Das Corona-Impfdesaster: Auswirkungen, Verantwortungen und Konsequenzen

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Das Corona-Impfdesaster: Auswirkungen, Verantwortungen und Konsequenzen

Beitragvon Skeptiker » Fr 1. Jan 2021, 21:49

Es zeichnet sich immer mehr ab, dass Europa, und vorgelagert Deutschland, massive Fehler in der Beschaffung von Corona-Impfstoff begangen haben.

Während in anderen Staaten relativ zügig geimpft wird, weil entsprechende Mengen geordert wurden, wird es in Deutschland wohl über viele Monate hin nur schleppend vorangehen. Das, obwohl es wohl frühzeitige Angebote seitens Biontech gab, sich ausreichend Impfstoff zu sichern.

Im Focus wird das von Fleischhauer thematisiert.
https://www.focus.de/politik/deutschlan ... 27637.html

Die Vorwürfe lt. seinem Artikel:
- Merkel hat Aufgaben nach Brüssel delegiert, die im ureigensten deutschen Interesse sind
- Es wurden in Brüssel politische Entscheidungen zu den Bestellquoten getroffen, die nicht zum damaligen Stand der Erfolgsaussichten passen, sondern national motiviert waren
- Dieses Thema wird in den Medien kaum reflektiert

Haben wir es hier mit einem waschechten Skandal zu tun? Wurde hier nicht „Zum Wohle des deutschen Volkes“ gehandelt, so wie es doch Auftrag an unsere Volksvertreter ist? Erste Stimmen in der Richtung scheint es zu geben.
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Re: Das Corona-Impfdesaster: Auswirkungen, Verantwortungen und Konsequenzen

Beitragvon H2O » Fr 1. Jan 2021, 22:31

Na ja, zaubern kann wohl niemand. Das ureigenste deutsche Interesse konnte ja nur sein, daß möglichst viele wirksame Impfstoffe aus Deutschland bereitgestellt werden, damit es keine Monopolbildung geben wird. Diese Strategie geht auf, meine ich. Ein weiterer Impfstoff aus Deutschland durchläuft die amtliche Zulassungsprozedur der EU. Freigabetermin noch nicht bekannt. Er wird aber die Verfügbarkeit von wirksamen Impfstoffen vergrößern, also das derzeitige logistische Problem lösen.

Ich meine, daß ein drittes deuttsches Team mit einem Impfstoff ebenfalls in die Zielgerade einbiegt, habe das aber gar nicht mehr verfolgt. Der wunderbare Erfolg der Firma BioNTech überstrahlt alle anderen.

Dann ist es natürlich nicht besonders klug, sich bei einem aussichtsreichen Hersteller und Entwickler von drei Wettbewerbern vollständig ein zu decken und damit andere Anbieter praktisch vom Markt zu schieben. Das wäre auch verbunden gewesen mit einer Strategie "Deutschland zuerst", die wir in der europäischen Gemeinschaft doch zugunsten gemeinschaftliche Lösungen nicht wieder aufleben lassen wollen. Deshalb wird jetzt überall in der EU nahezu gleichzeitig mit dem einen Impfstoff der Firma BioNTech geimpft. Deshalb sind auch keine Äußerungen von Neid und Mißgunst zu hören. In der Gemeinschaft teilen wir unser Glück.

Weiterhin hat sogar der Gesundheitsminister auf mögliche Anfangsschwierigkeiten hingewiesen, die bei einem Vorhaben dieser Größenordnung unvermeidlich sind.

