Die bürgerliche Mitte - Wie verhält sie sich zum Rechtsruck?

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Selina
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Re: Die bürgerliche Mitte - Wie verhält sie sich zum Rechtsruck?

Beitragvon Selina » Di 30. Apr 2019, 13:42

JJazzGold hat geschrieben:(30 Apr 2019, 13:21)

Man kann im sog. Westen nicht nur arbeiten, sondern auch wohnen. Womit auch das “da“ entfällt.


Ich weiß. Haben ja auch viele gemacht, sich ganz dort angesiedelt. Kenne ich aus dem eigenen Freundeskreis. Nur: Irgendwo hat das alles Grenzen. Manche Ost-Regionen, die, denen es ein wenig besser geht als den oben von mir beschriebenen, atmen gerade auf, weil die Abwanderung stagniert, beendet worden ist und es sogar ein wenig bergauf geht mit der östlichen Bevölkerungsentwicklung. Nein, da müssen andere Dinge passieren. Der CDU-Kretschmer hat ja vieles gesagt, was er etwa in Sachsen alles tun will, um die Leute dort zu halten und auch gut und langfristig dort zu halten. Es muss halt nur gemacht werden. Ein einzelnes Menschenleben ist nun mal endlich.
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Re: Die bürgerliche Mitte - Wie verhält sie sich zum Rechtsruck?

Beitragvon schokoschendrezki » Di 30. Apr 2019, 13:55

Selina hat geschrieben:(30 Apr 2019, 13:36)

Stimmt. Aber ob der Föderalismus Deutschland vor so einer ähnlichen Situation wie in Ungarn bewahren kann? Glaubst du das?

Nee. Gegenwärtig scheint es so zu sein, dass quasi niemand das föderale Prinzip anzuzweifeln wagt, aber eine sehr große und immer gößer werdende Menge von (auch pollitisch sehr moderat bis konservativ eingestellten) Leuten schwer vom praktischen Föderalismus genervt ist. Bildungspolitik ist bekanntlich das wichtigste Betätigungsfeld für Föderalismus und die Diskussion um den Digitalisierungspakt zeigt, wie beschädigt dieses Konzept inzwischen ist. Anderes Thema.

Einfach die Größe und grundsätzliche Heterogenität Deutschlands bewahrt das Land vor solchen Gemeinschaftsphantasien. Es gibt zuviele unterschiedliche Gruppen mit unterschiedlichen Interessen, die auch ein nationalistischer Klebstoff nicht politisch zusammenbringen würde.
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Re: Die bürgerliche Mitte - Wie verhält sie sich zum Rechtsruck?

Beitragvon schokoschendrezki » Di 30. Apr 2019, 14:02

In der Diskussion um Staat, Etatismus, Kapitalismus, Eigenverantwortlichkeit usw. würde ich meine eigene linksliberale Position kurz und knapp so beschreiben und von einer linkssozialistischen abgrenzen: Der Staat als "Ermöglicher"? Unbedingt! Der Staat als "Versorger"? Unter keinen Umständen!

"Ermöglichung" betrifft Bereiche wie Infrastruktur, Bildung, Wissenschaft, Kultur, Gesundheitswesen.
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Re: Die bürgerliche Mitte - Wie verhält sie sich zum Rechtsruck?

Beitragvon Selina » Di 30. Apr 2019, 14:16

schokoschendrezki hat geschrieben:(30 Apr 2019, 14:02)

In der Diskussion um Staat, Etatismus, Kapitalismus, Eigenverantwortlichkeit usw. würde ich meine eigene linksliberale Position kurz und knapp so beschreiben und von einer linkssozialistischen abgrenzen: Der Staat als "Ermöglicher"? Unbedingt! Der Staat als "Versorger"? Unter keinen Umständen!

"Ermöglichung" betrifft Bereiche wie Infrastruktur, Bildung, Wissenschaft, Kultur, Gesundheitswesen.


