Parlamentswahl in Polen

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Re: Parlamentswahl in Polen

Beitragvon Orbiter1 » Mi 1. Jul 2020, 14:01

schokoschendrezki hat geschrieben:(01 Jul 2020, 12:45)

Es gibt und gab innerhalb der EU schon alle möglichen informellen Bündnisse. Von der Alpen-EU bis zu den sparsamen Vier. Das Hauptmotiv pro Weimarer Dreieck sind gar nicht so sehr historische Gemeinsamkeiten sondern die geographische zusammenhängende Zentrallage auf dem europäischen Kontintent. Das hat schon seine Bewandnis und steht weder mit dem deutsch-französischen Bündnis noch mit der Visegrád-Gruppe in grundsätzlichem Widerspruch. Sondern hat u.a. mit der herausragenden Rolle von Logistik und Verkehrsinfrastruktur in diesem austauschintensiven Gesamtwirtschaftsraum zu tun. Freier Güter- und Personenverkehr sind nach wie vor das für jeden nachvollziehbare positive EU-Motiv.
Weimarer Dreieck verbinden sie mit Logistik und Verkehrsinfrastruktur. Na meinetwegen. Da ist ja von den ursprünglichen Ansätzen offenbar nicht viel übrig geblieben.
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Re: Parlamentswahl in Polen

Beitragvon schokoschendrezki » Mi 1. Jul 2020, 14:48

Orbiter1 hat geschrieben:(01 Jul 2020, 14:01)

Weimarer Dreieck verbinden sie mit Logistik und Verkehrsinfrastruktur. Na meinetwegen. Da ist ja von den ursprünglichen Ansätzen offenbar nicht viel übrig geblieben.

Unabhängig davon, wie der Name entstand: In der Konsequenz liefe es darauf hinaus. Frankreich, Deutschland und Polen bilden ganz einfach bereits zu dritt einen sehr großen Teil des kontintentalen Mitteleuropas. Ich will keineswegs die Rolle kleinerer Staaten wie Dänemark oder Tschechien in Mitteleuropa oder die Rolle periphererer Regionen wie Baltikum oder Ägäis herunterspielen. Neben Wirtschaft und Verkehrsinfrastuktur spielen zunehmend auch ökologische Fragen eine Rolle: Und hier ist die Geographie bzw. der geographische Aspekt von Klima- und Artenschutz sehr bedeutsam.
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Re: Parlamentswahl in Polen

Beitragvon schokoschendrezki » Mi 1. Jul 2020, 15:07

H2O hat geschrieben:(01 Jul 2020, 09:26)

Nein, Stettin kenne ich im wesentlichen durch Rechtsgeschäfte... Grundstückskauf, amtliche Aufenthaltsgenehmigung, Krankenversicherung für Rentner. Aber wie dem auch sei, wenn das Pariser Viertel ein historisches sein sollte, dann erinnere ich daran, daß der Regierungssitz der Herzöge von Pommern nicht unbedingt ein polnischer war, und seit Anno Tick-Tack auch Bestandteil des Königreichs Preußen.


Da haben Sie natürlich vollkommen recht. Stettin ist ein ungeeignetes Beispiel. "Chopin" ist andererseits dennoch das Beispiel schlechthin für polnisch-französische Kulturtraditionen.

Einer meiner Schlüsseleindrücke in Polen war der Besuch eines der klassischen Kaufhäuser (Breslau, das allerdings auch noch nicht lange polnisch ist, aber auch Posen und Warschau): Im Erdgeschoss ein Restaurant, an einem weißen Schleiflackflügel spietl ein sehr guter Pianist Chopin. Leise und zurückhaltend. In Deutschland findet in den immergleichen Fußgängerzonencentern derweil eine Autogrammstunde mit Dieter Bohlen statt oder eine Rentnergruppe führt "Schreittänze" aus oder es gibt "Kinderkaraoke". In solchen polnischen Metropolen bekommt man noch mal diesen Eindruck von (freilich etwas altmodischer) Eleganz und Vornehmheit des letzten Jahrhunderts. Voreilig und subjektiv, dies als "französisch" euinzuordnen.

