Ungarisierung Polens schreitet voran: PiS entmachtet VerfG

Moderator: Moderatoren Forum 3

Benutzeravatar
lobozen
Beiträge: 9962
Registriert: Mo 2. Jun 2008, 23:22
Benutzertitel: fugitive
Wohnort: Where women glow and men plunder

Re: Ungarisierung Polens schreitet voran: PiS entmachtet VerfG

Beitragvon lobozen » Mo 11. Jan 2016, 16:23

Ein Grossteil im Sinn einer deutlichen Bevoelkerungsmehrheit? Das glaube ich nicht, nachdem die Nationalkonservativen gerade erst gewaehlt worden sind.
"what you call love was invented by guys like me, to sell nylons"
Benutzeravatar
frems
Beiträge: 44869
Registriert: Sa 4. Apr 2009, 14:43
Benutzertitel: Hochenergetisch
Wohnort: Hamburg, Europa

Re: Ungarisierung Polens schreitet voran: PiS entmachtet VerfG

Beitragvon frems » Mo 11. Jan 2016, 16:32

lobozen hat geschrieben:Ein Grossteil im Sinn einer deutlichen Bevoelkerungsmehrheit? Das glaube ich nicht, nachdem die Nationalkonservativen gerade erst gewaehlt worden sind.

Bezieht sich wohl auf Umfragen. PiS erreichte im Oktober 37,6%. In Umfragen ist sie nun auf 25% runter, was auch nicht so verwundert, wenn es im Wahlkampf um Renten, Steuern, Flüchtlinge, Kindergeld etc. ging, aber nicht um eine Entmächtigung des Verfassungsgerichts oder die Angriffe auf die Pressefreiheit.
Labskaus!

Ob Mailand oder Madrid -- Hauptsache Europa.
Benutzeravatar
H2O
Moderator
Beiträge: 27926
Registriert: So 13. Sep 2015, 13:49

Re: Ungarisierung Polens schreitet voran: PiS entmachtet VerfG

Beitragvon H2O » Mo 11. Jan 2016, 16:46

frems hat geschrieben:Bezieht sich wohl auf Umfragen. PiS erreichte im Oktober 37,6%. In Umfragen ist sie nun auf 25% runter, was auch nicht so verwundert, wenn es im Wahlkampf um Renten, Steuern, Flüchtlinge, Kindergeld etc. ging, aber nicht um eine Entmächtigung des Verfassungsgerichts oder die Angriffe auf die Pressefreiheit.


Genau genommen ging es doch wohl um das
Gefühl vieler gut ausgebildeter junger Leute,
bei der Entwicklung der polnischen Wirtschaft
zu kurz gekommen zu sein. Auf diese Leute
war schon Präsident Duda eingegangen, als er
seinen Vorgänger Komorowski aus dem Rennen
warf.

Die jungen Leute sollen am Ende der PiS den
Sieg ermöglicht haben; die alte Stammwähler-
schaft "katholisch, national, konservativ" hätte
dazu nicht ausgereicht.

Gut möglich, daß diese jungen Leute der PiS
von der Fahne gehen, wenn auch die keine
"standesgemäß bezahlten" Arbeitsplätze schaffen
kann. Wie denn auch, wenn finstere Ankündigungen
zu ausländischen (deutschen) Investoren in
Mode kommen, die zu etlichen Erfolgen der
polnischen Wirtschaftsentwicklung beigetragen
haben.
Benutzeravatar
lobozen
Beiträge: 9962
Registriert: Mo 2. Jun 2008, 23:22
Benutzertitel: fugitive
Wohnort: Where women glow and men plunder

Re: Ungarisierung Polens schreitet voran: PiS entmachtet VerfG

Beitragvon lobozen » Mo 11. Jan 2016, 16:48

frems hat geschrieben:Bezieht sich wohl auf Umfragen. PiS erreichte im Oktober 37,6%. In Umfragen ist sie nun auf 25% runter, was auch nicht so verwundert, wenn es im Wahlkampf um Renten, Steuern, Flüchtlinge, Kindergeld etc. ging, aber nicht um eine Entmächtigung des Verfassungsgerichts oder die Angriffe auf die Pressefreiheit.
Dann ist ja zu erwarten/hoffen, dass sie bald abgewirtschaftet haben und die Sache sich von selbst erledigt.
"what you call love was invented by guys like me, to sell nylons"
Benutzeravatar
DarkLightbringer
Beiträge: 41105
Registriert: Mo 19. Dez 2011, 16:49
Benutzertitel: Vive la Liberté !

