EU-Mitgliedsschaft Großbritanniens

Moderator: Moderatoren Forum 3

Shadowrunner

Re: Großbritannien Austritt aus der EU verkraftbar?

Beitragvon Shadowrunner » Mi 2. Dez 2015, 14:21

Großbritannien Austritt aus der EU verkraftbar?


Für mich ist es vertretbar, dass Großbritannien aus der EU einen austrittsmöglichkeit in Erwägung zieht.
Zumal nur Deutschland und Frankreich die ganze EU kolonisieren.
Benutzeravatar
frems
Beiträge: 44863
Registriert: Sa 4. Apr 2009, 14:43
Benutzertitel: Hochenergetisch
Wohnort: Hamburg, Europa

Re: Großbritannien Austritt aus der EU verkraftbar?

Beitragvon frems » Mi 2. Dez 2015, 16:08

Das kam unerwartet (http://www.politico.eu/article/deal-wit ... s-year-eu/). Bisher ging niemand davon aus, daß man sich um die britischen Rosinen noch dieses Jahr kümmert:

In 14 Tagen könnte der EU-Großbritannien-Deal stehen

Im Eilverfahren könnte die EU eine Einigung mit Großbritannien herbeiführen, um den Brexit zu verhindern. Das verriet EU-Ratspräsident Tusk. Premier Cameron hatte Forderungen an die EU gestellt.

http://www.welt.de/politik/ausland/arti ... tehen.html
Zuletzt geändert von frems am Mi 2. Dez 2015, 16:49, insgesamt 1-mal geändert.
Labskaus!

Ob Mailand oder Madrid -- Hauptsache Europa.
Benutzeravatar
palulu
Beiträge: 4437
Registriert: Mo 2. Jun 2008, 15:14
Benutzertitel: Ich mag Ostdeutsche

Re: Großbritannien Austritt aus der EU verkraftbar?

Beitragvon palulu » Mi 2. Dez 2015, 16:13

Unterstützt Du seine Positionen?
Benutzeravatar
frems
Beiträge: 44863
Registriert: Sa 4. Apr 2009, 14:43
Benutzertitel: Hochenergetisch
Wohnort: Hamburg, Europa

Re: Großbritannien Austritt aus der EU verkraftbar?

Beitragvon frems » Mi 2. Dez 2015, 16:27

palulu » Mi 2. Dez 2015, 16:13 hat geschrieben:Unterstützt Du seine Positionen?

Tusks oder Camerons? :?:

Wie auch immer.

Tusk: Hält sich. Ich denke nicht, daß man das mit England nun überstürzen muß. Aber wenn man gerade Kapazitäten hat, kann man's natürlich machen.

Cameron: Ist mir eigentlich egal. Die Briten sind eh nur mit einem Bein in der EU und so bliebe es auch, wenn man alle Forderungen Londons umsetzen würde. Erstmal müssen sie aber eh abstimmen und dann schauen wir weiter. Kann ja nicht angehen, daß man die EU noch "britischer" gestaltet als sie jetzt schon ist, um drei Wochen später zu sehen, wie 51% der Briten austreten.

Manche Punkte seiner Forderungen (Ausnahme von der "ever closer union") sind ja eher symbolischer Natur, während andere nicht zu machen sind, da dafür die Verträge geändert werden müßten. Das hieße in Europa, daß ca. 40 Parlamente bzw. Kammern dies abnicken müssen und es zugleich in diversen Ländern -- Polen, Irland, Frankreich, Griechenland, Italien, Schweden, ... -- automatisch zu Volksentscheiden kommt. Das macht man nicht, nur weil die Briten sich dran stören, daß man bei ihnen nach zwei Jahren Arbeit bereits Anspruch auf Arbeitslosengeld hat und nicht erst ab vier Jahren, so wie es Cameron jetzt will. Davon abgesehen: http://img.pr0gramm.com/2014/10/22/a507e640a9ca8c50.jpg

Vielleicht wäre eine Trennung nicht schlecht. Wenn die Briten jetzt für einen Verbleib stimmen sollten, werden sie in fünf Jahren wieder über einen Austritt diskutieren, weil sich irgendwas geändert haben könnte. Cameron stört sich ja schon daran, was innerhalb der Eurozone abläuft, obwohl es ihn nichts angeht.
Labskaus!

