Die bürgerliche Mitte - Wie verhält sie sich zum Rechtsruck?

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Selina
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Die bürgerliche Mitte - Wie verhält sie sich zum Rechtsruck?

Beitragvon Selina » Mi 3. Apr 2019, 14:38

Da der Strang "Warum driftet Deutschland nach rechts" seit etlichen Wochen geperrt ist, mache ich jetzt mal einen neuen Strang auf. Ich würde mit euch gerne über die bürgerliche Mitte diskutieren und darüber, wie sie sich zum wachsenden Rechtsruck verhält. Das kann man national, aber auch international diskutieren, je nachdem, was die User einbringen können und wollen.

Ich selbst finde, dass sich die bürgerliche Mitte zurzeit wie ein Blatt im Wind zu verschiedenen Seiten neigt. Und dass sie sich oft nicht klar genug gegen Rassismus und Fremdenfeindlichkeit äußert. Da wird bagatellisiert und abgewiegelt nach dem Motto "so schlimm ist das alles doch gar nicht". Und beim persönlichen Unwort "Nazi" sträuben sich alle Nackenhaare der Mitte-Leute. Je stärker die Neue Rechte mit AfD, Identitären, Burschenschaften und Teilen der Reichsbürger werden, desto kleinlauter wird die bürgerliche Mitte. Das wirkt so, als wolle sie gewappnet sein im Falle eines gravierenden Wechsels politischer Mehrheiten. So kann man dann immer sagen, "ich hab nie was gegen die AfD gesagt. Ich habe nie jemanden Nazi genannt. Ich habe immer Verständnis gezeigt für diese frustrierten Wähler" und dergleichen mehr. Man sichert sich quasi ab für mögliche schlechte Zeiten.

Warum ist das so? Warum ist die Mitte immer schwankend? Hängt das mit den vorwiegend kleinbürgerlichen Wurzeln zusammen? Hat man Angst um das bisschen erworbenen Wohlstand, der einen noch ein wenig abhebt von denen ganz unten? Fragen über Fragen. Eure Meinung würde mich interessieren.

Und hier mal ein Deutschlandfunk-Text, wo sich der Freie-Presse-Chefredakteur (ganz bestimmt kein Linker) nach den Chemnitzer Ereignissen zu genau dieser von mir angesprochenen bürgerlichen Mitte äußert, kurz und knapp. Wohlgemerkt, mir gehts nicht vordergründig um die Chemnitzer Ereignisse, dazu gibt es ja einen eigenen Strang. Mir geht es um die Worte des Chefredakteurs zur bürgerlichen Mitte, die es ja überall gibt:

https://www.deutschlandfunkkultur.de/re ... _id=426645

Edit - Nein, das Thema wird in diesem Forum nicht international diskutiert - hier ist nach wie vor das Forum InnenPolitik, Mod
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Re: Die bürgerliche Mitte - Wie verhält sie sich zum Rechtsruck?

Beitragvon schokoschendrezki » Mi 3. Apr 2019, 14:55

Selina hat geschrieben:(03 Apr 2019, 14:38)

Da der Strang "Warum driftet Deutschland nach rechts" seit etlichen Wochen geperrt ist, mache ich jetzt mal einen neuen Strang auf. Ich würde mit euch gerne über die bürgerliche Mitte diskutieren und darüber, wie sie sich zum wachsenden Rechtsruck verhält. Das kann man national, aber auch international diskutieren, je nachdem, was die User einbringen können und wollen.

Ich selbst finde, dass sich die bürgerliche Mitte zurzeit wie ein Blatt im Wind zu verschiedenen Seiten neigt. Und dass sie sich oft nicht klar genug gegen Rassismus und Fremdenfeindlichkeit äußert. Da wird bagatellisiert und abgewiegelt nach dem Motto "so schlimm ist das alles doch gar nicht". Und beim persönlichen Unwort "Nazi" sträuben sich alle Nackenhaare der Mitte-Leute. Je stärker die Neue Rechte mit AfD, Identitären, Burschenschaften und Teilen der Reichsbürger werden, desto kleinlauter wird die bürgerliche Mitte. Das wirkt so, als wolle sie gewappnet sein im Falle eines gravierenden Wechsels politischer Mehrheiten. So kann man dann immer sagen, "ich hab nie was gegen die AfD gesagt. Ich habe nie jemanden Nazi genannt. Ich habe immer Verständnis gezeigt für diese frustrierten Wähler" und dergleichen mehr. Man sichert sich quasi ab für mögliche schlechte Zeiten.