Re: Ungarisierung Polens schreitet voran: PiS entmachtet VerfG

Beitragvon DarkLightbringer » Mo 11. Jan 2016, 16:51

    essential

Für antipolnische Rhetorik besteht kein Grund, Polen ist in die euroatlantische Struktur eingebunden, es ist Teil des europäischen Hauses und des Atlantischen Schildes. Das polnische Volk und die polnische Demokratie genießt ein hohes Ansehen auf dem Kontinent und in der Welt. Man muss auch klar sagen, in der Nachbarschafts- und Ukraine-Politik hat sich Polen bislang als europäischer und freiheitlicher erwiesen als jene Staaten, die sich für den Kern der Union halten.
Selbstverständlich sind Ergebnisse freier Wahlen zu respektieren, da sie der Souveränität des Landes und des Volkes entsprechen.

Das schließt aber nicht aus, eine Meinung äußern zu können. Die polnischen Partner äußern Meinungen, europäische Partner auch. Die Gefahr eines stillen Staatsstreiches erfüllt viele mit großer Sorge, darunter große Teile des polnischen Volkes und der polnischen Opposition.
Wir Europäer, denke ich, sind nicht gegen Polen, wir sind für Polen. Wir stehen fest an der Seite des polnischen Volkes und seiner unveräußerlichen Rechte auf Selbstbestimmung und Demokratie.
Und wer das Einstehen für die Volkssouveränität Polens für antipolnisch hält, hat ein seltsames Verständnis für das, was eine Nation ausmacht.

Meine Damen und Herren, der östliche Teil der europäischen Union ist nicht schlechter als der westliche, südliche oder nördliche Teil, es ist jedoch eine Binsenweisheit, dass dieser Teil Europas aufgrund seiner Geschichte einige Besonderheiten aufweist. Während der Westen mit dem Ende des Zweiten Weltkrieges befreit worden ist, versanken die östlichen Staaten für lange Zeit hinter dem Eisernen Vorhang und wurden durch den Stalinismus traumatisiert.
Von daher kann es nicht verwundern, wenn nicht nur die Sorgen der Balten, Polen und weiterer Oststaaten einander ähneln, sondern auch deren engere Solidarität und das tiefere Verständnis für den Freiheitskampf der Ukrainer.

Wenn EU-Parlamentspräsident Martin Schulz der polnischen Seite Putinismus vorhält, dürfte das so wenig hilfreich sein wie der Gegenvorwurf des Außenministers Waszczykowski, deutsche Politiker übten sich in "antipolnischer" Rhetorik.

Ein Staatenbund der Partner ist keine Show der Eitelkeiten, sondern ein Netzwerk von Freunden. Daran sollten sich einige erinnern, die allzu oft in bierseliger Laune das Trennende suchen anstatt einmal über Gemeinsamkeiten nachzudenken.
>>We’ll always have Paris<<
[Humphrey Bogart als Rick Blaine in >Casablanca<, 1942]
Atheist

Re: Ungarisierung Polens schreitet voran: PiS entmachtet VerfG

Beitragvon Atheist » Mo 11. Jan 2016, 16:52

frems hat geschrieben:Noch 'n Beitrag zum Thema:


http://www.faz.net/aktuell/politik/ausl ... 05753.html


"Polen der übelsten Sorte", insbesondere höher gebildete Polen. :D

Oh Mann... allerdings sind Intellektuelle schon seit jeher der natürliche Rivale von Systemen, die auf die Herbeiführung einer totalitären Alleinherrschaft abzielen, ganz gleich ob es nun gelenkte Demokratien, Autokratien oder bereits schon fortgeschrittene Extremformen wie Diktaturen sind.
Benutzeravatar
Nomen Nescio
Beiträge: 13100
Registriert: So 1. Feb 2015, 19:29