Damit befindest du dich hier aber in "guter" Gesellschaft, denn wenn du den Staat als "Versorger" ablehnst, dann lehnst du auch die Sozialsysteme ab, die es ermöglichen, Armut, Krankheit, Behinderung, Erwerbsminderung und dergleichen mehr ein kleines bisschen abzufedern. Das kannst du doch nicht allen Ernstes gut finden. Oder hab ich dich missverstanden? Und wie gesagt: Auch mir geht es nicht um Rundum-Versorgung durch den Staat (hab ich selbst zum Beispiel nie in Anspruch genommen), sondern lediglich um die Beibehaltung des Sozialstaats-Prinzips. Du kannst nicht sämtliche Bedürftige (ich kenne etliche von ihnen und das nicht zu knapp) einfach hinten runterrutschen lassen.
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Re: Die bürgerliche Mitte - Wie verhält sie sich zum Rechtsruck?

Beitragvon Teeernte » Di 30. Apr 2019, 14:19

Selina hat geschrieben:(30 Apr 2019, 13:42)

Ich weiß. Haben ja auch viele gemacht, sich ganz dort angesiedelt. Kenne ich aus dem eigenen Freundeskreis. Nur: Irgendwo hat das alles Grenzen. Manche Ost-Regionen, die, denen es ein wenig besser geht als den oben von mir beschriebenen, atmen gerade auf, weil die Abwanderung stagniert, beendet worden ist und es sogar ein wenig bergauf geht mit der östlichen Bevölkerungsentwicklung. Nein, da müssen andere Dinge passieren. Der CDU-Kretschmer hat ja vieles gesagt, was er etwa in Sachsen alles tun will, um die Leute dort zu halten und auch gut und langfristig dort zu halten. Es muss halt nur gemacht werden. Ein einzelnes Menschenleben ist nun mal endlich.


Für die wohlhabendere Mitte fehlt im Osten die Infrastruktur. .....Schwarz ist da alles zu haben. Aber "NORMAL" nicht - ....oder eben zu Mondpreisen.

Beispiel >> Schneeräumdienst - Vertrag von O bis O.... da will man den Meter 10 Euro im Monat. Das sind bei mir - 400 Eu für Schneeräumdienst......im Monat.

Meine Kollegen haben für das Geld einen kompletten Hausmeisterservice ....

Ausserdem lassen sich die "Wolhabenden" Dörfer im Osten dauernd irgendetwas mit Zuzahlung einfallen... :D :D :D
Obs zu kalt, zu warm, zu trocken oder zu nass ist:.... Es immer der >>menschgemachte<< Klimawandel. :D
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Re: Die bürgerliche Mitte - Wie verhält sie sich zum Rechtsruck?

Beitragvon schokoschendrezki » Di 30. Apr 2019, 14:21

Selina hat geschrieben:(30 Apr 2019, 13:30)

Wie immer toll beschrieben in den Details. Bis auf eines. Du schreibst "Der Rechtsruck in Europa speist sich nicht aus einem bürgerlichen Sicherheitsbedürfnis und auch nicht aus einer Ausgleichspendelbewegung nach einem Linksruck sondern aus einer irrationalen nationalistischen Gefühlsaufwallung." Diese ganze gewaltige europäische und weltweite Rechtsruck-Geschichte alleine wegen einer "irrationalen nationalistischen Gefühlsaufwallung"? Nein, diese nationalistische Gefühlsaufwallung hat ebenfalls - wie alle derartigen Prozesse - knallharte Ursachen in Wirtschaft und Politik. Da wabert nichts Irrationales durch die Gegend.

Dass im Hintergrund immer Interessen stehen, das glaube ich auch. Die werden aber - das ist mein Eindruck - in zunehmendem Maße nicht mehr hinter den nationalistischen Aufpeitschungen wahrgenommen. In vielen Fällen ist ein irrationaler Nationalismus einfach der benötigte Nebel, hinter welchem sich ungestört Korruption und Oligarchenwirtschaft entfalten kann.
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Re: Die bürgerliche Mitte - Wie verhält sie sich zum Rechtsruck?

Beitragvon schokoschendrezki » Di 30. Apr 2019, 14:35

Selina hat geschrieben:(30 Apr 2019, 14:16)

Damit befindest du dich hier aber in "guter" Gesellschaft, denn wenn du den Staat als "Versorger" ablehnst, dann lehnst du auch die Sozialsysteme ab, die es ermöglichen, Armut, Krankheit, Behinderung, Erwerbsminderung und dergleichen mehr ein kleines bisschen abzufedern. Das kannst du doch nicht allen Ernstes gut finden. Oder hab ich dich missverstanden? Und wie gesagt: Auch mir geht es nicht um Rundum-Versorgung durch den Staat (hab ich selbst zum Beispiel nie in Anspruch genommen), sondern lediglich um die Beibehaltung des Sozialstaats-Prinzips. Du kannst nicht sämtliche Bedürftige (ich kenne etliche von ihnen und das nicht zu knapp) einfach hinten runterrutschen lassen.