Da sollte man besser nicht von "Impfdesaster" und ähnlichen Anlaufproblemen reden, sondern eher Hinweise geben, wo etwas kurzfristig zu verbessern sein könnte.
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Re: Das Corona-Impfdesaster: Auswirkungen, Verantwortungen und Konsequenzen

Beitragvon franzmannzini » Fr 1. Jan 2021, 22:39

Was wurde eigentlich von der EU bestellt Stand 20.08.2020:
https://www.augsburger-allgemeine.de/wi ... 67246.html

Hier waren es wohl schon 1,5 Milliarden Dosen

Corona-Impfstoff: Das Ergebnis des Einkaufsbummels kann sich sehen lassen

Das Ergebnis des Einkaufsbummels kann sich sehen lassen. Bisher wurden Abmachungen für Rahmenverträge mit dem belgischen Unternehmen Janssen Pharmaceutica N.V. (gehört zum US-Konzern Johnson & Johnson) für den Ankauf von 200 Millionen Dosen abgeschlossen sowie ein Vorkaufsrecht für weitere 200 Millionen gesichert.
300 Millionen Dosen hat sich die Gemeinschaft bei einem Joint Venture des französischen Hauses Sanofi und des britischen Glaxo-Smith-Konzerns gesichert.
Und erst vor wenigen Tagen kam ein Abkommen mit dem britischen Unternehmen AstraZeneca zustande. Umfang: 300 Millionen Dosen sowie eine Option für weitere 100 Millionen. Deren Forschung ist besonders weit vorangeschritten: Nach Mitteilung der Brüsseler Kommission befindet sich das Serum von AstraZeneca bereits in der klinischen Prüfung II und III, nachdem in den Phasen I und II vielversprechende Ergebnisse in Bezug auf Sicherheit und Immunisierung erzielt wurden. Am gestrigen Donnerstag kam noch ein Großeinkauf dazu: Beim deutschen Konzern CureVac erwarb man ein Vorkaufsrecht über 225 Millionen Dosen sowie eine Option auf 180 Millionen weitere.


Gibt es eigentlich irgendwo eine einsehbare Aufstellung, was aktuell an Verträgen für die EU dazu gekommen ist ?
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Re: Das Corona-Impfdesaster: Auswirkungen, Verantwortungen und Konsequenzen

Beitragvon Adam Smith » Fr 1. Jan 2021, 22:45

H2O hat geschrieben:(01 Jan 2021, 22:31)

Da sollte man besser nicht von "Impfdesaster" und ähnlichen Anlaufproblemen reden, sondern eher Hinweise geben, wo etwas kurzfristig zu verbessern sein könnte.


Kurzfristig lässt sich nichts verbessern. Deutschland hat beim Impfstoff gespart.

Wie der „Spiegel“ aus Verhandlungskreisen erfuhr, habe Biontech der für alle Mitgliedstaaten zentral ankaufenden EU ursprünglich 400 bis 500 Millionen Dosen angeboten. Die Brüsseler Unterhändler bestellten jedoch nur 200 Millionen Dosen mit einer Option auf 100 Millionen weitere, die aber erst später geliefert werden können.


https://m.tagesspiegel.de/politik/vertr ... 32914.html
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Re: Das Corona-Impfdesaster: Auswirkungen, Verantwortungen und Konsequenzen

Beitragvon H2O » Fr 1. Jan 2021, 23:01

Adam Smith hat geschrieben:(01 Jan 2021, 22:45)

Kurzfristig lässt sich nichts verbessern. Deutschland hat beim Impfstoff gespart.



https://m.tagesspiegel.de/politik/vertr ... 32914.html


Erfreulich, daß der Beitrag des Teilnehmers @franzmannzini gleich vor Ihrem Beitrag steht. Die dort vorzufindende Information beschreibt ein ganz anderes Problem, nämlich die Qual der Wahl und schon eingegangene Aufträge zur Beschaffung von Impfmitteln. Daraus lese ich nicht ab, daß "Deutschland an den Impfmitteln gespart hat". Die Frage wäre nur, in welchem Umfang neben BioNTech, AstraZeneca und CureVac mit Voraufträgen bedacht wurden.

