Polen will nun auch Reparationen

Moderator: Moderatoren Forum 3

Benutzeravatar
schokoschendrezki
Beiträge: 12437
Registriert: Mi 15. Sep 2010, 15:17
Benutzertitel: wurzelloser Kosmopolit
Wohnort: Berlin
Kontaktdaten:

Re: Polen will nun auch Reparationen

Beitragvon schokoschendrezki » Mo 29. Okt 2018, 10:10

Es gibt bereits seit etwas über einem Jahr in Polen eine "Parlamentarische Arbeitsgruppe zur Schätzung der Polen von Deutschland zustehenden Reparationen für die im Verlauf des Zweiten Weltkrieges angerichteten Schäden“. Der eigentliche Wendepunkt dieser ganzen Entwicklungen war aber 2014. Da nämlich setzte sich das italienische Verfassungsgericht über ein Urteil des IGHs in Den Haag hinweg: Dass nämlich aufrgrund des Prinzips der Staatssouveränität kein Gericht im Land A einen anderen Staat B zu irgendetwas verurteilen könne. Und am 2. November 2017, also ziemlich genau vor einem Jahr, verurteilte denn auch ein Gericht in den italienischen ABruzzen die Bundesrepulbik zu Entschädigungszahlungen von etwa 5 Millionen EUro an die Gemeinda Roccaraso, wo die Deutsche Wehrmacht 1943 ein Massaker an der Zivilbevölkerung verübte. Auf diese juristische Wende berufen sich neuere Forderungen auch aus Polen und Griechenland.
"Ich kann keine Nation lieben, ich kann keinen Staat lieben, ich kann nur meine Freunde lieben." Hannah Arendt
Benutzeravatar
zollagent
Beiträge: 55045
Registriert: Mo 8. Aug 2011, 11:21

Re: Polen will nun auch Reparationen

Beitragvon zollagent » Mo 29. Okt 2018, 10:14

schokoschendrezki hat geschrieben:(29 Oct 2018, 10:10)

Es gibt bereits seit etwas über einem Jahr in Polen eine "Parlamentarische Arbeitsgruppe zur Schätzung der Polen von Deutschland zustehenden Reparationen für die im Verlauf des Zweiten Weltkrieges angerichteten Schäden“. Der eigentliche Wendepunkt dieser ganzen Entwicklungen war aber 2014. Da nämlich setzte sich das italienische Verfassungsgericht über ein Urteil des IGHs in Den Haag hinweg: Dass nämlich aufrgrund des Prinzips der Staatssouveränität kein Gericht im Land A einen anderen Staat B zu irgendetwas verurteilen könne. Und am 2. November 2017, also ziemlich genau vor einem Jahr, verurteilte denn auch ein Gericht in den italienischen ABruzzen die Bundesrepulbik zu Entschädigungszahlungen von etwa 5 Millionen EUro an die Gemeinda Roccaraso, wo die Deutsche Wehrmacht 1943 ein Massaker an der Zivilbevölkerung verübte. Auf diese juristische Wende berufen sich neuere Forderungen auch aus Polen und Griechenland.

Ist diese "juristische Wende" auch international anerkannt?
Wer an Absurditäten glaubt, wird Abscheulichkeiten begehen. (Voltaire)
Benutzeravatar
schokoschendrezki
Beiträge: 12437
Registriert: Mi 15. Sep 2010, 15:17
Benutzertitel: wurzelloser Kosmopolit
Wohnort: Berlin
Kontaktdaten:

Re: Polen will nun auch Reparationen

Beitragvon schokoschendrezki » Mo 29. Okt 2018, 10:22

zollagent hat geschrieben:(29 Oct 2018, 10:14)

Ist diese "juristische Wende" auch international anerkannt?

Meines Wissens nicht. Und nach Verkündung des Urteils im Dezember 2016 setzte sich die italienische Regierung mit der deutschen in Verbindung und man beschloss, dieses Urteil zu ignorieren und die Zahlungen nicht zu tätigen.

