buzzard - eine Chance für den besseren Diskurs?

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Skeptiker
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buzzard - eine Chance für den besseren Diskurs?

Beitragvon Skeptiker » Sa 30. Nov 2019, 21:37

Ich bin im Stern gerade auf eine Initiative für eine App aufmerksam geworden:
Medien-App "Buzzard"
Raus aus der Bubble: Felix und Dario wollen mit einer App unsere Diskussionskultur retten
In allen Medien steht doch eh das Gleiche! Stimmt nicht, sagen Felix und Dario. Die beiden 28-Jährigen wollen eine App entwickeln, die den Menschen hilft, sich umfassend zu informieren und wieder konstruktiver miteinander zu sprechen.

https://www.stern.de/neon/vorankommen/g ... 24230.html

Es geht darum die Leute aus ihrer selbst auferlegten Filterblase zu lösen, indem man mit einem Portal Themen analysiert und aufbereitet:
Wie funktioniert eure App?
Es ist geplant, dass ein Team aus fünf Redakteuren täglich zwei bis drei Themen des Tages und ein Debattenthema auswählt. Dazu kuratieren wir Artikel mit unterschiedlichen Positionen, verlinken die Texte und geben Informationen zum Autor und zum Medium. Wir sammeln die Texte aus der gesamten Medienlandschaft und stellen einmal am Tag einen Überblick zur Verfügung. Daher kommt auch der Name: Buzzard, also der Bussard, der über allem kreist.

Wie wählt ihr eure Themen und die Medien aus?
Unsere Top-Themen orientieren sich an den Themen, die in den zehn reichweitenstärksten Medien Deutschlands aktuell sind. Dazu kommt immer noch ein tiefergehendes Debatten-Thema mit Aktualitätsbezug. Wir haben zwei Jahre lang einen Prototyp getestet und uns in dieser Zeit eine Datenbank mit über 2000 weltweite Medien angelegt. Dazu gehören 200 große internationale Medien, aber auch viele Blogs und ThinkTanks. Diese Medien scannen wir dann zu unseren Top-Themen des Tages, versuchen die Perspektiven zu kategorisieren und repräsentativ Artikel auszusuchen, die verschiedene Meinungen wiedergeben. Außerdem können uns auch die Leser Hinweise geben, falls sie denken, dass wir einen Aspekt vergessen haben.


Näheres gibt es in der zugehörigen Webseite zur Aktion.

Was haltet ihr von der Initiative?

Ich jedenfalls wäre gespannt auf das Ergebnis. Selber hatte ich mir auch schonmal Gedanken gemacht, wie man den Informationsdschungle für die Menschen da draußen in eine übersichtliche Form bringen kann um Fake News von Fakten zu trennen und Polulismus von jedweder Seite als solchen zu entlarven, aber auch um ernsthafte Anregungen aus dem jeweils anderen politischen Spektrum aufzunehmen. Ich war wohl nicht der einzige, und nun haben es Leute in die Hand genommen. Toll :thumbup:
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Re: buzzard - eine Chance für den besseren Diskurs?

Beitragvon watisdatdenn? » Sa 30. Nov 2019, 21:42

Finde ich gut!
Ich schaue auch gerne über den Tellerrand.
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Re: buzzard - eine Chance für den besseren Diskurs?

Beitragvon Skeptiker » Sa 30. Nov 2019, 21:58

watisdatdenn? hat geschrieben:(30 Nov 2019, 21:42)
Finde ich gut!
Ich schaue auch gerne über den Tellerrand.

Genau.

Ich weiß garnicht ob ich es überhaupt sagen sollte, aber wenn man auf die Crowdfunding-Seite geht, dann sieht man dort Fleischhauer die Aktion unterstützen. Damit wären dann hier die Fronten geklärt ;) . Eine Initiative, die einen mangelhaften Diskurs als Beweggrund aufführt, die steht natürlich sofort im Verdacht "neurechts" zu sein. Dafür allerdings kann sich die Initiative schon mit viel Vorschusslorberren schmücken.
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Re: buzzard - eine Chance für den besseren Diskurs?

Beitragvon Teeernte » So 1. Dez 2019, 00:00

eine App....zum Nachrichten aufbereiten ? Kostenpflichtig ?

