Frankreich rückt nach rechts

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schokoschendrezki
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Re: Frankreich rückt nach rechts

Beitragvon schokoschendrezki » Sa 12. Dez 2015, 20:03

Kibuka » Sa 12. Dez 2015, 20:19 hat geschrieben:Diese Idioten von Journalisten maßen sich an, die FN als undemokratisch zu verunglimpfen. Und genau das ist das Kernproblem in Europa. Arrogante "Eliten", die glauben die Weisheit mit dem Löffel gefressen zu haben.

Das glaube ich nicht. Das Kern"problem" in Europa und der ganzen Welt ist schon seit längerem, dass die bipolare Welt vor 1990 nicht mehr existiert. In dieser bipolaren Welt wurde zwar eigentlich auch nur gelogen und betrogen und ich bin der letzte, der sie sich zurückwünscht., aber die Menschen hatten eine Orientierung. Dafür oder auch als Dissidenten oder "Radikale" gegen die eigene Seite. In dieses Vakuum ist alles mögliche eingezogen. Ein monetaristischer Neoliberalismus, ein ökonomistischer Nationalismus (wie in Fernost), ein autokratischer Nationalpatriotismus (wie in der Türkei oder Russland), religiöser Fanatismus ... und vieles mehr wie eben auch der FN. Das was man summarisch unter "Demokratie" und "westliche Wertegemeinschaft" zusammenfasst, hat sich leider seit dem Ende des 2. Weltkriegs in unzähligen schrecklichen und inhumanen Vorgängen so diskreditiert, dass es als Leitbild ebensowenig nicht mehr taugt wie das kommunistische Leitbild. Gerade war es 30 Jahre her, dass in Argentinien die juristische Aufarbeitung der unfassbar grausamen Zeit der Militärdiktatur stattfand. Mit der die Bundesrepublik gute Beziehungen unterhielt. Und das ist nur ein Punkt unter sehr vielen.
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harry52
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Re: Frankreich rückt nach rechts

Beitragvon harry52 » Sa 12. Dez 2015, 20:20

schokoschendrezki » So 6. Dez 2015, 20:11 hat geschrieben:Nicht unerwartet: Der Front National profitiert in den Regionalwahlen von den jüngsten Terroranschlägen.

Nicht unerwartet, aber dümmer geht es nicht.

Was hat es den Franzosen denn gebracht, eine populistische Finanz- und Wirtschaftspolitik zu machen und auch noch von Jahr zu Jahr die Rechtspopulisten zu stärken?

Ich kann nicht erkennen, dass das den Franzosen gut getan hat.

Es gibt Rekordarbeitslosigkeit, Rekordverschuldung und immer mehr Hass und gegenseitige Radikalisierung. Das Land bekommt auch in der Lage kaum noch ausländische Investoren. Welcher große Konzern mit viel Geld aus Südkorea, USA, China ... würde freiwillig eine größere Investition in einem Land tätigen, mit ständigen Terror und wachsenden Ausländerhass. Und als Krönung dann auch noch eine 35 Stundenwoche und ziemlich hohe Gehälter (im Vergleich). Wie soll ein Manager von beispielsweise Samsung seinen Kollegen erklären, dass er auusgerechnet bei den Franzosen was aufbauen will, wo die fauler, gieriger, gewalttätiger und ausländerfeindlicher sind, als beispielsweise die Deutschen in der Nachbarschaft.

Frankreichs Wähler und Bürger ruinieren sich selber und bei uns fängt der Mist auch an.

Ich kann nicht verstehen, wie man so dumm sein kann und ich fordere jeden Linke, NPD, oder AfD Wähler auf, sich das nochmal durch den Kopf gehen zu lassen. Das macht nichts besser und am Ende bekommt ihr bei Krebs, HIV oder Hepatitis nicht mehr die teueren neuen Medikamente aus den USA und müsst ganz grausam früh sterben.
Zuletzt geändert von harry52 am Sa 12. Dez 2015, 20:21, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Frankreich rückt nach rechts

Beitragvon H2O » Sa 12. Dez 2015, 20:25

Kibuka » 2015-12-12, 20:19 hat geschrieben:...
Weil die Regierenden und Medien drauf und dran sind,
das eigentlich großartige Projekt Europa gegen die Wand
zu fahren.
...
Merkel ist die Krönung der Inkompetenz. Ob Eurokrise,
Flüchtlingskrise oder Energiewende, diese Frau hinterlässt
nur Trümmerhaufen mit Milliardenkosten.