Also nach meinem Verständnis wird etwa meine Gesundheitsversorgung nicht durch den Staat bezahlt sondern durch die Einzahlungen der an der Krankenversicherung beteiligten. Der Staat muss "nur" das Funktionieren der entsprechenden Instanzen ermöglichen. Trivialerweise kann keine Staatsbürokratie irgendwie real finanzielle Mittel aus dem Nichts generieren. Auch nicht durch Gelddruckerei. Das ist erstmal das große Bild. In den ganzen Begrifflichkeiten sozialer Versorgungsleistungen würde ich mich hilflos verirren. Aber letztendlich kann eine Staatsbürokratie gar kein "Versorger" sondern wenn überhaupt nur Agent einer solchen Versorgung sein.

Dass der umsorgende Vater Staat kein Monopol realsozialistischer Vorstellung ist, zeigt einmal das skandinavische "Volksheim"-Modell (Bitte nicht!) und zum anderen die aktuelle ausgesprochen rechtskonservative Regierung Polens. Umfassende soziale Versorgungsleistungen vor allem auf dem Land sind ein zentraler Punkt im Regierungsprogramm der PiS. Dafür nimmt sich dieser Sorgenvater Staat auch das Recht heraus, zu bestimmen, was in den Museen hängt und was nicht. Nein. Ich bin absolut gegen einen Staat als "Versorger" eingestellt.
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Re: Die bürgerliche Mitte - Wie verhält sie sich zum Rechtsruck?

Beitragvon Bleibtreu » Di 30. Apr 2019, 14:48

Ich moechte die Teilnehmer letztmalig daran erinnern wieder zum StrangThema zurueck zu finden, sonst muss ich grossraeumig auskehren - Danke!
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Re: Die bürgerliche Mitte - Wie verhält sie sich zum Rechtsruck?

Beitragvon Selina » Di 30. Apr 2019, 15:26

Nochmal: In diesem Strang geht es darum, wie sich die bürgerliche Mitte zum Rechtsruck verhält und nicht darum, dass die bürgerliche Mitte selbst nach rechts rutscht. Letzteres wäre dann nochmal ein etwas anderes Thema. Auch wichtig, aber eben anders.
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Re: Die bürgerliche Mitte - Wie verhält sie sich zum Rechtsruck?

Beitragvon Fliege » Di 30. Apr 2019, 15:38

Skeptiker hat geschrieben:(28 Apr 2019, 22:44)
Das Merkmal von Gesinnungsethik ist schlicht, die Folgen des Handelns nicht zu berücksichtigen - bewirken kann es sehr wohl etwas.
JJazzGold hat geschrieben:(30 Apr 2019, 11:01)
Wenn Sie mich fragen, dann will die bürgerliche Mitte exakt das, was in der Definition beschrieben ist, ein gesichertes, in vorhersehbaren Bahnen langfristig planbares Leben und sich in großen Teilen durchaus bewusst, dass sie dieses nicht durch einen Rechtsruck oder Linksruck ermöglicht bekommt, weshalb sie beidem äusserst misstrauisch gegenüber steht. [/color]
Wolverine hat geschrieben:(30 Apr 2019, 11:19)
Der Kapitalismus dient den linken als Ausrede für den eigenen Hang zur Gewalt.
Dark Angel hat geschrieben:(30 Apr 2019, 15:01)
Dass der Leistungsgedanke in gewissen Kreisen verpönt ist, ist mir durchaus bekannt und bewusst. Die stehen und fordern halt Vollversorgung vom Staat und dafür aufkommen sollen die Leistungsträger.
Diese Leistungsträger finden sich allerdings in der bürgerlichen Mitte/ in der Mittelschicht und dort ist auch der Leistungsgedanke beheimatet.
Allerdings will sich die bürgerliche Mitte/die Mittelschicht nicht noch mehr schröpfen lassen und begehrt dagegen auf, was dann gerne als Rechtsruck bejammert wird.
Wenn der Leistungsgedanke etwas weiter verbreitet wäre, würde es manchem besser gehen!

