Identitäre Bewegung in Europa: Legitime Aktivisten oder Nazi-Hipster?

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ThorsHamar
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Re: Identitäre Bewegung in Europa: Legitime Aktivisten oder Nazi-Hipster?

Beitragvon ThorsHamar » Mo 5. Aug 2019, 14:55

Keoma hat geschrieben:(05 Aug 2019, 14:31)

Wenn ich ein paar Arbeitsplätze sichere?
Im Gegenteil, wenn es diesen Staaten wirtschaftlich schlecht geht, kommen mehr nach Europa.


..und wenn es den Staaten besser geht, kaufen sie Europa .....

https://www.bazonline.ch/ausland/europa ... y/20258524

https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/ ... -1.1968948
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Re: Identitäre Bewegung in Europa: Legitime Aktivisten oder Nazi-Hipster?

Beitragvon schokoschendrezki » Mo 5. Aug 2019, 16:10

BlueMonday hat geschrieben:(05 Aug 2019, 14:40)

Es geht auch nicht um irgendein "Zurück". Kann es ja gar nicht. Die Zeit kennt nur ein Voranschreiten. Nur wird die Zukunft höchstwahrscheinlich keine gleichgültige "One World" hervorbringen, sondern im Gegenteil werden die Gesellschaften und Staaten zunehmend in unzählige Nischen, Unternehmungen und Machtsphären zerfallen. Vor dieser Einsicht stehen auch diese "Identitären", also dass die zukünftigen Grenzen nicht die eines Nationalstaates sein werden und dass gerade darin eine große Chance der Vielfalt liegt.

Das sehe ich eigentlich auch so. Und das findet ja eigentlich auch schon jetzt statt. Ob nun die Rockabilly Szene in Hamburg oder Berlin, die Costume Play Szene in Tokio oder Tango in Helsinki. Zeit und Ort sind virtualisiert und austauschbar. Natürlich müssen die Szene-Mitglieder tagsüber irgendwie ihr Geld für Nahrung und Unterkunft verdienen. Dieses Basis-Geschäft liegt zunehemend in den Händen großer, weltweit agierender Energie- und IT- und sonstiger Unternehmen. Eigentlich ist das Individuum auf sich selbst zurückgeworfen und steht jeweils für sich selbst und seine engsten Angehörigen vor der Aufgabe, seinen Platz in der Welt zu finden. Die wiederauferstandenen Religionen oder die ethnokulturellen Identitäten (wie bei der IB) oder die historisch-kulturellen Selbstzuordnungen sind da nur erstmal kurzfristige Scheinlösungen. Ich sehe bei den Identitär Bewegten zunächst einmal die Fremdenfeindschaft als zweitrangig und die Verweigerung dieser unvermeidlichen individuellen Selbstverortung als erstrangig.
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Re: Identitäre Bewegung in Europa: Legitime Aktivisten oder Nazi-Hipster?

Beitragvon Stoner » Mo 5. Aug 2019, 16:28

BlueMonday hat geschrieben:(05 Aug 2019, 14:40)

Es geht auch nicht um irgendein "Zurück". Kann es ja gar nicht. Die Zeit kennt nur ein Voranschreiten. Nur wird die Zukunft höchstwahrscheinlich keine gleichgültige "One World" hervorbringen, sondern im Gegenteil werden die Gesellschaften und Staaten zunehmend in unzählige Nischen, Unternehmungen und Machtsphären zerfallen. Vor dieser Einsicht stehen auch diese "Identitären", also dass die zukünftigen Grenzen nicht die eines Nationalstaates sein werden und dass gerade darin eine große Chance der Vielfalt liegt.


Vielfalt ist aber ein neutrales Konzept - und da Menschen immer Rückhalt, Rückversicherung, Bindung, Kooperation suchen für die Durchsetzung ihrer Interessen, wird die Vielfalt dann, wenn diese Interessen aufeinanderprallen, eine Re-Tribalisierung einläuten.
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Re: Identitäre Bewegung in Europa: Legitime Aktivisten oder Nazi-Hipster?

