Kriegsverbrechen im 2. Weltkrieg

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naddy
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Re: Kriegsverbrechen im 2. Weltkrieg

Beitragvon naddy » Mi 22. Jan 2020, 18:34

Quatschki hat geschrieben:(22 Jan 2020, 18:03)

Nein. Um zum Widerständler zu werden, müßte mein Vertrauen in den Staat, seine Behörden und seine Polizei erst einmal so weit erschüttert sein, dass ich denen überhaupt nichts mehr glaube.
Dafür braucht man aber entweder einschneidende Schlüsselerlebnisse oder die Aufklärung durch alternative Medien. Letzteres gab es damals definitv nicht.

Die eklatante Unfähigkeit, sich in die Bedingungen einer anderen Zeit hineinzuversetzen und zu versuchen, die dort stattgefundenen Prozesse aus diesem Blickwinkel zu verstehen, ist schon frappierend. Wir reden hier über den Zeitraum im direkten Gefolge des Kaiserreichs, in dem die Bevölkerung noch auf "Hurra-Patriotismus" gepolt war.

Offenbar unterstellt man lieber eine "andere Art Mensch", die auf sowas hereinfallen konnte. Und wenn ich dann zugespitzt nach einem "genetischen Defekt" frage, der dafür verantwortlich sein soll, wird geantwortet: "Und wie kommst Du auf einen genetischen Defekt... das hier in die Diskussion einzuführen ist grotesk.".

Ich wage die Behauptung, daß die meisten derer, die heute voll auf Linie sind, es auch damals gewesen wären.
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Re: Kriegsverbrechen im 2. Weltkrieg

Beitragvon Jessie » Mi 22. Jan 2020, 18:43

Ich stelle die Gegenthese auf, dass die, die heute relativieren und rechtfertigen, es auch damals getan hätten.
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Dark Angel
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Re: Kriegsverbrechen im 2. Weltkrieg

Beitragvon Dark Angel » Mi 22. Jan 2020, 18:43

Jessie hat geschrieben:(22 Jan 2020, 16:45)

Die meisten leben heute nicht mehr. Aber was haben die Bürger gedacht, was mit ihren abgeführten Nachbarn passiert? Was haben die Soldaten gedacht, was mit den Juden in den KZ passiert? Nichts? Kaum vorstellbar. Warum gab es Menschen, die Juden versteckt haben? Weil sie genau wussten, was mit ihnen passieren sollte. Warum war nach dem Krieg niemand bereit, seinen Kindern Rede und Antwort zu stehen?

Was die Menschen wissen konnten oder wissen wollten, ist eine diffizile Frage, die aus heutiger Sicht - auf Grundlage und mit Kenntnis des Forschungsstandes und der Aufarbeitung bzw Kenntnis von Archivmaterial gern mit "sie müssen es gewusst haben" beantwortet wird.
So leicht kann man es sich jedoch nicht machen, weil viele Verhaftungen in so genannten "Nacht-und-Nebel-Aktionen" durchgeführt wurden, Nachbarn einfach verschwanden, weil niemand versucht hat zu hinterfragen, zu ergründen und das aus mehreren Gründen.
Da war einerseits die Indoktrination mit der nationalsozialistischen Ideologie und daraus resultierend die Anhängerschaft an das nationalsozialistische Regime und andererseits die Angst vor Denunziation und davor das gleiche Schicksal teilen zu müssen bzw Gleichgültigkeit und/oder tatsächlich nicht wissen wollen.
Menschen, die unter eigener Lebensgefahr, Juden versteckt haben, waren in der absoluten Minderheit, ebenso wie jene die aktiven oder auch nur passiven Widerstand geleistet haben.

Kaum vorstellbar? Wirklich?
Zu diesem "kaum vorstellbar" gibt es eine Parallele, die vor nunmehr 30 Jahren unterging - nannte sich DDR.
Auch hier funktionierte Ideologie hervorragend, gelang es hervorrangend zu vertuschen, was in so genannten Jugendwerkhöfen, Spezialkinderheimen oder Straflagern passierte. Der "Allgemeinheit" wurde vorgegaukelt, bei den Inhaftierten handele es sich um "gemeine Kriminelle" und nur sehr wenige wussten, was in den "Einrichtungen" tatsächlich geschah bzw hinterfragten die Vorgehensweisen.
Auch nch dem Untergang der DDR - bei zunehmender Kenntnis von Geheimunterlagen und Archivmaterial, bei immer besserem Forschungsstand wird Unverständnis, nach dem Motto "ihr müsst das doch gewusst haben" geäußert.

Damit macht man es sich zu einfach.
Gegen die menschliche Dummheit sind selbst die Götter machtlos.

