Parlamentswahlen in Italien 2018

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Re: Parlamentswahlen in Italien 2018

Beitragvon H2O » Mi 12. Dez 2018, 10:32

Wähler hat geschrieben:(12 Dec 2018, 10:15)

Mein Bruder lebt seit über 30 Jahren in Norditalien und bildet italienische Jura-Studenten und Justiz-Angestellte aus. Wenn wir das Ernst meinen mit einem gemeinsamen Europa, bedarf es der Migration in beide Richtungen, also auch vom Zentrum in die Peripherie. Warum sollen junge Angestellte des Öffentlichen Dienstes der Nordstaaten nicht ein paar Jahre in Süditalien arbeiten und dann wieder in die Nordstaaten zurückkehren?


Ja, sehe ich grundsätzlich genau so. Dazu hatte Italien 150 Jahre Zeit. Warum ist das nie systematisch betrieben worden? Mit "ein paar Jahren" ist das leider nicht getan. Das muß schon einigermaßen dauerhaft sein.

In Italien können Sie den Erfolg bei den Carabinieri besichtigen. Die Leute haben nicht nur persönlich, sondern auch als öffentliche Einrichtung meine Hochachtung... höflich, unbestechlich, hilfsbereit. Das muß ja nicht unbedingt bis hinunter zum Kartenabreißer am Eingangstor der Tempelanlagen von Selinunt durchgezogen werden.
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Re: Parlamentswahlen in Italien 2018

Beitragvon z4ubi » Mi 12. Dez 2018, 15:37

Orbiter1 hat geschrieben:(12 Dec 2018, 10:16)

Was mich betrifft genügt es wenn sich die Euro-Staaten einfach nur an das halten wozu sie sich vertraglich verpflichtet haben. Das ist ja hoffentlich nicht zuviel verlangt. Darüber hinaus sollte ein geregeltes Insolvenzverfahren für Staaten der Eurozone eingeführt werden. Für die Staaten die sich nicht an die vertraglich vereinbarten Verpflichtungen halten.


Ich frage mich nur, wie ein Insolvenzerfahren aussehen soll.
Ein Schuldenschnitt bei Staaten vom Kaliber Italiens? Das Vertrauen der Finanzmärkte in Staatsanleihen der Euroländer wäre hinüber.

Oder würde man dem italienischen Staat vorschreiben, die Staatsausgaben drastisch zu kürzen bis er sich gesund gespart hat?
Wer würde dann diese Lücke mit Invesitionen in die italienische Wirtschaft füllen, damit sie nicht in sich zusammenbricht?
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Re: Parlamentswahlen in Italien 2018

Beitragvon Wähler » Mi 12. Dez 2018, 15:56

z4ubi hat geschrieben:(12 Dec 2018, 15:37)
Oder würde man dem italienischen Staat vorschreiben, die Staatsausgaben drastisch zu kürzen bis er sich gesund gespart hat?
Wer würde dann diese Lücke mit Invesitionen in die italienische Wirtschaft füllen, damit sie nicht in sich zusammenbricht?

Das wurde bei Griechenland schon alles durchgespielt. Italien ist zu groß für ein EU-Protektorat. Die Italiener selbst müssen die Entscheidung treffen, ob sie sich an die geltenden finanzpolitischen Spielregeln halten, oder aus dem Euro austreten. Die anderen EWU-Länder können nur mit Investitionen in Italien helfen, um bestehende Wirtschaftsstrukturen zu modernisieren. Ein Euro-Budget wäre durchaus geeignet, Investitionen für eine effizientere nationale Verwaltung und öffentliche nationale Unternehmen zu unterstützen. Der Juncker-Fonds ist ja eher für die Privatwirtschaft gedacht. Die EU-Struktur- und Regionalfonds fließen in regionale Strukturen.
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Re: Parlamentswahlen in Italien 2018

Beitragvon H2O » Do 13. Dez 2018, 01:04

Man muß auch bedenken, daß private Investitionen auch Erträge bringen müssen. Wenn das durch verfahrene gesellschaftliche Entwicklungen (Mafia, Korruption, gering qualifizierte Arbeitskräfte) gar nicht möglich ist, dann machen private Investoren einen weiten Bogen um dieses Land.