Im Sinne des Strangtitels wäre zu prüfen, ob die vorhandenen Mengen des Impfstoffs von BioNTech schon verbraucht sind, wenn diese Impfstoffe das Zulassungsverfahren hinter sich gelassen haben.
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Re: Das Corona-Impfdesaster: Auswirkungen, Verantwortungen und Konsequenzen

Beitragvon Astrocreep2000 » Fr 1. Jan 2021, 23:02

Skeptiker hat geschrieben:(01 Jan 2021, 21:49) Haben wir es hier mit einem waschechten Skandal zu tun? Wurde hier nicht „Zum Wohle des deutschen Volkes“ gehandelt, so wie es doch Auftrag an unsere Volksvertreter ist? Erste Stimmen in der Richtung scheint es zu geben.

Das vorrangig zu berücksichtigende Wohl ist in diesem Fall dasjenige der Menschen, für die Covid-19 eine tödliche Bedrohung darstellt. Das sind die Senioren im fortgeschrittenen Alter. Die momentan verfügbaren Mengen sollten genügen, um diese Zielgruppen in absehbarer Zeit impfen zu können (dabei scheinen andere organisatorische Fragen aber aktuell hinderlicher als die Anzahl der verfügbaren Impfdosen). Damit wäre die größte Kuh von Eis.

Alle anderen werden überleben, sich noch etwas zu gedulden. Darin kann ich keinen "Skandal" erkennen.

Ich kann aber durchaus nachvollziehen, wenn jetzt mancher, der nicht zur Risikogruppe zählt, ungeduldig bis nervös wird - das ist eben die Kehrseite, wenn in der Kommunikation über Monate an Angst appelliert wird statt an Besonnenheit ...
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Re: Das Corona-Impfdesaster: Auswirkungen, Verantwortungen und Konsequenzen

Beitragvon Adam Smith » Fr 1. Jan 2021, 23:14

H2O hat geschrieben:(01 Jan 2021, 23:01)

Erfreulich, daß der Beitrag des Teilnehmers @franzmannzini gleich vor Ihrem Beitrag steht. Die dort vorzufindende Information beschreibt ein ganz anderes Problem, nämlich die Qual der Wahl


Die USA haben einfach schon sehr früh, sehr viel gekauft.

Während sich beispielsweise die Vereinigten Staaten bereits im Juli bis zu 600 Millionen Dosen des von Biontech aus Deutschland und Pfizer aus den USA hergestellten Impfstoffs sicherten, hat die Europäische Union erst im November bestellt – und dann nur 300 Millionen Dosen, die nun unter den 27 Mitgliedstaaten aufgeteilt werden.


https://amp-welt-de.cdn.ampproject.org/ ... ichen.html

Das kostet natürlich eine Menge Geld. Im Verhältnis zu den anderen Massnahmen ist das aber wenig.
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Re: Das Corona-Impfdesaster: Auswirkungen, Verantwortungen und Konsequenzen

Beitragvon H2O » Fr 1. Jan 2021, 23:16

Ich kann aber durchaus nachvollziehen, wenn jetzt mancher, der nicht zur Risikogruppe zählt, ungeduldig bis nervös wird - das ist eben die Kehrseite, wenn in der Kommunikation über Monate an Angst appelliert wird statt an Besonnenheit ...


Die Tatsache, daß der vorzeitige Tod durch Covid-19 im wesentlichen die Altersgruppen ab 60+ ereilt, ist doch inzwischen seit Monaten bekannt... sollte also den Verfassern des Artikels

Im Focus wird das von Fleischhauer thematisiert.
https://www.focus.de/politik/deutschlan ... 27637.html


nicht verborgen geblieben sein. Sind nicht eher diese Art von Medien diejenigen, die mit Ängsten der Menschen spielen, um ihre Botschaft in möglichst viel klingende Münze verwandeln zu können?
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Re: Das Corona-Impfdesaster: Auswirkungen, Verantwortungen und Konsequenzen

Beitragvon H2O » Fr 1. Jan 2021, 23:32

Adam Smith hat geschrieben:(01 Jan 2021, 23:14)

Die USA haben einfach schon sehr früh, sehr viel gekauft.



https://amp-welt-de.cdn.ampproject.org/ ... ichen.html

Das kostet natürlich eine Menge Geld. Im Verhältnis zu den anderen Massnahmen ist das aber wenig.