Re: Ungarisierung Polens schreitet voran: PiS entmachtet VerfG

Beitragvon Nomen Nescio » Mo 11. Jan 2016, 16:56

@frems: wie gewöhnlich gibt es zwei möglichkeiten. 1. das handeln der EU könnte die bevölkerung PiS unterstützen lassen (putin heute; thatcher falklandskrise; usw) oder 2. der popularitätsfall könnte dramatische formen annehmen. wodurch auch wieder probleme zu erwarten sind.

ausgerechnet jetzt ist mein land EU-vorsitzende. was es auch tut, es ist einerseits zu wenig und anderseits zu viel. über unsere häupter wird ein EU-kampf ausgefochten.
nathan über mich: »er ist der unlinkste Nicht-Rechte den ich je kennengelernt habe. Ein Phänomen!«
blues über mich: »du bist ein klassischer Liberaler und das ist auch gut so.«
Atheist

Re: Ungarisierung Polens schreitet voran: PiS entmachtet VerfG

Beitragvon Atheist » Mo 11. Jan 2016, 17:12

DarkLightbringer » 11 Jan 2016, 16:51 hat geschrieben:Meine Damen und Herren, der östliche Teil der europäischen Union ist nicht schlechter als der westliche, südliche oder nördliche Teil, es ist jedoch eine Binsenweisheit, dass dieser Teil Europas aufgrund seiner Geschichte einige Besonderheiten aufweist. Während der Westen mit dem Ende des Zweiten Weltkrieges befreit worden ist, versanken die östlichen Staaten für lange Zeit hinter dem Eisernen Vorhang und wurden durch den Stalinismus traumatisiert.


Es wurde doch bereits festgestellt, dass insbesondere junge, "desillusionierte" Wähler für die PiS votierten. Die kennen den Realsozialismus nur aus Schauererzählungen ihres Privatumfelds und aus Büchern. Und selbst jene, die ihn mit- und überlebt haben, sind nicht mehrheitlich für den Rest des Lebens traumatisiert. Der Mensch passt sich an. Schließlich wurde Deutschland ja auch von Menschen wiederaufgebaut, die mitunter beide Weltkriege miterlebt haben. Und siehe da, Vieles funktioniert hier tadellos. Das tat es in Polen übrigens auch, bevor die PiS zum Rundumschlag gegen Rechtsstaat und bürgerliche Freiheiten ausgeholt hatte.
Zuletzt geändert von Atheist am Mo 11. Jan 2016, 17:42, insgesamt 1-mal geändert.
Benutzeravatar
H2O
Moderator
Beiträge: 27926
Registriert: So 13. Sep 2015, 13:49

Re: Ungarisierung Polens schreitet voran: PiS entmachtet VerfG

Beitragvon H2O » Mo 11. Jan 2016, 17:31

Nomen Nescio » 11 Jan 2016, 16:56 hat geschrieben:
ausgerechnet jetzt ist mein land EU-vorsitzende. was es auch tut, es ist einerseits zu wenig und anderseits zu viel. über unsere häupter wird ein EU-kampf ausgefochten.


Vermutlich wird "Ihr Land" klug genug sein,
sich der Unterstützung seiner Nachbarn zu
versichern und sich gut ab zu stimmen, bevor
es mit der großen Meckerei beginnt.
Benutzeravatar
Nomen Nescio
Beiträge: 13100
Registriert: So 1. Feb 2015, 19:29

Re: Ungarisierung Polens schreitet voran: PiS entmachtet VerfG

Beitragvon Nomen Nescio » Mo 11. Jan 2016, 19:01

darum geht es nicht. der springende punkt ist, das man nie alle länder zufrieden stellen kann. einige haben einen elephantsgedächtnis und bleiben nachtragen. ob gerecht oder ungerecht ist nicht wichtig.
anderseits gibt es noch ein problem, das man bei den serben deutlich sieht »jeder ist gegen uns, wir haben es immer getan«. meine polnischen bekannten wiesen schon auf diesen charackterzug. in 1939 war es auch so »unser mut ist größer als den des feinds«.