Die erste dringende Maßnahme muß sein, diese Mißstände zu beseitigen. Ansonsten fließen die EU-Investitionensmittel überall hin, aber nicht in sinnvolle Projekte.
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Re: Parlamentswahlen in Italien 2018

Beitragvon Alexyessin » Do 13. Dez 2018, 08:51

H2O hat geschrieben:(13 Dec 2018, 01:04)

Man muß auch bedenken, daß private Investitionen auch Erträge bringen müssen. Wenn das durch verfahrene gesellschaftliche Entwicklungen (Mafia, Korruption, gering qualifizierte Arbeitskräfte) gar nicht möglich ist, dann machen private Investoren einen weiten Bogen um dieses Land.

Die erste dringende Maßnahme muß sein, diese Mißstände zu beseitigen. Ansonsten fließen die EU-Investitionensmittel überall hin, aber nicht in sinnvolle Projekte.


Zum Beispiel in die Autobahn nach Messina. Schön mit Kurven um die Anwesen der dortigen N´drangheta Häuptlinge ;)
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Re: Parlamentswahlen in Italien 2018

Beitragvon H2O » Do 13. Dez 2018, 08:58

Alexyessin hat geschrieben:(13 Dec 2018, 08:51)

Zum Beispiel in die Autobahn nach Messina. Schön mit Kurven um die Anwesen der dortigen N´drangheta Häuptlinge ;)


Diese Spöttelei läßt sich erweitern. Um Arbeit und Brot in der Region zu halten, hat der Bau dieser Strecke etwa 30 Jahre gedauert. (Sie reden doch von der Strecke Palermo-Messina? Wie die Verzweigungen der institutionalisierten Verbrecherbanden heißen, das ist noch einmal eine Wissenschaft für sich. ) Gut Ding will Weile haben.
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Re: Parlamentswahlen in Italien 2018

Beitragvon Alexyessin » Do 13. Dez 2018, 09:27

H2O hat geschrieben:(13 Dec 2018, 08:58)

Diese Spöttelei läßt sich erweitern. Um Arbeit und Brot in der Region zu halten, hat der Bau dieser Strecke etwa 30 Jahre gedauert. (Sie reden doch von der Strecke Palermo-Messina? Wie die Verzweigungen der institutionalisierten Verbrecherbanden heißen, das ist noch einmal eine Wissenschaft für sich. ) Gut Ding will Weile haben.


Nein, ich meinte dieses Ding
https://www.deutschlandfunkkultur.de/au ... _id=341609
ab Neapel.

Es sind übrigens keine Verzweigungen - die "Mafia" ist immer nur der Überbegriff. Tatsächlich sind es aber von einerander unhängige Gebilde, die in unterschiedlichen Regionen operieren und auch, soweit bekannt, unterschiedliche Strukturen aufweisen.
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Re: Parlamentswahlen in Italien 2018

Beitragvon H2O » Do 13. Dez 2018, 09:48

Alexyessin hat geschrieben:(13 Dec 2018, 09:27)

Nein, ich meinte dieses Ding
https://www.deutschlandfunkkultur.de/au ... _id=341609
ab Neapel.

Es sind übrigens keine Verzweigungen - die "Mafia" ist immer nur der Überbegriff. Tatsächlich sind es aber von einerander unhängige Gebilde, die in unterschiedlichen Regionen operieren und auch, soweit bekannt, unterschiedliche Strukturen aufweisen.


Auf dieser Autobahn bin ich auch schon in Kalabrien herum gefahren, um mir bei Briatico ein Grundstück für die alten Tage an zu sehen. Meine Kumpel in Genua haben die Hände über dem Kopf zusammen geschlagen wegen der dort herrschenden Mafia. Damals wurde ein ganzes Dorf verhaftet, weil es ordnungsgemäß EU-Gelder zum Ausbau von Weinkellern verwandt hatte mit der Besonderheit, dort Entführungsopfer sicher verwahren zu können.

