Die Zukunft der SPD

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Alexyessin
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Re: Die Zukunft der SPD

Beitragvon Alexyessin » So 18. Mär 2018, 16:12

Just Me hat geschrieben:(16 Mar 2018, 22:31)

Richtig. Ich schrieb: "... im Windschatten der SPD ..", worauf du antwortetest: "... das sind die typischen Aufstiegsmöglichkeiten die die Politik bieten muss ..." Ich sagte also "Klüngel!"; du sagtest: "Yep, typische Aufstiegsmöglichkeit, die eine Partei bieten muss!".


Mit Klüngel verbinde ich etwas anderes. Aber wie schon geschrieben, dies ist ein wenig zu Meta für die SPD alleine. Aber natürlich gibt es auch in der SPD sogenannte Karrieristen - das ist erstmal nichts verwerfliches. Menschen die Verantwortung übernehmen wollen sollten auch die Möglichkeiten dazu haben und wenn es durch die Tür mit einer Karriere geht. Es gibt auch unter den Karrieristen mehr Gute als Schlechte, egal ob in der Politik oder in der Wirtschaft oder im Öffentlichen Dienst. Und da geht es mir um den Punkt aus der Wirtschaft / Öffentlichen Dienst in die Politik. Was ich wirklich ablehne ist wenn es so klar ersichtliche Vorteilsnahmen auf der anderen Seite gibt, also von der Politik hinaus in ein Wirtschaftsfeld wechseln für das sie vorher verantwortlich waren, sei es Müller und sein Staatssekretär in der E.On Fusion, Gasgerd oder den von Klaeden.

Dann kommt zu dieser Verantwortung auch die exekutive Fähigkeit. Ein Ministerium braucht führen. Das ist eine Behörde und der Minister der oberste Dienstherr. Somit sind natürlich Menschen mit dem Wissen, wie eine Behörde zu führen ist, erstmal im Vorteil. Von den SPD Ministern gibt es keinen ohne administrative Vorerfahrung.
Das ist von der Qualität her nicht verkehrt, schließlich erwarte ich als Bürger auch, das eine Behörde funktioniert selbst wenn ich mit dem jeweiligen Minister nicht einverstanden bin.
Was bedeutet, das ich mir, mit Abstrichen bei Heil, nicht vorstellen kann, das die exekutive Führung unter einer Beteiligung der SPD zu leiden hätte.
Der neue Faschismus wird nicht sagen: Ich bin der Faschismus. Er wird sagen: Ich bin kein Nazi, aber...
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Re: Die Zukunft der SPD

Beitragvon Just Me » So 18. Mär 2018, 21:23

Alexyessin hat geschrieben:(18 Mar 2018, 16:12)

Mit Klüngel verbinde ich etwas anderes. Aber wie schon geschrieben, dies ist ein wenig zu Meta für die SPD alleine. Aber natürlich gibt es auch in der SPD sogenannte Karrieristen - das ist erstmal nichts verwerfliches. Menschen die Verantwortung übernehmen wollen sollten auch die Möglichkeiten dazu haben und wenn es durch die Tür mit einer Karriere geht. Es gibt auch unter den Karrieristen mehr Gute als Schlechte, egal ob in der Politik oder in der Wirtschaft oder im Öffentlichen Dienst. Und da geht es mir um den Punkt aus der Wirtschaft / Öffentlichen Dienst in die Politik. Was ich wirklich ablehne ist wenn es so klar ersichtliche Vorteilsnahmen auf der anderen Seite gibt, also von der Politik hinaus in ein Wirtschaftsfeld wechseln für das sie vorher verantwortlich waren, sei es Müller und sein Staatssekretär in der E.On Fusion, Gasgerd oder den von Klaeden.

Dann kommt zu dieser Verantwortung auch die exekutive Fähigkeit. Ein Ministerium braucht führen. Das ist eine Behörde und der Minister der oberste Dienstherr. Somit sind natürlich Menschen mit dem Wissen, wie eine Behörde zu führen ist, erstmal im Vorteil. Von den SPD Ministern gibt es keinen ohne administrative Vorerfahrung.
Das ist von der Qualität her nicht verkehrt, schließlich erwarte ich als Bürger auch, das eine Behörde funktioniert selbst wenn ich mit dem jeweiligen Minister nicht einverstanden bin.
Was bedeutet, das ich mir, mit Abstrichen bei Heil, nicht vorstellen kann, das die exekutive Führung unter einer Beteiligung der SPD zu leiden hätte.

