Wer ermöglichte den Aufstieg der NSDAP?

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Tom Bombadil
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Wer ermöglichte den Aufstieg der NSDAP?

Beitragvon Tom Bombadil » Di 9. Apr 2019, 17:24

Als Antwort auf die Schmähung der bürgerlichen Mitte als Hitlers "Geburtshelfer":

Selina hat geschrieben:(09 Apr 2019, 13:20) Es gab von mir lediglich eine Bemerkung dazu, dass es historisch verbrieft ist, dass die damalige "bürgerliche Mitte" auch eine Aktie am Aufstreben des Nationalsozialismus hatte.
Tom Bombadil hat geschrieben:(09 Apr 2019, 13:21) Das ist falsch.
schokoschendrezki hat geschrieben:(09 Apr 2019, 16:00)Tatsächlich gab es in den 20ern diesen Begriff der "Ordnungszelle". [..] Hinter dieser Ordnungszellensehnsucht stand in der Tat vor allem die bürgerliche Mittelschicht.

Den Begriff gab es, aber das mit der bürgerlichen Mittelschicht stimmt so nicht:
Die Angst vor einer erneuten Bedrohung durch die Kommunistische Partei Deutschlands (KPD) und eine tief empfundene Ablehnung linker Bestrebungen bereiteten den Boden für eine massive Radikalisierung nach rechts. Gustav Ritter von Kahr, seit März 1920 bayerischer Ministerpräsident, wollte Bayern als rechte "Ordnungszelle" innerhalb einer vermeintlich in "marxistischem Chaos" versinkenden und vollkommen "verjudeten" Weimarer Republik erhalten. Unter dem republikfeindlichen Kurs bayerischer Rechtsregierungen entwickelte sich der zweitgrößte Einzelstaat des Reichs zu einem Aufmarschgebiet von Rechtsextremen, wo selbst steckbrieflich gesuchte Mörder der berüchtigten Organisation Consul - die für die Ermordung von Walther Rathenau und andere Anschläge verantwortlich war - sichere Zuflucht genossen. Ungehindert von bayerischen Behörden konnten rechte Republikfeinde von Bayern aus Hetze gegen die "jüdischen Novemberverbrecher" entfalten. Vor allem München wurde zu einem Zentrum rechter Agitation von "vaterländischen" und völkischen Gruppierungen.
https://www.dhm.de/lemo/kapitel/weimare ... nungszelle

Interessanterweise kamen genauere Untersuchungen zum Wahlverhalten der Deutschen dann Anfang der 90er zu dem Ergebnis, dass die größte Korrelation (nicht unbedingt Kausalität) zu NSDAP-Affinität in der Verwurzelung im Protestantismus als Konfession bestand.

Es haben viele Menschen aus den unterschiedlichsten Milleus und den unterschiedlichsten Gründen NSDAP gewählt, da lässt sich nicht eine Gruppe als "Hauptschuldiger" ausmachen:
Ab den Reichstagswahlen im Juli 1932 gaben mehr Arbeiter der NSDAP ihre Stimme als jeweils der KPD und SPD. Deswegen wurde die NSDAP noch nicht, wie sie sich selbst gern gesehen hat, eine Arbeiterpartei. Aber eine reine Mittelschichtspartei war sie ebenso wenig. Auch die Affinität von Angestellten zur NSDAP ist weniger eindeutig als es häufig angenommen wird. Eher haben es die Nationalsozialisten in Wahlkreisen, in denen überdurchschnittlich viele Angestellte wohnten, sogar schwerer gehabt als anderswo. Dagegen war die Beamtenschaft in ihrer Gesamtheit deutlich anfälliger für den Nationalsozialismus. Zwischen 1928 und 1933 traten Beamte in überdurchschnittlicher Zahl in die NSDAP ein, so dass sogar die amtliche Parteistatistik feststellen musste, dass sie als Berufsgruppe unter den Mitgliedern schon vor dem September 1930 überrepräsentiert waren.
http://www.bpb.de/izpb/137186/aufstieg?p=all
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Re: Wer ermöglichten den Aufstieg der NSDAP?

Beitragvon watisdatdenn? » Di 9. Apr 2019, 17:38

Für mich war die Unfähigkeit der „Altparteien“ mit der Wirtschaftskrise sinnvoll umzugehen entscheidend.

Die dumme Austeritätspolitik der Zentrumspartei hat die Wirtschaft sinnlos abgewürgt.

Das hat die Mitte radikalisiert.

