Macron und die Folgen

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Re: Macron und die Folgen

Beitragvon Senexx » Mo 18. Mär 2019, 11:36

Polizist im EInsatz beteiligt sich an Plünderungen

In den Medien kursiert ein Video, welches einen am Samstag eingesetzten Polizisten in Uniform beim Plündern zeigt. Er stopft Kleidung in einer Boutique in eine Tasche. Eine offizielle Untersuchung wurde eingeleitet.

Sogar Mitglieder von Sicherheitskräften sind aggressiv außer Rand und Band. Die Wut muss groß sein.
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Re: Macron und die Folgen

Beitragvon naddy » Mo 18. Mär 2019, 13:18

H2O hat geschrieben:(18 Mar 2019, 08:21)

Dann wird es aber höchste Zeit, darüber nach zu denken, woher denn so anhaltender Haß und Neid kommen.


Gute Idee. Meine pauschale Antwort: Aus multiplem Politik- und Medienversagen. Oder vermutet man, dass die weltweit zu beobachtende Zunahme von Extremismus-Tendenzen nebst Rückkehr zu alten Identifikationsmustern wie "Nationalstaat", "Volk", "Links oder Rechts", "Religionsgemeinschaft" usw., usf. auf genetischer Disposition oder virologischer Ansteckung basiert? Die Verantwortung für solche Entwicklungen liegt immer bei den jeweiligen Machthabern, entweder in ihrer Inkompetenz oder alternativ in deren Machtgeilheit oder Böswilligkeit. Das war schon bei der Machtergreifung der Nazis nichts anders. Die Einen waren unfähig, die Dimensionen des sich anbahnenden Unheils zu erfassen, die Anderen haben sich ihre Pöstchenschacherei mit: "Das werden wir schon irgendwie in den Griff kriegen" schöngeredet.

Merkel wird das Zitat unterstellt: "Es geht darum, die Demokratie wirtschaftskompatibel zu machen". Sollte sie das wirklich gesagt haben könnte man es einer beliebigen der vorgenannten Kategorien beispielhaft zuordnen.

Mit Pauschalisierungen wie "Haß" oder "Neid" sollte man übrigens vorsichtig umgehen. Spätestens seit Aristoteles kann der nicht bildungsgeschädigte Bürger wissen, dass es einen Unterschied zwischen "Neid" und "Empörung" gibt. "Neid" ist die Mißgunst, dass ein Anderer überhaupt etwas besitzt, "Empörung" die Empfindung, dass jemand etwas besitzt, das er nach moralischen Maßstäben nicht verdient. Aber das hat schon das Fähnlein Fieselschweif der FDP nicht begreifen können - und kann es immer noch nicht. Und dass "Haß" es inzwischen geschafft hat von einer sehr subjektiven Empfindung zu einem empirisch verifizierbaren objektiven Maßstab zu mutieren ist wohl einem extrem bizarren Zeitgeist geschuldet.

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Re: Macron und die Folgen

Beitragvon Alexyessin » Mo 18. Mär 2019, 14:00

Senexx hat geschrieben:(18 Mar 2019, 11:36)

Polizist im EInsatz beteiligt sich an Plünderungen

In den Medien kursiert ein Video, welches einen am Samstag eingesetzten Polizisten in Uniform beim Plündern zeigt. Er stopft Kleidung in einer Boutique in eine Tasche. Eine offizielle Untersuchung wurde eingeleitet.

Sogar Mitglieder von Sicherheitskräften sind aggressiv außer Rand und Band. Die Wut muss groß sein.


Oder einfach die Gelegenheit günstig.
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Re: Macron und die Folgen

Beitragvon Alpha Centauri » Mo 18. Mär 2019, 22:38

naddy hat geschrieben:(18 Mar 2019, 13:18)

Gute Idee. Meine pauschale Antwort: Aus multiplem Politik- und Medienversagen. Oder vermutet man, dass die weltweit zu beobachtende Zunahme von Extremismus-Tendenzen nebst Rückkehr zu alten Identifikationsmustern wie "Nationalstaat", "Volk", "Links oder Rechts", "Religionsgemeinschaft" usw., usf. auf genetischer Disposition oder virologischer Ansteckung basiert? Die Verantwortung für solche Entwicklungen liegt immer bei den jeweiligen Machthabern, entweder in ihrer Inkompetenz oder alternativ in deren Machtgeilheit oder Böswilligkeit. Das war schon bei der Machtergreifung der Nazis nichts anders. Die Einen waren unfähig, die Dimensionen des sich anbahnenden Unheils zu erfassen, die Anderen haben sich ihre Pöstchenschacherei mit: "Das werden wir schon irgendwie in den Griff kriegen" schöngeredet.