Eine Art "Focus" ? Hmmm - wo liegt der Mehrwert ?

Wird da aus "Aktivisten" dann Besetzer oder Einbrecher ?
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pLenarum
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Re: buzzard - eine Chance für den besseren Diskurs?

Beitragvon pLenarum » So 1. Dez 2019, 08:29

Mit dem Vertrauen in nur einer App laufe ich doch erst recht Gefahr in einer redaktionellen Blase zu landen.

...sammeln Analysen, Einschätzungen und Meinungen aus ganz unterschiedlichen Medien – auch internationalen Medien und Perspektiven von kritischen politischen Blogs. Und dann merkt man eben, wie unterschiedlich die Weltsicht von AfD-Anhängern und Grünen-Wählern oder Arbeitslosen und Managern ist.


Wenn es das ist, was ich mir aktuell darunter vorstelle denke ich, niemand benötige diese Aufbereitung von Müll. Es geht eben darum unfaktischen Meinungsmüll im Diskurs gar nicht zu lassen. Fakten zählen. Die Argumente der "anderen Seite" sind dank dem Internet und den sozialen Medien sichtbarer denn je. Es benötigt kein entgeltliches Aufzeigen der anderen Meinung. Die eigentlichen Inhalte müssen faktisch/Wissenschaftlich sondiert und verdaulich aufbereitet werden. Sowas leistet sicherlich kein 5 Mann Team. Schon gar nicht tagesaktuell.

Das Gesamtkonzept und die Zielgruppe sind mir schleierhaft.
Zuletzt geändert von pLenarum am So 1. Dez 2019, 09:17, insgesamt 1-mal geändert.
Nichts ist eindeutig. Verallgemeinerungen sind Lügen. Alle Verallgemeinerungen sind falsch, diese eingeschlossen.
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Re: buzzard - eine Chance für den besseren Diskurs?

Beitragvon H2O » So 1. Dez 2019, 09:16

Skeptiker hat geschrieben:(30 Nov 2019, 21:58)

Genau.

Ich weiß garnicht ob ich es überhaupt sagen sollte, aber wenn man auf die Crowdfunding-Seite geht, dann sieht man dort Fleischhauer die Aktion unterstützen. Damit wären dann hier die Fronten geklärt ;) . Eine Initiative, die einen mangelhaften Diskurs als Beweggrund aufführt, die steht natürlich sofort im Verdacht "neurechts" zu sein. Dafür allerdings kann sich die Initiative schon mit viel Vorschusslorberren schmücken.


Gehe ich fehl in der Annahme... ;) daß damit eine automatisierte Redaktion von Nachrichten aufgebaut wird? Natürlich eine, die auf der Knochenarbeit seriöser Journalisten aufbaut. Etwa nach dem Grundsatz: Was viele seriöse Journalisten in "Qulitätsmedien" übereinstimmend als Nachricht bewertet haben, das kann kein Spam mehr sein?
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Re: buzzard - eine Chance für den besseren Diskurs?

Beitragvon Teeernte » So 1. Dez 2019, 09:20

H2O hat geschrieben:(01 Dec 2019, 09:16)

Gehe ich fehl in der Annahme... ;) daß damit eine automatisierte Redaktion von Nachrichten aufgebaut wird? Natürlich eine, die auf der Knochenarbeit seriöser Journalisten aufbaut. Etwa nach dem Grundsatz: Was viele seriöse Journalisten in "Qulitätsmedien" übereinstimmend als Nachricht bewertet haben, das kann kein Spam mehr sein?



Google NEWS ?
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Re: buzzard - eine Chance für den besseren Diskurs?

Beitragvon H2O » So 1. Dez 2019, 09:33

Teeernte hat geschrieben:(01 Dec 2019, 09:20)

Google NEWS ?


Habe ich noch nie erprobt. Danke für den Hinweis!

Aber es ist auch schon so, daß unsereiner schon zugeschüttet wird mit ganz seriösen Nachrichten. Wer soll denn dann noch Bücher lesen? Allein DIE ZEIT liefert Woche für Woche 30, 40 bis 50 MB pdf-Texte und Bilder. Ich schaffe das nicht alles zu lesen. Aber eine sehr seriöse Quelle ist das Wochenblatt schon.
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Re: buzzard - eine Chance für den besseren Diskurs?