Als Beleg meiner Vorfahren habe ich einen Großonkel der mit exzellenten technischen Studiumsabschluss zu der Zeit aufgrund der extrem verfehlten Wirtschaftspolitik lange keine Arbeit fand.
Er wurde dadurch ein NSDAP Wähler.
Das lässt sich wunderbar auf Basis der vorhandenen Briefwechsel nachvollziehen.
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Re: Wer ermöglichte den Aufstieg der NSDAP?

Beitragvon BlueMonday » Di 9. Apr 2019, 18:10

Also im Wesentlichen waren es Etatisten. Menschen, die an die Segnungen des starken Staates, an das "Primat der Politik" glauben und das auch immer wieder lautstark einfordern. Der wundersame Staat, der Geld aus dem Nichts zaubern oder beliebig Schulden fabrizieren kann, der Staat, der die Wirtschaft "ankurbelt" und der Arbeit schafft, der die Jugend bildet und erzieht, der die Presse wieder zur Räson bringt usw. usf. Leute, die "Austerität" in Krisenzeiten für dumm hielten, ebneten mit ihren Stimmen den Weg für den folgenden Größenwahn. Ein gewisser Keynes war ja auch ganz angetan von den Nationalsozialisten.
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Selina
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Re: Wer ermöglichte den Aufstieg der NSDAP?

Beitragvon Selina » Di 9. Apr 2019, 18:26

Tom Bombadil hat geschrieben:(09 Apr 2019, 17:24)

Als Antwort auf die Schmähung der bürgerlichen Mitte als Hitlers "Geburtshelfer":


Den Begriff gab es, aber das mit der bürgerlichen Mittelschicht stimmt so nicht:
Die Angst vor einer erneuten Bedrohung durch die Kommunistische Partei Deutschlands (KPD) und eine tief empfundene Ablehnung linker Bestrebungen bereiteten den Boden für eine massive Radikalisierung nach rechts. Gustav Ritter von Kahr, seit März 1920 bayerischer Ministerpräsident, wollte Bayern als rechte "Ordnungszelle" innerhalb einer vermeintlich in "marxistischem Chaos" versinkenden und vollkommen "verjudeten" Weimarer Republik erhalten. Unter dem republikfeindlichen Kurs bayerischer Rechtsregierungen entwickelte sich der zweitgrößte Einzelstaat des Reichs zu einem Aufmarschgebiet von Rechtsextremen, wo selbst steckbrieflich gesuchte Mörder der berüchtigten Organisation Consul - die für die Ermordung von Walther Rathenau und andere Anschläge verantwortlich war - sichere Zuflucht genossen. Ungehindert von bayerischen Behörden konnten rechte Republikfeinde von Bayern aus Hetze gegen die "jüdischen Novemberverbrecher" entfalten. Vor allem München wurde zu einem Zentrum rechter Agitation von "vaterländischen" und völkischen Gruppierungen.
https://www.dhm.de/lemo/kapitel/weimare ... nungszelle


Es haben viele Menschen aus den unterschiedlichsten Milleus und den unterschiedlichsten Gründen NSDAP gewählt, da lässt sich nicht eine Gruppe als "Hauptschuldiger" ausmachen:
Ab den Reichstagswahlen im Juli 1932 gaben mehr Arbeiter der NSDAP ihre Stimme als jeweils der KPD und SPD. Deswegen wurde die NSDAP noch nicht, wie sie sich selbst gern gesehen hat, eine Arbeiterpartei. Aber eine reine Mittelschichtspartei war sie ebenso wenig. Auch die Affinität von Angestellten zur NSDAP ist weniger eindeutig als es häufig angenommen wird. Eher haben es die Nationalsozialisten in Wahlkreisen, in denen überdurchschnittlich viele Angestellte wohnten, sogar schwerer gehabt als anderswo. Dagegen war die Beamtenschaft in ihrer Gesamtheit deutlich anfälliger für den Nationalsozialismus. Zwischen 1928 und 1933 traten Beamte in überdurchschnittlicher Zahl in die NSDAP ein, so dass sogar die amtliche Parteistatistik feststellen musste, dass sie als Berufsgruppe unter den Mitgliedern schon vor dem September 1930 überrepräsentiert waren.
http://www.bpb.de/izpb/137186/aufstieg?p=all


Als Ergänzung zu dem nach hierher verlagerten Thema sollte man noch den Hinweis von schokoschendrezki zum so genannten "Extremismus der Mitte", der auch in den Faschismus-Theorien - einschließlich NSDAP-Entwicklung - eine Rolle spielt, mit einbeziehen. Insgesamt kann man sagen, dass es diverse Faschismus-Theorien gibt und keine den Anspruch auf die allein gültige Wahrheit erhebt. Viele Leute lehnen sie ganz ab. Aber kennen sollte man sie schon.

