Großbritannien - post Brexit

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Haegar
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Re: Großbritannien - post Brexit

Beitragvon Haegar » Do 14. Okt 2021, 09:37

Gesprächsangebot der EU an GB hinsichtlich des Nordirlandprotokolls:

https://de.euronews.com/2021/10/13/eu-g ... avid-frost

"Keine Erwähnung fand die Rolle des Europäischen Gerichtshofs bei Anwendung des EU-Rechts in Nordirland. Der britische Brexit-Minister Lord David Frost will ein unabhängiges Streitbeilegungsverfahren, wie bei anderen Handelsabkommen: "Unser Vorschlag ähnelt eher einem Vertrag, mit einem neutralen Schiedsgericht anstelle eines Systems, das vom Gericht einer der Parteien, dem Europäischen Gerichtshof, überwacht wird."

Am besten kann man erkennen wie gut Boris Johnson beim Brexitvertrag nachgedacht hat an diesem Punkt:

"Der Brexit-Beauftragte der EU-Kommission Maros Sefcovic erklärte, die Lebensmittelkontrollen würden um 80 Prozent reduziert werden: "Ein Lkw, der Lebensmittel wie Milchprodukte, Fleisch, Fisch, Obst und Gemüse von Großbritannien aus zu Supermärkten in Nordirland transportiert, benötigt nur noch eine einzige Bescheinigung", so der Vizepräsident der Europäischen Kommission. "

:D
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Re: Großbritannien - post Brexit

Beitragvon Schnitter » Do 14. Okt 2021, 09:38

discipula hat geschrieben:(14 Oct 2021, 08:37)

und warum auch nicht? Der Germanist als Taxifahrer ist ja auch keine Ausnahme.

Essen müssen die Leute eben, das ist wichtig, dass Essen hergestellt wird. und ehrliche Arbeit ist nie eine Schande.


Hört sich irgendwie nach DDR an.

Der britische Ingenieur wird begeistert sein ;-)
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Re: Großbritannien - post Brexit

Beitragvon discipula » Do 14. Okt 2021, 09:39

sünnerklaas hat geschrieben:(14 Oct 2021, 09:31)

Würde mich nicht wundern, wenn man irgendwann zur Autarkie-Politik kommt. Vom Gefühl her scheinen die Briten inzwischen fast auf dem Weg zu sein, sich in Sachen Abschottung langsam in Richtung eines Nordkoreas zu entwickeln: In Nordkorea sucht die Staatsführung sich ja auch aus, mit wem sie überhaupt redet, geschweige denn, mit wem geschäftliche Kontakte gepflegt werden. Das ist Freiheit. Kontakte der Bevölkerung zu anderen Ländern gibt es praktisch nicht, die könnten abhauen oder - noch schlimmer: auf dumme Gedanken kommen. Sämtliche Brücken sind seit dem 2. Wk abgebrochen.


das klingt nun arg nach Überdramatisierung.... UK ist doch nicht Nordkorea. Come on.
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Re: Großbritannien - post Brexit

Beitragvon discipula » Do 14. Okt 2021, 09:41

Schnitter hat geschrieben:(14 Oct 2021, 09:38)

Hört sich irgendwie nach DDR an.

Der britische Ingenieur wird begeistert sein ;-)


Es gibt ja wohl genug Leute, die arbeiten können.

Und wenn nicht, könnt man mal überlegen, wie "work smarter, not harder" gehen könnte.

jajaja, die kapitalistische Wirtschaft hat's halt nicht gerne, wenn sie selbst mal von Knappheit betroffen ist und nicht aus einem endlosen Reservoir von Billigarbeitskräften zur Ausbeutung schöpfen kann. Aber da kann sie ja mal die viel gelobte Flexibilität, die sie ja angeblich hat, ins Spiel bringen. muss man sich eben mal etwas Mühe geben. Müssen alle andern auch.
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Re: Großbritannien - post Brexit

Beitragvon sünnerklaas » Do 14. Okt 2021, 09:50

discipula hat geschrieben:(14 Oct 2021, 09:39)

das klingt nun arg nach Überdramatisierung.... UK ist doch nicht Nordkorea. Come on.