der hatte aber die besseren waffen ==> irrealismus feiert triumphen.
nathan über mich: »er ist der unlinkste Nicht-Rechte den ich je kennengelernt habe. Ein Phänomen!«
blues über mich: »du bist ein klassischer Liberaler und das ist auch gut so.«
Benutzeravatar
DeutschlandSubjektiv
Beiträge: 289
Registriert: Mo 16. Feb 2015, 19:12
Wohnort: Herten
Kontaktdaten:

Re: Ungarisierung Polens schreitet voran: PiS entmachtet VerfG

Beitragvon DeutschlandSubjektiv » Mo 11. Jan 2016, 20:24

...jedes Volk bekommt eben die Regierung, die es verdient. Wenn die Russen, Polen und Türken quasi autorität regiert werden wollen, dann soll es eben so sein. Bedenklich finde ich die Entwicklungen in den o.g. Ländern natürlich dennoch!
Benutzeravatar
H2O
Moderator
Beiträge: 27926
Registriert: So 13. Sep 2015, 13:49

Re: Ungarisierung Polens schreitet voran: PiS entmachtet VerfG

Beitragvon H2O » Mo 11. Jan 2016, 20:26

@Nomen Nescio:

Alle Länder glücklich machen, das ist in etwa
auf der Linie wie:

"Allen Leuten recht getan, ist eine Kunst, die
keiner kann!"

Ich meine, in einer vordringlichen Klärung muß
festgelegt werden, welche gemeinsamen Ziele
die EU überhaupt noch hat.

Derzeit ist mir nur erkennbar, daß einige Mitglieder
Leistungen erbringen, auf die andere Mitglieder
Anspruch haben. Warum es überhaupt diese Zahlungs-
ströme gibt, das ist ganz aus dem Blick geraten.
Aber eins ist mir klar: Zur Belebung unabhängiger
und eigensüchtiger Nationalstaaten waren diese
Ausgleichszahlungen niemals gedacht!

Das zum Beispiel, könnte nun einmal verdeutlicht
werden. Oder sehen Niederländer das so viel anders?
Zuletzt geändert von H2O am Mo 11. Jan 2016, 20:32, insgesamt 1-mal geändert.
Benutzeravatar
H2O
Moderator
Beiträge: 27926
Registriert: So 13. Sep 2015, 13:49

Re: Ungarisierung Polens schreitet voran: PiS entmachtet VerfG

Beitragvon H2O » Mo 11. Jan 2016, 20:30

DeutschlandSubjektiv » 11 Jan 2016, 20:24 hat geschrieben:...jedes Volk bekommt eben die Regierung, die es verdient. Wenn die Russen, Polen und Türken quasi autorität regiert werden wollen, dann soll es eben so sein. Bedenklich finde ich die Entwicklungen in den o.g. Ländern natürlich dennoch!


Vor allem aber ist nicht ein zu sehen, daß die EU
in ihrer derzeitigen Ausgestaltung diesem freien
Willen auch freien Lauf lässt. Die EU war so angelegt,
daß auf allen möglichen Gebieten abgestimmte
Lösungen und Verhältnisse hergestellt werden sollten.
Diesem Ziel wirkt die derzeitige polnische Regierung
entgegen, und die ungarische Regierung hat das schon
vollbracht. Darum geht es!
Atheist

Re: Ungarisierung Polens schreitet voran: PiS entmachtet VerfG

Beitragvon Atheist » Mo 11. Jan 2016, 20:43

DeutschlandSubjektiv » 11 Jan 2016, 20:24 hat geschrieben:...jedes Volk bekommt eben die Regierung, die es verdient. Wenn die Russen, Polen und Türken quasi autorität regiert werden wollen, dann soll es eben so sein. Bedenklich finde ich die Entwicklungen in den o.g. Ländern natürlich dennoch!