Merkel wird das Zitat unterstellt: "Es geht darum, die Demokratie wirtschaftskompatibel zu machen". Sollte sie das wirklich gesagt haben könnte man es einer beliebigen der vorgenannten Kategorien beispielhaft zuordnen.

Mit Pauschalisierungen wie "Haß" oder "Neid" sollte man übrigens vorsichtig umgehen. Spätestens seit Aristoteles kann der nicht bildungsgeschädigte Bürger wissen, dass es einen Unterschied zwischen "Neid" und "Empörung" gibt. "Neid" ist die Mißgunst, dass ein Anderer überhaupt etwas besitzt, "Empörung" die Empfindung, dass jemand etwas besitzt, das er nach moralischen Maßstäben nicht verdient. Aber das hat schon das Fähnlein Fieselschweif der FDP nicht begreifen können - und kann es immer noch nicht. Und dass "Haß" es inzwischen geschafft hat von einer sehr subjektiven Empfindung zu einem empirisch verifizierbaren objektiven Maßstab zu mutieren ist wohl einem extrem bizarren Zeitgeist geschuldet.

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Das Demokratie "wirtschaftskompatibel" sein muss ist pure Ideologie und warum sollte es nicht eher umgekehrt sein die Wirtschaft "demokratiekompatibel" ??
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Re: Macron und die Folgen

Beitragvon Adam Smith » Mo 18. Mär 2019, 22:54

Alpha Centauri hat geschrieben:(18 Mar 2019, 22:38)

Das Demokratie "wirtschaftskompatibel" sein muss ist pure Ideologie und warum sollte es nicht eher umgekehrt sein die Wirtschaft "demokratiekompatibel" ??

Was wird denn hier konkret vorgeschlagen?
Das ist Kapitalismus:

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Re: Macron und die Folgen

Beitragvon Senexx » Di 19. Mär 2019, 02:39

Polizeipräfekt wegen mangelnder Polizeibrutalität entlassen

Der Polizeipräfekt von Paris wurde nach den Vorfällen vom Wochenende entlassen. Begründet wurde das unter anderem, wegen "falschen Signalen beim Einsatz von Hartgummigeschossen" .

Der Präfekt hatte nach vielen schweren Verletzungen und Kritik von Menschenrechtsgruppen den Einsatz ausgesetzt. Die Regierung wirft ihm nun genau das vor. Sie fordert praktisch einen Kurswechsel, will also künftig wieder auf die Menge ballern lassen.

Wir dürfen uns also künftig wieder auf viele Verletzte mit ausgeschossenen Augen, Leber- oder Milzrissen einstellen

PS: Der englische Guardian schreibt sogar, der Ministerpräsident habe dafür plädiert, "Aufständische niederzuknallen" ("shut down rioters").

https://www.theguardian.com/world/2019/ ... wn-rioters

So etwas zu schreiben, hätte ich mir hier nicht getraut.

PPS: Deutsche Zeitungen berichten wie immer tendenziös. So verschweigt beispielsweise die FAZ die Gewaltdrohung des Premier und beschränkt sich auf einen Nebenaspekt, angekündigte Demoverbote für ausgewählte Viertel.

https://www.faz.net/aktuell/politik/aus ... 96020.html
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Re: Macron und die Folgen

Beitragvon Senexx » Di 19. Mär 2019, 11:54

Heute neue Massendemonstrationen

Die Gewerkschaften CGT und FO haben zusammen mit einigen kleineren Gewerkschaften zu Demonstrationen aufgerufen. Sie demonstrieren gegen die zunehmend schwindende Kaufkraft. An den meisten Grundschulen fällt der Unterricht aus.