Blickwinkel » 2015-12-12, 20:28 hat geschrieben:...
Merkel ist nicht inkompetent. Sie macht das ganz bewusst
mit dem Ziel der Vereinigten Staaten von Europa, koste es
was es wolle. Ich bin sogar davon überzeugt, dass diese Eliten...


Vermutlich überschätzen Sie doch die Macht der Medien. Seit
den Übertreibungen der Sensationshascherei hat doch das
Vertrauen in diese "Vierte Gewalt" stark nachgelassen. Die
Medien ringen um ihre Existenz, auch DER SPIEGEL. Und es
ist ja wahr: Was dort als "Meinung" auf den Markt geworfen wird,
das hat nicht die Substanz, die man in den 50er und 60er Jahren
von dort gewohnt war. Ein Abgesang, zur seichten Unterhaltung
geeignet. Die Wut darauf lohnt sich nicht mehr!

Die Kanzlerin macht ihre Sache doch ganz ordentlich. Sie führt
die politische Kaste gerade tüchtig vor, weil die sich auf Populis-
mus eingelassen hat... während sie an tatsächlich christlichen
Werten eisern festhält in der Flüchtlingskrise, dennoch praktische
Lösungen sucht, wie der Zustrom von Asylbewerbern begrenzt
werden kann, sie mit Kompromissen lebt, wie in der Energiewende,
und mit Zähigkeit am Euro festhält, der sich neben anderen Leitwäh-
rungen wacker hält. Die politische "Elite" weiß gar nicht, wohin sie
segeln möchte, mit wenigen erfreulichen Ausnahmen!

Ein einfaches Geschäft ist es derzeit nicht, dieses Land und diese
EU zu steuern. Aber sie macht's doch, ziemlich unbeirrt. Das treibt
ihre politischen Widersacher zum Wahnsinn.

Ja, ich glaube auch, daß die Kanzlerin den Plan eines europäischen
Gemeinwesens verfolgt. Klugerweise wartet sie aber auf Vorschläge
ihrer europäischen Kollegen, die daran nun gar nichts zerreden kön-
nen. Am Ende werden die dann das Gefühl haben, daß dieses Gemein-
wesen aufgrund ihrer Vorschläge möglich war, die sie selbst beigesteuert
haben. Nur einen Kurs dahin, den hält offenbar niemand von ihnen. Oder
sehen Sie da einen anderen sturmerprobten Steuermann?

Am Ende wird das alles "alternativlos" sein... da muß niemand schießen.
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Re: Frankreich rückt nach rechts

Beitragvon Kibuka » Sa 12. Dez 2015, 20:36

schokoschendrezki » Sa 12. Dez 2015, 20:03 hat geschrieben:Das glaube ich nicht. Das Kern"problem" in Europa und der ganzen Welt ist schon seit längerem, dass die bipolare Welt vor 1990 nicht mehr existiert. In dieser bipolaren Welt wurde zwar eigentlich auch nur gelogen und betrogen und ich bin der letzte, der sie sich zurückwünscht., aber die Menschen hatten eine Orientierung. Dafür oder auch als Dissidenten oder "Radikale" gegen die eigene Seite. In dieses Vakuum ist alles mögliche eingezogen. Ein monetaristischer Neoliberalismus, ein ökonomistischer Nationalismus (wie in Fernost), ein autokratischer Nationalpatriotismus (wie in der Türkei oder Russland), religiöser Fanatismus ... und vieles mehr wie eben auch der FN. Das was man summarisch unter "Demokratie" und "westliche Wertegemeinschaft" zusammenfasst, hat sich leider seit dem Ende des 2. Weltkriegs in unzähligen schrecklichen und inhumanen Vorgängen so diskreditiert, dass es als Leitbild ebensowenig nicht mehr taugt wie das kommunistische Leitbild. Gerade war es 30 Jahre her, dass in Argentinien die juristische Aufarbeitung der unfassbar grausamen Zeit der Militärdiktatur stattfand. Mit der die Bundesrepublik gute Beziehungen unterhielt. Und das ist nur ein Punkt unter sehr vielen.


