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Re: Kernenergie - eine Lösung gegen den Klimawandel?

Verfasst: Fr 16. Okt 2020, 11:53
von Kamikaze
Ebiker hat geschrieben:(16 Oct 2020, 11:09)

https://www.ingenieur.de/technik/fachbereiche/energie/schneller-brueter-in-russland-laeuft-jetzt-voller-leistung/

Und der Abfall strahlt nur noch ein paar 100 Jahre. Apropos schneller Brüter, da war doch was ...


Joa... Wo haben wir denn ausreichend reines Plutonium, um so ein Teil betreiben zu können?
Der Abfall wird übrigens (wie auch der restliche Atommüll) noch extrem lange weiter strahlen. Einzig: Die Strahlendosisleistung nimmt schneller ab, weil die HALBWERTSZEIT geringer ist.
Müll wird in dem russischen Reaktor übrigens nicht verbrannt, sondern hochreines Plutonium aus Nuklearwaffen, und auch das nur Anteilig.
Also leider auch keine Lösung für das Müllproblem. Allerdings würde dabei wieder eine Menge atomaren Abfalls anfallen, schon allein durch das kontaminierte Baumaterial und die ausgebrannten Brennelemente. Im Gegenteil würde so ein Reaktor also das Müllproblem der Atomkraft nicht lösen, sondern weiter dazu beitragen.
In Russland mag das (noch) nicht stören, weil man da einfach auf die Lagerung des atomaren Abfalls scheißt und sowohl U-Boote als auch alte Kraftwerke einfach verfallen lässt. Dass daran tausende Leute jedes Jahr krepieren ist dem lieben Herrn Putin egal. Glücklicherweise haben wir keine Gulags - da müsste man sich eben auch mit den Langzeitfolgen beschäftigen.

Re: Kernenergie - eine Lösung gegen den Klimawandel?

Verfasst: Di 20. Okt 2020, 07:39
von Perkeo
Kamikaze hat geschrieben:(15 Oct 2020, 11:10) Warum ist dann das Thema Endlager ein so großes?
Kann es sein, dass Sie da einige wichtige Fakten übersehen haben? (z.B: dass es nicht nur um den ausgebrannten Brennstoff geht, sondern vielfältige Materialien bis hin zu Rohren und Reaktorgehäusen; dass diese Abfälle durch die Bank als hochgefährlich eingestuft werden oder sogar wenn es 'zig Meter tief vergraben wird niemand das Zeug in seiner Nähe haben will; oder die enormen Handhabungskosten?)


Die schwach radioaktiven Abfälle sind etwa die 10 fache Menge - wenngleich weniger als ein Tausendstel der Radioaktivität. Na und? Dann wären es eben nicht weniger als vier Meter auf einem Fußballfeld, sondern vielleicht 40 Meter - immer noch nicht mehr als eine Turnhalle.
So norddeutsch kann man doch gar nicht sein, dass man allen Ernstes sagt:“Diese riesige Turnhalle passt ja gar nicht in diesen mickrigen Berg“ - zumal es bei richtigen Bergen meist ähnlich zugeht wie bei Eisbergen: Das Sichtbare ist nur die Spitze.
Und auf die Gefahr hin mich zu wiederholen: Selbst wenn es ein wissenschaftlich-technisch ungelöstes Problem gäbe, der Ausstieg würde es auch nicht lösen.

Kamikaze hat geschrieben:(15 Oct 2020, 11:10)
Dass Kohle ebenso dringend abgeschaltet werden muss halte ich für unstrittig. Auch dafür gibt es ja glücklicherweise inzwischen einen "Fahrplan".

Toller Fahrplan, noch 18 Jahre hinauszögern was wir jetzt schon hätten haben können und immervnoch kein Ende von Öl und Gas absehbar.
Kamikaze hat geschrieben:(15 Oct 2020, 11:10)
Gas ist da nebenbei nicht nennenswert besser

Das ist nun auch Quatsch. Gas hat pro Kilowattstunde nur einen Bruchteil der Emissionen. Hätten die tollen Energiewendler wenigstens Gas statt Dutzende Kohlekraftwerke gebaut, wären wir schon viel weiter. Aber die deutsche Energiepolitik hat sich offenbar in den Kopf gesetzt, alle Nachteile aller Optionen zu vereinen.
Kamikaze hat geschrieben:(15 Oct 2020, 11:10)
- allerdings sind diese Kraftwerke zumindest schneller regelbar, was besser zu den EE passt. Schnell regelbare AKW, wären dafür natürlich mindestens ebenso geeignet, wenn da nicht das Abfall-Problem wäre.