Du hast ziemlich romantische Vorstellungen von "Macht", Alexyessin...

Alexyessin hat geschrieben:(18 Mar 2018, 16:12)
Dann kommt zu dieser Verantwortung auch die exekutive Fähigkeit. Ein Ministerium braucht führen. Das ist eine Behörde und der Minister der oberste Dienstherr. Somit sind natürlich Menschen mit dem Wissen, wie eine Behörde zu führen ist, erstmal im Vorteil. Von den SPD Ministern gibt es keinen ohne administrative Vorerfahrung.

Vergib mir, aber das ist völlig romantisierter Stuss.

Ministerien bestehen zu 99,99 Prozent aus "Langzeit-Beamten", die schon da waren, bevor der neue Minister in seinen Sessel furzte; und die noch da sein werden, wenn der nächste Minister in den gleichen Sessel furzt. Und die folgen stur ihren Dienstanweisungen. Und die ändern sich nicht, nur weil ein neuer Minister im Chef-Büro einzieht; jedenfalls wenn der Minister noch 2+ funktionierende Hirnzellen besitzt. Genauso wenig, wie sich der Mitarbeiter-Stamm ändert, nur weil ein neuer Chef einzieht, der ein anderes Parteibuch hat. Ein Ministerium kann JEDER - sogar du - "führen". Denn der Minister muss nichts anderes machen, als morgens seinen Kaffee zu trinken. Und das bekommst sicherlich auch du fehlerfrei hin. Den Rest erledigen die Beamten. Notfalls unter Zuhilfenahme anderer Behörden und Beamter.

Du bist Minister und willst irgendwas haben? Gehe zu deinem Büroleiter und sage: "Sorgt dafür, dass XYZ geschieht! Ich will die Ergebnisse in 4 Wochen auf meinem Tisch haben." Danach kannst du die Füße auf den Tisch legen und der Dinge harren, die da geschehen. Und dazu brauchst du auch keine "Führungsfähigkeiten". Allein die Macht, die du besitzt, legitimert dich ausreichend. Denn diese Macht erlaubt dir auch eine Versetzung nicht genehmer Beamter. Doch die wollen gar nicht versetzt werden. Die fühlen sich pudelwohl in ihrem verhältnismäßig hoch dotierten Job. Solange du sie also - Achtung! - einfach in Ruhe arbeiten lässt und dich möglichst wenig einmischst, sind alle zufrieden. Deine Leute. Deine Abteilungsleiter. Und du auch.

Deshalb ist es auch so leichthin möglich, mitten im Flug vom Wirtschafts- ins Außenministerium zu wechseln; ohne dass es dabei zu den geringsten Reibungsverlusten kommt. Deshalb kann auch ein Lehrer oder ein Jurist das Umweltministerium oder das Finanzministerium oder das Kriegsministerium "führen". Weil es egal ist, wer gerade Minister ist. Weil den Job JEDER machen könnte. Sogar du. Und ja, das ist in einer Demokratie sogar eine sehr positive Voraussetzung: Denn es muss sichergestellt werden, dass das Ministerium nicht schlechter arbeitet, wenn es von einem Minister mit akademischen Hintergrund an einen Minister mit Hauptschul-Hintergrund übergeben wird.

Doch es bedeutet eben auch: "Für 'Minister' muss man nicht qualifiziert sein. Es bedarf allerdings sehr wohl eines ausgeprägt mafiösen Netzwerkes, um überhaupt die Chance zu erhalten, einen dieser seltenen Posten zu ergattern." Und mehr noch: Es bedeutet auch, dass es eigentlich gar keine Minister bräuchte, wäre da nicht das reaktionäre Bild, das dem Harem im Orient ähnelt: Der Sultan nimmt sich nicht 100 Frauen, sondern er hält sich die Töchter anderer Machthaber als Geiseln, um sich der Willfährigkeit der anderen Machthaber zu versichern. Merkel versichert sich also ihrer Macht, indem sie SPD- und andere Partei-Politiker, und damit die Parteien selbst, mit eben diesen Ministerposten KAUFT. Als Gegenleistung erhält sie Willfährigkeit; etwa bei der Wahl zum Kanzler.