Beitragvon schokoschendrezki » Mo 5. Aug 2019, 16:51

MäckIntaier hat geschrieben:(05 Aug 2019, 16:28)

Vielfalt ist aber ein neutrales Konzept - und da Menschen immer Rückhalt, Rückversicherung, Bindung, Kooperation suchen für die Durchsetzung ihrer Interessen, wird die Vielfalt dann, wenn diese Interessen aufeinanderprallen, eine Re-Tribalisierung einläuten.

Die ist ja schon eingeläutet. Aber eher als Zeichen von Hilflosigkeit. Wenn die Mazedonier wirklich ihre Interessen im Auge hätten, würden sie sofort alle positiv auf den Namenskompromissvorschlag "Nordmazedonien" eingehen. Weil das eine EU-Perspektive eröffnet. Sie haben aber gar nicht primär ihre Interessen im Sinn sondern wollen unbedingt als Nachfahren von Alexander dem Großen angesehen werden. Und deshalb nicht "Nord-Mazedonier" genannt werden. Und bei den Nordgriechen wiederum sieht es nicht anders aus.

Sie sehen, dass die Welt ganz offensichtlich in eine andere Richtung läuft. Und klammern sich verzweifelt an Dinge wie "ethnokulturelle Herkunft".
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Re: Identitäre Bewegung in Europa: Legitime Aktivisten oder Nazi-Hipster?

Beitragvon Stoner » Mo 5. Aug 2019, 17:36

schokoschendrezki hat geschrieben:(05 Aug 2019, 16:51)

Die ist ja schon eingeläutet. Aber eher als Zeichen von Hilflosigkeit. Wenn die Mazedonier wirklich ihre Interessen im Auge hätten, würden sie sofort alle positiv auf den Namenskompromissvorschlag "Nordmazedonien" eingehen. Weil das eine EU-Perspektive eröffnet. Sie haben aber gar nicht primär ihre Interessen im Sinn sondern wollen unbedingt als Nachfahren von Alexander dem Großen angesehen werden. Und deshalb nicht "Nord-Mazedonier" genannt werden. Und bei den Nordgriechen wiederum sieht es nicht anders aus.

Sie sehen, dass die Welt ganz offensichtlich in eine andere Richtung läuft. Und klammern sich verzweifelt an Dinge wie "ethnokulturelle Herkunft".


Wer klammert sich: Ich? Ich hoffe, dass Sie jetzt die Mazedonier und nicht mich meinten.

Solche Dinge hatte ich gar nicht im Auge. Ich kann das zwar verstehen, auch die Basken oder Katalanen, und ich muss das als souveräne Entscheidung im Zweifelsfall eben akzeptieren, dass diese Menschen so ticken. Dass einer persönlich das nicht braucht, sagt ja nichts über Sinn und Unsinn dieses Ansinnens aus. Worauf ich hinauswollte war nur das: Vielfalt ist entweder neutral oder einfach ein Unsinnsbegriff. Wäre es anders, würde nicht über Integration geredet - Integration ist das Ende der Vielfalt und die Herstellung von Einfalt.

Die Europäer (nicht nur die Deutschen) haben sich schon immer abgegrenzt und dafür den Kulturbegriff heran- und notfalls auch geografische Grenzen gezogen. So ist auch "Asien" entstanden, das im Gegensatz zu Europa wirklich (noch) Vielfalt aufweist. Wenn ich als jemand, der dem europäischen Weltbild skeptisch gegenübersteht, einen Umweg über Asien nehme und von dort aus auf Europa schaue, dann ist der (kulturelle) Unterschied zwischen einer viktororbanesken Kultur und einer claudiarothen Kultur äußerst gering. "Asien", gegen das Europa sich immer verteidigt und abgegrenzt hat, hat China und Indien, Myanmar und Japan, um nur mal vier zu nennen, die in einen Topf namens Asien geworfen werden, in dem schon allein die Vielfalt Myanmars mit seinen mehr als 200 in der Verfassung verankerten Ethnien fast größer ist als die europäische. Das nur als Zwischenbemerkung eher an den User Julian und seine Einlassungen zur Kultur ein paar Seiten weiter vorne gerichtet. Das Christentum und der Islam stammen aus derselben Quelle und pflegen dasselbe Menschenbild, wenn auch einzelne Vertreter in der Praxis anders agieren mögen. Doch der Urgrund ist ein und derselbe, was aber nur im Islam (aus naheliegenden Gründen) anerkannt wird.