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Re: Kriegsverbrechen im 2. Weltkrieg

Beitragvon conscience » Mi 22. Jan 2020, 19:01

Diesen Argumentation, die einige hier ablassen, ist haarsträubend. Ich verlasse mich lieber auf Quellen und die sagen etwas anderes.

BTW @Quatschko er al.
Es geht nicht darum, nachzuweisen, was die Bevölkerung damals hätte erkennen müssen, dass die Deutschen die Bösen sind, sondern es geht darum, aufzuzeigen, was hätte der einzelne aus NS Medien erfahren können. Beispiel: Juden werden in Lager deportiert.

Und jeder der sich den Deportationszug aus der Wochenschau DW 570 erkennt dass es sich um Frauen und Kinder und Männer, freilich fehlen solche im wehrfähigen Alter, handelt. Warum wohl ?


Ich zitiere mich selbst: "Aus allen Gebieten des Reiches wird übereinstimmend über die gleichbleibend, starke Anteilnahme der Bevölkerung an der Wochenschau berichtet.
Der Zug der Juden mit der Herausstellung einzelner Typen wurde in allen Teilen des Reichs häufig mit Bemerkungen des Abscheus aufgenommen, wobei verschiedentlich die Frage gestellt wurde, was denn eigentlich mit diesen Horden in Zukunft geschehen soll." Und: "In Libau dagegen sind schon mehrere tausend 142 Juden 'liquidiert' worden […] Jüdische Frauen wurden bisher nicht erschossen. Man sprach davon, daß sie später durch Vergasung beseitigt werden sollen."
Quelle: Die Juden in den geheimen NS-Stimmungsberichten 1933-1945. Herausgegeben von
Otto Dov Kulka und Eberhard Jäckel. Düsseldorf 2004.
https://www.bundesarchiv.de/DE/Content/ ... cationFile
Zuletzt geändert von conscience am Mi 22. Jan 2020, 19:23, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Kriegsverbrechen im 2. Weltkrieg

Beitragvon gallerie » Mi 22. Jan 2020, 19:16

conscience hat geschrieben:(22 Jan 2020, 19:01)

Diesen Argumentation, die einige hier ablassen, ist haarsträubend. Ich verlasse mich lieber auf Quellen und die sagen etwas anderes.

BTW @Quatschko er al.
Es geht nicht darum, nachzuweisen, was die Bevölkerung damals hätte erkennen müssen, dass die Deutschen die Bösen sind, sondern es geht darum, aufzuzeigen, was hätte der einzelne aus NS Medien erfahren können. Beispiel: Juden werden in Lager deportiert.

Und jeder der sich den Deportationszug aus der Wochenschau DW 571 erkennt dass es sich um Frauen und Kinder und Männer, freilich fehlen solche im wehrfähigen Alter, handelt. Warum wohl ?


Ich zitiere mich selbst: "Aus allen Gebieten des Reiches wird übereinstimmend über die gleichbleibend, starke Anteilnahme der Bevölkerung an der Wochenschau berichtet.
Der Zug der Juden mit der Herausstellung einzelner Typen wurde in allen Teilen des Reichs häufig mit Bemerkungen des Abscheus aufgenommen, wobei verschiedentlich die Frage gestellt wurde, was denn eigentlich mit diesen Horden in Zukunft geschehen soll"

...die Propaganda und Gehirnwäsche war perfekt organisiert. Die einzige Information bereitete der Volksempfänger im Sinne der Nazis.
Die einzigen Menschen, die den Nazis nicht auf den Leim gingen waren die Intellektuellen, die machten sich davon oder gingen in den Untergrund.
Das zweite Klientel waren die Offiziere mit namhafter Herkunft, als Zweitgeborene hatten sie kein Erbe zu erwarten, so gingen sie zum Militär, seit dem Mittelalter ein Möglichkeit sich hier zu beweisen.
Alle hochrangigen Offiziere der Wehrmacht, dem Eid zu Führer und Vaterland verpflichtet, stammend aus der Elite der deutschen Herrschaftshäuser.
Und genau diese waren es die dem verhassten Obergefreiten aus Österreich den Dolchstoß versetzten wollten, nicht um Demokratie zu schaffen, sondern
um ihre Privilegien zu waren. Stauffenberg war ein solcher Offizier.
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Re: Kriegsverbrechen im 2. Weltkrieg

Beitragvon Quatschki » Mi 22. Jan 2020, 21:26

Die Propaganda und Gehirnwäsche der Russen bezüglich der Zeit 1939/40 hält ja bis heute an!

