Trump erklärt der Welt den (Handels)krieg

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Cat with a whip
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Re: Trump erklärt der Welt den (Handels)krieg

Beitragvon Cat with a whip » Di 24. Jul 2018, 22:22

Diee chinesische Regierung unterstützt unfairerweise die Landwirte. Die USA jetzt auch. Aber nur weils fair ist.

https://www.zeit.de/wirtschaft/2018-07/ ... wirtschaft
"Die Erde ist ein Irrenhaus. Dabei könnte das bis heute erreichte Wissen der Menschheit aus ihr ein Paradies machen." Joseph Weizenbaum
sünnerklaas
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Re: Trump erklärt der Welt den (Handels)krieg

Beitragvon sünnerklaas » Mi 25. Jul 2018, 08:32

Cat with a whip hat geschrieben:(24 Jul 2018, 22:22)

Diee chinesische Regierung unterstützt unfairerweise die Landwirte. Die USA jetzt auch. Aber nur weils fair ist.

https://www.zeit.de/wirtschaft/2018-07/ ... wirtschaft
n gibt es nicht

Ich habe in meiner US-Verwandtschaft Farmer. Dort geht die große Sorge um, dass Trumps Politik dazu führt, dass viele Farmer aufgeben müssen, die Preise für Ackerland ins Bodenlose stürzen und sich dann die Chinesen und andere Investoren durch die Hintertür in den USA - notfalls per Strohleute - einkaufen. Hinzu kommt, dass weite Teile der USA ohne Subventionen und ohne Aufkauf landwirtschaftlicher Produkte durch die US-Regierung in bittere Armut abrutschen. Berufliche und wirtschaftliche Alternativen gibt es auf dem Lande in den USA nicht.
Das Pikante: die Republikaner haben über viele Jahrzehnte lang gegen jegliche Agrarsubventionen gekämpft und das Dogma vom harten Wettbewerb - auch auf der Farm - gepredigt. Sollte Trump scheitern, hat er ein weiteres Kapitel in seiner Opfererzählung. Er hätte ja alles so gut gemeint und gewollt, der "Deep State" hätte ihn aber nicht gelassen.
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Cat with a whip
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Re: Trump erklärt der Welt den (Handels)krieg

Beitragvon Cat with a whip » Mi 25. Jul 2018, 11:29

Für kleine Farmer gibts begrenzt Subventionen. Jetzt ist von angekündigten Nothilfen die Rede.

Aber klar ist dass diese Dogmen im "Krieg" schnell fallen wenn einen die Realität einholt. Man darf in diesem Zusammenhang legitimerweise süffisant bemerken wer behauptete "Tradewars are easy to win."

Mit Beginn diess Jahres und des auf Öffentlichkeitswirksamkeit angelegten Drängens auf Strafzöllen gegen fast alle Handelspartner hatte Trump für seine Anhänger mehr oder weniger Kriegsrhetorik bemüht und Ziel war es die Nation gegen den bösen Feind da drausen zu einen.

Mit Erfolg: Trump kam genau damit aus seinem Umfragetief.

Das wendet sich nun, weil die ersten Trottel am eigenen Leib ihre Dummheit spüren.
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Welfenprinz
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Re: Trump erklärt der Welt den (Handels)krieg

Beitragvon Welfenprinz » Mi 25. Jul 2018, 12:21

Ob sich da was wendet,muss sich zeigen.
Zusammen mit den Subventionen kann die Kriegsrhetorik durchaus einen “wir halten gegen die bösen anderen zusammen “-Effekt erreichen.
Und ob der Bus fahrende Exfarmer in 2Jahren nicht Trump wieder wählt,steht durchaus noch in den Sternen.

Breitbart wird ihm schon erklären,dass nicht Trump für den Verlust seiner Existenz verantwortlich ist.
Sterben kann nicht so schlimm sein,sonst würden es nicht so viele tun.
Lt. griinpissstudien stirbt eine Ratte, wenn ihr ein 200l-Fass Glyphosat auf den Kopf fällt.
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Cat with a whip
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Re: Trump erklärt der Welt den (Handels)krieg

Beitragvon Cat with a whip » Mi 25. Jul 2018, 15:08

Die rechts-nationalistische Verdummungs-Propaganda läuft ja, sie muß nun alles tun die trutzige Stimmung im Lager aufrechtzuerhalten. Nur bei den Farmern wird sich Trump keine weiteren Freunde machen. Sie waren es ja, die im Kongress vor den Folgen warnten. Ihre Schäden weiten sich nun auf noch mehr Güter aus und sie verlieren über Jahre erarbeitete Verträge. Das ist erst der Anfang.

Die roten Farmerlobbyisten aus Tennessee stehen fassungslos da, weil ihre Parteikollegen derzeit mehr Angst vor den 70% fanatisierten republikanischen Wählern haben.
In den Primaries zur Kongresswahl hat sich bereits gezeigt dass einem Bewerber die Loyalität zu Trump gegen einen Parteikonkurrenten helfen kann.
https://www.nytimes.com/2018/07/24/us/p ... e-war.html
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Re: Trump erklärt der Welt den (Handels)krieg

Beitragvon sünnerklaas » Do 26. Jul 2018, 07:47

Cat with a whip hat geschrieben:(25 Jul 2018, 11:29)

Für kleine Farmer gibts begrenzt Subventionen. Jetzt ist von angekündigten Nothilfen die Rede.

Aber klar ist dass diese Dogmen im "Krieg" schnell fallen wenn einen die Realität einholt. Man darf in diesem Zusammenhang legitimerweise süffisant bemerken wer behauptete "Tradewars are easy to win."

Mit Beginn diess Jahres und des auf Öffentlichkeitswirksamkeit angelegten Drängens auf Strafzöllen gegen fast alle Handelspartner hatte Trump für seine Anhänger mehr oder weniger Kriegsrhetorik bemüht und Ziel war es die Nation gegen den bösen Feind da drausen zu einen.

Mit Erfolg: Trump kam genau damit aus seinem Umfragetief.

Das wendet sich nun, weil die ersten Trottel am eigenen Leib ihre Dummheit spüren.



Zu denen, die wegen der Strafzölle gejubelt haben, gehörte der Waschmaschinenhersteller Whirlpool. Die Konsequenzen werden jetzt sichtbar: die Endpreise der Geräte haben sich wegen der Strafzölle verteuert, der Absatz ist deutlich zurückgegangen, jetzt ist die Aktie eingebrochen. Und Whirlpool wechselt die Seiten. Zu den US-Autos muss man nicht all zu viel sagen - früher waren sie relativ billig und hatten qualitative Mängel, inzwischen sind teurer, die Mängel sind aber immer noch da.Konsequenz: die Verkaufszahlen gehen zurück, die Kurse brechen ein.

Zum Thema Agrarsubventionen und Bailout: das Geld dafür muss sich Trump im Ausland leihen. Die Chinesen halten US-Staatsleihen von ca. 1,2 Billionen Dollar. Die Russen haben es ja erst vor kurzer Zeit gezeigt, dass es notfalls kein Problem gibt, Staatsanleihen im ganz großen Stil einfach mal rauszuhauen um die USA via Zinsschraube ordentlich unter Druck zu setzen.

