China, ein Land mit dem Willen zur Supermacht?!

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Meruem
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Re: China, ein Land mit dem Willen zur Supermacht?!

Beitragvon Meruem » Fr 14. Jan 2022, 17:28

Fallensteller hat geschrieben:(14 Jan 2022, 16:32)

Die grundsätzliche Einstellung gegen Unterdrückung, Verfolgung und Misshandlungen sollte sich nicht immer nur auf ferne Länder richten. Was ist mit unseren Freunden der USA? Die Folterkammer Guantanamo existiert noch immer. Dort werden Menschen jahrzehntelang ohne richterliche Anordnung eingekerkert. Fangen wir doch da mal an mit dem Verurteilen.


Hier in diesem Strang geht es aber um China also beim Thema bleiben, dass die USA selbst ziemlich fragwürdige Methoden anwenden ( Guantanamo, geheime Foltergefängnisse im Irak usw.) steht auf einem anderen Blatt Papier und kannst du ruhig im Strang zu den USA thematisieren.
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schokoschendrezki
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Re: China, ein Land mit dem Willen zur Supermacht?!

Beitragvon schokoschendrezki » Fr 14. Jan 2022, 17:38

Kohlhaas hat geschrieben:(06 Jan 2022, 13:46)
Putin kann all das nicht. Er kann nicht auf eine so herausragende historische Bedeutung Russlands verweisen ...

Na das stimmt natürlich nicht. Es ist sogar so, dass der geographische Raum, der heute "Deutschland" genannt wird, auf verschiedenste Art und Weise mit der Rolle des russischen Zarenreichs als eines der europäischen Großmächte in früheren Jahrhunderten verknüpft war. Man denke nur einmal an Екатерина Великая, Katharina die Große (von "Anhalt Zerbst"), die Russland im 18. Jahrhundert in einem Maße machterweiterte wie kein russischer Zar oder KP-Führer vor ihr oder nach ihr. Der ganze südrussische Raum einschließlich des militärstrategisch bedeutsamen Zugangs zum Schwarzen Meer geht auf ihr Konto. Und im 1. WK war die Bündnisfrage mit dem russischen Zarenreich ganz entscheidend.

Gut. Hier gehts um China. Was mir jüngst erst wieder klar gemacht wurde: Taiwan, die "Republik China" ... war 50 Jahre lang japanische Kolonie. Und die Japaner sind in dieser Kolonie nicht gerade mit höflichen japanischen Verbeugungen aufgetreten. Um es vorsichtig zu sagen. Und etwas länger vorher waren die Niederländer die Herrscher von "Formosa". Die waren noch weit weniger höflich als die Japaner. Die Möglichkeit der Anbindung an Festland-China war für nicht wenige Einwohner von "Formosa" (ich kann mich noch an alte Atlanten mit diesem Namen erinnern) ein Akt der nationalen Befreiung. Es gibt irgendwie nicht so richtig eine europäische Vergleichssituation. Wir können uns da vielleicht nicht wirklich hineinversetzen.
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Re: China, ein Land mit dem Willen zur Supermacht?!

Beitragvon Meruem » Fr 14. Jan 2022, 17:56

schokoschendrezki hat geschrieben:(14 Jan 2022, 17:38)

Na das stimmt natürlich nicht. Es ist sogar so, dass der geographische Raum, der heute "Deutschland" genannt wird, auf verschiedenste Art und Weise mit der Rolle des russischen Zarenreichs als eines der europäischen Großmächte in früheren Jahrhunderten verknüpft war. Man denke nur einmal an Екатерина Великая, Katharina die Große (von "Anhalt Zerbst"), die Russland im 18. Jahrhundert in einem Maße machterweiterte wie kein russischer Zar oder KP-Führer vor ihr oder nach ihr. Der ganze südrussische Raum einschließlich des militärstrategisch bedeutsamen Zugangs zum Schwarzen Meer geht auf ihr Konto. Und im 1. WK war die Bündnisfrage mit dem russischen Zarenreich ganz entscheidend.