Auch in neueren russischen Kriegsfilmen findet sich wieder das Bild der friedliebenden Sowjetunion, wo semmelblonde sowjetische Burschen mit sowjetischen Mädels in leichten Sommerkleidern in wogenden Weizenfeldern flirten, bevor dann am Morgen des 22.Juni 1941 aus heiterem Himmel die Faschisten Tod- und Verderbenbringend in das friedliebende Idyll einbrechen

Dem entgegen stehen die Fakten der sowjetischen Okkupation von Ostpolen, dem Baltikum und Bessarabien, der Überfall auf Finnland im Winterkrieg
In keinem einzigen dieser Gebiete gab es 1941 glückliche Zivilisten, außer vielleicht in den Offiziersfamilien der Roten Armee und des NKWD.
Alle anderen litten unter dem Terror, der die Sowjetisierung dieser annektierten Gebiete von der ersten Minute an begleitete.

Aber während Putins Russland das wieder zunehmend tabuisiert, und Deutschland es ignoriert, aus Angst, damit die Unvergleichlichkeit der eigenen Verbrechen zu relativieren,
findet in den osteuropäischen Ländern im Baltikum, in Polen, der Ukraine und Moldawien die Aufarbeitung dieser Zeit statt und lässt manches in anderem Licht erscheinen

https://en.wikipedia.org/wiki/Sovietiza ... %80%931941
https://en.wikipedia.org/wiki/Soviet_oc ... n_Bukovina
https://en.wikipedia.org/wiki/Soviet_re ... %80%931946)#The_reign_of_terror
https://en.wikipedia.org/wiki/June_deportation
https://en.wikipedia.org/wiki/NKVD_prisoner_massacres
https://en.wikipedia.org/wiki/June_Upri ... _Lithuania
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Re: Kriegsverbrechen im 2. Weltkrieg

Beitragvon odiug » Do 23. Jan 2020, 00:57

conscience hat geschrieben:(22 Jan 2020, 19:01)

Diesen Argumentation, die einige hier ablassen, ist haarsträubend. Ich verlasse mich lieber auf Quellen und die sagen etwas anderes.

BTW @Quatschko er al.
Es geht nicht darum, nachzuweisen, was die Bevölkerung damals hätte erkennen müssen, dass die Deutschen die Bösen sind, sondern es geht darum, aufzuzeigen, was hätte der einzelne aus NS Medien erfahren können. Beispiel: Juden werden in Lager deportiert.

Und jeder der sich den Deportationszug aus der Wochenschau DW 570 erkennt dass es sich um Frauen und Kinder und Männer, freilich fehlen solche im wehrfähigen Alter, handelt. Warum wohl ?


Ich zitiere mich selbst: "Aus allen Gebieten des Reiches wird übereinstimmend über die gleichbleibend, starke Anteilnahme der Bevölkerung an der Wochenschau berichtet.
Der Zug der Juden mit der Herausstellung einzelner Typen wurde in allen Teilen des Reichs häufig mit Bemerkungen des Abscheus aufgenommen, wobei verschiedentlich die Frage gestellt wurde, was denn eigentlich mit diesen Horden in Zukunft geschehen soll." Und: "In Libau dagegen sind schon mehrere tausend 142 Juden 'liquidiert' worden […] Jüdische Frauen wurden bisher nicht erschossen. Man sprach davon, daß sie später durch Vergasung beseitigt werden sollen."
Quelle: Die Juden in den geheimen NS-Stimmungsberichten 1933-1945. Herausgegeben von
Otto Dov Kulka und Eberhard Jäckel. Düsseldorf 2004.
https://www.bundesarchiv.de/DE/Content/ ... cationFile

Die ganze Diskussion über: "Was hättest du denn damals gemacht ?" und :"wir wussten doch nix!" ist insofern obsolet, als dass die meisten Deutschen als sie erfuhren was passierte, es immer noch leugneten und lieber im Mythos "Stunde Null" und der verlogenen Trümmerfrauenromantik schwelgten ... manche bis heute.
Ganz perfide finde ich TV Historiker, die sich mit der Parole :"auch wir waren Opfer" auf GEZ Gebührenkosten heutzutage durchschmarotzen :dead:
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Re: Kriegsverbrechen im 2. Weltkrieg

Beitragvon MG-42 » Do 23. Jan 2020, 07:35

odiug hat geschrieben:(23 Jan 2020, 00:57)

Die ganze Diskussion über: "Was hättest du denn damals gemacht ?" und :"wir wussten doch nix!" ist insofern obsolet, als dass die meisten Deutschen als sie erfuhren was passierte, es immer noch leugneten und lieber im Mythos "Stunde Null" und der verlogenen Trümmerfrauenromantik schwelgten ... manche bis heute.
Ganz perfide finde ich TV Historiker, die sich mit der Parole :"auch wir waren Opfer" auf GEZ Gebührenkosten heutzutage durchschmarotzen :dead:


Das du Opfer gegeneinander aufrechnest zeigt eher das deine Moral fraglich ist.
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Re: Kriegsverbrechen im 2. Weltkrieg

Beitragvon odiug » Do 23. Jan 2020, 08:18

MG-42 hat geschrieben:(23 Jan 2020, 07:35)

Das du Opfer gegeneinander aufrechnest zeigt eher das deine Moral fraglich ist.