Handelskriege seien leicht zu gewinnen? Ein Irrtum.
Trump nützt den US-Unternehmen nicht, er schadet ihnen. Das scheinen auch erste republikanische Kongressabgeorndete zu bemerken. Vermutlich wird man die Befugnisse des US-Präsidenten spätestens nach dem Ende der Trump-Ära deutlich beschneiden und in Richtung Kongress verschieben.
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Re: Trump erklärt der Welt den (Handels)krieg

Beitragvon sünnerklaas » Do 26. Jul 2018, 07:55

Cat with a whip hat geschrieben:(25 Jul 2018, 15:08)

Die rechts-nationalistische Verdummungs-Propaganda läuft ja, sie muß nun alles tun die trutzige Stimmung im Lager aufrechtzuerhalten. Nur bei den Farmern wird sich Trump keine weiteren Freunde machen. Sie waren es ja, die im Kongress vor den Folgen warnten. Ihre Schäden weiten sich nun auf noch mehr Güter aus und sie verlieren über Jahre erarbeitete Verträge. Das ist erst der Anfang.

Die roten Farmerlobbyisten aus Tennessee stehen fassungslos da, weil ihre Parteikollegen derzeit mehr Angst vor den 70% fanatisierten republikanischen Wählern haben.
In den Primaries zur Kongresswahl hat sich bereits gezeigt dass einem Bewerber die Loyalität zu Trump gegen einen Parteikonkurrenten helfen kann.
https://www.nytimes.com/2018/07/24/us/p ... e-war.html


Der republikanische Senator von Nebraska, Ben Sasse hat ja bereits davor gewarnt, Trump brächte mit seiner Handelspolitik die USA in eine Wirtschaftskrise, die durchaus das Ausmaß der Großen Depression haben kann.
Für die Trump-Anhänger geht es dagegen um alles oder nichts. Welches Ergebnis Trump'sche Politik hat, ist egal, dann wird halt geheult, Amok gelaufen oder Suizid begangen - oder man hofft, dass dann Andere den Schaden begleichen.
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Re: Trump erklärt der Welt den (Handels)krieg

Beitragvon Cat with a whip » Mi 5. Sep 2018, 20:29

Die aktuellen Zahlen zur Handelsbilanz sind kurz vor den Midterms nicht propagandistisch verwertbar, denn unter Trump hat sich das Defizit ausgeweitet. Daher verweisen die Claqueure derzeit lieber auf niedrige Arbeitslosenzahlen aus den Sommermonaten und den hohen 2. Quartalswert des GDP-Wachstums.

Trumps großes Thema war das sich ausweitende Handelsdefizit, welches er mit einem protektionistischen Handelskrieg verringern wollte. Aktuell gehen Wirtschaftsfachleute davon aus dass es stagniert oder eher noch weiter steigt. Das dritte Quartal wird zudem überhaupt erst die wirtschaftlichen Auswirkungen der Strafzölle zeigen.

A widening trade deficit would drag on growth in the third quarter after a narrower gap -- partly on higher soybean exports ahead of Chinese levies -- helped boost the pace of expansion in the prior period to the fastest since 2014. While other indicators suggest gross domestic product is on track for solid gains in the second half, the latest figures show how President Donald Trump’s tariffs may start to weigh on the economy.

https://www.bloomberg.com/news/articles ... its-record

So far, the president's aggressive policies have had little impact on the trade numbers. The goods deficit with China rose 10 percent in July to a record $36.8 billion. The gap with the EU shot up 50 percent to a record $17.6 billion and with Canada nearly 58 percent to $3.1 billion. The July deficit with Mexico, though, plunged 25 percent to $5.5 billion.

So far this year, the trade deficit is up 7 percent from January-July 2017.

Trump views trade deficits as a sign of economic weakness, caused by bad trade deals and abusive behavior by America's trading partners.

Mainstream economists blame persistent U.S. trade deficits on an economic reality that can't be changed much by trade policy: Americans spend more than they produce, and imports fill the gap. The strong U.S. economy is also encouraging Americans to buy more foreign products.

"The core story here is that strong domestic demand is sucking in imports ... the trade deficit likely will be flat-to-higher over the next couple of months," Ian Shepherdson, chief economist at Pantheon Economics, wrote in a research report.

http://www.telegram.com/news/20180905/u ... 01-billion

US trade gap widens amid Trump's tariff battle

The total deficit in goods and services rose to $46.3 billion in June, up from $43.2 billion in May, the Commerce Department says.
Imports increased by $1.6 billion, to $260.2 billion, while exports declined by $1.5 billion, to $213.8 billion.
As the White House engages in a tit-for-tat tariff fight with China, the trade deficit rose to $32.5 billion with that country and now stands shy of $200 billion year to date.

https://www.cnbc.com/2018/08/03/us-trad ... attle.html

WASHINGTON – The U.S. trade deficit widened for the second straight month in July, reaching the highest level since February, as imports hit an all-time high. The deficit in goods with China set a record.

The Commerce Department says the deficit in goods and services — the difference between what America sells and what it buys from other countries — rose to $50.1 billion in July from $45.7 billion in June. Exports slipped 1 percent to $211.1 billion. Imports increased 0.9 percent to a record $261.2 billion.

The deficit rose despite efforts by President Donald Trump to bring it down by re-negotiating trade agreements and imposing taxes on imports.

The goods deficit with China rose 10 percent to a record $36.8 billion. The gap with Mexico plunged 25 percent to $5.5 billion.

http://www.foxnews.com/us/2018/09/05/us ... -july.html
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Re: Trump erklärt der Welt den (Handels)krieg

Beitragvon Eulenwoelfchen » Sa 16. Feb 2019, 13:02

BUNDESKANZLERIN MERKEL :
Amerika stuft europäische Autos als Sicherheitsgefahr ein
Seit Tagen kursieren Gerüchte, jetzt hat Kanzlerin Merkel sie höchstpersönlich bestätigt: Das amerikanische Handelsministerium sieht in Autos aus der EU eine Gefahr für die nationale Sicherheit. Das bedeutet freie Fahrt für Trump.

https://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/der-handelsstreit/merkel-amerika-stuft-europaeische-autos-als-sicherheitsgefahr-ein-16044399.html

Das hört sich nicht gut an...Wer noch Zweifel - besonders an der antieuropäischen Gangart - der USA unter Trump hatte, dürfte angesichts
dieser vollkommen irren Einstufung ernüchtert sein. Auch darüber, dass die USA nicht nur gegen China, sondern auch ihre europäischen
Verbündeten einen strategischen Wirtschaftskrieg führen.

Und leider mehr und mehr der Eindruck nicht nur entsteht, sondern unübersehbar wird, das die USA nicht mehr Partner Europas sind, sondern Gegner.
Knallharte. Sowohl wirtschaftlich als auch sicherheitspolitisch.

