Parlamentswahl in Polen

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Re: Parlamentswahl in Polen

Beitragvon aleph » Mo 11. Jan 2021, 20:12

Die Migranten, die bei uns nicht so recht fuß fassen, könnten wir nach Polen abschieben. Längerfristig könnte man dann den bevölkerungsrückgang ausgleichen.
Auf dem Weg zum Abgrund kann eine Panne lebensrettend sein. Walter Jens
Besser schweigen und als Narr zu scheinen, als sprechen und jeden Zweifel zu beseitigen. Abraham Lincoln
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Bis 2100 wird Polens Einwohnerzahl <20 Mio betragen

Beitragvon H2O » Mo 11. Jan 2021, 20:28

Dazu müßte man aber mit den National-Klerikalen in Warschau Einvernehmen herstellen. Die schwärmen noch immer vom Sieg des polnisch-litauischen Heers über den Deutschen Ritterorden bei Grunwald 1291. Inzwischen gibt es vereinzelte Stimmen, die das gute Einvernehmen zwischen Polens Herzog Boleslaw I. mit den Deutschen Kaiser Otto III. loben. Na ja, vielleicht wird das bis 2100 ja doch noch etwas mit der Europäischen Föderation.
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Re: Bis 2100 wird Polens Einwohnerzahl <20 Mio betragen

Beitragvon Theophan » Di 12. Jan 2021, 17:58

H2O hat geschrieben:(11 Jan 2021, 20:28)

Die schwärmen noch immer vom Sieg des polnisch-litauischen Heers über den Deutschen Ritterorden bei Grunwald 1291..


Dieser Sieg wird von allen Polen gefeiert, allerdings fand die Schlacht bei Grunwald nicht 1291 sondern 1410 statt.
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Re: Parlamentswahl in Polen

Beitragvon Meruem » Di 12. Jan 2021, 18:07

Nicht nur Polen wird einen gewaltigen Bevölkeringsrückgang etlebren bis 2100 im Grunde diene ganzen mittel- ost- und südeuropäischen Staaten werden weniger und älter sein als noch heute die einzigen beiden Länder die enorm an Bevölkerung dazu gewinnen werden sind Großbritannien und Frankreich die dann auch mehr Einwohner als Deutschland haben werden in den Prognosen zumindest.
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Re: Parlamentswahl in Polen

Beitragvon H2O » Di 12. Jan 2021, 18:41

Meruem hat geschrieben:(12 Jan 2021, 18:07)

Nicht nur Polen wird einen gewaltigen Bevölkeringsrückgang etlebren bis 2100 im Grunde diene ganzen mittel- ost- und südeuropäischen Staaten werden weniger und älter sein als noch heute die einzigen beiden Länder die enorm an Bevölkerung dazu gewinnen werden sind Großbritannien und Frankreich die dann auch mehr Einwohner als Deutschland haben werden in den Prognosen zumindest.


Seit 2010 stagniert die französische Einwohnerzahl.
https://www.handelsblatt.com/politik/in ... 4WqOcM-ap1
Der Quelle zufolge bleibt die Einwohnerzahl Frankreichs wie derzeit Deutschlands durch Zuwanderung praktisch konstant... oder schleicht sehr langsam zu höherer Bevölkerungszahl. Für das UK habe ich nichts gefunden, außer daß der Anteil der Menschen über 65 recht hoch liegt... sicher haben diese Menschen den BREXIT gefördert.

Ich vermute, daß eine Zeit kommen wird, zu der die Staaten der EU sich um tüchtige Zuwanderer bemühen werden, wenn sie ihren Wohlstand bewahren wollen... auch Deutschland!
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Re: Bis 2100 wird Polens Einwohnerzahl <20 Mio betragen

Beitragvon H2O » Di 12. Jan 2021, 19:16

Theophan hat geschrieben:(12 Jan 2021, 17:58)

Dieser Sieg wird von allen Polen gefeiert, allerdings fand die Schlacht bei Grunwald nicht 1291 sondern 1410 statt.


Ja, bitte um Entschuldigung, damals war ich nicht in diese Händel verwickelt; da prägt sich das nicht so gut ein. :) Jedenfalls nicht so gut wie 333, bei Issos Keilerei.
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Die EU unterstützt die Entwicklung der Infrastruktur Polens

Beitragvon H2O » Mo 18. Jan 2021, 14:07

Seit 2007 nimmt Polen am Regionalförderprogramm der EU teil. Die Gazeta Wybborcza / Wojewodschaft Westpommern hat einen Rückblick und Ausblick veröffentlicht, welche Leistungen der EU diese Region erhalten hat, um sie wirtschaftlich besser zu erschließen.

