Sammelstrang: Quo vadis, Europa und EU?

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Re: Sammelstrang: Quo vadis, Europa und EU?

Beitragvon Orbiter1 » Do 31. Okt 2019, 12:02

Emin hat geschrieben:(30 Oct 2019, 22:57)

Russland hat nun Albanien und Nordmazedonien in die Eurasische Wirtschaftsunion eingeladen:

https://balkaneu.com/russia-invites-alb ... sian-union

An der Grenze Europas droht ein antieuropäischer Block zu entstehen. Dazu auch ein lesenswerter Artikel der NZZ:

https://www.nzz.ch/international/die-eu ... duced=true
Glauben sie denn die Aufnahme von Beitrittsverhandlungen würde diese Länder von der Anlehnung an Russland, China, der Türkei oder der Eurasischen Wirtschaftsunion abhalten? Selbstverständlich ist das nicht so. Serbien, mit dem seit 5 Jahren Beitrittsverhandlungen geführt werden, hat jetzt ein Freihandelsabkommen mit der Eurasischen Wirtschaftsunion geschlossen. Gemeinsame Militärmanöver mit dem Bruder Russland gibt es seit einigen Jahren. Nachdem es jetzt ans Eingemachte geht sind die Beitrittsverhandlungen mit der EU ins Stocken gekommen. Es zeigt sich immer mehr dass diese korrupten, nationalistischen nach Autokratie strebenden Staaten sich nicht wirklich ändern wollen. Denen schwebt so ein Status wie in Ungarn vor. An den Fleischtöpfen der EU, aber Gleichschaltung der Medien, Einschränkung der Rechtsstaatlichkeit und auf dem Weg in die Autokratie. Und wer schreit am lautesten dass die EU die Bedenken gegenüber Serbien doch endlich über Bord werfen und Serbien als Mitglied aufnehmen soll? Die Visegradstaaten! Einer der schwersten Fehler der EU, wenn nicht der schwerste überhaupt, war die vollkommen überhastete und verfrühte Aufnahme der 10 Osteuropastaaten. Hoffentlich bleibt wenigstens Frankreich standhaft um diesen Fehler mit den 6 Westbalkanstaaten nicht noch einmal zu wiederholen. Diese Staaten haben in der EU bis auf weiteres (mehrere Jahrzehnte sofern man hart an sich arbeitet) nichts verloren.
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Re: Sammelstrang: Quo vadis, Europa und EU?

Beitragvon Mandelus » Do 31. Okt 2019, 12:07

Orbiter1 hat geschrieben:(30 Oct 2019, 13:11)

Wer konkret will denn aus der EU eine Art "Vereinigte Staaten von Europa" machen? Von den 28 EU-Regierungschefs oder den Mitgliedern der EU-Kommission sicher keiner. Ich kenne auch keine einzige Umfrage bei der es in einem EU-Mitgliedstaat eine Mehrheit für eine Art "Vereinigte Staaten von Europa" gegeben hätte. Wenn also weder die Regierungen noch die Bürger so etwas wollen, wie kommen sie auf die Idee dass man aus der EU die USE machen könnte?


Zum Beispiel ein gewisser Martin Schulz ...

https://www.dw.com/de/wenig-begeisterun ... a-41714822

ein gewisser Manfred Weber aber nicht...

https://www.spiegel.de/politik/ausland/ ... 82599.html
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Re: Sammelstrang: Quo vadis, Europa und EU?

Beitragvon Orbiter1 » Do 31. Okt 2019, 12:17

Mandelus hat geschrieben:(31 Oct 2019, 12:07)

Zum Beispiel ein gewisser Martin Schulz ...

https://www.dw.com/de/wenig-begeisterun ... a-41714822

ein gewisser Manfred Weber aber nicht...

https://www.spiegel.de/politik/ausland/ ... 82599.html
Das bestätigt meine Aussage. Außer ein paar vereinzelten Träumern die nichts zu sagen haben will niemand die USE.
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Re: Sammelstrang: Quo vadis, Europa und EU?