Vizepräsident Mike Pence erklärte heute - was zugleich eine versteckte Warnung besonders an Deutschland ist - zu Nord Stream 2:
"Wenn Europa sich immer mehr in die Abhängigkeit politischer Gegner begebe, könnten die USA in Zukunft nicht mehr für die Sicherheit
Europas garantieren".

Beide realpolitischen Fakten sind - für mich zumindest - erschreckend. Besonders wie eiskalt die USA durch politische und ökonomische Erpressung
wirtschaftliche Vorteile durchdrücken. Und damit nicht nur den freien Handel und Wettbewerb rasieren, sondern auch die mit freien und fairen Handel verwobene sicherheitspolitische Architektur und sicherheitspolitische Partnerschaft mit Europa in die Tonne kloppen.

Mit Heinrich Heine könnte man sagen:
"Denk ich an Amerika in der Nacht, bin ich um den Schlaf gebracht" :dead:
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Re: Trump erklärt der Welt den (Handels)krieg

Beitragvon Eiskalt » Mo 18. Feb 2019, 16:08

Eulenwoelfchen hat geschrieben:(16 Feb 2019, 13:02)

BUNDESKANZLERIN MERKEL :
Amerika stuft europäische Autos als Sicherheitsgefahr ein
Seit Tagen kursieren Gerüchte, jetzt hat Kanzlerin Merkel sie höchstpersönlich bestätigt: Das amerikanische Handelsministerium sieht in Autos aus der EU eine Gefahr für die nationale Sicherheit. Das bedeutet freie Fahrt für Trump.

https://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/der-handelsstreit/merkel-amerika-stuft-europaeische-autos-als-sicherheitsgefahr-ein-16044399.html

Das hört sich nicht gut an...Wer noch Zweifel - besonders an der antieuropäischen Gangart - der USA unter Trump hatte, dürfte angesichts
dieser vollkommen irren Einstufung ernüchtert sein. Auch darüber, dass die USA nicht nur gegen China, sondern auch ihre europäischen
Verbündeten einen strategischen Wirtschaftskrieg führen.

Und leider mehr und mehr der Eindruck nicht nur entsteht, sondern unübersehbar wird, das die USA nicht mehr Partner Europas sind, sondern Gegner.
Knallharte. Sowohl wirtschaftlich als auch sicherheitspolitisch.

Vizepräsident Mike Pence erklärte heute - was zugleich eine versteckte Warnung besonders an Deutschland ist - zu Nord Stream 2:
"Wenn Europa sich immer mehr in die Abhängigkeit politischer Gegner begebe, könnten die USA in Zukunft nicht mehr für die Sicherheit
Europas garantieren".

Beide realpolitischen Fakten sind - für mich zumindest - erschreckend. Besonders wie eiskalt die USA durch politische und ökonomische Erpressung
wirtschaftliche Vorteile durchdrücken. Und damit nicht nur den freien Handel und Wettbewerb rasieren, sondern auch die mit freien und fairen Handel verwobene sicherheitspolitische Architektur und sicherheitspolitische Partnerschaft mit Europa in die Tonne kloppen.

Mit Heinrich Heine könnte man sagen:
"Denk ich an Amerika in der Nacht, bin ich um den Schlaf gebracht" :dead:


Darum freuen sich die Großmächte ja auch wenn die Europäer sich wie jetzt im Fall des Brexit gegenseitig aufreiben.
Aber naja Mutti hat ja auch alles verschlafen und die eigene Verteidigung schön in den Sand gesetzt.
Memento mori
-Römisches Sprichwort
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Re: Trump erklärt der Welt den (Handels)krieg

Beitragvon DarkLightbringer » Mo 18. Feb 2019, 16:13

Eulenwoelfchen hat geschrieben:(16 Feb 2019, 13:02)

BUNDESKANZLERIN MERKEL :
Amerika stuft europäische Autos als Sicherheitsgefahr ein
Seit Tagen kursieren Gerüchte, jetzt hat Kanzlerin Merkel sie höchstpersönlich bestätigt: Das amerikanische Handelsministerium sieht in Autos aus der EU eine Gefahr für die nationale Sicherheit. Das bedeutet freie Fahrt für Trump.

https://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/der-handelsstreit/merkel-amerika-stuft-europaeische-autos-als-sicherheitsgefahr-ein-16044399.html

Das hört sich nicht gut an...Wer noch Zweifel - besonders an der antieuropäischen Gangart - der USA unter Trump hatte, dürfte angesichts
dieser vollkommen irren Einstufung ernüchtert sein. Auch darüber, dass die USA nicht nur gegen China, sondern auch ihre europäischen
Verbündeten einen strategischen Wirtschaftskrieg führen.

Und leider mehr und mehr der Eindruck nicht nur entsteht, sondern unübersehbar wird, das die USA nicht mehr Partner Europas sind, sondern Gegner.
Knallharte. Sowohl wirtschaftlich als auch sicherheitspolitisch.

Vizepräsident Mike Pence erklärte heute - was zugleich eine versteckte Warnung besonders an Deutschland ist - zu Nord Stream 2:
"Wenn Europa sich immer mehr in die Abhängigkeit politischer Gegner begebe, könnten die USA in Zukunft nicht mehr für die Sicherheit
Europas garantieren".

Beide realpolitischen Fakten sind - für mich zumindest - erschreckend. Besonders wie eiskalt die USA durch politische und ökonomische Erpressung
wirtschaftliche Vorteile durchdrücken. Und damit nicht nur den freien Handel und Wettbewerb rasieren, sondern auch die mit freien und fairen Handel verwobene sicherheitspolitische Architektur und sicherheitspolitische Partnerschaft mit Europa in die Tonne kloppen.

Mit Heinrich Heine könnte man sagen:
"Denk ich an Amerika in der Nacht, bin ich um den Schlaf gebracht" :dead:

Man kann es auch als Reaktion sehen - auf die Sicherheitsgefährdung Europas durch Nordstream 2 und auf die Untergrabung der Sanktionen im Iran.
>>We’ll always have Paris<<
[Humphrey Bogart als Rick Blaine in >Casablanca<, 1942]
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Re: Trump erklärt der Welt den (Handels)krieg

Beitragvon Eulenwoelfchen » Mo 18. Feb 2019, 18:44

DarkLightbringer hat geschrieben:(18 Feb 2019, 16:13)

Man kann es auch als Reaktion sehen - auf die Sicherheitsgefährdung Europas durch Nordstream 2 und auf die Untergrabung der Sanktionen im Iran.


Kann man. Allerdings ist der Kern der Politik der Trump-Regierung, in Wirklichkeit die Wirtschaft und Einigkeit Europas zu schwächen, deutlich erkennbar.
Fatalerweise zwingt Trump mit seiner Wirtschaftspolitik Europa leider auch in eine recht auswegslose und (leider auch) kontraproduktive, gefährliche
Gegenposition hinsichtlich des Iran und dessen militaristisch ausgerichteter Hegemonialpolitik im nahen und mittleren Osten.