Zitat:

Der Begriff Extremismus der Mitte wurde von Seymour Martin Lipset in die Soziologie eingeführt.[1] In seinem Buch Political Man (1959) schrieb er, dass der linke Extremismus seine Basis in den unteren Schichten und in der Arbeiterklasse habe, der rechte Extremismus in den Oberschichten verankert sei und der Faschismus in der sozioökonomischen Mittelschicht beheimatet sei. Den Begriff Faschismus definierte er nicht näher.[2] Damit erweiterte der Soziologe die Analyse Theodor Geigers,[3] der die Wahlerfolge der NSDAP seit Beginn der 1930er Jahre aus der Reaktion des Mittelstandes auf die Weltwirtschaftskrise erklärte, und bezog sie auf die zeitdiagnostische Analyse extremistischer und antidemokratischer Bewegungen aus der Mitte der Gesellschaft. Die Extremismen von links und rechts wurden damit um einen neuen Typus ergänzt und der Faschismus als eine typische Mittelschichtbewegung erklärt.[4]

https://de.wikipedia.org/wiki/Extremismus_der_Mitte
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Re: Wer ermöglichte den Aufstieg der NSDAP?

Beitragvon Tom Bombadil » Di 9. Apr 2019, 18:30

Blöd nur, dass die Forschung aus dem Jahre 1959 nicht mehr ganz so uptodate ist und du die aktuellere Forschung gekonnt ausblendest, weil sie dir nicht in den Kram passt.
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Re: Wer ermöglichte den Aufstieg der NSDAP?

Beitragvon yogi61 » Di 9. Apr 2019, 18:34

Man muss sich da kein X für ein U vormachen lassen. Weite Teile der damaligen Bevölkerung haben die Schweinereien der Nazis zu verantworten.
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https://www.youtube.com/watch?v=Ca9jtQhnjek
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Re: Wer ermöglichte den Aufstieg der NSDAP?

Beitragvon Selina » Di 9. Apr 2019, 18:46

Außerdem ging es mir auch noch um den Aspekt der so genannten "schweigenden Mitte". Aus Erzählungen meiner Eltern weiß ich, dass viele kleine Mittelständler, Handwerker und Gewerbetreibende, Beamte und Angestellte, die so genannten kleinen Leute, die aufstrebenden Nazis zwar sehr kritisch sahen, sie aber schwiegen. Sie erlebten, welche Folgen es haben konnte, sich deutlich und laut gegen diese Ideologie zu äußern. Deshalb hielten sie den Mund. Aus Selbstschutz-Gründen. Menschlich verständlich, aber eben auch fatal irgendwo. Und als das Regime dann so richtig am Wirken war, wurde es immer deutlicher, was offen geäußerter Widerstand bedeuten und wie schnell man im KZ landen konnte, was noch mehr innere Emigration und Schweigen zur Folge hatte. Ein Teufelskreis. Die diversen Widerstandsgruppen, die in jeder Minute ihr Leben riskierten, mal außen vorgelassen. Obwohl auch das ein interessantes Thema wäre.

Hinzu kamen dann noch das Mitläufertum sowie das aktive und überzeugte Mittun, woran auch wieder viele Leute aus der Mittelschicht beteiligt waren.
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Re: Wer ermöglichte den Aufstieg der NSDAP?

Beitragvon Selina » Di 9. Apr 2019, 18:56

Tom Bombadil hat geschrieben:(09 Apr 2019, 18:30)

Blöd nur, dass die Forschung aus dem Jahre 1959 nicht mehr ganz so uptodate ist und du die aktuellere Forschung gekonnt ausblendest, weil sie dir nicht in den Kram passt.


Ich blende nichts aus, ich empfahl lediglich, sich auch mal mit der Theorie des "Extremismus der Mitte" zu befassen. Und ich sagte, dass die damit zusammenhängenden diversen Faschismus-Theorien ebenfalls umstritten sind. Es gibt sie aber. Bis heute. Davor die Augen zu verschließen, wär ja auch nicht gerade sinnvoll. Was ich aber bei dieser ganzen Diskussion, die im Bürgerliche-Mitte-Strang begann und nun hierher verschoben worden ist, vor allem sagen wollte, ist die Sache mit der "schweigenden Mitte" (siehe oben mein Beitrag). Diese Diskussion hatten wir auch im Strang "Lehren aus dem Nationalsozialismus" oder wie der heißt.

