Parlamentswahlen in Italien 2018

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Re: Parlamentswahlen in Italien 2018

Beitragvon Orbiter1 » So 16. Dez 2018, 16:53

Eulenwoelfchen hat geschrieben:(16 Dec 2018, 03:18)

Dieses Weggeben der Entscheidungs- und Gestaltungsmacht über den nationalen Haushalt wäre klar verfassungswidrig in Deutschland.
So ist es.
---
Zum Geldwert und seiner Deckung bzw. Sicherung durch Gegenwerte:
Gold als Deckung von Währungen wurde schon lange ersetzt durch das Prinzip Vertrauen in die Leistungsfähigkeit und den Wert einer Volkswirtschaft incl. den real vorhandenen Vermögenswerten. Grund und Boden, Innovationskraft, Infrastruktur, Lukrativität des Standorts und des Arbeitsmarkts/Ausbildungsstandes. Also mithin seine grundsätzlich positive Bewertung für Zukunftsinvestitionen internationaler Kapitalgeber / Investoren. Und dabei ist ganz wesentlich auch eine berechenbare politische Stabilität, die sowohl die rechtlichen als auch die ökonomischen Rahmenbedingungen gewährleistet, die Kapital nun mal braucht oder gerne hat:
Vertrauen, dass das berechenbar so ist bzw. so bleibt. Langfristig.
So ist es.
Aus diesem Grund ist zum Beispiel der Euroraum bisher durchaus positiv bewertet. Vor allem Länder wie D (oder auch Ö) haben deshalb auch eine hohe, oder so wie D, sogar die höchste Kreditwürdigkeitsbewertung von Ratingagenturen. Vergleichsweise mies ist da schon die Bewertung der USA. Aber als "Inhaber***" der Weltleitwährung USD und der unangefochtenen militärischen Vormachtstellung, die natürlich auch für den Kampf bzw.
die Sicherung von nicht landeseigenen Rohstoffressourcen eingesetzt werden kann ... oder wird, sind die USA ein Sonderfall. Den hinsichtlich der exzessiven und hemmungslosen Staatsverschuldung (Neuverschuldung) sind die Amis riesige Kleiderschränke, zu der sich im Vergleich die diskutierte Neuverschuldung Italiens allenfalls wie ein Fußschemel ausnimmt. Egal, ob mit 2,04 oder 2,4 % Neuverschuldung.
Was die Neuverschuldung betrifft ist das korrekt, bei der gesamten Staatsverschuldung sieht es aber anders aus.
Italien hat ein Strukturproblem seiner staatlichen Rahmenbedingungen, eine mafiose und wenig effiziente Verwaltung und Bürokratie, die alles andere als investitions- bzw. wachstumsfreundlich ist, und bürokratische Hürden
für Unternehmen und Investoren unberechenbar macht. Hinsichtlich Genehmigung bzw. Dauer solcher Verfahren regelmäßiges Stöhnen verursacht. Seit Jahrzehnten.
So ist es. Und bedauerlicherweise dreht die italienische Populistenregierung sogar die Mini-Reformen der Vorgängerregierung zurück.
Das Problem Italiens ist nicht der Euro, von dessen internationalem Vertrauen als Währung das Land eigentlich profitiert(e). Der Spread, also die Zinsen für Staatskredite, also neue Schulden des ital. Staates und solche Kredittitel z.B. von Deutschland, ist aktuell aber sehr weit auseinander gegangen. Als Folge eines von den internationalen Finanz- und Kapitalmärkten sich verstärkenden Vertrauensverlustes gegenüber Italien und dessen Wirtschaftskraft. Genauer einer aktuellen Regierung, die das Wachstum faktisch nur durch Neuverschuldung erzeugen will, ohne irgendwelche nennenswerten und seit Jahren überfälligen Strukturreformen vorzunehmen. Die Regierung von Cinque Stelle, Salvini & Co. ist als Blenderverein vielleicht nicht im eigenen Land überführt, dafür von den internationalen Finanz- und Kapitalmärkten. Solange sich Italien trotz der Nullzins-Politik der EZB noch mit frischen Kapital internationaler Geldgeber versorgen kann, wenn auch zu deutlich höheren Zinssätzen, ist noch alles im Lot. Schwierig wird es, wenn niemand mehr Italien Geld leihen will. So wie im Falle Griechenlands, selbst gegen horrende Zinsen.