Wirtschaftspolitisch ist die protektionistische Politik der USA ganz klar auf Schwächung und Zerschlagung der Wirtschaftskraft der EU ausgerichtet.
Und seitens der US-Regierung nutzt man dazu leider nicht nur fast schon erpresserische Gefolgschaft in Sachen Iran, sondern
zielt auch klar gegen die Schlüsselindustrie der EU, besonders Deutschlands. Siehe die drohenden Zölle auf EU-Autos.
Klar erkennbar ist, dass Trump in seinem nationalistisch-protektionistischen Wirtschaftskrieg für die Schwächung der EU
auch Sicherheitspolitik benutzt, nicht nur Strafzölle usw.

Der Fakt, Autos aus der EU - besonders aus Deutschland - als nationales Sicherheitsrisiko einzustufen, ist im Kern ja so lächerlich und durchschaubar
"plemmplemm", was die sicherheitspolitischen Aspekte angeht. (Die Begründung dafür seitens der USA wäre en Detail durchaus interessant, ich konnte
dazu aber bisher keine inhaltlichen Begründungen nachlesen. Offenbar behauptet man das einfach mal in guter "fake news"-Tradition Trump'scher
Fantasien und Erfindungen.
Natürlich geht es um die Schwächung der Autoindustrie und der gleichzeitigen Stärkung der US-Autobranche, die im Grunde schon länger
keinen Fuß mehr auf den Boden bringt.

Was Nordstream 2 angeht, wird auch hier Sicherheitspolitik als wirtschaftspolitischer Erpessungshebel vorgeschoben, um die EU zur Abnahme des US-Flüssiggases
zu nötigen oder zu zwingen. Und zwar erschreckenderweise als Wink mit dem Zaunpfahl. Es ist nicht ohne, darauf zu verweisen, dass man
Europa, besonders Deutschland und andere Staaten dann nicht mehr gegen die Atommacht Rußland schützen wird. Es sei denn, man buckelt vor
der aggressiven und einseitig die USA bevorteilenden wirtschaftspolitischen Knebelung der Trump-Regierung.

Ich bin auch der Auffassung, dass im Falle einer zweiten Präsidentschaft Trumps die Nato seitens der USA sowohl als Sicherheits- als auch als
Wertegemeinschaft Geschichte sein wird. Und diese zweite Präsidentschaft Trumps ist durchaus eine reale Gefahr.

Generell kann man zwar sagen, Trump und seine nationalistische Falkenregierung ist nicht Amerika. Derzeit bemüht man sich ja gerade von
demokratischer Parteiseite, dies zu betonen und wie sehr man zur Nato und der Sicherheitspartnerschaft mit Europas stehe.

Aber die geschaffenen Fakten sind andere. Die Anti-Trump-Opposition in den USA ist ein zahnloser Tiger der schönen und hehren Worte.
Auch was Teile der Republikanischen Politiker angeht, die die Politik Trumps durchaus kritisch sehen.

Nur, wenn es darum geht, diese Politik dann gemeinsam einzubremsen, ist da nichts an Wirkung. Im Gegenteil, wenn es
um den Machterhalt geht, drücken auch die kritischen Reps ihre "Glotzäpfel" samt Hühneraugen zu und finden sich mit den trumpgeschaffenen Fakten ab.

Für mich am Schlimmsten ist diese - in meinen Augen - sinnfreie und gefährlich freundliche Haltung der EU gegenüber Iran.
Die Trump leider mit anderen erpresserischen Forderungen verknüpfte und damit wohl seine wahren Ziele erreicht:
Europa politisch zu spalten, die EU in Sachen Iran in eine ungute Ecke zu stellen, die diesen Schlüsselstaat des Terrorismus
Staat hofiert, statt ihn klar zu bekämpfen, und er dabei statt Einigkeit Spaltung produziert.

Klar ist auch, dass Trump die EU nicht nur politisch spalten und schwächen will, sondern vor allem auch wirtschaftlich.
Dass er damit auch fast zwangsläufig mehr Nähe Europas zu nicht koscheren anderen big players (Rußland, China) produziert,
die alles andere als wirtschafts- und sicherheitspolitische Partner und Werteverbündete sind, ist eine weitere, sehr ungute
Änderung der politischen Ausgangslage.

Der mittlerweile verstorbene Journalist und Buchautor Peter-Scholl-Latour hatte schon sehr viel früher genau von dieser
Möglichkeit einer geänderten US-Politik gewarnt und entsprechend gefordert, Europa müsse sich sicherheitspolitisch
unabhängig und glaubhaft in der Abschreckung machen. Was für ihn auch eine, von den USA entkoppelte, selbstständige nukleare Aufrüstung
zwangsläufig machte. Eine Atommacht Europa, an der sich - selbst die USA - im Falle des Falles die Finger verbrennen müssten.
Nicht nur China, Rußland oder andere Atommächte wie Indien und Pakistan.

Er meinte, wirtschaftliche Potenz ohne entsprechendes sicherheitspolitisches Gewicht werde Europa, besonders die EU,
früher oder später zum Spielball der machtpolitischen Schwergewichte machen. Sowoh sicherheits- als auch wirtschaftspolitisch.
Ohne wirksame Möglichkeiten der Gegenwehr. Man ist einfach der Politik dieser Mächte ausgeliefert.

Genau das zeigt sich aktuell im Falle der USA. Für mich ist die Sicherheitsgarantie, Freundschaft und Wertegemeinschaft
der USA mit Europa längst passé. Die USA unter Trump anno 2019 sind mittlerweile sowohl sicherheitspolitisch als auch wirtschaftlich
ein Gegner Europas. Genauso wie Rußland oder China.

Ob Europa die Kraft und die Einsicht aufbringen kann, sowohl politisch als auch militärisch gemeinsam, stark, entschlossen und vor
allem schnell auf diese veränderte Lage zu reagieren ... und zu handeln, steht in den Sternen. Ich glaube, eher nicht.

Wobei ein gesamteuropäisches Rüstungsprogramm durchaus auch wirtschaftspolitisch und technologisch Einiges an Wachstumspotenzial
hätte. Wie auch immer...Es deutet nichts darauf hin, weder in Berlin, noch in Paris oder anderen EU-Regierungshauptstädten,
einen solchen Plan B schleunigst und ernsthaft zu entwickeln und umzusetzen.

Lieber ergießt man sich in "appeasement" und muss halt notfalls den politischen "Sch...z" einziehen.
Und ja, der drohende "no-deal"-Brexit kommt als Pfund noch oben drauf, in der schwersten Krise Europas (und der Welt) nach WWII.

Natürlich gibt es auch das andere Amerika. Jene USA, denen gerade wir in Deutschland unendlich viel zu verdanken haben und das nie
vergessen sollten. Aber ich habe immer mehr Zweifel daran, ob dieses andere, geliebte Amerika noch starkt genug ist, die Trump'sche Hegemonial-
und Erpressungspolitik einzubremsen oder gar positiv zu verändern.