Zur bürgerlichen Mitte passt vorzüglich ein Aufsatz von Odo Marquard (Philosoph, 2015 gestorben) mit dem Titel "Apologie der Bürgerlichkeit" (14 Seiten, erschienen 2003 und 2015 bei Reclam im Aufsatzband Zukunft braucht Herkunft).

Im Philosophie-Bereich des Forums könnte sich das Lesen und Diskutieren dieses Aufsatzes durchaus lohnen.
Medienversagen: "für den gehobenen Moralbedarf"; Migrationsdesaster: "wie ein Hippie-Staat"; Klimahysterie: "weltweit dümmste Energiepolitik".
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Re: Die bürgerliche Mitte - Wie verhält sie sich zum Rechtsruck?

Beitragvon Dark Angel » Di 30. Apr 2019, 15:52

Selina hat geschrieben:(30 Apr 2019, 15:26)

Nochmal: In diesem Strang geht es darum, wie sich die bürgerliche Mitte zum Rechtsruck verhält und nicht darum, dass die bürgerliche Mitte selbst nach rechts rutscht. Letzteres wäre dann nochmal ein etwas anderes Thema. Auch wichtig, aber eben anders.

Wie soll sich denn die bürgeliche Mitte zu einem Rechtsruck verhalten, den es gar nicht gibt bzw der nur in den Köpfen bestimmter Zeitgenossen stattfindet?
Wie soll sich die bürgerliche Mitte denn verhalten, wenn alles als rechts eingeordnet wird, was nicht der eigenen linken Weltsicht entspricht?
Zur bürgerlichen Mitte gehört auch die politische Mitte und die definiert sich von linksliberal über liberal bis konservativ/rechtskonservativ und die ist sehr wohl demokratisch eingestellt bzw verteidigt die Demokratie.
Was man von den Rändern links und rechtsextrem nicht sagen kann.
Linksextreme und Linke sowie Rechtsextreme favorisieren Diktaturen, in denen das Kollektiv in der einen oder anderen Art im Mittelpunkt steht. Beide favorisieren Gleichmacherei auf die eine oder andere Art.
Die einen können ihre Absichten nur besser kaschieren.
Gegen die menschliche Dummheit sind selbst die Götter machtlos.

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Re: Die bürgerliche Mitte - Wie verhält sie sich zum Rechtsruck?

Beitragvon Bleibtreu » Di 30. Apr 2019, 18:05

Bleibtreu hat geschrieben:(30 Apr 2019, 14:48)

Ich moechte die Teilnehmer letztmalig daran erinnern wieder zum StrangThema zurueck zu finden, sonst muss ich grossraeumig auskehren - Danke!


Da meine Aufforderung nicht fruchtete, ist hier zur Reinigung + Abkuehlung bis Morgen zu - Sanktionen nicht ausgeschlossen!

Edit - Reinigung abgeschlossen, Strang wieder offen. - Ich rate dringend davon ab, in diesem Strang weiter Themen fremd zu diskutieren und zu spamen.

Die brauchbaren Beitraege zum Thema LeistungsGedanke habe ich in der Ablage separat gesammelt. Diese muessen von einem Kollegen mit entsprechenden ModRechten in das passende Forum verschoben werden. Ich habe ihn bereits kontaktiert, ihr werdet also mit der Fortsetzung warten muessen, bis er taetig wird.
Zuletzt geändert von Bleibtreu am Mi 1. Mai 2019, 08:42, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Die bürgerliche Mitte - Wie verhält sie sich zum Rechtsruck?

Beitragvon Selina » Mi 1. Mai 2019, 14:50

schokoschendrezki hat geschrieben:(30 Apr 2019, 13:55)

Nee. Gegenwärtig scheint es so zu sein, dass quasi niemand das föderale Prinzip anzuzweifeln wagt, aber eine sehr große und immer gößer werdende Menge von (auch pollitisch sehr moderat bis konservativ eingestellten) Leuten schwer vom praktischen Föderalismus genervt ist. Bildungspolitik ist bekanntlich das wichtigste Betätigungsfeld für Föderalismus und die Diskussion um den Digitalisierungspakt zeigt, wie beschädigt dieses Konzept inzwischen ist. Anderes Thema.

Einfach die Größe und grundsätzliche Heterogenität Deutschlands bewahrt das Land vor solchen Gemeinschaftsphantasien. Es gibt zuviele unterschiedliche Gruppen mit unterschiedlichen Interessen, die auch ein nationalistischer Klebstoff nicht politisch zusammenbringen würde.


