Nazi-Sprachgebrauch im Beschluß eines Amtsgerichts

Moderator: Moderatoren Forum 2

Ebiker
Beiträge: 2684
Registriert: Mo 16. Mai 2016, 11:06
Benutzertitel: Elektrowitsch 1. Ordnung

Re: Nazi-Sprachgebrauch im Beschluß eines Amtsgerichts

Beitragvon Ebiker » Mi 4. Dez 2019, 20:33

Marienberger hat geschrieben:(04 Dec 2019, 20:25)

Ich versuche ersteinmal herauszufinden, ob mein bekannter überhaupt eine Grundlage hat, etwas zu unternehmen, und wenn JA, wie?


Er kann natürlich weiterklagen in der nächsthöheren Instanz. Ob das Urteil wegen falscher Wortwahl dann anders ist weiss keiner
Benutzeravatar
Teeernte
Beiträge: 20302
Registriert: Do 11. Sep 2014, 18:55

Re: Nazi-Sprachgebrauch im Beschluß eines Amtsgerichts

Beitragvon Teeernte » Mi 4. Dez 2019, 20:37

Ebiker hat geschrieben:(04 Dec 2019, 20:33)

Er kann natürlich weiterklagen in der nächsthöheren Instanz. Ob das Urteil wegen falscher Wortwahl dann anders ist weiss keiner


.....die werden vor Lachen nicht in den Schlaf kommen....

Ich will Beihilfe .....für mein Einfamilienhaus, die Mercedesgarage, den Stellplatz für den Porsche meiner Frau - die monatlichen Autoraten - .....und die Miete für Tochter Jasmin.....in der TSCHECHEI.
Obs zu kalt, zu warm, zu trocken oder zu nass ist:.... Es immer der >>menschgemachte<< Klimawandel. :D
Benutzeravatar
watisdatdenn?
Beiträge: 3655
Registriert: Do 19. Jun 2008, 15:08

Re: Nazi-Sprachgebrauch im Beschluß eines Amtsgerichts

Beitragvon watisdatdenn? » Mi 4. Dez 2019, 20:42

Marienberger hat geschrieben:(04 Dec 2019, 19:57)

Und meine Threadfrage ist, ob und was man dagegen tun kann?

Ich hoffe nichts.
Interessanter wäre für mich die Frage ob meine Frau und meine Kinder als Nachkommen von Vertriebenen aus Böhmen/Tschechien irgendwann mal eine Entschädigung für den entrissenen Grund erhalten?
Zuletzt geändert von watisdatdenn? am Mi 4. Dez 2019, 20:45, insgesamt 2-mal geändert.
PeterK
Beiträge: 8030
Registriert: Di 31. Mai 2016, 11:06

Re: Nazi-Sprachgebrauch im Beschluß eines Amtsgerichts

Beitragvon PeterK » Mi 4. Dez 2019, 20:44

Marienberger hat geschrieben:(04 Dec 2019, 20:16)
Die Dramatik ist ungefähr folgende:

1.) wenn ein Sinti und Roma von einer Amtsperson als "Zigeuner" bezeichnet wird.

2.) wenn ein Pole von einer Amtsperson als "Polacke" bezeichnet wird.

3.) wenn ein Schwarzer von einer Amtsperson als "Neger" bezeichnet wird.

und alle Anreden sind nun mal leider gebräuchlich, aber nicht von Behörden.

Du hast vollkommen recht. Behörden/-vertreter sollten solchen Mist vermeiden. Andere übrigens auch.
Wir sehen: Geografische Namen sind oft, je nach Blickwinkel, politisch nicht korrekt. Das gilt auch für die Tschechische Republik. Dort legt man Wert darauf, dass die Deutschen das Land in der Kurzform Tschechien nennen und nicht Tschechei, weil dieser Begriff bei den Nazis beliebt war; Hitler hatte schließlich nachweislich "von der Zerschlagung der Rest-Tschechei gesprochen". Die tschechische Argumentation hat sich in Deutschland durchgesetzt, Tschechei sagen heute nur noch wenige, nämlich Ewiggestrige und Provokateure.