Das hat natürlich sehr viel mit der in Deutschland viel stärkeren Tradition von Sozialdemokratismus zu tun. (In Polen gabs Staatssozialismus und gabs und gibts Konservativismus und katholische Kirche). In anderen Threads habe ich sehr positiv von den Ideen des städtischen sozialen Wohnungsbaus gesprochen. Wer A sagt muss auch B sagen. Das alte Wertheim (und heutige Renoma) in Breslau spiegelt nicht nur Vornehmheit und Eleganz sondern auch soziale Polarisierung. Den Chopin hörenden Bildungsbürgern stehen die berüchtigten polnischen Fußball-Hooligans gegenüber.

Aber von alldem abgesehen: Machen Sie nach den nächsten nervenden Verwaltungsgängen in Stettin einen Spaziergang durchs Pariser Viertel rund um den Grunwaldzki.Platz, Sie werden es nicht bereuen.
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Re: Parlamentswahl in Polen

Beitragvon H2O » Mi 1. Jul 2020, 15:22

Machen Sie nach den nächsten nervenden Verwaltungsgängen in Stettin einen Spaziergang durchs Pariser Viertel rund um den Grunwaldzki.Platz, Sie werden es nicht bereuen.


Will ich beim nächsten Besuch der Stadt gern ansteuern. Ich bin noch zu sehr mit meinem Alterssitz beschäftigt; noch nicht einmal an der Ostsee waren wir zum Strandlaufen... aber das wird schon noch!
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Re: Parlamentswahl in Polen

Beitragvon Orbiter1 » Mi 1. Jul 2020, 15:53

schokoschendrezki hat geschrieben:(01 Jul 2020, 14:48)

Unabhängig davon, wie der Name entstand: In der Konsequenz liefe es darauf hinaus. Frankreich, Deutschland und Polen bilden ganz einfach bereits zu dritt einen sehr großen Teil des kontintentalen Mitteleuropas. Ich will keineswegs die Rolle kleinerer Staaten wie Dänemark oder Tschechien in Mitteleuropa oder die Rolle periphererer Regionen wie Baltikum oder Ägäis herunterspielen. Neben Wirtschaft und Verkehrsinfrastuktur spielen zunehmend auch ökologische Fragen eine Rolle: Und hier ist die Geographie bzw. der geographische Aspekt von Klima- und Artenschutz sehr bedeutsam.
Keine Ahnung was ein Weimarer Dreieck (in ihrem Verständnis) da noch an Verbesserungen bringen soll. Handlungsbedarf in Sachen Infrastruktur gibt es aber zweifellos in Osteuropa. Dafür gibt es ja die Drei-Meere-Initiative. Tolle Pläne hat man schon. Man sucht jetzt nur noch nach Idioten die es bezahlen. Vielleicht kann das China übernehmen und mit seinem Projekt einer neuen Seidenstraße verbinden. Ist inzwischen aber alles Off Topic. Klinke mich daher aus diesem Diskussionsstrang aus.
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Re: Parlamentswahl in Polen

Beitragvon schokoschendrezki » Mi 1. Jul 2020, 16:17

Orbiter1 hat geschrieben:(01 Jul 2020, 15:53)

Keine Ahnung was ein Weimarer Dreieck (in ihrem Verständnis) da noch an Verbesserungen bringen soll. Handlungsbedarf in Sachen Infrastruktur gibt es aber zweifellos in Osteuropa. Dafür gibt es ja die Drei-Meere-Initiative. Tolle Pläne hat man schon. Man sucht jetzt nur noch nach Idioten die es bezahlen. Vielleicht kann das China übernehmen und mit seinem Projekt einer neuen Seidenstraße verbinden. Ist inzwischen aber alles Off Topic. Klinke mich daher aus diesem Diskussionsstrang aus.

Bei der drei-Meeres-Initiative gehts einfach um eine Vernetzung von Lobby-Interessen in der Energiepolitik. Und wohl eher um einen Ausgleich derer, die am Ende von den sagenhaften Gewinnen profitieren werden.