Ein noch nicht abgeschlossenes Projekt enthält die Verbindung A6 zwischen Stettin und der "Dreistadt" (Danzig, Sopot, Gdingen) über Kolberg, Köslin, Stolp. Das Projekt sollte den Vorstellungen der national-klerikalen Regierung in Warschau zufolge zurückgestellt werden und dafür eine Nord-Süd-Strecke mit EU-Geldern finanziert werden. Die EU und die betroffenen Wojewodschaften Pommern und Westpommern haben die A6 durchgesetzt, die nun erst einmal Stettin mit dem Flughafen Goleniow verbindet. für diesen Abschnitt wurden 500 Mio € benötigt, die Hälfte davon stammt aus EU-Mitteln. Der Bauabschnitt der A6 bis Dreistadt ist im Bau. Teilstrecken sind fertig. Man kann diese Autobahn mit der A2 von Stettin über Rostock, Schwerin, Lübeck, Bremerhaven, Wilhelmshaven, Emden, Groningen vergleichen. Der Norden in Mitteleuropa wird so besser erschlossen, Stettin und Danzig besser an die Metropolregion Berlin angeschlossen.

Der Seehafen Stettin erhält eine 65 km lange Wasserstraße mit 12,5 m Tief und 100 m Breite, um Seeschiffen mit bis zu 11m Tiefgang (40.000 BRT) von der Odermündung (Swine in Swinemünde) durch das Stettiner Haff die Fahrt in den Stettiner Hafen zu ermöglichen. Dazu wird der alte Kaiserkanal aus dem 19. Jahrhundert ausgebaut, der bisher als Stettins Zugang zur Ostsee diente.
Der Bau kostet 300 Mio €; die EU trägt davon 250 Mio €.

Die regionalen Eisenbahnlinien wurden modernisiert (elektrifiziert), Bahnhöfe in einen zeitgemäßen Zustand gebracht. Die Kostenplanung geht von 250 Mio € aus, wovon die EU etwa 210 Mio € übernommen hat. Das Projekt enthielt auch einen modernen Zugsimulator zur Ausbildung der Zugführer in Stettin. Stettin verfügt damit über das modernste Regionalbahnnetz Polens.

In Swinemünde entsteht ein Tunnel unter der Swine als große Wasserstraße hindurch. Der Bau hat begonnen mit der Herstellung der Zufahrtsstraßen in Trogbauweise. Der Tunnel wird mit 13 m Durchmesser in etwa 30 m unter der Wasseroberfläche laufen (darüber verläuft die Wasserstaße nach Stettin mit 12,5 m Tiefe) und ungefähr 1.4 km lang sein. Mit Zufahrtsstraßen wird das Bauwerk 4,2 km umfassen. Mit diesem Tunnel wird ein arges Verkehrshindernis beseitigt, das Mecklenburg-Vorpommern von der Küste Westpommerns trennte. Mit Wartezeiten auf Fähren im Bereich von 1 bis 2 Stunden in den Hauptverkehrsstunden und in der Reisezeit. Praktisch wird die deutsche A2 in der Höhe von Usedom mit Swinemünde verbunden. Dazwischen liegen noch etwa 60 km Landstraße B110. Die Baukosten betragen 250 Mio €, von denen die EU etwa 210 Mio € übernimmt.

In Stettin und im näheren Umland wurde eine moderne elektrische Stadtbahn gebaut, die die Vororte an Stettin anbindet und die auch den Stadtverkehr in Stettin entlastet. Die Baukosten betragen etwa 120 Mio €, von denen die EU 100 Mio € übernimmt.

Der Stettiner Hafen und etliche moderne Sportboothäfen für Segelboote wurden ausgebaut. Auch hier waren 90 Mio € erforderlich, von denen die EU 75 Mio € übernahm.

Zu guter Letzt wurde ein modernes Netz von Radwegen für Urlauber angelegt. Das 1.100 km lange Wegenetz kostete 30 Mio €, wovon die EU 25 Mio übernahm.

Man erkennt, daß die EU in fast allen Gemeinschaftsprojekten mit 85% der entstandene Kosten beteiligt war... und vermutlich auch noch viele Jahre in diesem Ausmaß beteiligt sein wird. Das wesentliche Ziel vieler dieser Inverstitionen ist die bessere Erschließung Westpommerns für den Reiseverkehr. Es ist ja nicht zu übersehen, daß dort eine Landflucht und Abwanderung das Land entvölkert. Dem will man mit Erschließungsprojekten etwas entgegen setzen.