Bei der letzten Aktion am 5. Februar waren nach Polizeiangaben 129000 Teilnehmer, nach Gewerkschaftsangaben 300000 Teilnehmer.
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Re: Macron und die Folgen

Beitragvon Alexyessin » Di 19. Mär 2019, 12:09

Senexx hat geschrieben:(19 Mar 2019, 02:39)


PS: Der englische Guardian schreibt sogar, der Ministerpräsident habe dafür plädiert, "Aufständische niederzuknallen" ("shut down rioters").

https://www.theguardian.com/world/2019/ ... wn-rioters

So etwas zu schreiben, hätte ich mir hier nicht getraut.

PPS: Deutsche Zeitungen berichten wie immer tendenziös. So verschweigt beispielsweise die FAZ die Gewaltdrohung des Premier und beschränkt sich auf einen Nebenaspekt, angekündigte Demoverbote für ausgewählte Viertel.

https://www.faz.net/aktuell/politik/aus ... 96020.html


Wo steht das in dem Artikel des Guardian? Hab den jetzt zweimal gelesen und den Satz nicht gefunden.
Nebenbei wurde natürlich in den deutschen Medien über den Einsatz dieser Hartgummigeschosse berichtet.
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Re: Macron und die Folgen

Beitragvon Senexx » Di 19. Mär 2019, 12:18

Alexyessin hat geschrieben:(19 Mar 2019, 12:09)

Wo steht das in dem Artikel des Guardian? Hab den jetzt zweimal gelesen und den Satz nicht gefunden.
Nebenbei wurde natürlich in den deutschen Medien über den Einsatz dieser Hartgummigeschosse berichtet.

Ok. Hatte "shoot down" gelesen. Gemeint ist "Shut down". Inhaltlich stimmt es aber

However, the French government argued that not enough force was used by police at the weekend, and urged a greater use of weapons by police.
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Re: Macron und die Folgen

Beitragvon naddy » Di 19. Mär 2019, 21:50

Adam Smith hat geschrieben:(18 Mar 2019, 22:54)

Was wird denn hier konkret vorgeschlagen?


Konkret ist es Aufgabe der Politik die Partikularinteressen in einer verfassten Gemeinschaft zusammenzuführen und auszugleichen. Kurz "das Gemeinwohl" herzustellen, um es mit einem etwas anachronistischen Begriff zu sagen. Das geht nicht mit einem gefakten "wir", wie etwa in dem heuchlerischen Satz: "Wir sind Exportweltmeister!", dafür können sich prekär Beschäftigte mit zwei 400-Euro-Jobs und einer kaum zu bezahlenden Wohnung nichts kaufen. Auch nicht mit: "Wir schaffen das!", wenn damit offensichtlich gemeint ist "Ihr schafft das (schon)" - siehe Zuweisungskontingente und daraus folgende kommunale Besiedlungspolitik. Die Hauptlast der Integrationsarbeit wird von Menschen in kommunalen Ghettos getragen die mit sich selber mehr als genug zu tun haben - und nicht von Politikern, die in ihren Gated Communities gelegentlich mal den syrischen Kinderarzt von nebenan zur Grillparty einladen.

Oder sollte eine Diskussion darüber angestoßen werden, ob "Demokratie" oder "Wirtschaft" das höhere Rechtsgut ist? Wenn Merkel letzterer Meinung sein sollte kann sie sich ja demnächst von den Vorständen der DAX-Unternehmen zur Kanzlerin küren lassen.

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Re: Macron und die Folgen

Beitragvon Senexx » Di 19. Mär 2019, 22:12

Massendemo gegen Macron

Zwischen 130000 (Innenministerium und 350000 (Gewerkschaften) habe heute gegen den verhassten Präsidenten demonstriert. Sie forderten die Erhöhung des Mindestlohn und keine Kürzungen im Öffentlichen Dienst. Bis zu den Europawahlen ist noch zweimal Gelegenheit, um gegen Macron zu demonstrieren, wenn der monatliche Rhythmus beibehalten wird. Eine saftige Klatsche für Macron bei den Europawahlen wäre ein Segen für Europa.
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Re: Macron und die Folgen

Beitragvon Adam Smith » Di 19. Mär 2019, 22:39

Senexx hat geschrieben:(19 Mar 2019, 11:54)

Heute neue Massendemonstrationen

Die Gewerkschaften CGT und FO haben zusammen mit einigen kleineren Gewerkschaften zu Demonstrationen aufgerufen. Sie demonstrieren gegen die zunehmend schwindende Kaufkraft. An den meisten Grundschulen fällt der Unterricht aus.