Beitragvon Skeptiker » So 1. Dez 2019, 11:35

pLenarum hat geschrieben:(01 Dec 2019, 08:29)
Mit dem Vertrauen in nur einer App laufe ich doch erst recht Gefahr in einer redaktionellen Blase zu landen.

Ich glaube nicht, dass es das Konzept dieser App ist, selber zu einer vertrauenswürdigen Informationsquelle zu werden. Es geht wohl eher darum die Flut von Informationen zu einem bestimmten Thema, redaktionell zu verdichten
Wenn es das ist, was ich mir aktuell darunter vorstelle denke ich, niemand benötige diese Aufbereitung von Müll. Es geht eben darum unfaktischen Meinungsmüll im Diskurs gar nicht zu lassen. Fakten zählen.

Bingo. Du demonstrierst gerade wozu genau diese App benötigt wird. Wenn die andere Seite pauschal nur unfaktischen Meinungsmüll produziert, dann definierst do offenbar Fakt oder Fake an der politischen Position und eben NICHT am Faktenkern. Das ist die Definition einer Filterblase.
Die Argumente der "anderen Seite" sind dank dem Internet und den sozialen Medien sichtbarer denn je. Es benötigt kein entgeltliches Aufzeigen der anderen Meinung. Die eigentlichen Inhalte müssen faktisch/Wissenschaftlich sondiert und verdaulich aufbereitet werden. Sowas leistet sicherlich kein 5 Mann Team. Schon gar nicht tagesaktuell.

Und das was eine Redaktion von Experten nicht leisten kann, das kann jeder einzelne viel leichter selber tun, oder? Nö, natürlich nicht!

Man kann sehr leichte Möglichkeiten schaffen um Quellen zu bewerten. Man kann den Faktenkern und dessen Seriösität durchaus herausarbeiten, unabhängig von der politischen Position. Sehr oft sind doch die Vertreter der politischen Lager garnicht gewillt das selber zu leisten, geschweige denn, dass es sehr ineffizient ist, dass Millionen Leute das machen, anstatt auf seriöse Klassifikationen zurückzugreifen, die Experten für sie aufbereiten.

Extrem wichtig wird es für eine solche Redaktion natürlich sein, die journalistischen Standards einzuhalten. Das Konzept lebt von der Seriösität der Redaktion. "Haltung" hat da keinen Platz.
Das Gesamtkonzept und die Zielgruppe sind mir schleierhaft.

Es geht um den politisch Interessierten, der sich schnell einen Überblick über die seriöse Faktenlage verschaffen möchte. Diese Leute müssen das aktuell sehr aufwendig über die Prüfung von Quellen und den Abgleich unterschiedlicher Nachrichtenquellen.
Es würde auch möglich werden zu verdeutlichen, welche Meldungen letztendlich auf eine einzige Quelle zurückgehen, sodass für den Leser klarer wird, dass eine Meldung nicht alleine dadurch richtig ist, nur weil 10 Zeitungen sie bringen.

Grundvoraussetzung ist allerdings natürlich, dass der Leser die Offenheit besitzt sich eine Meinung aufgrund von Fakten zu bilden und nicht nur die Fakten zu akzeptieren, die seine Meinung unterstützen. Intelligente Menschen werden das aber schnell erkennen, weil dieses Tool ihnen einen Geschwindigkeits- und Positionsvorteil in jedem Diskurs sichert. Es ist schlicht die bessere Strategie offen für Fakten zu sein, anstatt unbequeme Fakten auszublenden. Daher bin ich recht gespannt wie die Umsetzung ist.
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Re: buzzard - eine Chance für den besseren Diskurs?

Beitragvon Skeptiker » So 1. Dez 2019, 11:37

H2O hat geschrieben:(01 Dec 2019, 09:16)

Gehe ich fehl in der Annahme... ;) daß damit eine automatisierte Redaktion von Nachrichten aufgebaut wird? Natürlich eine, die auf der Knochenarbeit seriöser Journalisten aufbaut. Etwa nach dem Grundsatz: Was viele seriöse Journalisten in "Qulitätsmedien" übereinstimmend als Nachricht bewertet haben, das kann kein Spam mehr sein?