Das sind tiefgründige Versuche, eine komplexer gewordene Welt zu erklären. Soweit würde ich aber gar nicht gehen wollen.

Zunächst geht es um Europa. Und hier gibt es seit geraumer Zeit fatale Entwicklungen. Du kannst dich wohl noch an die Eurokrise erinnern? Du kannst dich an die Anti-Merkel-Demonstrationen in Athen erinnern?

Die Eurokrise war ein Paradebeispiel für völliges Missmanagement seitens der deutschen Politik. Nicht nur, hat sie das Problem der horrenden Staatsverschuldungen nicht gelöst, sie hat durch ihre Intervention den Sündenbock gespielt. Alle negativen Emotionen wurden von den Griechen und anderen Südländern auf Deutschland projeziert, weil Deutschland plötzlich für den Sparkurs stand und als Zuchtmeister auftrat.

Das war ein gewaltiger Fehler! Zuvor waren es anonyme Märkte, Banken und Hedge-Fonds aus London, New York etc. Dann kam Merkel und begann über die Solvenz von hochverschuldeten Ländern zu entscheiden. Damit wurde sie zur aktiven Spielerin und letztlich zur Schuldigen für viele Menschen in den Südländern. Es waren dann nicht mehr die eigenen Politiker, die die Staatsverschuldung zu verantworten hatten, es war plötzlich Deutschland schuld.

In der Flüchtlingskrise war Merkel erneut unrühmliche Spielerin. Völlig entkoppelt von der EU entschied sie selbst über die Flüchtlingspolitik. Es fand keinerlei Koordination statt. Dublin wurde einfach außer Kraft gesetzt.

Und jetzt sieht sich die deutsche Politikerlandschaft einem erstarkenden rechten Nationalismus in Europa ausgesetzt. Die Schweiz, Polen, Österreich, Frankreich, Großbritannien usw. Überall feiern europaskeptische und nationalgerichtete Kräfte Erfolge.

Das war abzusehen. Wer seit Jahren kritische Stimmen in der EU-Bevölkerung ignoriert, der bekommt irgendwann die Quittung.

Vor einigen Jahren, als der Euro noch glänzte, führte man eine Umfrage in GB durch. Eine Mehrheit zeigte sich offen für den Euro. Heute dürfte es schwierig werden überhaupt noch einen Briten zu finden, der sich positiv zu einer Euroeinführung äußert.

Merkel ist Bundeskanzlerin und damit die mächtigste Person in Europa. Was tut diese Frau? Welche Strategie, welche Vision hat sie für und von Europa?

Und wo ist eigentlich Juncker? Zuletzt habe ich gehört, er wolle am Montag Pläne zur europäischen Grenzsicherung vorstellen.
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Re: Frankreich rückt nach rechts

Beitragvon schokoschendrezki » Sa 12. Dez 2015, 20:55

Kibuka » Sa 12. Dez 2015, 21:36 hat geschrieben:Das sind tiefgründige Versuche, eine komplexer gewordene Welt zu erklären. Soweit würde ich aber gar nicht gehen wollen.

Zunächst geht es um Europa. Und hier gibt es seit geraumer Zeit fatale Entwicklungen. Du kannst dich wohl noch an die Eurokrise erinnern? Du kannst dich an die Anti-Merkel-Demonstrationen in Athen erinnern?

Ich meine, mich an frühere deiner Beiträge zu erinnern, in denen du geduldig erklärtest, dass die ganze Frage Pro oder Kontra Euro eigentlich nicht besonders relevant sei ...