Ja, Pommern ist dann doch sicherer... :)
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Re: Parlamentswahlen in Italien 2018

Beitragvon Wähler » Do 13. Dez 2018, 18:51

SZ 13. Dezember 2018 Italien verringert nach wochenlanger Fehde mit Brüssel die geplante Neuverschuldung: von 2,4 auf 2,04 Prozent
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/ ... -1.4251957
Die gewagte Haushaltspolitik der Regierung hat das Land Milliarden an den Börsen gekostet. Darunter litten vor allem die Banken mit ihren großen Portfolios an italienischen Staatsanleihen. Als Folge davon stiegen die Zinsen für Hypotheken und Firmenkredite, und die Populisten liefen plötzlich Gefahr, Volk und Unternehmer gegen sich zu haben. Käme jetzt ein Defizitverfahren hinzu, mit Milliardensanktionen und dem Ausschluss von den Strukturfonds der EU, würde Italiens Gleichgewicht auf die Probe gestellt.

"Doch am Ende werden einige Milliarden Euro fehlen, um das hoffnungsfroh gestimmte Wahlvolk zu beglücken. Von einem früheren Rentenalter werden im nächsten Jahr wohl nur 300 000 Italiener profitieren, die im Alter von 62 schon 38 Beitragsjahre geleistet haben. Bisher hofften 430 000 auf eine solche Regelung. Und auch für den Bürgerlohn, die große Verheißung der Fünf Sterne, wird es weniger Geld geben: 7,5 statt neun Milliarden Euro."
Macron ist eingeknickt und die italienischen Populisten sind zurückgerudert.
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Re: Parlamentswahlen in Italien 2018

Beitragvon z4ubi » Do 13. Dez 2018, 20:41

Also 2,04 % Neuverschuldung und für den Bürgerlohn 7,5 MRD € zur Verfügung. Kann sich doch sehen lassen für den Anfang...
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Re: Parlamentswahlen in Italien 2018

Beitragvon H2O » Fr 14. Dez 2018, 09:28

z4ubi hat geschrieben:(13 Dec 2018, 20:41)

Also 2,04 % Neuverschuldung und für den Bürgerlohn 7,5 MRD € zur Verfügung. Kann sich doch sehen lassen für den Anfang...


Man sollte diesseits der Alpen alles Menschenmögliche tun, um nicht als Geldquelle für italienische Gefälligkeitspolitik dienen zu müssen. Wer glaubt, daß damit erst einmal Ruhe eingekehrt sei, der wird sich verwundert die Augen reiben darüber, was Politikern denn sonst noch so einfallen mag, was mit anderer Leute Geld machbar ist.
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Re: Parlamentswahlen in Italien 2018

Beitragvon z4ubi » Sa 15. Dez 2018, 15:21

H2O hat geschrieben:(14 Dec 2018, 09:28)

Man sollte diesseits der Alpen alles Menschenmögliche tun, um nicht als Geldquelle für italienische Gefälligkeitspolitik dienen zu müssen. Wer glaubt, daß damit erst einmal Ruhe eingekehrt sei, der wird sich verwundert die Augen reiben darüber, was Politikern denn sonst noch so einfallen mag, was mit anderer Leute Geld machbar ist.


Anderer Leute? Solange ein Eurostaat (egal, ob Deutschland oder Italien) in Euro verschuldet ist, kommt das Geld immer von der EZB.
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Re: Parlamentswahlen in Italien 2018

Beitragvon H2O » Sa 15. Dez 2018, 15:36

z4ubi hat geschrieben:(15 Dec 2018, 15:21)

Anderer Leute? Solange ein Eurostaat (egal, ob Deutschland oder Italien) in Euro verschuldet ist, kommt das Geld immer von der EZB.


Hinter "Geld" steht ein Leistungsversprechen, richtiger wohl ein Arbeitsversprechen (Arbeit = Leistung X Zeit). Die EZB kann gar nichts versprechen. Dafür müssen schon ihre Mitglieder gerade stehen, die zum Zeitpunkt des Abrufs der Leistung dazu in der Lage sind. Wenn der Reihe nach Griechenland, Italien und andere nicht zahlen können, dann ist unser Land dafür haftbar... mindestens zu 28% (so war das zuletzt doch festgelegt), was dem deutschen Anteil an der Gemeinschaftswährung entspricht, vielleicht sogar mit mehr, wenn es da noch weitere innere Verflechtungen geben sollte.