Ich denke nicht, dass es eine automatisierte Lösung sein soll. Es wird ja mit dem Team von Journalisten geworben.

Ich denke eher, dass es versucht die Fakten die von beiden Seiten zu einem Thema gehören, schneller zugreifbar zu machen und so dem Leser die Möglichkeit zu geben Fakt von Fake besser, weil schneller, zu unterscheiden.
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Re: buzzard - eine Chance für den besseren Diskurs?

Beitragvon Skeptiker » So 1. Dez 2019, 12:42

Hier mal etwas aus der TAZ zu dem Thema:
...

Ein Diskurswandel
Das Leipziger Team von Buzzard wertet daher in einem ersten Schritt relevante deutsche und englischsprachige Medien und andere Meinungsabsender – insgesamt rund 2.000 Quellen – aus. Dabei geht es ihnen nicht um News, „wir helfen bei der Meinungsbildung, nicht bei der Nachrichtenbeschaffung“.

Der Anspruch der bislang acht Macher*innen ist nichts weniger als ein „Diskurswandel“, was einerseits ein ziemlich anstrengendes Wort ist, aber dann auch wieder passend: Denn wir müssten uns anstrengen, dass der Meinungsstreit hierzulande wieder in konstruktive Bahnen komme und nicht zwischen populistischem Gekreisch und fatalistischem „Alles egal“ weiter aufgerieben werde.

...

Verlage sollen keine Angst haben
Vor Buzzard arbeiteten sie bei einem der Google-Digital-News-Projekte mit, bei dem Algorithmen die Beiträge zu Themen und Debatten in „pro“ und „contra“ sortieren sollten. Das ernüchternde Ergebnis: Die Genauigkeit lag bei gerade einmal 60 bis 70 Prozent. Durchgefallen.

Deswegen setzen die beiden, die eigentlich im klassischen Journalismus arbeiten wollten, jetzt auf ihr von Menschen gemachtes – und hoffentlich von genügend Menschen finanziertes – Angebot. „Es ist so auch wesentlich demokratischer und transparenter“, sagt Felix. Und nicht mal die Zeitungsverlage müssen Angst haben: Buzzard verlinkt nur – „wer die Süddeutsche liest, soll das auch weiter tun“, meint Dario. Nur einmal am Tag eben auch bei Buzzard mit den Positionen von Andersdenkenden in Berührung kommen.

https://taz.de/Crowdfinanzierter-Journalismus/!5635616/

Man sieht also, dass die es vorher auch schon mit Google News probiert haben.
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Re: buzzard - eine Chance für den besseren Diskurs?

Beitragvon Tom Bombadil » So 1. Dez 2019, 13:02

Woher bekommen die denn das Geld, um bei allen Medien die Inhalte zu kaufen?
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Re: buzzard - eine Chance für den besseren Diskurs?

Beitragvon Skeptiker » So 1. Dez 2019, 13:14

Tom Bombadil hat geschrieben:(01 Dec 2019, 13:02)

Woher bekommen die denn das Geld, um bei allen Medien die Inhalte zu kaufen?

Die verlinken.

Wie das im Detail aussieht, das wird man sehen. Es gibt ja schon Presseportale, hier kommt hat redaktionelle Bewertung von Quellen hinzu. Dazu wird sicher auch zitiert im Rahmen legalem Zitatrechts.
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Re: buzzard - eine Chance für den besseren Diskurs?

Beitragvon Tom Bombadil » So 1. Dez 2019, 13:16

Skeptiker hat geschrieben:(01 Dec 2019, 13:14)

Die verlinken.

Wie das im Detail aussieht, das wird man sehen. Es gibt ja schon Presseportale, hier kommt hat redaktionelle Bewertung von Quellen hinzu. Dazu wird sicher auch zitiert im Rahmen legalem Zitatrechts.

Warten wir es mal ab, die Medienkonzerne wollen ja auch von Google Geld für ein kurzes Zitat inklusive Link. Und wie will man eine Quelle aus- und bewerten, wenn man die Inhalte nicht hat?
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Re: buzzard - eine Chance für den besseren Diskurs?