Beitragvon H2O » Do 31. Okt 2019, 13:37

Nein, diese Partner müssen zuerst die Mühen der Ebene durchlaufen; gern einen Vertrag mit bevorzugter Partnerschaft und ähnlicher Vorzugsbehandlung, gern auch den Jugendaustausch und Erasmus und was es ansonsten an Wohltaten für junge Leute gibt. So etwas ist auch mit Serbien aufgebaut worden. Gut so. Aber bitte keine Mitgliedschaft, offene Grenzen und Niederlassungsfreiheit, bevor diese Partner ihr eigenes Haus wirtschaftlich und sozial gut aufgeräumt haben. Unsere Erfahrung mit Bulgarien und Rumänien war so, daß der begonnene Kampf um Rechtsstaatlichkeit und gegen Korruption sofort nachließ, und daß Ungarn gleich den Rückmarsch in eine besonders nationale Politik eingeschlagen hat. Damit würde Ungarn heute erst gar nicht in die EU aufgenommen, und auch bei Polen wäre wohl einiger Hickhack fällig. Das müssen wir Europäer uns nicht im Abstand von 20 Jahren immer wieder antun!
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Re: Sammelstrang: Quo vadis, Europa und EU?

Beitragvon Fliege » Do 31. Okt 2019, 14:38

unity in diversity hat geschrieben:(31 Oct 2019, 04:42)
Na ja, eine veritable Wirtschaftsrezession, in Kombination mit einer neuen Flüchtlingskrise, wird die ohnehin stark durch Heuchelei zersetzte Werteunion zu einer Interessenunion weiterentwickeln.

Diese Hoffnung teile ich (wobei ich dafür kürzlich die Umschreibung "Europäische Interessengemeinschaft" gewählt habe). Die Problemfelder sind bekannt: Wirtschaft stärken, Sicherheit wiederherstellen, illegale Migration unterbinden.
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Re: Sammelstrang: Quo vadis, Europa und EU?

Beitragvon Emin » Do 31. Okt 2019, 16:21

unity in diversity hat geschrieben:(31 Oct 2019, 04:42)

Na ja, eine veritable Wirtschaftsrezession, in Kombination mit einer neuen Flüchtlingskrise, wird die ohnehin stark durch Heuchelei zersetzte Werteunion zu einer Interessenunion weiterentwickeln.


Es ist aber nicht im Interesse von Paris und Berlin, dass mitten in Europa ein anti-europäischer Block entsteht. Das ist in etwa so, wie die Kuba-Krise, bloß lädt die EU die fremden Großmächte in den eigenen Garten quasi ein.
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Re: Sammelstrang: Quo vadis, Europa und EU?

Beitragvon Emin » Do 31. Okt 2019, 16:25

Orbiter1 hat geschrieben:(31 Oct 2019, 12:02)

Glauben sie denn die Aufnahme von Beitrittsverhandlungen würde diese Länder von der Anlehnung an Russland, China, der Türkei oder der Eurasischen Wirtschaftsunion abhalten? Selbstverständlich ist das nicht so. Serbien, mit dem seit 5 Jahren Beitrittsverhandlungen geführt werden, hat jetzt ein Freihandelsabkommen mit der Eurasischen Wirtschaftsunion geschlossen. Gemeinsame Militärmanöver mit dem Bruder Russland gibt es seit einigen Jahren. Nachdem es jetzt ans Eingemachte geht sind die Beitrittsverhandlungen mit der EU ins Stocken gekommen. Es zeigt sich immer mehr dass diese korrupten, nationalistischen nach Autokratie strebenden Staaten sich nicht wirklich ändern wollen. Denen schwebt so ein Status wie in Ungarn vor. An den Fleischtöpfen der EU, aber Gleichschaltung der Medien, Einschränkung der Rechtsstaatlichkeit und auf dem Weg in die Autokratie. Und wer schreit am lautesten dass die EU die Bedenken gegenüber Serbien doch endlich über Bord werfen und Serbien als Mitglied aufnehmen soll? Die Visegradstaaten! Einer der schwersten Fehler der EU, wenn nicht der schwerste überhaupt, war die vollkommen überhastete und verfrühte Aufnahme der 10 Osteuropastaaten. Hoffentlich bleibt wenigstens Frankreich standhaft um diesen Fehler mit den 6 Westbalkanstaaten nicht noch einmal zu wiederholen. Diese Staaten haben in der EU bis auf weiteres (mehrere Jahrzehnte sofern man hart an sich arbeitet) nichts verloren.


