EU-Mitgliedsschaft Großbritanniens

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TheManFromDownUnder
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Re: EU-Mitgliedsschaft Großbritanniens

Beitragvon TheManFromDownUnder » Di 21. Mai 2019, 01:00

Fliege hat geschrieben:(20 May 2019, 23:52)

Nichts anderes habe ich erwartet. – Boris Johnson steht bereit, Theresa Mays Posten zu übernehmen, um als Premierminister einen Brexit nach seinem Gusto anzusteuern. Zwar dürften die Tories nach der EU-Wahl wie ein gerupftes Huhn aussehen, doch gerade diese Frisur würde die Tories überzeugen, Johnson zum Premierminister zu wählen, um eine Parlamentsneuwahl und somit eine ernsthafte Abstrafung bis auf weiteres zu verhindern.


Und was dann?

Kann Brexiteer BoJo neu verhandeln? Oder spielt er den Tough Guy und bringt den harten Brexit? Was dann danach? Nordirland wird wieder Buergerkriegzone und die schottischen Separatisten setzen auf ein neues Referendum und erreichen die Abspaltung von Queen & Country.
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Fliege
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Re: EU-Mitgliedsschaft Großbritanniens

Beitragvon Fliege » Di 21. Mai 2019, 14:57

TheManFromDownUnder hat geschrieben:(21 May 2019, 01:00)
Und was dann?

Kann Brexiteer BoJo neu verhandeln? Oder spielt er den Tough Guy und bringt den harten Brexit? Was dann danach? Nordirland wird wieder Buergerkriegzone und die schottischen Separatisten setzen auf ein neues Referendum und erreichen die Abspaltung von Queen & Country.

Um die Frage zu beantworten, was dann sei, wäre zu klären, welche Position Boris Johnson vertreten möchte. Soweit ich sehe, hält Johnson weder die irische Grenze für prioritär noch eine etwaige Abspaltung Schottlands, zudem könnte Johnson Freund eines harten Brexits sein.
Schnittblumen verhalten sich zahm, sind aber nicht immer stubenrein; Migrationsdesaster: "wie ein Hippie-Staat"; Klimahysterie: "weltweit dümmste Energiepolitik".
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Re: EU-Mitgliedsschaft Großbritanniens

Beitragvon Misterfritz » Di 21. Mai 2019, 16:30

Fliege hat geschrieben:(21 May 2019, 14:57)

Um die Frage zu beantworten, was dann sei, wäre zu klären, welche Position Boris Johnson vertreten möchte. Soweit ich sehe, hält Johnson weder die irische Grenze für prioritär noch eine etwaige Abspaltung Schottlands, zudem könnte Johnson Freund eines harten Brexits sein.
Es gibt nichts zu verhandel. Es gibt einen ausgehandelten Vertrag, der nicht mehr geändert wird.
Es gibt nur 3 Möglichkeiten, hard Brexit, Brexit mit dem deal oder no Brexit. Und da ist völlig egal, wer den Vortänzer in London macht.

Ob es nach einem möglichen Brexit eine Zollunion mit der EU geben könnte, könnte in Verhandlungen über die Beziehungen nach einem Brexit ausgehandelt werden. Dazu müssten die Briten aber endlich mal wissen, was sie eigentlich wollen - und was von dem dann auch machbar ist, sollten sie auch bedenken.
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Re: EU-Mitgliedsschaft Großbritanniens

Beitragvon Orbiter1 » Di 21. Mai 2019, 18:35

Theresa May hat angekündigt dass beim 4. Anlauf den Brexit-Deal durchs Parlament zu bringen u. a. auch eine vorübergehende Zollunion und ein zweites Referendum mit im Paket enthalten sind. Bei einigen Tories werden schon die Messer gewetzt um die Verräterin endlich ihrer gerechten Strafe zuzuführen.
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Re: EU-Mitgliedsschaft Großbritanniens

Beitragvon Fliege » Di 21. Mai 2019, 22:26

Misterfritz hat geschrieben:(21 May 2019, 16:30)
Es gibt nichts zu verhandel. Es gibt einen ausgehandelten Vertrag, der nicht mehr geändert wird.
Es gibt nur 3 Möglichkeiten, hard Brexit, Brexit mit dem deal oder no Brexit. Und da ist völlig egal, wer den Vortänzer in London macht.