Alexyessin hat geschrieben:(18 Mar 2018, 16:12)

Was ich wirklich ablehne ist wenn es so klar ersichtliche Vorteilsnahmen auf der anderen Seite gibt, also von der Politik hinaus in ein Wirtschaftsfeld wechseln für das sie vorher verantwortlich waren, sei es Müller und sein Staatssekretär in der E.On Fusion, Gasgerd oder den von Klaeden.

Dann wundert es mich doch sehr, wie bigott du sein kannst, Alexyessin. Denn würdest du ernst meinen, was du hier sagst, dürftest du weder CSU, noch FDP, noch CDU, noch SPD wählen. ALLE genannten Parteien haben es sich seit Jahrzehnten zu eigen gemacht, ihre Eliten nach dem Ende der politischen Karriere in der wirtschaftlichen Karriere einzusetzen. Nahezu durchgängig zu 100 Prozent. Bevorzugt für Aufsichtsratsposten, zumindest in der öffentlichen Wahrnehmung. Viel häufiger aber als "Honorar-Lobbyisten", die gegen finanzielle/materielle Gefälligkeiten politische Kontakte zu noch aktiven Freunden vermitteln.

Im Übrigen gebe ich dir den heißen Tipp: CDU, CSU und FDP sind dem eigenen Bekunden nach "wirtschaftsnahe Parteien". Sie machen also, was sie sagen: Sie dienen der Wirtschaft. Die SPD ist da ein ganz anderes Kaliber: Sie war einst eine "Arbeiter-Partei", vertrat also vor allem anderen "soziale Interessen". Insofern solltest du INSBESONDERE darauf achten, WO die Genossen der Bosse so verschwinden: Clement in der INSM, als Think Tank des Ultra-Neoliberalismus also zugleich der größte lebende Feind der Sozialdemokratie, Beck (und zahllose weitere Spezialdemokraten) in der Pharma-Lobby, also jenen Kreisen, die ein gesteigertes Interesse daran haben, dass "Behandlungs-Kosten" möglichst explodieren, während zugleich die "Pflicht-Leistungen" möglichst reduziert werden; und jüngst Kraft im Aufsichtsrat eines Steinkohlekonzerns, der sicherlich äußerst umfassende ökologisch nachhaltige Konzepte verwirklichen will, um den Kindern der Arbeiter, die es sich nicht leisten können, mal eben umzuziehen, wenn ihr Haus immer wieder überflutet wird, zu helfen; aber auch in der Automobilindustrie, der Rüstungsindustrie, der Mineralölindustrie, der Stahlindustrie, dem Maschinenbau und diversen anderen Branchen verschwinden immer wieder Spezialdemokraten in Aufsichtsrats- und Vorstandssesseln ... Und du kannst dich ja mal in einer ruhigen Stunde fragen, was diese Konzerne sich wohl erhoffen, wenn sie SPD-Politiker in ihren Aufsichtsrat einkaufen. Tipps zum Friseur der tollen Frisur werden es wohl kaum sein, oder?! Und bestimmt zweifelst auch du daran, dass sie dann gemeinsam eine Lohnerhöhungsstrategie erarbeiten wollen, nicht wahr, Alexyessin?! Was also könnte dabei "Sozialdemokratisches" herauskommen, wenn Konzerne vor allem ihren Aktionären und damit der Dividende verpflichtet sind und sich Politiker einkaufen, die sie haben KÖNNEN, aber NICHT MÜSSEN?

EINZIG die Linkspartei ist davon (noch?) weitgehend ausgenommen: Da in der Wirtschaft niemand mit ihnen spielen will, sind die Links-Politiker schlechte Lobbyisten.

Alexyessin hat geschrieben:(18 Mar 2018, 16:12)

Mit Klüngel verbinde ich etwas anderes.