Die italienischen Privathaushalte gehören zu den vermögendsten der Eurozone. Dementsprechend wäre es kein Problem sowohl die Staatsverschuldung als auch die Pläne der Populistenregierung von den eigenen Landsleuten bezahlen zu lassen. Die Deutsche Bundesbank (!) hat dazu bereits ein Szenario veröffentlicht. ("20 Prozent Zwangsanleihe für einen nationalen Schuldenfonds statt europäischer Risikoteilung" http://edition.faz.net/faz-edition/wirt ... 40f1d2c85/ ). Die italienische Regierung präferiert für die Lösung ihrer finanziellen Probleme aber eher die Steuerzahler der gesamten Eurozone.
Dann bleibt nur noch der Weg, dass die italienische Nationalbank neue Euros druckt, bis sie jedermann bei den Ohren und Nasenlöchern herausragen. Und damit die italienischen Banken oder direkt den Staat versorgt.
Die italienische Notenbank ist eine Außenstelle der EZB und wird nichts dergleichen tun.
Denn eine Kreditfinanzierung wie im Falle Griechenlands, die schon hunderte Milliarden von Euros kostete, kann kein Rettungsschirm bei der Größe der ital. Volkswirtschaft leisten.
In Griechenland mussten 2012 die privaten Gläubiger im Rahmen eines Schuldenschnitts auf 107 Mrd €, das entsprach 50% des Wertes der Staatsanleihen und 1/3 der damaligen Staatsverschuldung, verzichten. Niemand kann die italienische Regierung davon abhalten das ebenso durchzuziehen.
Natürlich könnte das auch den Euro erschüttern bzw. dramatisch abwerten. Aber ob er deshalb als Währung verschwinden bzw. zerstört würde, ist nicht so sicher.
Solange nur 1 großes Eurozonenmitglied oder mehrere kleine in Schwierigkeiten stecken kann der Euro das überleben.
Japans Notenbank begnügt sich immerhin mit nur -0,1 % Leitzins, gefolgt von der Sparerverarschungszentrale der EZB mit dem ihr vorstehenden Roß- und Mäusetäuscher Mario Draghi.
Da tun sie Draghi unrecht. Er muß bei den Maßnahmen der EZB (die er auch nicht einsam fällt) das Wohlergehen der gesamten Eurozone und nicht das Wohlergehen der deutschen Sparer im Fokus haben.
Naja, irgendwie scheint man ja der ital. Regierung mit all ihren populistischen Helden zumindest etwas näher gebracht zu haben, dass Brüssels Aufrufe zur Mäßigung (sogar Herr Draghi erklärte sich gleichlautend) nicht eine Bosheit der Eurozonenländer gegen Italien ist, sondern ein dezenter Hinweis, das Vertrauen der Finanzmärkte in Italien nicht weiter zu zerbröseln. Vor allem auch in Hinblick auf die faktisch längst überfällige, wohl auch nicht mehr verhinderbare, Anhebung der Leitzinsen des Euro. Die spätestens in einem Jahr beginnen wird/soll. So zumindest die Statements der EZB. Sofern nicht unvorhersehbare Ereignisse (Trump/China) oder auch ein Idiotenbrexit (no deal) die Weltwirtschaft statt weiter zu wachsen eher zurückwerfen. Besonders den Euro- bzw. EU-Raum. Daß aktuell das Vertrauen der globalen Märkte nicht gerade hoch ist, und speziell die USA unter Trump mittlerweile auch in den USA den Optimismus mit viel Herz, dafür wenig Verstand, unverdrossen schreddern, ist die Situation für ein Land wie Italien doppelt risikobehaftet. Nicht nur mit einer falschen eigenen (Haushalts-)politik, sondern auch hinsichtlich negativer globaler Wirkungen, die das Land selbst wenig bis gar nicht beinflussen kann.
Der italienischen Regierung bleiben nach einer Phase des Tricksen und Täuschens im Grunde genommen nur 2 Möglichkeiten. Entweder klein beigeben und brav befolgen was die EU-Kommission vorgibt oder ein Ausstieg aus dem Euro. Bei den italienischen Verhältnissen kann es aber gut sein dass die Phase des Tricksen und Täuschens gar nicht verlassen wird weil es bereits wieder eine neue Regierung gibt.