Nehmen wir nochmal das Beispiel Polen. Es gab auch in Zeiten der Euro-Krise eine spürbar positive Entwicklung auch für ganz normale polnische Bürger. Es gab zwar die Zielstellung Euro-Einführung von seiten der damaligen Tusk-Regierung, aber keineswegs als "muss". Und es gab eine durchaus spürbare Plus-Bilanz Richtung Polen, was Ein- und Auszahlungen im EU-Finanzhaushalt betrifft (auch wenn das immer wieder völlig überzogen dargestellt wird). Zurecht rätseln politische Analysten herum, was eine Mehrheit der Polen jüngst bewogen haben könnte, mit der PiS eine Partei an die Macht zu wählen, die an dieser Entwicklung nicht nur nicht den geringsten Anteil hat, sondern diese sogar explizit umzukehren gedenkt.

In Frankreich mag es tatsächlich gewisse sozial spürbare Rückschritte gegeben haben (auf hohem Niveau im Vergleich zu Polen freilich), aber eben das Beispiel Polen zeigt aus meiner SIcht, dass hier massiv auch völlig irrationale Faktoren eine Rolle spielen.
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Re: Frankreich rückt nach rechts

Beitragvon H2O » Sa 12. Dez 2015, 21:13

schokoschendrezki » 2015-12-12, 21:55 hat geschrieben:...
Zurecht rätseln politische Analysten herum, was eine Mehrheit
der Polen jüngst bewogen haben könnte, mit der PiS eine Partei
an die Macht zu wählen, die an dieser [günstigen] Entwicklung nicht nur nicht
den geringsten Anteil hat, sondern diese sogar explizit umzukehren
gedenkt.

In Frankreich mag es tatsächlich gewisse sozial spürbare Rückschritte
gegeben haben (auf hohem Niveau im Vergleich zu Polen freilich),
aber eben das Beispiel Polen zeigt aus meiner SIcht, dass hier massiv
auch völlig irrationale Faktoren eine Rolle spielen.


Sie sagen doch nichts weiter, als daß in beiden Ländern ein Mangel an
politischer Urteilsfähigkeit diese bedauerliche Machtverschiebung
bewirkt hat.
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Re: Frankreich rückt nach rechts

Beitragvon schokoschendrezki » Sa 12. Dez 2015, 21:30

H2O » Sa 12. Dez 2015, 22:13 hat geschrieben:
Sie sagen doch nichts weiter, als daß in beiden Ländern ein Mangel an
politischer Urteilsfähigkeit diese bedauerliche Machtverschiebung
bewirkt hat.


Zumindest würde ich die Ansicht, dass sich dort eine Art "gesunder Volksverstand" gegen eine eiltäre politische Schicht wendet, bezweifeln ... der gesunde Volksverstand lässt sich kaufen: Mit Fußball-WMs, Olympiaden, Vereinsfußball, Autobahnbau und vor allem Appellen an nationale und/oder religiöse Identität.
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Re: Frankreich rückt nach rechts

Beitragvon H2O » Sa 12. Dez 2015, 21:39

Kibuka » 2015-12-12, 21:36 hat geschrieben:...
...weil Deutschland plötzlich für den Sparkurs stand und als
Zuchtmeister auftrat.

In der Flüchtlingskrise war Merkel erneut unrühmliche Spielerin.
Völlig entkoppelt von der EU entschied sie selbst über die Flüchtlings-
politik. Es fand keinerlei Koordination statt. Dublin wurde einfach
außer Kraft gesetzt.

Vor einigen Jahren, als der Euro noch glänzte, führte man eine
Umfrage in GB durch. Eine Mehrheit zeigte sich offen für den Euro.
Heute dürfte es schwierig werden überhaupt noch einen Briten zu
finden, der sich positiv zu einer Euroeinführung äußert.

Merkel ist Bundeskanzlerin und damit die mächtigste Person in Europa.
Was tut diese Frau? Welche Strategie, welche Vision hat sie für und von
Europa?
...