Der Vorteil von Sprache ist die Verbindlichkeit der Information. Und die Nomenklatur wird im Duden definiert. Insofern wäre es sicherlich ratsam, wenn du den Duden zu Rate ziehst, Alexyessin. Und darin steht:

Duden hat geschrieben:Klüngel = Gruppe von Personen, die sich gegenseitig Vorteile verschaffen; Clique

Was auch immer du also damit verbindest: Wenn es nicht dem Vorgenannten entspricht, liegst du auch hier schlicht falsch. Und wenn doch, dann verbindest du mit "Klüngel" nichts anderes als ich und Millionen anderer Deutsch sprechender Menschen.
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Re: Die Zukunft der SPD

Beitragvon Fuerst_48 » So 18. Mär 2018, 22:16

Elser hat geschrieben:(17 Mar 2018, 17:55)

Donnerwetter - gut analysiert ! Auch ich denke, dass diese "S"DP nicht mehr zu retten ist. Allein wenn ich die mäßigen schauspielerischen Leistungen von Andrea Nahles sehe und höre, könnte ich kotz... heulen. Aber man könnte eine neue Partei gründen. Die anständige Hälfte der jetzigen "S"PD, die Hälfte der Linken, 30 % der Grünen, 30 % der Nichtwähler. Das sind die poteziellen Mitglieder bzw. Wähler einer neuen, echten sozialdemokratischen Partei. Insgesamt 40 % der Stimmen bei einer Bundestagswahl währen, meiner Meinung nach, durchaus drin. Vielleicht sollte man eine solche Partei USPD (Unabhängige Soziald......) nennen, wie schon die Partei von Luxenburg und Liebknecht hieß. Natürlich müssen Sesselfurzer-Jobs beim Großkapital, für die Funktionäre einer solchen Partei, absolutes Tabu sein. Manchmal habe ich den Eindruck dass einige Aktivitäten von Sahra Wagenknecht, seit einiger Zeit, genau auf die Gründung einer solchen Partei abzielt.

Elser

Als sog. Vorbild nehme man unsere EX-GRÜNE Glawischnig, die in ihrer politischen Karriere den NOVOMATIC-Konzern bis aufs Messer bekämpft hat, und jetzt dort in der Führungsebene (!) ihr bescheidenes (!) Salär verdient.
Wenn das nicht CHARAKTERSTÄRKE ist ??? Was dann? :mad2: :mad2: :mad2:
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Re: Die Zukunft der SPD

Beitragvon Alexyessin » Mo 19. Mär 2018, 08:30

Just Me hat geschrieben:(18 Mar 2018, 21:23)

Du hast ziemlich romantische Vorstellungen von "Macht", Alexyessin...


Ich weiß nicht was an einer nüchternen Betrachtung der Gegebenheiten jetzt romatisch sein sollte....
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Re: Die Zukunft der SPD

Beitragvon Geri2 » Sa 24. Mär 2018, 14:52

Hab diese Tage etwas über die Katarina Barley gelesen.
Die kam wie Phönix aus der Asche.
Sie arbeitete nach dem Jura-Staatsexamen ein Jahr für eine
Hamburger Kanzlei, anschließend öffentlicher Dienst, Verbeamtung
und in den 8 weiteren Jahren warf sie, nahm Mutterschutz
und wurde Richterin.
Wird man mit Frauenquote so schnell Richter?
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Re: Die Zukunft der SPD

Beitragvon imp » Sa 24. Mär 2018, 17:20

Geri2 hat geschrieben:(24 Mar 2018, 14:52)

Hab diese Tage etwas über die Katarina Barley gelesen.
Die kam wie Phönix aus der Asche.
Sie arbeitete nach dem Jura-Staatsexamen ein Jahr für eine
Hamburger Kanzlei, anschließend öffentlicher Dienst, Verbeamtung
und in den 8 weiteren Jahren warf sie, nahm Mutterschutz
und wurde Richterin.
Wird man mit Frauenquote so schnell Richter?

Schwesig hatte auch so eine Instantkarriere in der Politik.
"Don't say words you gonna regret" - Eric Woolfson
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Re: Die Zukunft der SPD

Beitragvon Geri2 » So 25. Mär 2018, 12:28

Sole.survivor@web.de hat geschrieben:(24 Mar 2018, 17:20)

Schwesig hatte auch so eine Instantkarriere in der Politik.