Ich denke, du hast nicht ganz verstanden, was ich sagen wollte.
Also lass mich das nochmals klarstellen.
Die Deutschen, als Kollektiv waren keine Opfer der Nazis.
Das heißt nicht, dass Deutsche nicht auch zu den Opfern zählen ... zum Beispiel Juden, Homosexuelle, Sozialdemokraten, Pazifisten, Kommunisten, Behinderte oder Sinti und Roma.
Aber die Deutschen ... was man damals "Volksgenossen" nannte, die waren keine Opfer der Nazis.
Diese Erzählung, die gerne von einem wie Guido Knopp in "History" auf ZDF-INFO erzählt wird, ist falsch und verlogen.
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Re: Kriegsverbrechen im 2. Weltkrieg

Beitragvon Cobra9 » Do 23. Jan 2020, 11:36

odiug hat geschrieben:(22 Jan 2020, 16:57)

Na ja ... die Waffen SS ... und die ist ja in einem Konflikt mit der Wehrmacht relevant, ist eigentlich eine relativ späte Erscheinung im NS Regime.
Erst ab 1942 war sie eine eigenständige Größe von Relevanz.
Aber im Vergleich zur Wehrmacht immer nebensächlich.
Dass sie heute das Bild des zweiten Weltkriegs so entscheidend beeinflusst, ist nicht ihrer militärischen Stärke zu "verdanken", sondern ihrem Fanatismus.


Ähmm das ist mal de facto falsch. Die SS hatte schon vor der Entstehung der Waffen SS starke zumindest paramilitärsche Verbände wo man schon zu beachten hatte in der Rechnung und Ich behaupte das die Wehrmacht nicht größtenteils in einen Putsch eingetreten wäre. Dazu war die Nazi Systema zu ausgeprägt. Führerkult, Uterdrückung, Angst, Propaganda usw. haben gewirkt im Zusammenspiel. Aus den Abhörprotokollen der Allierten von höheren Rängen die in Gefangenschaft waren ist erkennbar das mindesten 40-50% bis 44 an Hitler glaubten und seinen Weg. Mindestens 30% wussten von den Verbrechen direkt.

Aber ein Putsch ohne ausreichend Truppen und zugleich der Ausschaltung aller relevanten Nazi Größen wäre niemals erfolgreich gewesen. Eventuell einige Zeit hätte man lokale Erfolge haben können. Aber nicht langfristig.
Dafür war das System der Nazis zu ausgklügelt , perfide und jeder der zuviel sagte musste mit Folgen rechnen auch für die Familie.


Man hätte Hitler noch in den 30er stoppen müssen. Danach war es zu spät. Das viele Menschen auch wussten das WAS passiert ist sehr wahrscheinlich. Aber auch das man das gar nicht wissen wollte.
Freilich haben viele die über alles Bescheid wussten später gesagt .....wir wussten von nichts. Was eine bodenlose Feigheit ist und wer als Täter davongekommen ist dem wünsche Ich echt nicht gerade einen ruhigen Frieden.

Ich denke was Menschen tun können Wir nicht einfach beantworten. Aber Ich sehe es mal so. Das teilweise Menschen grundsätzlich zu Taten bereit sind wo man als Normaler ablehnt ist Realität. Siehe Kriegsverbrechen heute noch. Vietnam, Syrien, Ukraine usw.


Wie Ausbildung, Propaganda über einen längeren Zeitraum usw. wirken kann auf Menschen hat man im 3 Reich gesehen. Besonders solche Menschen wie die der Waffen SS oder SS allgemein. Fanatiker wurden Sie teilweise ohne es zu merken und überzeugt das Richtige zu tun. Du hast Recht die Waffen SS, SS Verbände usw. hatten militärisch teilweise wenig Wert. Es war ihr Nimbus.

Ich hoffe wirklich sowas wiederholt sich nicht.
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Re: Kriegsverbrechen im 2. Weltkrieg

Beitragvon odiug » Do 23. Jan 2020, 13:17

Cobra9 hat geschrieben:(23 Jan 2020, 11:36)

Ähmm das ist mal de facto falsch. Die SS hatte schon vor der Entstehung der Waffen SS starke zumindest paramilitärsche Verbände wo man schon zu beachten hatte in der Rechnung und Ich behaupte das die Wehrmacht nicht größtenteils in einen Putsch eingetreten wäre. Dazu war die Nazi Systema zu ausgeprägt. Führerkult, Uterdrückung, Angst, Propaganda usw. haben gewirkt im Zusammenspiel. Aus den Abhörprotokollen der Allierten von höheren Rängen die in Gefangenschaft waren ist erkennbar das mindesten 40-50% bis 44 an Hitler glaubten und seinen Weg. Mindestens 30% wussten von den Verbrechen direkt.