Ein "richtiger" Wirtschaftsfachmann wird das Verfahren sicher besser erklären können; die Vorstellung, daß die EZB ohne real belastbare Deckung eine Gemeinschaftswährung betreibt, finde ich ziemlich weltfremd.
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Re: Parlamentswahlen in Italien 2018

Beitragvon z4ubi » Sa 15. Dez 2018, 17:22

H2O hat geschrieben:(15 Dec 2018, 15:36)

Hinter "Geld" steht ein Leistungsversprechen, richtiger wohl ein Arbeitsversprechen (Arbeit = Leistung X Zeit). Die EZB kann gar nichts versprechen. Dafür müssen schon ihre Mitglieder gerade stehen, die zum Zeitpunkt des Abrufs der Leistung dazu in der Lage sind. Wenn der Reihe nach Griechenland, Italien und andere nicht zahlen können, dann ist unser Land dafür haftbar... mindestens zu 28% (so war das zuletzt doch festgelegt), was dem deutschen Anteil an der Gemeinschaftswährung entspricht, vielleicht sogar mit mehr, wenn es da noch weitere innere Verflechtungen geben sollte.


Die 2,04% Neuverschuldung Italiens kommen doch nicht aus dem Rettungsfond...
Und selbst das sind ja auch nur Kredite.


H2O hat geschrieben:(15 Dec 2018, 15:36)
die Vorstellung, daß die EZB ohne real belastbare Deckung eine Gemeinschaftswährung betreibt, finde ich ziemlich weltfremd.


Naja, Stichwort Anleihenkaufprogramm. Das macht ja nicht nur die EZB.
Modernes Geld ist nicht mehr durch irgendetwas gedeckt. Wenn du mit einem 10€-Schein zur Bundesbank gehst und dafür irgendeine Leistung oder eine entsprechende Menge an Gold verlangst, bekommst du dort gar nichts.
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Re: Parlamentswahlen in Italien 2018

Beitragvon H2O » Sa 15. Dez 2018, 19:01

z4ubi hat geschrieben:(15 Dec 2018, 17:22)

Die 2,04% Neuverschuldung Italiens kommen doch nicht aus dem Rettungsfond...
Und selbst das sind ja auch nur Kredite.




Naja, Stichwort Anleihenkaufprogramm. Das macht ja nicht nur die EZB.
Modernes Geld ist nicht mehr durch irgendetwas gedeckt. Wenn du mit einem 10€-Schein zur Bundesbank gehst und dafür irgendeine Leistung oder eine entsprechende Menge an Gold verlangst, bekommst du dort gar nichts.


Das kann ich mir nicht vorstellen. Sicher ist Geldwert reine Vertrauenssache; daß nämlich hinter dem Geld eine Leistung steht, die ich gegen Geld abrufen kann. Sonst kann sich die EZB das Geld zum Feuermachen hinlegen. Das muß uns ein gelernter Finanzfachmann so erklären, daß wir das nachvollziehen können.
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Re: Parlamentswahlen in Italien 2018

Beitragvon z4ubi » Sa 15. Dez 2018, 20:51

H2O hat geschrieben:(15 Dec 2018, 19:01)

Das kann ich mir nicht vorstellen. Sicher ist Geldwert reine Vertrauenssache; daß nämlich hinter dem Geld eine Leistung steht, die ich gegen Geld abrufen kann. Sonst kann sich die EZB das Geld zum Feuermachen hinlegen. Das muß uns ein gelernter Finanzfachmann so erklären, daß wir das nachvollziehen können.