Ob Mailand oder Madrid -- Hauptsache Europa.
Benutzeravatar
H2O
Moderator
Beiträge: 27828
Registriert: So 13. Sep 2015, 13:49

Re: Großbritannien Austritt aus der EU verkraftbar?

Beitragvon H2O » Mi 2. Dez 2015, 18:35

Genau so ist es doch: Die Briten wollen das euro-
päische Projekt nicht länger mit tragen. Das muß
man mit Bedauern respektieren. Kein Grund für
den Rest der EU, das europäische Projekt auf zu
geben oder gar den Grundvertrag zu ändern!
Benutzeravatar
Nomen Nescio
Beiträge: 13100
Registriert: So 1. Feb 2015, 19:29

Re: Großbritannien Austritt aus der EU verkraftbar?

Beitragvon Nomen Nescio » Fr 4. Dez 2015, 08:44

frems » Mi 2. Dez 2015, 16:27 hat geschrieben:Vielleicht wäre eine Trennung nicht schlecht. Wenn die Briten jetzt für einen Verbleib stimmen sollten, werden sie in fünf Jahren wieder über einen Austritt diskutieren, weil sich irgendwas geändert haben könnte. Cameron stört sich ja schon daran, was innerhalb der Eurozone abläuft, obwohl es ihn nichts angeht.

weißt du, die britische industrie beeifert sich energisch für ein YES-vote. das warum habe ich aber nie untermauert gesehen.
welche finanziellen vorteile hat GB bei einem verbleib und welche bei einem sich trennen.
ist die bilanz deutlich positiv oder negativ, dann wüßte ich, was ich wählen würde. das problem kommt erst, wenn es kaum unterschied macht.


persönlich bin ich allmählich das ewige meckern der briten satt.
Zuletzt geändert von Nomen Nescio am Fr 4. Dez 2015, 08:45, insgesamt 1-mal geändert.
nathan über mich: »er ist der unlinkste Nicht-Rechte den ich je kennengelernt habe. Ein Phänomen!«
blues über mich: »du bist ein klassischer Liberaler und das ist auch gut so.«
Benutzeravatar
Der Neandertaler
Beiträge: 1781
Registriert: Sa 12. Jul 2008, 03:48
Benutzertitel: Experimentální králíci

Re: Großbritannien Austritt aus der EU verkraftbar?

Beitragvon Der Neandertaler » Fr 4. Dez 2015, 09:43

Hallo Nomen Nescio.
Nomen Nescio hat geschrieben:weißt du, die britische industrie beeifert sich energisch für ein YES-vote. das warum habe ich aber nie untermauert gesehen.
welche finanziellen vorteile hat GB bei einem verbleib und welche bei einem sich trennen.
ist die bilanz deutlich positiv oder negativ, dann wüßte ich, was ich wählen würde. das problem kommt erst, wenn es kaum unterschied macht.


persönlich bin ich allmählich das ewige meckern der briten satt.
Wenn ich mich mal einmischen darf:
    In der Europäischen Union herrschen gewiße Grundfreiheiten:
      Personenfreizügigkeit, Warenverkehrsfreiheit sowie Kapitalverkehrsfreiheit und Dienstleistungsfreiheit.
    Alle diese Freiheiten kommen irgendwie letztlich auch Unternehmen zugute.

    Vorteile für Unternehmen eines Landes, was in der EU ist, sind neben Zöllen, die nicht abgeführt werden müssen, auch eine gewiße Freiheit in der Belegschaft.
      (Stichwort: Warenverkehrsfreiheit und Arbeitnehmerfreizügigkeit)
    Mit zu dieser Überlegung dürfte auch die Dienstleistungsfreiheit für Unternehmen führen - sie ermöglicht es Anbietern "gewerblicher, kaufmännischer, handwerklicher und sonstiger freiberuflichen Tätigkeiten" seine Tätigkeit und Leistungen "vorübergehend in dem Mitgliedstaat ausüben", in dem die Leistung erwünscht wird. "Und zwar unter den Voraussetzungen, welche dieser Mitgliedstaat für seine eigenen Angehörigen vorschreibt" - er muß dazu dort keine 'Filiale' eröffnen.
      ... was ja beides wiederum einen gewißen Vorteil für den 'Normal'-Bürger mit sich bringt.
"Ich teile Ihre Meinung nicht, ich werde aber bis zu meinem letzten Atemzug kämpfen, daß Sie Ihre Meinung frei äußern können." (Voltaire)
Benutzeravatar
H2O
Moderator
Beiträge: 27828
Registriert: So 13. Sep 2015, 13:49