Was heißt bezahlen? Ein Mensch mit einer klaren "Europa-von-unten"-Perspektive lebt ganz einfach in Mitteleuropa und wünscht, dass dies ein prosperierender Wirtschafts- und Kultur- und Verständigungsraum sei. Mit Studentenaustausch,, Wirtschaftskooperation etc. Ohne Hass und kulturelle oder ethnische Vorbehalte. Berlin läge ziemlich genau in der Mitte, im Zentrum einer großen Frankreich-Deutschland-Polen-Kern-EU. Nennen Sie mich einen Träumer und Utopisten.
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Re: Parlamentswahl in Polen

Beitragvon Orbiter1 » Mi 1. Jul 2020, 17:04

schokoschendrezki hat geschrieben:(01 Jul 2020, 16:17)

Bei der drei-Meeres-Initiative gehts einfach um eine Vernetzung von Lobby-Interessen in der Energiepolitik. Und wohl eher um einen Ausgleich derer, die am Ende von den sagenhaften Gewinnen profitieren werden.
Die US-Fracking-Gas-Produzenten geben was von ihrem Gewinn ab? Glaube nicht dass es bei der Drei-Meere-Initiative nur um Energie geht. Ein Studienkollege meines Sohnes aus Kaunas (Litauen) hat jedenfalls behauptet er könne dank der Drei-Meere-Initiative schon bald von Zuhause aus auf der Autobahn bis zur griechischen Ägäis fahren. Aber vielleicht hat er da was verwechselt.
Ein Mensch mit einer klaren "Europa-von-unten"-Perspektive lebt ganz einfach in Mitteleuropa und wünscht, dass dies ein prosperierender Wirtschafts- und Kultur- und Verständigungsraum sei. Mit Studentenaustausch,, Wirtschaftskooperation etc. Ohne Hass und kulturelle oder ethnische Vorbehalte.
Wenn es ohne Hass und kulturelle oder ethnische Vorbehalte sein soll müssen halt eine Reihe von Staaten die EU verlassen.
Berlin läge ziemlich genau in der Mitte, im Zentrum einer großen Frankreich-Deutschland-Polen-Kern-EU. Nennen Sie mich einen Träumer und Utopisten.
Polen ist Osteuropa und so ziemlich das Gegenteil von Kern-EU. Das müsste sogar ein Träumer erkennen.
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Re: Parlamentswahl in Polen

Beitragvon schokoschendrezki » Mi 1. Jul 2020, 18:37

Orbiter1 hat geschrieben:(01 Jul 2020, 17:04)
Wenn es ohne Hass und kulturelle oder ethnische Vorbehalte sein soll müssen halt eine Reihe von Staaten die EU verlassen. Polen ist Osteuropa und so ziemlich das Gegenteil von Kern-EU. Das müsste sogar ein Träumer erkennen.

Alle jüngeren Statistiken sagen mir - nicht als Träumer sondern als Mathematiker - dass die EU--Zustimmung in der Bevölkerung in Polen ganz oben und weit höher als etwa in Frankreich ist. Die reflexhafte Antwort auf solche Einwände lautet üblicherweise: Ja, weil die Gewöhnung an die bequemen "EU-Zahlungen", von der ja angeblich die gesamte Volkswirtschaft und der gesamte Staatshaushalt lebt, eben schon so groß geworden ist. In Wirklichkeit liegen die Transfer-Verhältnisse genau andersherum. Und in Wirklichkeit wird es sich in der Mehrzahl der Fälle von Osteuropa-Ablehnern um traditionelle rassistische Vorurteile der Sorte "ostischer Grinser" versus "nordischer Kapitän" handeln.
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Re: Parlamentswahl in Polen