Ich glaube nicht mehr daran.
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Re: Trump erklärt der Welt den (Handels)krieg

Beitragvon Eiskalt » Mo 18. Feb 2019, 21:48

Eulenwoelfchen hat geschrieben:(18 Feb 2019, 18:44)

Kann man. Allerdings ist der Kern der Politik der Trump-Regierung, in Wirklichkeit die Wirtschaft und Einigkeit Europas zu schwächen, deutlich erkennbar.
Fatalerweise zwingt Trump mit seiner Wirtschaftspolitik Europa leider auch in eine recht auswegslose und (leider auch) kontraproduktive, gefährliche
Gegenposition hinsichtlich des Iran und dessen militaristisch ausgerichteter Hegemonialpolitik im nahen und mittleren Osten.

Wirtschaftspolitisch ist die protektionistische Politik der USA ganz klar auf Schwächung und Zerschlagung der Wirtschaftskraft der EU ausgerichtet.
Und seitens der US-Regierung nutzt man dazu leider nicht nur fast schon erpresserische Gefolgschaft in Sachen Iran, sondern
zielt auch klar gegen die Schlüsselindustrie der EU, besonders Deutschlands. Siehe die drohenden Zölle auf EU-Autos.
Klar erkennbar ist, dass Trump in seinem nationalistisch-protektionistischen Wirtschaftskrieg für die Schwächung der EU
auch Sicherheitspolitik benutzt, nicht nur Strafzölle usw.

Der Fakt, Autos aus der EU - besonders aus Deutschland - als nationales Sicherheitsrisiko einzustufen, ist im Kern ja so lächerlich und durchschaubar
"plemmplemm", was die sicherheitspolitischen Aspekte angeht. (Die Begründung dafür seitens der USA wäre en Detail durchaus interessant, ich konnte
dazu aber bisher keine inhaltlichen Begründungen nachlesen. Offenbar behauptet man das einfach mal in guter "fake news"-Tradition Trump'scher
Fantasien und Erfindungen.
Natürlich geht es um die Schwächung der Autoindustrie und der gleichzeitigen Stärkung der US-Autobranche, die im Grunde schon länger
keinen Fuß mehr auf den Boden bringt.

Was Nordstream 2 angeht, wird auch hier Sicherheitspolitik als wirtschaftspolitischer Erpessungshebel vorgeschoben, um die EU zur Abnahme des US-Flüssiggases
zu nötigen oder zu zwingen. Und zwar erschreckenderweise als Wink mit dem Zaunpfahl. Es ist nicht ohne, darauf zu verweisen, dass man
Europa, besonders Deutschland und andere Staaten dann nicht mehr gegen die Atommacht Rußland schützen wird. Es sei denn, man buckelt vor
der aggressiven und einseitig die USA bevorteilenden wirtschaftspolitischen Knebelung der Trump-Regierung.

Ich bin auch der Auffassung, dass im Falle einer zweiten Präsidentschaft Trumps die Nato seitens der USA sowohl als Sicherheits- als auch als
Wertegemeinschaft Geschichte sein wird. Und diese zweite Präsidentschaft Trumps ist durchaus eine reale Gefahr.

Generell kann man zwar sagen, Trump und seine nationalistische Falkenregierung ist nicht Amerika. Derzeit bemüht man sich ja gerade von
demokratischer Parteiseite, dies zu betonen und wie sehr man zur Nato und der Sicherheitspartnerschaft mit Europas stehe.

Aber die geschaffenen Fakten sind andere. Die Anti-Trump-Opposition in den USA ist ein zahnloser Tiger der schönen und hehren Worte.
Auch was Teile der Republikanischen Politiker angeht, die die Politik Trumps durchaus kritisch sehen.

Nur, wenn es darum geht, diese Politik dann gemeinsam einzubremsen, ist da nichts an Wirkung. Im Gegenteil, wenn es
um den Machterhalt geht, drücken auch die kritischen Reps ihre "Glotzäpfel" samt Hühneraugen zu und finden sich mit den trumpgeschaffenen Fakten ab.

Für mich am Schlimmsten ist diese - in meinen Augen - sinnfreie und gefährlich freundliche Haltung der EU gegenüber Iran.
Die Trump leider mit anderen erpresserischen Forderungen verknüpfte und damit wohl seine wahren Ziele erreicht:
Europa politisch zu spalten, die EU in Sachen Iran in eine ungute Ecke zu stellen, die diesen Schlüsselstaat des Terrorismus
Staat hofiert, statt ihn klar zu bekämpfen, und er dabei statt Einigkeit Spaltung produziert.

Klar ist auch, dass Trump die EU nicht nur politisch spalten und schwächen will, sondern vor allem auch wirtschaftlich.
Dass er damit auch fast zwangsläufig mehr Nähe Europas zu nicht koscheren anderen big players (Rußland, China) produziert,
die alles andere als wirtschafts- und sicherheitspolitische Partner und Werteverbündete sind, ist eine weitere, sehr ungute
Änderung der politischen Ausgangslage.

Der mittlerweile verstorbene Journalist und Buchautor Peter-Scholl-Latour hatte schon sehr viel früher genau von dieser
Möglichkeit einer geänderten US-Politik gewarnt und entsprechend gefordert, Europa müsse sich sicherheitspolitisch
unabhängig und glaubhaft in der Abschreckung machen. Was für ihn auch eine, von den USA entkoppelte, selbstständige nukleare Aufrüstung
zwangsläufig machte. Eine Atommacht Europa, an der sich - selbst die USA - im Falle des Falles die Finger verbrennen müssten.
Nicht nur China, Rußland oder andere Atommächte wie Indien und Pakistan.

Er meinte, wirtschaftliche Potenz ohne entsprechendes sicherheitspolitisches Gewicht werde Europa, besonders die EU,
früher oder später zum Spielball der machtpolitischen Schwergewichte machen. Sowoh sicherheits- als auch wirtschaftspolitisch.
Ohne wirksame Möglichkeiten der Gegenwehr. Man ist einfach der Politik dieser Mächte ausgeliefert.

Genau das zeigt sich aktuell im Falle der USA. Für mich ist die Sicherheitsgarantie, Freundschaft und Wertegemeinschaft
der USA mit Europa längst passé. Die USA unter Trump anno 2019 sind mittlerweile sowohl sicherheitspolitisch als auch wirtschaftlich
ein Gegner Europas. Genauso wie Rußland oder China.

Ob Europa die Kraft und die Einsicht aufbringen kann, sowohl politisch als auch militärisch gemeinsam, stark, entschlossen und vor
allem schnell auf diese veränderte Lage zu reagieren ... und zu handeln, steht in den Sternen. Ich glaube, eher nicht.

Wobei ein gesamteuropäisches Rüstungsprogramm durchaus auch wirtschaftspolitisch und technologisch Einiges an Wachstumspotenzial
hätte. Wie auch immer...Es deutet nichts darauf hin, weder in Berlin, noch in Paris oder anderen EU-Regierungshauptstädten,
einen solchen Plan B schleunigst und ernsthaft zu entwickeln und umzusetzen.