Ok. Die Frage wäre nur: Inwieweit ist dieser neue Nationalismus der Rechtspopulisten schon in der bürgerlichen Mitte angekommen? Oder anders gefragt: Hat dieser Nationalismus überhaupt die Kraft, bis tief in die bürgerliche Mitte einzudringen? Oder sind Liberalität und die erwähnte Heterogenität in Deutschland noch stark genug, das gar nicht erst zuzulassen?
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Re: Die bürgerliche Mitte - Wie verhält sie sich zum Rechtsruck?

Beitragvon BlueMonday » Mi 1. Mai 2019, 15:09

Allein die Existenz des heutigen deutschen Nationalstaates("Deutschland") oder sonstiger Staaten beweist doch, dass der Nationalismus nicht nur irgendwo "angekommen" ist, sondern die Basis der heutigen politischen Strukturen bildet. Auf Basis dieser Idee der Zugehörigkeit wird dann bspw. das Staatsvolk besteuert.

Was hat zur deutschen Einheit geführt? Das kann ja wohl bloß die Idee einer deutschen Nation, die irgendwie zusammengehört, gewesen sein. Wer gegen Nationalismus und Kollektivismus ist, müsste stattdessen für Seperation, Sezession etc sein, die bis hinunter zum Einzelmenschen reicht.
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Re: Die bürgerliche Mitte - Wie verhält sie sich zum Rechtsruck?

Beitragvon Selina » Mi 1. Mai 2019, 15:46

BlueMonday hat geschrieben:(01 May 2019, 15:09)

Allein die Existenz des heutigen deutschen Nationalstaates("Deutschland") oder sonstiger Staaten beweist doch, dass der Nationalismus nicht nur irgendwo "angekommen" ist, sondern die Basis der heutigen politischen Strukturen bildet. Auf Basis dieser Idee der Zugehörigkeit wird dann bspw. das Staatsvolk besteuert.

Was hat zur deutschen Einheit geführt? Das kann ja wohl bloß die Idee einer deutschen Nation, die irgendwie zusammengehört, gewesen sein. Wer gegen Nationalismus und Kollektivismus ist, müsste stattdessen für Seperation, Sezession etc sein, die bis hinunter zum Einzelmenschen reicht.


Ich verstehe unter Nationalismus eine übersteigerte Form von Nationalbewusstsein. Dieser Nationalismus glorifiziert und überhöht die eigene Nation und setzt andere Nationen herab. So etwas war meines Erachtens nicht gemeint und nicht gewollt mit der deutschen Einheit.

https://www.bpb.de/nachschlagen/lexika/ ... ionalismus

Wobei ich absolut nichts gegen den Begriff "Nation" einzuwenden habe. Wär ja auch. Mir geht es lediglich darum, alles zu vermeiden, womit die eigene Nation überhöht wird. Diese Art von Nationalismus hatten wir schon mal. Mit üblen Folgen.
Zuletzt geändert von Selina am Mi 1. Mai 2019, 16:00, insgesamt 2-mal geändert.
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Re: Die bürgerliche Mitte - Wie verhält sie sich zum Rechtsruck?

Beitragvon Dark Angel » Mi 1. Mai 2019, 15:51

Selina hat geschrieben:(01 May 2019, 14:50)

Ok. Die Frage wäre nur: Inwieweit ist dieser neue Nationalismus der Rechtspopulisten schon in der bürgerlichen Mitte angekommen? Oder anders gefragt: Hat dieser Nationalismus überhaupt die Kraft, bis tief in die bürgerliche Mitte einzudringen? Oder sind Liberalität und die erwähnte Heterogenität in Deutschland noch stark genug, das gar nicht erst zuzulassen?

Ihr solltet endlich mal zwischen Patriotismus/Nationalbewusstsein und Nationalismus unterscheiden lernen!
Nicht jedes Zusammengehörigkeitsgefühl als Nation, als Gemeinschaft ist a) irrational, b) rechtspopulistisch oder c) nationalistisch.
Im Gegensatz zum Nationalismus ist der Patriotismus durchaus in der bürgerlichen Mitte beheimatet bzw hat dort seine Wurzeln.

Dazu ein passender Aphorismus von Stephan Zweig:
"Wer seine Wurzeln nicht kennt, kennt keinen Halt."