Aber ein Putsch ohne ausreichend Truppen und zugleich der Ausschaltung aller relevanten Nazi Größen wäre niemals erfolgreich gewesen. Eventuell einige Zeit hätte man lokale Erfolge haben können. Aber nicht langfristig.
Dafür war das System der Nazis zu ausgklügelt , perfide und jeder der zuviel sagte musste mit Folgen rechnen auch für die Familie.


Man hätte Hitler noch in den 30er stoppen müssen. Danach war es zu spät. Das viele Menschen auch wussten das WAS passiert ist sehr wahrscheinlich. Aber auch das man das gar nicht wissen wollte.
Freilich haben viele die über alles Bescheid wussten später gesagt .....wir wussten von nichts. Was eine bodenlose Feigheit ist und wer als Täter davongekommen ist dem wünsche Ich echt nicht gerade einen ruhigen Frieden.

Ich denke was Menschen tun können Wir nicht einfach beantworten. Aber Ich sehe es mal so. Das teilweise Menschen grundsätzlich zu Taten bereit sind wo man als Normaler ablehnt ist Realität. Siehe Kriegsverbrechen heute noch. Vietnam, Syrien, Ukraine usw.


Wie Ausbildung, Propaganda über einen längeren Zeitraum usw. wirken kann auf Menschen hat man im 3 Reich gesehen. Besonders solche Menschen wie die der Waffen SS oder SS allgemein. Fanatiker wurden Sie teilweise ohne es zu merken und überzeugt das Richtige zu tun. Du hast Recht die Waffen SS, SS Verbände usw. hatten militärisch teilweise wenig Wert. Es war ihr Nimbus.

Ich hoffe wirklich sowas wiederholt sich nicht.

Das ist mir zu schöngeredet.
Das Problem sind weder bewaffnete Verbände der SA oder SS ... wie gesagt, militärisch irrelevant bis zum Ende ... mal abgesehen vom Kampf um Berlin ... aber da gab es die Wehrmacht nicht mehr.
Nein ... das Problem war, dass die Wehrmacht selbst eine Institution der NAZIS war und nichts mehr mit der alten Reichswehr der Weimarer Republik zu tun hatte ... zumindest seit der Ermordung von General Schleicher im Zuge des Röhm "Putsch", besser "Nacht der langen Messer".
Insofern ist die Mär von der "ehrehvollen" Wehrmacht, die nix wusste, nix tat und nur das Vaterland verteidigte eine Lüge.
Das gilt besonders für Karriereoffiziere, die mit der Wiederbewaffnung zu hohen Rängen in der Wehrmacht aufstiegen.
Und das ist Rommel.
Man kann das wenden und drehen wie man will ... der Typ war ein Nazi.
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Re: Kriegsverbrechen im 2. Weltkrieg

Beitragvon Cobra9 » Do 23. Jan 2020, 15:01

odiug hat geschrieben:(23 Jan 2020, 13:17)

Das ist mir zu schöngeredet.
Das Problem sind weder bewaffnete Verbände der SA oder SS ... wie gesagt, militärisch irrelevant bis zum Ende ... mal abgesehen vom Kampf um Berlin ... aber da gab es die Wehrmacht nicht mehr.
Nein ... das Problem war, dass die Wehrmacht selbst eine Institution der NAZIS war und nichts mehr mit der alten Reichswehr der Weimarer Republik zu tun hatte ... zumindest seit der Ermordung von General Schleicher im Zuge des Röhm "Putsch", besser "Nacht der langen Messer".
Insofern ist die Mär von der "ehrehvollen" Wehrmacht, die nix wusste, nix tat und nur das Vaterland verteidigte eine Lüge.
Das gilt besonders für Karriereoffiziere, die mit der Wiederbewaffnung zu hohen Rängen in der Wehrmacht aufstiegen.
Und das ist Rommel.
Man kann das wenden und drehen wie man will ... der Typ war ein Nazi.



Ich hab nix schön geredet. Aber natürlich spielt die SS eine Rolle in der Angst, Unterdrückungstaktik.Wenn Du als General weisst deine ganze Familie ist in Gefahr von der SS unschönen Besuch zu bekommen kann überlegst Dir schon mal einige Entscheidungen.