Gut. Hier gehts um China. Was mir jüngst erst wieder klar gemacht wurde: Taiwan, die "Republik China" ... war 50 Jahre lang japanische Kolonie. Und die Japaner sind in dieser Kolonie nicht gerade mit höflichen japanischen Verbeugungen aufgetreten. Um es vorsichtig zu sagen. Und etwas länger vorher waren die Niederländer die Herrscher von "Formosa". Die waren noch weit weniger höflich als die Japaner. Die Möglichkeit der Anbindung an Festland-China war für nicht wenige Einwohner von "Formosa" (ich kann mich noch an alte Atlanten mit diesem Namen erinnern) ein Akt der nationalen Befreiung. Es gibt irgendwie nicht so richtig eine europäische Vergleichssituation. Wir können uns da vielleicht nicht wirklich hineinversetzen.


Die Europäer wie auch die Japaner waren alles andere als freundlich und zimperlich als Besatzungsmacht in China ich erinnere hier mal an die Opiumkriege, Boxeraufstand oder die Kriegsverbrechen der Japaner im 2 . Weltkrieg Stichwort Shanghai oder die sogenannten " chinesischen Trostfrauen" genau vor dem Hintergrund spielt ja so jemand wie Xi gerne die nationalistische Karte nach innen und als Drohgebärde Richtung Westen und Konkurrenzstaaten in der Nachbarschaft also Japan, Indien usw.
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Re: China, ein Land mit dem Willen zur Supermacht?!

Beitragvon schokoschendrezki » Fr 14. Jan 2022, 18:08

Meruem hat geschrieben:(14 Jan 2022, 17:56)

Die Europäer wie auch die Japaner waren alles andere als freundlich und zimperlich als Besatzungsmacht in China ich erinnere hier mal an die Opiumkriege, Boxeraufstand oder die Kriegsverbrechen der Japaner im 2 . Weltkrieg Stichwort Shanghai oder die sogenannten " chinesischen Trostfrauen" genau vor dem Hintergrund spielt ja so jemand wie Xi gerne die nationalistische Karte nach innen und als Drohgebärde Richtung Westen und Konkurrenzstaaten in der Nachbarschaft also Japan, Indien usw.


Es ist nur die Frage wie man in einem Land wie Deutschland darauf reagiert. Meine Meinung: Aufnahme offizieller diplomatischer Beziehungen zu Taiwan und Anerkennung der staatlichen Souveränität. Es muss ja nicht mit Getöse und Fahnenparade sein. Still und unaufdringlich. So wie es Tschechien, Slowakei und Litauen vorgemacht haben. Städtepartnerschaften mit Taipeh. Offizielle Handelsdelegationen unterhalb des Wirtschaftsministers. Aber eben offiziell. Auf keinen Fall jedoch mit Rücksicht auf die Absatzzahlen von BMW oder Siemens in China.

Der neuen Außenministerin traue ichs zu. Ich bin regelrecht ein bissel baff, wie zielgerichtet sie alles umkrempelt. Sie reist schon erstmal nicht zur Winterolympiade. Dreimal Daumen hoch, wenn ich drei Daumen hätte. Die Aufnahme offizieller Beziehungen Deutschlands zu Taiwan (muss ja nicht gleich eine Botschaft sein) halte ich mit ihr schon für möglich.
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Re: China, ein Land mit dem Willen zur Supermacht?!

Beitragvon Meruem » Fr 14. Jan 2022, 19:19

schokoschendrezki hat geschrieben:(14 Jan 2022, 18:08)

Es ist nur die Frage wie man in einem Land wie Deutschland darauf reagiert. Meine Meinung: Aufnahme offizieller diplomatischer Beziehungen zu Taiwan und Anerkennung der staatlichen Souveränität. Es muss ja nicht mit Getöse und Fahnenparade sein. Still und unaufdringlich. So wie es Tschechien, Slowakei und Litauen vorgemacht haben. Städtepartnerschaften mit Taipeh. Offizielle Handelsdelegationen unterhalb des Wirtschaftsministers. Aber eben offiziell. Auf keinen Fall jedoch mit Rücksicht auf die Absatzzahlen von BMW oder Siemens in China.