Übrigens: Auch hier wurde schon mal auf den Zusammenhang von NSDAP und "Extremismus der Mitte" verwiesen:

viewtopic.php?f=20&t=67208&p=4376115&hilit=progressiver+extremismus+der+mitte#p4375539
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Re: Wer ermöglichte den Aufstieg der NSDAP?

Beitragvon DarkLightbringer » Di 9. Apr 2019, 19:33

Stimme hier dem TE vollstens zu.

Die Mitte war nicht das Problem, sondern die Extremisten. Man kann aber sagen, letztere gewannen viele Anhänger und waren auch in den Eliten vertreten.

Das Deutsche Reich Weimarer Prägung war erstaunlich erfolgreich, wurde jedoch am Ende hin mutwillig von Extremisten und Eliten zerstört.
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Re: Wer ermöglichte den Aufstieg der NSDAP?

Beitragvon Tom Bombadil » Di 9. Apr 2019, 19:35

Selina hat geschrieben:(09 Apr 2019, 18:46)

Aus Erzählungen meiner Eltern weiß ich, dass viele kleine Mittelständler, Handwerker und Gewerbetreibende, Beamte und Angestellte, die so genannten kleinen Leute, die aufstrebenden Nazis zwar sehr kritisch sahen, sie aber schwiegen.

Schon witzig, dass du oft irgendwelche persönlichen Erfahrungen beisteuern kannst, die dir wunderbar in den Kram passen :D Vor der Machtergreifung gab es kaum einen Grund für die o.g. Personengruppe den Mund zu halten.

Hinzu kamen dann noch das Mitläufertum sowie das aktive und überzeugte Mittun, woran auch wieder viele Leute aus der Mittelschicht beteiligt waren.

Und nicht zu vergessen die vielen Linken, die bei den Nazis mitmarschiert sind.

Selina hat geschrieben:(09 Apr 2019, 18:56)

Ich blende nichts aus...

Doch, das tust du, du bleibst bei deinem Monothema und ignorierst alles andere, was deiner Argumentation widerspricht.
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Re: Wer ermöglichte den Aufstieg der NSDAP?

Beitragvon Dark Angel » Di 9. Apr 2019, 21:43

Ich möchte darauf hinweisen, dass derjenige, der Behauptungen aufstellt, in der Beweispflicht ist.
Wir befinden uns hier im Geschichtsforum - einem Unterforum des Bereichs Wissenschaft - damit dürfte klar sein, dass als Beweis für eine Behauptung weder irgendwelche private Anekdoten noch irgendwelche Wikipedia-Artikel über, vor 70 Jahren aufgestellte Thesen/Theorien, welche zudem recht umstritten sind, dienen können.
Nur weil irgend ein Soziologe vor 70 Jahren irgendeinen Begriff in der Soziologie eingeführt hat, bedeutet das noch lange nicht, dass diese Sichtweise auch durch historische Fakten gedeckt ist.
Dehalb bitte ich darum, sich in diesem Zusammenhang (Wahlverhalten der "bürgelichen Mitte" in den dreißiger Jahren des 20. Jh.) doch die Mühe zu machen und auf Fach- oder zumindest Sachquellen zu beziehen.
Weiterhin bitte ich darum, das Geschichtforum NICHT als Plattform für Agitation und Propaganda zu nutzen.
Danke!
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Re: Wer ermöglichte den Aufstieg der NSDAP?

Beitragvon Bielefeld09 » Di 9. Apr 2019, 21:55

Historisch betrachtet ist die Frage geklärt.
Die soziale Verelendung, Versprechungen der Nazis und die Ernennung von Hitler.
Und die schwache Weimarer Verfassung.
Was anderes kann man diskutieren,
entspricht aber eben nicht den Tatsachen.
Sorry Mods, es ist nie persönlich gemeint. Ihr habt immer recht. Sorry :( :p
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Re: Wer ermöglichte den Aufstieg der NSDAP?

Beitragvon schokoschendrezki » Mi 10. Apr 2019, 12:32

Falls es dir entgangen sein sollte: grüne Schrift bedeutet eine Moderatorenanweisung und KEINEN Diskussionsbeitrag!