Auf deutscher Seite sollten die lange Zeit vernachlässigten Verkehrswege nach Stettin und Swinemünde ausgebaut werden, um Westpommern für deutsche Urlauber leicht erreichbar zu halten... einmal über Stettin und dann aber auch über Usedom/Swinemünde.
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Re: Bis 2100 wird Polens Einwohnerzahl <20 Mio betragen

Beitragvon Theophan » Mi 20. Jan 2021, 18:28

H2O hat geschrieben:(11 Jan 2021, 20:28)

Inzwischen gibt es vereinzelte Stimmen, die das gute Einvernehmen zwischen Polens Herzog Boleslaw I. mit den Deutschen Kaiser Otto III. loben. .


In Polen oder in Deutschland ?
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Re: Bis 2100 wird Polens Einwohnerzahl <20 Mio betragen

Beitragvon H2O » Mi 20. Jan 2021, 20:54

Theophan hat geschrieben:(20 Jan 2021, 18:28)

In Polen oder in Deutschland ?


In Polen; Sie müssen nur etwas mehr darüber lesen, was polnische Historiker öffentlich von sich geben. Ich habe übrigens ganz zufällig vor zwei oder drei Jahren in Wolin ein Volksfest besucht, das genau an diese Vergangenheit erinnerte. Daran erinnere ich mich nur deshalb, weil Sie danach fragen. Ich hatte dem Ereignis gar keinen besonderen Stellenwert beigemessen... mir war bis dahin der geschichtliche Hintergund völlig unbekannt. Erst in Büchern über Polen erfuhr ich davon. Fernes Land...
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Re: Bis 2100 wird Polens Einwohnerzahl <20 Mio betragen

Beitragvon Theophan » Do 21. Jan 2021, 18:44

H2O hat geschrieben:(20 Jan 2021, 20:54)

In Polen; ..


Wieso vereinzelte Stimmen ? Das Einvernehmen wird allgemein positiv Bewertet.
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Re: Bis 2100 wird Polens Einwohnerzahl <20 Mio betragen

Beitragvon H2O » Do 21. Jan 2021, 19:11

Theophan hat geschrieben:(21 Jan 2021, 18:44)

Wieso vereinzelte Stimmen ? Das Einvernehmen wird allgemein positiv Bewertet.


Ja, das finde ich auch erfreulich. Nur fiel mir auf, daß alljährlich ein mächtiges Schauspiel den Sieg über den Deutschen Ritterorden in Erinnerung hält... praktisch eine polnische Sedanfeier. Und nun gibt es gottlob gelegentlich die Erinnerung an Zeiten, als es auch freundlichen Umgang miteinander gab.

Abgesehen davon, daß wir endlich auf eine gemeinsame Zukunft in freundlicher Zusammenarbeit hinarbeiten und diese unselige Vergangenheit ruhen lassen sollten. Mir schwebt eine herausgehobene Zusammenarbeit vor wie mit unseren französischen Freunden. Die geht nun so weit, daß der deutsche und der französische Außenminister gemeinsam nach Washington reisen, um mit den USA über die Zukunft der transatlantischen Beziehungen zu sprechen. So wie die Kanzlerin und der französische Präsident Hollande um russische Zurückhaltung in der Ukraine verhandelt haben.
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Re: Parlamentswahl in Polen

Beitragvon H2O » Do 28. Jan 2021, 10:33

Heute kann ich von einer gemischten Lage in Polen berichten:

1. Das verschärfte Abtreibungsgesetz ist nun rechtsgültig und damit anwendbar.
2. Brandenburg hat der Wojewodschaft Mazowien Krankenhausausrüstungen geschenkt.
3. Sachsen hat der Wojewodschaft Lublin Krankenhausausrüstungen gespendet

    1.
    Nun darf eine Abtreibung nicht mehr in Polen durchgeführt werden, außer bei Gefahr für Leib und Leben der werdenden Mutter und nach einer vor Gericht festgestellten Vergewaltigung. Wenn eine vorgeburtliche Untersuchung schwerste gesundheitliche Schäden am werdenden Menschen feststellt, dann ist das kein zulässiger Grund für einen Abbruch dieser Schwangerschaft.