Warum ist das so? Warum ist die Mitte immer schwankend?

Das zumindest kann man ganz einfach beantworten. Weil der Begriff "Mitte" definiert ist als der Punkt des größten Abstands zu allen Rändern. Die politische "Mitte" definiert sich selbst über die Ränder und nicht durch ihre eigenen politischen Vorstellungen. Und wenn die Ränder nach rechts driften, dann driftet auch die Mitte zwangsläufig mit nach rechts.
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Re: Die bürgerliche Mitte - Wie verhält sie sich zum Rechtsruck?

Beitragvon Skull » Mi 3. Apr 2019, 15:05

Ich sehe das pragmatischer.

Es ist ein beliebtes (auch gesellschaftliches) Spiel...die „anderen“ verantwortlich zu machen.
Eigenes Fehlverhalten und eigene Verantwortungen auszublenden.

Die Rechten verantworten die Probleme bei den Linken und Ausländern.
Die Linken die Probleme bei den Rechten und „Bürgerlichen“.
Die Bürgerlichen dann wieder bei den Linken UND Rechten.

Dann werden noch die anderen in irgendwelche Blöcke geworfen und man kann seine Feindbilder frönen.

Zielrichtung ? Keine. :D

Ich finde, es sollte sich jeder ersteinmal SELBST an die Nase fassen.
Und weniger reden, sondern tatsächlich handeln.
Weniger „Änderungen“ bei den „anderen“ einfordern, sondern selbst im echten Leben Menschen (positiv) beeinflussen. :)

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Re: Die bürgerliche Mitte - Wie verhält sie sich zum Rechtsruck?

Beitragvon Wolverine » Mi 3. Apr 2019, 15:22

Skull hat geschrieben:(03 Apr 2019, 15:05)

Ich sehe das pragmatischer.

Es ist ein beliebtes (auch gesellschaftliches) Spiel...die „anderen“ verantwortlich zu machen.
Eigenes Fehlverhalten und eigene Verantwortungen auszublenden.

Die Rechten verantworten die Probleme bei den Linken und Ausländern.
Die Linken die Probleme bei den Rechten und „Bürgerlichen“.
Die Bürgerlichen dann wieder bei den Linken UND Rechten.

Dann werden noch die anderen in irgendwelche Blöcke geworfen und man kann seine Feindbilder frönen.

Zielrichtung ? Keine. :D

Ich finde, es sollte sich jeder ersteinmal SELBST an die Nase fassen.
Und weniger reden, sondern tatsächlich handeln.
Weniger „Änderungen“ bei den „anderen“ einfordern, sondern selbst im echten Leben Menschen (positiv) beeinflussen. :)

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Mir ist es zu simpel die derzeitigen Probleme der BRD nur bei den Rechten zu verorten. Die Rechten und ihr Hang zum Neo-Nazismus sind ein Teil der Probleme die Deutschland zur Zeit zu bewältigen hat. Des Weiteren schließe ich mich den Ausführungen von Schoko an( Verzeih bitte die Abkürzung, mein Lieber). :)
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Re: Die bürgerliche Mitte - Wie verhält sie sich zum Rechtsruck?

Beitragvon Skull » Mi 3. Apr 2019, 15:23

Wolverine hat geschrieben:(03 Apr 2019, 15:22)

Mir ist es zu simpel die derzeitigen Probleme der BRD nur bei den Rechten zu verorten.

Mache...ich ja auch nicht. :D

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Re: Die bürgerliche Mitte - Wie verhält sie sich zum Rechtsruck?

Beitragvon Vedi » Mi 3. Apr 2019, 15:24

schokoschendrezki hat geschrieben:(03 Apr 2019, 14:55)

Das zumindest kann man ganz einfach beantworten. Weil der Begriff "Mitte" definiert ist als der Punkt des größten Abstands zu allen Rändern. Die politische "Mitte" definiert sich selbst über die Ränder und nicht durch ihre eigenen politischen Vorstellungen. Und wenn die Ränder nach rechts driften, dann driftet auch die Mitte zwangsläufig mit nach rechts.