Beitragvon Skeptiker » So 1. Dez 2019, 13:41

Tom Bombadil hat geschrieben:(01 Dec 2019, 13:16)

Warten wir es mal ab, die Medienkonzerne wollen ja auch von Google Geld für ein kurzes Zitat inklusive Link. Und wie will man eine Quelle aus- und bewerten, wenn man die Inhalte nicht hat?

Google bringt aber mW keine eigene journalistische Leistung, sondern zitiert lediglich. Damit unterliegt es nicht dem erlaubten Zitat, was Kostenpflichtigkeit nach sich zieht.

Schreibt man einen eigenen Artikel, welcher die Faktenlage und die Berichterstattung zusammenfasst, dann ist das ggf. anders zu bewerten. Es kommt aber natürlich auf die Umsetzung im Detail an.
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Re: buzzard - eine Chance für den besseren Diskurs?

Beitragvon Tom Bombadil » So 1. Dez 2019, 14:36

Skeptiker hat geschrieben:(01 Dec 2019, 13:41)

Es kommt aber natürlich auf die Umsetzung im Detail an.

Das ist schon richtig. Es wird auch auf die Reichweite ankommen, wenn die App ein großer Erfolg wird, dann werden die Medienkonzerne auf der Matte stehen.
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Re: buzzard - eine Chance für den besseren Diskurs?

Beitragvon Skeptiker » So 1. Dez 2019, 15:25

Hier noch ein weiterer Artikel aus der Wirtschaftszeitung:
Vogelperspektive auf Politik und Gesellschaft
Wie der namensgebende Bussard, möchte das Team von „Buzzard“ den Überblick über die digitale Medienvielfalt bieten, die „Vogelperspektive auf Politik“. Die insgesamt acht Journalistinnen und Journalisten kuratieren Beiträge aus dem Netz vom ganzen Meinungsspektrum und bereiten sie für Leserinnen und Lesern auf. Zu jeder Medienperspektive erhalten Leser eine kurze Zusammenfassung, eine journalistische Einordnung und Hintergrundinformationen zu Autor und Medium.

„Damit wollen wir es Smartphone-Nutzern leicht machen, den Überblick zu behalten in der täglichen Nachrichtenflut und öfter in Berührung zu kommen, mit Positionen, die den Horizont erweitern“, meint Nassal. Denn, so die Idee der beiden Gründer, wenn Menschen sich wieder sachlicher und ausführlicher mit den Positionen und Motiven von Andersdenkenden beschäftigen, könnte das auch verändern, wie Debatten im Netz ablaufen.

Der Radikalisierung etwas entgegen setzen
„Wenn wir verstehen, wo unser Gegenüber herkommt, warum die Andere denkt, wie sie denkt, dann wird auch ein vernünftiges Gespräch wieder möglich, dann kommen wir weg von den ewig gleichen, polarisierten Debatten. Dann können wir der Radikalisierung unserer Gesellschaft etwas entgegensetzen“, sagt Friedrich.

Alle Auswahlkriterien und Arbeitsprozesse möchten Friedrich und Nassal in der neuen App für Leser transparent einsehbar machen. Zusätzlich werde ein Beirat aus renommierten Journalistinnen und Journalisten die Auswahlkriterien und Arbeitsweise der Redaktion regelmäßig überprüfen. Aktuell seien bereits die stellvertretende Chefredakteurin von Zeit Online Maria Exner, der Moderator und Blogger Richard Gutjahr, sowie die Gründer von Krautreporter und dem Schweizer Magazin „Die Republik“ für den Beirat an Bord, sagt Nassal. „Buzzard“-Leserinnen und -Leser sollen in der neuen App über Themensetzung und Perspektivenwahl, Auswahlkriterien und Recherchen mitbestimmen und sich einbringen können.

https://www.lvz.de/Nachrichten/Wirtscha ... ichtenwelt
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Re: buzzard - eine Chance für den besseren Diskurs?

Beitragvon Skeptiker » So 1. Dez 2019, 16:25

Der NDR hat es für ZAPP auch schon einmal behandelt. Der Filmbeitrag ist empfehlenswert.
https://www.ndr.de/fernsehen/sendungen/ ... rd100.html

Ich finde sehr interessant, dass Dario Nassal von Kritik aus beiden extremen Lagern berichtet.