Re: Großbritannien Austritt aus der EU verkraftbar?

Beitragvon H2O » Fr 4. Dez 2015, 10:00

Nomen Nescio » 2015-12-04, 09:44 hat geschrieben:weißt du, die britische industrie beeifert sich energisch für ein YES-vote. das warum habe ich aber nie untermauert gesehen.
welche finanziellen vorteile hat GB bei einem verbleib und welche bei einem sich trennen.
ist die bilanz deutlich positiv oder negativ, dann wüßte ich, was ich wählen würde. das problem kommt erst, wenn es kaum unterschied macht.


persönlich bin ich allmählich das ewige meckern der briten satt.


Eine "Industrie" hat nur eine Meinung:
Wie kann ich meine Investition möglichst
gut verwerten, das heißt: Mit meinem ange-
legten Geld erfreuliche Gewinne erzielen.

So weit ich auf dem Laufenden bin, haben
etliche Unternehmen aus Fernost in GB
investiert, weil GB der EU-Zollunion angehört,
die Unternehmen also den Zugang zur
übrigen EU damit einpreisten. Wenn sich
in Zukunft jedoch der Zugang zur EU erschwert,
dann werden diese Unternehmen nach anderen
Möglichkeiten suchen, um in diesem großen
Markt weiter gute Geschäfte machen zu
können. Und für die Briten wird dann nicht nur
die andere Währung eine Hürde sein: Die ständige
Beobachtung der Wechselkurse, Kursrisiken, Ver-
sicherungen gegen Kursschwankungen im laufenden
Geschäft... bleiben dann ein Ärgernis. EU-Verord-
nungen, Normen kommen hinzu, über die die Briten
dann nicht mehr mitbestimmen können.

Das Schlimmste ist wohl, daß die EU danach trachten
wird, den Finanzplatz London irgendwie zu ersetzen,
dann aber als EURO-Gebiet, und nicht als einzelne
Staaten. Das ist dann schon ein ganz anderes Kaliber.

Auch vermute ich, daß ein verkleinertes Kerneuropa
sich schneller entwickeln wird als die heutige Ansammlung
kleiner Nationalstaaten mit so unterschiedlicher Leistungs-
fähigkeit. So war das jedenfalls, als EWG und EFTA im
Wettbewerb standen. Deshalb wollten die Briten dann
auch lieber in die EU hinein, mit viel Bitte-Bitte im Vorfeld.

Das britische Gemecker nervt mich weniger; nur die
veröffentlichte Aufmerksamkeit nervt; in anderen EU-Ländern
wird doch auch gemeckert. Nur droht da keine Regierung
gleich mit Austritt und ähnlichen Mätzchen. Wenn ich Ein-
fluß darauf nehmen könnte, dann würde ich die Briten in
dieser Sache im eigenen Saft schmoren lassen. Die Briten
müssen selbst wissen, was ihnen gut tut! Niemand sonst
muß etwas tun, damit sie in der EU bleiben möchten!

In Rzeczpospolita wurde ein Gespräch mit Valery Giscard
d'Estaing veröffentlicht. Da wurde sehr klar das ursprüngliche
Ziel der EU genannt: Die Vereinigten Staaten von Europa
nach dem Muster der USA. Dieses Ziel ist irgendwie aus
dem Blickfeld geraten. So soll den Polen dieses Ziel über-
haupt nicht klar gewesen sein... wer's glaubt, der zahlt einen
Taler...
Benutzeravatar
Nomen Nescio
Beiträge: 13100
Registriert: So 1. Feb 2015, 19:29

Re: Großbritannien Austritt aus der EU verkraftbar?