Die Identitären, um auf die zu kommen, pflegen ihren Kulturbegriff des Ethnopluralismus ganz in der europäischen Tradition der Abgrenzung. Sie sind, auch wenn einige hier dann aufjaulen werden, wieder über den außereuropäischen Blickwinkel betrachtet, ebenfalls Kinder des anthropozentrischen und eurozentrischen Weltbildes und Abgrenzungsstrebens, das Herr Gauland mit Herrn Habeck und Herrn Lindner und Herrn Diess (VW) und Herrn Habermas und jedem Globalisierungsbefürworter ebenfalls teilt. Denn die Heilserzählung von der Globalisierung ist wohl unbestreitbar ein säkulares europäisches Wohlstandsnarrativ. (Deshalb werden die VSE auch kommen, nur bei den Teilnehmern würde ich mich nicht festlegen wollen. Wahrscheinlich würde Georgien lieber dazugehören wollen als mancher nähere Oststaat)
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Re: Identitäre Bewegung in Europa: Legitime Aktivisten oder Nazi-Hipster?

Beitragvon schokoschendrezki » Di 6. Aug 2019, 08:32

MäckIntaier hat geschrieben:(05 Aug 2019, 17:36)
Wer klammert sich: Ich? Ich hoffe, dass Sie jetzt die Mazedonier und nicht mich meinten.

Ich habe auch nicht mal andeutungsweise derartiges geschrieben sondern wollte nur darauf hinweisen, dass so etwas wie "Re-Tribalisierung" nicht nur kommen wird sondern bereits läuft. Ob nun im kleinen Nordmazedonien oder in den großen Vereinigten Staaten. Erst im letzten März verkündete US-Vizepräsident Mike Pence
Die erste Frau und der nächste Mann auf dem Mond werden beide amerikanische Astronauten sein, die mit amerikanischen Raketen von amerikanischem Boden abgehoben sind.

ISS ist out. Internationale Zusammenarbeit hat sich. WIssenschaft zählt nicht oder zählt kaum. Volk, Nation, Kultur ist angesagt!
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Re: Identitäre Bewegung in Europa: Legitime Aktivisten oder Nazi-Hipster?

Beitragvon Stoner » Di 6. Aug 2019, 09:06

schokoschendrezki hat geschrieben:(06 Aug 2019, 08:32)

Ich habe auch nicht mal andeutungsweise derartiges geschrieben sondern wollte nur darauf hinweisen, dass so etwas wie "Re-Tribalisierung" nicht nur kommen wird sondern bereits läuft. Ob nun im kleinen Nordmazedonien oder in den großen Vereinigten Staaten. Erst im letzten März verkündete US-Vizepräsident Mike Pence



Der nordmazedonische Fall ist ja eher eine Re-Nationalisierung, eine ethnische Interpretation des Nationalen. Tribalisierung wäre dagegen das, was nach der in Europa sich abzeichnenden Aufhebung der Nationalstaaten käme. Der Nationalstaat war ja ursprünglich einmal die Aufhebung der tribalen Strukturen zur Durchsetzung einer zentralen Ordnungsstruktur (mancher Somalier wäre sicher froh, es gäbe dort eine solche zentrale Ordnungsmacht). Die Bildung solcher Nationen war erst einmal eine der Grundbedingungen für den "Erfolg" und erst später dann auch die Grundlage für große Kriege.
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Re: Identitäre Bewegung in Europa: Legitime Aktivisten oder Nazi-Hipster?