Das würde bedeuten, dass Menschen die ursprünglich zur Mitte gehörten, plötzlich eher als Linke gelten.

Zum Thema: mir ist auch aufgefallen, dass die Mitte unpolitischer geworden ist, je weiter das Land nach Rechts driftet. Es kommt mir wie Resignation vor.

Vielleicht sehen auch einige im Geiste einen Ablauf, wie er in den 1930er Jahren begann. Sie ducken sich weg; warten auf die Eskalation und den anschließenden Zusammenbruch, bis irgendwann danach wieder ein normales Leben möglich ist. Es muss ja dieses Mal nicht unbedingt in einen Weltkrieg münden.
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Re: Die bürgerliche Mitte - Wie verhält sie sich zum Rechtsruck?

Beitragvon Skull » Mi 3. Apr 2019, 15:31

Vedi hat geschrieben:(03 Apr 2019, 15:24)

Sie ducken sich weg; warten auf die Eskalation und den anschließenden Zusammenbruch,
bis irgendwann danach wieder ein normales Leben möglich ist.
Es muss ja dieses Mal nicht unbedingt in einen Weltkrieg münden.

Ich denke, die ducken sich nicht weg.

Sie „schreien“ halt nicht rum und gehen dauernd auf die Strasse.

Die meisten müssen ja arbeiten, Ihre Familie versorgen,
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Re: Die bürgerliche Mitte - Wie verhält sie sich zum Rechtsruck?

Beitragvon Selina » Mi 3. Apr 2019, 15:34

Naja, schaut man sich an, was dieser Chefredakteur sagt, so redet er eben nicht von "politischer Mitte", sondern von "bürgerlicher Mitte". Diese habe ein "Haltungsproblem", sie sei "entweder zu leise oder überhaupt nicht vorhanden“, sagt er. Darüber wollte ich reden. Dieses Sich-Wegducken ist der eigentliche Krebsschaden. Dieses Leise-Sein, dieses Für-alles-Verständnis-Haben, diese ständige Angepasstheit, diese Saturiertheit. Der Rechtsruck, den wir heute erleben, hat nichts mit einem einfachen Rechts-Links-Konflikt zu tun. Das genau gehört ja zu den verharmlosenden Geschichten, die die Verantwortung der bürgerlichen Mitte kleinredet. Selbstverständlich trägt auch die Linke eine gehörige Portion Verantwortung. Hier gehts aber im Moment um die bürgerliche Mitte.
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Re: Die bürgerliche Mitte - Wie verhält sie sich zum Rechtsruck?

Beitragvon Skull » Mi 3. Apr 2019, 15:36

Selina hat geschrieben:(03 Apr 2019, 15:34)

Dieses Sich-Wegducken ist der eigentliche Krebsschaden.
Dieses Leise-Sein, dieses Für-alles-Verständnis-Haben

Ich gehöre wohl zu der „bürgerlichen“ Mitte. :?:

Ich ducke mich nicht weg. Habe aber für vieles Verständnis. :)

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Re: Die bürgerliche Mitte - Wie verhält sie sich zum Rechtsruck?

Beitragvon Wolverine » Mi 3. Apr 2019, 15:40

Selina hat geschrieben:(03 Apr 2019, 15:34)

Naja, schaut man sich an, was dieser Chefredakteur sagt, so redet er eben nicht von "politischer Mitte", sondern von "bürgerlicher Mitte". Diese habe ein "Haltungsproblem", sie sei "entweder zu leise oder überhaupt nicht vorhanden“, sagt er. Darüber wollte ich reden. Dieses Sich-Wegducken ist der eigentliche Krebsschaden. Dieses Leise-Sein, dieses Für-alles-Verständnis-Haben, diese ständige Angepasstheit, diese Saturiertheit. Der Rechtsruck, den wir heute erleben, hat nichts mit einem einfachen Rechts-Links-Konflikt zu tun. Das genau gehört ja zu den verharmlosenden Geschichten, die die Verantwortung der bürgerlichen Mitte kleinredet. Selbstverständlich trägt auch die Linke eine gehörige Portion Verantwortung. Hier gehts aber im Moment um die bürgerliche Mitte.