Ob es nach einem möglichen Brexit eine Zollunion mit der EU geben könnte, könnte in Verhandlungen über die Beziehungen nach einem Brexit ausgehandelt werden. Dazu müssten die Briten aber endlich mal wissen, was sie eigentlich wollen - und was von dem dann auch machbar ist, sollten sie auch bedenken.

Ja, deswegen halte ich es für möglich (wie gesagt), dass Johnson als neuer Premierminister (falls er sich durchsetzt) auch einen harten Brexit wählen könnte.
Schnittblumen verhalten sich zahm, sind aber nicht immer stubenrein; Migrationsdesaster: "wie ein Hippie-Staat"; Klimahysterie: "weltweit dümmste Energiepolitik".
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Re: EU-Mitgliedsschaft Großbritanniens

Beitragvon Schnitter » Di 21. Mai 2019, 23:20

Fliege hat geschrieben:(21 May 2019, 22:26)

Ja, deswegen halte ich es für möglich (wie gesagt), dass Johnson als neuer Premierminister (falls er sich durchsetzt) auch einen harten Brexit wählen könnte.


Er soll es in Gottes Namen tun.

Das politische Elend in GB ist beim besten Willen nicht mehr mit anzusehen.
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Re: EU-Mitgliedsschaft Großbritanniens

Beitragvon TheManFromDownUnder » Mi 22. Mai 2019, 01:22

Fliege hat geschrieben:(21 May 2019, 14:57)

Um die Frage zu beantworten, was dann sei, wäre zu klären, welche Position Boris Johnson vertreten möchte. Soweit ich sehe, hält Johnson weder die irische Grenze für prioritär noch eine etwaige Abspaltung Schottlands, zudem könnte Johnson Freund eines harten Brexits sein.


Er ist ein Freund des harten Brexit.

https://www.irishtimes.com/news/world/u ... -1.3569437
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Re: EU-Mitgliedsschaft Großbritanniens

Beitragvon Orbiter1 » Mi 22. Mai 2019, 07:49

Orbiter1 hat geschrieben:(21 May 2019, 18:35)

Theresa May hat angekündigt dass beim 4. Anlauf den Brexit-Deal durchs Parlament zu bringen u. a. auch eine vorübergehende Zollunion und ein zweites Referendum mit im Paket enthalten sind. Bei einigen Tories werden schon die Messer gewetzt um die Verräterin endlich ihrer gerechten Strafe zuzuführen.
Der 4. Anlauf gilt bereits als tot bevor die genauen Inhalte bekannt werden. Das gleiche gilt für Theresa May. Eigentlich geht's nur noch um ihren Nachfolger und dessen Umgang mit dem Brexit. Tja, dann müssen wir wohl weiter geduldig abwarten was dabei rauskommt. Der Ausgang der Europawahlen könnte hier sicher als Katalysator wirken.

Edit:
Ergänzung zum Thema Europawahlen. Nach der neuesten Umfrage landet die Brexit-Partei von Farage bei 37%, die Tories von May bei 7%!! Da wünsche ich der Theresa noch viel Gesundheit und einen angenehmen Lebensabend. Neben ihrer Pension als PM müsste sie eigentlich noch ordentlich Schmerzensgeld bekommen.
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Re: EU-Mitgliedsschaft Großbritanniens

Beitragvon Nomen Nescio » Mi 22. Mai 2019, 13:05

ich hörte heut morgen eine diskussion mit u.a. einen cambridgeprofessor. sehr interessante »neuigkeiten«.
alles kann man sagen und postulieren. leider ist auch alles falsch. :D