Kernkraftwerke können problemlos im Lastfolgebetrieb laufen. Anderslautende Behauptungen werden durch die Wiederholung nicht wahrer.
Außerdem soll doch das Ziel 100% erneuerbar sein, oder? Dann müssen die EE doch so oder so das Speicherproblem lösen, anstatt bis in alle Ewigkeit auf konventionelle Reserven zu setzen.

Re: Kernenergie - eine Lösung gegen den Klimawandel?

Verfasst: Di 20. Okt 2020, 14:01
von Kamikaze
Perkeo hat geschrieben:(20 Oct 2020, 07:39)
Hätten die tollen Energiewendler wenigstens Gas statt Dutzende Kohlekraftwerke gebaut

Welche "Energiewendler" haben denn Kohlekraftwerke gebaut?
Die mir bekannten "Energiewendler" sind allesamt eher Solar-Anhänger, als Kohlebefürworter... :?

Kernkraftwerke können problemlos im Lastfolgebetrieb laufen. Anderslautende Behauptungen werden durch die Wiederholung nicht wahrer.

Auch Ihre Behauptung wird nicht wahrer durch Wiederholung:
Für den Zyklus Nennlast-Nulllast-heiß-Nennlast (100-0-100) wird 400-mal als maximal zulässig angegeben. Bei einer Lebensdauer des Kraftwerks von 40 Jahren entspräche dies 10 dieser Vorgänge pro Jahr.

https://www.tab-beim-bundestag.de/de/pd ... -hp021.pdf
Spitze!
Zwar ist es richtig, dass Kernkraftwerke grundsätzlich regelbar sind, allerdings wird das zum Einen kaum gemacht und zum Anderen geht das offenbar auch nur begrenzt oft.
Dahingehend scheint sich auch in den letzten 30 Jahren kaum was geändert zu haben. KKW wurden halt immer als "Grundlastkraftwerke" betrieben. Also platt ausgedrückt hochfahren, maximal lange mit Vollast laufen lassen.

Außerdem soll doch das Ziel 100% erneuerbar sein, oder? Dann müssen die EE doch so oder so das Speicherproblem lösen, anstatt bis in alle Ewigkeit auf konventionelle Reserven zu setzen.

Da sind wir uns einig. Ich sehe hier eine Dezentralisierung des Netzes, möglichst Verbrauchsnahe Energieerzeugung und -Speicherung als das Mittel der Wahl. Das Netz kann dann Schieflagen ausgleichen, aber nicht mehr jedes Watt muss vor sonst wo her zum Verbraucher gebracht werden. Dadurch könnte man mit dünneren Leitungsquerschnitten (Bestandsleitungen) arbeiten, da Lastspitzen durch nahegelegene (eigene) Speicher abgefangen würden.
Leider sind Batteriespeicher aktuell noch sehr teuer und die Bundesregierung will lieber den ohnehin noch knappen Strom aus EE lieber mit immensen Verlusten in Wasserstoff wandeln, als für nennenswerte Speicherkapazitäten in der Fläche zu sorgen.
Wir werden noch sehen, wo das hin führt.
Ich bin der Meinung: je autarker die Verbraucher sind, um so leichter wäre die Energiewende zu stemmen. Allerdings sehen da natürlich etliche "große Player" ihre Felle davon schwimmen, deshalb wird da viel unternommen, das so gut als möglich aus zu bremsen und die zentralistische Struktur des Stromnetzes aufrecht und die Verbraucher brav und abhängig an der Nadel bzw. Leitung zu behalten.

Re: Kernenergie - eine Lösung gegen den Klimawandel?

Verfasst: Do 22. Okt 2020, 11:42
von Kamikaze
Im schwäbischen Atomraftwerk Gundremmingen ist vermutlich erneut ein Brennelement defekt. Wie der Energiekonzern RWE am Mittwoch berichtete, habe es bei der Betriebsüberwachung des Reaktorkerns Hinweise auf solch einen Defekt gegeben. Deswegen werde das Atomkraftwerk am 30. Oktober außerplanmäßig heruntergefahren.

https://www.heise.de/news/Atomkraftwerk ... 34501.html