Der neuen Außenministerin traue ichs zu. Ich bin regelrecht ein bissel baff, wie zielgerichtet sie alles umkrempelt. Sie reist schon erstmal nicht zur Winterolympiade. Dreimal Daumen hoch, wenn ich drei Daumen hätte. Die Aufnahme offizieller Beziehungen Deutschlands zu Taiwan (muss ja nicht gleich eine Botschaft sein) halte ich mit ihr schon für möglich.


Barrbock interessiert sich nicht für VW Verkaufszahlen in China, sie ist Völkerrechtlerin und da sind Menschenrechte dass A und O, nur inwieweit beeindruckt dass einen Xi? Die Aufnahme von diplomatischen Beziehungen mit Taiwan würde man Peking sicher als Affront werten.
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Re: China, ein Land mit dem Willen zur Supermacht?!

Beitragvon Kohlhaas » Fr 14. Jan 2022, 19:28

schokoschendrezki hat geschrieben:(14 Jan 2022, 17:38)Was mir jüngst erst wieder klar gemacht wurde: Taiwan, die "Republik China" ... war 50 Jahre lang japanische Kolonie.

Mir kräuselt sich gerade vieles. Taiwan ist keine vergessene Kolonie. Taiwan existiert nicht von Japans Gnaden und hat auch nie so exisitiert. Ausgangspunkt für die Entstehung Taiwans war der chinesische Bürgerkrieg, in den Japan mit hunderprozentiger Sicherheit nach Hiroschima und Nagasaki NICHT verwickelt war.

China stellt Gebietsansprüche, die weit über Taiwan hinausgehen. Das, was dort unten im südchinesichen Meer vorgeht, hat höchste Brisanz. Wenn es zu einem neuen Weltkrieg kommen wird, dann wird er da unten beginnen. Hoffen wir, dass das nicht geschieht.
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Re: China, ein Land mit dem Willen zur Supermacht?!

Beitragvon Meruem » Fr 14. Jan 2022, 19:32

Kohlhaas hat geschrieben:(14 Jan 2022, 19:28)

Mir kräuselt sich gerade vieles. Taiwan ist keine vergessene Kolonie. Taiwan existiert nicht von Japans Gnaden und hat auch nie so exisitiert. Ausgangspunkt für die Entstehung Taiwans war der chinesische Bürgerkrieg, in den Japan mit hunderprozentiger Sicherheit nach Hiroschima und Nagasaki NICHT verwickelt war.

China stellt Gebietsansprüche, die weit über Taiwan hinausgehen. Das, was dort unten im südchinesichen Meer vorgeht, hat höchste Brisanz. Wenn es zu einem neuen Weltkrieg kommen wird, dann wird er da unten beginnen. Hoffen wir, dass das nicht geschieht.


Dort oder im Himalaya Stichwort Region Kaschmir da stehen sich nämlich gleich 3 Atommächte ( Indien, Pakistan und China) mehr oder minder feindselig gegenüber, auch jederzeit hoch explosiv.
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Re: China, ein Land mit dem Willen zur Supermacht?!

Beitragvon schokoschendrezki » Fr 14. Jan 2022, 20:17

Kohlhaas hat geschrieben:(14 Jan 2022, 19:28)

Mir kräuselt sich gerade vieles. Taiwan ist keine vergessene Kolonie. Taiwan existiert nicht von Japans Gnaden und hat auch nie so exisitiert. Ausgangspunkt für die Entstehung Taiwans war der chinesische Bürgerkrieg, in den Japan mit hunderprozentiger Sicherheit nach Hiroschima und Nagasaki NICHT verwickelt war.

China stellt Gebietsansprüche, die weit über Taiwan hinausgehen. Das, was dort unten im südchinesichen Meer vorgeht, hat höchste Brisanz. Wenn es zu einem neuen Weltkrieg kommen wird, dann wird er da unten beginnen. Hoffen wir, dass das nicht geschieht.