Persönlich würde ich mir eine weitere Konvergenz innerhalb der Eurozone im Bereich der Wirtschafts-, Steuer- und Sozialpolitik sowie der Stärkung schwächerer Regionen wünschen, halte dieses Ziel aber für nicht erreichbar. Jahrzehnte- wenn nicht jahrhundertealte "Traditionen" und Verhaltensweisen lassen dies einfach nicht zu. Es würden nur Fässer ohne Boden entstehen. Wenn es nicht einmal den Norditalienern in 150 Jahren gelingt aus Süditalien eine prosperierende Region zu machen, wird das den anderen Staaten der Eurozone auch in 1.000 Jahren nicht gelingen. Aus diesem Grund wollte sich die Lega Nord ja ursprünglich sogar mal vom Süden Italiens lösen. Am Ende wird es wohl daraus hinauslaufen dass die Anzahl der Euroländer kleiner wird, oder es gibt 2 Eurozonen für wirtschaftlich stärkere und schwächere Länder. Im worst case erfolgt die Rückkehr zu den nationalen Währungen.
Zuletzt geändert von Orbiter1 am So 16. Dez 2018, 16:59, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Parlamentswahlen in Italien 2018

Beitragvon Varilion » So 16. Dez 2018, 19:14

Zum Thema “Zwangsanleihe”
a)Das wäre sehr “verfassungs fraglich”.Hier wird der Verfassungsgericht einen großen Spielraum haben.
b)Das ist eine A-Bombe auf der italienischen Bankensystem. Man muss die möglichen Konsequenzen sehr gut Betrachten.

Zum Thema “Schuldenproblem”
Staatsschulden sind ein Problem, und ein ziemlich Großes, aber das ist nicht “Das Problem” Italiens. Es heißt doch “niedrige Wachstum”, oder mit mehr technischen Begriffen (zu) niedrige “Multifaktor-Produktivität”. Die Strategie der letzten Jahren ist immer gewesen: a) Staatsverschuldung zu Begrenzen, b) Ressourcen durch “Reformen” (e.g. Rentenalters erhöhung) zu befreien, c) in Produktivität zu investieren. [Italien ist in der letzten 20 Jahren unter der länder der Welt mit der niedrigsten Wachstum gewesen]

Zum Thema “Süditalien”
Es ist nicht fair zu sagen, dass Norditalien seit 150 Jahren (vergeblich) versucht, den Süden zu entwickeln. Während der ersten 75, wurde es gar nicht getan. In den folgenden 50 wurde immer das Problem, als ein “armutsproblem” betrachten, aber nie wie ein Problem von Wettbewerbsfähigkeit. Seit 25 Jahren wurde einfach zu wenig getan.
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Re: Parlamentswahlen in Italien 2018

Beitragvon H2O » So 16. Dez 2018, 22:15

Varilion hat geschrieben:(16 Dec 2018, 19:14)
...