Muss nicht mal der General sein. Und das die Wehrmacht eher Hitler treu war hab Ich erwähnt. Nur hättest du niemals eine erfolgreiche Revolution hinbekommen. Warum hab Ich erwähnt
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Re: Kriegsverbrechen im 2. Weltkrieg

Beitragvon naddy » Do 23. Jan 2020, 19:14

odiug hat geschrieben:(23 Jan 2020, 00:57)

Die ganze Diskussion über: "Was hättest du denn damals gemacht ?" und :"wir wussten doch nix!" ist insofern obsolet, als dass die meisten Deutschen als sie erfuhren was passierte, es immer noch leugneten und lieber im Mythos "Stunde Null" und der verlogenen Trümmerfrauenromantik schwelgten ... manche bis heute.

Es wäre ganz hilfreich wenn du mal erklären würdest, inwiefern nach deiner Meinung die von Einigen hier eröffnete Diskussion darüber, was die Bevölkerung hätte wissen können/sollen/müssen durch Feststellung "obsolet" wird, daß man auch über spezielle Formen oder Gründe der Vergangenheitsbewältigung diskutieren kann.

Die Gründe für die Verdrängung der im Nachhinein offengelegten Tatsachen sind vorwiegend im psychischen und moralischen Bereich zu suchen, die für das, was man wissen konnte, überwiegend im Faktischen. Es sei denn man unterstellt, daß Alle nicht wissen wollten, was sie hätten wissen können, wozu Einige hier offenbar tendieren. Was mich zu meiner bereits mehrfach gestellten Frage zurückführt, womit das zu erklären wäre. War da "eine andere Art Mensch" am Werk, mit der wir Heutigen gottseidank nichts mehr zu tun haben?
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Re: Kriegsverbrechen im 2. Weltkrieg

Beitragvon Dark Angel » Sa 25. Jan 2020, 18:14

odiug hat geschrieben:(23 Jan 2020, 13:17)

Das ist mir zu schöngeredet.
Das Problem sind weder bewaffnete Verbände der SA oder SS ... wie gesagt, militärisch irrelevant bis zum Ende ... mal abgesehen vom Kampf um Berlin ... aber da gab es die Wehrmacht nicht mehr.
Nein ... das Problem war, dass die Wehrmacht selbst eine Institution der NAZIS war und nichts mehr mit der alten Reichswehr der Weimarer Republik zu tun hatte ... zumindest seit der Ermordung von General Schleicher im Zuge des Röhm "Putsch", besser "Nacht der langen Messer".
Insofern ist die Mär von der "ehrehvollen" Wehrmacht, die nix wusste, nix tat und nur das Vaterland verteidigte eine Lüge.
Das gilt besonders für Karriereoffiziere, die mit der Wiederbewaffnung zu hohen Rängen in der Wehrmacht aufstiegen.
Und das ist Rommel.
Man kann das wenden und drehen wie man will ... der Typ war ein Nazi.

Wie wäre es, wenn Du Deine diversen wilden Behauptungen endlich mal mit seriösen Quellen untermauern würdest?
Zum letzten Mal - hier in Geschichtsforum wird faktenbasiert diskutiert und nicht ideologiebasiert!
Leider kann ich von Deiner Seite her nur eine ideologische Diskussion erkennen. [Mod]
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Re: Kriegsverbrechen im 2. Weltkrieg

Beitragvon garfield336 » Fr 31. Jan 2020, 11:42

Heute ist der 75te Jahrestag des Massakers von Sonnenburg.

Dort wurden am 30 und 31Januar 1945 Viele Zwangsrekrutierte und Kriegsefangene erschossen.
Darunter 91.Luxemburgische Staatsbürger, die dort wegen Wehrdienstverweigerung inhaftiert waren.
Insgesammt sollen 819 Menschen erschossen worden sein.

Dieser Tag ist in Luxemburg ein offzieller Gedenktag.
Insgesammt wurden mehr als 11.000 Jungs wurden zwangrekrutiert und dienten in der Wehrmacht. Von denen 2572 umkamen.
3963 landeten in den deutschen KZs, meistens Wehrdienstverweigerr von denen 791 umkamen. 91 von ihnen im obigem Massaker. :(
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Re: Kriegsverbrechen im 2. Weltkrieg

Beitragvon MG-42 » Do 20. Feb 2020, 06:39

Zum Thema Kriegsverbrechen der Wehrmacht

Als Kind wohnten wir bei meine Großeltern. Mein Opa erzählte mir manchmal Geschichten vom Krieg. Als in der Schule die Verbrechen der Wehrmacht gelehrt wurden fragte ich ihn, was er davon gesehen hatte.