1. tories versuchen jetzt das parlamentsreglement zu ändern, sodaß sie may wegstimmen können. wenns kann noch vor sonntag.
2. inzwischen sind sogar die remainers so weit, daß sie einen harten brexit eine bessere lösung finden als weitere stümpereien von may.
3. keiner weiß wie die zukunft aussehen wird, aber viele fürchten daß nicht nur mays zeit ein interregnum war, sondern auch das von ihrem nachfolgern sein wird.
nathan über mich: »er ist der unlinkste Nicht-Rechte den ich je kennengelernt habe. Ein Phänomen!«
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Re: EU-Mitgliedsschaft Großbritanniens

Beitragvon Wähler » Mi 22. Mai 2019, 13:09

Nomen Nescio hat geschrieben:(22 May 2019, 13:05)
ich hörte heut morgen eine diskussion mit u.a. einen cambridgeprofessor. sehr interessante »neuigkeiten«.
alles kann man sagen und postulieren. leider ist auch alles falsch. :D
1. tories versuchen jetzt das parlamentsreglement zu ändern, sodaß sie may wegstimmen können. wenns kann noch vor sonntag.
2. inzwischen sind sogar die remainers so weit, daß sie einen harten brexit eine bessere lösung finden als weitere stümpereien von may.
3. keiner weiß wie die zukunft aussehen wird, aber viele fürchten daß nicht nur mays zeit ein interregnum war, sondern auch das von ihrem nachfolgern sein wird.

May hat sich wenigstens der Komplexität des Brexit gestellt, auch wenn sie letztlich überfordert war. Brexiteers und Remainer von Labour und anderen Parteien haben nichts Konstruktives auf die Reihe bekommen. Hauptsache ein Schuldiger wird gefunden. ;)
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Re: EU-Mitgliedsschaft Großbritanniens

Beitragvon sünnerklaas » Mi 22. Mai 2019, 14:08

Wähler hat geschrieben:(22 May 2019, 13:09)

May hat sich wenigstens der Komplexität des Brexit gestellt, auch wenn sie letztlich überfordert war. Brexiteers und Remainer von Labour und anderen Parteien haben nichts Konstruktives auf die Reihe bekommen. Hauptsache ein Schuldiger wird gefunden. ;)


Auch da spielt die Opfererzählung eine große Rolle.
Insofern muss auch unbedingt das zweite Referendum verhindert werden.
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Re: EU-Mitgliedsschaft Großbritanniens

Beitragvon H2O » Mi 22. Mai 2019, 14:34

Edit:
Ergänzung zum Thema Europawahlen. Nach der neuesten Umfrage landet die Brexit-Partei von Farage bei 37%, die Tories von May bei 7%!! Da wünsche ich der Theresa noch viel Gesundheit und einen angenehmen Lebensabend. Neben ihrer Pension als PM müsste sie eigentlich noch ordentlich Schmerzensgeld bekommen.


Frau May hat meine Hochachtung, daß sie sich diesen Qualen stellt, um ihrem Lande absehbares Ungemach zu ersparen. Inzwischen glaube ich aber, daß sie so sehr von ihrer Sendung überzeugt ist, daß ihr die ständigen Angriffe ihrer Gegner nichts mehr ausmachen. Die Briten werden schon noch erfahren, welchen groben Unfug sie da angezettelt haben.