Beitragvon schokoschendrezki » Di 6. Aug 2019, 09:14

MäckIntaier hat geschrieben:(06 Aug 2019, 09:06)

Der nordmazedonische Fall ist ja eher eine Re-Nationalisierung, eine ethnische Interpretation des Nationalen. Tribalisierung wäre dagegen das, was nach der in Europa sich abzeichnenden Aufhebung der Nationalstaaten käme. Der Nationalstaat war ja ursprünglich einmal die Aufhebung der tribalen Strukturen zur Durchsetzung einer zentralen Ordnungsstruktur (mancher Somalier wäre sicher froh, es gäbe dort eine solche zentrale Ordnungsmacht). Die Bildung solcher Nationen war erst einmal eine der Grundbedingungen für den "Erfolg" und erst später dann auch die Grundlage für große Kriege.


Ja. O.K. Der Einwand ist akzeptiert. "Tribalisierung" meint wirklich etwas anderes. Eigentlich etwas ähnlich, was schon in einem Beitrag von Blue Monday weiter oben angesprochen wurde: Der Zerfall der ehemals national ausgerichteten Gesellschaften in Szenen, Peergroups und Interessengemeinschaften. Ich komme mit dem Begriff offen gestanden nicht richtig klar. Bei Tribe/Stamm denke ich erst mal an etwas ganz anderes. An die Chanten und Mansen in Nordwestsibirien. Und nicht an die urbanen Szenekreise irgendwo in Berlin oder Paris.
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Re: Identitäre Bewegung in Europa: Legitime Aktivisten oder Nazi-Hipster?

Beitragvon Haegar » Di 6. Aug 2019, 11:05

MäckIntaier hat geschrieben:(05 Aug 2019, 17:36)

Wer klammert sich: Ich? Ich hoffe, dass Sie jetzt die Mazedonier und nicht mich meinten.

Solche Dinge hatte ich gar nicht im Auge. Ich kann das zwar verstehen, auch die Basken oder Katalanen, und ich muss das als souveräne Entscheidung im Zweifelsfall eben akzeptieren, dass diese Menschen so ticken. Dass einer persönlich das nicht braucht, sagt ja nichts über Sinn und Unsinn dieses Ansinnens aus. Worauf ich hinauswollte war nur das: Vielfalt ist entweder neutral oder einfach ein Unsinnsbegriff. Wäre es anders, würde nicht über Integration geredet - Integration ist das Ende der Vielfalt und die Herstellung von Einfalt.

Die Europäer (nicht nur die Deutschen) haben sich schon immer abgegrenzt und dafür den Kulturbegriff heran- und notfalls auch geografische Grenzen gezogen. So ist auch "Asien" entstanden, das im Gegensatz zu Europa wirklich (noch) Vielfalt aufweist. Wenn ich als jemand, der dem europäischen Weltbild skeptisch gegenübersteht, einen Umweg über Asien nehme und von dort aus auf Europa schaue, dann ist der (kulturelle) Unterschied zwischen einer viktororbanesken Kultur und einer claudiarothen Kultur äußerst gering. "Asien", gegen das Europa sich immer verteidigt und abgegrenzt hat, hat China und Indien, Myanmar und Japan, um nur mal vier zu nennen, die in einen Topf namens Asien geworfen werden, in dem schon allein die Vielfalt Myanmars mit seinen mehr als 200 in der Verfassung verankerten Ethnien fast größer ist als die europäische. Das nur als Zwischenbemerkung eher an den User Julian und seine Einlassungen zur Kultur ein paar Seiten weiter vorne gerichtet. Das Christentum und der Islam stammen aus derselben Quelle und pflegen dasselbe Menschenbild, wenn auch einzelne Vertreter in der Praxis anders agieren mögen. Doch der Urgrund ist ein und derselbe, was aber nur im Islam (aus naheliegenden Gründen) anerkannt wird.