Ich würde mal vermuten, dass auch Italien - zum Beispiel von Seiten seiner ehemaligen Kolonien - Zahlungsforderungen fürchtet und von daher Präzedenzfälle vermeidet.

http://www.italianinsider.it/?q=node/6175
"Ich kann keine Nation lieben, ich kann keinen Staat lieben, ich kann nur meine Freunde lieben." Hannah Arendt
Benutzeravatar
McKnee
Beiträge: 2018
Registriert: Sa 2. Sep 2017, 15:18
Wohnort: Daheim

Re: Polen will nun auch Reparationen

Beitragvon McKnee » Mo 29. Okt 2018, 10:37

schokoschendrezki hat geschrieben:(29 Oct 2018, 10:10)

Es gibt bereits seit etwas über einem Jahr in Polen eine "Parlamentarische Arbeitsgruppe zur Schätzung der Polen von Deutschland zustehenden Reparationen für die im Verlauf des Zweiten Weltkrieges angerichteten Schäden“. Der eigentliche Wendepunkt dieser ganzen Entwicklungen war aber 2014. Da nämlich setzte sich das italienische Verfassungsgericht über ein Urteil des IGHs in Den Haag hinweg: Dass nämlich aufrgrund des Prinzips der Staatssouveränität kein Gericht im Land A einen anderen Staat B zu irgendetwas verurteilen könne. Und am 2. November 2017, also ziemlich genau vor einem Jahr, verurteilte denn auch ein Gericht in den italienischen ABruzzen die Bundesrepulbik zu Entschädigungszahlungen von etwa 5 Millionen EUro an die Gemeinda Roccaraso, wo die Deutsche Wehrmacht 1943 ein Massaker an der Zivilbevölkerung verübte. Auf diese juristische Wende berufen sich neuere Forderungen auch aus Polen und Griechenland.


Dann muss ein Kanzler ja aufpassen, dass man in Italien keine Taschenpfändungen durchführt. Deutsches Staatsvermögen muss man dann wohl aus Italien abziehen, soweit dies dort liegt.
Benutzeravatar
aleph
Moderator
Beiträge: 7857
Registriert: Sa 31. Mai 2008, 17:25
Benutzertitel: Hat den Überblick
Wohnort: ប្រទេសអាល្លឺម៉ង់

Re: Polen will nun auch Reparationen

Beitragvon aleph » Mo 29. Okt 2018, 10:40

H2O hat geschrieben:(29 Oct 2018, 10:00)

Schon richtig; mir fällt aber gar kein Gegenmittel ein, außer meinem Stimmzettel bei Wahlen und meiner Stimme in politischen Diskussionen. Haben Sie einen weiteren Vorschlag, den man verfolgen könnte?

Sie können Ihre polnischen Mitbürger darüber informieren, dass nicht alle Deutschen so ticken, wie Höcke. Die Bundesregierung könnte außerdem einen guten Draht zu Polen halten.
Auf dem Weg zum Abgrund kann eine Panne lebensrettend sein. Walter Jens
Economic Left/Right: -2.5 Social Libertarian/Authoritarian: -3.54
Benutzeravatar
H2O
Moderator
Beiträge: 23169
Registriert: So 13. Sep 2015, 12:49

Re: Polen will nun auch Reparationen

Beitragvon H2O » Mo 29. Okt 2018, 11:04

aleph hat geschrieben:(29 Oct 2018, 10:40)

Sie können Ihre polnischen Mitbürger darüber informieren, dass nicht alle Deutschen so ticken, wie Höcke. Die Bundesregierung könnte außerdem einen guten Draht zu Polen halten.


Das lebe ich hier wirklich vor; meine Nachbarn und die Mitarbeiter in den Amtsstuben behandeln mich ausgesucht höflich und hilfsbereit. Natürlich versuche ich alle Amtsgespräche in Polnisch zu erledigen. Das wird offenbar freudig anerkannt.