In den Eurostaaten müssen wir Steuern mit dem Euro bezahlen. Der Euro ist also auf Vetrauen nicht wirklich angewiesen bzw. wir vertrauen gezwungenermaßen in den Euro.
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Re: Parlamentswahlen in Italien 2018

Beitragvon Nomen Nescio » Sa 15. Dez 2018, 21:31

z4ubi hat geschrieben:(15 Dec 2018, 17:22)

Die 2,04% Neuverschuldung Italiens kommen doch nicht aus dem Rettungsfond...
Und selbst das sind ja auch nur Kredite.

und sie wiesenm außerdem zugleich auf frankreich. :cool:
nathan über mich: »er ist der unlinkste Nicht-Rechte den ich je kennengelernt habe. Ein Phänomen!«
blues über mich: »du bist ein klassischer Liberaler und das ist auch gut so.«
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Re: Parlamentswahlen in Italien 2018

Beitragvon H2O » Sa 15. Dez 2018, 22:17

z4ubi hat geschrieben:(15 Dec 2018, 20:51)

In den Eurostaaten müssen wir Steuern mit dem Euro bezahlen. Der Euro ist also auf Vetrauen nicht wirklich angewiesen bzw. wir vertrauen gezwungenermaßen in den Euro.


Sie diskutieren mit noch weniger Sachkenntnis als ich. Das ist doch nicht vernünftig! Der Außenwert der Gemeinschaftswährung beruht mit Sicherheit auf der Leistungsfähigkeit unserer Wirtschaft, die uns erlaubt, uns mit Waren aller Art weltweit zu versorgen. Wir bezahlen auch mit Waren aus der EU. Welchen Wert schreiben wir denn den schwächelnden EU-Partnern gut für welches Warenangebot?

Die Teilnehmer Wähler oder orbiter1 werden auf dem Gebiet Währung und Geldwert kapitelfester sein als Sie oder ich.

Es ist doch kein Versehen, daß die EU-Kommission Italien ermahnt, seine Staatsschulden ab zu bauen, die inzwischen das 1,3-fache BSP des Landes überschreiten. Italien gefährdet die Stabilität des Euros und könnte im Fall einer Staatspleite die übrigen Partner auf wertlosen Staatspapieren sitzen lassen, die die EZB aufgekauft hatte.

siehe auch hier:
https://www.deutschlandfunk.de/staatsve ... _id=430250
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Re: Parlamentswahlen in Italien 2018

Beitragvon z4ubi » Sa 15. Dez 2018, 23:21

H2O hat geschrieben:(15 Dec 2018, 22:17)

Sie diskutieren mit noch weniger Sachkenntnis als ich. Das ist doch nicht vernünftig! Der Außenwert der Gemeinschaftswährung beruht mit Sicherheit auf der Leistungsfähigkeit unserer Wirtschaft, die uns erlaubt, uns mit Waren aller Art weltweit zu versorgen.


Bisher haben sie nicht über Wechselkurse gesprochen, sondern von Vertrauen in den Geldwert. Das können Sie nicht meiner Sachkenntnis anlasten. Wenn, dann reden wir hier eher aneinenander vorbei.
Wirtschaftskraft spielt natürlich eine Rolle, aber die Zentralbanken haben ihre Werkzeuge, um ihre Währungen auf-/abzuwerten.



H2O hat geschrieben:(15 Dec 2018, 22:17)
Es ist doch kein Versehen, daß die EU-Kommission Italien ermahnt, seine Staatsschulden ab zu bauen, die inzwischen das 1,3-fache BSP des Landes überschreiten. Italien gefährdet die Stabilität des Euros und könnte im Fall einer Staatspleite die übrigen Partner auf wertlosen Staatspapieren sitzen lassen, die die EZB aufgekauft hatte.

siehe auch hier:
https://www.deutschlandfunk.de/staatsve ... _id=430250


Dass Italien Schulden abbauen soll, hört man von allen Seiten. Das geht durch Ausgabenkürzungen oder Besteuerung. Auch hier hört man nicht, wie Italien das machen soll.
Da das hier eine Meinung vom IFO-Institut ist, tippe ich mal auf Ausgabenkürzungen. Würde nur gerne wissen, wer dann zusätzlich in die Italienische Wirtschaft investiert, um das zu kompensieren. (Mal ganz davon abgesehen, wie niedrig gerade die Kerninflation Italiens ist.)