Konsequent zuende gedacht, wird es aber dorthin führen. Irgendwann ist man dann so weit, dass vor lauter Engpässen von der Marktwirtschaft zur Plan- und Kommandowirtschaft übergegangen werden muss, um irgendwie noch das Funktionieren des Staatswesens aufrecht zu erhalten. Einer der ersten Märkte, auf denen man dann von Markt- zu Planwirtschaft wechseln muss, ist der Arbeitsmarkt. Wenn sich niemand findet, der die Jobs machen will, weil er anderswo eine Arbeitsstelle hat, mit der er seinen Lebensunterhalt bestreiten kann, muss man letztendlich Leute zu den Arbeiten staatlicherseits verdonnern. Das heisst: Betriebe in Branchen, von denen man überzeugt ist, sie seien "nicht notwendig" werden entweder auf staatliche Anordnung zurückgefahren oder ganz geschlossen. Die AN werden entlassen und müssen dann eben LKW fahren etc..
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Re: Großbritannien - post Brexit

Beitragvon Andreas62 » Do 14. Okt 2021, 09:56

Ich traue GB zu das in nicht allzulanger Zeit wieder alles rund läuft.
Ob bei uns in nicht allzulanger Zeit nichts mehr rund läuft, macht mir da etwas mehr Sorgen.
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Re: Großbritannien - post Brexit

Beitragvon Andreas62 » Do 14. Okt 2021, 09:58

Doppelpost.
Zuletzt geändert von Andreas62 am Do 14. Okt 2021, 10:23, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Großbritannien - post Brexit

Beitragvon sünnerklaas » Do 14. Okt 2021, 10:04

Haegar hat geschrieben:(14 Oct 2021, 09:37)

Gesprächsangebot der EU an GB hinsichtlich des Nordirlandprotokolls:

https://de.euronews.com/2021/10/13/eu-g ... avid-frost

"Keine Erwähnung fand die Rolle des Europäischen Gerichtshofs bei Anwendung des EU-Rechts in Nordirland. Der britische Brexit-Minister Lord David Frost will ein unabhängiges Streitbeilegungsverfahren, wie bei anderen Handelsabkommen: "Unser Vorschlag ähnelt eher einem Vertrag, mit einem neutralen Schiedsgericht anstelle eines Systems, das vom Gericht einer der Parteien, dem Europäischen Gerichtshof, überwacht wird."

Am besten kann man erkennen wie gut Boris Johnson beim Brexitvertrag nachgedacht hat an diesem Punkt:

"Der Brexit-Beauftragte der EU-Kommission Maros Sefcovic erklärte, die Lebensmittelkontrollen würden um 80 Prozent reduziert werden: "Ein Lkw, der Lebensmittel wie Milchprodukte, Fleisch, Fisch, Obst und Gemüse von Großbritannien aus zu Supermärkten in Nordirland transportiert, benötigt nur noch eine einzige Bescheinigung", so der Vizepräsident der Europäischen Kommission. "

:D


"Ein weiteres Angebot der EU-Kommission sieht vor, den Papieraufwand bei Zoll-Formalitäten um die Hälfte zu reduzieren. London müsse den EU-Behörden dazu aber Zugang zu IT-Systemen in Echtzeit gewähren, so die Forderung."

Könnte der nächste Knackpunkt sein. Würde mich nicht wundern, wenn man in London der EU sicherlich keinen Zugang zu den britischen IT-Systemen in Echtzeit zugestehen will.

Folgt man den jüngsten Ausführungen Cummings, war der Brexit-Vertrag seitens der britischen Regierung ja nicht ernst gemeint,
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Re: Großbritannien - post Brexit

Beitragvon sünnerklaas » Do 14. Okt 2021, 10:11

Schnitter hat geschrieben:(14 Oct 2021, 09:38)

Hört sich irgendwie nach DDR an.