Nein, nicht ganz so. Präsident Trump wurde daran gehindert, die Firma BioNtech schlicht auf zu kaufen. Das ging kurzzeitig durch die Medien.

So weit ich unterrichtet bin, fertigt die Firma Pfizer den Impfstoff in Lizenz für die USA in den USA an mehreren Orten. Demnach entginge uns Europäern da erst einmal gar nichts. Und zusätzlich entsteht in Marburg eine sehr große Fertigungsanlage für die globale Versorgung mit BNT162:

https://investors.biontech.de/de/news-r ... itung-der/

Voraussichtlich im ersten Halbjahr 2021 voll betriebsbereit mit einer jährlichen Produktionskapazität von bis zu 750 Millionen Dosen eines potentiellen COVID-19 Impfstoffs


Je nach Zulassungstermin für zwei weitere Impfstoffe entsteht auch keine Knappheit, die um den Erfolg der Impfkampagne fürchten läßt.
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Re: Das Corona-Impfdesaster: Auswirkungen, Verantwortungen und Konsequenzen

Beitragvon Adam Smith » Fr 1. Jan 2021, 23:37

H2O hat geschrieben:(01 Jan 2021, 23:32)

Nein, nicht ganz so. Präsident Trump wurde daran gehindert, die Firma BioNtech schlicht auf zu kaufen. Das ging kurzzeitig durch die Medien.


Trump wollte angeblich die Firma CureVac kaufen. Diese Firma hat das dann aber dementiert.

https://amp-welt-de.cdn.ampproject.org/ ... Firma.html

https://m-faz-net.cdn.ampproject.org/v/ ... 83587.html
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Re: Das Corona-Impfdesaster: Auswirkungen, Verantwortungen und Konsequenzen

Beitragvon Skeptiker » Fr 1. Jan 2021, 23:39

H2O hat geschrieben:(01 Jan 2021, 23:01)
Erfreulich, daß der Beitrag des Teilnehmers @franzmannzini gleich vor Ihrem Beitrag steht. Die dort vorzufindende Information beschreibt ein ganz anderes Problem, nämlich die Qual der Wahl und schon eingegangene Aufträge zur Beschaffung von Impfmitteln. Daraus lese ich nicht ab, daß "Deutschland an den Impfmitteln gespart hat". Die Frage wäre nur, in welchem Umfang neben BioNTech, AstraZeneca und CureVac mit Voraufträgen bedacht wurden.

Im Sinne des Strangtitels wäre zu prüfen, ob die vorhandenen Mengen des Impfstoffs von BioNTech schon verbraucht sind, wenn diese Impfstoffe das Zulassungsverfahren hinter sich gelassen haben.

Die Impfstoffe von AstraZeneca und Sanofi werden so wohl nicht, oder nur spät, kommen. Das lässt die europäische Spartaktik ja zusammenbrechen.

Hier genaue Info zu den Bestellungen:
Erstmal ein Papier erstellen
Die eigentliche Geschichte beginnt im Frühjahr 2020. Auf Druck von Deutschland, Frankreich und der Niederlande starten die europäischen Staaten, sich Gedanken über den Ankauf und die Verteilung potenzieller Impfstoffe zu machen.

Besonders wichtig: Die europäischen Staaten beschließen, gemeinsam auf EU-Ebene vorzugehen, keine nationalen Alleingänge. In Brüssel ist man sich bewusst, dass Verteilungskämpfe um den Impfstoff das ganze Staatenbündnis vor eine Zerreißprobe stellen könnten, und das noch im Brexit-Jahr. Niemand will sehen, wie Frankreich etwa Slowenien eine Lkw-Kolonne mit Impfdosen wegschnappt.