Dieses ganze Gendergedöns führt unser Land noch ins Unglück.
Eine Amtsärztin als Bundesverteidigungsministerin.
Seither gibt es nur Stress mit anderen Ländern.
Sie will jeden verarzten, den sie in die Finger kriegt.
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Re: Die Zukunft der SPD

Beitragvon imp » So 25. Mär 2018, 16:48

Geri2 hat geschrieben:(25 Mar 2018, 12:28)

Dieses ganze Gendergedöns führt unser Land noch ins Unglück.
Eine Amtsärztin als Bundesverteidigungsministerin.
Seither gibt es nur Stress mit anderen Ländern.
Sie will jeden verarzten, den sie in die Finger kriegt.

Ich würde das nicht an der Geschlechtsfrage festmachen.
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Re: Die Zukunft der SPD

Beitragvon Geri2 » Do 29. Mär 2018, 12:22

Sole.survivor@web.de hat geschrieben:(25 Mar 2018, 16:48)

Ich würde das nicht an der Geschlechtsfrage festmachen.

Da gebe ich Ihnen recht.
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Re: Die Zukunft der SPD

Beitragvon Geri2 » Fr 30. Mär 2018, 18:01

Jeder kennt den berühmten Spruch von Franz Josef Strauß, dass es rechts von der Union dauerhaft keine demokratisch legitimierte Partei in den Parlamenten geben dürfe.

Deshalb bewegte sich die personelle Dimension innerhalb der Union traditionell zwischen Rechtsauslegern bis hin zu einem arbeitnehmernahen Flügel im SPD-Grenzbereich.

Unter der Kanzlerschaft von Angela Merkel wurde dieses Credo aufgegeben, und zwar nicht erst seit der sogenannten Flüchtlingskrise, sondern schon vorher.
Die SPD hat in ihrer langen Geschichte mehrere Abspaltungen hinter sich, was auch dazu führte, dass sie sich immer einmal wieder neu erfinden musste.
Dazu gehörten beispielsweise die USPD, die Grünen und die heutige Partei "die Linke".

Man würde es sich aber zu leicht machen, indem man diesen Abspaltungen eine 100% ige Homogenität unterstellte.

Denn natürlich waren nicht alle Wähler der Grünen vorher SPD-Wähler gewesen, genauso wenig wie alle Wähler, welche die SPD nach solchen Abspaltungen verlor, ausschließlich zur neuen Partei gingen, in diesem Fall zu den Grünen.

Der letzte elementare cut der SPD geschah als Folge von Schröders Agenda.

Der erste und größte Kahlschlag ereignete sich 4 Jahre nach Einführung der Agenda bei der Bundestagswahl 2009, bei der die SPD etwa ein Drittel seiner bisherigen Wähler verlor und diesen Verlust seither auch nicht mehr wettmachen konnte.

Bei der Wahl 2009 kam zusätzlich hinzu, dass die SPD in den vier Jahren vorher mit in der Regierung war und dadurch ein SPD-Anhänger, der 2005 die SPD unter anderem auch deshalb wählte, weil er keine unionsgeführte Regierung wollte, mit seiner Stimme für die SPD genau das Gegenteil dessen wählte, was er eigentlich wollte.

Das ist ein grundsätzliches Problem in Systemen, in denen das Staatsoberhaupt bzw. der Regierungschef nicht direkt vom Volk gewählt wird.
Denn natürlich hat die SPD von ihren Wählern nie den demokratischen Auftrag erhalten, Angela Merkel zur Kanzlerin zu wählen, wenn auch möglicherweise ein Teil der SPD-Wähler am Ende wegen der Umstände trotzdem nichts dagegen hatte.

Bei der Bundestagswahl 2013 legte die SPD dann leicht zu, was aber überwiegend der Tatsache geschuldet war, dass die SPD in den vier Jahren vorher nicht mehr an der Regierung beteiligt war.

Bei der Bundestagswahl 2017 verlor die SPD weitere etwa 20% seiner Wähler, weil vor allem die SPD-Anhänger extrem GroKo-müde sind und waren.
Seither hat die SPD nochmal etwa 15% seiner Wähler verloren. Die INSA-Umfragen zeigen aktuell die realistischsten Ergebnisse. Auf den Grund möchte ich hier nicht eingehen.

Die Gruppe der Bürger, für welche die SPD eine der möglichen Wahloptionen ist, ist nicht identisch mit der Führungsspitze der SPD und auch nicht identisch mit den SPD-Mitgliedern.