Ich meine, daß die Bundesregierung sich schon sehr still und entgegenkommend verhält, daß aber die polnische Seite unter der Führung der national-konservativen PiS fast jede Gelegenheit nutzt, um Ärger zu machen. Dann wird das mit dem Guten Draht natürlich schwierig. Das ging mit der Regierung der national-liberalen PO unter dem heutigen Präsidenten des EU-Ministerrats Donald Tusk viel, viel besser!

Wir müssen uns wohl auf den Überdruß der Polen an dieser streitsüchtigen Regierung verlassen... und der wächst erkennbar an.
Benutzeravatar
schokoschendrezki
Beiträge: 12437
Registriert: Mi 15. Sep 2010, 15:17
Benutzertitel: wurzelloser Kosmopolit
Wohnort: Berlin
Kontaktdaten:

Re: Polen will nun auch Reparationen

Beitragvon schokoschendrezki » Mo 29. Okt 2018, 11:24

H2O hat geschrieben:(29 Oct 2018, 10:00)

Schon richtig; mir fällt aber gar kein Gegenmittel ein, außer meinem Stimmzettel bei Wahlen und meiner Stimme in politischen Diskussionen. Haben Sie einen weiteren Vorschlag, den man verfolgen könnte?


Wie so häufig scheint das Wirtschaftsverhältnis mehr und mehr ein Eigenleben unabhängig von politischen Verhältnissen zu führen. Was sagt ein Blick auf die Import/Export-Statistik Polen-Deutschland:

2016: 54.797.880.000 € Export nach Polen, 46.522.176.000 € Import aus Polen
2017: 59.536.592.000 € Export nach Polen (+8,65 %), 51.019.684.000 € Import aus Polen (+9.67%)

Zum Vergleich der Traditionspartner Frankreich (67 Mio Einwohner) gegenüber dem Neupartner Polen (38 Mio Einwohner):

2016: 101.399.024.000 € Export nach Frankreich, 65.778.304.000 € Import aus Frankreich
2017: 105.207.976.000 € Export nach Frankreich (+3.76%), 64.167.508.000 € Import aus Frankreich (-2.45%)

Tendenziell könnte Deutschland also demnächst aus Polen genauso viel importieren wie aus dem erheblich größeren Traditionspartner Frankreich.

https://www.auwi-bayern.de/Europa/Polen/export-import-statistik.html
https://www.auwi-bayern.de/Europa/Frankreich/export-import-statistik.html
"Ich kann keine Nation lieben, ich kann keinen Staat lieben, ich kann nur meine Freunde lieben." Hannah Arendt
Benutzeravatar
H2O
Moderator
Beiträge: 23169
Registriert: So 13. Sep 2015, 12:49

Re: Polen will nun auch Reparationen

Beitragvon H2O » Mo 29. Okt 2018, 12:04

schokoschendrezki hat geschrieben:(29 Oct 2018, 11:24)

Wie so häufig scheint das Wirtschaftsverhältnis mehr und mehr ein Eigenleben unabhängig von politischen Verhältnissen zu führen. Was sagt ein Blick auf die Import/Export-Statistik Polen-Deutschland:

2016: 54.797.880.000 € Export nach Polen, 46.522.176.000 € Import aus Polen
2017: 59.536.592.000 € Export nach Polen (+8,65 %), 51.019.684.000 € Import aus Polen (+9.67%)

Zum Vergleich der Traditionspartner Frankreich (67 Mio Einwohner) gegenüber dem Neupartner Polen (38 Mio Einwohner):

2016: 101.399.024.000 € Export nach Frankreich, 65.778.304.000 € Import aus Frankreich
2017: 105.207.976.000 € Export nach Frankreich (+3.76%), 64.167.508.000 € Import aus Frankreich (-2.45%)

Tendenziell könnte Deutschland also demnächst aus Polen genauso viel importieren wie aus dem erheblich größeren Traditionspartner Frankreich.

https://www.auwi-bayern.de/Europa/Polen/export-import-statistik.html
https://www.auwi-bayern.de/Europa/Frankreich/export-import-statistik.html


Dieser intensive Austausch kann doch nur erfreut zur Kenntnis genommen werden. Ich stelle mich jetzt einmal schützend vor unsere französischen Nachbarn. Deutsche Investitionen gibt es in Frankreich bestimmt nicht in dem Umfang wie in Polen. Dazu war der französische Markt doch viel zu stark entwickelt, und vor einigen Jahrzenten war in Frankreich auch die nationale Wirtschaft heilig.