Also erarbeitet die EU-Kommission eine gemeinsame europäische Impfstoffstrategie, die im Juni fertig wird. In Zusammenspiel mit der betont gründlichen europäischen Arzneimittelagentur Ema ergibt das ein robustes Verfahren für Prüfung, Ankauf und Logistik, mit maximal möglicher Sicherheit für die Bürger. Aber eben auch: ein langsames Verfahren. Als die EU ihre Impfstoffstrategie vorstellt, haben die USA schon mit dem Einkaufen begonnen.

Biontech erst als Nummer vier
Doch auch die EU geht im Sommer auf Shopping-Tour: Im August bestellt die Kommission 300 Millionen Dosen beim britisch-schwedischen Konzern Astra-Zeneca. Im September folgen weitere 300 Millionen Dosen beim französisch-britischen Konglomerat Sanofi und GSK, im Oktober werden 200 Millionen Dosen beim belgischen Hersteller Janssen und der US-Pharmafirma Johnson & Johnson geordert.

Ein Hersteller fehlt jedoch zunächst auf der Einkaufsliste der EU: Biontech. Dort bestellt die EU erst im November 300 Millionen Dosen – als klinische Tests das ungeheure Potenzial des Impfstoffs aus Mainz gezeigt hatten. Später folgt noch eine Bestellung von 80 Millionen Dosen bei Moderna, das voraussichtlich als zweites Impfmittel seine Marktzulassung erhalten wird. Auch Curevac und Novavax werden in der Folge noch mit Bestellungen bedacht.

Das Sanofi-Desaster: Wenn die Säulen wegbrechen
Doch schon aus der Kauf-Reihenfolge wird ersichtlich, auf wen die EU im Sommer ihre größten Hoffnungen setzt: Astra-Zeneca und Sanofi. Selbst im November, als Biontech als erstes Unternehmen seinen Durchbruch verkündet, ändert Brüssel seinen Kurs nur unwesentlich. Die EU bestellt 300 Millionen Dosen, ein Angebot von Biontech zu einer größeren Bestellmenge soll sie aber abgelehnt haben.

Das rächt sich spätestens am 11. Dezember. Dort muss Sanofi einräumen, dass sein vielversprechender Impfstoff durch die dritte und letzte Phase der klinischen Tests gefallen ist. Die Franzosen müssen nochmal von vorne anfangen. Und bei den Briten von Astra-Zeneca gab es schon im Herbst Probleme, unter anderem dank nebulöser Studiendesigns. Plötzlich steht die EU nur noch mit zwei Impfstoffen da, die bald fertig werden: Moderna und Biontech. Die Säulen, auf die Brüssel stattdessen gesetzt hatte, sind weggebrochen.

https://www.focus.de/politik/ausland/sa ... 27022.html

Staaten die nun schnell Impfen können, sind offensichtlich Staaten, die das Risiko eingegangen sind große Mengen Impfstoff anzukaufen - mehr als notwendig. Allerdings ist auch bekannt, dass Impfstoffe in der Zulassung versagen können. Es ist also von vornherein unsinnig zu glauben den Gesamtbedarf nicht zu überschreiten, um "nicht zuviel zu bestellen".

Adam Smith hat schon darauf hingewiesen; Die Mehrkosten für die Sicherung deutlich höherer Impfdosen wäre teuer, aber lange nicht so teuer wie die Maßnahmen die notwendig sind in der Gesellschaft gegen das Virus anzukämpfen. Es wäre also auch volkswirtschaftlich ggf. angeraten gewesen nicht zu kleinkämerisch zu bestellen.
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Re: Das Corona-Impfdesaster: Auswirkungen, Verantwortungen und Konsequenzen

Beitragvon H2O » Fr 1. Jan 2021, 23:42

Adam Smith hat geschrieben:(01 Jan 2021, 23:37)

Trump wollte angeblich die Firma CureVac kaufen. Diese Firma hat das dann aber dementiert.

