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Re: Warum wählen die Leute jetzt FDP?

Beitragvon Alexyessin » Fr 14. Dez 2018, 10:28

Klopfer hat geschrieben:(14 Dec 2018, 09:40)

Bist du dir auch ganz sicher dass die FDP, ihre Mitglieder und ihre Klientel als Beispiel für Demokratiefreunde taugen? Na da wäre ich mir mal nicht so sicher...
Fanatiker und Extremisten verheissen übrigens nie etwas Gutes, das gilt auch für liberale Extremisten.


Was sind denn liberale Extremisten? Anarchisten?
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Re: Warum wählen die Leute jetzt FDP?

Beitragvon Europa2050 » Fr 14. Dez 2018, 10:58

Alexyessin hat geschrieben:(14 Dec 2018, 10:28)

Was sind denn liberale Extremisten? Anarchisten?


Oder so etwas?

https://de.m.wikipedia.org/wiki/Winston_Churchill

Aber das sind natürlich nur Vermutungen - er wird es uns schon noch mitteilen.
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Re: Warum wählen die Leute jetzt FDP?

Beitragvon Alexyessin » Fr 14. Dez 2018, 11:14

Europa2050 hat geschrieben:(14 Dec 2018, 10:58)

Oder so etwas?

https://de.m.wikipedia.org/wiki/Winston_Churchill

Aber das sind natürlich nur Vermutungen - er wird es uns schon noch mitteilen.


Das ist aber alter Adel. Also eher Konservativ.
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Re: Warum wählen die Leute jetzt FDP?

Beitragvon Europa2050 » Fr 14. Dez 2018, 11:25

Alexyessin hat geschrieben:(14 Dec 2018, 11:14)

Das ist aber alter Adel. Also eher Konservativ.


Dann eher der?

https://de.m.wikipedia.org/wiki/Bill_Gates

Ist aber parteipolitisch eher zurückhaltend.
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Re: Warum wählen die Leute jetzt FDP?

Beitragvon Alexyessin » Fr 14. Dez 2018, 11:27

Europa2050 hat geschrieben:(14 Dec 2018, 11:25)

Dann eher der?

https://de.m.wikipedia.org/wiki/Bill_Gates

Ist aber parteipolitisch eher zurückhaltend.


Hm, schwieirg.
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Re: Warum wählen die Leute jetzt FDP?

Beitragvon jorikke » Fr 14. Dez 2018, 11:32

Gestern Abend, bei "Hart aber fair", hat mir der Lindner ausgesprochen gut gefallen. Er brachte konkrete Vorschläge wie man dem Klimawandel, sinnvoller als bisher, beikommen könne. Er war sehr bemüht, umfassend im Thema und es war schade, dass seine Punkte nicht vertieft werden konnten.
Schuld daran war ein altes Dilemma in Politik-Diskussionen. Stehen Mann und Frau in direkter Konfrontation, ist es für den Mann fast unmöglich deutlich zu werden.
Gestern war die überaus nett anzuschauende Grünen Vorsitzende der Anlass. Annalena Baerbock ist verheiratet, Mutter von zwei Kindern und überaus bewandert. Ich schreibe das nur um aufzuzeigen, die Frau steht mitten im Leben und weiß, wo es lang geht.
… und das nutzt sie gnadenlos aus.
Wohl wissend, Angriffe auf sie, verbaler Art, würde das Publikum empören, den Gegenpart als Flegel dastehen lassen und sie wäre Diskussionsgewinnerin ohne ein einziges sachliches Wort gesagt zu haben.
Also schnattert sie wild drauf los, gebärdet sich besserwisserisch und fällt jedem ins Wort.
Aber und Lindner hat das erkannt, dagegen kann man kaum was machen. Politik lebt von Eindrücken und Bildern, viel später erst kommen Fakten.
Da war ich am Bildschirm viel mutiger. Mindestens drei Mal habe ich vor mich hingemurmelt: "Halt endlich die Klappe, du dummes Gössel."
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Re: Warum wählen die Leute jetzt FDP?