Das alles ist in Polen anders gewesen; vor allem der Kapitalbedarf für Investitionen war und ist hoch, bei einer noch sehr ausbaufähigen Wirtschaft. Da gibt es nun einmal in der Privatwirtschaft sehr starke Verflechtungen in größerer Zahl. Es wird noch lange dauern, bis zum französischen Partner derart enge Verzahnungen aufgebaut wurden, wie sie heute mit Polen bestehen... und stetig weiter wachsen.

Darum war ja auch der Grundgedanke "Weimarer Dreieck" eine gute Sache, die leider aber auch nicht so richtig in Schwung kommt.

Und nun sehen wir uns den Titel dieses Strangs an. Da sind doch wohl ein paar Sicherungen durchgeknallt... oder?
Benutzeravatar
Quatschki
Beiträge: 8746
Registriert: Mi 4. Jun 2008, 08:14
Wohnort: rechtselbisch

Re: Polen will nun auch Reparationen

Beitragvon Quatschki » Mo 29. Okt 2018, 12:42

schokoschendrezki hat geschrieben:(29 Oct 2018, 11:24)

Wie so häufig scheint das Wirtschaftsverhältnis mehr und mehr ein Eigenleben unabhängig von politischen Verhältnissen zu führen. Was sagt ein Blick auf die Import/Export-Statistik Polen-Deutschland:

2016: 54.797.880.000 € Export nach Polen, 46.522.176.000 € Import aus Polen
2017: 59.536.592.000 € Export nach Polen (+8,65 %), 51.019.684.000 € Import aus Polen (+9.67%)

Zum Vergleich der Traditionspartner Frankreich (67 Mio Einwohner) gegenüber dem Neupartner Polen (38 Mio Einwohner):

2016: 101.399.024.000 € Export nach Frankreich, 65.778.304.000 € Import aus Frankreich
2017: 105.207.976.000 € Export nach Frankreich (+3.76%), 64.167.508.000 € Import aus Frankreich (-2.45%)

Tendenziell könnte Deutschland also demnächst aus Polen genauso viel importieren wie aus dem erheblich größeren Traditionspartner Frankreich.

https://www.auwi-bayern.de/Europa/Polen/export-import-statistik.html
https://www.auwi-bayern.de/Europa/Frankreich/export-import-statistik.html

Wie schlägt sich das in der Handelsbilanz nieder, wenn Amazon 1000 LKW voller Waren pro Tag zum Einpacken über seine polnischen Logistikzentren laufen läßt?
Benutzeravatar
H2O
Moderator
Beiträge: 23169
Registriert: So 13. Sep 2015, 12:49

Re: Polen will nun auch Reparationen

Beitragvon H2O » Mo 29. Okt 2018, 12:59

Quatschki hat geschrieben:(29 Oct 2018, 12:42)

Wie schlägt sich das in der Handelsbilanz nieder, wenn Amazon 1000 LKW voller Waren pro Tag zum Einpacken über seine polnischen Logistikzentren laufen läßt?


Aus meiner Sicht überhaupt nicht, wenn die Waren nicht in Polen hergestellt wurden. Meine online-Bestellungen bei Amazon bezahle ich in Deutschland zu deutschen Angebotspreisen. Die kommen dann mit GLS oder DPD oder auch Polnischer Post an meine polnische Adresse. Polnische Mehrwertsteuer muß ich nie bezahlen, wohl aber zusätzliche Versandkosten. Ich nehme an, daß die Logistikzentren wie Zoll-Ausland behandelt werden. Die Lieferungen kommen aber immer aus Deutschland aus einem Zwischenlager eines Spediteurs. Kann man so in der Sendungsverfolgung sehen.
Benutzeravatar
Eiskalt
Beiträge: 2427
Registriert: Mi 2. Dez 2009, 11:05
Benutzertitel: Der Staat bin ich