https://amp-welt-de.cdn.ampproject.org/ ... Firma.html

https://m-faz-net.cdn.ampproject.org/v/ ... 83587.html


Ja, das haben Sie hier richtig gestellt. Mir ist nur ein Anflug von heftiger Entrüstung in Erinnerung geblieben. Gut, daß das nicht so gelaufen ist.
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Re: Das Corona-Impfdesaster: Auswirkungen, Verantwortungen und Konsequenzen

Beitragvon Ebiker » Fr 1. Jan 2021, 23:42

GB hat schon über 600 000 Personen geimpft. Ist halt manchmal von Vorteil nicht in der EU zu sein
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Re: Das Corona-Impfdesaster: Auswirkungen, Verantwortungen und Konsequenzen

Beitragvon Atue001 » Fr 1. Jan 2021, 23:53

GB hat den Impfstoff auch über eine Notfallverordnung zugelassen. Das hat man in Deutschland und der EU so nicht mitgehen wollen. Die Notfallverordnung bedeutet unter anderem auch, dass das Haftungsrisiko nicht mehr beim Impfstoffhersteller, sondern beim Staat liegt.

RÜCKBLICKEND und auch im Vergleich mit anderen ist es immer leicht, eine bessere Strategie zu finden, als die, die gewählt wurde.
Wie aber wären heute die Schlagzeilen, wenn sich im GB wenige Tage nach den ersten Massenimpfungen Folgeschäden bei bestimmten Bevölkerungsgruppen gezeigt hätten?
Heute schon ist es so, dass jeder Geimpfte kritisch begleitet wird, ob dieser auch ja keine Krankheitssymptome bekommt. Eine kleine Meldung aus der Schweiz, dass ein Geimpfter gestorben ist, wird sofort zur Schlagzeile.

In der EU gibt es einige Länder, die gegen Impfskeptiker anzukämpfen haben - darunter Österreich, aber auch Deutschland tut sich nicht ganz so leicht, eine Herdenimmunität über Impfungen herzustellen. Wenn da ein Impfstoff über eine Notfallverordnung reingekommen wäre, hätte dies auch kontraproduktiv sein können.


Die Impfzahlen werden auch in der EU und insbesondere in Deutschland in den nächsten Wochen deutlich skalieren.
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Re: Das Corona-Impfdesaster: Auswirkungen, Verantwortungen und Konsequenzen

Beitragvon Skeptiker » Sa 2. Jan 2021, 00:01

Astrocreep2000 hat geschrieben:(01 Jan 2021, 23:02)
Das vorrangig zu berücksichtigende Wohl ist in diesem Fall dasjenige der Menschen, für die Covid-19 eine tödliche Bedrohung darstellt. Das sind die Senioren im fortgeschrittenen Alter.

Das stimmt so nicht. Für die sehr alten Leute ist das Risiko ungleich höher, es ist aber auch für jüngere vorhanden. Gerade von einer neuen Mutation aus Südafrika werden auch höhere Sterblichkeiten bei jungen Menschen berichtet.

Außerdem geht es auch um volkswirtschaftliche Schäden. Es droht eine massive Pleitewelle. Da kommt es auf jede Woche an, die man früher wieder normal wirtschaften kann. Es mag herzlos klingen, aber nein, es geht nicht alles nur darum den ältesten Mitbürgern das Leben um statistisch kurze Zeit zu verlängern.
Die momentan verfügbaren Mengen sollten genügen, um diese Zielgruppen in absehbarer Zeit impfen zu können (dabei scheinen andere organisatorische Fragen aber aktuell hinderlicher als die Anzahl der verfügbaren Impfdosen). Damit wäre die größte Kuh von Eis.

Wenn das auch die Politik so sieht, sodass man dann wieder zu normalem wirtschaften zurückkehren kann - prima. Das hört sich aber ganz anders an, wenn man hört dass man im Sommer wohl noch nicht reisen kann usw.
Alle anderen werden überleben, sich noch etwas zu gedulden.

Nein, das werden sie leider nicht.
Darin kann ich keinen "Skandal" erkennen.