Die Identitären, um auf die zu kommen, pflegen ihren Kulturbegriff des Ethnopluralismus ganz in der europäischen Tradition der Abgrenzung. Sie sind, auch wenn einige hier dann aufjaulen werden, wieder über den außereuropäischen Blickwinkel betrachtet, ebenfalls Kinder des anthropozentrischen und eurozentrischen Weltbildes und Abgrenzungsstrebens, das Herr Gauland mit Herrn Habeck und Herrn Lindner und Herrn Diess (VW) und Herrn Habermas und jedem Globalisierungsbefürworter ebenfalls teilt. Denn die Heilserzählung von der Globalisierung ist wohl unbestreitbar ein säkulares europäisches Wohlstandsnarrativ. (Deshalb werden die VSE auch kommen, nur bei den Teilnehmern würde ich mich nicht festlegen wollen. Wahrscheinlich würde Georgien lieber dazugehören wollen als mancher nähere Oststaat)


Ich fühle mich wirklich ertappt zu klein gedacht zu haben und danke für die Schilderung dieser Aussenbetrachtung. Das ist halt was dieses Forum lesenswert macht. Muss ich erstmal verdauen. :)
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Re: Identitäre Bewegung in Europa: Legitime Aktivisten oder Nazi-Hipster?

Beitragvon Weltregierung » Fr 9. Aug 2019, 02:11

watisdatdenn? hat geschrieben:(04 Aug 2019, 23:25)

Was soll rechtsradikal sein?
Die Kritik an der unkontrollierten Masseneinwanderung?


"Unkontrollierte Masseneinwanderung" ist rechtsextreme Diktion.
ich sprenge eure demo und es regnet hackepeter
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Re: Identitäre Bewegung in Europa: Legitime Aktivisten oder Nazi-Hipster?

Beitragvon watisdatdenn? » Fr 9. Aug 2019, 08:00

Selina hat geschrieben:(05 Aug 2019, 14:19)
Gibts eigentlich einen Ideologie-Unterschied zwischen Identitären und AfD?

Es ist einiges deckungsgleich.
Man kann das Verhältnis wohl ähnlich wie Greenpeace zu den Grünen beschreiben.

Greenpeace macht keine Politik, sondern weist außerhalb der Politik durch PR Aktionen (natürlich friedlich und gewaltlos) auf Umweltschutz hin.

Die IB orientiert sich an genau diesem Prinzip und ist ein "Greenpeace des Ethnopluralismus".
Sie arbeiten durch friedlichen Aktivismus im politisch Vorfeld und die AfD könnte eine Partei sein, die die reale Umsetzungen schafft (so wie sie Grünen die Energiewende eingeleitet haben).
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Re: Identitäre Bewegung in Europa: Legitime Aktivisten oder Nazi-Hipster?

Beitragvon watisdatdenn? » Fr 9. Aug 2019, 08:01

Weltregierung hat geschrieben:(09 Aug 2019, 02:11)
"Unkontrollierte Masseneinwanderung" ist rechtsextreme Diktion.

Wie würdest du die illegalen Grenzübertritte ab 2014 bezeichnen?

Einige meinen ja es war eine "kontrollierte Masseneinwanderung". Siehst du das etwa auch so?
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Re: Identitäre Bewegung in Europa: Legitime Aktivisten oder Nazi-Hipster?

Beitragvon Selina » Fr 9. Aug 2019, 10:42

Weltregierung hat geschrieben:(09 Aug 2019, 02:11)

"Unkontrollierte Masseneinwanderung" ist rechtsextreme Diktion.


Genau. Die Herrschaften, die das von morgens bis abends predigen, handeln nach der Devise: Man muss es nur oft genug wiederholen, irgendwas wird schon hängenbleiben.
Drüben im Walde kängt ein Guruh - Warte nur balde kängurst auch du. Joachim Ringelnatz
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Re: Identitäre Bewegung in Europa: Legitime Aktivisten oder Nazi-Hipster?

Beitragvon Keoma » Fr 9. Aug 2019, 10:45

Selina hat geschrieben:(09 Aug 2019, 10:42)

Genau. Die Herrschaften, die das von morgens bis abends predigen, handeln nach der Devise: Man muss es nur oft genug wiederholen, irgendwas wird schon hängenbleiben.


Und wenn man oft genug sagt, das ist rechtsextrem, nützt es trotzdem nichts.
Auch Moralapostel sollten, aus Gründen der Abschreckung, dann und wann gekreuzigt werden.
(Martin Gerhard Reisenberg)
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Re: Identitäre Bewegung in Europa: Legitime Aktivisten oder Nazi-Hipster?