Zum Thema “Süditalien”
Es ist nicht fair zu sagen, dass Norditalien seit 150 Jahren (vergeblich) versucht, den Süden zu entwickeln. Während der ersten 75, wurde es gar nicht getan. In den folgenden 50 wurde immer das Problem, als ein “armutsproblem” betrachten, aber nie wie ein Problem von Wettbewerbsfähigkeit. Seit 25 Jahren wurde einfach zu wenig getan.


Von Finanzen verstehe ich nicht genug, um gedanklich diese Hürde zu überwinden. Ich weiß nur, daß ich in Norditalien doch Zeugnisse einer industriellen Vergangenheit und Gegenwart gesehen habe, vor denen ich allen Respekt hatte. Wodurch so etwas so abbaut... keine Ahnung!

Wie man mit dem italienischen Süden umgehen sollte, das ist nach Ihren Anmerkungen auch nicht einfacher geworden: Tut man nichts, überläßt die Menschen ihren Fähigkeiten, dann waren das 75 Jahre vertane Zeit. Gibt man Mittel zur Überwindung der Armut, dann waren das 50 Jahre sinnlos ausgegebenes Geld, und wenn man die letzten 25 Jahre... betrachtet, dann war das alles zu wenig.

Dennoch, das Land gehört zu Italien... was schlagen Sie vor als Italiener oder Wahl-Italiener, um dort die Verhältnisse zum Besseren zu verändern? Für uns Nordlichter ist das eine schier unlösbare Aufgabe.
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Re: Parlamentswahlen in Italien 2018

Beitragvon Orbiter1 » So 16. Dez 2018, 22:30

Varilion hat geschrieben:(16 Dec 2018, 19:14)

Zum Thema “Zwangsanleihe”
a)Das wäre sehr “verfassungs fraglich”.Hier wird der Verfassungsgericht einen großen Spielraum haben.
Dann muss man die Verfassung falls erforderlich ändern. Es geht immerhin um die Zukunft Italiens.
b)Das ist eine A-Bombe auf der italienischen Bankensystem. Man muss die möglichen Konsequenzen sehr gut Betrachten.
Wieso ist eine Zwangsanleihe für reiche Italiener eine A-Bombe für das italienische Bankensystem?
Zum Thema “Schuldenproblem”
Staatsschulden sind ein Problem, und ein ziemlich Großes, aber das ist nicht “Das Problem” Italiens. Es heißt doch “niedrige Wachstum”, oder mit mehr technischen Begriffen (zu) niedrige “Multifaktor-Produktivität”. Die Strategie der letzten Jahren ist immer gewesen: a) Staatsverschuldung zu Begrenzen, b) Ressourcen durch “Reformen” (e.g. Rentenalters erhöhung) zu befreien, c) in Produktivität zu investieren. [Italien ist in der letzten 20 Jahren unter der länder der Welt mit der niedrigsten Wachstum gewesen]
Verschuldung und eingeschränktes Wirtschaftswachstum hängen aber schon ein Stück weit zusammen. Bei einer sehr hohen Verschuldung muss auch ein hoher Anteil der Staatseinnahmen (hauptsächlich Steuern) für den Schuldendienst verwendet werden und kann z. B. nicht in Investitionen oder Förderprogramme fließen. Und einfach noch mehr Schulden zu machen um die Wirtschaft anzukurbeln klappt auch nicht so einfach wie man aktuell sehen kann.
Zum Thema “Süditalien”
Es ist nicht fair zu sagen, dass Norditalien seit 150 Jahren (vergeblich) versucht, den Süden zu entwickeln. Während der ersten 75, wurde es gar nicht getan. In den folgenden 50 wurde immer das Problem, als ein “armutsproblem” betrachten, aber nie wie ein Problem von Wettbewerbsfähigkeit. Seit 25 Jahren wurde einfach zu wenig getan.
Da steht in Wikipedia bei "Süditalien" aber was anderes:

"In der ersten Phase (1950 bis 1956) konzentrierte man sich auf den Ausbau der Infrastruktur und bot Anreize durch finanzielle Vergünstigungen.