Der britische Ingenieur wird begeistert sein ;-)


Vieles von den Sicht- und Haltungsweisen erinnert an die Tätärätäää. Kann das sein, dass die Neu-Patrioten in Wirklichkeit eine Art von Neokommunisten sind? :D
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Re: Großbritannien - post Brexit

Beitragvon discipula » Do 14. Okt 2021, 10:12

sünnerklaas hat geschrieben:(14 Oct 2021, 09:50)

Konsequent zuende gedacht, wird es aber dorthin führen. Irgendwann ist man dann so weit, dass vor lauter Engpässen von der Marktwirtschaft zur Plan- und Kommandowirtschaft übergegangen werden muss, um irgendwie noch das Funktionieren des Staatswesens aufrecht zu erhalten.


nein nein, die Briten sind nicht aus der EU ausgetreten, um selbst eine EU-style Kontrollfreakorganisation, einfach noch schlimmer, aufzubauen.

ich halte sie für pragmatisch und fähig, Einzelfalllösungen für konkrete Probleme zu erarbeiten. oder meinetwegen auch: erwursteln. ohne dabei eherne Regeln für den Rest der Zeit bis zum Ende des Universums festzusetzen.


Einer der ersten Märkte, auf denen man dann von Markt- zu Planwirtschaft wechseln muss, ist der Arbeitsmarkt. Wenn sich niemand findet, der die Jobs machen will, weil er anderswo eine Arbeitsstelle hat, mit der er seinen Lebensunterhalt bestreiten kann, muss man letztendlich Leute zu den Arbeiten staatlicherseits verdonnern.


Angebot und Nachfrage funktionieren... aber halt womöglich nicht zu Hungerlöhnen. Wer wesentliche Stellen besetzt haben will, muss die eben attraktiv genug machen. Das war ja zu Zeiten der Vollbeschäftigung auch so. Zwang braucht es da noch lange nicht.

oder dann gibt's halt kein Fleisch im Supermarkt für eine Weile, aber man kann ja auch mal vegetarisch essen.

Das heisst: Betriebe in Branchen, von denen man überzeugt ist, sie seien "nicht notwendig" werden entweder auf staatliche Anordnung zurückgefahren oder ganz geschlossen. Die AN werden entlassen und müssen dann eben LKW fahren etc..


Dsa wird so schnell nicht nötig sein.

Speziell nicht, da es global mehr als genug LKW-Fahrer hat, oder Leute, die schlachten könnten, die man gezielt ins Land holen kann, wenn man will.
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Re: Großbritannien - post Brexit

Beitragvon H2O » Do 14. Okt 2021, 10:13

David McAllister meinte im DLF, daß die Briten doch hoffentlich wie Gentlemen ihre Verträge hielten. Ich sehe vorsichtshalber noch einmal im WEBSTER nach, was dort unter "gentleman" fest gelegt ist. ;) Die Erfahrungen der Amerikaner mit den Briten sind in den WEBSTER sicher eingeflossen.
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Re: Großbritannien - post Brexit

Beitragvon Misterfritz » Do 14. Okt 2021, 10:18

discipula hat geschrieben:(14 Oct 2021, 10:12)

Speziell nicht, da es global mehr als genug LKW-Fahrer hat, oder Leute, die schlachten könnten, die man gezielt ins Land holen kann, wenn man will.
Ich weiss zwar nicht, ob es global genügend gut ausgebildete LKW-Fahrer gibt.
Aber der erste Versuch, wenigstens 5.000 LKW-Fahrer ins Land zu locken, hat nicht gefruchtet.
Das Salz in der Suppe des Lebens ist nicht Selbstdisziplin, sondern kontrollierte Unvernunft ;)
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Re: Großbritannien - post Brexit

Beitragvon discipula » Do 14. Okt 2021, 10:21

Misterfritz hat geschrieben:(14 Oct 2021, 10:18)

Ich weiss zwar nicht, ob es global genügend gut ausgebildete LKW-Fahrer gibt.
Aber der erste Versuch, wenigstens 5.000 LKW-Fahrer ins Land zu locken, hat nicht gefruchtet.