Beitragvon schokoschendrezki » Mi 1. Jul 2020, 19:02

2016 gab es in Warschau eine Pro-Eu und Kontra-Pis Demonstration von sage und schreibe 240000 Leuten, knapp eine Viertelmillion. Ein Ozean aus blauen EU-Flaggen. Das dürfte eine der größten Pro-EU-Demonstrationen der gesamten Nachkriegszeit gewesen sein. Wer diese - ganz offensichtlich aus politischer Überzeugung und nicht aus purem Eigennutz organisierte Veranstaltung als einfache "Zahlungsmentalität" und nicht als echtes politisches Engagement wahrnimmt oder besser gesagt: hinstellt, hat keine Ahnung wie Menschen eigentlich ticken. Und schiebt ein gewaltiges pro-Europäisches Potenzial einfach beiseite.
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Re: Parlamentswahl in Polen

Beitragvon Orbiter1 » Mi 1. Jul 2020, 21:02

schokoschendrezki hat geschrieben:(01 Jul 2020, 18:37)

Alle jüngeren Statistiken sagen mir - nicht als Träumer sondern als Mathematiker - dass die EU--Zustimmung in der Bevölkerung in Polen ganz oben und weit höher als etwa in Frankreich ist. Die reflexhafte Antwort auf solche Einwände lautet üblicherweise: Ja, weil die Gewöhnung an die bequemen "EU-Zahlungen", von der ja angeblich die gesamte Volkswirtschaft und der gesamte Staatshaushalt lebt, eben schon so groß geworden ist. In Wirklichkeit liegen die Transfer-Verhältnisse genau andersherum. Und in Wirklichkeit wird es sich in der Mehrzahl der Fälle von Osteuropa-Ablehnern um traditionelle rassistische Vorurteile der Sorte "ostischer Grinser" versus "nordischer Kapitän" handeln.
Ein Mitglied der Kern-EU hätte niemals ein Verfahren wegen Verletzung der EU-Grundwerte an der Backe und es würde andere Mitglieder in Not, wie Italien oder Griechenland während der Flüchtlingskrise, niemals die Solidarität in einem Ausmaß verweigern wie Polen es getan hat. Polen ist das Gegenteil von Kern-EU!
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Re: Parlamentswahl in Polen

Beitragvon Orbiter1 » Mi 1. Jul 2020, 21:09

schokoschendrezki hat geschrieben:(01 Jul 2020, 19:02)

2016 gab es in Warschau eine Pro-Eu und Kontra-Pis Demonstration von sage und schreibe 240000 Leuten, knapp eine Viertelmillion. Ein Ozean aus blauen EU-Flaggen. Das dürfte eine der größten Pro-EU-Demonstrationen der gesamten Nachkriegszeit gewesen sein.
Und im November 2018 sind 250.000 Menschen beim jährlichen Marsch der Unabhängigkeit in Warschau marschiert. Kreuzbrave Bürger aber auch jede Menge Rechtsextreme. 23% der 18 - 29-jährigen polnischen Wähler haben letzten Sonntag für den rechtsextremen Präsidentschaftskandidaten Bosak gestimmt. Polen ist das Gegenteil von Kern-EU!
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Re: Parlamentswahl in Polen

Beitragvon H2O » Mi 1. Jul 2020, 22:09

@Orbiter1:

Sie mögen diese immer wiederkehrenden Zerrbilder Polens; sicher hat man dort eine Regierung, die nicht gerade fanatisch auf die Vereinigten Staaten von Europa hinarbeitet. Aber die Stimmung im Lande ist geteilt. Müssen Sie sich vorstellen wie in Frankreich, wo die Stichwahl zur Präsidentschaft unsere Traumpartnerin Marine Le Pen mit Emanual Macron zusammen brachte. Feuer und Wasser zugleich. Macron hatte gottlob die Nase vorn... und so können wir weiter vom europäischen Projekt träumen. In Polen ist die PiS mit der notwendigen Mehrheit gewählt worden... aus der Traum von Weimarer Dreiecken und einem Kerneuropa mit Polen. Wenn der Präsidentschaftsbewerber Trzaskowski schon anmerkt, daß er für ein Polen steht, daß nicht krampfhaft bemüht ist, immer neue Feinde Polens zu finden, dann kann man sich doch ganz gut vorstellen, daß vielen Polen einiges klar geworden ist! Ich mahne Geduld an!
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Re: Parlamentswahl in Polen