    Mit dieser Regelung verfügt der polnisch Staat über die Körper und die Zukunft der Polinnen. Das führte zu offenen Demonstrationen, seit der Gesetzentwurf bekannt geworden war. Hat erst einmal alles nichts geholfen; das Gesetz ist nun rechtskräftig geworden.

    Die Folge wird sein, daß so manche junge Frau oder Familienmutter mit einigen Kindern im Haushalt eine Reise nach Tschechien oder Deutschland antreten wird, um einer ihr unzumutbar erscheinenden Belastung durch ärztlich unterstützten Abbruch der unerwünschten oder äußerst unglücklichen Schwangerschaft zu entgehen. Und wer die Mittel für eine Reise mit diesem Zweck nicht aufbringen kann, der wird die seit Jahrhunderten üblichen Mittel von Quacksalbern und "weisen Frauen" anwenden, um diesem Schicksal zu entgehen... unter Lebensgefahr!

    Meine Vermutung: Dieses Gesetz wird so keinen Regierungswechsel in Polen überstehen; aber mit Wahlen ist erst in 3 Jahren zu rechnen. Wenigstens so lange wird dieser Krampf Recht und Gesetz sein.

    2.
    Nach Sachsen-Anhalt hat nun Brandenburg auf Anfrage seiner Partner-Wojewodschaft Mazowien Hilfsmittel für den Betrieb von medizinischen Einrichtungen gespendet: Beatmungsgerät, Desinfektionsmittel in Containern zu 1000 l, Gummihandschuhe, Atemmasken... alles, was man erst dann vermißt, wenn nichts davon verfügbar ist.

    Anerkennender Bericht in der Gazeta Wyborcza, und sehr dankbare Kommentare von Lesern in der online-Ausgabe der Gazeta Wyborcza. So wird dann allmählich Vertrauen und Zusammenarbeit der Menschen ohne häßliche Kommentare ewig-gestriger Kreise aufgebaut.

    Leider erinnere ich mich noch, daß Präsident Duda sich auf ein freundliches Hilfsangebot des Bundespräsidenten kalt abweisend äußerte. Was ist nur in diesen Mann gefahren?

    3.
    Das Bundesland Sachsen hat der Wojewodschaft Lublin auf Nachfrage ebenfalls Krankenhausausrüstung geschenkt; in etwa nach Art und Umfang vergleichbar mit der Spende Brandenburgs an Mazowien. Wenn die Regierung in Warschau unserem Bundespräsidenten die kalte Schulter zeigt... auf der Ebene der Bundesländer und der Wojewodschaften geht dann doch noch etwas. Die Menschen werden diese Hilfen dankbar zur Kenntnis nehmen.

    Und so ist es auch, wie die Leserkommentare der Gazeta Wyborcza zeigen.

    Ein Kommentar vermutet sehr erbost, daß die Regierung in Warschau die Hilfe wohlmso versteht, daß Sachsen sich die Wojewodschaft als neues Bundesland einverleiben möchte... Für den polnischen Präsidenten Duda hat dort wohl nicht jeder Mitbürger das notwendige Verständnis.
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Re: Parlamentswahl in Polen

Beitragvon H2O » Do 11. Feb 2021, 18:46

Heute in der online-Ausgabe der Gazeta Wyborza:

Der Historiker Prof. Jan Grabowski (Jahrgang 1962; Absolvent der Jagiellonischen Universität Krakau) hat sich die Erforschung der Vernichtung der polnischen Juden durch die deutschen Nazibarbaren, und insbesondere die Mitwirkung der polnischen Bevölkerung an diesem Grauen zur Lebensaufgabe gemacht. Natürlich kann es nicht darum gehen, etwa die deutsche Verantwortung für dieses Menschheitsverbrechen zu mindern. Aber die deutsche Besatzungsmacht hat es verstanden, Teile der polnischen Bevölkerung in ihren Vernichtungsdienst zu stellen. Im Verlauf des Artikels werden ähnliche Beteiligungen niederländischer Mitbürger an Morden und Transporten niederländischer Juden angesprochen... was zum Zeitpunkt der Veröffentlichung der zugehörigen Dokumente eine Welle von Scham und Erschütterung der bis dahin so selbstgerechten Niederländer ausgelöst hatte. Es ist zu hoffen, daß ähnliche Einsichten auch in Polen reifen.