Bei der letzten Aktion am 5. Februar waren nach Polizeiangaben 129000 Teilnehmer, nach Gewerkschaftsangaben 300000 Teilnehmer.

Die könnten es wie die Chinesen machen. Oder wie wir. Oder wie Trump. Wer sich Richtung Venezuela bewegt, der bewegt sich halt dahin.
Das ist Kapitalismus:

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Re: Macron und die Folgen

Beitragvon unity in diversity » Mi 20. Mär 2019, 05:17

Aktuell wird erwogen, die Gelbwesten einfach zu verbieten. Das wäre zu kurz gesprungen. Man braucht ein ganzheitliches Konzept zur wirtschaftlichen und sozialen Renaissance Frankreichs, welches auf dem Tisch liegt, bevor die Bionadeviertel brennen. Von Macron kann man dieses Konzept nicht erwarten.
Für jedes Problem gibt es 2 Lösungsansätze:
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Re: Macron und die Folgen

Beitragvon Alpha Centauri » Mi 20. Mär 2019, 11:59

Naja dass kann auch überschwappen was ich hoffe ( da ich die Sozial- und Steuerpolitik auch hier für mangelhaft halte ) ,Einziger relevanter Unterschied Franzosen lassen im Vergleich zu Deutschen weniger bieten.
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Re: Macron und die Folgen

Beitragvon naddy » Mi 20. Mär 2019, 12:38

Senexx hat geschrieben:(19 Mar 2019, 22:12)

Massendemo gegen Macron

Zwischen 130000 (Innenministerium und 350000 (Gewerkschaften) habe heute gegen den verhassten Präsidenten demonstriert.


Und "verhasst" ist er weil...?

Eine saftige Klatsche für Macron bei den Europawahlen wäre ein Segen für Europa.


Und nochmal: weil...?

Was würde denn dadurch besser? Und vor allem: durch wen?

Die diversen nationalen Aufstandsbewegungen innerhalb der EU sind doch völlig simpel zu erklären: Wirtschaftsunion ohne Finanz- und Sozialunion, der kardinale Geburtsfehler der EU. Darauf haben verständige Leute von Anfang an hingewiesen - und das weiß sogar die bpb: http://www.bpb.de/politik/innenpolitik/rentenpolitik/223640/die-rolle-der-eu.

Dass ein derartiges Konstrukt zwingend zu Arbeitsmigration und damit zu einem verschärftem Konkurrenzkampf insbesondere bei Billiglohn-Jobs führen muß können wohl nur Deppen übersehen haben, also war es wahrscheinlich beabsichtigt. Wenn die Lebenshaltungskosten im Herkunftsland nur einen Bruchteil, der Lohnertrag im Gastland aber ein Mehrfaches dessen betragen was im Herkunftsland erzielbar wäre, müßte doch jeder mit dem Klammerbeutel gepudert sein, der diese Chance nicht wahrnimmt. Die Folgen einer derartigen Politik treffen in erster Linie die unteren Lohngruppen, diese erleben das Problem real, können sich aber die Ursachen nicht erklären und suchen sie weiterhin im Versagen der nationalen Regierungen. Was nebenbei das Erstarken der AfD und von Leuten wie Orban&Co. erklärt. Wenn das neue Ideal außer blumigen Versprechen und hehren moralischen Anforderungen nichts hervorbringt geht man eben zum alten zurück. So einfach ist das.

Und um dem leicht heuchlerischen Standardargument "70 Jahre Frieden!" vorzugreifen: Innereuropäische Kriege sind nach meiner Einschätzung nicht wegen der EU, sondern ganz einfach deshalb nicht mehr geführt worden, weil sie den durchökonomisierten Staaten zu teuer wären. Punkt. Ganz optimistisch betrachtet könnte man auch konzedieren, dass möglicherweise etwas aus WW2 gelernt wurde. Die allgemeine Erfahrung spricht aber eher dagegen, bei der Bevorzugung wirtschaftlicher Interessen gegenüber sozialen und humanitären Werten natürlich erst recht.

Apropos: Vor ähnlichen Problemen standen übrigens schon Roosevelt und Truman mit dem Manhattan-Projekt, letztlich konnten die milliardenschweren Investitionen gegenüber Kritikern nur durch den Abwurf der Bomben gerechtfertigt werden. Obwohl zu diesem Zeitpunkt bereits ein Kapitulationsangebot der Japaner unter Wahrung des Tenno-Status vorlag. Zumindest die Zweite auf Nagasaki ist aus Sicht der meisten Historiker kriegstaktisch nicht zu rechtfertigen.