In der zweiten Phase (1957 bis 1964) erfolgte „gezielte Industrialisierung“, bei der man verschiedene Industriekerne und -gebiete auswies, und dort, ohne Berücksichtigung der vorhandenen Betriebsstruktur, staatliche Betriebe ansiedeln ließ. Private Firmen waren wegen der Nachteile des Südens nicht bereit sich dort anzusiedeln. Dies kann nicht als Erfolg verzeichnet werden, da diese Großbetriebe keinerlei Folgeansiedlungen nach sich zogen. Sie waren sozusagen „Kathedralen in der Wüste“.

Die dritte Phase (1965 bis 1970) ist auch als „geplante Industrialisierung“ bekannt. Hierbei wurden gleichartige kleine und mittelgroße Unternehmen dort angesiedelt, wo man vermutete, dass diesen weitere Betriebe folgen würden.

In der vierten Phase (1971 bis 1986) übernahm der EFRE (Europäischer Fonds für regionale Entwicklung) die Geldförderung des Mezzogiorno. Mit diesen Mitteln wurden Grundstoffindustrien aufgebaut. Man erhoffte sich dadurch die Ansiedlung von weiteren Betrieben. Diese blieb allerdings aus und, da mit dem Beitritt Spaniens und Portugals zur EU 1986 wirtschaftlich noch schwächere Gebiete beitraten, versiegten die Investitionen des EFRE.

Alle vier Phasen kann man somit heute als gescheitert ansehen, weil sich die wirtschaftliche Situation zwar anfangs verbesserte, aber dem geleisteten Aufwand nicht gerecht wurde und seitdem langsam wieder auf den vorherigen Stand zurückgefallen ist.

1992 wurde die Arbeit der Cassa per il Mezzogiorno eingestellt, und der italienische Staat begann mit einer allgemeinen Förderpolitik strukturschwacher Regionen, und zwar nicht ausschließlich im Süden. In Abstimmung mit der europäischen Förderpolitik werden heute Maßnahmen zur Unterstützung der lokalen Initiativen (patti territoriali) als besonders vielversprechend angesehen."

Süditalien hat nach diesen Informationen fast 70 Jahre erfolgloser Förderung hinter sich.
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Re: Parlamentswahlen in Italien 2018

Beitragvon H2O » So 16. Dez 2018, 22:44

@orbiter1 & @Varilion

Mit den in Wikipedia dargestellten Maßnahmen ist nichts gewonnen worden. (Übrigens habe ich mich auch im Fall Griechenland gefragt, wie man dort die Verhältnisse verbessern könnte... und auch da bin ich ratlos geblieben)

Hier wäre es gut, wenn varilion seine Vorschläge ausbreiten würde und wir dann gemeinsam überlegten, was wir auf europäischer Ebene damit anfangen könnten. Es ist ja wahr, daß mit der EU-Mitgliedschaft vieler armer Oststaaten und Südstaaten unsere europäischen Möglichkeiten nicht Schritt gehalten haben.
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Re: Parlamentswahlen in Italien 2018

Beitragvon Varilion » So 16. Dez 2018, 23:44

Angenommen das der italienischen Staat es schafft, nicht Verfassungswidrig Zwangsanleihe einzuführen, werden die Italiener am nächsten Tag ihrem ganzen bleibenden Vermogen raus von Italien ziehen. Es wäre eine sehr willkürlich Maßnahme, die einfach mehr negative als positive Effekten haben kann. Wirtschaft braucht Vertrauen und Stabilität.