Es ist natürlich bitter, dass die Sanktionsmaßnahmen nach Art. 7 nur mit mindestens 22 von 28 Stimmen beschlossen werden können. Aber dann muss Paris und Berlin eben diese Stimmen organisiert bekommen, unter vollem Einsatz ihrer machtpolitischen Möglichkeiten. Dafür ist man sich dort aber eben zu bequem, man schlittert lieber in die nächste Krise und wundert sich dann, warum die EU so instabil ist.
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Re: Sammelstrang: Quo vadis, Europa und EU?

Beitragvon Kohlhaas » Do 31. Okt 2019, 17:43

Emin hat geschrieben:(31 Oct 2019, 16:21)

Es ist aber nicht im Interesse von Paris und Berlin, dass mitten in Europa ein anti-europäischer Block entsteht. Das ist in etwa so, wie die Kuba-Krise, bloß lädt die EU die fremden Großmächte in den eigenen Garten quasi ein.

Ist es denn so, dass da ein "antieuropäischer Block" entsteht? In dem von Dir verlinkten NZZ-Text wurde doch klar dargelegt, dass selbst Serbien (das traditionell SEHR russlandfreundlich ist) mit der EU ein um mehrere Oktaven höheres Handelsvolumen hat als mit Russland, und dass selbst Serbien die Mitgliedschaft in der Nato anstrebt.

Diese Balkanländer sind der EU so nah und zudem noch "umzingelt", dass "Externe" wie Russland oder China oder die Türkei keine realistische Chance haben, da irgendwie Fuß zu fassen. Der Euro ist in diesen Ländern ohnehin schon längst zur "Zweitwährung" geworden, die ökonomisch wichtiger ist als die Landeswährung. Im Übrigen reden wir die ganze Zeit von einer Handvoll von Kleinstaaten. Wenn die sich - entgegen aller Wahrscheinlichkeit und empirisch nachweisbarer "Tendenz" - zu einem "antieuropäischen Block" zusammenschließen würden, dann hätte das ungefähr die gleiche Wirkung wie ein Streik der freiwilligen Feuerwehr von Augsburg.

Natürlich hast Du im Kern völlig recht: Es war völlig blödsinnig, dass Macron Beitrittsgespräche blockiert hat. Gespräche über den Beitritt sind ja noch lange nicht die Vorstufe zum Beitritt selbst. Bestes Beispiel dafür ist die Türkei. Die "eleganteste" Lösung wäre es gewesen, mit den Nationen offizielle Aufnahmegspräche aufzunehmen und in diesen Gesprächen dann zunehmend scharfe Forderungen zu erheben.

In gewisser Weise verstehe ich aber auch die Franzosen. Es ist in Frankreich ganz schwer vermittelbar, dass die EU Beitrittsgespräche mit einem Land aufnimmt, aus dem die meisten Asylsuchenden kommen, die sich in Frankreich einfinden. Da passt einfach was nicht zusammen.
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Re: Sammelstrang: Quo vadis, Europa und EU?

Beitragvon H2O » Fr 1. Nov 2019, 22:28

Die "eleganteste" Lösung wäre es gewesen, mit den Nationen offizielle Aufnahmegspräche aufzunehmen und in diesen Gesprächen dann zunehmend scharfe Forderungen zu erheben.