Also nochmal: wer Behauptungen aufstellt ist in der Beweispflicht!
Und wie ich bereits schrieb sind weder pivate Anekdoten noch irgendwelche Wikipedia-Artikel zur "Einführung eines Begriffes in der Soziologie" geeignet als Beleg/Beweis für eine Behauptung zu dienen.
Ich weise noch einmal darauf hin, dass hier im Geschichtsforum BITTE entsprechende Fach- oder Sachquellen zu verwenden sind.
Desweiteren sind Moderatorenanweisungen nicht als Grundlage für Thread-Schreddereien gedacht!
Mod.
Zuletzt geändert von schokoschendrezki am Mi 10. Apr 2019, 12:39, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Wer ermöglichte den Aufstieg der NSDAP?

Beitragvon Wolverine » Mi 10. Apr 2019, 12:38

yogi61 hat geschrieben:(09 Apr 2019, 18:34)

Man muss sich da kein X für ein U vormachen lassen. Weite Teile der damaligen Bevölkerung haben die Schweinereien der Nazis zu verantworten.


Oder sie stillschweigend geduldet. Auch damit macht man sich schuldig.


Nach der Machtergreifung durch die Nazis herrschte auch ein Klima der Furcht. Das darf man auch nicht außer Acht lassen.
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Re: Wer ermöglichte den Aufstieg der NSDAP?

Beitragvon Tom Bombadil » Mi 10. Apr 2019, 13:28

Bei den Reichstagswahlen im Sept. 1930 lagen die SPD und die NSDAP in Coburg gleichauf: https://www.stadtgeschichte-coburg.de/S ... rz-52.aspx 1928 lag die SPD noch weit vor den Nazis: https://www.stadtgeschichte-coburg.de/S ... rz-40.aspx

Zwar konnten die Nazis 1930 starke Zugewinne verbuchen, trotzdem hapert es mit der Beweisführung, dass die bürgerliche Mitte der Hauptunterstützer der Nazis war, ganz gewaltig.
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Re: Wer ermöglichte den Aufstieg der NSDAP?

Beitragvon schokoschendrezki » Mi 10. Apr 2019, 16:10

Tom Bombadil hat geschrieben:(10 Apr 2019, 13:28)

Bei den Reichstagswahlen im Sept. 1930 lagen die SPD und die NSDAP in Coburg gleichauf: https://www.stadtgeschichte-coburg.de/S ... rz-52.aspx 1928 lag die SPD noch weit vor den Nazis: https://www.stadtgeschichte-coburg.de/S ... rz-40.aspx

Zwar konnten die Nazis 1930 starke Zugewinne verbuchen, trotzdem hapert es mit der Beweisführung, dass die bürgerliche Mitte der Hauptunterstützer der Nazis war, ganz gewaltig.

Von irgendeinem "Beweis" einer "Hauptunterstützung" hab' zumindest ich auch gar nicht geredet.

Es geht um die Dominanz bestimmter sozialer Milieus, die anscheinend für den Nationalsozialismus besonders anfällig wie auch gleichzeitig förderlich sind. Das auffällige an Coburg (wie auch an Hof) besteht darin, dass die Stadt und der Landkreis nicht nur ländlich-kleinbürgerlich sondern - anders als etwa das benachbarte Bamberg oder Bayreuth - ganz überwiegend protestantisch geprägt ist. Antisemitismus war bekanntlich in einigen Teilen dieser Glaubensrichtung besonders in den 20er, 30er Jahren besonders ausgeprägt.

Es gibt zahlreiche Artikel und sogar ganze Bücher zu diesem Themenkreis. Beispielhaft hier nur ein Artikel aus der ZEIT von 2009:
Braune Keimzelle
Als erste deutsche Stadt wurde Coburg vor 80 Jahren von den Nazis übernommen. Sie exerzierten dort vieles, was sie später im ganzen Reich vollzogen.
https://www.zeit.de/online/2009/26/nazis-coburg/komplettansicht


Was von der marxistischen Geschichtsschreibung besonders in der DDR lange Jahre falsch bzw, verzerrt dargestellt wurde, ist die angebliche Finanzierung Hitlers und seiner Partei durch die Großindustrie. Diese These lässt sich - jedenfalls in dieser Pauschalität - nicht halten. Und ebenso wurde in der DDR die Widerstandshaltung großer Teile der katholischen Kirche bzw. auch der Zentrumspartei unter den Teppich gekehrt.