Die letzten beiden Gruppen sind aufgrund ihrer Nähe zur Organisation bei ihren Entscheidungen immer auch von organisationsstabilisierenden Motiven geprägt. Deshalb haben bei der Mitgliederbefragung zur GroKo auch solche Mitglieder pro gestimmt, die eigentlich anti sind, unter anderem aus dem Grund, weil man bei den verbleibenden Alternativen eine noch schlechtere Entwicklung der SPD in Sachen Zustimmung des Wählers befürchtete. Die Angst der SPD vor Neuwahlen war Treiber des Ergebnisses.

Die SPD hat inzwischen nicht mehr nur das Agenda-Problem, sondern auch das GroKo-Problem. Selbst wenn man inhaltlich viel scheinbares Eigengebräu in der Regierung durchsetzen kann, bleibt der psychologisch negative Effekt einer weiteren Großen Koalition.

Die Menschen wählen nicht nur nach Inhalten.

Eines der Kernprobleme der aktuellen SPD ist es meines Erachtens, dass die SPD-Führungsebene überwiegend aus Personen besteht, welche die Agenda einst abgenickt haben.

Denn selbst wenn man nun versucht, dem Wähler neuen SPD-Wein zu präsentieren, so fließt dieser doch trotzdem immer noch durch die alten Schläuche, was negative Effekte hat bzw. haben könnte.
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Re: Die Zukunft der SPD

Beitragvon Humelix33 » So 22. Apr 2018, 15:41

Um an Geri2's Beitrag anzuknüpfen ist es mit dem herbeigeredeten Neuanfang seitens der SPD auch schon wieder vorbei.

Andrea Nahles ist zur neuen Parteivorsitzenden gewählt worden, mit absolut schwachen 66 Prozent. Aber das dürfte ja niemanden verwundern, da sie absolut unsouverän und eher wenig kompetent, rüberkommt. Und "Nachwuchshoffnung" Kevin Kühnert ist auch entzaubert worden, da er Nahles gewählt hat, obwohl Simone Lange in nur einer Rede weitaus überzeugender, und kreativier rüberkam, was gegen eine Andrea Nahles auch nicht sonderlich schwer ist.

Somit wird der Neuanfang verpuffen, und die Tage der Partei sind gezählt. Eigentlich müsste Nahles auch gleich wieder zurücktreten, weil mit solch einem schwachen Ergebniss für den Parteivorsitz, und bei der dringenden Erneuerung, ist das zu wenig.

Ansonsten hat Geri2 ja alles wunderbar wiedergegeben.
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Re: Die Zukunft der SPD

Beitragvon Raul71 » Mo 23. Apr 2018, 19:39

Man sollte auch Nahles ein chance geben. Lieber sich mit 66% hoch arbeiten, als mit 100% alles zu verlieren.
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Re: Die Zukunft der SPD

Beitragvon Tomaner » Fr 4. Mai 2018, 03:28

Humelix33 hat geschrieben:(22 Apr 2018, 15:41)

Um an Geri2's Beitrag anzuknüpfen ist es mit dem herbeigeredeten Neuanfang seitens der SPD auch schon wieder vorbei.

Andrea Nahles ist zur neuen Parteivorsitzenden gewählt worden, mit absolut schwachen 66 Prozent. Aber das dürfte ja niemanden verwundern, da sie absolut unsouverän und eher wenig kompetent, rüberkommt. Und "Nachwuchshoffnung" Kevin Kühnert ist auch entzaubert worden, da er Nahles gewählt hat, obwohl Simone Lange in nur einer Rede weitaus überzeugender, und kreativier rüberkam, was gegen eine Andrea Nahles auch nicht sonderlich schwer ist.

Somit wird der Neuanfang verpuffen, und die Tage der Partei sind gezählt. Eigentlich müsste Nahles auch gleich wieder zurücktreten, weil mit solch einem schwachen Ergebniss für den Parteivorsitz, und bei der dringenden Erneuerung, ist das zu wenig.

Ansonsten hat Geri2 ja alles wunderbar wiedergegeben.