Zu den anderen Themen schreibe ich Morgen.
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Re: Parlamentswahlen in Italien 2018

Beitragvon H2O » So 16. Dez 2018, 23:52

Varilion hat geschrieben:(16 Dec 2018, 23:44)

Angenommen das der italienischen Staat es schafft, nicht Verfassungswidrig Zwangsanleihe einzuführen, werden die Italiener am nächsten Tag ihrem ganzen bleibenden Vermogen raus von Italien ziehen. Es wäre eine sehr willkürlich Maßnahme, die einfach mehr negative als positive Effekten haben kann. Wirtschaft braucht Vertrauen und Stabilität.

Zu den anderen Themen schreibe ich Morgen.


Natürlich haben Sie Recht... ich würde auch versuchen, mein bewegliches Vermögen ganz schnell vor solchem Zugriff zu bewahren. Wenn ich mich richtig erinnere (Kinder, wie die Zeit dahin rast!) haben das vermögende Griechen auch sofort gemacht, als die Steuerfahndung drohte.

Und dann faßt der allmächtige Staat in die Taschen der Mitbürger, die nicht reich genug sind, um sich kurz 'mal eben ins Ausland zu verziehen, bis der Anfall vorüber gegangen ist.
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Re: Parlamentswahlen in Italien 2018

Beitragvon Brainiac » Mo 17. Dez 2018, 15:59

[MOD] Ich habe weite Teile dieser EU/Euro/VSE-Grundsatzdiskussion, in der es nur noch am Rande um Italien ging, hierhin verschoben: https://www.politik-forum.eu/viewtopic.php?f=8&t=65019 Bitte bei Bedarf dort fortsetzen.
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Re: Parlamentswahlen in Italien 2018

Beitragvon Varilion » Mi 19. Dez 2018, 18:42

Also, Süditalien:
Ich kenne die Lage nicht besonders gut - ich bin nie da gewesen - aber mir scheinen einen Paar Dinge klar. Ich wäre z.B. für eine:
-Abschaffung der nationalen Tarifverträge.
-Einführung von regionalen (statt nationalen) Entgelttabellen für Beamter.
-Einführung der “standardkosten” Prinzip für die Verteilung der Ressourcen in der Verwaltung.
-Abschaffung der Autonomie Siziliens.
Dazu kommen auch Dingen wie Bildungsreform oder mehrere Ressourcen für Sicherheit und Justiz.

Brussel kann nicht viel damit tun. Unterstützung für Infrastrukturen gibt’s schon. Mehrere Subventionen für Unternehmen, wie in Griechenland oder Osteuropa können vielleicht helfen; ich bleibe aber etwas skeptisch.

übrigens, haben die italienische Regieurung und die EU-Kommissions eine Einigung über das Budget gefunden. Meiner Meinung nach bleibt es falsch gezielt, aber anscheinend erfüllt das neue Budget Vorschlag die EU-bedingungen.
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Re: Parlamentswahlen in Italien 2018

Beitragvon Iwan der Liebe » Mi 19. Dez 2018, 19:07

Den Großkapitalisten und ihren Handlangern in Berlin, Paris und Brüssel kommt das Kotzen, Italien will ein Grundeinkommen für Bedürftige einführen und auf der anderen Seite Steuern der Großverdiener erhöhen.

Das ist ziemlich genau das Gegenteil davon, was unserer Ideologie entspricht, nach der man Millionären und Milliardären nur so das Geld nachwerfen müsse, weil ihnen dadurch unweigerlich auch etwas aus den Taschen fällt und arbeitende Leute vielleicht auch mal davon profitieren könnten...

Gilt es eigentlich noch als demokratisch, wenn eine Regierung mal die Interessen der Mehrheit der Bevölkerung und nicht die Interessen der Mehrheit der Lobbyisten vertritt?
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Re: Parlamentswahlen in Italien 2018

Beitragvon Orbiter1 » Mi 19. Dez 2018, 20:35

Iwan der Liebe hat geschrieben:(19 Dec 2018, 19:07)

Den Großkapitalisten und ihren Handlangern in Berlin, Paris und Brüssel kommt das Kotzen, Italien will ein Grundeinkommen für Bedürftige einführen und auf der anderen Seite Steuern der Großverdiener erhöhen.