Patriotismus und Zusammengehörigkeitsgefühl bieten diesen Halt.
Die Verschwurbelung von Begriffen miteinander, die eigentlich nichts miteinander zu tun haben, die Diffamierung von Patriotismus als Rechtspopulismus und/oder Nationalismus erfüllt eigentlich nur einen Zweck, die Gesellschaft zu spalten, Gräben zu ziehen.
Und wer diese Gräben zieht, sollte eigentlich klar sein ...
Dieses "Einprügeln" auf die bürgerliche Mitte, die sich dem angeblichen Rechtsruck nicht energisch genug entgegen stellt, dient nichts anderem als der Vertiefung, bereits vorhandener Gräben, quer durch die Gesellschaft.
Und dazu passend:
"Demokratie wird unter den Schmerzen aller Beteiligten geboren – denn wer gibt sich schon gerne mit Menschen ab, die einen gänzlich anderen Standpunkt vehement vertreten? Selbst wenn hundert Personen der gleichen Meinung sind, ist es Aufgabe der Meinungsfreiheit, dem einzigen Abtrünnigen Gehör und Schutz zu verschaffen. Meinungsfreiheit ist das Recht auf Gehör des Exzentrikers, nicht das Privileg des Mächtigen. Denn wie oft ist Konsens gleich Nonsens? Demokratie stirbt, wenn sich niemand mehr für ihre Grundlagen einsetzt."
Quelle


Die Abtrünnigen sind diejenigen, die nicht der PC folgen und die werden als "rechts" diffamiert und stigmatisiert, weil nur so ein allgemeiner "Rechtsruck" konstatiert werden kann.
Zuletzt geändert von Dark Angel am Mi 1. Mai 2019, 16:04, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Die bürgerliche Mitte - Wie verhält sie sich zum Rechtsruck?

Beitragvon Trifels » Mi 1. Mai 2019, 16:02

Selina hat geschrieben:(01 May 2019, 15:46)

Ich verstehe unter Nationalismus eine übersteigerte Form von Nationalbewusstsein. Dieser Nationalismus glorifiziert und überhöht die eigene Nation und setzt andere Nationen herab. So etwas war meines Erachtens nicht gemeint und nicht gewollt mit der deutschen Einheit.

https://www.bpb.de/nachschlagen/lexika/ ... ionalismus


Dein Verständnis = falsch. Ohne National keine Aufhänger für Rechte , Pflichten, Soziales, für das jeweilige Staatsvolk. National ist die Fassung. Der Inhalt in D = der/die Wert(e) der FDGO. Deine FDGO = Blubb.
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Re: Die bürgerliche Mitte - Wie verhält sie sich zum Rechtsruck?

Beitragvon Selina » Mi 1. Mai 2019, 16:06

Niemand diffamiert Patriotismus als rechtspopulistisch. Eindeutig rechtspopulistisch oder besser rechtsradikal dagegen ist ein übersteigertes Nationalbewusstsein, ein völkischer Nationalismus. Wikipedia nennt das "exklusiven Nationalismus" bzw. Chauvinismus.

Zitat:

Als exklusiver Nationalismus oder Chauvinismus wird ein übersteigertes Wertgefühl bezeichnet, das auf die teilweise aggressive Abgrenzung von anderen Nationen zielt.[12] Die Überhöhung der eigenen Nation mit dem Ziel einer möglichst weitgehenden Einheit von Volk und Raum geht oft einher mit der Ausgrenzung und Diskriminierung, im Extrem bis zu Vertreibung oder Vernichtung ethnischer und anderer Minderheiten, die als dem imaginierten Volkskörper fremd oder schädlich angesehen werden. Beispiele für exklusive Nationalismen sind der italienische Faschismus, der deutsche Nationalsozialismus und die ethnischen Säuberungen nach dem Zerfall Jugoslawiens in den 1990er Jahren. Der exklusive Nationalismus erhebt ein „Loyalitäts- und Deutungsmonopol“: Das Individuum soll nicht mehr seine Religion, seine Heimatregion oder die dort herrschende Dynastie als identitätsstiftenden Fokus des Denkens und Handelns ansehen, sondern allein die Nation.[13] Dieser Anspruch kann in einem integralen Nationalismus bis zur Relativierung oder gar Abwertung des Individuums führen: „Du bist nichts, dein Volk ist alles“.[14] Daher wird dieser Nationalismus unter die politischen Religionen eingeordnet.[15] Seit den 1970er Jahren wird der Begriff fast ausschließlich im Sinne von Chauvinismus verwendet.[16]

https://de.wikipedia.org/wiki/Nationali ... ionalismus
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Re: Die bürgerliche Mitte - Wie verhält sie sich zum Rechtsruck?