Frankreich und Italien kritisieren ist der einfache Weg und man lenkt vom eigentlichen Problem ab. Dass der Euro so nicht zukunfstfähig zu sein scheint und man ihn entweder reformieren muss oder andere Konsequenzen ziehen sollte.
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Re: Parlamentswahlen in Italien 2018

Beitragvon Eulenwoelfchen » So 16. Dez 2018, 03:18

H2O hat geschrieben:(16 Dec 2018, 00:32)
...
Die notwendige Reform des Euros ist doch völlig klar: Man darf keinem Teilnehmer gestatten, aus eigenem Ermessen seinen nationalen Haushalt zu gestalten. Man nimmt den Teilnehmern das sogenannte Königsrecht der Verfügung über Steuereinnahmen und Staatsverschuldung. Der gemeinsame Finanzminister muß her, der gemeinsame Wirtschaftsminister, harmonisierte Steuern und Abgaben, harmonisierte Sozialleistungen. Harmonisiert heißt hier nicht Angleichung absolut, sondern prozentual. Natürlich geht es mit unterschiedlichem Wohlstand in dieses neue Abenteuer hinein...


Ich habe mir erlaubt, in der von mir zitierten Stelle Ihres Beitrags den entscheidenden Zusammenhang hervorzuheben. Etwas, was Sie als - für Sie wohl unabdingbar - fordern. Und dieses Nehmen des Königsrechts einzelner Nationen des Euroraums, oder der gesamten EU, somit auch Deutschland beträfe. Und darin liegt auch die Utopie Ihrer Forderung:

Dieses Weggeben der Entscheidungs- und Gestaltungsmacht über den nationalen Haushalt wäre klar verfassungswidrig in Deutschland.

Nach dem Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland muss die Entscheidungs- und Verfügungshoheit des Bundeshaushalts zwingend beim Deutschen Parlament als allein befugte Entscheidungs- und Verfügungsinstanz bleiben. Es ist im übrigen sogar fraglich, ob eine diesbezügliche Grundgesetzesänderung möglich wäre. Es ist ja nicht so, das jeder Paragraph des GG änderbar wäre, selbst bei der nötigen 2/3-Mehrheit eines Bundestagsbeschlusses. Und nach meinem verfassungsrechtlichen Wissensstand gehört die Bestimmungs- und Gestaltungshoheit über den Bundeshaushalt in der Hand des Bundestages als allein bestimmende Instanz zu den unveränderbaren GG-Gesetzen.

Sie müssen sich - meiner bescheidenen Meinung nach - leider etwas anderes einfallen lassen. *Ich bin zwar untröstlich, Ihnen die Laune womöglich vermiest zu haben. Es ist aber nichts Persönliches. Ich hoffe, Sie glauben das. Oder verstehen zumindest, weshalb ich rein inhaltlich insistierte.


---
Zum Geldwert und seiner Deckung bzw. Sicherung durch Gegenwerte:
Gold als Deckung von Währungen wurde schon lange ersetzt durch das Prinzip Vertrauen in die Leistungsfähigkeit und den Wert einer Volkswirtschaft incl. den real vorhandenen Vermögenswerten. Grund und Boden, Innovationskraft, Infrastruktur, Lukrativität des Standorts und des Arbeitsmarkts/Ausbildungsstandes. Also mithin seine grundsätzlich positive Bewertung für Zukunftsinvestitionen internationaler Kapitalgeber / Investoren. Und dabei ist ganz wesentlich auch eine berechenbare politische Stabilität, die sowohl die rechtlichen als auch die ökonomischen Rahmenbedingungen gewährleistet, die Kapital nun mal braucht oder gerne hat:
Vertrauen, dass das berechenbar so ist bzw. so bleibt. Langfristig.