Wenn die Türkei nicht der EU beitreten will, darf sie auch weiterhin autoritär regiert werden. Russland hegt keine Ambitionen, Mitglied der EU zu werden, und ist somit in der Betrachtung nicht relevant. Polen ist EU-Mitglied, das sich auf vertraglicher Basis zur Einhaltung EU-weit geltender Werte und Normen verpflichtet hat. Daher ist bezogen auf Polen nix da mit blauer Himmel, Sonnenschein und wir machen's nun so, wie wie wir lustig sind.
Benutzeravatar
Nomen Nescio
Beiträge: 13100
Registriert: So 1. Feb 2015, 19:29

Re: Ungarisierung Polens schreitet voran: PiS entmachtet VerfG

Beitragvon Nomen Nescio » Mo 11. Jan 2016, 20:52

H2O » 11 Jan 2016, 20:26 hat geschrieben:werden. Oder sehen Niederländer das so viel anders?
wir sind, wie oft durch uns gesagt wird, ein land von kaufleuten und pastors.
das bedeutet einerseits, daß ein 16. jhhd alter spruch noch immer gilt »de cost gaat voor de baet uit« (zuerst muß man zahlen und später kommt der profit). das gilt auch für finanziellen beiträgen. so reell sind wir noch.

anderseits sind wir auch rebellisch. wir wollen uns nicht belehren lassen. in etwa so wie briten sagen können »I agree, this is a rotten country, but's my rotten country«.
warum sage ich dies? weil wir nicht gerne hören »du MUSST...«. sag uns was man will; gib uns eine lange zeit darüber zu streiten. schließlich geht fast jeder konform und wird alles mit einem schwall von lieben worten bedeckt und eingehüllt/eingelullt.

darum haben wir jetzt probleme mit polen. das benehmen der regierung dort ist vollkommen gegen unsere natur (und meine erziehung auch noch).



was betrifft das zahlen. so wenig anstand haben wir, daß wir ganz klar und grob zu anderen ländern sagen »he, halte mal die klappe und zahle auch einmal«. voltaire sagte schon voor 200 jahren über uns »caneaux, canards, canaille«. das hat noch immer gültigkeit. :thumbup:
nathan über mich: »er ist der unlinkste Nicht-Rechte den ich je kennengelernt habe. Ein Phänomen!«
blues über mich: »du bist ein klassischer Liberaler und das ist auch gut so.«
Benutzeravatar
H2O
Moderator
Beiträge: 27926
Registriert: So 13. Sep 2015, 13:49

Re: Ungarisierung Polens schreitet voran: PiS entmachtet VerfG

Beitragvon H2O » Mo 11. Jan 2016, 21:14

Nomen Nescio » 11 Jan 2016, 20:52 hat geschrieben:...
... anderseits sind wir auch rebellisch. wir wollen uns nicht belehren lassen. in etwa so wie briten sagen können »I agree, this is a rotten country, but's my rotten country«.
warum sage ich dies? weil wir nicht gerne hören »du MUSST...«. sag uns was man will; gib uns eine lange zeit darüber zu streiten. schließlich geht fast jeder konform und wird alles mit einem schwall von lieben worten bedeckt und eingehüllt/eingelullt.

darum haben wir jetzt probleme mit polen. das benehmen der regierung dort ist vollkommen gegen unsere natur (und meine erziehung auch noch).

...


Auha, dann haben die Polen aber doch einige
Gemeinsamkeiten mit Niederländern ;)

Die sagen ja auch: "Halte Dich hier bitte heraus!"
Nun ja, vielleicht findet Herr Kaczynski am Ende
der Klärungen auch auch noch ganz liebe Worte
über seine deutschen Nachbarn...
Atheist

Re: Ungarisierung Polens schreitet voran: PiS entmachtet VerfG

Beitragvon Atheist » Di 12. Jan 2016, 02:53

Es ist einfach nur schäbig, was hier gespielt wird... Wie es aussieht, hat die polnische Regierung auf Kritik von deutscher Seite (selbst wenn sie von einem deutschen EU-Kommissar stammt) geradezu gewartet , um sie propagandistisch auszuschlachten:

„Deutsche Einmischung“

In der Tat haben die polnischen Nationalkonservativen zuletzt alles darangesetzt, europäische Kritik als „deutsche Einmischung“ oder gar „Aggression“ darzustellen. Das entspricht zwar nicht den Tatsachen; neben Schulz und Oettinger haben nämlich auch der Vizepräsident der Kommission, Frans Timmermans, der luxemburgische Außenminister Jean Asselborn oder die Europaabgeordnete und frühere Justizkommissarin Viviane Reding sich kritisch geäußert; die EU-Kommission will demnächst in eine vertiefte Prüfung der Rechtsstaatlichkeit in Polen eintreten.