Das sehe ich auch so; wobei "im Laufe der Gespräche zunehmend scharfe Forderungen stellen" nicht unbedingt Teil des Verfahrens sein sollte. Die EU-Kommission sollte eine Art Kurzanleitung für "Was ist die EU, welche Gesellschaftsordnung vertritt sie und welche Werte, welche Fernziele strebt die EU an" vorlegen und dann ganz systematisch den Erfüllungsgrad der Werte der EU durch die Landesverfassung und die erkennbare Praxis in diesem Lande bewerten und um Nachbesserung bitten.

Dieser Prozeß der Angleichung kann bei längerer Dauer auch in einem Assoziierungsvertrag mit wirtschaftlichem Entgegenkommen schmackhaft gemacht werden. Der Beitritt zur EU darf erst dann möglich sein, wenn sämtliche Unterpunkte zu mindestens 95% erfüllt sind. Und der Beitrittsvertrag muß die einklagbare Verpflichtung enthalten, daß an keinem der Punkte geändert werden darf, wenn dadurch der Erfüllungsgrad dort wieder sinkt, was mit Entzug des Stimmrechts in der EU und dem Ausschluß aus dem Verfahren von Ausgleichszahlungen abgestraft wird.

Diese Notbremse hat die EU offenbar bei der Aufnahme der 10 Oststaaten nicht vorgesehen. Mißbrauchter Vertrauensvorschuß etlicher neuer Mitglieder! Daraus muß man lernen für künftige Beitrittsverträge.
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Re: Sammelstrang: Quo vadis, Europa und EU?

Beitragvon unity in diversity » Mo 11. Nov 2019, 01:31

Mal sehen, wie die mittleren Populisten in Spanien eine Regierung hinbekommen:
https://www.spiegel.de/politik/ausland/ ... 95805.html
Die haben es ja europaweit immer schwerer.
Katalonien als Wahlkampfaufhänger ist wohl nach hinten losgegangen.
Für jedes Problem gibt es 2 Lösungsansätze:
Den Falschen und den Unsrigen.
Aus den USA.
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Re: Sammelstrang: Quo vadis, Europa und EU?

Beitragvon schokoschendrezki » Mo 11. Nov 2019, 08:58

Letztes WE las ich einen Artikel auf Seite 2 der ZEIT. Der begann so:
Als ihre Partei ganz offen über den künftigen Kurs und die richtigen Schlussfolgerungen aus der verheerenden Wahlniederlage vom Sonntag streitet, sitzt Angela Merkel in Frankfurt und hört klassische Musik. Verdi, Streichquartett e-Moll. Am Tag nach der Thüringen-Wahl ist die Kanzlerin ins Hauptquartier der Europäischen Zentralbank gekommen, zur Verabschiedung von Notenbankchef Mario Draghi. Es sind Bilder, wie Merkels Leute sie lieben: die Kanzlerin in der ersten Reihe, links von ihr Frankreichs Präsident Emmanuel Macron, rechts von ihr Ursula von der Leyen, die künftige Chefin der EU-Kommission. Weltpolitische Bedeutsamkeit, während sich zu Hause in Berlin die eigenen Parteifreunde beharken.
https://www.zeit.de/2019/45/bundespolitik-cdu-spd-wahlniederlagen-parteienlandschaft
Ich glaube, den ironisch-bissigen Unterton kann man deutlich herauslesen. Für die ZEIT arbeiten ganz gewiss keine EU-skeptischen Journalisten. Und ich bin auch alles andere als EU-skeptisch. Aber diese Institutionen-EU, diese "EU von oben" - brauchen wir nicht. Wollen wir nicht. Egal ob nun Merkel und Macron zu den Nationalhymnen eine Ehrenformation abschreiten oder mit übereinandergheschlagenen Beinen in der Oper sitzen und Verdi-Musik hören. Nicht erst seit dieser Kommisionsgeschichte. Wir wollen ene EU des freien Personen- und Güterverkehrs. Eine EU der Menschen, der Erasmus-Studenten, eine EU von unten. Und dazu gehören unter allen Umständen auch die Länder Osteuropas. Ich selbst arbeite mit einer klugen intelligenten jungen Frau aus Normazedonien zusammen. Alles was ich als Einzelmensch tun kann, werde ich tun, damit Osteuropa zur EU gehört.