Das ist ziemlich genau das Gegenteil davon, was unserer Ideologie entspricht, nach der man Millionären und Milliardären nur so das Geld nachwerfen müsse, weil ihnen dadurch unweigerlich auch etwas aus den Taschen fällt und arbeitende Leute vielleicht auch mal davon profitieren könnten...

Gilt es eigentlich noch als demokratisch, wenn eine Regierung mal die Interessen der Mehrheit der Bevölkerung und nicht die Interessen der Mehrheit der Lobbyisten vertritt?
Im Budget das mit der EU-Kommission vereinbart wurde stehen auch Mehreinnahmen von 9,4 Mrd € die durch eine zweistufige Mehrwertsteuererhöhung zustande kommen. Klingt irgendwie nicht so als ob das im Interesse der Mehrheit der Bevölkerung wäre.
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Re: Parlamentswahlen in Italien 2018

Beitragvon H2O » Mi 19. Dez 2018, 23:09

Hier ist von einer Mehrwertsteuer von 24,90% in 2020 die Rede (Ein verminderter Satz wird auf 13% in 2020 angehoben)

https://www.unsertirol24.com/2018/01/29 ... erhoehung/

Ich kenne solche Steuersätze aus Polen (23% und 8%)

Das ist ein harter Schlag ins Kontor der Verbraucher. Lustig geht anders!
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Re: Parlamentswahlen in Italien 2018

Beitragvon Brainiac » Fr 21. Dez 2018, 06:09

[MOD] Spam entsorgt. Hier geht es um Italien und nicht um allgemeine Breitseiten gegen die "kapitalistische Idiotie".
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Re: Parlamentswahlen in Italien 2018

Beitragvon Senexx » Do 27. Dez 2018, 13:12

Eine neuen Umfrage zufolge, bauen die Clowns weiter ab. Und Di Maio verliert massiv an Zustimmung, wie der Corriere heute berichtet. Die Legisten sind weiter im Höhenflug, auch wenn sie mininal von Ihren Spitzenwerten entfernt sind. Vor allem Frauen unterstützen sie und Normalbürger. Während die Kommunisten vor allem beim reichlich vorhanden akademischen Proletariat punkten und sich etwas erholen.
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Re: Parlamentswahlen in Italien 2018

Beitragvon Arcturus » Do 27. Dez 2018, 21:07

Senexx hat geschrieben:(27 Dec 2018, 13:12)

Eine neuen Umfrage zufolge, bauen die Clowns weiter ab. Und Di Maio verliert massiv an Zustimmung, wie der Corriere heute berichtet. Die Legisten sind weiter im Höhenflug, auch wenn sie mininal von Ihren Spitzenwerten entfernt sind. Vor allem Frauen unterstützen sie und Normalbürger. Während die Kommunisten vor allem beim reichlich vorhanden akademischen Proletariat punkten und sich etwas erholen.

5
M5S stabil bei guten 27%, Di Maio verliert in der Tat satte 15%, momentan sind "nur" 43% der Italiener mit seiner Arbeit zufrieden (Im Vergleich dazu: den höchsten Beliebtheitswert in Deutschland hat Heiko Maas (SPD) mit 48%, Werte vom August 2018, https://www.merkur.de/politik/deutschla ... 87153.html). Er wird sich erholen.

Salvini nach wie vor mit hohen Beliebtheitswerten (56%), die Lega geht aber 3% runter, auf knapp 33%. Conte ist nach wie vor beliebt (55%).

Die Bevölkerung steht also größtenteils hinter der Regierung.
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Re: Parlamentswahlen in Italien 2018

Beitragvon Senexx » Fr 28. Dez 2018, 10:18

Sparen an der Zukunft und der Substanz, Verfrühstücken was geht

Heute kann man im Corriere Einzelheiten zu den Budgetplanungen lesen. Oben habe ich die Quintessenz formuliert.