Ja natürlich nicht nach Hiroshima. Sondern genau gesagt von 1895 bis 1945. Und ob Taiwan während dieser Zeit von Gnaden Japans existierte! Aber denk doch mal nicht, dass das einfach so vergessen ist! 2020 liegt die Demokratische Partei in Taiwan mal gerade noch so knapp über der Kuomintang. Mit starker Abwärtstendenz. Jetzt erkläre mir mal, wofür Kuomintang heute in Taiwan eigentlich steht. Ich weiß es nicht, ich verstehe es nicht. Für eine Gesamtnation China und für chinesischen Nationalismus. Und gleichzeitig für Antikommunismus und also auch für Anti-KPC.

Und Taiwan selbst ist sich nicht einmal darüber einig, was es mit politisch Verfolgten aus Hong Kong anfangen soll. Es gibt auf Taiwan keinerlei geregeltes Asylrecht für HongKong-Flüchtlinge. Ihr Augenthaltsstatus ist unsicherer als der von Migranten aus Kriegsgebieten in Deutschland. Auch wenn man natürlich offiziell Solidarität bekundet.
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Re: China, ein Land mit dem Willen zur Supermacht?!

Beitragvon schokoschendrezki » Fr 14. Jan 2022, 20:37

Meruem hat geschrieben:(14 Jan 2022, 19:19)

Barrbock interessiert sich nicht für VW Verkaufszahlen in China, sie ist Völkerrechtlerin und da sind Menschenrechte dass A und O, nur inwieweit beeindruckt dass einen Xi? Die Aufnahme von diplomatischen Beziehungen mit Taiwan würde man Peking sicher als Affront werten.

Ja natürlich würde man das als Affront werten. Na und? Das vergleichsweise winzigkleine Litauen hat in der Hauptstadt Vilnius eine offizielle Botschaft Taiwans eröffnet. Und China hat daraufhin eine totale Handelsblockade gegenüber Litauen gestartet. Keine Ausfuhr mehr und keine Einfuhr mehr. Und? Das wirtschaftlich viel viel stärkere Deutschkand sollte das nicht aushalten können? Bitte?
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Re: China, ein Land mit dem Willen zur Supermacht?!

Beitragvon Emin » Fr 14. Jan 2022, 20:47

schokoschendrezki hat geschrieben:(14 Jan 2022, 20:37)

Ja natürlich würde man das als Affront werten. Na und? Das vergleichsweise winzigkleine Litauen hat in der Hauptstadt Vilnius eine offizielle Botschaft Taiwans eröffnet. Und China hat daraufhin eine totale Handelsblockade gegenüber Litauen gestartet. Keine Ausfuhr mehr und keine Einfuhr mehr. Und? Das wirtschaftlich viel viel stärkere Deutschkand sollte das nicht aushalten können? Bitte?


Deutschlands BIP besteht zu 3% aus Exporten nach China. Bei Litauen sind es etwa 0,4%. China wird bald die USA als wichtigster Absatzmarkt für deutsche Produkte ablösen. Für Litauen ist China ein unbedeutender Absatzmarkt (Platz 25, etwa gleichauf mit Usbekistan).
Die Abhängigkeitsbeziehungen sind also sehr unterschiedlich.
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Re: China, ein Land mit dem Willen zur Supermacht?!

Beitragvon Meruem » Fr 14. Jan 2022, 20:55

Emin hat geschrieben:(14 Jan 2022, 20:47)

Deutschlands BIP besteht zu 3% aus Exporten nach China. Bei Litauen sind es etwa 0,4%. China wird bald die USA als wichtigster Absatzmarkt für deutsche Produkte ablösen. Für Litauen ist China ein unbedeutender Absatzmarkt (Platz 25, etwa gleichauf mit Usbekistan).
Die Abhängigkeitsbeziehungen sind also sehr unterschiedlich.