Vor kurzem hat der französische Präsident Macron einer sehr rechten Zeitung ("Valeurs Actuelles") ein Interview gegeben. Darin heißt es:
Ich bevorzuge legale Einwanderer aus Guinea oder der Elfenbeinküste (...) statt illegaler ukrainischer oder bulgarischer Banden.

Er "bevorzugt". Na toll! Politische Kommentatoren sind sich einig darüber, dass Macron sich mit solchen Äußerungen opportunistisch gegen seine Konkurrentin Le Pen in Stellung bringt. Er ist einfach auch zu gebildet, um ihn als "Rassisten" zu bezeichnen. Eine solche Bezeichnung wäre vermutlich nicht rechtsfest. Richtig ist aber: Der französische Präsident versucht, mit rassistischen Äußerungen in rechtspopulistischen Blättern zu punkten. Der französische Präsident versucht, mit rassistischen Äußerungen in rechtspopulistischen Blättern zu punkten. Niemals werden Menschen, die Beziehungen zu osteuropäischen Intellektuellen haben, einen antiosteuropäischen Rassismus dulden. Niemals!
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Re: Sammelstrang: Quo vadis, Europa und EU?

Beitragvon Orbiter1 » Mo 11. Nov 2019, 16:38

schokoschendrezki hat geschrieben:(11 Nov 2019, 08:58)

... Wir wollen ene EU des freien Personen- und Güterverkehrs. Eine EU der Menschen, der Erasmus-Studenten, eine EU von unten. Und dazu gehören unter allen Umständen auch die Länder Osteuropas.
Keine Ahnung wen sie mit wir meinen, mich jedenfalls nicht. In die EU gehören ausschließlich Staaten die auch für die Werte der EU einstehen und ihren vertraglichen Verpflichtungen vollumfänglich nachkommen. Der Rest hat dort nichts verloren.
Ich selbst arbeite mit einer klugen intelligenten jungen Frau aus Normazedonien zusammen. Alles was ich als Einzelmensch tun kann, werde ich tun, damit Osteuropa zur EU gehört.
Da müsste man wohl Macron beseitigen. Aber wie wollen sie das anstellen?
... Niemals werden Menschen, die Beziehungen zu osteuropäischen Intellektuellen haben, einen antiosteuropäischen Rassismus dulden. Niemals!
Besser wäre es sie dulden niemals dass ein nationalistischer, korrupter Staat dessen Führung nach Autokratie strebt und die Werte der EU ablehnt in die EU aufgenommen wird.
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Re: Sammelstrang: Quo vadis, Europa und EU?

Beitragvon schokoschendrezki » Mi 13. Nov 2019, 09:15

Orbiter1 hat geschrieben:(11 Nov 2019, 16:38)
Besser wäre es sie dulden niemals dass ein nationalistischer, korrupter Staat dessen Führung nach Autokratie strebt und die Werte der EU ablehnt in die EU aufgenommen wird.

Es gibt keinen "nationalistischen Staat". Da haben Sie etwas völlig falsch verstanden. Es gibt nationalistische politische Parteien und Bewegungen wie etwa die Partei "Jobbik" in Ungarn oder die als "Sammlungsbewegung" auftretende Partei "Rassemblement National" in Frankreich. Die Zuschreibung eines Attributs wie "Natioanalistisch" an einen ganzen Staat, an eine Nation, ein Land ist selbst im Kern zutiefst rassistisch.