Beitragvon Atue001 » Mi 1. Jul 2020, 23:06

DogStar hat geschrieben:(01 Jul 2020, 07:57)

Leider ist das nicht ganz richtig. Selbstverständlich gibt es Volkswirtschaften, die sehr homogen blieben und dabei trotzdem erfolgreich sind. Japan beispielsweise. Auch muss man unterscheiden zwischen gesteuerter Einwanderung und dem, was wir aktuell bei uns erleben.
Mitnichten bekommen wir durch die gegenwärtige Migration ein Plus an Wohlstand und sozialer Sicherheit. Das exakte Gegenteil ist der Fall.


In Japan leben derzeit 2,3 Millionen Ausländer - Tendenz steigend.

Auch in Deutschland ist es einfach nur Bullshit es so darzustellen, als ob wir eine unkontrollierte Einwanderung hätten. Das ist nicht der Fall. Asyl und Einwanderung sind da auch zwei paar Schuhe - zumal Menschen, die nur zeitweise in der BRD leben, nicht wirklich ein Problem sind.

Wenn wir in Deutschland die ausländischen Arbeitskräfte abziehen lassen würden, hätten wir faktisch ein Problem. Gerade die Corona-Krise hat dies deutlich gemacht - die landwirtschaftlichen Betriebe sind massiv unter Bedrängnis gekommen, weil die Nicht-Deutschen Erntehelfer ausgefallen sind. Das Plus hat man deutlich beispielsweise in den Preisen für Erdbeeren und Spargel sehen können.

Unterm Strich verbreiten sie ein Bild von Einwanderung und Migration, welches an der Realität vorbeigeht, und nur populistische und nationalistische Klischees bedient. Mit Fakten - vor allem mit mittelfristigen Fakten - kann man das in keiner Weise unterlegen.

Bei Beachtung der Faktenlage wäre es ihnen nicht möglich, ihre populistischen Behauptungen aufrecht zu halten. Im Rest laufen sie den Fake-News der Populisten-Szene aus Pegida und AFD nach.
DogStar

Re: Parlamentswahl in Polen

Beitragvon DogStar » Mi 1. Jul 2020, 23:22

Es geht nicht um ausländische Arbeitskräfte, die wir sicherlich benötigen und die von unseren hohen Löhnen profitieren. Das ist eine win win - Situation ;) ...
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Re: Parlamentswahl in Polen

Beitragvon Orbiter1 » Do 2. Jul 2020, 10:41

Nach aktuellen Umfragen liegt Duda knapp vorne. Präsidentschaftswahlumfrage 30. Juni/1. Juli (Pollster im Auftrag der TVP-Nachrichten):

51,14% Andrzej Duda,
48,86% Rafał Trzaskowski

Allerdings kneift Duda vor einem TV-Duell bei einem "freien" Sender. Das war während der Umfrage teilweise noch nicht bekannt. Die Polen würden wohl gerne ein TV-Duell sehen.
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Re: Parlamentswahl in Polen

Beitragvon H2O » Do 2. Jul 2020, 10:47

Wir sollten beim Thema Präsidentschaftswahl in Polen bleiben. Hier sind wir immer wieder in nullkommanix beim Thema Zuwanderung und Asyl.

2019 lebten 860.000 bekennende Polen in Deutschland. Seit 2017 nimmt diese Zahl kaum zu. Seit 2015 regiert die PiS Partei. Die dürfte sich dieses Ergebnis "gestoppte Auswanderung" anrechnen lassen.

https://de.statista.com/statistik/daten ... utschland/
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Re: Parlamentswahl in Polen

Beitragvon Orbiter1 » Do 2. Jul 2020, 11:53

Bei den täglichen Covid-19 Neuinfektionen zieht Polen demnächst an Deutschland vorbei, obwohl Deutschland mehr als doppelt soviele Einwohner hat. Auswirkungen auf die Präsidentschaftswahlen hat das bisher aber offenbar noch nicht. Mal sehen, vielleicht ändert sich das noch bis zur Wahl und man macht PiS und Duda für die steigenden Zahlen verantwortlich.
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Re: Parlamentswahl in Polen