Ich erkenne in jedem unnötigen Verlust von Menschenleben ein Problem. Wenn das massenhaft und durch falsch verstandenes Sparen passiert, dann erkenne ich darin einen Skandal.
Ich kann aber durchaus nachvollziehen, wenn jetzt mancher, der nicht zur Risikogruppe zählt, ungeduldig bis nervös wird - das ist eben die Kehrseite, wenn in der Kommunikation über Monate an Angst appelliert wird statt an Besonnenheit ...

Das hat mit Angst nichts zu tun. Das hat schlicht mit bekannten Risiken für die Wirtschaft zu tun.

Kleines Beispiel: Meine Frau ist seit letztem März in Kurzarbeit - so wie viele andere auch. Dem Hotel in dem sie arbeitet geht irgendwann die Puste aus. Wenn die Kurzarbeit nach einem Jahr ausläuft, wird es wohl Entscheidungen zur weiteren Beschäftigung geben müssen. Im Augenblick sehe ich da keine Perspektive.
Und das betrifft sehr viele Menschen, die seit fast einem Jahr in Kurzarbeit stecken. Die können mit jovialem "Och es geht doch um die Alten - die Jungen müssen warten" nichts anfangen.

Mein Eindruck ist, dass die Dramatik einer Verlängerten Lockdownphase und der verspäteten Rückkehr zum Normalzustand, von manchem noch nicht so recht eingeschätzt werden können.
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Re: Das Corona-Impfdesaster: Auswirkungen, Verantwortungen und Konsequenzen

Beitragvon H2O » Sa 2. Jan 2021, 00:04

Adam Smith hat schon darauf hingewiesen; Die Mehrkosten für die Sicherung deutlich höherer Impfdosen wäre teuer, aber lange nicht so teuer wie die Maßnahmen die notwendig sind in der Gesellschaft gegen das Virus anzukämpfen. Es wäre also auch volkswirtschaftlich ggf. angeraten gewesen nicht zu kleinkämerisch zu bestellen.


Mir fehlt hier der Name CureVac, die Präsident Trump im März 2020 aufkaufen wollte, um den USA exklusive Rechte an deren Impfstoff zu sichern. Ist dieser Hersteller so weit zurück gefallen, daß seine Lieferungen für eine erfolgreiche Impfkampagne nicht mehr zur Verfügung stehen?

Ich würde auch nicht "kleinkrämerisch" bewerten, wenn man mit dem Geld der Steuerzahler bewußt vorsichtig umgeht. Noch ist das Ding nicht an die Wand gefahren!

Allerdings würde ich ein ehrgeizigeres Ziel für die Impfkampagne setzen: Bis Juli 2021 sind wir damit durch. Das Gefummele mit "zweite Jahreshälfte 2021" nervt mich schon!
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Re: Das Corona-Impfdesaster: Auswirkungen, Verantwortungen und Konsequenzen

Beitragvon H2O » Sa 2. Jan 2021, 00:14

Mein Eindruck ist, dass die Dramatik einer Verlängerten Lockdownphase und der verspäteten Rückkehr zum Normalzustand, von manchem noch nicht so recht eingeschätzt werden können.


Ich meine zum jetzigen Zeitpunkt, daß tägliche Abgänge von und mit Corvid-19 alles andere überstrahlen sollten. Da stehen wir derzeit bei 1.000 täglich... und niemand kann sich wirklich sicher sein, daß wir mit den zuvor bewährten Gegenmaßnahmen diese Zahlen erfolgreich vermindern können. Denn der Virus hat ansteckendere und inzwischen auch für junge Leute lebensbedrohliche Mutationen gebildet.