Die Führungen der in Frage stehenden Länder Nordmazedonien und Albanien lehnen im Übrigen nicht nur die Werte der EU nicht ab sondern stehen in beispielloser Art für sie ein. Der gegenwärtige nordmazedonische MP Zaev erhielt für seine Bemühungen der Konfliktbewältigung sowohl mit der eigenen albanischen Minderheit als auch mit seinen Nachbarstaaten dafür zusammen mit dem Griechen Tsipras 2019 in München den Ewald-von-Kleist-Preis. Alle vernünftigen, europäisch gesinnten, nichtnationalistischen und antirassistischen Kommentatoren sprechen in Bezug auf das Veto von Macron gegen die Fortführung der Beitrittsverhandlungen von einem "fatalen Signal", dem nichts Gutes folgen wird. Es ist schlimm, dass sich der antiosteuropäiische Rassismus auch in diesem Forum ausbreitet.
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Re: Sammelstrang: Quo vadis, Europa und EU?

Beitragvon Kohlhaas » Mi 13. Nov 2019, 17:16

schokoschendrezki hat geschrieben:(13 Nov 2019, 09:15) Es ist schlimm, dass sich der antiosteuropäiische Rassismus auch in diesem Forum ausbreitet.

Zum Glück sind das ja nur ein paar "Aktivisten", die meinen, eine "Gegenöffentlichkeit" schaffen zu müssen.

Was die abgelehnten Beitrittsgespräche betrifft: Ich denke, das war nicht das letzte Wort in der Angelegenheit. Ich kann Macron in gewisser Weise verstehen. Er hätte einige Erklärungsnot, wenn er den Menschen in Frankreich jetzt plausibel machen wollte, dass die EU Beitrittsverhandlungen mit Ländern aufnimmt, aus denen die Mehrzahl der Asylsuchenden in Frankreich kommt. Dass es zu dieser Kontroverse in der EU gekommen ist, liegt auch an der immer passiver werdenden Rolle Deutschlands. Merkel bereitet sich schon auf den Ruhestand vor und will keine neuen Baustellen mehr aufreißen. Und Maas ist eine Nullnummer. Wenn aus Deutschland ernsthafte Impulse hinsichtlich EU-Politik (auch EU-Reform!) gekommen wären, wäre Macron ganz sicher gesprächsbereiter gewesen.
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Re: Sammelstrang: Quo vadis, Europa und EU?

Beitragvon H2O » Fr 15. Nov 2019, 11:02

Kohlhaas hat geschrieben:(13 Nov 2019, 17:16)

Zum Glück sind das ja nur ein paar "Aktivisten", die meinen, eine "Gegenöffentlichkeit" schaffen zu müssen.

Was die abgelehnten Beitrittsgespräche betrifft: Ich denke, das war nicht das letzte Wort in der Angelegenheit. Ich kann Macron in gewisser Weise verstehen. Er hätte einige Erklärungsnot, wenn er den Menschen in Frankreich jetzt plausibel machen wollte, dass die EU Beitrittsverhandlungen mit Ländern aufnimmt, aus denen die Mehrzahl der Asylsuchenden in Frankreich kommt. Dass es zu dieser Kontroverse in der EU gekommen ist, liegt auch an der immer passiver werdenden Rolle Deutschlands. Merkel bereitet sich schon auf den Ruhestand vor und will keine neuen Baustellen mehr aufreißen. Und Maas ist eine Nullnummer. Wenn aus Deutschland ernsthafte Impulse hinsichtlich EU-Politik (auch EU-Reform!) gekommen wären, wäre Macron ganz sicher gesprächsbereiter gewesen.


Ja, diese Strategie der EU verstehe wer will! Wir haben doch die Beitrittsgespräche mit der Türkei in schlechter Erinnerung; im wesentlichen wollte die Türkei etliche Vorteile einer Mitgliedschaft verhandeln, aber die zugehörigen Verpflichtungen in ihrer Innenpolitik und Außenpolitik nicht übernehmen. Ist die Türkei heute ein Mitgliedsstaat? Nein, weiter davon entfernt als 2005!