Beitragvon Selina » Fr 9. Aug 2019, 10:47

watisdatdenn? hat geschrieben:(09 Aug 2019, 08:00)

Es ist einiges deckungsgleich.
Man kann das Verhältnis wohl ähnlich wie Greenpeace zu den Grünen beschreiben.

Greenpeace macht keine Politik, sondern weist außerhalb der Politik durch PR Aktionen (natürlich friedlich und gewaltlos) auf Umweltschutz hin.

Die IB orientiert sich an genau diesem Prinzip und ist ein "Greenpeace des Ethnopluralismus".
Sie arbeiten durch friedlichen Aktivismus im politisch Vorfeld und die AfD könnte eine Partei sein, die die reale Umsetzungen schafft (so wie sie Grünen die Energiewende eingeleitet haben).


Beide, Identitäre und AfD, gehören zur Neuen Rechten und sind beide rassistisch, fremdenfeindlich, inhuman und antidemokratisch. Daher werden die Identitären und der AfD-Flügel auch vom Verfassungsschutz beobachtet. Beides sind rechtsextreme Vereinigungen.
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Re: Identitäre Bewegung in Europa: Legitime Aktivisten oder Nazi-Hipster?

Beitragvon watisdatdenn? » Fr 9. Aug 2019, 11:47

Selina hat geschrieben:(09 Aug 2019, 10:47)
Beide, Identitäre und AfD, gehören zur Neuen Rechten und sind beide rassistisch, fremdenfeindlich, inhuman und antidemokratisch.

"Neue rechte" kenne ich nicht.
Deine Eigenschaften die du zuweist sind aber komplett falsch!

Rassismus: eine (biologische) Ethnie ist besser als eine andre. -> sagen weder IB noch AfD

Fremdenfeindlich: kulturell fremde werden nicht akzeptiert. -> ja ab einem gewissen Grad. Die IB sagt jede Ethnie hat einen Platz auf der Welt und das soll so bleiben. Also Z.B. Tibet soll erkennbar tibetisch bleiben und nicht chinesisch werden.
Die IB fordert eine offene Debatte über den von Volk gewünschten Grad der Verfremdung.

Inhuman -> wäre es im Mittelmeer die Leute ertrinken zu lassen.
Niemand fordert das. Sondern es wird die Rückkehr gefordert, so dass der Anreiz Für die Gefahr wegfällt.
Inhuman ist es auch Flüchtlinge auf das tödliche Meer zu locken, mit der Aussicht nach Europa zu kommen..

Antidemokratisch: die AfD hat schon Anträge für mehr Demokratie eingebracht. Da muss man nicht mehr sagen.
Auch die IB handelt strikt nach unseren demokratischen Regeln.
Sonst wäre sie auch nicht akzeptabel.


Die EU ist dagegen wirklich undemokratisch aufgebaut mit einer Kommission die das alleine Gesetzesinitiativrecht hat..

Selina hat geschrieben:(09 Aug 2019, 10:47)Daher werden die Identitären und der AfD-Flügel auch vom Verfassungsschutz beobachtet. Beides sind rechtsextreme Vereinigungen.

Der Verfassungsschutz ist leider zu einem rein politischen Instrument verkommen, der auch völlig Verfassungskonforme Aussagen wie "Grundgesetz statt Scharia" als verfassungswidrig einstuft.

Es ist schade.
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Re: Identitäre Bewegung in Europa: Legitime Aktivisten oder Nazi-Hipster?

Beitragvon zollagent » Fr 9. Aug 2019, 12:48

Keoma hat geschrieben:(09 Aug 2019, 10:45)

Und wenn man oft genug sagt, das ist rechtsextrem, nützt es trotzdem nichts.

Klar. Wie sagt der Volksmund noch so richtig? "Ist der Ruf erst ruiniert.......". :D
Wer an Absurditäten glaubt, wird Abscheulichkeiten begehen. (Voltaire)
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Re: Identitäre Bewegung in Europa: Legitime Aktivisten oder Nazi-Hipster?