Dann versucht man es eben ein zweites Mal und macht das Angebot attraktiver. :rolleyes: und überlegt sich, warum das erste Mal nicht funktionierte.

man könnte meinen, hier hätte noch nie jemand irgend ein praktisches Problem lösen müssen...? :?:
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Re: Großbritannien - post Brexit

Beitragvon sünnerklaas » Do 14. Okt 2021, 10:36

discipula hat geschrieben:(14 Oct 2021, 10:12)

nein nein, die Briten sind nicht aus der EU ausgetreten, um selbst eine EU-style Kontrollfreakorganisation, einfach noch schlimmer, aufzubauen.


Das Problem liegt nicht auf EU-Seite, sondern auf britischer und betrifft ja nicht nur Waren aus der EU, sondern aus der ganzen Welt: die Häfen sind inzwischen so verstopft, dass dort keine Ladung mehr gelöscht werden kann, weil danach sehr penible Kontrollen durch die britischen Behörden anstehen. Die großen Reedereien müssen andere Häfen - in der EU - anfahren, um ihre für GB bestimmten Container loszuwerden. (Quelle)

ich halte sie für pragmatisch und fähig, Einzelfalllösungen für konkrete Probleme zu erarbeiten. oder meinetwegen auch: erwursteln. ohne dabei eherne Regeln für den Rest der Zeit bis zum Ende des Universums festzusetzen.


Bedeutet eine Politik des Fahrens auf Sicht im dichten Nebel. Prinzip des Try and Error. Bis man da praktikable Lösungen hat, dauert es Ewigkeiten.


Angebot und Nachfrage funktionieren... aber halt womöglich nicht zu Hungerlöhnen. Wer wesentliche Stellen besetzt haben will, muss die eben attraktiv genug machen. Das war ja zu Zeiten der Vollbeschäftigung auch so. Zwang braucht es da noch lange nicht.


Das Problem sind nicht allein die Löhne, das Problem sind auch die Arbeitsbedingungen, die Tatsache, dass der Fahrer am Ende immer der Sündenbock ist, das Problem ist, dass diese Berufe ein schlechtes bis sehr schlechtes Image haben. Das Problem ist, dass sich bei einem großen an sehr viel attraktiveren Berufs- und Jobangeboten dann die meisten gegen den Beruf des LKW-Fahrers, Zerlegers etc. entscheiden.
Da fällt mir in dem Zusammenhang hier in D das Friseurhandwerk ein. Dort findet man keine Auszubildenden mehr, Gesellen wandern in andere Berufe ab, sehr viele Salons stehen vor dem Ende, die Inhaber finden keine Nachfolger mehr. Der Grund: höhere Löhne sind dort nicht drin, es gibt genügend andere Angebote in anderen Branchen, die weitaus attraktiver sind. Die Folge: dieses Handwerk stirbt einen schleichenden Tod.



oder dann gibt's halt kein Fleisch im Supermarkt für eine Weile, aber man kann ja auch mal vegetarisch essen.



Dsa wird so schnell nicht nötig sein.

Speziell nicht, da es global mehr als genug LKW-Fahrer hat, oder Leute, die schlachten könnten, die man gezielt ins Land holen kann, wenn man will.


Früher oder später wird dann eine Regierung gewählt, die entweder alles revidiert oder wesentliche Teile des Brexits aufgibt.
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Re: Großbritannien - post Brexit

Beitragvon Haegar » Do 14. Okt 2021, 10:50

H2O hat geschrieben:(14 Oct 2021, 10:13)

David McAllister meinte im DLF, daß die Briten doch hoffentlich wie Gentlemen ihre Verträge hielten. Ich sehe vorsichtshalber noch einmal im WEBSTER nach, was dort unter "gentleman" fest gelegt ist. ;) Die Erfahrungen der Amerikaner mit den Briten sind in den WEBSTER sicher eingeflossen.