(Welt, 24.03.2008)
Zuletzt geändert von PeterK am Mi 4. Dez 2019, 20:50, insgesamt 1-mal geändert.
Benutzeravatar
Quatschki
Beiträge: 9878
Registriert: Mi 4. Jun 2008, 09:14
Wohnort: rechtselbisch

Re: Nazi-Sprachgebrauch im Beschluß eines Amtsgerichts

Beitragvon Quatschki » Mi 4. Dez 2019, 20:46

Wobei "Polak" in der polnischen Sprache durchaus vorkommt...
Ebiker
Beiträge: 2684
Registriert: Mo 16. Mai 2016, 11:06
Benutzertitel: Elektrowitsch 1. Ordnung

Re: Nazi-Sprachgebrauch im Beschluß eines Amtsgerichts

Beitragvon Ebiker » Mi 4. Dez 2019, 20:52

Das denkt vielleicht so ein Schreiberling von der Welt, hier ist Tschechei absolut gebräuchlich.Provozieren will damit niemand.
Politics
Beiträge: 1027
Registriert: So 20. Okt 2019, 11:08

Re: Nazi-Sprachgebrauch im Beschluß eines Amtsgerichts

Beitragvon Politics » Mi 4. Dez 2019, 20:53

PeterK hat geschrieben:(04 Dec 2019, 20:44)

Du hast vollkommen recht. Behörden/-vertreter sollten solchen Mist vermeiden.




(Welt, 24.03.2008)


Wir sehen: Geografische Namen sind oft, je nach Blickwinkel, politisch nicht korrekt. Das gilt auch für die Tschechische Republik. Dort legt man Wert darauf, dass die Deutschen das Land in der Kurzform Tschechien nennen und nicht Tschechei, weil dieser Begriff bei den Nazis beliebt war; Hitler hatte schließlich nachweislich "von der Zerschlagung der Rest-Tschechei gesprochen". Die tschechische Argumentation hat sich in Deutschland durchgesetzt, Tschechei sagen heute nur noch wenige, nämlich Ewiggestrige und Provokateure.



Angenommen Adolf H. hätte von der Zerschlagung des Restes der Tschechischen Republik gesprochen, dann dürft man nur Tschechei sagen, richtig?
"Ich hasse, was du sagst, aber ich würde mein Leben dafür geben, dass du es sagen darfst."

Voltair
Benutzeravatar
Alexyessin
Ehrenpräsident
Beiträge: 78335
Registriert: Do 17. Nov 2011, 22:16
Benutzertitel: Phönix
Wohnort: wo´s Herzal is

Re: Nazi-Sprachgebrauch im Beschluß eines Amtsgerichts

Beitragvon Alexyessin » Mi 4. Dez 2019, 20:56

PeterK hat geschrieben:(04 Dec 2019, 20:44)

Du hast vollkommen recht. Behörden/-vertreter sollten solchen Mist vermeiden. Andere übrigens auch.

(Welt, 24.03.2008)


Also ich bin mit Sicherheit kein Ewiggestriger, sage aber immer noch Tschechei.
Der neue Faschismus wird nicht sagen: Ich bin der Faschismus. Er wird sagen: Ich bin kein Nazi, aber...
Baier is ma ned so - Baier sei is a Lebenseinstellung
Mia glangt das i woas das i kennt wenn i woin dadat
PeterK
Beiträge: 8030
Registriert: Di 31. Mai 2016, 11:06

Re: Nazi-Sprachgebrauch im Beschluß eines Amtsgerichts

Beitragvon PeterK » Mi 4. Dez 2019, 20:58

Es ist ganz einfach:
Dort legt man Wert darauf, dass die Deutschen das Land in der Kurzform Tschechien nennen und nicht Tschechei, weil dieser Begriff bei den Nazis beliebt war;

Ist es schwierig, das a) zu verstehen und b) zu berücksichtigen?
Benutzeravatar
Quatschki
Beiträge: 9878
Registriert: Mi 4. Jun 2008, 09:14
Wohnort: rechtselbisch