Beitragvon Nomen Nescio » Fr 4. Dez 2015, 10:31

H2O » Fr 4. Dez 2015, 10:00 hat geschrieben:In Rzeczpospolita wurde ein Gespräch mit Valery Giscard
d'Estaing veröffentlicht. Da wurde sehr klar das ursprüngliche
Ziel der EU genannt: Die Vereinigten Staaten von Europa
nach dem Muster der USA. Dieses Ziel ist irgendwie aus
dem Blickfeld geraten. So soll den Polen dieses Ziel über-
haupt nicht klar gewesen sein... wer's glaubt, der zahlt einen
Taler...

mir war das sehr deutlich. und nicht nur mir, sondern einem großteil der niederländer. der entwurf über ein grundgesetz wurde damals die EU vorgelegt. ausgerechnet frankreich (giscards heimatland) stimmte bei einem referendum gegen.
noch klarer war es bei uns. das erste referendum daß wir überhaupt hatten. und es war NUR ratgebend. aber ja, gegen eine so klare mehrheit wagte unsere regierung nicht zu sagen »wir haben euer wunsch gehört, danke, aber wir erfüllen ihn nicht«.
ich will kein bundesstaat europa, bevor es viel mehr demokratie in der EU gibt. die ist jetzt weit zu suchen.

darum fühle ich mich jetzt in einer zwickmühle. das zweite referendum kommt bei uns. april dachte ich. über handel mit der ukraine. da muß ich mich sehr gut vertiefen in die bedingungen, bevor ich ja sage. wieviel empathie ich auch für die ukrainer fühle. es darf nicht so sein, das über die häupter der ukrainer die EU wieder mehr macht bekommt.
nathan über mich: »er ist der unlinkste Nicht-Rechte den ich je kennengelernt habe. Ein Phänomen!«
blues über mich: »du bist ein klassischer Liberaler und das ist auch gut so.«
Benutzeravatar
Nomen Nescio
Beiträge: 13100
Registriert: So 1. Feb 2015, 19:29

Re: Großbritannien Austritt aus der EU verkraftbar?

Beitragvon Nomen Nescio » Fr 4. Dez 2015, 10:35

Der Neandertaler » Fr 4. Dez 2015, 09:43 hat geschrieben:Vorteile für Unternehmen eines Landes, was in der EU ist, sind neben Zöllen, die nicht abgeführt werden müssen, auch eine gewiße Freiheit in der Belegschaft.
    (Stichwort: Warenverkehrsfreiheit und Arbeitnehmerfreizügigkeit)
Mit zu dieser Überlegung dürfte auch die Dienstleistungsfreiheit für Unternehmen führen - sie ermöglicht es Anbietern "gewerblicher, kaufmännischer, handwerklicher und sonstiger freiberuflichen Tätigkeiten" seine Tätigkeit und Leistungen "vorübergehend in dem Mitgliedstaat ausüben", in dem die Leistung erwünscht wird. "Und zwar unter den Voraussetzungen, welche dieser Mitgliedstaat für seine eigenen Angehörigen vorschreibt" - er muß dazu dort keine 'Filiale' eröffnen.
    ... was ja beides wiederum einen gewißen Vorteil für den 'Normal'-Bürger mit sich bringt.
[/list]

hallo nebenurahne ;)

ich finde solche »phrasen« prächtig. aber sehe noch immer keine ziffer. hat denn keiner auch nur eine blasse ahnung was es uns kosten wird oder aber GB ??
nathan über mich: »er ist der unlinkste Nicht-Rechte den ich je kennengelernt habe. Ein Phänomen!«
blues über mich: »du bist ein klassischer Liberaler und das ist auch gut so.«
Benutzeravatar
Der Neandertaler
Beiträge: 1781
Registriert: Sa 12. Jul 2008, 03:48
Benutzertitel: Experimentální králíci

Re: Großbritannien Austritt aus der EU verkraftbar?