Beitragvon JJazzGold » Fr 14. Dez 2018, 11:44

jorikke hat geschrieben:(14 Dec 2018, 11:32)

Gestern Abend, bei "Hart aber fair", hat mir der Lindner ausgesprochen gut gefallen. Er brachte konkrete Vorschläge wie man dem Klimawandel, sinnvoller als bisher, beikommen könne. Er war sehr bemüht, umfassend im Thema und es war schade, dass seine Punkte nicht vertieft werden konnten.
Schuld daran war ein altes Dilemma in Politik-Diskussionen. Stehen Mann und Frau in direkter Konfrontation, ist es für den Mann fast unmöglich deutlich zu werden.
Gestern war die überaus nett anzuschauende Grünen Vorsitzende der Anlass. Annalena Baerbock ist verheiratet, Mutter von zwei Kindern und überaus bewandert. Ich schreibe das nur um aufzuzeigen, die Frau steht mitten im Leben und weiß, wo es lang geht.
… und das nutzt sie gnadenlos aus.
Wohl wissend, Angriffe auf sie, verbaler Art, würde das Publikum empören, den Gegenpart als Flegel dastehen lassen und sie wäre Diskussionsgewinnerin ohne ein einziges sachliches Wort gesagt zu haben.
Also schnattert sie wild drauf los, gebärdet sich besserwisserisch und fällt jedem ins Wort.
Aber und Lindner hat das erkannt, dagegen kann man kaum was machen. Politik lebt von Eindrücken und Bildern, viel später erst kommen Fakten.
Da war ich am Bildschirm viel mutiger. Mindestens drei Mal habe ich vor mich hingemurmelt: "Halt endlich die Klappe, du dummes Gössel."


Du auch! :D

Mich hat sie, gestern nicht zum ersten Mal, an eine Praktikantin erinnert, die vorlaut von sich gab, “sie würde uns jetzt mal allen zeigen, wie man richtig arbeitet“.

Das hätte in der Tat eine interessante Diskussion werden können, wenn sich die Grüne auf die einzelnen Lindner'schen Punkte eingelassen hätte. Aber, natürlich reine Vermutung von mir, zu der Tiefe reicht es bei den Grünen nicht. Weil man dort eben nur bis heute Abend denkt und nicht bis übermorgen, sprich die Folgen unberücksichtigt lässt. Das sah bei Lindner schon deutlich langfristiger überlegt aus. Das wird schwierig werden, in evtl irgendwann anstehenden Koalitionsverhandlungen.
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Re: Warum wählen die Leute jetzt FDP?

Beitragvon Klopfer » Fr 14. Dez 2018, 12:51

jorikke hat geschrieben:(14 Dec 2018, 11:32)

Gestern Abend, bei "Hart aber fair", hat mir der Lindner ausgesprochen gut gefallen. Er brachte konkrete Vorschläge wie man dem Klimawandel, sinnvoller als bisher, beikommen könne. Er war sehr bemüht, umfassend im Thema und es war schade, dass seine Punkte nicht vertieft werden konnten.
Schuld daran war ein altes Dilemma in Politik-Diskussionen. Stehen Mann und Frau in direkter Konfrontation, ist es für den Mann fast unmöglich deutlich zu werden.
Gestern war die überaus nett anzuschauende Grünen Vorsitzende der Anlass. Annalena Baerbock ist verheiratet, Mutter von zwei Kindern und überaus bewandert. Ich schreibe das nur um aufzuzeigen, die Frau steht mitten im Leben und weiß, wo es lang geht.
… und das nutzt sie gnadenlos aus.
Wohl wissend, Angriffe auf sie, verbaler Art, würde das Publikum empören, den Gegenpart als Flegel dastehen lassen und sie wäre Diskussionsgewinnerin ohne ein einziges sachliches Wort gesagt zu haben.
Also schnattert sie wild drauf los, gebärdet sich besserwisserisch und fällt jedem ins Wort.
Aber und Lindner hat das erkannt, dagegen kann man kaum was machen. Politik lebt von Eindrücken und Bildern, viel später erst kommen Fakten.
Da war ich am Bildschirm viel mutiger. Mindestens drei Mal habe ich vor mich hingemurmelt: "Halt endlich die Klappe, du dummes Gössel."

Lustig, er wolle in Regenwald investieren, hat er vielleicht den Schlag nicht gehört den es z.B. in Brasilien getan hat? Bolsanero wartet schon auf Lindner.
Höchst unglaubwürdig dass Lindner auch nur ansatzweise Interesse am Klimawandel hat. Er hat nur gemerkt dass die Grünen damit punkten.
Lindner ist Vorsitzender einer Lobbyisten-Partei für Reiche und Unternehmer, das steht Umweltschutz und Klima nicht zur Debatte.
Die Leute können abhauen wenn alles hier zum Himmel stinkt. Keine Sorge, mit "grünen" Themen auf der Agenda braucht sich keiner Sorgen über eine Beteiligung der FDP an Koalitionsverhandlungen machen, die wird's nicht geben, dieses Thema nimmt der FDP (fast) keiner ab.
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Re: Warum wählen die Leute jetzt FDP?