Schrille Warnungen vor der „deutschen Gefahr“ haben aber seit jeher im Arsenal der Nationalkonservativen eine zentrale Rolle gespielt, und so sind die begütigenden Worte Außenminister Waszczykowskis von den „nicht angespannten“ Beziehungen am Montagmorgen nur die eine Seite der Medaille gewesen. Die andere ist, dass „Präses“ Kaczynski, der eigentliche starke Mann der polnischen Regierung, erst Stunden vorher andere Melodien intoniert hatte.

Polen werde seinen Weg unbeirrt weitergehen, rief er am Sonntagabend seinen Anhängern in Warschau zu, und „kein Druck, kein Gepolter – und hier vor allem keines aus deutschem Munde – werden uns von diesem Weg abbringen“. Schon im Dezember hatte er gesagt, die ausländische Kritik an seinem Kurs erinnere ihn an „1956“ und „1968“, also an die sowjetischen Interventionen in Ungarn und der Tschechoslowakei.


Umdeutung europäischer Kritik

Seine engsten Mitstreiter haben diesen Akzent noch stärker hervorgehoben. Verteidigungsminister Antoni Macierewicz sagte am Samstag, die deutsche „Aggression“ gegen Polen sei „beunruhigend und empörend“. Die Deutschen versuchten den Polen wieder einmal zu „diktieren, was echte Freiheit ist“.

Justizminister Zbigniew Ziobro attackierte Oettinger in einem offenen Brief, in dem er den Kommissar immer wieder als Deutschen ansprach und nicht als Repräsentanten der EU. Ziobro hielt Oettinger die „Zensur“ deutscher Medien nach den Kölner Vorfällen der Silvesternacht vor und fügte hinzu: „In Ihrem Vaterland Deutschland gilt der Spruch: ,Cuius regio – eius Radio‘, also ,Wer die Macht hat, hat das Radio‘.“ In Deutschland herrsche „der einfache Grundsatz, dass die Chefs der öffentlichen Sender von jenen Politikern benannt werden, die jeweils die Macht haben“.

Die Umdeutung europäischer Kritik in deutsche „Aggression“ wird dabei immer wieder von Erinnerungen an den deutschen Überfall auf Polen im Zweiten Weltkrieg begleitet. Der stellvertretende Verteidigungsminister Bartosz Kownacki etwa hat daran erinnert, dass die „Großväter und Väter dieser Leute das Blut von Millionen Polen an ihren Händen haben, unter anderem auch das meiner Vorfahren“.


„Reparationen weiter rechtlich aktuell“

Auch Justizminister Ziobro griff zu diesem Stilmittel. Oettingers Forderung europäischer „Aufsicht“ kommentierte er mit den Worten, schon sein Großvater habe als polnischer Untergrundoffizier im Zweiten Weltkrieg gegen solche „deutsche Aufsicht“ gekämpft.

Diese Argumentation (europäische Kritik ist gleich deutsche Aggression) erinnert an athenische Polemiken am Höhepunkt der griechischen Schuldenkrise, und auch die ultimative „Wunderwaffe“ jener Zeit – die Forderung nach deutschen Kriegsreparationen – hat sich schon angedeutet. Kein Geringerer als Kaczynski selbst hat davon gesprochen. „Wir brauchen wahrlich keine deutsche Hilfe, wenn es um Demokratie geht“, hat er Ende 2015 gesagt.