Beitragvon Keoma » Fr 9. Aug 2019, 12:51

zollagent hat geschrieben:(09 Aug 2019, 12:48)

Klar. Wie sagt der Volksmund noch so richtig? "Ist der Ruf erst ruiniert.......". :D


Quatsch.
Was hat das damit zu tun, dass eine selbsternannte Sprachpolizei mangels anderer Mittel um jeden Preis das Wording in der Diskussion bestimmen will?
Auch Moralapostel sollten, aus Gründen der Abschreckung, dann und wann gekreuzigt werden.
(Martin Gerhard Reisenberg)
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Re: Identitäre Bewegung in Europa: Legitime Aktivisten oder Nazi-Hipster?

Beitragvon Schnitter » Fr 9. Aug 2019, 12:54

Keoma hat geschrieben:(09 Aug 2019, 12:51)

Quatsch.
Was hat das damit zu tun, dass eine selbsternannte Sprachpolizei mangels anderer Mittel um jeden Preis das Wording in der Diskussion bestimmen will?


Dass sich die deutsche Führungsriege der IB aus der Jugendorganisation der NPD zusammensetzt ist purer Zufall.

Das sind natürlich keine Rechtsextremen.
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Re: Identitäre Bewegung in Europa: Legitime Aktivisten oder Nazi-Hipster?

Beitragvon zollagent » Fr 9. Aug 2019, 12:57

watisdatdenn? hat geschrieben:(09 Aug 2019, 11:47)

"Neue rechte" kenne ich nicht.
Deine Eigenschaften die du zuweist sind aber komplett falsch!

Rassismus: eine (biologische) Ethnie ist besser als eine andre. -> sagen weder IB noch AfD

Fremdenfeindlich: kulturell fremde werden nicht akzeptiert. -> ja ab einem gewissen Grad. Die IB sagt jede Ethnie hat einen Platz auf der Welt und das soll so bleiben. Also Z.B. Tibet soll erkennbar tibetisch bleiben und nicht chinesisch werden.
Die IB fordert eine offene Debatte über den von Volk gewünschten Grad der Verfremdung.

Inhuman -> wäre es im Mittelmeer die Leute ertrinken zu lassen.
Niemand fordert das. Sondern es wird die Rückkehr gefordert, so dass der Anreiz Für die Gefahr wegfällt.
Inhuman ist es auch Flüchtlinge auf das tödliche Meer zu locken, mit der Aussicht nach Europa zu kommen..

Antidemokratisch: die AfD hat schon Anträge für mehr Demokratie eingebracht. Da muss man nicht mehr sagen.
Auch die IB handelt strikt nach unseren demokratischen Regeln.
Sonst wäre sie auch nicht akzeptabel.


Die EU ist dagegen wirklich undemokratisch aufgebaut mit einer Kommission die das alleine Gesetzesinitiativrecht hat..


Der Verfassungsschutz ist leider zu einem rein politischen Instrument verkommen, der auch völlig Verfassungskonforme Aussagen wie "Grundgesetz statt Scharia" als verfassungswidrig einstuft.

Es ist schade.

Die Auffassung der AfD, wie Demokratie auszusehen haben, ist untrennbar mit selektiver Vergabe von Rechten verbunden und deshalb nicht demokratiekonform. Die rassistische Auffassung der IB, daß die Welt sozusagen in Stammesgebiete aufgeteilt zu sein habe, kann schon mal unmöglich in irgendeiner Weise mit Demokratie vereinbar sein. Der Unterschied zwischen einer staatlichen Form und einem Staatenbund ist offenbar noch nicht in alle Bevölkerungskreise vorgedrungen. So lange rechtsstaatlich gewählte Regierungen ihre Vertreter entsenden, ist das Gewinsel um "undemokratische Praktiken" einfach und aus der Luft gegriffen, und angesichtes der Bestrebungen derselben Kreise, eine weitere europäische Einigung zu unterlaufen, auch nur verlogenes Getue.
Wer an Absurditäten glaubt, wird Abscheulichkeiten begehen. (Voltaire)

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