Re: Nazi-Sprachgebrauch im Beschluß eines Amtsgerichts

Beitragvon Quatschki » Mi 4. Dez 2019, 20:59

Die amtliche Staatsbezeichnung heißt Česko oder Česká republika, auf deutsch heißt das "Böhmen" oder "Böhmische Republik"
"Tschechien" oder "Tschechei" ist bereits eine Eindeutschung des tschechischen Wortes unter Verdrängung des während der 800 Jahre zuvor gebräuchlichen deutschen Ausdrucks.
Benutzeravatar
Quatschki
Beiträge: 9878
Registriert: Mi 4. Jun 2008, 09:14
Wohnort: rechtselbisch

Re: Nazi-Sprachgebrauch im Beschluß eines Amtsgerichts

Beitragvon Quatschki » Mi 4. Dez 2019, 21:01

Hier ist es auch ganz gut erklärt ab 5:15 min:

https://www.youtube.com/watch?v=T225Nj1fBF8
Benutzeravatar
watisdatdenn?
Beiträge: 3655
Registriert: Do 19. Jun 2008, 15:08

Re: Nazi-Sprachgebrauch im Beschluß eines Amtsgerichts

Beitragvon watisdatdenn? » Mi 4. Dez 2019, 21:07

Alexyessin hat geschrieben:(04 Dec 2019, 20:56)
Also ich bin mit Sicherheit kein Ewiggestriger, sage aber immer noch Tschechei.

oO!
Du traust dir was!

Ich sage Böhmen oder Tschechien und kenne das auch nur so.
Bin aber der Meinung, dass du sagen sollen darfst was du willst!
PeterK
Beiträge: 8030
Registriert: Di 31. Mai 2016, 11:06

Re: Nazi-Sprachgebrauch im Beschluß eines Amtsgerichts

Beitragvon PeterK » Mi 4. Dez 2019, 21:22

Alexyessin hat geschrieben:(04 Dec 2019, 20:56)
Also ich bin mit Sicherheit kein Ewiggestriger, sage aber immer noch Tschechei.

Ich nehme an, weil Du nicht wusstest, dass viele Tschechen das nicht so toll finden. Vielleicht sagst Du ja - nun, da Du es weißt - "Tschechien", ohne dass Dir ein Zacken aus der Krone bricht ;).
Benutzeravatar
naddy
Beiträge: 923
Registriert: Mo 18. Mär 2019, 11:50

Re: Nazi-Sprachgebrauch im Beschluß eines Amtsgerichts

Beitragvon naddy » Mi 4. Dez 2019, 21:29

"Tschechei" oder "Tschechien"? Unfassbar! Diese ausufernde Terminologie-Debatte nimmt allmählich die Form einer respektablen Massenpsychose an. Für einige Leute scheint es fast nichts Wichtigeres zu geben, als "korrekte" Bezeichnungen. Wenn so ein Kinderkram freundlichen Umgang miteinander gefährdet, sollte man auf gewisse Freundschaften auch verzichten können. Mein/e Partner*in spricht mich gelegentlich auch mit "Mausi", statt mit meinem korrekten Namen an. Sollte ich mich deshalb von ihm/ihr/ oder es trennen?

In diesem Sinne, verehrte Verbrecher*innen. Oder muß es "VerbrecherInnen" heißen? ;)
"Das gefährliche an der Dummheit ist, daß sie die dumm macht, die ihr begegnen." (Sokrates).
PeterK
Beiträge: 8030
Registriert: Di 31. Mai 2016, 11:06

Re: Nazi-Sprachgebrauch im Beschluß eines Amtsgerichts

Beitragvon PeterK » Mi 4. Dez 2019, 21:35

naddy hat geschrieben:(04 Dec 2019, 21:29)
Unfassbar! Diese ausufernde Terminologie-Debatte nimmt allmählich die Form einer respektablen Massenpsychose an.

Richtig. Dabei ist es doch ganz einfach, darauf zu verzichten, Menschen oder Staaten so zu nennen, wie sie nicht genannt werden möchten.
Benutzeravatar
conscience
Moderator
Beiträge: 1662
Registriert: Sa 4. Jun 2016, 13:56
Benutzertitel: Ideen-'Geschicht‘ler'

Re: Nazi-Sprachgebrauch im Beschluß eines Amtsgerichts

Beitragvon conscience » Mi 4. Dez 2019, 21:49

Ich halte diese Diskussion irgendwie für eine Farce -
ich sehe nicht den Sinn, den der TE mit dem Thread verfolgt.
Solidarität mit Israel - gegen Antisemitismus und Antizionismus.