Allerdings glaube ich nicht, daß man bewußt auf die geringere Menge des verfügbaren Impfstoffs abgestimmte Impfteams gebildet hat. Das wäre in der Tat ein Skandal.
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Re: Das Corona-Impfdesaster: Auswirkungen, Verantwortungen und Konsequenzen

Beitragvon Ebiker » Sa 2. Jan 2021, 00:15

H2O hat geschrieben:(02 Jan 2021, 00:04)
Allerdings würde ich ein ehrgeizigeres Ziel für die Impfkampagne setzen: Bis Juli 2021 sind wir damit durch. Das Gefummele mit "zweite Jahreshälfte 2021" nervt mich schon!


Selbst das halte ich für sehr optimistisch
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Re: Das Corona-Impfdesaster: Auswirkungen, Verantwortungen und Konsequenzen

Beitragvon Skeptiker » Sa 2. Jan 2021, 00:15

Atue001 hat geschrieben:(01 Jan 2021, 23:53)
GB hat den Impfstoff auch über eine Notfallverordnung zugelassen. Das hat man in Deutschland und der EU so nicht mitgehen wollen. Die Notfallverordnung bedeutet unter anderem auch, dass das Haftungsrisiko nicht mehr beim Impfstoffhersteller, sondern beim Staat liegt.

Beim Durchimpfen von hunderten Millionen von Menschen, trägt der Hersteller zwar noch ein theoretisches Risiko. De facto wäre er aber eh nicht in der Lage die Forderungen zu bedienen. Dann wären wieder die Steuerzahler oder Rückversicherer dran. Daher kann ich der Haftungsfrage keine so hohe Bedeutung beimessen.
RÜCKBLICKEND und auch im Vergleich mit anderen ist es immer leicht, eine bessere Strategie zu finden, als die, die gewählt wurde.
Wie aber wären heute die Schlagzeilen, wenn sich im GB wenige Tage nach den ersten Massenimpfungen Folgeschäden bei bestimmten Bevölkerungsgruppen gezeigt hätten?

Es hat auch in der EU nach dem Zeitpunkt der Notfallverordnung keine weiteren für die Entscheidung relevanten Tests gegeben. Es wurde lediglich in Gremien zu dem Themen gesprochen um die Entscheidung abzuwägen.
Es war also wieder schlicht eine höhere Risikobereitsschaft, welche das Timing verkürzt hat. Von der Freigabe bis zum Start der Impfungen vergeht auch nochmal Zeit. In einer Situation in der Zeitverlust auch Tote bedeuten, ist es mE nicht gerechtfertigt dieses Zeitfenster ohne triftigen Grund zu verschenken.
Heute schon ist es so, dass jeder Geimpfte kritisch begleitet wird, ob dieser auch ja keine Krankheitssymptome bekommt. Eine kleine Meldung aus der Schweiz, dass ein Geimpfter gestorben ist, wird sofort zur Schlagzeile.

In der EU gibt es einige Länder, die gegen Impfskeptiker anzukämpfen haben - darunter Österreich, aber auch Deutschland tut sich nicht ganz so leicht, eine Herdenimmunität über Impfungen herzustellen. Wenn da ein Impfstoff über eine Notfallverordnung reingekommen wäre, hätte dies auch kontraproduktiv sein können.

Korrekt. Aber man kann Menschen auch aufklären. Das ist natürlich schwer in einem Land, in dem man traditionell Quacksalberei zur Kostensenkung als Medizin verkauft. Die sich einstellende Skepsis vor evidenzmedizinischen Methoden kann man dann nicht bei Erfordernis einfach mal so wiederherstellen.
Die Impfzahlen werden auch in der EU und insbesondere in Deutschland in den nächsten Wochen deutlich skalieren.

Offensichtlich leider nicht so, wie sie es könnten.
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Re: Das Corona-Impfdesaster: Auswirkungen, Verantwortungen und Konsequenzen

Beitragvon Adam Smith » Sa 2. Jan 2021, 00:17

Ebiker hat geschrieben:(02 Jan 2021, 00:15)

Selbst das halte ich für sehr optimistisch


Israel will bereits Ende März 60% der Bevölkerung geimpft haben.
Das ist Kapitalismus:

Die ständige Wahl der Bürger bestimmt das Angebot.

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