Re: Polen will nun auch Reparationen

Beitragvon Eiskalt » Mo 29. Okt 2018, 13:37

Nomen Nescio hat geschrieben:(09 Sep 2017, 00:08)

nein, soweit ich weiß wir nicht, norwegen nicht, die schweiz nicht, usw. ;)


Die Niederlande sind ja auch wie Deutschland nur mit einer anderen Sprache, ich wohne ja nur 20-30 km von der Grenze entfernt...
SIeht aus wie hier nur andere Sprache.
Wenn man allerdings von den Niederlanden nach Belgien reinfährt sieht das schon anders aus, mehr.....französisch..... :?
Memento mori
-Römisches Sprichwort
Benutzeravatar
Eiskalt
Beiträge: 2427
Registriert: Mi 2. Dez 2009, 11:05
Benutzertitel: Der Staat bin ich

Re: Polen will nun auch Reparationen

Beitragvon Eiskalt » Mo 29. Okt 2018, 14:21

Man stelle sich nur vor Deutschland würde verkünden:
"Aufgrund der Kritik an unserem erhöhten Aussenhandelsvolumen haben wir beschlossen den Binnennachfrage zu erhöhen.
Soeben haben wir 3000 Kampfpanzer vom Typ Leopard bestellt"!
Diese werden aus Gründen des Schutzes vor Russland und Platzes an der polnischen Grenze geparkt.
So begegnet man einem Haufen an Kritik"!

:D
Memento mori
-Römisches Sprichwort
Benutzeravatar
schokoschendrezki
Beiträge: 12437
Registriert: Mi 15. Sep 2010, 15:17
Benutzertitel: wurzelloser Kosmopolit
Wohnort: Berlin
Kontaktdaten:

Re: Polen will nun auch Reparationen

Beitragvon schokoschendrezki » Mo 29. Okt 2018, 14:23

Quatschki hat geschrieben:(29 Oct 2018, 12:42)

Wie schlägt sich das in der Handelsbilanz nieder, wenn Amazon 1000 LKW voller Waren pro Tag zum Einpacken über seine polnischen Logistikzentren laufen läßt?


Die verlinkten Statistiken schlüsseln die Handelsbilanzen auch nach Warengruppen auf. Die beiden großen Posten sowohl beim Import wie beim Export aus und nach Polen sind zum einen Fahrzeuge und zum anderen Maschinen. Deutschland importiert darüber hinaus vor allem Futtermittel aus Polen und exportiert chemische Erzeugnisse. Dinge, die über Amazon verschickt werden, spielen da glaube ich nur eine Nebenrolle.

Aber egal: Es gibt diese politisch lanzierten Geschichten wie die Forderung nach Reparationszahlungen. Ich glaube nicht, dass irgendjemand tatsächlich an irgendwelche MIlliardenzahlungen glaubt. Das richtet sich doch wohl eher an den polnischen Wähler als an den deutschen Staat. Zugleich jedoch fließen tatsächlich und real Warenströme in MIlliardenbeträgen hin- und her. Man muss bei den Diskussionen aufpassen, ob man sich an solchen Erzählsträngen beteiligt oder ob man die reale politische und wirtschaftliche Situation betrachtet.
"Ich kann keine Nation lieben, ich kann keinen Staat lieben, ich kann nur meine Freunde lieben." Hannah Arendt
Benutzeravatar
Quatschki
Beiträge: 8746
Registriert: Mi 4. Jun 2008, 08:14
Wohnort: rechtselbisch