Euro-Krise:
Deutschland hat sich seit Theo Waigel immer wieder
für die Maastrichtkriterien eingesetzt. Nur die Regierung
Schröder hat da gesündigt! Daraus wurde abgeleitet,
daß Papier geduldig ist. Deutsche Mahnungen wurden
und werden in den Wind geschlagen.

Wenn dann das Kind im Brunnen liegt, dann soll es lustig
so weiter gehen? Nicht sparen, das heißt doch nur, Geld
anderer Leute ausgeben... da mußte die Notbremse gezogen
werden!

Und nun muß es weiter gehen!

Sie halten der Kanzlerin vor, daß sie das Chaos in Ungarn
kurzerhand durch Überspringen der Registrierung beendet
hatte. Sollten die Menschen dort im Dreck verrecken? Ja,
das europäische Wertesystem ist nicht beschädigt; nein, das
gibt es überhaupt nicht. Das ist die schlimme Lehre daraus!

Wenn gefeiert wird, dann wollen viele mitfeiern; wenn die
Mühsal um sich greift, dann muß man wohl sehen, wie man
dort wieder heil heraus kommt. Das zur britischen Sicht auf
den Euro.

Ja, Sie haben die Frage richtig gestellt: Die EU tut etwas, um
den Schengenraum zu retten: Frontex mit Eingriff in nationale
Hoheitsrechte. Ein großer Schritt voran, der vielleicht abgelehnt
wird. Das wartet die Kanzlerin ab. Danach der nächste Schritt,
Trippelschritte... Sie erinnern sich? Die Richtung ist aber klar,
die Entscheidungspunkte auch... mir jedenfalls!
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Re: Frankreich rückt nach rechts

Beitragvon H2O » Sa 12. Dez 2015, 21:44

schokoschendrezki » 2015-12-12, 22:30 hat geschrieben:
Zumindest würde ich die Ansicht, dass sich dort eine Art "gesunder Volksverstand" gegen eine eiltäre politische Schicht wendet, bezweifeln ... der gesunde Volksverstand lässt sich kaufen: Mit Fußball-WMs, Olympiaden, Vereinsfußball, Autobahnbau und vor allem Appellen an nationale und/oder religiöse Identität.


Ihre Hinweise /Olympiade, Autobahn, "Volksgemeinschaft"/
erinnern mich an etwas... oh je!
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Re: Frankreich rückt nach rechts

Beitragvon Nomen Nescio » So 13. Dez 2015, 02:53

kann man dies vertrauen??
nathan über mich: »er ist der unlinkste Nicht-Rechte den ich je kennengelernt habe. Ein Phänomen!«
blues über mich: »du bist ein klassischer Liberaler und das ist auch gut so.«
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Re: Frankreich rückt nach rechts

Beitragvon DarkLightbringer » So 13. Dez 2015, 03:24

Nomen Nescio » Sonntag 13. Dezember 2015, 02:53 hat geschrieben:kann man dies vertrauen??

Wenn ja, hätte die Strategie der republikanischen Barrikade funktioniert.
>>We’ll always have Paris<<
[Humphrey Bogart als Rick Blaine in >Casablanca<, 1942]
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Re: Frankreich rückt nach rechts

Beitragvon schokoschendrezki » So 13. Dez 2015, 08:57

DarkLightbringer » So 13. Dez 2015, 04:24 hat geschrieben:Wenn ja, hätte die Strategie der republikanischen Barrikade funktioniert.

Das kann kurzfristig klappen, aber langfristig auch ins Auge gehen. Das, was Du "republikanische Barrikade" nennst, könnte man auch als "politische Richtungslosigkeit" auffassen. Während der FN eine zwar tendenziell undemokratische und antihumane, aber eben doch bestimmte politische Richtung vertritt. Wie man lesen kann, gab es in der linken Basis auch heftigen Widerstand gegen den Aufruf, für die Republikaner zu stimmen.
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Re: Frankreich rückt nach rechts

Beitragvon H2O » So 13. Dez 2015, 14:08

schokoschendrezki » 2015-12-13, 09:57 hat geschrieben:Das kann kurzfristig klappen, aber langfristig auch ins Auge gehen.
...