Beitragvon Der Neandertaler » Fr 4. Dez 2015, 12:07

Hallo Nomen Nescio.
Nomen Nescio hat geschrieben:ich finde solche »phrasen« prächtig. aber sehe noch immer keine ziffer. hat denn keiner auch nur eine blasse ahnung was es uns kosten wird oder aber GB ??
Es mag durchaus sein, daß dies Phrasen sind (auch nagativ betrachtet) - zumindest persönlich so erscheinen.

Ziffern ... Zahlen, "was es uns kosten wird oder aber GB"?
    Ich glaube, in Euro und Cent oder Pfund und Pence wird dies wohl auch niemand hundertprozentig errechnen können. Ich habe irgendwo mal gelesen, daß es britische Firmen gibt, die ca. 40 bis 70 Prozent ihres Umsatzes außerhalb Großbritanniens (innerhalb der EU) erwirtschaften.

    Wissenschaftler des "CEP" (Centre of Economic Performance an der London School of Economics) stellten jüngst eine Studie vor, in der der EU-Austritts des Landes beziffert werden sollte. Selbst dieses Ergebnis dieser Studie war nicht eindeutig. Sie beziffern den Export des Landes in die Europäische Union mit über die Hälfte dessen. Einbußen von ca. 1,1 bis ca. 9,5 Prozent des BIP. Die Kosten siedelten sie zwischen 22 und 184 Milliarden Euro an. EU-Kritiker haben mal errechnet, daß die EU-Kosten Großbritanniens bei täglich 53 Millionen Euro liegen (etwa 20 Milliarden pro Jahr) - trotz aller gewährten Sonderrabatte.

    Zum Vergleich:
      Ich meine mal gelesen zu haben daß das britische BIP während der Finanzkrise um rund sieben Prozent zurückging.
    Unabhängig weitere negative Effekte: Rückzug einiger ausländischer Investoren aus Großbritannien, etc., wäre somit ein "Brexit" für die heimische Wirtschaft eventuell noch schlimmer.
"Ich teile Ihre Meinung nicht, ich werde aber bis zu meinem letzten Atemzug kämpfen, daß Sie Ihre Meinung frei äußern können." (Voltaire)
Benutzeravatar
Nomen Nescio
Beiträge: 13100
Registriert: So 1. Feb 2015, 19:29

Re: Großbritannien Austritt aus der EU verkraftbar?

Beitragvon Nomen Nescio » Fr 4. Dez 2015, 12:25

Der Neandertaler » Fr 4. Dez 2015, 12:07 hat geschrieben:Hallo Nomen Nescio.Es mag durchaus sein, daß dies Phrasen sind (auch nagativ betrachtet) - zumindest persönlich so erscheinen.

Ziffern ... Zahlen, "was es uns kosten wird oder aber GB"?
    Ich glaube, in Euro und Cent oder Pfund und Pence wird dies wohl auch niemand hundertprozentig errechnen können. Ich habe irgendwo mal gelesen, daß es britische Firmen gibt, die ca. 40 bis 70 Prozent ihres Umsatzes außerhalb Großbritanniens (innerhalb der EU) erwirtschaften.

    Wissenschaftler des "CEP" (Centre of Economic Performance an der London School of Economics) stellten jüngst eine Studie vor, in der der EU-Austritts des Landes beziffert werden sollte. Selbst dieses Ergebnis dieser Studie war nicht eindeutig. Sie beziffern den Export des Landes in die Europäische Union mit über die Hälfte dessen. Einbußen von ca. 1,1 bis ca. 9,5 Prozent des BIP. Die Kosten siedelten sie zwischen 22 und 184 Milliarden Euro an. EU-Kritiker haben mal errechnet, daß die EU-Kosten Großbritanniens bei täglich 53 Millionen Euro liegen (etwa 20 Milliarden pro Jahr) - trotz aller gewährten Sonderrabatte.