Lieber ergießt man sich in "appeasement" und muss halt notfalls den politischen "Sch...z" einziehen.
Und ja, der drohende "no-deal"-Brexit kommt als Pfund noch oben drauf, in der schwersten Krise Europas (und der Welt) nach WWII.

Natürlich gibt es auch das andere Amerika. Jene USA, denen gerade wir in Deutschland unendlich viel zu verdanken haben und das nie
vergessen sollten. Aber ich habe immer mehr Zweifel daran, ob dieses andere, geliebte Amerika noch starkt genug ist, die Trump'sche Hegemonial-
und Erpressungspolitik einzubremsen oder gar positiv zu verändern.

Ich glaube nicht mehr daran.


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DarkLightbringer
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Re: Trump erklärt der Welt den (Handels)krieg

Beitragvon DarkLightbringer » Di 19. Feb 2019, 09:10

Eulenwoelfchen hat geschrieben:(18 Feb 2019, 18:44)

Kann man. Allerdings ist der Kern der Politik der Trump-Regierung, in Wirklichkeit die Wirtschaft und Einigkeit Europas zu schwächen, deutlich erkennbar.
Fatalerweise zwingt Trump mit seiner Wirtschaftspolitik Europa leider auch in eine recht auswegslose und (leider auch) kontraproduktive, gefährliche
Gegenposition hinsichtlich des Iran und dessen militaristisch ausgerichteter Hegemonialpolitik im nahen und mittleren Osten.

Wir exportieren in die USA, importieren aber aus China. Wer hier wen schwächen will ist eine Frage der Erzählperspektive.

Und es besteht auch gar kein Zwang, die Mullahs zu unterstützen. Israel tut es doch auch nicht.

Wirtschaftspolitisch ist die protektionistische Politik der USA ganz klar auf Schwächung und Zerschlagung der Wirtschaftskraft der EU ausgerichtet.
Und seitens der US-Regierung nutzt man dazu leider nicht nur fast schon erpresserische Gefolgschaft in Sachen Iran, sondern
zielt auch klar gegen die Schlüsselindustrie der EU, besonders Deutschlands. Siehe die drohenden Zölle auf EU-Autos.
Klar erkennbar ist, dass Trump in seinem nationalistisch-protektionistischen Wirtschaftskrieg für die Schwächung der EU
auch Sicherheitspolitik benutzt, nicht nur Strafzölle usw.
Auch die EU erhebt diverse Zölle und in unterschiedlicher Gewichtung.

Der Fakt, Autos aus der EU - besonders aus Deutschland - als nationales Sicherheitsrisiko einzustufen, ist im Kern ja so lächerlich und durchschaubar
"plemmplemm", was die sicherheitspolitischen Aspekte angeht. (Die Begründung dafür seitens der USA wäre en Detail durchaus interessant, ich konnte
dazu aber bisher keine inhaltlichen Begründungen nachlesen. Offenbar behauptet man das einfach mal in guter "fake news"-Tradition Trump'scher
Fantasien und Erfindungen.
Natürlich geht es um die Schwächung der Autoindustrie und der gleichzeitigen Stärkung der US-Autobranche, die im Grunde schon länger
keinen Fuß mehr auf den Boden bringt.
Man sollte sich eben einigen - auf einen sich gegenseitig inspirierenden Handel. Was spricht schon dagegen, wenn Importware aus China durch US-Produkte ergänzt werden. Es müssen ja nicht gleich Autos sein, aber vielleicht sowas wie Ahorn-Sirup.
Dass die Amerikaner Interesse an eigenen Jobs haben, erscheint mir jedenfalls nicht gar so abwegig.

Was wirklich abwegig ist, das ist die Idee, den Absatz in die USA zu versauen. Denn das wird mit Sicherheit Jobs kosten.

Pence hat es ja gesagt, die Untergrabung der Sanktionen und Nordstream 2 erschweren die Verteidigung der westlichen Allianz.

Was Nordstream 2 angeht, wird auch hier Sicherheitspolitik als wirtschaftspolitischer Erpessungshebel vorgeschoben, um die EU zur Abnahme des US-Flüssiggases
zu nötigen oder zu zwingen. Und zwar erschreckenderweise als Wink mit dem Zaunpfahl. Es ist nicht ohne, darauf zu verweisen, dass man
Europa, besonders Deutschland und andere Staaten dann nicht mehr gegen die Atommacht Rußland schützen wird. Es sei denn, man buckelt vor
der aggressiven und einseitig die USA bevorteilenden wirtschaftspolitischen Knebelung der Trump-Regierung.
Die Bundeskanzlerin deutete ja an, der Markt für Gas sei offen. Möglicherweise ist ihr Standpunkt, Amerikaner und Kanadier müssten im Preis noch runtergehen, so genau habe ich ihr verschachteltes Statement dazu nicht verstanden.

Ich bin auch der Auffassung, dass im Falle einer zweiten Präsidentschaft Trumps die Nato seitens der USA sowohl als Sicherheits- als auch als
Wertegemeinschaft Geschichte sein wird. Und diese zweite Präsidentschaft Trumps ist durchaus eine reale Gefahr.

Es gab auch schon früher Meinungsverschiedenheiten.
Das Bündnis hat 70 Jahre Frieden und Stabilität beschert und die atlantischen Beziehungen gibt es seit 500 Jahren.
Im übrigen signalisiert uns der US-Kongress deutlich, wir sollten wegen einer schrägen Frisur nicht in Panik geraten. Sozusagen.

Generell kann man zwar sagen, Trump und seine nationalistische Falkenregierung ist nicht Amerika. Derzeit bemüht man sich ja gerade von
demokratischer Parteiseite, dies zu betonen und wie sehr man zur Nato und der Sicherheitspartnerschaft mit Europas stehe.
Um so wichtiger wäre es, wenn wir ebenfalls Signale entsenden und nicht auf Isolationismus setzen.

Aber die geschaffenen Fakten sind andere. Die Anti-Trump-Opposition in den USA ist ein zahnloser Tiger der schönen und hehren Worte.
Auch was Teile der Republikanischen Politiker angeht, die die Politik Trumps durchaus kritisch sehen.
Nur, wenn es darum geht, diese Politik dann gemeinsam einzubremsen, ist da nichts an Wirkung. Im Gegenteil, wenn es
um den Machterhalt geht, drücken auch die kritischen Reps ihre "Glotzäpfel" samt Hühneraugen zu und finden sich mit den trumpgeschaffenen Fakten ab.
Wahlkampf ist immer schwierig.

Für mich am Schlimmsten ist diese - in meinen Augen - sinnfreie und gefährlich freundliche Haltung der EU gegenüber Iran.
Die Trump leider mit anderen erpresserischen Forderungen verknüpfte und damit wohl seine wahren Ziele erreicht:
Europa politisch zu spalten, die EU in Sachen Iran in eine ungute Ecke zu stellen, die diesen Schlüsselstaat des Terrorismus
Staat hofiert, statt ihn klar zu bekämpfen, und er dabei statt Einigkeit Spaltung produziert.
Die Sanktionen gegen den Iran sind eindeutig.