Das scheint mir der ganz große Widerspruch zu sein:
Die Umgestaltung der französischen Gesellschaft nach
erkennbaren Ordnungsvorstellungen ist gegenwärtig
eher beim FN als bei den Sozialisten oder den Konser-
vativen zu sehen.

Wo wollen diese Parteien denn den Hebel ansetzen, um
das Staatsschiff wieder wettbewerbsfähig zu bekommen?
Was bieten sie an, was muten sie ihren Mitbürgern zu?
Als Sarkozy "dem deutschen Beispiel folgen" wollte, da hat
er die Wahlen verloren.

Ja, was wollen die französischen Wähler mehrheitlich?

Beim FN ist das klar: Mehr Staat, weg mit dem Euro, Grenzen
zu, weniger Europa, und schon ist die Welt in Ordnung. Das
scheinen >30% der Wähler auch zu glauben.

Was also bleibt: "Das was der FN will, das wollen wir nicht!"
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Re: Frankreich rückt nach rechts

Beitragvon frems » So 13. Dez 2015, 14:27

schokoschendrezki » So 13. Dez 2015, 08:57 hat geschrieben:Das kann kurzfristig klappen, aber langfristig auch ins Auge gehen. Das, was Du "republikanische Barrikade" nennst, könnte man auch als "politische Richtungslosigkeit" auffassen. Während der FN eine zwar tendenziell undemokratische und antihumane, aber eben doch bestimmte politische Richtung vertritt. Wie man lesen kann, gab es in der linken Basis auch heftigen Widerstand gegen den Aufruf, für die Republikaner zu stimmen.

Könnte auch daran liegen, daß Sozialisten und FN wirtschaftspolitisch ziemlich eng beieinander liegen, während die gesellschaftspolitischen Äußerungen eines Sarkozys kaum vom FN zu unterscheiden sind. Vor allem recht es sich nun, daß die Republikaner nicht im Gegenzug ihre Spitzenkandidaten zurückziehen.

“In this area, they have won the battle of ideas,” said Jean-Marc Coppola, the communist vice president of the Provence-Alpes-Côte d’Azur region, whose party rallied behind Socialists in last Sunday’s vote. “When you talk to people about the values of the Republic, you don’t get through anymore. People are consumed by fear of unemployment, by the fear of losing their social rank, of having to live from month to month. Then there is the core racist, xenophobic vote which goes to them no matter what.”

Coppola predicted that Le Pen had a serious chance of winning on Sunday, because he surmised that some voters who had abstained, and others who had voted left in round one, could switch to the far-right. [...]

http://www.politico.eu/article/the-rapt ... elections/
Zuletzt geändert von frems am So 13. Dez 2015, 14:40, insgesamt 1-mal geändert.
Labskaus!

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Re: Frankreich rückt nach rechts

Beitragvon Kibuka » So 13. Dez 2015, 16:44

H2O » So 13. Dez 2015, 14:08 hat geschrieben:
Das scheint mir der ganz große Widerspruch zu sein:
Die Umgestaltung der französischen Gesellschaft nach
erkennbaren Ordnungsvorstellungen ist gegenwärtig
eher beim FN als bei den Sozialisten oder den Konser-
vativen zu sehen.

Wo wollen diese Parteien denn den Hebel ansetzen, um
das Staatsschiff wieder wettbewerbsfähig zu bekommen?
Was bieten sie an, was muten sie ihren Mitbürgern zu?
Als Sarkozy "dem deutschen Beispiel folgen" wollte, da hat
er die Wahlen verloren.

Ja, was wollen die französischen Wähler mehrheitlich?

Beim FN ist das klar: Mehr Staat, weg mit dem Euro, Grenzen
zu, weniger Europa, und schon ist die Welt in Ordnung. Das
scheinen >30% der Wähler auch zu glauben.