    Zum Vergleich:
      Ich meine mal gelesen zu haben daß das britische BIP während der Finanzkrise um rund sieben Prozent zurückging.
    Unabhängig weitere negative Effekte: Rückzug einiger ausländischer Investoren aus Großbritannien, etc., wäre somit ein "Brexit" für die heimische Wirtschaft eventuell noch schlimmer.

damit kann ich was beginnen. danke !! jetzt weiß ich wo ich weiter suchen werde.
nathan über mich: »er ist der unlinkste Nicht-Rechte den ich je kennengelernt habe. Ein Phänomen!«
blues über mich: »du bist ein klassischer Liberaler und das ist auch gut so.«
Benutzeravatar
Der Neandertaler
Beiträge: 1781
Registriert: Sa 12. Jul 2008, 03:48
Benutzertitel: Experimentální králíci

Re: Großbritannien Austritt aus der EU verkraftbar?

Beitragvon Der Neandertaler » Fr 4. Dez 2015, 12:26

Gern geschehen!
"Ich teile Ihre Meinung nicht, ich werde aber bis zu meinem letzten Atemzug kämpfen, daß Sie Ihre Meinung frei äußern können." (Voltaire)
Benutzeravatar
H2O
Moderator
Beiträge: 27828
Registriert: So 13. Sep 2015, 13:49

Re: Großbritannien Austritt aus der EU verkraftbar?

Beitragvon H2O » Fr 4. Dez 2015, 13:35

Nomen Nescio » 2015-12-04, 11:31 hat geschrieben:...
... april dachte ich. über handel mit der ukraine. da muß ich mich sehr gut vertiefen in die bedingungen, bevor ich ja sage. wieviel empathie ich auch für die ukrainer fühle. es darf nicht so sein, das über die häupter der ukrainer die EU wieder mehr macht bekommt.


Zu diesem Thema hat sich Giscard im Gespräch mit
Rzeczpospolita auch geäußert:

1.
Der Volksentscheid in Frankreich sollte die damalige
Regierung/Präsident abstrafen. Das Ergebnis hatte
angeblich mit der Zusammenarbeit in der EU nichts zu
tun, denn drei Wochen später sprach sich in Umfragen
eine satte Mehrheit für die vertiefte Zusammenarbeit
in Europa aus... verrückte Welt!

2.
Giscard meinte, daß man der Ukraine sehr höflich, aber
doch auch sehr deutlich, mitteilen sollte, daß sie kein Teil
der Kulturgemeinschaft Europas sei. Er sah sie dreigeteilt
in einen ehemals polnischen Westen, eine ukrainische Mitte
und einen russischen Osten und Süden. Die Ukraine sah er
deshalb in einer Rolle, wie sie Schottland in GB einnimmt.

Im Klartext: Die Ukraine hat keine Aussicht auf eine EU-
Mitgliedschaft. Nun ist Giscard nicht die EU, aber man sollte
annehmen, daß ganz ähnliche Gedanken auch dort herum
geistern.
Benutzeravatar
Nomen Nescio
Beiträge: 13100
Registriert: So 1. Feb 2015, 19:29

Re: Großbritannien Austritt aus der EU verkraftbar?

Beitragvon Nomen Nescio » Fr 4. Dez 2015, 23:26

H2O » Fr 4. Dez 2015, 13:35 hat geschrieben:Zu diesem Thema hat sich Giscard im Gespräch mit
Rzeczpospolita auch geäußert:

1.
Der Volksentscheid in Frankreich sollte die damalige
Regierung/Präsident abstrafen. Das Ergebnis hatte
angeblich mit der Zusammenarbeit in der EU nichts zu
tun, denn drei Wochen später sprach sich in Umfragen
eine satte Mehrheit für die vertiefte Zusammenarbeit
in Europa aus... verrückte Welt!

2.
Giscard meinte, daß man der Ukraine sehr höflich, aber
doch auch sehr deutlich, mitteilen sollte, daß sie kein Teil
der Kulturgemeinschaft Europas sei. Er sah sie dreigeteilt
in einen ehemals polnischen Westen, eine ukrainische Mitte
und einen russischen Osten und Süden. Die Ukraine sah er
deshalb in einer Rolle, wie sie Schottland in GB einnimmt.