Niederschmetternd der Umfrageerfolg der BREXIT Partei. Aber doch wieder gar nicht so überraschend... In der Umfrage 2015 gab es ja diese Mehrheit schon einmal. Wir lassen uns von dem britischen Mehrheitswahlsystem täuschen. Das Wahlsystem wird aber für das EU-Parlament nicht angewandt. Deshalb ist damit zu rechnen, daß die britischen Abgeordneten zu etwa 37%
von der BREXIT Partei entsandt werden.
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Re: EU-Mitgliedsschaft Großbritanniens

Beitragvon Nomen Nescio » Mi 22. Mai 2019, 16:25

Wähler hat geschrieben:(22 May 2019, 13:09)

May hat sich wenigstens der Komplexität des Brexit gestellt, auch wenn sie letztlich überfordert war. Brexiteers und Remainer von Labour und anderen Parteien haben nichts Konstruktives auf die Reihe bekommen. Hauptsache ein Schuldiger wird gefunden. ;)

du meinst »der mohr hat seine schuldigkeit getan, der mohr kann gehen« ?
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Re: EU-Mitgliedsschaft Großbritanniens

Beitragvon Wähler » Mi 22. Mai 2019, 17:44

Wähler hat geschrieben:(22 May 2019, 13:09)
May hat sich wenigstens der Komplexität des Brexit gestellt, auch wenn sie letztlich überfordert war. Brexiteers und Remainer von Labour und anderen Parteien haben nichts Konstruktives auf die Reihe bekommen. Hauptsache ein Schuldiger wird gefunden. ;)

Nomen Nescio hat geschrieben:(22 May 2019, 16:25)
du meinst »der mohr hat seine schuldigkeit getan, der mohr kann gehen« ?

Nein. Der Mohr ist bisher gar nicht dazu gekommen, seine Arbeit zu machen. Mit Schuldigem meine ich eher Sündenbock.
https://de.wikipedia.org/wiki/Mohr
„Der Mohr hat seine Schuldigkeit getan, der Mohr kann gehen“ lautet im Original: „Der Mohr hat seine Arbeit getan, der Mohr kann gehen.“ Friedrich Schiller legte diesen Satz in den Mund des Spitzbuben Muley Hassan, des Mohren von Tunis (Die Verschwörung des Fiesco zu Genua).
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Re: EU-Mitgliedsschaft Großbritanniens

Beitragvon Misterfritz » Mi 22. Mai 2019, 20:05

H2O hat geschrieben:(22 May 2019, 14:34)
Niederschmetternd der Umfrageerfolg der BREXIT Partei. Aber doch wieder gar nicht so überraschend... In der Umfrage 2015 gab es ja diese Mehrheit schon einmal. Wir lassen uns von dem britischen Mehrheitswahlsystem täuschen. Das Wahlsystem wird aber für das EU-Parlament nicht angewandt. Deshalb ist damit zu rechnen, daß die britischen Abgeordneten zu etwa 37%
von der BREXIT Partei entsandt werden.
Da die Brexitpartei aber nichts mehr will, als schnell aus der EU raus, wird dieser Spuk im EU-Parlament hoffentlich schnell vorbei sein. Evtl. kann die EU ja wichtige Entscheidungen auf nach endgültigem Austritt von GB verlegen.
Ich kann mir nicht vorstellen, dass die Briten um Neuwahlen herumkommen.
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Re: EU-Mitgliedsschaft Großbritanniens

Beitragvon Liberty » Mi 22. Mai 2019, 20:42

H2O hat geschrieben:(22 May 2019, 14:34)
Niederschmetternd der Umfrageerfolg der BREXIT Partei. Aber doch wieder gar nicht so überraschend... In der Umfrage 2015 gab es ja diese Mehrheit schon einmal.


Und 2016 gab es ein Referendum, in dem die Mehrheit der Briten für den Brexit gestimmt haben. Von daher doch nicht verwunderlich, dass die Brexit-Partei mit Abstand stärkste Kraft ist und insb. die Tories, die den Brexit einfach nicht liefern, so hart abgestraft werden bei der Europawahl.

Könnte mir aber vorstellen, wenn May endlich weg ist und Boris Johnson den Brexit endlich hart durchzieht, die Tories wieder an Oberwasser gewinnen.