Unter anderen erzählte er mir, wie er es erlebte, wie russische Dörfer, die er "vom Kommunismus befreite", später sah er dann im gleichen Dorf, gehängte Zivilisten, die als "Partisanen" umgebracht" wurden und das es ihm dort klar wurde, das hier niemand befreit wurde.

Eine weitere Frage war, "wann war dir klar, das es unter der NSDAP keine Rechtsstaat im üblichen Sinne mehr gibt?"

Die Antwort: Er war vor dem Krieg als Bierkutscher in Hannover unterwegs. Er sah wie ein Mann in einem Schrank aus dem dritten Stock geworfen wurde, während unten die Polizei zuschaute. Da ist dir klar, Recht und Gesetz im üblichen Sinne gibt es nicht mehr.

Seine persönliche Geschichte eines Kriegsverbrechens. Auf der Krim sah er, das jemand aus dem deutschen Lager der russischen Seite Lichtsignale sandte. Er stellte den Mann mit seiner Pistole und übergab ihm seinen Kommandeur, mit einem Bericht der Lichtsignale.

Das normale Prozedere war, das der Verdächtige zum Hauptquartier verbracht wird und mein Opa als Zeuge dort in einem Militärprozess aussagt.

Oftmals wurden Soldaten, die dort aussagten dann anderen Einheiten nach dem Prozess zugeteilt. Sein Kommandeur informierte ihm an nächsten morgen, mach dir keine Sorgen, wir haben das Problem gelöst, der Verdächtige wurde "auf der "Flucht erschossen".

Er ging davon aus, das der Mann erschossen wurde, um sicherzustellen, das mein Großvater bei seiner Einheit bleibt. Da er mir davon erzählte gehe ich davon aus, der er moralisch damit seine Probleme hatte.

Haben euch ehemaligen Soldaten oder Verwandten Geschichten erzählt, die Kriegsverbrechen beinhalteten? Eventuell könnt ihr das hier mit uns teilen.
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Re: Kriegsverbrechen im 2. Weltkrieg

Beitragvon Quatschki » Sa 4. Apr 2020, 16:34

https://www.youtube.com/watch?v=uPteVZyF4U0

klebt gut an Menschen und brennt mit 1000 Grad
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Re: Kriegsverbrechen im 2. Weltkrieg

Beitragvon Findulin » Sa 4. Apr 2020, 16:37

conscience hat geschrieben:(22 Jan 2020, 19:01)

Diesen Argumentation, die einige hier ablassen, ist haarsträubend. Ich verlasse mich lieber auf Quellen und die sagen etwas anderes.

BTW @Quatschko er al.
Es geht nicht darum, nachzuweisen, was die Bevölkerung damals hätte erkennen müssen, dass die Deutschen die Bösen sind, sondern es geht darum, aufzuzeigen, was hätte der einzelne aus NS Medien erfahren können. Beispiel: Juden werden in Lager deportiert.

Und jeder der sich den Deportationszug aus der Wochenschau DW 570 erkennt dass es sich um Frauen und Kinder und Männer, freilich fehlen solche im wehrfähigen Alter, handelt. Warum wohl ?


Ich zitiere mich selbst: "Aus allen Gebieten des Reiches wird übereinstimmend über die gleichbleibend, starke Anteilnahme der Bevölkerung an der Wochenschau berichtet.
Der Zug der Juden mit der Herausstellung einzelner Typen wurde in allen Teilen des Reichs häufig mit Bemerkungen des Abscheus aufgenommen, wobei verschiedentlich die Frage gestellt wurde, was denn eigentlich mit diesen Horden in Zukunft geschehen soll." Und: "In Libau dagegen sind schon mehrere tausend 142 Juden 'liquidiert' worden […] Jüdische Frauen wurden bisher nicht erschossen. Man sprach davon, daß sie später durch Vergasung beseitigt werden sollen."
Quelle: Die Juden in den geheimen NS-Stimmungsberichten 1933-1945. Herausgegeben von
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https://www.bundesarchiv.de/DE/Content/ ... cationFile

edit Mod. Den Holocaust verharmlosenden Beitrag entfernt.
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Selina
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Re: Kriegsverbrechen im 2. Weltkrieg

Beitragvon Selina » Sa 9. Mai 2020, 10:41

Der aus Rheinland-Pfalz stammende Historiker Hannes Heer fordert, "den Völkermord an den slawischen Menschen in der NS-Zeit endlich aufzuarbeiten". Wichtiges Interview mit ihm - für die, die es interessiert:

Ausschnitt:

In der Berliner Republik hat die politische Elite damit begonnen, insbesondere an den Holocaust zu erinnern. Statt Schweigen gibt es nun ein Erinnerungsgebot. Sollten Antifaschisten und Linke froh sein, dass der Holocaust inzwischen im Zentrum der Erinnerung steht?