Zinsausgaben steigen, für Renten und Sozialleistungen wird mehr Geld ausgeworfen. Bildungsausgaben werden stark gekürzt, gespart wird auch an der Erhaltung der Kulturgüter, das Feld auf dem Italien wuchern kann und Tourismuseinnahmen erzielen kann, die Anreize für Unternehmen werden drastisch zusammengestrichen. Steuererstattungen sollen verzögert werden.

Ein tolles Programm, was die Clowns und die Legisten da zusammengeschustert haben.
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Re: Parlamentswahlen in Italien 2018

Beitragvon Arcturus » Fr 28. Dez 2018, 10:56

Senexx hat geschrieben:(28 Dec 2018, 10:18)

Sparen an der Zukunft und der Substanz, Verfrühstücken was geht

Heute kann man im Corriere Einzelheiten zu den Budgetplanungen lesen. Oben habe ich die Quintessenz formuliert.

Zinsausgaben steigen, für Renten und Sozialleistungen wird mehr Geld ausgeworfen. Bildungsausgaben werden stark gekürzt, gespart wird auch an der Erhaltung der Kulturgüter, das Feld auf dem Italien wuchern kann und Tourismuseinnahmen erzielen kann, die Anreize für Unternehmen werden drastisch zusammengestrichen. Steuererstattungen sollen verzögert werden.

Ein tolles Programm, was die Clowns und die Legisten da zusammengeschustert haben.


Zinsausgaben steigen - si
Mehr Geld für Renten und Sozialleistungen - si
Weniger Geld für überhöhte Renten - si (24.000 Rentner/Pensionäre betroffen)
Bildungsausgaben werden um 4 Mrd. gekürzt - leider si
Leichte Kürzung bei der Erhaltung der Kulturgüter - leider si
Anreize für Unternehmen um 5 Mrd. gekürzt - si (Was auch immer das heißen mag)
4 Mrd. weniger Steuererstattungen für Unternehmen - si

Außerdem

4 Mrd. mehr Steuern für Versicherungen und Banken
Knapp 1 Mrd. mehr Steuern von Einrichtungen des Glücksspiels
Militärausgaben sollen verkürzt werden (wieviel ist nicht klar)


Der PD hat gerade die Sitzung der Abgeordnetenkammer gecrasht. Die Sitzung wurde vorübergehend suspendiert.
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Re: Parlamentswahlen in Italien 2018

Beitragvon Senexx » Fr 28. Dez 2018, 11:56

Sie haben sogar gerauft. Sieht man leider in unserem Bundestag so gut wie gar nicht.
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Re: Parlamentswahlen in Italien 2018

Beitragvon H2O » Fr 28. Dez 2018, 17:43

Sie haben sogar gerauft.


Aber von den 945 Abgeordneten und Senatoren (gemäß Wiki) ist keiner abgängig?
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Re: Parlamentswahlen in Italien 2018

Beitragvon Senexx » Fr 11. Jan 2019, 12:50

Diskussion um Schnellstrecke Turin-Lyon

Derzeit schlagen in Italien wieder die Wellen hoch wegen des "TAV" Turin-Lyon, an dem schon gebaut wird. 15% der Tunnels sind schon gebohrt. Die Clowns wollten das Projekt streichen, so wie damals die Renzisten die Messina-Brücke, und statt in die Zukunft zu investieren das Geld lieber an ihre Wählerklientel verteilen. Neue Berechnungen haben ergeben, dass ein Ausstieg 3 Milliarden Euro kosten würde, wie der Corriere heute berichtet. Jetzt jammern sie rum, dass das Risiko bestünde, dass man doch bauen müsse.... Was sie aber unter keinen Umständen wollen. Ein ins Spiel gebrachtes Referendum lehnen sie ab, weil sie eine krachende Niederlage fürchten.
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