Was also bleibt: "Das was der FN will, das wollen wir nicht!"
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Zumindest könnte sich Frankreich von der deutschen Exportwalze lösen. Zuletzt näherte man sich einem Import -Export-Verhältnis von 1:2. Das bedeutet Frankreich importiere doppelt soviele Waren aus Deutschland, wie es selbst exportierte.

Nicht umsonst tobt an der Grenze seit Jahren ein Streit über den deutschen Niedriglohnsektor.

Der Euro macht es Frankreich unmöglich abzuwerten und sich gegen die Exportflut der Bundesrepublik und auch der aus China zu schützen.

Zuletzt reagierte die EZB im Interesse der schwachen Staaten in der Eurozone. Aber gegen das Mitglied Deutschland ist kein Kraut gewachsen.
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Re: Frankreich rückt nach rechts

Beitragvon schokoschendrezki » So 13. Dez 2015, 17:34

frems » So 13. Dez 2015, 15:27 hat geschrieben:Könnte auch daran liegen, daß Sozialisten und FN wirtschaftspolitisch ziemlich eng beieinander liegen, während die gesellschaftspolitischen Äußerungen eines Sarkozys kaum vom FN zu unterscheiden sind. Vor allem recht es sich nun, daß die Republikaner nicht im Gegenzug ihre Spitzenkandidaten zurückziehen.

Freudscher Verschreiber? :p
Längst ist doch klar, dass das Phänomen FN ebensowenig ein "Extremismus"-Problem ist wie etwa der Erfolg der Dänischen Volkspartei und anderer politischer Gruppierungen dieser Richtung. Wir haben es mit gravierenden gesellschaftlichen Veränderungen und auch Desillusionierungen zu tun, gegen die nicht Polizei oder Verfassungsschutz helfen sondern - auch wenn Helmut Schmidt dies vom Himmel herab belächeln würde - Visionen, wohin wir als Menschheit eigentlich hin wollen.
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Re: Frankreich rückt nach rechts

Beitragvon Blickwinkel » So 13. Dez 2015, 17:35

Kibuka » So 13. Dez 2015, 17:44 hat geschrieben:
Zumindest könnte sich Frankreich von der deutschen Exportwalze lösen. Zuletzt näherte man sich einem Import -Export-Verhältnis von 1:2. Das bedeutet Frankreich importiere doppelt soviele Waren aus Deutschland, wie es selbst exportierte.

Nicht umsonst tobt an der Grenze seit Jahren ein Streit über den deutschen Niedriglohnsektor.

Der Euro macht es Frankreich unmöglich abzuwerten und sich gegen die Exportflut der Bundesrepublik und auch der aus China zu schützen.

Zuletzt reagierte die EZB im Interesse der schwachen Staaten in der Eurozone. Aber gegen das Mitglied Deutschland ist kein Kraut gewachsen.


Ja, der dt. Niedriglohnsektor soll auch Frankreich aufgezwungen werden, doch die Franzosen wissen wie erfolgreiche Revolutionen gehen. Deswegen trauen sich die franz. Politiker so ungern an das Thema heran. :)
Nichts ist in der Regel unsozialer als der sogenannte Wohlfahrtsstaat, der die menschliche Verantwortung erschlaffen und die individuelle Leistung absinken läßt. (Ludwig Erhard)
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Re: Frankreich rückt nach rechts

Beitragvon Nichtwähler » So 13. Dez 2015, 17:39

schokoschendrezki » 13.12.2015, 18:34 hat geschrieben:Freudscher Verschreiber? :p
Längst ist doch klar, dass das Phänomen FN ebensowenig ein "Extremismus"-Problem ist wie etwa der Erfolg der Dänischen Volkspartei und anderer politischer Gruppierungen dieser Richtung. Wir haben es mit gravierenden gesellschaftlichen Veränderungen und auch Desillusionierungen zu tun, gegen die nicht Polizei oder Verfassungsschutz helfen sondern - auch wenn Helmut Schmidt dies vom Himmel herab belächeln würde - Visionen, wohin wir als Menschheit eigentlich hin wollen.