Für Farage ist die politische Arbeit dann sowieso getan und sein Lebenswerk vollendet. ;)
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Re: EU-Mitgliedsschaft Großbritanniens

Beitragvon Nomen Nescio » Do 23. Mai 2019, 00:22

london ist eine gerüchteküche. immer neue lösen ältere ab.
so wird nicht so schnell wie geplant may abserviert. dennoch... sie baumelt.

die pools zeigen fremde ziffer: farages neue partei sollte durch 37% der briten gewählt worden. wird also die größte partei werden
eine neue überraschung. labour profitiert nicht, sondern die libdems. die würde die zweitgrößte werden (20%).
erst dann kommen die sozialisten (15%).
und die tories?? wenn sie 10% bekommen, dürfen sie glücklich sein.

einen sehr aktiven beitrag an diese misère hat natürlich auch der johnsonflügel, der kategorisch jedes kompromiß ablehnte.
mit etwas schadenfreude denke ich daran daß johnson aktiv helfen muß trümmer zu räumen.
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Re: EU-Mitgliedsschaft Großbritanniens

Beitragvon Eulenwoelfchen » Do 23. Mai 2019, 05:56

Orbiter1 hat geschrieben:(21 May 2019, 18:35)

Theresa May hat angekündigt dass beim 4. Anlauf den Brexit-Deal durchs Parlament zu bringen u. a. auch eine vorübergehende Zollunion und ein zweites Referendum mit im Paket enthalten sind. Bei einigen Tories werden schon die Messer gewetzt um die Verräterin endlich ihrer gerechten Strafe zuzuführen.


Die gute Theresa May hat in Sachen Brexit nicht nur schon viel angekündigt oder absichtserklärt, sondern sogar als amtierende Regierungsvertreterin im März und September 2018 zweimal schriftlich (!) der sog. backstop-Lösung im ausgeverhandelten Austrittsvertrag zugestimmt, um dann kurze Zeit später alles für null und nichtig zu erklären. Weil ihr im Parlament oder im eigenen Regierungslager ein "njet" aus irgendeiner Ecke entgegen kam. Egal, ob es mal Arlene Foster oder Boris Johnson oder Rees-Mogg oder ...oder...war und ist. May ist als Premierministerin Großbritanniens mittlerweile jemand, der in Brüssel, im Parlament und im EU-Rat nicht mehr für voll oder gar entscheidungsfähig und diesbezüglich verlässlich angesehen wird. Man behandelt sie mit der Art Diplomatie, der ein großer Vorgänger von ihr, Winston Churchill anhängig war: Sinngemäß war für ihn Diplomatie der Weg, jemandem nett und in gepflegtem Umgangston zu sagen: "Fahr zur Hölle!" - Um in einem aus der Biologie entlehntem Bild zu bleiben, hat die politische Frau May keinen Monatszyklus, sondern einen täglichen, der stündlich zwischen Eisprung, Migräne, schicksalsanklagenden Feminismusattacken und einem five o'clock - Kamillentee hin- und her oszilliert. Selbstverständlich verabsäumte sie dabei nie, was ihr der "Kaffeesatz" des Kamillentees zum Lesen gab: "Die Europäer werden einknicken, das taten sie bisher immer".

Heute kam eine sehr interessante Doku über Guy Verhofstadt, den Leiter des Brexit-Koordinationsausschusses des EU-Parlaments, der mit (erlaubter) Kamera- und Tonaufnahme hinter die Verhandlungskulissen während der Brexitverhandlungen blicken ließ. Verhofstadt war als Leiter dabei auch in ständigem und engen Kontakt mit Michel Barnier, dem Leiter der Brexitverhandlungen auf EU-Seite. Als sich gegen Ende der zeitlich etwa über zwei Jahre gehenden Dokumentation das wiederholte "No" für den Austrittsvertrag durch das brit. Unterhaus ergab, war noch in einem Nebensatz die Einschätzung von Barnier (zum Scheitern der Austrittsverhandlungen) zu vernehmen, die auch in Verhofstadts EU-Koordinationsausschuß nicht überhört wurde:

Barnier kam zu dem Schluß, dass dieses Scheitern des Brexit letztlich das Ergebnis einer viel tiefergehenden, politischen Krise GBs sei.