Was erwartest Du eigentlich? Wer sich herausnimmt eine eigene Meinung zu haben und dies auch öffentlich äußert, wird gleich zum Nazi erklärt, weil die eigene Meinung in der Regel nicht zum verordneten Mainstream passt. Deshalb halten die Leute sich raus. Ich weiß, was Du erwartest. Das sind aber deine persönlichen Erwartungen und deine Meinung teilt halt nicht jeder. Eine eigene Bewertung sprichst du jedem anderen ab. Wer nicht mit dem Mainstream der Richtung folgt ist Nazi. Ich bin noch nie einem Mainstream gefolgt und ich lasse mich auch nicht beeinflussen. Aber bin ich deshalb ein Nazi? Definitiv nicht.
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Re: Die bürgerliche Mitte - Wie verhält sie sich zum Rechtsruck?

Beitragvon Wolverine » Mi 3. Apr 2019, 15:41

Skull hat geschrieben:(03 Apr 2019, 15:31)

Ich denke, die ducken sich nicht weg.

Sie „schreien“ halt nicht rum und gehen dauernd auf die Strasse.

Die meisten müssen ja arbeiten, Ihre Familie versorgen,
ihren eigenen „Laden“ und die Gesellschaft am Laufen halten.
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Re: Die bürgerliche Mitte - Wie verhält sie sich zum Rechtsruck?

Beitragvon Selina » Mi 3. Apr 2019, 15:42

Vedi hat geschrieben:(03 Apr 2019, 15:24)

Das würde bedeuten, dass Menschen die ursprünglich zur Mitte gehörten, plötzlich eher als Linke gelten.

Zum Thema: mir ist auch aufgefallen, dass die Mitte unpolitischer geworden ist, je weiter das Land nach Rechts driftet. Es kommt mir wie Resignation vor.

Vielleicht sehen auch einige im Geiste einen Ablauf, wie er in den 1930er Jahren begann. Sie ducken sich weg; warten auf die Eskalation und den anschließenden Zusammenbruch, bis irgendwann danach wieder ein normales Leben möglich ist. Es muss ja dieses Mal nicht unbedingt in einen Weltkrieg münden.


Da ist was dran. Wenn auch sehr zugespitzt. Auf mich wirkt es so, als wolle man sich wappnen, "falls es mal andersrum kommt". Man will auf der Liste der Rechtsnationalen keinesfalls ganz oben stehen. Denn wer weiß, was die mit politischen Gegnern machen. Ja, kein Witz. Da gibt es gewisse Szenarien, wo sich Neurechte im Netz schon recht drastisch geäußert haben. Da ich zu den Älteren hier gehöre, kann ich nur sagen: Dieses Wegducken der bürgerlichen Mitte hat schon einmal dafür gesorgt - zusammen mit anderen Faktoren - dass ein sehr finsteres deutsches Kapitel geschrieben worden ist. Wie ja eigentlich jeder weiß.
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Re: Die bürgerliche Mitte - Wie verhält sie sich zum Rechtsruck?

Beitragvon Quatschki » Mi 3. Apr 2019, 15:52

Vedi hat geschrieben:(03 Apr 2019, 15:24)

Das würde bedeuten, dass Menschen die ursprünglich zur Mitte gehörten, plötzlich eher als Linke gelten.

Die ursprüngliche bürgerliche Mitte aus der Zeit des Kalten Krieges ist mittlerweile hochbetagt oder tot.
Es ist der Generationswechsel, der die Linksdrift der Gesellschaft bewirkt hat.
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Re: Die bürgerliche Mitte - Wie verhält sie sich zum Rechtsruck?