Beitragvon H2O » Fr 3. Jul 2020, 15:47

Orbiter1 hat geschrieben:(02 Jul 2020, 11:53)

Bei den täglichen Covid-19 Neuinfektionen zieht Polen demnächst an Deutschland vorbei, obwohl Deutschland mehr als doppelt soviele Einwohner hat. Auswirkungen auf die Präsidentschaftswahlen hat das bisher aber offenbar noch nicht. Mal sehen, vielleicht ändert sich das noch bis zur Wahl und man macht PiS und Duda für die steigenden Zahlen verantwortlich.


Die Entwicklung hat ein wenig mit dem Bruder Leichtfuß zu tun, der in Polen gern schon einmal geschwungen wird. So schnell, wie Polen sich einig sind, einem äußeren "Feind" zu trotzen, so schnell gehen sie auch wieder jeder seinen eigenen Weg.

Kaum gab es Entwarnung, weil die Pandemie eingedämmt worden war, schon rannten
etliche Leichtfüße wieder im Lidl und Netto ohne Abstand und Atem-Schutz und Desinfektion der Hände herum. Eben waren im Postamt noch Einzeleinlaß und Atemschutz/Handschuhe das Gebot, schon drängte man sich wieder um die besten Plätze.

Der amtierende Präsident Duda ist daran völlig unschuldig, und sein Gegenspieler Trzaskowski ebenso. Gut möglich, daß der Volkszorn den Amtsinhaber trifft. Besser wäre es wohl, wenn die Menschen verschärft darüber nachdächten, was sie selbst zu verantworten haben! Aber das ist beiderseits der Oder wohl zu viel verlangt!
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Re: Parlamentswahl in Polen

Beitragvon Orbiter1 » Sa 4. Jul 2020, 06:06

Oha! Das Wahlkampfteam von Duda bezichtigt Deutschland sich in die Präsidentschaftswahl einzumischen.

"President Andrzej Duda’s campaign team has condemned “foreign intervention” in Poland’s presidential election after a partly German-owned Polish newspaper published details about a convicted child sex abuser whom Duda recently pardoned.

“I have an appeal to the German ambassador,” said Adam Bielan, a spokesman for Duda’s campaign and also an MEP for Poland’s ruling Law and Justice (PiS) party. “We do not wish for this type of foreign intervention in the electoral process.” Quelle: https://notesfrompoland.com/2020/07/03/ ... don-story/

Die armen Polen, von Feinden umzingelt. Oder dient das auf dem Weg zur Autokratie nur dazu demnächst die Freiheit der Medien einzuschränken?
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Re: Parlamentswahl in Polen

Beitragvon unity in diversity » Sa 4. Jul 2020, 06:12

Orbiter1 hat geschrieben:(04 Jul 2020, 06:06)

Oha! Das Wahlkampfteam von Duda bezichtigt Deutschland sich in die Präsidentschaftswahl einzumischen.

"President Andrzej Duda’s campaign team has condemned “foreign intervention” in Poland’s presidential election after a partly German-owned Polish newspaper published details about a convicted child sex abuser whom Duda recently pardoned.

“I have an appeal to the German ambassador,” said Adam Bielan, a spokesman for Duda’s campaign and also an MEP for Poland’s ruling Law and Justice (PiS) party. “We do not wish for this type of foreign intervention in the electoral process.” Quelle: https://notesfrompoland.com/2020/07/03/ ... don-story/

Die armen Polen, von Feinden umzingelt. Oder dient das auf dem Weg zur Autokratie nur dazu demnächst die Freiheit der Medien einzuschränken?

Ab 5:45 Uhr wird Duda zurücklächeln.
Für jedes Problem gibt es 2 Lösungsansätze:
Den Falschen und den Unsrigen.
Aus den USA.

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