Dem Barniergedanken folgend: Ein Land, das zwischen einer reichlich unaufgearbeiteten Vergangenheit der Weltmacht des British Empire, dem hier und heute der (veränderten) politischen Realität und dem , wie man sich und das britische Selbstverständnis künftig sieht oder wiedererlangen will. Sprich den Abstieg vom weltumspannenden big player und Wiege der Industrialisierung zur WWII - Siegermacht und der anschließenden wirtschaftlichen Mittelmäßigkeit, die in wichtigen, industriellen Schlüsselbereichen nur noch die dritte Geige spielt und seine politische und wirtschaftliche Bedeutung dadurch zurückgewinnen will, indem es in alter und liebgewohnter Machtdemonstration den mittlerweile unangenehm großen (wirtschaftlich) dominierenden Klotz EU verspeist und damit nicht nur dem eigenen Volk, sondern der ganzen Welt zeigt, "we are the champions. We were, we are and we'll be".

Um es britisch zu denken und zu fragen: Geht das noch oder wieder? - It won't work anymore, I presume. Cause the times are a changin', wie schon Robert Zimmermann wusste.

Festzuhalten bleibt, dass sich die politisch Verantwortlichen in GB diesen Fragen, besonders auch nicht May und Ihre Regierung, stellen wollen, genausowenig wie Labour. Und insofern irrt das Land derzeit von einem Zustand der Orientierungslosigkeit in einer Art identitärem Dauernebel umher, der sich zuweilen auf starken Bodennebel verdichten kann, wie die Brexitverhandlungen zeigten.

Was könnte man daraus lernen: Blöd gelaufen, dat. Ausgerechnet zwei "Doofe" mit dem gleichen Problem öden sich an. Denn nicht nur die EU oder die Vision von Europa befindet sich in einer ungelösten und unbeantworteten Identitätskrise, sondern auch GB. Leider.
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Re: EU-Mitgliedsschaft Großbritanniens

Beitragvon JJazzGold » Do 23. Mai 2019, 07:17

Jetzt kommt es exakt so, wie ich es befürchtet hatte.
GB nimmt an der Wahl teil und platziert damit zusätzlich einen nicht unerheblichen Anteil EU Gegner im Parlament.

Soviel zur Einhaltung der EU Regularien zu einem Exit.
Die gefährlichste aller Weltanschauungen ist die der Leute, welche die Welt nie angeschaut haben.
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Re: EU-Mitgliedsschaft Großbritanniens

Beitragvon H2O » Do 23. Mai 2019, 07:49

Misterfritz hat geschrieben:(22 May 2019, 20:05)

Da die Brexitpartei aber nichts mehr will, als schnell aus der EU raus, wird dieser Spuk im EU-Parlament hoffentlich schnell vorbei sein. Evtl. kann die EU ja wichtige Entscheidungen auf nach endgültigem Austritt von GB verlegen.
Ich kann mir nicht vorstellen, dass die Briten um Neuwahlen herumkommen.


Das Bild des EU-Parlaments habe ich noch nicht schwarz genug gemalt. Wir sehen im EU-Parlament eines der größeren EU-Mitglieder mit 50% BREXIT-Freunden antreten. Denn auch von den übrigen Parteien(Labour und Tories) werden Freunde eines Brexits ins EU-Parlament entsandt werden. Ich halte dennoch diese Vorgehensweise der EU für sehr vernünftig: Für die Briten sind es irgendwann nur sie selbst es gewesen, die diesen Unfug auf den Weg gebracht haben, gegen alles Flehen der übrigen EU-Mitglieder und ihrer Verhandlungspartner.

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