So hätte ich das auch mit den Antragstellern gehalten: Man erklärt ihnen in Gesprächen, welche Veränderungen sie innenpolitisch, rechtspolitisch, in ihrer Wirtschaftsentwicklung und außenpolitisch einleiten müssen, um sich für weitere Gespräche und am Ende bei lückenloser Erfüllung der durchgesprochenen Juckepunkte auch für eine Beitrittsverhandlung zu qualifizieren.

Vom Zeitpunkt des Gesprächsbeginns an hätte man anbieten können, daß die jungen Leute in der EU an Austauschprogrammen und Studienprogrammen teilnehmen können, wenn sie die zugehörigen Vorbedingungen erfüllen. Das werden doch aller Wahrscheinlichkeit nach irgendwann unsere Gäste und Kollegen sein, die sich willkommen fühlen sollten. Mit den Staaten könnte ein Assoziierungsvertrag geschlossen werden, der den Warenaustausch zu Vorzugsbedingungen öffnet. Das gab und gibt es auch immer noch mit der Türkei. Nur eben kein dauerhaftes Aufenthaltsrecht in der EU, oder Visa-Freiheit, für private Besuche.

Letzteres hatte Präsident Macron abgestoßen, weil aus diesen Ländern wohl besonders viele Zuwanderer in Frankreich für öffentlichen Ärger sorgen; in Deutschland übrigens auch, wie man bei einem Besuch unserer Innenstädte mit ihrer Bettlerkulisse sehen kann. Natürlich will das niemand. Da muß es Vereinbarungen geben, die den Export von nationalen Problemfällen verhindern.
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Re: Sammelstrang: Quo vadis, Europa und EU?

Beitragvon Kölner1302 » Sa 23. Nov 2019, 10:48

Wir Westeuropäer sind zu saturiert, d.h. zu bequem, zu weltfremd und zu gut erzogen um uns vorstellen zu können, wie es mit der EU weitergeht, wenn wir alles laufen lassen.
Das Vetorecht der EU-Mitglieder verhindert jede Kursänderung in einer sich verändernden Welt. Die USA sind kein zuverlässiger NATO Verbündeter mehr. Die Türkei auch nicht. Die Türkei ist der an stärksten hochgerüstete Staat der NATO, die US der Finanzier. Übrig bleibt ein uneiniges Europa, mit labilen Demokratien, schwach gerüstet. Nebenan Afrika, dessen Bevölkerung explosiv zunimmt, und Krisenregionen, wie der Nähe und mittlere Osten, der Balkan, die Ukraine.
Nicht auszuschließen dass die Nordatlantische Zivilisation sich einer ähnlichen Entwicklung gegenübersieht wie dazumal das römische Reich vor der Teilung. Bekanntlich hielt das weströmische Reich dann dem Druck nicht mehr lange stand und ging 100 Jahre später unter . Westeuropa hält sich ohne Nordamerika auch nicht.
Es sei denn es bildet einen neuen stabilen Bundesstaat und nutzt seine jetzt noch vorhandenen wissenschaftlichen und wirtschaftlichen Möglichkeiten, um eine neue stabile Supermacht zu bilden.
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Re: Sammelstrang: Quo vadis, Europa und EU?

Beitragvon H2O » Sa 23. Nov 2019, 11:04

Kölner1302 hat geschrieben:(23 Nov 2019, 10:48)

Wir Westeuropäer sind zu saturuert, d.h. zu bequem, zu weltfremd und zu gut erzogen um uns vorstellen zu können, wie es mit der EU weitergeht, wenn wir alles laufen lassen.
Das Vetorecht der EU-Mitglieder verhindert jede Kursänderung in einer sich verändernden Welt. Die USA sind kein zuverlässiger NATO Verbündeter mehr. Die Türkei auch nicht. Die Türkei ist der an stärksten Hochgerüste Staat der NATO, die US der Finanzier. Übrig bleibt ein uneiniges Europa, mit labilen Demokratien, schwach gerüstet. Nebenan Afrika, dessen Bevölkerung explosiv zunimmt, und Krisenregionen, wie der Balkan, die Ukraine.
Nicht auszuschließen dass die Nordatlantische Zivilisation sich einer ähnlichen Entwicklung gegenübersteht wie dazumal das römische Reich vor der Teilung. Bekanntlich hielt das weströmischen Reich dann dem Druck nicht mehr stand und ging 100 Jahre später unter . Westeuropa hält sich ohne Nordamerika auch nicht.