Aber zurück zum Thema: Was also kann und soll ein Anderer als Macron denn besser machen?

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Re: Macron und die Folgen

Beitragvon unity in diversity » Mi 20. Mär 2019, 16:04

Le Pen wird nichts besser machen können, kann sich aber für die gute Vorarbeit zu ihrer Machtergreifung bei Macron bedanken. Egal was der angefaßt hat, es ging nach hinten los, weil er die Marie Antoinette des 21. Jahrhunderts gegeben hat.
Viel Neues kann da nicht mehr kommen. Le Pen braucht im Wahlkampf gar nichts vorzuschlagen, sie kann Macron einfach reden lassen. Hinter vorgehaltener Hand raunt sie den Wählern zu, vergeßt nicht, aggressive Dummheit und Arroganz dürft ihr neuerdings abwählen. Das genügt und so lief und läuft es überall, wo die extreme Mitte den Steigbügelhalter der extremen Rechten gibt.
Falls es zu Unruhen unter Le Pen kommt, ahndet sie Macrons Vorleistung, indem sie ihn zum Innenminister ernennt.
Wie so was in Frankreich endet, kann sich jeder ausrechnen, Place de la Concorde/ Guillotine/ Mission accomplished.
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Re: Macron und die Folgen

Beitragvon naddy » Do 21. Mär 2019, 13:34

Interessant sind doch weniger die aktuell involvierten Charaktere und deren persönliche Eigenschaften - mögen sie nun Macron, Le Pen, Orban, Merkel, Weidel oder wie auch immer heißen - sondern eher die Tatsache, dass es sich bei der zu beobachtenden Entwicklung um ein flächendeckendes Phänomen handelt. Es ist völlig illusionär zu glauben, dass andere Akteure etwas besser machen könnten. Warum ist das so? Meine These: Weil einer globalisiert agierenden Wirtschaft eine lokale, nationale Politik gegenübersteht. Diese Wirtschaft sucht sich die Staaten aus, die zu ihrem jeweiligen Geschäftsmodell passen, nennt sich "Standortvorteil". Das hat man von der christlichen Seefahrt abgeguckt, heißt dort "Ausflaggung " und bedeutet gegebenenfalls "deutsche Schiffe mit philippinischer Besatzung unter panamesischer Flagge". Die Nationalstaaten reagieren darauf mit internem Konkurrenzkampf, siehe Luxemburg, diverse "Steueroasen" etc.

Deshalb ist "Europa" als politische Handlungsunion prinzipiell eine gute Idee, dabei darf es noch nicht einmal bleiben. Aber eine "Weltregierung", die dem globalen Wirtschaftsinteresse der Kapitalakkumulation zur Durchsetzung des Gemeinwohls auf Augenhöhe entgegentreten könnte, ist ja nun beim besten Willen nicht in Sicht. Zumal die EU-Institutionen sich derzeit häufig als Marktplatz präsentieren, auf dem nach Art des orientalischen Basars nationale Interessen ausgekungelt werden. Vereinzelte Ausnahmen gestehe ich zu, aber das wird noch dauern, und zwar sehr lange. Hoffen wir, dass es überhaupt klappt....

Eine weitere Mär, zu deren Verbreitung sich Politiker entweder aus Dummheit oder Inkompetenz willig instrumentalisieren lassen, ist übrigens die allempfohlene "Konkurrenzfähigkeit", die beispielsweise vor Kurzem auch Griechenland als Patentlösung nahegelgt wurde. Hat man sich mal gefragt, zu wem denn Griechenland konkurrenzfähig werden soll und was passiert wenn es gelingt? Sollen die Deutschland Konkurrenz bei Autoexporten oder GB bei Bankgeschäften machen? Oder soll der Olivenexport die gleichen Gewinnmargen abwerfen wie Finanzspekulationen? Wird der zu verteilende Kuchen zwangsläufig größer, wenn Mehrere ein Stück abhaben wollen? Leider ist das Verständnis der Politiker in Punkto "volkswirtschaftliche Zusammenhänge" spätestens bei Adam Smith hängengeblieben. Die Grundidee permanenten Wachstums Aller innerhalb eines begrenzten Systems ist eine Form des Schwachsinns. Leider nicht die Einzige, die immer wieder zahlreiche Vertreter findet.