Geben Sie Gedankenfreiheit!
Benutzeravatar
naddy
Beiträge: 923
Registriert: Mo 18. Mär 2019, 11:50

Re: Nazi-Sprachgebrauch im Beschluß eines Amtsgerichts

Beitragvon naddy » Mi 4. Dez 2019, 21:51

PeterK hat geschrieben:(04 Dec 2019, 21:35)

Richtig. Dabei ist es doch ganz einfach, darauf zu verzichten, Menschen oder Staaten so zu nennen, wie sie nicht genannt werden möchten.


Genau. Das erklärt auch, warum in Foren niemand von "Rassisten", "Faschisten", "Xenophoben" usw. spricht. Weil es halt so einfach ist.

Ich werde bei meinen nächsten Auslandsaufenthalten jede*n die/der mir begegnet danach fragen, wie er/sie denn gerne genannt werden möchte. Sollten unterschiedliche Wünsche genannt werden - was bereits in Katalonien zu erwarten ist - werde ich halt eine Namensliste der Betroffenen anlegen. Um ja keinen Fehler zu machen und niemandem auf die Füße zu treten.

conscience hat geschrieben:(04 Dec 2019, 21:49)

Ich halte diese Diskussion irgendwie für eine Farce - ich sehe nicht den Sinn, den der TE mit dem Thread verfolgt.


Das ist mir allerdings auch nicht gelungen.
"Das gefährliche an der Dummheit ist, daß sie die dumm macht, die ihr begegnen." (Sokrates).
Benutzeravatar
3x schwarzer Kater
Beiträge: 17685
Registriert: Mo 26. Mai 2014, 16:25
Benutzertitel: Do legst di nieda
Wohnort: Schwaben

Re: Nazi-Sprachgebrauch im Beschluß eines Amtsgerichts

Beitragvon 3x schwarzer Kater » Mi 4. Dez 2019, 21:56

conscience hat geschrieben:(04 Dec 2019, 21:49)

Ich halte diese Diskussion irgendwie für eine Farce -
ich sehe nicht den Sinn, den der TE mit dem Thread verfolgt.


Geht sich aus dem Eingangsbeitrag hervor. Er will kompetenten juristischen Rat von den zahlreichen hier vertretenen Fachleuten. ;)
„Es wurde schon alles gesagt, nur noch nicht von jedem.“ (Karl Valentin)
PeterK
Beiträge: 8030
Registriert: Di 31. Mai 2016, 11:06

Re: Nazi-Sprachgebrauch im Beschluß eines Amtsgerichts

Beitragvon PeterK » Mi 4. Dez 2019, 21:57

naddy hat geschrieben:(04 Dec 2019, 21:51)
Ich werde bei meinen nächsten Auslandsaufenthalten jede*n die/der mir begegnet danach fragen, wie er/sie denn gerne genannt werden möchte.

Ich hoffe, dass Du das - als höflicher Mensch - auch bisher so gehandhabt hast. Nicht nur im "Ausland".
Zuletzt geändert von PeterK am Mi 4. Dez 2019, 21:59, insgesamt 1-mal geändert.
Benutzeravatar
conscience
Moderator
Beiträge: 1662
Registriert: Sa 4. Jun 2016, 13:56
Benutzertitel: Ideen-'Geschicht‘ler'

Re: Nazi-Sprachgebrauch im Beschluß eines Amtsgerichts

Beitragvon conscience » Mi 4. Dez 2019, 21:58

3x schwarzer Kater hat geschrieben:(04 Dec 2019, 21:56)

Geht sich aus dem Eingangsbeitrag hervor. Er will kompetenten juristischen Rat von den zahlreichen hier vertretenen Fachleuten. ;)


Ich empfehle einen Anwalt zu konsultieren und dann erfährt man für ca. 250 € woran man ist :D
Solidarität mit Israel - gegen Antisemitismus und Antizionismus.

Geben Sie Gedankenfreiheit!

Zurück zu „2. Innenpolitik - Verfassung“

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: Google [Bot] und 3 Gäste