Quatsch. das Ergebnis spiegelt exakt Befürwortung und Ablehnung Groko nieder. Es ist ohnehin egal, ob man bei SPD mit 100 oder 66 Prozent gewählt wird. Wird man mit 100 Prozent gewählt, ddr Abstimmung, wird man mit wenniger, dann dies.
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Re: Die Zukunft der SPD

Beitragvon yogi61 » Fr 18. Mai 2018, 10:48

Juso-Chef Kevin Kühnert wirft Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD) eine verheerende Vorstellung seines Haushaltsentwurfs im Bundestag vor. „Das war kommunikativ ganz alte Schule. Und leider weit von einer neuen SPD entfernt, weil er die Opposition ohne Not zum politischen Konter eingeladen hat“, sagte Kühnert der Deutschen Presse-Agentur in Berlin. Bei der Einbringung des Entwurfs mit Ausgaben des Bundes von 341 Milliarden Euro hatte die Opposition diese Woche Scholz im Bundestag ein reines „Weiter so“ und einen leidenschaftslosen Auftritt vorgeworfen.

Auch andere SPD-Politiker werfen Scholz vor, seine Politik den Bürgern nicht genug zu erklären. So wurde bei Bekanntwerden der Haushaltspläne der Eindruck erweckt, trotz Rekordeinnahmen wolle Scholz bis 2021 Investitionen zurückfahren - was dieser zurückwies.


https://www.tagesspiegel.de/politik/kri ... 80198.html

Wo er recht hat, hat er leider recht. Die SPD mit ihrem spröden Finanzminister wirkt ideenlos und völlig zerspilttert. Ein Frontalangriff der Fraktionschefin auf die zugegebenermaßen in ihrem Tun völlig desaströse Verteidigungsministerin bringt da auch nichts.
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Re: Die Zukunft der SPD

Beitragvon jorikke » Fr 18. Mai 2018, 12:13

yogi61 hat geschrieben:(18 May 2018, 10:48)

Juso-Chef Kevin Kühnert wirft Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD) eine verheerende Vorstellung seines Haushaltsentwurfs im Bundestag vor. „Das war kommunikativ ganz alte Schule. Und leider weit von einer neuen SPD entfernt, weil er die Opposition ohne Not zum politischen Konter eingeladen hat“, sagte Kühnert der Deutschen Presse-Agentur in Berlin. Bei der Einbringung des Entwurfs mit Ausgaben des Bundes von 341 Milliarden Euro hatte die Opposition diese Woche Scholz im Bundestag ein reines „Weiter so“ und einen leidenschaftslosen Auftritt vorgeworfen.

Auch andere SPD-Politiker werfen Scholz vor, seine Politik den Bürgern nicht genug zu erklären. So wurde bei Bekanntwerden der Haushaltspläne der Eindruck erweckt, trotz Rekordeinnahmen wolle Scholz bis 2021 Investitionen zurückfahren - was dieser zurückwies.


https://www.tagesspiegel.de/politik/kri ... 80198.html

Wo er recht hat, hat er leider recht. Die SPD mit ihrem spröden Finanzminister wirkt ideenlos und völlig zerspilttert. Ein Frontalangriff der Fraktionschefin auf die zugegebenermaßen in ihrem Tun völlig desaströse Verteidigungsministerin bringt da auch nichts.


Ja, ja Yogi, einfach alle doof.
Das würden wir nebenbei, als Hobby, alles viel besser machen.
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Re: Die Zukunft der SPD

Beitragvon yogi61 » Fr 18. Mai 2018, 12:28

jorikke hat geschrieben:(18 May 2018, 12:13)

Ja, ja Yogi, einfach alle doof.
Das würden wir nebenbei, als Hobby, alles viel besser machen.


Ja, ja jorikke. Man ist inzwischen schon mit dem Bodensatz zufrieden,was? Ich glaube auch nicht, dass die tollen Minister das als Hobby betreiben, würde allerdings als Erklärung taugen.
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Re: Die Zukunft der SPD

Beitragvon DarkLightbringer » Fr 18. Mai 2018, 12:35

yogi61 hat geschrieben:(18 May 2018, 10:48)