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Re: Macron und die Folgen

Beitragvon Orbiter1 » Fr 22. Mär 2019, 08:35

naddy hat geschrieben:(21 Mar 2019, 13:34)

Eine weitere Mär, zu deren Verbreitung sich Politiker entweder aus Dummheit oder Inkompetenz willig instrumentalisieren lassen, ist übrigens die allempfohlene "Konkurrenzfähigkeit", die beispielsweise vor Kurzem auch Griechenland als Patentlösung nahegelgt wurde.
"Konkurrenzfähigkeit" hat man Griechenland nahegelegt weil die Steuerzahler der Eurozone die 286 Mrd € die man Griechenland zu einem lächerlich niedrigen Zinssatz geliehen hat gerne wieder zurückbekommen möchten.
Hat man sich mal gefragt, zu wem denn Griechenland konkurrenzfähig werden soll und was passiert wenn es gelingt? Sollen die Deutschland Konkurrenz bei Autoexporten oder GB bei Bankgeschäften machen? Oder soll der Olivenexport die gleichen Gewinnmargen abwerfen wie Finanzspekulationen? Wird der zu verteilende Kuchen zwangsläufig größer, wenn Mehrere ein Stück abhaben wollen? Leider ist das Verständnis der Politiker in Punkto "volkswirtschaftliche Zusammenhänge" spätestens bei Adam Smith hängengeblieben. Die Grundidee permanenten Wachstums Aller innerhalb eines begrenzten Systems ist eine Form des Schwachsinns. Leider nicht die Einzige, die immer wieder zahlreiche Vertreter findet.
Wenn man sich mit Durchschnittseinkommen von 500 € pro Monat zufrieden gibt und kein Problem mit grassierender Korruption und Vetternwirtschaft hat muß man sich in Sachen Konkurrenzfähigkeit kein Bein ausreißen. Wenn es 2.000 € pro Monat sein sollen und Wettbewerb nicht exzessiv durch Korruption und Vetternwirtschaft verzerrt werden sollen aber schon.
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Re: Macron und die Folgen

Beitragvon naddy » Sa 23. Mär 2019, 12:28

Orbiter1 hat geschrieben:(22 Mar 2019, 08:35)

"Konkurrenzfähigkeit" hat man Griechenland nahegelegt weil die Steuerzahler der Eurozone die 286 Mrd € die man Griechenland zu einem lächerlich niedrigen Zinssatz geliehen hat gerne wieder zurückbekommen möchten.


Die Steuerzahler sind letztlich immer die Dummen, sei es, dass sie für die Mißwirtschaft korrupter Regime oder die Rettung "systemrelevanter" Banken blechen müssen. Und die wollen selbstverständlich "ihr" Geld zurück, sonst hätten Goldman&Sachs nach ihren Finanztricks zur Aufnahme Griechenlands in den Euro-Raum Mario Draghi ja völlig vergeblich in die Schaltzentrale der EZB manöveriert.

Wenn man sich mit Durchschnittseinkommen von 500 € pro Monat zufrieden gibt und kein Problem mit grassierender Korruption und Vetternwirtschaft hat muß man sich in Sachen Konkurrenzfähigkeit kein Bein ausreißen.


Mir erschließt sich leider nicht, was diese Feststellungen mit meinen Aussagen zum Thema "Konkurrenzfähigkeit" zu tun haben sollen. Begrenzte Ressourcen vermehren sich nicht dadurch, dass mehrere Bewerber darum konkurrieren. Und wenn auch der letzte Papua-Neuguinese 3 Plasmafernseher in seiner Hütte stehen hat, wird wohl auch dieser Markt gesättigt sein. Was kommt dann? Wird das vom System geforderte permanente Marktwachstum dann durch intergalaktischen Handel sichergestellt?

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Re: Macron und die Folgen

Beitragvon unity in diversity » Sa 23. Mär 2019, 15:51

Noch stehen sie mit ihren gelben Westen und Fahnen artig vor der
Basilika der Krönung rum.
Über ihnen 1 Polizeihubschrauber.
Für jedes Problem gibt es 2 Lösungsansätze:
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Aus den USA.

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