Mitglieder des Bullingdon Club sind sehr "besondere" Gentlemen. Also mit Boris kann David wohl nicht rechnen. Dieser Satz im Interview hat mich auch zum schmunzeln gebracht.
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Re: Großbritannien - post Brexit

Beitragvon discipula » Do 14. Okt 2021, 11:39

sünnerklaas hat geschrieben:(14 Oct 2021, 10:36)

Das Problem liegt nicht auf EU-Seite, sondern auf britischer und betrifft ja nicht nur Waren aus der EU, sondern aus der ganzen Welt: die Häfen sind inzwischen so verstopft, dass dort keine Ladung mehr gelöscht werden kann, weil danach sehr penible Kontrollen durch die britischen Behörden anstehen. Die großen Reedereien müssen andere Häfen - in der EU - anfahren, um ihre für GB bestimmten Container loszuwerden. (Quelle)


Dann müssen die Briten halt nachbessern. Was sie bestimmt auch tun werden.

Das Verfahren "erst mal volle Strenge, dann lockern, wo es sich zeigt, dass gelockert werden muss" ist nicht das Schlechteste.

Bedeutet eine Politik des Fahrens auf Sicht im dichten Nebel. Prinzip des Try and Error. Bis man da praktikable Lösungen hat, dauert es Ewigkeiten.


nein, eigentlich nicht. Man kriegt die schmerzhaften Einzelfälle schmerzhaft und eindeutig zu fühlen, und regelt diese. und zwar einzeln.

Wenn dann alle Bauern, oder alle Spediteure, oder alle Schlachter die Telefone in den Ministerien heiss laufen lassen, merkt man das dann ja schon, wo es hakt.

Das Problem sind nicht allein die Löhne, das Problem sind auch die Arbeitsbedingungen, die Tatsache, dass der Fahrer am Ende immer der Sündenbock ist, das Problem ist, dass diese Berufe ein schlechtes bis sehr schlechtes Image haben. Das Problem ist, dass sich bei einem großen an sehr viel attraktiveren Berufs- und Jobangeboten dann die meisten gegen den Beruf des LKW-Fahrers, Zerlegers etc. entscheiden.


dann ist ja bekannt, woran in nächster Zeit gearbeitet werden muss.

Eben: die Tage, wo ein riesiger Pool an ausbeutungsbereiten Billigarbeitskräften zur Verfügung steht, sind erst mal vorbei. was ja gar nicht so übel ist.


Da fällt mir in dem Zusammenhang hier in D das Friseurhandwerk ein. Dort findet man keine Auszubildenden mehr, Gesellen wandern in andere Berufe ab, sehr viele Salons stehen vor dem Ende, die Inhaber finden keine Nachfolger mehr. Der Grund: höhere Löhne sind dort nicht drin, es gibt genügend andere Angebote in anderen Branchen, die weitaus attraktiver sind. Die Folge: dieses Handwerk stirbt einen schleichenden Tod.


Dann müssen sie sich halt was einfallen lassen. Wie wär's zum Beispiel mit Qualität?

bis ich endlich mal einen Friseur fand, der meinen Kopf versteht, und mir nicht irgendwelche doofen Produkte aufschwatzen will, oder den neusten Modehype... suchte ich jahrelang. aber jetzt, wo ich ihn gefunden habe, zahle ich auch gern einen angemessenen Preis, und keinen Hungerlohn. Für ihn scheint es zu funktionieren, Termine gibt's nur mit wochenlangen Wartefristen.

Haare schneiden wollen ja die allermeisten. und gut aussehen auch.


Früher oder später wird dann eine Regierung gewählt, die entweder alles revidiert oder wesentliche Teile des Brexits aufgibt.


Es wird auch unter Johnson nachgebessert werden.

und nein, ich wäre sehr erstaunt, wenn die Briten je zurück wollen.

Dass es eine schwierige Übergangsphase gibt, war ja zu erwarten.
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Re: Großbritannien - post Brexit

Beitragvon Kohlhaas » Do 14. Okt 2021, 13:32

discipula hat geschrieben:(13 Oct 2021, 22:27)

Die kleine Schweiz mit ihren popeligen 8 Millionen Einwohnern kriegt es jedenfalls auch hin, Abkommen zu schliessen. und je kleiner man ist, desto gezielter kann man steuern.