Heer: Es ist großartig, dass es ein staatliches Gedenken an den Holocaust gibt - und die Holocaust-Gedenkstätte in Berlin. Aber meine Freude ist nur eine halbe. Denn ein anderer Völkermord, vorbereitet und durchgeführt aus ebenfalls rassistischen Gründen, fehlt in der Erinnerung und hat noch immer keinen Ort.

Welchen Völkermord meinen Sie?

Den an den slawischen Völkern. Hitler hat ja früh darauf hingewiesen, dass es eine Konstante seiner Politik sein werde, den »ewigen Germanenzug nach dem Süden und Westen Europas« zu stoppen und »den Blick nach dem Land im Osten«, nach Russland, zu richten. In »Mein Kampf« gibt es schon einen groben Fahrplan für diesen großdeutschen Eroberungs- und Vernichtungsfeldzug, der - mit Ausnahme der gescheiterten Besetzung beziehungsweise Einbindung Englands - später minutiös realisiert wurde.

Wie viele slawische Menschen wurden während des Zweiten Weltkriegs von Deutschen getötet?

Das waren in der Sowjetunion rund 30 Millionen Menschen, 6 Millionen in Polen und 2 Millionen in Jugoslawien. Hinzu kommen noch fast eine halbe Million Tschechoslowaken. Rechnet man eine halbe Million Sinti und Roma hinzu, sind das insgesamt an die 40 Millionen ermordete Menschen. Hier wird deutlich, welche Asymmetrie zwischen der Erinnerung an den Holocaust und dem Großverbrechen an den sogenannten »slawischen Untermenschen« besteht.

Warum wird der Ermordung der slawischen Menschen so wenig gedacht?

Das wird verständlich, wenn man fragt, welche Tätergruppen an den beiden Großverbrechen beteiligt waren: Für den Holocaust mit 6 Millionen Opfern war eine Kerntruppe von 250 000 Angehörigen der SS und der Polizei verantwortlich, unterstützt von rund 150 000 Kollaborateuren aus den besetzten Ländern. Diese Einheiten waren auch für die Ermordung von 3 Millionen polnischen und 2,5 Millionen sowjetischen Juden zuständig. Die Eroberung und Besetzung Europas dagegen war das Werk der Wehrmacht mit ihren 19 Millionen Soldaten. 10 Millionen davon waren an der sogenannten Ostfront eingesetzt. Sie trugen die Verantwortung für 7 Millionen im Kampf gefallene und 3,5 Millionen gefangene Rotarmisten wie für das Schicksal von 15 Millionen ums Leben gekommene sowjetische Zivilisten. Fast jeder von diesen 10 Millionen Wehrmachtsangehörigen wurde zum Mörder. Wer es nicht wurde, war in jedem Fall ein Teil der Mordmaschine gewesen und hatte zu deren Funktionieren beigetragen.

Umso erstaunlicher, dass darüber hinterher kaum gesprochen wurde. Oder umso naheliegender?

Fast jeder deutsche Familienverband hatte mindestens zwei oder drei Angehörige, die an dieser Front eingesetzt waren und in ihren Feldpostbriefen angedeutet oder im Urlaub erzählt hatten, was dort geschehen war und geschah. Das macht den Unterschied in der Erinnerungskultur aus: 250 000 SS-Männer als Holocaust-Täter, das betraf meistens nicht die eigene Familie und passte zu der üblichen Ausrede »Hitler war’s«. Aber Millionen Täter aus der Wehrmacht und aus der Verwandtschaft - als Wehrfähige eingezogen und in den privaten Fotoalben verewigt - diese Tatsache negierte die westdeutsche Gesellschaft bis in die 90er Jahre. Und das will auch eine Mehrheit im wiedervereinigten Deutschland noch immer nicht akzeptieren.

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Drüben im Walde kängt ein Guruh - Warte nur balde kängurst auch du. Joachim Ringelnatz
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Ammianus
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Re: Kriegsverbrechen im 2. Weltkrieg

Beitragvon Ammianus » Sa 9. Mai 2020, 10:55

Es gibt doch eine ganze Reihe von Publikationen über die Besatzungspolitik der Nazis, bewusstes Verreckenlassen, Zwangsumsiedlungen die auch für viele den Tod bedeuteten - und der wurde positiv in Hinsicht auf die spätere Planung für die sogenannten "Ostgebiete" gesehen. Teile des Ostens sollten mit Deutschen besiedelt werden zu denen dann die verbliebenen Slawen in einem Dienst- und Untertanenverhältnis gestanden hätten. Dabei hatten die Planer schon berechnet, dass man wenigstens eine zweistellige Millionenanzahl beseitigen müsse, da die im vorgesehenen System nicht gebraucht würden.

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