Re: Polen will nun auch Reparationen

Beitragvon Quatschki » Mo 29. Okt 2018, 14:48

Polen hat ja jetzt erstmal am 11.November den 100.Jahrestag der Wiedergründung nach dem 1.Weltkrieg.
Schon damals haben sie entschädigungslos Staatsbesitz, Eisenbahnvermögen, Infrastruktur von Rußland, Österreich und dem Deutschen Reich übernommen. Alles, was seit den polnischen Teilungen geschaffen wurde und nicht originär polnisch war.
Ein Teil dieser Gebäude und Anlagen ist dann im 2.Weltkrieg untergegangen und dafür Entschädigung zu fordern hieße quasi Ansprüche für untergegangene Hehlerware zu stellen...
Benutzeravatar
schokoschendrezki
Beiträge: 12437
Registriert: Mi 15. Sep 2010, 15:17
Benutzertitel: wurzelloser Kosmopolit
Wohnort: Berlin
Kontaktdaten:

Re: Polen will nun auch Reparationen

Beitragvon schokoschendrezki » Mo 29. Okt 2018, 15:08

Quatschki hat geschrieben:(29 Oct 2018, 14:48)

Polen hat ja jetzt erstmal am 11.November den 100.Jahrestag der Wiedergründung nach dem 1.Weltkrieg.
Schon damals haben sie entschädigungslos Staatsbesitz, Eisenbahnvermögen, Infrastruktur von Rußland, Österreich und dem Deutschen Reich übernommen. Alles, was seit den polnischen Teilungen geschaffen wurde und nicht originär polnisch war.
Ein Teil dieser Gebäude und Anlagen ist dann im 2.Weltkrieg untergegangen und dafür Entschädigung zu fordern hieße quasi Ansprüche für untergegangene Hehlerware zu stellen...

Das hört sich jetzt so an, als wäre POlen für RUssland, Preußen und Österreich im 18. Jahrhundert so eine Art Entwicklungshilfeprojekt gewesen und nicht einfach die Beute dreier um Macht und Einfluss in Europa wetteifernder Großmächte.

Es geht - wie ich glaube - der PiS nicht um tatsächliche Milliardenansprüche. Die fließen auch in Fällen nicht, wo der historische Verlauf viel eindeutiger ist. Zum Beispiel im ehemaligen Deutsch-Südwestafrika. Das ganze ist doch - wenngleich ziemlich wirksame - politische Propaganda. Und nochmal: Zugleich setzt sich der Wirtschaftshandel zwischen beiden Ländern - sowieso schon auf recht hohem Niveau - weiter fort. Man muss bei der politischen ANalyse aufpassen, dass man die tatsächlichen Vorgänge im Auge hat und sich nicht auf ein reines Debattier- und Propagandafeld locken lässt.
"Ich kann keine Nation lieben, ich kann keinen Staat lieben, ich kann nur meine Freunde lieben." Hannah Arendt
Benutzeravatar
Quatschki
Beiträge: 8746
Registriert: Mi 4. Jun 2008, 08:14
Wohnort: rechtselbisch

Re: Polen will nun auch Reparationen

Beitragvon Quatschki » Mo 29. Okt 2018, 16:15

schokoschendrezki hat geschrieben:(29 Oct 2018, 15:08)

... Die fließen auch in Fällen nicht, wo der historische Verlauf viel eindeutiger ist. Zum Beispiel im ehemaligen Deutsch-Südwestafrika. .

Eindeutiger ist da garnichts.
Das Deutsche Reich hat in den 25 Jahren in Deutsch-Südwestafrika viel mehr investiert als herausgezogen. Man baut Bahnstrecken, Häfen, Straßen, Brücken, Postämter, Rathäuser und Schulen nicht für 10 Jahre Nutzungsdauer. Das meiste wurde kurz vor dem 1.Weltkrieg fertig oder war noch im Bau und ging nun entschädigungslos auf die neuen Eigentümer über.
Während in den englischen, französischen oder belgischen Kolonien für solche Investitionen jahrzehntelang Kredite getilgt und Anleger bedient werden mußten, konnten nach dem Versailler Vertrag die neuen Eigentümer über diese von den Deutschen geschaffene und finanzierte Infrastruktur nagelneu und zugleich voll abgeschrieben verfügen und tun es bis heute. Und so ähnlich war es auch mit den Eisenbahnen, Straßenbahnen, Fabriken, Straßen, Kanälen, Bergwerken, Häfen oder Postämtern von Kattowitz bis Danzig.
Audi
Beiträge: 5156
Registriert: Di 22. Mär 2016, 11:57