Klar ist auch, dass Trump die EU nicht nur politisch spalten und schwächen will, sondern vor allem auch wirtschaftlich.
Dass er damit auch fast zwangsläufig mehr Nähe Europas zu nicht koscheren anderen big players (Rußland, China) produziert,
die alles andere als wirtschafts- und sicherheitspolitische Partner und Werteverbündete sind, ist eine weitere, sehr ungute
Änderung der politischen Ausgangslage.
Der mittlerweile verstorbene Journalist und Buchautor Peter-Scholl-Latour hatte schon sehr viel früher genau von dieser
Möglichkeit einer geänderten US-Politik gewarnt und entsprechend gefordert, Europa müsse sich sicherheitspolitisch
unabhängig und glaubhaft in der Abschreckung machen. Was für ihn auch eine, von den USA entkoppelte, selbstständige nukleare Aufrüstung
zwangsläufig machte. Eine Atommacht Europa, an der sich - selbst die USA - im Falle des Falles die Finger verbrennen müssten.
Nicht nur China, Rußland oder andere Atommächte wie Indien und Pakistan.
Man wird die USA als Schutzmacht und wichtigsten Verbündeten gar nicht ersetzen können.
Es gibt keine EU, die internationale Seeschifffahrtswege mit Flugzeugträgern absichern könnte.

Er meinte, wirtschaftliche Potenz ohne entsprechendes sicherheitspolitisches Gewicht werde Europa, besonders die EU,
früher oder später zum Spielball der machtpolitischen Schwergewichte machen. Sowoh sicherheits- als auch wirtschaftspolitisch.
Ohne wirksame Möglichkeiten der Gegenwehr. Man ist einfach der Politik dieser Mächte ausgeliefert.
Genau das zeigt sich aktuell im Falle der USA. Für mich ist die Sicherheitsgarantie, Freundschaft und Wertegemeinschaft
der USA mit Europa längst passé. Die USA unter Trump anno 2019 sind mittlerweile sowohl sicherheitspolitisch als auch wirtschaftlich
ein Gegner Europas. Genauso wie Rußland oder China.
Die Hardliner auf der anderen Seite sehen es genau umgekehrt. Eben begründet mit dem Unterlaufen der Sanktionen und mit Nordstream 2 - welches auch unter vielen Europäern umstritten ist.

Ob Europa die Kraft und die Einsicht aufbringen kann, sowohl politisch als auch militärisch gemeinsam, stark, entschlossen und vor
allem schnell auf diese veränderte Lage zu reagieren ... und zu handeln, steht in den Sternen. Ich glaube, eher nicht.
Wobei ein gesamteuropäisches Rüstungsprogramm durchaus auch wirtschaftspolitisch und technologisch Einiges an Wachstumspotenzial
hätte. Wie auch immer...Es deutet nichts darauf hin, weder in Berlin, noch in Paris oder anderen EU-Regierungshauptstädten,
einen solchen Plan B schleunigst und ernsthaft zu entwickeln und umzusetzen.
Lieber ergießt man sich in "appeasement" und muss halt notfalls den politischen "Sch...z" einziehen.
Und ja, der drohende "no-deal"-Brexit kommt als Pfund noch oben drauf, in der schwersten Krise Europas (und der Welt) nach WWII.
Ein Plan B wäre mit enormen Kosten verbunden. Abgesehen davon, dass es unserer Bevölkerung gar nicht zu vermitteln wäre, weshalb nun alles selbst gemacht werden müsste.

Natürlich gibt es auch das andere Amerika. Jene USA, denen gerade wir in Deutschland unendlich viel zu verdanken haben und das nie
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und Erpressungspolitik einzubremsen oder gar positiv zu verändern.
Ich glaube nicht mehr daran.

Meine Empfehlung wäre, einen deutschen Sonderweg zu korrigieren. Und natürlich in Absprache mit Frankreich und den Osteuropäern.
Gerade auch im Hinblick auf die Eindämmungspolitik der iranischen Aggression.
Die beiden Shanghai-Staaten Russland und China vertreten keine europäischen Interessen.
>>We’ll always have Paris<<
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Re: Trump erklärt der Welt den (Handels)krieg

Beitragvon Cat with a whip » Di 19. Feb 2019, 13:32

Die einzigen die hinsichtlich Iran einen Sonderweg fahren sind die USA.
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Re: Trump erklärt der Welt den (Handels)krieg

Beitragvon DarkLightbringer » Di 19. Feb 2019, 18:01

Cat with a whip hat geschrieben:(19 Feb 2019, 13:32)

Die einzigen die hinsichtlich Iran einen Sonderweg fahren sind die USA.

Berlin boykottierte quasi den Nahost-Gipfel in Warschau, Macron und Netanjahu kamen dafür nicht nach München.
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Re: Trump erklärt der Welt den (Handels)krieg

Beitragvon Alter Stubentiger » Di 19. Feb 2019, 18:23

DarkLightbringer hat geschrieben:(18 Feb 2019, 16:13)

Man kann es auch als Reaktion sehen - auf die Sicherheitsgefährdung Europas durch Nordstream 2 und auf die Untergrabung der Sanktionen im Iran.


Beides sind nur Behauptungen ohne Substanz. Wir beziehen seit Ewigkeiten Gas aus Russland. Aber eben nicht nur. Mit Northstream 2 erweitern wir unsere Möglichkeiten. Andere Lieferanten werden nicht ausgebootet. Die USA sind eingeladen Gas an uns zu verkaufen. Aber nicht zu Mondpreisen wie Trump es sich vorstellt.

Und die Totalblockade gegen den Iran ist genauso illegal und kontraproduktiv wie die jahrzehntelangen Sanktionen gegen Kuba.
Niemand hat vor eine Mauer zu errichten (Walter Ulbricht)
...und die Mauer wird noch in 50 oder 100 Jahren stehen (Erich Honecker)
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Re: Trump erklärt der Welt den (Handels)krieg

Beitragvon DarkLightbringer » Di 19. Feb 2019, 18:37

Alter Stubentiger hat geschrieben:(19 Feb 2019, 18:23)

Beides sind nur Behauptungen ohne Substanz. Wir beziehen seit Ewigkeiten Gas aus Russland. Aber eben nicht nur. Mit Northstream 2 erweitern wir unsere Möglichkeiten. Andere Lieferanten werden nicht ausgebootet. Die USA sind eingeladen Gas an uns zu verkaufen. Aber nicht zu Mondpreisen wie Trump es sich vorstellt.

Das sagen aber so gut wie alle unserer Verbündeten und Freunde, dass die geplante Erhöhung der Abhängigkeit von russischem Gas problematisch sei.
Und warum muss man Überlandleitungen in der Ukraine und in Polen ausbooten ? Dem Gas an sich wäre es ja egal, wie es von A nach B kommt. Ach ja, man möchte noch ein bißchen Krieg haben, da kann man diesen Teil Europas nicht so gut als Kunden oder Geschäftspartner betrachten.

Und die Totalblockade gegen den Iran ist genauso illegal und kontraproduktiv wie die jahrzehntelangen Sanktionen gegen Kuba.
Terrorismus ist illegal.