Aus diesem Grund ist zum Beispiel der Euroraum bisher durchaus positiv bewertet. Vor allem Länder wie D (oder auch Ö) haben deshalb auch eine hohe, oder so wie D, sogar die höchste Kreditwürdigkeitsbewertung von Ratingagenturen. Vergleichsweise mies ist da schon die Bewertung der USA. Aber als "Inhaber***" der Weltleitwährung USD und der unangefochtenen militärischen Vormachtstellung, die natürlich auch für den Kampf bzw.
die Sicherung von nicht landeseigenen Rohstoffressourcen eingesetzt werden kann ... oder wird, sind die USA ein Sonderfall. Den hinsichtlich der exzessiven und hemmungslosen Staatsverschuldung (Neuverschuldung) sind die Amis riesige Kleiderschränke, zu der sich im Vergleich die diskutierte Neuverschuldung Italiens allenfalls wie ein Fußschemel ausnimmt. Egal, ob mit 2,04 oder 2,4 % Neuverschuldung.

Italien hat ein Strukturproblem seiner staatlichen Rahmenbedingungen, eine mafiose und wenig effiziente Verwaltung und Bürokratie, die alles andere als investitions- bzw. wachstumsfreundlich ist, und bürokratische Hürden
für Unternehmen und Investoren unberechenbar macht. Hinsichtlich Genehmigung bzw. Dauer solcher Verfahren regelmäßiges Stöhnen verursacht. Seit Jahrzehnten.

Das Problem Italiens ist nicht der Euro, von dessen internationalem Vertrauen als Währung das Land eigentlich profitiert(e). Der Spread, also die Zinsen für Staatskredite, also neue Schulden des ital. Staates und solche Kredittitel z.B. von Deutschland, ist aktuell aber sehr weit auseinander gegangen. Als Folge eines von den internationalen Finanz- und Kapitalmärkten sich verstärkenden Vertrauensverlustes gegenüber Italien und dessen Wirtschaftskraft. Genauer einer aktuellen Regierung, die das Wachstum faktisch nur durch Neuverschuldung erzeugen will, ohne irgendwelche nennenswerten und seit Jahren überfälligen Strukturreformen vorzunehmen. Die Regierung von Cinque Stelle, Salvini & Co. ist als Blenderverein vielleicht nicht im eigenen Land überführt, dafür von den internationalen Finanz- und Kapitalmärkten. Solange sich Italien trotz der Nullzins-Politik der EZB noch mit frischen Kapital internationaler Geldgeber versorgen kann, wenn auch zu deutlich höheren Zinssätzen, ist noch alles im Lot. Schwierig wird es, wenn niemand mehr Italien Geld leihen will. So wie im Falle Griechenlands, selbst gegen horrende Zinsen. Dann bleibt nur noch der Weg, dass die italienische Nationalbank neue Euros druckt, bis sie jedermann bei den Ohren und Nasenlöchern herausragen. Und damit die italienischen Banken oder direkt den Staat versorgt.

Denn eine Kreditfinanzierung wie im Falle Griechenlands, die schon hunderte Milliarden von Euros kostete, kann kein Rettungsschirm bei der Größe der ital. Volkswirtschaft leisten.

Natürlich könnte das auch den Euro erschüttern bzw. dramatisch abwerten. Aber ob er deshalb als Währung verschwinden bzw. zerstört würde, ist nicht so sicher.

Die weltweit mit weitem Abstand höchste Staatsverschuldung hat übrigens Japan. Dagegen ist die griechische oder die ital. Staatsverschuldung eher eine Musterknabenquote...Allerdings hat Japan auch gigantische Devisenreserven und eine Wirtschaft, die trotzdem sehr viel Vertrauen genießt. Die japan. Währung YEN sogar zu einer sog. "save heaven" - Währung macht. Neben der Schweiz, die mit Abstand den unanständigsten Negativleitzins vorweist: -0,75 %. Japans Notenbank begnügt sich immerhin mit nur -0,1 % Leitzins, gefolgt von der Sparerverarschungszentrale der EZB mit dem ihr vorstehenden Roß- und Mäusetäuscher Mario Draghi.

Aber es ist eben alles Vertrauenssache. Und selbst zu Zeiten der heissgeliebten Hartwährung D-Mark konnte ich mich nicht erinnern, dass der deutsche Staat für sog. Anleihen (Kredite), also für Schulden, die er machte, Zinsen bekam, statt solche dafür zu bezahlen. Mit dem Euro war das zeitweise sogar so.