Im Klartext: Die Ukraine hat keine Aussicht auf eine EU-
Mitgliedschaft. Nun ist Giscard nicht die EU, aber man sollte
annehmen, daß ganz ähnliche Gedanken auch dort herum
geistern.

ad 1. bei uns war es keine bestrafung der regierung sondern ein HALT sagen zu der EU-kommission.

ad 2. ich habe noch nicht gelesen was der vertrag regelt. anders als giscard habe ich in diesem moment noch keine meinung gefaßt.
nathan über mich: »er ist der unlinkste Nicht-Rechte den ich je kennengelernt habe. Ein Phänomen!«
blues über mich: »du bist ein klassischer Liberaler und das ist auch gut so.«
Benutzeravatar
frems
Beiträge: 44863
Registriert: Sa 4. Apr 2009, 14:43
Benutzertitel: Hochenergetisch
Wohnort: Hamburg, Europa

Re: Großbritannien Austritt aus der EU verkraftbar?

Beitragvon frems » Sa 5. Dez 2015, 13:39

Nomen Nescio » Fr 4. Dez 2015, 08:44 hat geschrieben:persönlich bin ich allmählich das ewige meckern der briten satt.

Da Neandertaler Deine anderen Fragen schon beantwortet hat, gehe ich darauf nicht noch einmal ein. Und ja, das stört viele, da die Briten schon etliche Extrawürste erhielten, die man neuen Mitgliedern vorenthalten hat und nur als "Altlast" betrachtet hat, z.B. der Britenrabatt, den man dem Land gewährte, als es wirtschaftliche Probleme hatte, aber beibehielt, als es aufwärts ging. Das ist vor allem Richtung Osteuropa schwierig zu kommunizieren.

Kleiner Rückzug aus London. Es wird wohl doch noch etwas dauern:

Prime Minister David Cameron admitted Thursday there will not be an agreement at a pre-Christmas EU summit on Britain’s reform proposals ahead of a referendum on its membership of the Union, according to a Downing Street spokesperson.
http://www.politico.eu/article/cameron- ... -new-year/
Labskaus!

Ob Mailand oder Madrid -- Hauptsache Europa.
Benutzeravatar
H2O
Moderator
Beiträge: 27828
Registriert: So 13. Sep 2015, 13:49

Re: Großbritannien Austritt aus der EU verkraftbar?

Beitragvon H2O » So 6. Dez 2015, 10:00

frems » 2015-12-05, 14:39 hat geschrieben:Da Neandertaler Deine anderen Fragen schon beantwortet hat, gehe ich darauf nicht noch einmal ein. Und ja, das stört viele, da die Briten schon etliche Extrawürste erhielten, die man neuen Mitgliedern vorenthalten hat und nur als "Altlast" betrachtet hat, z.B. der Britenrabatt, den man dem Land gewährte, als es wirtschaftliche Probleme hatte, aber beibehielt, als es aufwärts ging. Das ist vor allem Richtung Osteuropa schwierig zu kommunizieren.

Kleiner Rückzug aus London. Es wird wohl doch noch etwas dauern:

Prime Minister David Cameron admitted Thursday there will not be an agreement at a pre-Christmas EU summit on Britain’s reform proposals ahead of a referendum on its membership of the Union, according to a Downing Street spokesperson.
http://www.politico.eu/article/cameron- ... -new-year/


Dieser Zustand liegt auf der Ebene von "Die Sache
aussitzen". Vermutlich bekommen die Briten dann
irgendwann ganz kalte Füße, wenn sie erkennen,
daß sie Gefangene ihrer eigenen Androhungen sind.
Mal sehen, was dann passiert.
Benutzeravatar
palulu
Beiträge: 4437
Registriert: Mo 2. Jun 2008, 15:14
Benutzertitel: Ich mag Ostdeutsche

Re: Großbritannien Austritt aus der EU verkraftbar?

Beitragvon palulu » So 6. Dez 2015, 13:48

frems » Mi 2. Dez 2015, 17:27 hat geschrieben:Tusks oder Camerons? :?:

Wie auch immer.

Tusk: Hält sich. Ich denke nicht, daß man das mit England nun überstürzen muß. Aber wenn man gerade Kapazitäten hat, kann man's natürlich machen.