Der Artikel "Pomagaliśmy Ǹiemcom zabijać Żydów" (Wir halfen den Deutschen die Juden zu ermorden") kommen erschütternde Einzelheiten zur Sprache. Die Nazis hatten es verstanden, im Generalgouvernement Polen eine polnische Polizeitruppe (an blauen Uniformen zu erkennen) auf zu stellen, die aufgrund der Ortskenntnisse Juden aufspüren konnte, die den Transporten in Vernichtungslager der Nazis entkommen waren. An dieser Jagd, verbunden mit Totschlag an Ort und Stelle, beteiligten sich aber auch ganz gewöhnliche Strolche vor Ort, die es im wesentlichen auf das Eigentum der Juden abgesehen hatten. Dazu gibt es schreckliche Bilder nach vollbrachtem Mord. Den Opfern wurden Schuhe und Oberbekleidung ausgezogen. Ein besonders grausiges Geschehen: Dem Opfer, einer jungen Frau, die erschöpft zusammengebrochen war, wurden in Gegenwart anderer Räuber von einem besonders primitiven Strolch mit einem Beil die Unterschenkel abgetrennt, um sich ihre sehr wertvollen Stiefel unbeschädigt aneignen zu können.

Derartige Raubmorde waren aber nicht in einem Landkreis zu berichten, sondern in mindestens 8 weiteren, mit denen sich der Forscher Grabowski befaßt hatte. Fast schon "normal" waren Plünderungsorgien in den Wohnungen der gefangenen und zur Vernichtung abtransportierten Juden.

Zu diesen Mordopfern hinzu kamen Juden, die die blaue Polizei nach erfolgreicher Jagd und Ausplünderung der deutschen Besatzungsmacht auslieferten... praktisch zur Vernichtung im Rahmen der "Endlösung der Judenfrage" in Vernichtungslagern.

Dem Artikel zufolge schätzt der Forscher die Zahl von Polen umgebrachter polnischer Juden auf etwa 200.000; andere Schätzungen sagen 300.000. Wie auch immer; eine Buchhaltung gibt es dazu nicht. Diese Zahlen sollten nicht davon ablenken, daß die deutschen Naziverbrecher die zehnfache Anzahl polnischer Juden bestialisch in Vernichtungslagern ermordet haben!

Polnische Politiker der Rechtsparteien sehen in diesen Berichten böswillige Verleumdungen des polnischen Volkes, also keineswegs eine Wahrheitssuche. Prof. Grabowski stand deshalb in Warschau mit seiner Assistentin Barbara Engelking vor Gericht, um sich wegen dieser Verleumdung zu verantworten. Gestern wurde das Urteil verkündet: Die beiden sollen sich vor dem polnischen Volk entschuldigen. Die Forscher gingen in die Berufung, denn an den schrecklichen Tatsachen war wohl nicht zu rütteln. Sicher wird über das Ergebnis der gerichtlichen Wahrheitssuche erneut berichtet werden.

Die Leserkommentare in der Gazeta Wyborcza legen Zeugnis ab von eitler Selbstgerechtigkeit und völliger Zerknirschung... das volle Programm so zu sagen. Immerhin kommt in Polen so etwas wie eine wahrheitsgemäße Wahrnehmung der Vergangenheit und polnischer Verstrickungen in Gang. Die Gerichtsverfahren sind also hochwillkommene Quellen dieser Schreckensbilanz!

Ich hoffe darauf, daß polnische Einsichten wachsen, wie weit sich Polen in den Schrecken der Nazibesatzung doch als willfährige Mittäter am Judenmord mit Raubmord, Leichenschändung und Plünderungen betätigten. Ähnliche Wirkung hatten derartige Tatsachenfeststellungen in Frankreich und den Niederlanden.
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Re: Parlamentswahl in Polen

Beitragvon H2O » Do 11. Feb 2021, 20:26

Tja, vielleicht doch sinnvoll zu wiederholen: Die in Polen wegen Offenlegung der brutalen Wahrheit über Judenmorde durch Polen angeklagten Historiker werden in die Berufung gehen, nachdem sie verurteilt worden waren, sich bei einer Klägerin dafür zu entschuldigen... Was sie aber nicht taten.
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Re: Parlamentswahl in Polen

Beitragvon H2O » Fr 19. Feb 2021, 17:03

Nun kommt es ganz dicke!

Die Regierungspartei PiS macht eine Umfrage, ob die Polen mit einer heftigen Erhöhung des Bierpreises einverstanden sein könnten. 0,5 ltr von 3 zł auf 5 zł. Was mich betrifft: "Abgelehnt, Euer Ehren!"