Re: Polen will nun auch Reparationen

Beitragvon Audi » Mo 29. Okt 2018, 16:41

Polen wird gar nichts bekommen. Es sei denn, man ist der Meinung USA werden helfen. Aber viel erfolg
friemeyer

Polen fordert Reparationen durch den UNO-Sicherheitsrat

Beitragvon friemeyer » Mi 12. Dez 2018, 10:25

Man sollte denken, dass das Thema der Reparationen für den Zweiten Weltkrieg schon längst vergessen ist. Die Hauptprinzipien und Bedingungen der Zahlungen von Deutschland und seinen Verbündeten wurden auf den Konferenzen von Potsdam und Jalta festgesetzt. Aber Polen rollt das Thema der nicht bezahlten Kriegsschulden immer wieder auf.

In den letzten Jahren erhoben die polnischen Behörden die Reparationsansprüche an Deutschland mehrmals. In Polen wird diese Frage auf dem höchsten Niveau behandelt - und zwar im Parlamentsausschuss für Reparationszahlungen. Laut Schätzungen der polnischen Politiker beträgt die pauschale Forderung mindestens 800 Milliarden US-Dollar.

Nun will Warschau, das dieses Jahr das nichtständige Mitglied des UNO-Sicherheitsrats geworden ist, die Frage über die nicht ausgeglichenen Schäden aus dem Zweiten Weltkrieg auf der internationalen Ebene besprechen. So haben die polnischen Behörden dem UNO-Sicherheitsrat den Entwurf der Resolution zur historischen Verantwortung Deutschlands für die NS-Verbrechen gegen Polen vorgelegt.

https://i.imgur.com/Hq04oux.jpg

https://i.imgur.com/tZ1VJOb.jpg

Dem Entwurf der Resolution nach besteht Warschau auf die Nachprüfung der Schäden, die Deutschland Polen während der Besatzungszeit 1939-1944 zugefügt hat, und auf die Neuberechnung der Entschädigung wegen der menschlichen und materiellen Verluste. Die Polen schlagen es vor, ein Fonds für die Auszahlung der Reparationen einzurichten und eine Sonderkommission für die Verwaltung dieses Fonds und für die Feststellung der Auszahlungshöhe zu bilden.

Das offizielle Berlin antwortete auf polnische Ansprüche, dass alle Reparationsforderungen schon längst beglichen worden waren, und die neuen Forderungen Polens sind rechtlich kaum begründet. Der polnische Staat, der nach dem Krieg dem Ostblock gehörte, hat offiziell auf deutsche Kriegsreparationen verzichtet. Aber die Polen beharren darauf, dass diese Entscheidung unter Druck von der UdSSR getroffen wurde. Dabei Polen, das sich für die Hauptopfer im Zweiten Weltkrieg hält und von der Wiederherstellung der historischen Gerechtigkeit spricht, scheint über die weiten deutschen Ostgebiete, die ihm nach der Potsdamer Konferenz übertragt wurden, absichtlich zu vergessen.

Falls der Entwurf der Resolution, die Polen in den UNO-Sicherheitsrat eingebracht hat, verabschiedet wird, führt dies zu einem gefährlichen Präzedenzfall. Man könnte dann geradeso gut die Ergebnisse aller Kriege in der Weltgeschichte revidieren. Polen ist bereits nicht das einzige, wer die Geschichte umschreiben möchte. So erhebt Griechenland ähnliche Ansprüche an Deutschland. Es ist nicht ausgeschlossen, dass andere Staaten Polens Beispiel folgen wollen, und dann kann die Welt ins Chaos abgleiten, wo jeder die Geschichte leicht ändern und auf die Vereinbarungen, die jahrzehntelang und jahrhundertelang galten, pfeifen kann.
Benutzeravatar
H2O
Moderator
Beiträge: 23169
Registriert: So 13. Sep 2015, 12:49

Re: Polen fordert Reparationen durch den UNO-Sicherheitsrat

Beitragvon H2O » Mi 12. Dez 2018, 10:50

friemeyer hat geschrieben:(12 Dec 2018, 10:25)

Man sollte denken, dass das Thema der Reparationen für den Zweiten Weltkrieg schon längst vergessen ist. Die Hauptprinzipien und Bedingungen der Zahlungen von Deutschland und seinen Verbündeten wurden auf den Konferenzen von Potsdam und Jalta festgesetzt. Aber Polen rollt das Thema der nicht bezahlten Kriegsschulden immer wieder auf.