Interessante Darstellung, aber was mache ich, wenn ich der Mehrheit nicht so wirklich folgen möchte?

Muss ich nun Links oder Grün wählen?
Liegt mir nicht, die Steinzeit ist schon so lange vorbei, da möchte ich nicht mehr hin. Weder mit Links, Rechts oder Grün. Nein danke.
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Re: Frankreich rückt nach rechts

Beitragvon frems » So 13. Dez 2015, 17:43

schokoschendrezki » So 13. Dez 2015, 17:34 hat geschrieben:Freudscher Verschreiber? :p
Längst ist doch klar, dass das Phänomen FN ebensowenig ein "Extremismus"-Problem ist wie etwa der Erfolg der Dänischen Volkspartei und anderer politischer Gruppierungen dieser Richtung. Wir haben es mit gravierenden gesellschaftlichen Veränderungen und auch Desillusionierungen zu tun, gegen die nicht Polizei oder Verfassungsschutz helfen sondern - auch wenn Helmut Schmidt dies vom Himmel herab belächeln würde - Visionen, wohin wir als Menschheit eigentlich hin wollen.

Ich bin Außengeländer, ich darf mich vertippen. :p

Ich würde da locker bleiben. Gerade Parteien wie der FN, die FPÖ etc. hatten vor 10-15 Jahre schon mal ähnliche Erfolge, bei uns zogen Republikaner, DVU und NPD in mehrere Landtage und das legte sich wieder. Beim FN wird man sehen, ob er seine extremistischen Positionen noch behält, falls er es schaffen sollte, eine von 13 Regionen zukünftig zu regieren. Den Senior sind sie ja nun los.

Recht interessant fand ich, daß Marine Le Pen letzten Sonntag in ihrer "Siegesrede" keinerlei Sprüche mehr über Europa klopfte. Nicht einmal der beliebte Vorwurf, die französische Regierung sei der Schoßhund Berlins, was ja mit der EU nur bedingt zu tun hat. Das werteten einige Experten dann so, daß sie sich tatsächlich Erfolg für 2017 verspricht, und jedem klar ist, daß ein Land wie Frankreich weder aus der EU austreten wird, noch aus der Eurozone. Der Erfolg des Front National ist ja vor allem eine nationale bzw. innenpolitische Angelegenheit. Zudem haben frühere Regierungen ja, z.B. bei der Integrationspolitik, viele Fehler gemacht, die sich nur mühsam über einen langen Zeitraum beheben lassen. Daß der FN da keine Lösungen parat hat, ist ja jedem klar, aber es ist wohl allgemein eine Frustration über a) die persönliche Situation (siehe sozialen Stand der typischen FN-Wähler) und b) die beiden großen Parteien.
Zuletzt geändert von frems am So 13. Dez 2015, 17:46, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Frankreich rückt nach rechts

Beitragvon frems » So 13. Dez 2015, 17:53

Nomen Nescio » So 13. Dez 2015, 02:53 hat geschrieben:kann man dies vertrauen??

Werden wir zeitnah erfahren. Erste exit polls dürften bald folgen. Die sind zwar nicht sehr präzise, aber von der Größenordnung in Ordnung (letzten Sonntag waren es noch 32-33% für den LN über alle Regionen hinweg, am Ende unter 28%). Da sollte man die ersten Hochrechnungen und Auszählungen abwarten, insb. bei knappen Ergebnissen.

Zum Zeitpunkt 17:30 war die Wahlbeteiligung bei 46%, also etwas unter der letzten Runde (50%), aber es gingen ja noch einige erst zum Schluß zur Wahlurne. Eine nennenswerte Mobilisierung, die einige sowohl für als auch gegen den FN ("Wir können es diesmal schaffen", "Um jeden Preis den FN verhindern") erwarteten, kann man aber wohl ausschließen.

Die vorläufigen Ergebnisse wird man voraussichtlich in 30 Minuten hier finden: http://www.ipsos.fr/regionales2015/
Zuletzt geändert von frems am So 13. Dez 2015, 17:58, insgesamt 1-mal geändert.
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