Deutschland sei Polen nach wie vor „viel, ja sogar sehr, sehr viel schuldig, in jedem Sinn, vom Moralischen bis hin zum Wirtschaftlichen“. Kaczynski wiederholte die alte Behauptung seiner Partei, den polnischen Verzicht auf deutsche Reparationen von 1953 „gebe es nicht“, denn er sei bei den zuständigen Stellen der Vereinten Nationen nie hinterlegt worden. „In den 70 Jahren, die seit dem Ende des Krieges vergangen sind, wurden diese Angelegenheiten nie erledigt, und rechtlich sind sie weiter aktuell.“


http://www.faz.net/aktuell/politik/ausl ... ageIndex_2

Da hatten wohl einige Nutzer, u.a. H2O, vollkommen Recht mit ihren Warnungen...
Benutzeravatar
Nomen Nescio
Beiträge: 13100
Registriert: So 1. Feb 2015, 19:29

Re: Ungarisierung Polens schreitet voran: PiS entmachtet VerfG

Beitragvon Nomen Nescio » Di 12. Jan 2016, 06:48

H2O hat geschrieben:(11 Jan 2016, 21:14)

Auha, dann haben die Polen aber doch einige
Gemeinsamkeiten mit Niederländern ;)
die menschen möglicherweise ja. die regierungen bestimmt nicht.
nathan über mich: »er ist der unlinkste Nicht-Rechte den ich je kennengelernt habe. Ein Phänomen!«
blues über mich: »du bist ein klassischer Liberaler und das ist auch gut so.«
Benutzeravatar
schokoschendrezki
Beiträge: 14353
Registriert: Mi 15. Sep 2010, 16:17
Benutzertitel: wurzelloser Kosmopolit
Wohnort: Berlin
Kontaktdaten:

Re: Ungarisierung Polens schreitet voran: PiS entmachtet VerfG

Beitragvon schokoschendrezki » Di 12. Jan 2016, 07:58


Der Artikel ist, was die Schilderung der Opposition und Demonstranten anbelangt schon o.k. Nur, er geht leider nicht auf das Phänomen ein, dass (im Unterschied zu den Wahlen 2005, bei denen die PiS schonmal gewann) eben nicht nur die katholisch-rückständige Landbevölkerung sondern zu großen Teilen auch junge städtische Bürger für den Sieg gesorgt hatten. Leute, die die Zeit vor 1989 nur aus Büchern kennen. Teile der "Generation Erasmus", die sich ganz selbstverständlich in einem europäischen Kontext bewegen. Ein Weltspiegel-Beitrag im Dezember brachte mal ein Beispiel für einen solchen polnischen Studenten. Kurz zuvor sah ich - ebenfalls dort - einen Bericht über junge studentische Wahlhelfer der französischen FN, der doch sehr ähnlich aussah. Ich glaube, wir müssen uns von diesen Fingerzeig-Distanzierungen verabschieden und die Renaissance von Konservativismus und Kollektiv-Patriotismus von Paris bis Moskau und von Kopenhagen bis Istanbul als ein gesamteuropäisches oder sogar globales Phänomen begreifen.

Nebenbei bemerkt: Das habe ich überhaupt erst gestern durch einen entsprechenden Beitrag im Deutschlandfunk mitbekommen. Schon 2012 gab es in Spanien durch die konservative Regierung Rajoy ein neues Mediengesetz, das zur Folge hatte, dass die Regierungspartei in den öffentlichen Medien sämtliche Intendanten, Chefredakteure und Ressortleiter bestimmt. Nicht im mindesten weniger antidemokratisch als die Mediengeetze vor Jahren in Budapest oder jetzt in Warschau. Keine Ahnung, warum das außerhalb von Spanien absolut niemenanden interessiert hat.
(http://www.deutschlandradiokultur.de/umstrittenes-mediengesetz-in-spanien-wenn-politiker-die.2165.de.html?dram:article_id=341693)
"Ich kann keine Nation lieben, ich kann keinen Staat lieben, ich kann nur meine Freunde lieben." Hannah Arendt
Benutzeravatar
H2O
Moderator
Beiträge: 27926
Registriert: So 13. Sep 2015, 13:49

Re: Ungarisierung Polens schreitet voran: PiS entmachtet VerfG

Beitragvon H2O » Di 12. Jan 2016, 10:10

Nomen Nescio hat geschrieben:(12 Jan 2016, 06:48)

die menschen möglicherweise ja. die regierungen bestimmt nicht.


Das mit der niederländischen Regierung
wollen wir dann aber auch hoffen ;)
Ein Wilders macht auch keinen Sommer,
oder so. Ich weiß, der kommt nicht ans
Ruder, aber lästern darf man doch einmal...

Zurück zu „31. EU - EFTA“

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 1 Gast