Ja, wirklich eine wenig erfreuliche Lage und Entwicklung. Wir Europäer sollten uns tatsächlich trennen in ein Fränkisches Reich und ein östliches Reich, das mit uns nicht viel anfangen kann. Präsident Hollande sprach damals von der Euro-Gruppe als möglichem Kern der Willigen. Das war damals vielleicht als Drohung gegen ein abdriftendes Großbritannien gedacht; aber nachdem die Briten damit ernst gemacht haben sollten, wird dieser Gedanke nicht unbedingt schlechter. Mit anderen Worten: Niemand muß müssen, aber niemand soll die Einigung Europas eigensinnig verhindern. Nur diese politische Einigung bietet Schutz vor den Bedrohungen ringsum... die Bedrohungen haben Sie ja genannt.
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Re: Sammelstrang: Quo vadis, Europa und EU?

Beitragvon Wähler » Sa 30. Nov 2019, 09:56

Euractiv 29. November 2019 Die „großen Erwartungen“ der Mitgliedsstaaten an die neue Kommission
https://www.euractiv.de/section/eu-inne ... gentiloni/
" Die neue Kommission sollte den Weg für Investitionen, die Förderung der Kreislaufwirtschaft und ein neues Migrationsmanagementmodell ebnen, das auf Umverteilungssystemen und -erträgen basiert, wie der italienische Ministerpräsident Giuseppe Conte kürzlich ausführte."
Im EU-Gemischtwarenladen ist für jeden etwas dabei. ;)
Zeitungstexte bei Genios mit Bibliotheksausweis kostenlos: https://www.wiso-net.de/login?targetUrl=%2Fdosearch (Zugang auch bundesweit)
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Re: Sammelstrang: Quo vadis, Europa und EU?

Beitragvon Orbiter1 » Sa 30. Nov 2019, 13:09

Was machen wir nur mit unserem Europadynamiker?

"... Er stößt im Wochenrhythmus mit Vorschlägen in das strategische Vakuum Berlins vor. Er fordert eine europäische Verteidigung als Nato-Ersatz, eine neue Ostpolitik mit Moskau, einen harten Kurs gegenüber China in der Huawei-Frage, und er will die beschlossene EU-Erweiterung für die Länder des Westbalkans durch neue Regeln erschweren. Berlin reagiert auf den Hyperaktiven im Élysée-Palast mit unverhohlener Genervtheit. Man rollt mit den Augen, winkt ab. Gegenvorschläge: keine." Quelle: https://www.zeit.de/2019/49/europa-zuku ... uel-macron

Das läuft dann wohl auf eine deutsche Totalblockade bis zu den nächsten französischen Präsidentschaftswahlen hinaus. Vielleicht wird er ja wegen seiner erfolglosen Europainitiativen abgewählt. Von seinem Nachfolger wünschen wir uns dann, ja was eigentlich? Dass alles so bleibt wie es ist?
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Re: Sammelstrang: Quo vadis, Europa und EU?

Beitragvon schokoschendrezki » Di 3. Dez 2019, 20:16

Ich habe während einer Kurzzusammenfassung des NATO-Geburtagstreffens festgestellt, dass ich leider den Überblick verloen habe. Kann mir jemand weiterhelfen? Macron fordert eine "neue Vertrauensarchitektur" gegenüber Russland. Was ist mit der Ukraine-Krise? Mit der Krim-Annexion? Dem Völkerrecht? Erdogan hat ja mit dem Militärtechnikimport aus Russland schon Fakten gesetzt? Was ist mit der NATO? Mit dem Westbalkan? Mit den Kurden? Und und und.
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