Das Schicksal droht auch dem polnischen Wodka. 0,75 ltr kosten 20 zł, und die Steuer darauf beträgt schon 12,55 zł. Oh je, wo soll das nur enden?! Die Hersteller wehren sich: "Ein Angriff auf ein polnisches Kulturgut!" Na, denn 'mal Prost!

Das Geld wird gebraucht für die 13. und 14. Monatsrente; mit dem Wahlversprechen hat sich die PiS wohl verrechnet und nun müssen wir tüchtig trinken, damit die polnischen Rentner ordentlich versorgt sind!

Aber in Polen ist eine ganz allgemeine Teuerung fest zu stellen. Der PLN ist für 0,22 EUR zu haben. War auch schon schlechter bei 0,216 EUR.

Polen finden das alles gar nicht gut.
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Re: Parlamentswahl in Polen

Beitragvon Theophan » Mo 22. Feb 2021, 19:30

" Aber die deutsche Besatzungsmacht hat es verstanden, Teile der polnischen Bevölkerung in ihren Vernichtungsdienst zu stellen. "

Indem die deutschen Besatzer den Polen gesagt haben, dass die Verweigerung der Zusammenarbeit mit dem Tode bestraft wird.
In Holland aber nicht.
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Re: Parlamentswahl in Polen

Beitragvon Theophan » Mo 22. Feb 2021, 19:33

H2O hat geschrieben:(11 Feb 2021, 18:46)

Heute in der online-Ausgabe der Gazeta Wyborza:

.


Was in der "Gazet Wyborcza" steht ist nicht der Wahrheit letzter Schluss. Ich empfehle Ihnen auch andere Zeitungen zu lesen.
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Re: Parlamentswahl in Polen

Beitragvon Theophan » Mo 22. Feb 2021, 20:04

H2O hat geschrieben:(11 Feb 2021, 18:46)



Polnische Politiker der Rechtsparteien sehen in diesen Berichten böswillige Verleumdungen des polnischen Volkes, also keineswegs eine Wahrheitssuche. Prof. Grabowski stand deshalb in Warschau mit seiner Assistentin Barbara Engelking vor Gericht, um sich wegen dieser Verleumdung zu verantworten.



Das stimmt nicht. Prof Grabowski und Barbara Engelking standen vor Gericht, weil sie von einer Frau, über deren Onkel sie die Unwahrheit geschrieben haben, verklagt worden sind.
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Re: Parlamentswahl in Polen

Beitragvon H2O » Di 23. Feb 2021, 07:01

Theophan hat geschrieben:(22 Feb 2021, 20:04)

Das stimmt nicht. Prof Grabowski und Barbara Engelking standen vor Gericht, weil sie von einer Frau, über deren Onkel sie die Unwahrheit geschrieben haben, verklagt worden sind.


Das stimmt natürlich; also eine Privatklage. Mich wundert jedoch, daß polnische Gerichte solche Klagen annehmen. Wäre besser gewesen, der Fall wäre nicht verhandelt worden... und nun auch gleich mit Berufung., die höchstwahrscheinlich erneut über Polen hinaus Aufsehen errregt. Die Unwahrheit ist aber eine milde Umschreibung des Inhalts der Verhandlung... meine ich.
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Re: Parlamentswahl in Polen

Beitragvon H2O » Di 23. Feb 2021, 07:12

Theophan hat geschrieben:(22 Feb 2021, 19:33)

Was in der "Gazet Wyborcza" steht ist nicht der Wahrheit letzter Schluss. Ich empfehle Ihnen auch andere Zeitungen zu lesen.


Das wird sicher zutreffen; nebenbei lese ich gelegentlich noch die online-Ausgabe der Rzeczpospolita. In den wirklichen Aufregern stimmen die beiden Blätter recht gut überein. Die Geschichte mit den Steuern auf Werbeeinnahmen der Zeitungen scheint der freien polnischen Presse auch zu schaffen zu machen... da jammern GW und RP in gleicher Tonlage.

Natürlich kann ich nicht ganztags Zeitung lesen.

Beide unabhängegen Zeitungen berichten auch, daß die polnische Regierung über den Staatsbetrieb Orlen Zeitungen aufkauft, um sie aus der Knechtschaft ausländischer Eigentümer (meist wohl deutscher...) zu befreien. Ich kann mir gut vorstellen, daß in diesen Blättern dann nur noch über das berichtet werden wird, was der polnischen Regierung gut gefällt. Sei's drum, so lange diese Flagschiffe der polnischen Zeitungslandschaft unabhängig von Regierungsmeinungen erscheinen, ist mir um polnische Leser nicht bange!

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