Und genau dass ist das Hauptproblem, Deutschland ist ökonomisch viel mehr abhängig von China als z.b. das kleine Litauen ( erst recht als Exportweltmeister in einer immer mehr sich auch vernetzenden Welt) auch wenn dass viele hier in ihrer Verblendung nicht wahr haben wollen. Einerseits macht die deutsche Automobilindustrie in China profitables Big Buisness gleichzeitig drückt das Land in dessen Grundgesetzt der 1. im Arktiel " Die Würde des Menschen sei unantastbar" spricht bei Menschenrechtsverletzungen ( Stichwort, Uiguren, Tibeter, chinesische Dissidenten usw.) wenn der Rubel rollt großzügig ein Auge zu???? Das passt halt hinten und vorne nicht zusammen. Einige mögen es "PRAGMATISMUS" nennen ich nennen es pseudo moralische Heuchelei.
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Re: China, ein Land mit dem Willen zur Supermacht?!

Beitragvon schokoschendrezki » Fr 14. Jan 2022, 21:04

Emin hat geschrieben:(14 Jan 2022, 20:47)

Deutschlands BIP besteht zu 3% aus Exporten nach China.

Also das erscheint mir doch irgendwie fragwürdig. Deutschland wird als Exportnation Nummer eins angesehen und China ist ohne jeden Zweifel in absoluten Zahlen der wichtigste Handelspartner Deutschlands. Export wie Import. Irgendwie mag man den BIP-Anteil der China-Exporte auf 3 Prozent herunterrechnen zu können. Aber das entspricht doch nicht den realen Verhältnissen!

Ändert alles nix daran, dass für mich die offizielle Anerkennung von Taiwan/Republik China und die Aufnahme offizieller diplomatischer Beziehungen der Lackmustest für die Frage Heuchelei oder Ernsthaftigkeit von Demokratiebekenntnissen Deutschlands ist.
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Re: China, ein Land mit dem Willen zur Supermacht?!

Beitragvon Emin » Fr 14. Jan 2022, 21:53

schokoschendrezki hat geschrieben:(14 Jan 2022, 21:04)

Also das erscheint mir doch irgendwie fragwürdig. Deutschland wird als Exportnation Nummer eins angesehen und China ist ohne jeden Zweifel in absoluten Zahlen der wichtigste Handelspartner Deutschlands. Export wie Import. Irgendwie mag man den BIP-Anteil der China-Exporte auf 3 Prozent herunterrechnen zu können. Aber das entspricht doch nicht den realen Verhältnissen!

Ändert alles nix daran, dass für mich die offizielle Anerkennung von Taiwan/Republik China und die Aufnahme offizieller diplomatischer Beziehungen der Lackmustest für die Frage Heuchelei oder Ernsthaftigkeit von Demokratiebekenntnissen Deutschlands ist.


Deutschland exportiert Waren im Wert von 100 Milliarden nach China, das deutsche BIP ist 3.800 Milliarden. Sind ein bisschen weniger als 3%, hatte es gerundet. Das ist nur der ganz direkte Anteil, indirekt wäre der Schaden am deutsche BIP nochmals deutlich größer.

Litauen und China hingegen sind einander jeweils sehr unwichtige Handelspartner.
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Re: China, ein Land mit dem Willen zur Supermacht?!

Beitragvon TheManFromDownUnder » Sa 15. Jan 2022, 06:05

Emin hat geschrieben:(14 Jan 2022, 21:53)

Deutschland exportiert Waren im Wert von 100 Milliarden nach China, das deutsche BIP ist 3.800 Milliarden. Sind ein bisschen weniger als 3%, hatte es gerundet. Das ist nur der ganz direkte Anteil, indirekt wäre der Schaden am deutsche BIP nochmals deutlich größer.

Litauen und China hingegen sind einander jeweils sehr unwichtige Handelspartner.