Juso-Chef Kevin Kühnert wirft Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD) eine verheerende Vorstellung seines Haushaltsentwurfs im Bundestag vor. „Das war kommunikativ ganz alte Schule. Und leider weit von einer neuen SPD entfernt, weil er die Opposition ohne Not zum politischen Konter eingeladen hat“, sagte Kühnert der Deutschen Presse-Agentur in Berlin. Bei der Einbringung des Entwurfs mit Ausgaben des Bundes von 341 Milliarden Euro hatte die Opposition diese Woche Scholz im Bundestag ein reines „Weiter so“ und einen leidenschaftslosen Auftritt vorgeworfen.
Auch andere SPD-Politiker werfen Scholz vor, seine Politik den Bürgern nicht genug zu erklären. So wurde bei Bekanntwerden der Haushaltspläne der Eindruck erweckt, trotz Rekordeinnahmen wolle Scholz bis 2021 Investitionen zurückfahren - was dieser zurückwies.

https://www.tagesspiegel.de/politik/kri ... 80198.html
Wo er recht hat, hat er leider recht. Die SPD mit ihrem spröden Finanzminister wirkt ideenlos und völlig zerspilttert. Ein Frontalangriff der Fraktionschefin auf die zugegebenermaßen in ihrem Tun völlig desaströse Verteidigungsministerin bringt da auch nichts.

Manche sagen, Kühnert habe seine Karriere noch vor sich und er täte gut daran, sich einige Jahre innerparteilich zu profilieren.
>>We’ll always have Paris<<
[Humphrey Bogart als Rick Blaine in >Casablanca<, 1942]
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Re: Die Zukunft der SPD

Beitragvon Uffzach » Fr 18. Mai 2018, 20:01

16 % bei der GMS umfrage :D
Für die Freiheit des sprachlichen Ausdrucks !
Macht ist Macht über die Sprache der anderen. Fürchtet euch nicht, denn Bezeichner sind a priori bedeutungsleere Zeichenfolgen. :cool:
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Re: Die Zukunft der SPD

Beitragvon Polibu » Fr 18. Mai 2018, 20:03

Uffzach hat geschrieben:(18 May 2018, 20:01)

16 % bei der GMS umfrage :D


Die SPD verfällt schon in Panik. :D Nur weiter so. Bis 2021 kommen sie noch unter die 5% Hürde. :D
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Re: Die Zukunft der SPD

Beitragvon jorikke » Fr 18. Mai 2018, 20:41

yogi61 hat geschrieben:(18 May 2018, 10:48)

Juso-Chef Kevin Kühnert wirft Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD) eine verheerende Vorstellung seines Haushaltsentwurfs im Bundestag vor. „Das war kommunikativ ganz alte Schule. Und leider weit von einer neuen SPD entfernt, weil er die Opposition ohne Not zum politischen Konter eingeladen hat“, sagte Kühnert der Deutschen Presse-Agentur in Berlin. Bei der Einbringung des Entwurfs mit Ausgaben des Bundes von 341 Milliarden Euro hatte die Opposition diese Woche Scholz im Bundestag ein reines „Weiter so“ und einen leidenschaftslosen Auftritt vorgeworfen.

Auch andere SPD-Politiker werfen Scholz vor, seine Politik den Bürgern nicht genug zu erklären. So wurde bei Bekanntwerden der Haushaltspläne der Eindruck erweckt, trotz Rekordeinnahmen wolle Scholz bis 2021 Investitionen zurückfahren - was dieser zurückwies.


https://www.tagesspiegel.de/politik/kri ... 80198.html

Wo er recht hat, hat er leider recht. Die SPD mit ihrem spröden Finanzminister wirkt ideenlos und völlig zerspilttert. Ein Frontalangriff der Fraktionschefin auf die zugegebenermaßen in ihrem Tun völlig desaströse Verteidigungsministerin bringt da auch nichts.


Aber Yogi, was meinst du denn mit "desaströser Verteidigungsministerin" ?
Die kann doch nur gut sein, wenn Olaf ihr mehr Kohle bewilligt und die Linken kapieren wo es lang geht.
Alternativ kann man natürlich die BW auflösen, dann gibt es selbst im Sinn von Yogi keine desaströse Verteidigungsministerin mehr.
Der Kühnert hat sich in eine Position manövriert, in der er Kritik mäßig immer nachlegen muss, will er sein Gesicht nicht verlieren.
Das er damit als Totengräber der SPD fleißig mitwirkt, ist ihm offensichtlich nicht bewusst.
...positiv daran ist allenfalls, die Kodder Schnauze untergräbt damit die eigenen Zukunftsaussichten.

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