Beitragvon Selina » Mi 1. Mai 2019, 16:08

Trifels hat geschrieben:(01 May 2019, 16:02)

Dein Verständnis = falsch. Ohne National keine Aufhänger für Rechte , Pflichten, Soziales, für das jeweilige Staatsvolk. National ist die Fassung. Der Inhalt in D = der/die Wert(e) der FDGO. Deine FDGO = Blubb.


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Re: Die bürgerliche Mitte - Wie verhält sie sich zum Rechtsruck?

Beitragvon Dark Angel » Mi 1. Mai 2019, 16:23

Selina hat geschrieben:(01 May 2019, 16:06)

Niemand diffamiert Patriotismus als rechtspopulistisch. Eindeutig rechtspopulistisch oder besser rechtsradikal dagegen ist ein übersteigertes Nationalbewusstsein, ein völkischer Nationalismus. Wikipedia nennt das "exklusiven Nationalismus" bzw. Chauvinismus.

Zitat:

Als exklusiver Nationalismus oder Chauvinismus wird ein übersteigertes Wertgefühl bezeichnet, das auf die teilweise aggressive Abgrenzung von anderen Nationen zielt.[12] Die Überhöhung der eigenen Nation mit dem Ziel einer möglichst weitgehenden Einheit von Volk und Raum geht oft einher mit der Ausgrenzung und Diskriminierung, im Extrem bis zu Vertreibung oder Vernichtung ethnischer und anderer Minderheiten, die als dem imaginierten Volkskörper fremd oder schädlich angesehen werden. Beispiele für exklusive Nationalismen sind der italienische Faschismus, der deutsche Nationalsozialismus und die ethnischen Säuberungen nach dem Zerfall Jugoslawiens in den 1990er Jahren. Der exklusive Nationalismus erhebt ein „Loyalitäts- und Deutungsmonopol“: Das Individuum soll nicht mehr seine Religion, seine Heimatregion oder die dort herrschende Dynastie als identitätsstiftenden Fokus des Denkens und Handelns ansehen, sondern allein die Nation.[13] Dieser Anspruch kann in einem integralen Nationalismus bis zur Relativierung oder gar Abwertung des Individuums führen: „Du bist nichts, dein Volk ist alles“.[14] Daher wird dieser Nationalismus unter die politischen Religionen eingeordnet.[15] Seit den 1970er Jahren wird der Begriff fast ausschließlich im Sinne von Chauvinismus verwendet.[16]

https://de.wikipedia.org/wiki/Nationali ... ionalismus

Doch DU tust es (!), indem du Patriotismus mit Nationalismus gleichsetzt, indem du Zusammengehörigkeitsgefühl mit Nationalismus gleichsetzt. Du unterstellst eine Überhöhung der eigenen Nation, des eigenen Staatsvolkes wo keine ist und du unterstellst eine Abwertung anderer Nationen und Völker, wo das gar nicht der Fall ist.
Wo und von wem werden denn in Deutschland Menschen anderer Völker/aus anderen Staaten diskriminiert - tatsächlich diskriminiert, NICHT gefühlt?
Kritik hat nichts mit Diskriminierung zu tun!
Wer fordert denn, allein die Nation als alleinigen identitätsstiftenden Focus zu betrachten?
Von dir und deinesgleichen wird doch bereits die individuelle Identifizierung mit einer Kultur und das Zugehörigkeitsgefühl zu einer Kultur als rääächts und nationalistisch diffamiert. Für dich ist es doch schon eine Überhöhung des Eigenen und Abwertung des Anderen/Fremden, wenn man als Individuum von kultureller Identität spricht - natürlich nur so lange man Deutscher ist. Jedem anderen gestehst du eine kulturelle Identität zu, gestehst du zu seine Traditionen zu pflegen, sich abzugrenzen und jegliche Kritik daran, ist für dich bereits nationalistisch.
Gegen die menschliche Dummheit sind selbst die Götter machtlos.

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