Das BIP ist nicht ausschlaggebeend. Es beinhaltet die gesamte wirtschaftliche Taetigkeit. Der Anteil am Aussenhandelsvolumen ist aussagefaehiger und die Aussenhandelbilanz mit der PRC Export vs Import
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Re: China, ein Land mit dem Willen zur Supermacht?!

Beitragvon Kohlhaas » Sa 15. Jan 2022, 12:34

schokoschendrezki hat geschrieben:(14 Jan 2022, 20:17)

Ja natürlich nicht nach Hiroshima. Sondern genau gesagt von 1895 bis 1945. Und ob Taiwan während dieser Zeit von Gnaden Japans existierte! Aber denk doch mal nicht, dass das einfach so vergessen ist! 2020 liegt die Demokratische Partei in Taiwan mal gerade noch so knapp über der Kuomintang. Mit starker Abwärtstendenz. Jetzt erkläre mir mal, wofür Kuomintang heute in Taiwan eigentlich steht. Ich weiß es nicht, ich verstehe es nicht. Für eine Gesamtnation China und für chinesischen Nationalismus. Und gleichzeitig für Antikommunismus und also auch für Anti-KPC.

Und Taiwan selbst ist sich nicht einmal darüber einig, was es mit politisch Verfolgten aus Hong Kong anfangen soll. Es gibt auf Taiwan keinerlei geregeltes Asylrecht für HongKong-Flüchtlinge. Ihr Augenthaltsstatus ist unsicherer als der von Migranten aus Kriegsgebieten in Deutschland. Auch wenn man natürlich offiziell Solidarität bekundet.

Soweit ich informiert bin, befindet sich Taiwan gerade in einem Umbruch. Die älteren Menschen betrachten sich selbst noch als Chinesen und wollen im Grundsatz eine Vereinigung mit China, wenn auch nicht unbedingt unter der Herrschaft der kommunistischen Partei. In der jüngeren Generation bildet sich aber zunehmend eine eigenständige taiwanesische Identität heraus. Kuomintang hat heute in Taiwan wohl gar keine Bedeutung mehr, glaube ich. Weiß ich aber nicht genau.
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Re: China, ein Land mit dem Willen zur Supermacht?!

Beitragvon Kohlhaas » Sa 15. Jan 2022, 12:42

schokoschendrezki hat geschrieben:(14 Jan 2022, 20:37)

Ja natürlich würde man das als Affront werten. Na und? Das vergleichsweise winzigkleine Litauen hat in der Hauptstadt Vilnius eine offizielle Botschaft Taiwans eröffnet. Und China hat daraufhin eine totale Handelsblockade gegenüber Litauen gestartet. Keine Ausfuhr mehr und keine Einfuhr mehr. Und? Das wirtschaftlich viel viel stärkere Deutschkand sollte das nicht aushalten können? Bitte?

Darauf reagiert die EU nun. Die Außenminister sind sich einig darüber geworden, dass die gesamte EU mit Gegenmaßnahmen reagieren soll, wenn ein einzelnes Mitgliedsland von Drittstaaten mit Sanktionen belegt werden sollte. Das ist eine hochinteressante Entwicklung. Wenn diese Übereinkunft durch ein Gesetz verankert wird, kann die EU-Kommission künftig von sich aus außenpolitische Maßnahmen beschließen, ohne die Zustimmung aller 27 Mitgliedsstaaten einholen zu müssen. Das könnte dann nur durch Mehrheitsbeschluss verhindert werden. Also kein Einstimmigkeitsprinzip mehr. Mal sehen, wie China darauf reagiert. Unter Merkel wäre so eine Übereinkunft in der EU nicht möglich gewesen.

https://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/ ... 74246.html
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Re: China, ein Land mit dem Willen zur Supermacht?!