Das können die Briten auch.

Die Schweiz hat Zugang zum Binnenmarkt und profitiert entsprechend von dem Gewicht, das die EU beim Abschluss von Handelsverträgen mit Drittstaaten in die Wagschale werfen kann. Für GB gilt das nicht mehr.

sehr eigenartige Argumente :?: Innenpolitik erfordert die EU? hallo?

Ich schrieb, dass viele innenpolitische Probleme nur im EU-Kontext zu lösen sind. Nimm als Beispiel deutsche Wirtschaftspolitik im Zusammenhang mit China. Nimm als anderes Beispiel die nun beschlossene Mindestbesteuerung von Konzernen, die Deutschland mit "souveräner Steuerpolitik" im Alleingang nie hätte erreichen können. Sicherheits- und Verteidigungspolitik kann Deutschland zwar auch im Alleingang betreiben, wird aber nur zusammen mit den europäischen Partner sinnvoll sein. Sozialstandards können wir zwar auch allein für uns setzen, ohne EU werden die aber wirkungslos bleiben oder sogar schaden. Umweltpolitik ist auch so ein Punkt. Praktisch alle Politikbereiche sind inzwischen mit der EU eng verknüpft.
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Re: Großbritannien - post Brexit

Beitragvon Eiskalt » Do 14. Okt 2021, 13:44

sünnerklaas hat geschrieben:(14 Oct 2021, 08:45)

Die Hoffnung, Stellen durch das Downgroading von Überqualifizierten besetzen zu können funktioniert nur, wenn die Arbeitslosigkeit hoch ist.


Ansonsten steigen die Preise, da die Kosten auch höher werden :)
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Re: Großbritannien - post Brexit

Beitragvon discipula » Do 14. Okt 2021, 13:50

Kohlhaas hat geschrieben:(14 Oct 2021, 13:32)

Die Schweiz hat Zugang zum Binnenmarkt und profitiert entsprechend von dem Gewicht, das die EU beim Abschluss von Handelsverträgen mit Drittstaaten in die Wagschale werfen kann.


Warum sollte es die Chinesen oder Indonesier interessieren, ob die Schweiz Zugang zu EU- Freizügigkeiten hat?



Ich schrieb, dass viele innenpolitische Probleme nur im EU-Kontext zu lösen sind. Nimm als Beispiel deutsche Wirtschaftspolitik im Zusammenhang mit China.



aber auch nur, weil D ein Mitglied der EU ist.


Nimm als anderes Beispiel die nun beschlossene Mindestbesteuerung von Konzernen, die Deutschland mit "souveräner Steuerpolitik" im Alleingang nie hätte erreichen können.


klar hätte Deutschland das beschließen können. für Deutschland halt.


Sicherheits- und Verteidigungspolitik kann Deutschland zwar auch im Alleingang betreiben, wird aber nur zusammen mit den europäischen Partner sinnvoll sein.

.Zusammenarbeit geht auch ohne EU, einfach dort, wo es nötig und sinnvoll ist.

Sozialstandards können wir zwar auch allein für uns setzen, ohne EU werden die aber wirkungslos bleiben oder sogar schaden.


Auch Länder ausserhalb der EU haben Sozialstandards, das geht problemlos.


Umweltpolitik ist auch so ein Punkt.


geht national, regional, kommunal ohne Probleme.
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Re: Großbritannien - post Brexit

Beitragvon Eiskalt » Do 14. Okt 2021, 13:53

discipula hat geschrieben:(14 Oct 2021, 10:12)


Angebot und Nachfrage funktionieren... aber halt womöglich nicht zu Hungerlöhnen. Wer wesentliche Stellen besetzt haben will, muss die eben attraktiv genug machen. Das war ja zu Zeiten der Vollbeschäftigung auch so. Zwang braucht es da noch lange nicht.



Stimmt, die Systeme der kommunistischen Länder waren ja auch entsprechend erfolgreich :)
Memento mori
-Römisches Sprichwort

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