In den letzten Jahren erhoben die polnischen Behörden die Reparationsansprüche an Deutschland mehrmals. In Polen wird diese Frage auf dem höchsten Niveau behandelt - und zwar im Parlamentsausschuss für Reparationszahlungen. Laut Schätzungen der polnischen Politiker beträgt die pauschale Forderung mindestens 800 Milliarden US-Dollar.

Nun will Warschau, das dieses Jahr das nichtständige Mitglied des UNO-Sicherheitsrats geworden ist, die Frage über die nicht ausgeglichenen Schäden aus dem Zweiten Weltkrieg auf der internationalen Ebene besprechen. So haben die polnischen Behörden dem UNO-Sicherheitsrat den Entwurf der Resolution zur historischen Verantwortung Deutschlands für die NS-Verbrechen gegen Polen vorgelegt.

https://i.imgur.com/Hq04oux.jpg

https://i.imgur.com/tZ1VJOb.jpg

Dem Entwurf der Resolution nach besteht Warschau auf die Nachprüfung der Schäden, die Deutschland Polen während der Besatzungszeit 1939-1944 zugefügt hat, und auf die Neuberechnung der Entschädigung wegen der menschlichen und materiellen Verluste. Die Polen schlagen es vor, ein Fonds für die Auszahlung der Reparationen einzurichten und eine Sonderkommission für die Verwaltung dieses Fonds und für die Feststellung der Auszahlungshöhe zu bilden.

Das offizielle Berlin antwortete auf polnische Ansprüche, dass alle Reparationsforderungen schon längst beglichen worden waren, und die neuen Forderungen Polens sind rechtlich kaum begründet. Der polnische Staat, der nach dem Krieg dem Ostblock gehörte, hat offiziell auf deutsche Kriegsreparationen verzichtet. Aber die Polen beharren darauf, dass diese Entscheidung unter Druck von der UdSSR getroffen wurde. Dabei Polen, das sich für die Hauptopfer im Zweiten Weltkrieg hält und von der Wiederherstellung der historischen Gerechtigkeit spricht, scheint über die weiten deutschen Ostgebiete, die ihm nach der Potsdamer Konferenz übertragt wurden, absichtlich zu vergessen.

Falls der Entwurf der Resolution, die Polen in den UNO-Sicherheitsrat eingebracht hat, verabschiedet wird, führt dies zu einem gefährlichen Präzedenzfall. Man könnte dann geradeso gut die Ergebnisse aller Kriege in der Weltgeschichte revidieren. Polen ist bereits nicht das einzige, wer die Geschichte umschreiben möchte. So erhebt Griechenland ähnliche Ansprüche an Deutschland. Es ist nicht ausgeschlossen, dass andere Staaten Polens Beispiel folgen wollen, und dann kann die Welt ins Chaos abgleiten, wo jeder die Geschichte leicht ändern und auf die Vereinbarungen, die jahrzehntelang und jahrhundertelang galten, pfeifen kann.


Der verschollene Beutezug mit Nazigold von Waldenburg/Walbrzych erregt manchmal die Gemüter, und nun die angeblich bestehenden Reparationsansprüche Polens. Der Traum vom plötzlichen Reichtum...

Die Wojewodschaft Westpommern hat dem Rechnung getragen und einen golden lackierten Regionalzug in Dienst gestellt. Denn Humor haben Polen dann auch noch.

Übrigens gehört Ihr neu eröffneter Strang hier hin:

viewtopic.php?f=8&t=64235

Zurück zu „31. EU - EFTA“

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 3 Gäste