Beitragvon Andreas62 » Sa 15. Jan 2022, 12:48

Sören74 hat geschrieben:(02 Jan 2022, 23:10)

Naja, der durchschnittliche chinesische Mensch ist weit ab von dem Niveau eines Gutverdieners einer Millionenmetropole in dem Land. Beim BIP pro Kopf liegt China gerade mal auf Platz 80 (kaufkraftbereinigt), zwischen Surinam und Turkmenistan und knapp unterhalb des globalen Durchschnitts. Der Durchschnitt kann nur sehr bedingt etwas über die Situation in China aussagen.

https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der ... t_pro_Kopf

Letztens kam ein Bericht im TV über Chinesische Bauern auf dem Land, deren Lebensstandart hat sich wohl die letzten 30 Jahre um mindestens 300% verbessert, sie ernähren die Metropolen und bekommen daher, anders als zum Beispiel der Bauer in Deutschland, eine angemessene Vergütung für ihre Erzeugnisse.
Auch wenn man es nicht vermutet, der chinesische Bauer generiert vom Sprung des Tiegers.
In diesem Zusammenhang dürfte interessant sein, wie die Vergütung für den deutschen Menschen sein wird, wenn China nach der Transformation die jämmerlichen Reste hierzulande dann gänzlich aufgekauft hat.
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Re: China, ein Land mit dem Willen zur Supermacht?!

Beitragvon Tom Bombadil » Sa 15. Jan 2022, 13:28

Wenn die chinesische Regierung von „Armut“ spricht, dann meint sie extreme ländliche Armut, nicht die städtische. Als arm gilt daher jeder Chinese, der im ländlichen Raum lebt und weniger als rund 2,30 Dollar pro Tag einnimmt.
https://www.welthungerhilfe.de/welterna ... der-armut/
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Re: China, ein Land mit dem Willen zur Supermacht?!

Beitragvon Kohlhaas » Sa 15. Jan 2022, 17:03

Tom Bombadil hat geschrieben:(15 Jan 2022, 13:28)

Wenn die chinesische Regierung von „Armut“ spricht, dann meint sie extreme ländliche Armut, nicht die städtische. Als arm gilt daher jeder Chinese, der im ländlichen Raum lebt und weniger als rund 2,30 Dollar pro Tag einnimmt.
https://www.welthungerhilfe.de/welterna ... der-armut/

Sehr richtig. Man könnte auch noch über die vielen Millionen Wanderarbeiter reden, die durch China nomadisieren müssen, um etwas zu futtern zu haben. Im "kommunistischen" China hat sich eine ganz krasse Kluft zwischen bettelarmen Menschen und der wohlhabenden bis stinkreichen Bevölkerung der großen Metropolen aufgetan.
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Re: China, ein Land mit dem Willen zur Supermacht?!

Beitragvon schokoschendrezki » Sa 15. Jan 2022, 18:07

Andreas62 hat geschrieben:(15 Jan 2022, 12:48)

Letztens kam ein Bericht im TV über Chinesische Bauern auf dem Land, deren Lebensstandart hat sich wohl die letzten 30 Jahre um mindestens 300% verbessert, sie ernähren die Metropolen und bekommen daher, anders als zum Beispiel der Bauer in Deutschland, eine angemessene Vergütung für ihre Erzeugnisse.
Auch wenn man es nicht vermutet, der chinesische Bauer generiert vom Sprung des Tiegers.
In diesem Zusammenhang dürfte interessant sein, wie die Vergütung für den deutschen Menschen sein wird, wenn China nach der Transformation die jämmerlichen Reste hierzulande dann gänzlich aufgekauft hat.

Ersteinmal gehört China auch zu den Ländern mit sehr großen Einkommens- und Wohlstandsunterschieden. China ist nicht Tschechien, Dänemark oder Slowenien.

Und dann können sich (vermutlich) viele Leute die Armut in China - vor allem auf dem Lande - vor Ende der 70er (Deng Xiaoping) kaum vorstellen.

Selbst die Ärmsten der Armen haben seither einen erheblichen Wohlstandsaufstieg erlebt. Es ist ein Mittelstand nach westlichen Maßstäben entstanden. Und es gibt sage und schreibe 626 Milliardäre in China. In dieser "Milliardärsliga" spielt mit weitem Abstand zu allen anderen Ländern nur noch die USA mit.
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