... wie Koch und Kellner

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Der Neandertaler
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... wie Koch und Kellner

Beitragvon Der Neandertaler » Mi 23. Sep 2020, 17:12

Daß es das us-amerikanische, traumatisierte Trumpeltier nicht immer so ganz genau nimmt mit der Wahrheit, dürfte weithin bekannt sein ... es scheint auch seinen Hardcore-Fans so ziemlich egal. Derartige Äüßerungen und Provokationen liegen aber nicht nur ihm, sondern scheinen mittlerweile in verschiedenen Kreisen zum politischen Alltag dazuzugehören.
    ("Hauptsache, man spricht über mich - egal wie.")
So erstaunte 2004 das Piraten-Parteimitglied Bodo Thiesen mit der Äußerung:
    "Nun, bis vor einigen Monaten glaubte ich auch, daß diejenigen, die 'Auschwitz leugnen' einfach nur pubertäre Spinner sind. Damals hatte ich aber auch noch nicht Germar Rudolf gelesen. Sorry, aber das Buch prägt einfach - zumindest wenn man objektiv ran geht.
    [...]
    Ich habe 'Das Rudolf Gutachten' von Germar Rudolf gelesen, und muß als Laie sagen, daß ich es als extrem wissenschaftlich und glaubwürdig halte. Die Argumente, und Beweise, die er vorlegt, sprechen eine recht deutliche Sprache."
      ... schob er hinterher.
        (Rudolf ist ein verurteilter Holocaust-Leugner - Anmerk. der Redaktion)
Der parlamentarische Geschäftsführer der Berliner Piraten-Fraktion, Martin Delius, erwähnte 2012 in der Zeitschrift 'Spiegel':
    "Der Aufstieg der Piratenpartei verläuft so rasant wie der der NSDAP zwischen 1928 und 1933."
Dies alles kann man nun als unbedachte, spontane Äußerungen von Polit-Neulingen abtun.

À propos 'Polit-Neuling':
Unter Anspielung auf vorherige Äußerungen hatte ein Journalist am Rande einer Pressekonferenz im Februar 2020, ganz am Ende, als er seine Kandidatur offiziell machte, dem ewigen und möchtegern CDU-Vorsitz-Kandidaten Friedrich Merz die Frage gestellt:]
    "Schließe ich daraus richtig, daß Ihre Antwort auf das Problem des Rechtsradikalismus die stärkere Thematisierung von Clankriminalität, Grenzkontrollen und so weiter ist? Und wenn nicht: Was wäre sie dann?"
    Merz darauf:
      "Die Antwort ist ja!"
2018 wollte der damlige Aufsichtsratschef der Firma Blackrock, dem finanzstärksten Vermögensverwalter weltweit, "die Aktienmärkte nutzen, um langfristig eine bessere Vermögens- und Kapitalbildung in den privaten Haushalten zu schaffen."Ich bin nicht davon überzeugt, daß derartige Äußerungen unbedacht gemacht wurden?
    ... spontan vielleicht, aber nicht ohne Hintergedanken.
Zuvor hatte sich Merz mit Journalistenverband angelegt, als er erklärte, daß es im Augenblick "eine richtige Machtverschiebung gibt, zwischen denen, die Nachrichten verbreiten, und denen, die Nachrichten erzeugen. Und zwar zugunsten derer, die die Nachrichten erzeugen. Wir brauchen die nicht mehr. Und das ist das Schöne: Sie können heute über Ihre eigenen Social-Media-Kanäle, über Youtube ein Publikum erreichen, das teilweise die öffentlich-rechtlichen, auch die privaten institutionalisierten Medien nicht mehr erreichen. Wenn man das richtig nutzt, wenn man das gut macht, dann haben Sie über diese Kanäle eine Möglichkeit, Ihre eigenen Interessen wahrzunehmen, Ihre eigene Deutungshoheit auch zu behalten über das, was Sie gesagt haben. In ganz anderer Form, als wir das früher gehabt haben. So, und das ist die gute Nachricht der Digitalisierung."
Gut, die Merz-Äußerung ist am Rande einer Karnevalsveranstaltung getan worden, aber ... es dürfte dabei auch wenig helfen, wenn Merz die Darstellung des DJV-Vorsitzenden Frank Überall in einem Brief zurückwies, "ein seltsames Verständnis von der Rolle der Medien im demokratischen Rechtsstaat" zu haben.

Nun sind dies nicht alle seltsamen, spontanen Sätze eines versierten CDU-Vorsitz-Anwärter und eventuellem Kanzlerkandidaten. Den Grünen unterstellte er seinerzeit indirekt auf Twitter, sie wollten zurück in "vorindustrielle Strukturen". "Fridays for Future" bescheinigte der CDU-Politiker, "alles" abschalten und individuelle Mobilität verbieten zu wollen. Beides ist ebenso falsch wie auch die Behauptung von Merz, nur in Deutschland gebe es ein "individuelles Grundrecht auf Asyl."

Nachdem er 2004 einem obdachlosen Mann, der Merz' verlorenes Notebook gefunden hat, er ihm als Dankeschön und Finderlohn ein Exemplar seines Buches hat zukommen lassen - mit dem Titel: "Nur wer sich ändert, wird bestehen. Vom Ende der Wohlstandsillusion - Kursbestimmung für unsere Zukunft." muß Merz sich nun einer weiteren (und bestimmt nicht letzten) (un-)bedachten Äußerung erwehren. Auf die Frage, ob er Vorbehalte habe, wenn heute ein Schwuler Bundeskanzler würde, hatte er mit "Nein!" beantwortet. Er schob allerdings hinterher:
    "Solange sich das im Rahmen der Gesetze bewegt und solange es nicht Kinder betrifft – an der Stelle ist für mich allerdings eine absolute Grenze erreicht – ist das kein Thema für die öffentliche Diskussion."
Gut, primär ist an dieser Äußerung erstmal nichts auszusetzen. Gut, verständlich formuliert und ebenso lesbar. Aber es zeigt ein seltsames Verständnis. Schon der hergestellte Zusammenhang von "Homosexualität" und "Pädophilie" erscheint seltsam.

Ich-weiß-nicht, ... einen eventuellen Kanzler, der derartige (unbedachte) Äußerungen von sich gibt, brauchen wir in Deutschland nicht, oder?
    Deutschland hat den nicht verdient!
Fehlt nur noch, daß der nun auf dem FDP-Parteitag selbstherrlich, in der Pose eines Motivationsredners aufgetretene Christian Lindner um die Ecke kommt und in einem "Volljährige-Jungs-Pointenversuch" .., oder besser: in einem semisenilen Männergenerationen-Witz behauptet, er habe mit Ex-Generalsekretärin Teuteberg rund 300 Mal "den Tag zusammen begonnen", aber "nicht, was Ihr jetzt denkt!", sondern telefonierend.

Also inhaltlich passen beide zusammen ... wie Koch und Kellner. Aber braucht sie Deutschland?
"Ich teile Ihre Meinung nicht, ich werde aber bis zu meinem letzten Atemzug kämpfen, daß Sie Ihre Meinung frei äußern können." (Voltaire)

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