Cameron: Ist mir eigentlich egal. Die Briten sind eh nur mit einem Bein in der EU und so bliebe es auch, wenn man alle Forderungen Londons umsetzen würde. Erstmal müssen sie aber eh abstimmen und dann schauen wir weiter. Kann ja nicht angehen, daß man die EU noch "britischer" gestaltet als sie jetzt schon ist, um drei Wochen später zu sehen, wie 51% der Briten austreten.

Manche Punkte seiner Forderungen (Ausnahme von der "ever closer union") sind ja eher symbolischer Natur, während andere nicht zu machen sind, da dafür die Verträge geändert werden müßten. Das hieße in Europa, daß ca. 40 Parlamente bzw. Kammern dies abnicken müssen und es zugleich in diversen Ländern -- Polen, Irland, Frankreich, Griechenland, Italien, Schweden, ... -- automatisch zu Volksentscheiden kommt. Das macht man nicht, nur weil die Briten sich dran stören, daß man bei ihnen nach zwei Jahren Arbeit bereits Anspruch auf Arbeitslosengeld hat und nicht erst ab vier Jahren, so wie es Cameron jetzt will. Davon abgesehen: http://img.pr0gramm.com/2014/10/22/a507e640a9ca8c50.jpg

Vielleicht wäre eine Trennung nicht schlecht. Wenn die Briten jetzt für einen Verbleib stimmen sollten, werden sie in fünf Jahren wieder über einen Austritt diskutieren, weil sich irgendwas geändert haben könnte. Cameron stört sich ja schon daran, was innerhalb der Eurozone abläuft, obwohl es ihn nichts angeht.


Ich meinte Cameron, danke. Wenn die BritInnen austreten, müssen dann die anderen Nettoüberweiser den Anteil GBs anteilig übernehmen oder bekommen die Empfängerstaaten in Relation gesetzt weniger Geld?
Zuletzt geändert von palulu am So 6. Dez 2015, 13:49, insgesamt 1-mal geändert.
Benutzeravatar
frems
Beiträge: 44863
Registriert: Sa 4. Apr 2009, 14:43
Benutzertitel: Hochenergetisch
Wohnort: Hamburg, Europa

Re: Großbritannien Austritt aus der EU verkraftbar?

Beitragvon frems » So 6. Dez 2015, 14:08

palulu » So 6. Dez 2015, 13:48 hat geschrieben:
Ich meinte Cameron, danke. Wenn die BritInnen austreten, müssen dann die anderen Nettoüberweiser den Anteil GBs anteilig übernehmen oder bekommen die Empfängerstaaten in Relation gesetzt weniger Geld?

Dann würde der Etat der EU sinken, die ohne Großbritannien auch weniger Kosten hat. Der Britenrabatt sorgte dafür, daß die Insel (pro Kopf) der drittkleinste Nettozahler ist. Das führte in einzelnen Jahren dann dazu, daß selbst kleine Länder wie Belgien und Dänemark insgesamt mehr einzahlten als London, obwohl sie wirtschaftlich (BIP per capita, Arbeitslosenrate, ...) in einer ähnlichen Liga sind. Letztes Jahr war es in der Tat etwas mehr von England, aber das lag vor allem an einer einmaligen Nachzahlung für ein halbes Jahrzehnt. Im Schnitt steuert Großbritannien netto etwa 1,5-2,0 Milliarden im Jahr hinzu, was 0,1% ihres BIP entspricht und ca. 2% des EU-Haushalts. Das Geld ist daher wirklich nicht das Thema.
Labskaus!

Ob Mailand oder Madrid -- Hauptsache Europa.
nachtfalke
Beiträge: 6
Registriert: Di 8. Dez 2015, 17:59

Re: Großbritannien Austritt aus der EU verkraftbar?

Beitragvon nachtfalke » Di 8. Dez 2015, 21:11

Die EU wird es durch den Austritt Großbritannien nicht erheblich schwerer haben- im Gegenteil, wahrscheinlich besser.Großbritannien hat ja bekanntlich immer mehr Geld herausgenommen als eingezahlt.Die einzigen Länder die mehr einzahlen als herausnehmen sind De und die Nl.

Zurück zu „31. EU - EFTA“

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 1 Gast