Beitragvon jorikke » Fr 14. Dez 2018, 13:16

Klopfer hat geschrieben:Lustig, er wolle in Regenwald investieren, hat er vielleicht den Schlag nicht gehört den es z.B. in Brasilien getan hat? Bolsanero wartet schon auf Lindner.
Höchst unglaubwürdig dass Lindner auch nur ansatzweise Interesse am Klimawandel hat. Er hat nur gemerkt dass die Grünen damit punkten.
Lindner ist Vorsitzender einer Lobbyisten-Partei für Reiche und Unternehmer, das steht Umweltschutz und Klima nicht zur Debatte.
Die Leute können abhauen wenn alles hier zum Himmel stinkt. Keine Sorge, mit "grünen" Themen auf der Agenda braucht sich keiner Sorgen über eine Beteiligung der FDP an Koalitionsverhandlungen machen, die wird's nicht geben, dieses Thema nimmt der FDP (fast) keiner ab.
Klopfer hat geschrieben:(14 Dec 2018, 12:51)

Lustig, er wolle in Regenwald investieren, hat er vielleicht den Schlag nicht gehört den es z.B. in Brasilien getan hat? Bolsanero wartet schon auf Lindner.
Höchst unglaubwürdig dass Lindner auch nur ansatzweise Interesse am Klimawandel hat. Er hat nur gemerkt dass die Grünen damit punkten.
Lindner ist Vorsitzender einer Lobbyisten-Partei für Reiche und Unternehmer, das steht Umweltschutz und Klima nicht zur Debatte.
Die Leute können abhauen wenn alles hier zum Himmel stinkt. Keine Sorge, mit "grünen" Themen auf der Agenda braucht sich keiner Sorgen über eine Beteiligung der FDP an Koalitionsverhandlungen machen, die wird's nicht geben, dieses Thema nimmt der FDP (fast) keiner ab.


Lindner hat das Problem global gesehen. Er hat völlig recht, nur global lässt es sich lösen. Das heißt aber auch, wenn wir hier (erfundenes Beispiel) 100 Millionen einsetzen um x Tonnen CO2 einzusparen, dann ist es sinnvoller diese hundert Millionen nach z.B. Brasilien zu geben, die damit dort mit den gleichen Mitteln XXX Tonnen CO2 einsparen können.
Sachlich gesehen hat er völlig recht. Wenn du das nicht verstehst, ist es dein Problem.
Übrigens steht das völlig im Einklang mit der Statistik, die Peter Altmaier kurz zeigte. Wäre unsere Industrie so gewachsen, wie man bei der Vorgabe der Klimaziele noch mutmaßte, wir hätten die Ziele locker erreicht. Dann stellt sich natürlich die Frage sollen wir Wachstum und den damit einhergehenden Wohlstandsgewinn drosseln oder lieber unsere Wirtschaftskraft weiter ausbauen um mit dem Geld u.a. dort CO2 Maßnahmen unterstützen, wo sie weit mehr - bei gleichem Einsatz - bewirken als bei uns?
Da denkt mal einer nach und wird nicht verstanden.
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Re: Warum wählen die Leute jetzt FDP?

Beitragvon JJazzGold » Fr 14. Dez 2018, 14:20

Selina hat geschrieben:(14 Dec 2018, 09:45)

Naja, "rechte und linke Ränder", das ist immer so eine Floskel der konservativen Parteien. Denn es gibt schon noch einen riesengroßen Unterschied zwischen der Partei Die Linke und der ungeniert faschistoid daherredenden und daherbrüllenden AfD. Und was diesen ewigen Vorwurf von konservativen Leuten (FDP, CDU) des angeblichen Kollektivismus der Linken anbelangt, das kommt mir immer sehr rückwärts gewandt vor. Sicher mag das auf den so genannten "real existierenden Sozialismus" noch zugetroffen haben, aber heute steht Die Linke genau wie die anderen demokratischen Parteien selbstverständlich für Freiheit und Selbstbestimmung des Individuums. Das gerade ist ja eine Lehre aus den Jahrzehnten Sozialismus. Wenn es nicht so wäre, wäre es nie zu einer Vereinigung von West- und Ostlinken gekommen. Und der Gedanke der Gleichheit (nicht zu verwechseln mit Gleichmacherei) hat nix mit Kollektivismus zu tun, sondern eher mit gleichen sozialen Chancen für jedermann und damit, dass der Vertreter eine bestimmten Nation nicht besser oder mehr wert ist als der Vertreter einer anderen Nation. "Vertreter" ist ein blöder Begriff, sorry, aber mir fiel gerade kein anderes Wort ein. So viel nur dazu, weil es von Ihnen im Zusammenhang mit der FDP gerade eben erwähnt worden ist.