Mittlerweile will allerdings Polen vermitteln, um eine gemeinsame Position von USA und Europa hinzubekommen.
Der "Warschauer Prozess" soll dazu in mehrere Arbeitsgruppen aufgeteilt werden, um die gegebenen Herausforderungen einzeln anzugehen - Raketenbedrohung, Proliferation, Cyber-Kriminalität, Terrorismus und illegale Finanzierung. Sicherlich ein spannender Dialog.
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Re: Trump erklärt der Welt den (Handels)krieg

Beitragvon Eulenwoelfchen » Di 19. Feb 2019, 23:14

DarkLightbringer hat geschrieben:(19 Feb 2019, 09:10)

Wir exportieren in die USA, importieren aber aus China. Wer hier wen schwächen will ist eine Frage der Erzählperspektive.
...


Ich habe mir erlaubt, Ihre Antworten nur kurz zu zitieren,
um Ihnen im Kontext des Themas zusammengefasst zu antworten:

Ihre Argumentationen sind altbekannte, fast schon nostalgisch anmutende Heilewelt- Positionen,
die meiner Ansicht die völlig veränderte politische Ausgangslage mehr verdrängen, statt die geschaffenen Tatsachen der Regierung Trump
und die damit knallhart durchgesetzten Interessenpolitik der USA zur Kenntnis zu nehmen.

Bezüglich der Veränderung der Sicherheitspolitik und der grundsätzlichen, trumpunabhängigen Interessensverlagerung in den USA ist anzumerken, dass sich diese verändernde Haltung der USA bereits beim ersten Amtsantritt Obamas abzeichnete.
Seitens Europa, der Nato und besonders von Deutschland incl. Kanzlerin Merkel wurde das aber
nonchalant ignoriert oder zu einem kleinen US-Pickel erklärt, der mit ein bisschen "Clearasil"
wieder verschwindet.

Zur aggressiven und protektionistischen Gangart von Trumps US-Wirtschaftspolitik nur kurz:
Die Exportüberschüsse oder die Exporterfolge der EU, ganz besonders Deutschlands, in der Handelsbilanz
mit den USA kommen ja nicht von ungefähr. Sie sind aber garantiert nicht
Ursache oder Ergebnis einer einseitigen hohen oder marktabschottenden EU-Zollpolitik gegen US-Exporte.

Okay, Chlorhühnchen wollte man nicht. :D
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Re: Trump erklärt der Welt den (Handels)krieg

Beitragvon Eulenwoelfchen » Mi 20. Feb 2019, 00:28

DarkLightbringer hat geschrieben:(19 Feb 2019, 09:10)
Die Sanktionen gegen den Iran sind eindeutig.


Jetzt muss ich doch nochmal expliziter auf eines Ihrer Antwortstatements eingehen:
Jep. Diese Sanktionen sind eindeutig. Und einseitig. Von den USA verhängt. Ohne besondere Abstimmung z.b. mit den europäischen Verbündeten.

Ob die USA die Bedrohung und den Terrorismussupport seitens des Iran damit verkleinern oder beenden, ist mehr als
offen. Ich behaupte, diese Sanktionen bewirken diesbezüglich gar nichts und werden auch die Kontrolle über
geheime Aktivitäten des Iran, Kernwaffen zu entwickeln, nicht gerade erleichtern. Möglicherweise sogar
den "Ehrgeiz" der Mullahs verstärken und befördern.

Grundsätzlich halte ich die klare Kante gegenüber Iran und dessen Politik für richtig und notwendig, wie ich bereits
im längeren Beitrag erläuterte.

Leider sind in Sachen Terrorismus und Iran schon 2001 (Afghanistan) und 2003 (Irak) entscheidende Fehler seitens der USA gemacht worden.
Statt weniger Terrorismus und dem Ziel, diesem seine Verstecke und Rückzugsbasen zu zerstören und Terroraktivitäten besser unter
Kontrolle halten zu können, hat sich genau das Gegenteil - voraussehbar - ergeben.

Und ein Machtvakuum, das speziell durch die Entmachtung Saddam Husseins zum Vorteil des Iran entstand. Heute herrscht
im Irak die schiitische Mehrheit und das Land ist sehr dem Einfluß des Iran unterworfen. Statt wie vorher ein
Puffer zu sein, der Iran in seinem Streben, bestimmende Regionalmacht des nahen und mittleren Ostens zu werden,
begrenzte.

Übrigens, die Sanktionen, die die USA gegen Iran verhängten und das einfach entschieden, egal was andere, besonders
Partner dazu meinen, verbanden sie gleichzeitig mit Strafsanktionen gegen alles und jeden, der es wagt, ihre Anordnungen nicht zu befolgen.
Siehe hierzu auch die Drohungen und Strafmaßnahmen für alle Unternehmen, die sich diesem hegemonial
gesetzten Diktat der Trumpregierung zu widersetzen wagen.

Dies ist für mich keine Politik unter gleichrangigen politischen Partnern und Werteverbündeten, sondern
schlicht eine Politik "ordre de mufti". Wer nicht für uns ist, ist unser Gegner. Siehe auch das Verhalten der
USA in Sachen Irakkrieg 2003.

Letztlich wurde durch das einseitige, selbstherrliche Agieren der Supermacht USA der nahe und mittlere Osten
nur total instabil und genau das Gegenteil dessen, was man erreichen wollte:
Ein unübersehbares, nicht mehr beherrschbares oder kontrollierbares Riesengebiet, in dem der Terrrorismus
erst so richtig die Voraussetzungen bekam, um sich noch übler auszubreiten.

Und vor allem, um zum Ausgangspunkt zurückzukehren, es entstand ein Machtvakuum durch den bis heute destabilisierten
Irak, das der Iran nun ungestört nutzen kann. Sogar jederzeit auf andere Gebiete wie in Syrien
oder grenznahe Regionen des Libanon leichteren und besseren, direkten militärischen Zugriff hat.
Damit erhöht sich auch das direkte Bedrohungspotenzial seitens Iran gegenüber Israel in einem gefährlichen
Maße.

Zu glauben, man könne das leider unumkehrbar durch eine fatale US-Politik verursachte Chaos und den damit verstärkten Einfluß des Iran mit diesen Sanktionen korrigieren oder eindämmen, (neben dem Ziel, auch eine iranische Atomwaffe so zu verhindern)
ist, gelinde gesagt, naiv, planlos und alles andere, als eine schlüssige, gemeinsame Strategie des Westens.

Es ist für mich eher eine Politik nach alter Wildwestmanier. Erst mal alles Wegballern...pardon...die Existenzgrundlagen irgendwie ruinieren, (wie vormals z.B. mit den Bisonsanktionen), dann gucken was wird. Der Rest kommt in Reservate. Nur, im Iran leben keine Indianer. Und es sind einfach zuviele. Und auch ganz andere.
Auch ist das Land etwas zu groß für ein dauerhaftes, US-sanktioniertes, politisches Reservat. Das vergessen die Amis öfter mal.

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