Eine Stimme, die hier das Projekt aufgrund der Unterstützung von Fleischhauer kritisiert hat (leider in der Ablage), spricht dazu eine deutliche Sprache. Es scheint als hätten manche ein großes Problem damit, wenn man versucht den Diskurs zu fördern.

Im Filmbeitrag kommt dann noch sehr schon heraus, dass es eigentlich der Umgang mit den Grenzen ist, der für den Erfolg des Projektes sicherlich entscheidend sein wird. Nassal beschreibt, dass sie keine Plattform für radikale Propaganda sein wollen, Friedrich fügt hinzu, dass man dennoch mehr abbilden möchte als oft üblich. Eine Teilnehmerin einer Infoveranstaltung bringt es auf den Punkt, indem sie betont, dass es unstimmig ist auf der einen Seite den offenen Diskurs fördern zu wollen, aber die Extreme außen vor lassen wolle - weil dort halt die Wut steckt. Korrekt - da kommt es eben genau darauf an herauszuarbeiten was Propaganda ist, und was politische Argumentation ist die einen sachlichen Kern hat. Genau das was Algorithmen nicht können - daher der richtige Ansatz das über eine Redaktion zu leisten.
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Re: buzzard - eine Chance für den besseren Diskurs?

Beitragvon naddy » So 1. Dez 2019, 19:48

Skeptiker hat geschrieben:(01 Dec 2019, 16:25)

Eine Teilnehmerin einer Infoveranstaltung bringt es auf den Punkt, indem sie betont, dass es unstimmig ist auf der einen Seite den offenen Diskurs fördern zu wollen, aber die Extreme außen vor lassen wolle - weil dort halt die Wut steckt.


Aus welchen Motiven jemand etwas postet, sei es "Wut", "Liebe", "Hass", "Weltschmerz", "Langeweile" oder was auch immer, ist erstens immer Spekulation und zweitens auch unerheblich. Es kommt noch nicht einmal auf den Inhalt an, sondern ausschließlich auf die Form: Unbegründete Meinungen sind nicht diskursfähig. Punkt.

Wenn jemand schreibt: "Hitler ist der größte Politiker aller Zeiten!" und für diese seine Meinung Gründe anführt, kann ich mit ihm darüber diskutieren. Führt er die nicht an, kann ich ihn wahlweise ignorieren oder ihn "Idiot!" nennen, beides führt nicht weiter.
"Das gefährliche an der Dummheit ist, daß sie die dumm macht, die ihr begegnen." (Sokrates).
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Re: buzzard - eine Chance für den besseren Diskurs?

Beitragvon H2O » So 1. Dez 2019, 21:45

Skeptiker hat geschrieben:(01 Dec 2019, 11:37)

Ich denke nicht, dass es eine automatisierte Lösung sein soll. Es wird ja mit dem Team von Journalisten geworben.

Ich denke eher, dass es versucht die Fakten die von beiden Seiten zu einem Thema gehören, schneller zugreifbar zu machen und so dem Leser die Möglichkeit zu geben Fakt von Fake besser, weil schneller, zu unterscheiden.


Ja, das ist sicher die Absicht; dennoch baut das Verfahren auf der sachdienlichen Vorarbeit von berufsmäßigen Journalisten auf... meine Vermutung. Ich halte das nicht für abwegig. Aber man schafft ein Mittel, das diesen ehrenwerten Berufsstand nutzt, ohne dafür etwas zu bezahlen.

Kleines Beispiel: Statistische Erhebungen, womöglich sogar amtliche, werden unter erheblichen Kosten durchgeführt, meist mit wissenschaftlicher Begleitung. An die kommt man auch nicht so leicht heran... wie ich feststellen konnte. Sollte man grundsätzlich mit bedenken... meine ich.

Das Spiel ist ähnlich angelegt wie die heute weltumspannenden Netzwerke, die auch erst einmal mit Blick auf Urheberrechte zur Ordnung gerufen werden mußten... und immer noch werden.

Selbst Wikipedia versucht durch Mitteleinwerbung seine Existenz zu sichern, weil die ehrenamtliche Tätigkeit vieler Mitwirkender eben nicht ausreicht, dieses allgemein sehr nützliche Netzwerk zu erhalten. Im Grunde müßte sich buzzard so ähnlich entwickeln... meine Vorausschau.

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