Und was die FDP selbst anbelangt: Ich messe die Partei immer daran, wie sich einzelne Leute äußern, in den diversen Gremien, bei öffentlichen Auftritten, aber auch hier im Forum. Und da gibt es etliche Liberaldemokraten, deren Äußerungen ich oft mittragen kann. Etwa in ihrem konsequenten Auftreten gegen die Faschismus-Anwandlungen der Neuen Rechten. Ansonsten, was bestimmte neoliberale Ansichten anbelangt, da gehen die Meinungen halt auseinander.


Hallo Selina, genau das wollte ich mit meinem zarten Hinweis, "Allerdings in einem anderen Thread.", vermeiden, dass es sich wieder nur um die Die Linke dreht, die angeblich zur politischen Mitte gehört und es doch nicht tut. Keine Floskel, sondern eine realistische Betrachtung der politischen Skala in Deutschland, wo die Die Linke und die AfD nun einmal die Ränder der Skala darstellen. Zu ihrem Besten, denn würden sie versuchen sich mittig anzugleichen, wäre das existenzgefährdend. Beide leben quasi davon, dass sie nicht die Mitte darstellen und somit einen prozentual überschaubaren Anteil an entsprechendem Wählerklientel abgreifen können.

In der Mitte befinden sich von links betrachtet anteilig überschneidend Grüne, SPD, Union und FDP. Wobei die FDP nach wie vor das einzig liberale politische Element im Reinformat darstellt. Eine singuläre Position, die ihr ebenfalls einen überschaubaren Anteil sichert, na ja, meistens jedenfalls. Die FDP tut gut daran, an ihrem neoliberalen Kurs, ganz im Sinne der ursprünglichen Bedeutung des Begriffs, festzuhalten. Denn das ist ist, was wir heute im Umfeld von linken und zunehmend rechts außen angesiedeltem politischen und gesellschaftlichen illiberalem Gedankengut als stabilisierenden Faktor benötigen. Um den Menschen zu zeigen, dass die sozialen Rahmenbedingungen gegeben sind, es aber nach wie vor Jedermann selbst überlassen bleiben muss, sich freiheitlich innerhalb dieses Rahmens bewegen zu können. Von Anspruchsdenken des gesetzlich verordneten sozialem Pampering bis zur vorgeschriebenen Gartemperatur der in den Mund fliegenden Tauben halte ich gar nichts, denn das macht den Menschen letztendlich zum Sklaven, sowohl psychisch, als auch physisch, und nicht zum Freien.

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Re: Warum wählen die Leute jetzt FDP?

Beitragvon firlefanz11 » Fr 14. Dez 2018, 14:30

Alpha Centauri hat geschrieben:(13 Dec 2018, 22:54)

Weil LINKE WIE RECHTE RADIKALE IDEOLOGEN MIT INDIVIDUELLER FREIHEIT NICHTS ANFANGEN KÖNNEN WEIL FÜR SIE DER EINZELNEN SELBST WENIGER WERT IST ALS IRGEND EINE DAHER PHANTASIERTE KLASSE ODER VOLKSGEMEINSCHAFT.

HÖRT HÖRT...! :thumbup:
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Re: Warum wählen die Leute jetzt FDP?

Beitragvon firlefanz11 » Fr 14. Dez 2018, 14:37

Selina hat geschrieben:(14 Dec 2018, 00:59)
Und schaut man sich mal nur den Osten an, da sind es sogar noch weniger. Viel weniger.

Was auch kein Wunder ist bei dem Überhang an Patienten dort, die dem Kommunismus nachtrauern...
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Re: Warum wählen die Leute jetzt FDP?

Beitragvon firlefanz11 » Fr 14. Dez 2018, 14:42

Klopfer hat geschrieben:(14 Dec 2018, 09:33)

Da bin ich doch ganz froh dass die FDP eine 5% Partei ist und bleibt.

Vielleicht solltest Du Deine ideologischen Scheuklappen mal absetzen, und das Ergebnis der letzten Bundestagswahl noch mal nachlesen... :rolleyes:
"Wer hier ist, weil er Hilfe beansprucht, hat eine besondere moralische Verpflichtung, den Helfern nicht das Leben zu zerstören."

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