Ich persönlich sage mit Bezug auf hier und heute nur, und das ist jetzt wirklich eher subjektiv geprägt als geschichtswissenschaftlich belegbar: Auch Sachsen ist - wenn kirchlich - dann überwiegend protestantisch geprägt. Ich kenne sowohl eine Stadt wie Leipzig als auch eine Region wie die Sächsische Schweiz ziemlich gut. Dass die NPD in der Sächsischen Schweiz, in der Region Pirna mit ihrem touristischen Reiz, einer verhältnismäßig geringen Arbeitslosigkeit, überwiegend kleinbürgerlich-handwerklich-mittelständischen Wirtschaft ihre Hochburg hat und nicht in der Stadt Leipzig mit ihrer auch alternativen Stadtkultur, hohem Ausländeranteil, Studenten und auch einigen ziemlich linken Jugendkulturzentren .... das wundert mich überhaupt nicht.
Zuletzt geändert von schokoschendrezki am Mi 10. Apr 2019, 16:18, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Wer ermöglichte den Aufstieg der NSDAP?

Beitragvon Tom Bombadil » Mi 10. Apr 2019, 16:17

schokoschendrezki hat geschrieben:(10 Apr 2019, 16:10)

Von irgendeinem "Beweis" einer "Hauptunterstützung" hab' zumindest ich auch gar nicht geredet.

Nein, es wird eben immer nur gemunkelt:
Dass die NPD in der Sächsischen Schweiz, in der Region Pirna mit [..] überwiegend kleinbürgerlich-handwerklich-mittelständischen Wirtschaft ihre Hochburg hat [...] das wundert mich überhaupt nicht.


Es geht um die Dominanz bestimmter sozialer Milieus, die anscheinend für den Nationalsozialismus besonders anfällig wie auch gleichzeitig förderlich sind.

Das war nur eben nicht einzig und allein der Mittelstand, wie bereits gezeigt.
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Re: Wer ermöglichte den Aufstieg der NSDAP?

Beitragvon schokoschendrezki » Mi 10. Apr 2019, 16:26

Tom Bombadil hat geschrieben:(10 Apr 2019, 16:17)
Das war nur eben nicht einzig und allein der Mittelstand, wie bereits gezeigt.

Nein. Das waren auch große Teile der Arbeiterschaft. Na logisch, bei einer "Arbeiterpartei". Diese Leute jedoch aus den Saalschutzgruppen und den Bierkellerprügeleien mussten spätestens bei dem Röhm-Putsch erkennen, dass sie und ihre Belange für die wirklichen Machthaber gar nicht von Interesse waren. Man traf sich nicht mehr im Bierkeller sondern in Bayreuth bei den Wagner-Aufführungen.
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Re: Wer ermöglichte den Aufstieg der NSDAP?

Beitragvon Tom Bombadil » Mi 10. Apr 2019, 16:34

Warum dann das Herumreiten auf der bügerlichen Mittelschicht, wenn alle Gesellschaftsschichten ihren Anteil am Aufstieg der NSDAP hatten? 1934 war der Käse sowieso schon gelutscht.
Warum dann der NPD-Verweis auf das "kleinbürgerlich-handwerklich-mittelständische" Pirna? In den tollen alternativen Städten wie Leipzig, Hamburg, Berlin blüht dafür der Linksextremismus auf.
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Re: Wer ermöglichte den Aufstieg der NSDAP?

Beitragvon MG-42 » Mi 10. Apr 2019, 18:15

Die grosse Depression hat die Vereinigten Staaten in eine politische Krise getrieben, die mit den New Deal, einer Sozialreform mündete.

http://www.loc.gov/teachers/classroomma ... _guide.pdf

Deutschland war durch die Besetzung des Saarlandes 1923 und den Versailler Vertrag noch zusätzlich geschwächt. Eine Demokratie, die wie ein ausgehungerter Patient, bei der ersten schweren Krise nicht genug Widerstand gegen das Problem der Massenarbeitslosigkeit aufbieten kann.

Die Depression startet in den USA 1929 und es folgte eine weltweite Erschütterung des Finanzsystems.

Die Wirtschaftskriese war eine gesellschaftliche und instituionelle Krise, große Teile der Mitte waren auch von der Arbeitslosigkeit bedroht. Brüning hätte eventuell die Republik retten können, aber mit Hindenburg als Klotz am Bein konnte er nicht die notwendigen Umverteilungsmaßnahmen durchsetzen.

Der Angriff auf die Mitte durch "Kommunisten" ist aus meiner Sicht billig, da nicht nur Kommunisten wurden von der NSDAP verfolgt wurden. Brüning musste auch aus Deutschland fliehen. Aber jeder spielt halt gerne Märtyrer, wenn es der eigenen Sache hilft.

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