Naja, irgendwie scheint man ja der ital. Regierung mit all ihren populistischen Helden zumindest etwas näher gebracht zu haben, dass Brüssels Aufrufe zur Mäßigung (sogar Herr Draghi erklärte sich gleichlautend) nicht eine Bosheit der Eurozonenländer gegen Italien ist, sondern ein dezenter Hinweis, das Vertrauen der Finanzmärkte in Italien nicht weiter zu zerbröseln. Vor allem auch in Hinblick auf die faktisch längst überfällige, wohl auch nicht mehr verhinderbare, Anhebung der Leitzinsen des Euro. Die spätestens in einem Jahr beginnen wird/soll. So zumindest die Statements der EZB. Sofern nicht unvorhersehbare Ereignisse (Trump/China) oder auch ein Idiotenbrexit (no deal) die Weltwirtschaft statt weiter zu wachsen eher zurückwerfen. Besonders den Euro- bzw. EU-Raum. Daß aktuell das Vertrauen der globalen Märkte nicht gerade hoch ist, und speziell die USA unter Trump mittlerweile auch in den USA den Optimismus mit viel Herz, dafür wenig Verstand, unverdrossen schreddern, ist die Situation für ein Land wie Italien doppelt risikobehaftet. Nicht nur mit einer falschen eigenen (Haushalts-)politik, sondern auch hinsichtlich negativer globaler Wirkungen, die das Land selbst wenig bis gar nicht beinflussen kann.

Alles eine Frage des Vertrauens jener, die das sagen haben, also das Geld: Investoren, Unternehmen und Banken.

Hoffen wir also nicht, dass das Vertrauen soweit international den Bach runtergeht wie 2008, wo Banken gegenüber ihresgleihen kein Vertrauen mehr hatten. Sich gegenseitig Geld zu leihen. Dann wird es kritisch. Aber nicht nur für den Euro. Obwohl dieser wie auch alle anderen relevanten Währungen selbst diesen aussergewöhnlichen crash eigentlich gut überlebten. Der Euro, der seit seiner Einführung, damals (2002) noch deutlich unter Parität zum USD gehandelt wurde, nahm an Wert zu. Erreichte bis ca. mitte 2014 sogar einen sehr hohen Kurs von ca. 1,5 USD, um dann langsam bis fast auf Parität abzurauchen, ohne diesen Anfangswert der Unterparität gegenüber dem USD je wieder zu durchbrechen. Im Gegenteil, die damaligen Prognosen der sog. Experten, auch von US-Bankern und allen, die sich für große Währungsexperten hielten oder erklärten, lagen mit ihren Vorhersagen voll daneben, als der Euro etwa auf 1,05 gegen den Dollar stand und man einen Fall unter Parität, sogar bis ca. 0.90 bis 0,80 EUR/USD für spätestens Ende 2017 für so gut wie sicher hielt. Der Euro, wenn auch nicht berauschend - und damit das internationale Vertrauen in diese Währung - hielt sich wacker bis erstaunlich gut. Legte sogar zeitweise wieder bis 1,25 EUR/USD zu, und stagniert bzw. ruht sich aktuell bei allseits bejammerten :? ca. 1,13 EUR/USD aus.

Die Vertrauensfrage für den Euro sehe ich daher nicht. Auch nicht, das GB oder ITA diese Währung so klein kriegen, dass sie verschwinden müsste. Da müsste schon ein richtiger Schmied her, nicht nur ein Schmiedl. :D

Fazit: Totgesagte leben länger! ;)

---
***Inhaber bzw. Eigentümer des US-Dollar ist nicht der amerikanische Staat, sondern ein Bankenkonsortium. Auch das ist ein Unterschied zu anderen Leitwährungen. Böse Zungen behaupten, JFK wäre vor allem deshalb liquidiert worden, weil er das ändern wollte= den USD in das Eigentum der USA überführen wollte. Anyway. Sicher ist nur, irgendwelche einflußreichen Kreise waren ihm politisch so herzlich zugeneigt, um ihn erschiessen zu lassen.
In der waffenvernarrten (durch Europäer entstandenen) Tradition der USA damals wie heute ein durchaus üblicher Lösungsweg bei Meinungsunterschieden.

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