Beitragvon Selina » Mi 3. Apr 2019, 15:53

Wolverine hat geschrieben:(03 Apr 2019, 15:40)

Was erwartest Du eigentlich? Wer sich herausnimmt eine eigene Meinung zu haben und dies auch öffentlich äußert, wird gleich zum Nazi erklärt, weil die eigene Meinung in der Regel nicht zum verordneten Mainstream passt. Deshalb halten die Leute sich raus. Ich weiß, was Du erwartest. Das sind aber deine persönlichen Erwartungen und deine Meinung teilt halt nicht jeder. Eine eigene Bewertung sprichst du jedem anderen ab. Wer nicht mit dem Mainstream der Richtung folgt ist Nazi. Ich bin noch nie einem Mainstream gefolgt und ich lasse mich auch nicht beeinflussen. Aber bin ich deshalb ein Nazi? Definitiv nicht.


Erstens habe ich noch nie zu dir "Nazi" gesagt. Zweitens sage ich nur "Nazi" zu jemandem, der auch einer ist, was man an seinen krassen menschenfeindlichen Äußerungen deutlich sehen würde. Und drittens hielte ich es für wichtig, dass alle politischen Kräfte eine Art temporären Zusammenschluss bilden sollten, der ähnliche Geschichten wie 33 verhindert. Ich rede von ähnlichen Geschichten, denn eine exakte Wiederholung von Geschichte gibt es ja nicht. Diesen temporären Zusammenschluss von politisch ganz unterschiedlichen Leuten, darunter auch aus der bürgerlichen Mitte, kann man zuweilen ja auch sehen, aber eben noch zu wenig, zu schwach ausgeprägt.
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Re: Die bürgerliche Mitte - Wie verhält sie sich zum Rechtsruck?

Beitragvon Liberty » Mi 3. Apr 2019, 15:57

Wer genau ist denn "die bürgerliche Mitte"? Und was zeichnet diese inhaltlich aus?
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Selina
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Re: Die bürgerliche Mitte - Wie verhält sie sich zum Rechtsruck?

Beitragvon Selina » Mi 3. Apr 2019, 15:59

Quatschki hat geschrieben:(03 Apr 2019, 15:52)

Die ursprüngliche bürgerliche Mitte aus der Zeit des Kalten Krieges ist mittlerweile hochbetagt oder tot.
Es ist der Generationswechsel, der die Linksdrift der Gesellschaft bewirkt hat.


Und du glaubst also, dass die Neue Rechte jetzt nur dafür sorgt, dass der Linksruck nicht noch stärker wird und dass das Pendel wieder mehr in Richtung Mitte ausschlägt und da zum Stehen kommt? Oder wie oder was?
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Re: Die bürgerliche Mitte - Wie verhält sie sich zum Rechtsruck?

Beitragvon Vongole » Mi 3. Apr 2019, 16:15

Selina hat geschrieben:(03 Apr 2019, 15:53)

Erstens habe ich noch nie zu dir "Nazi" gesagt. Zweitens sage ich nur "Nazi" zu jemandem, der auch einer ist, was man an seinen krassen menschenfeindlichen Äußerungen deutlich sehen würde. Und drittens hielte ich es für wichtig, dass alle politischen Kräfte eine Art temporären Zusammenschluss bilden sollten, der ähnliche Geschichten wie 33 verhindert. Ich rede von ähnlichen Geschichten, denn eine exakte Wiederholung von Geschichte gibt es ja nicht. Diesen temporären Zusammenschluss von politisch ganz unterschiedlichen Leuten, darunter auch aus der bürgerlichen Mitte, kann man zuweilen ja auch sehen, aber eben noch zu wenig, zu schwach ausgeprägt.


Woher willst Du denn wissen, wie wenig oder wie viel Engagement es gegen die extreme Rechte gibt?
Was weißt Du von Initiativen aller Art, die sich durch die gesamte "Mitte" ziehen, die sich täglich engagieren, zwar nicht auf Großdemos, mehr oder weniger unbeobachtet durch die Presse,
aber eben nicht nur temporär, sondern kontinuierlich über lange Jahre?
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Re: Die bürgerliche Mitte - Wie verhält sie sich zum Rechtsruck?

Beitragvon Skull » Mi 3. Apr 2019, 16:16

Selina hat geschrieben:(03 Apr 2019, 15:42)

Da ich zu den Älteren hier gehöre, kann ich nur sagen:

Dieses Wegducken der bürgerlichen Mitte hat schon einmal dafür gesorgt
- zusammen mit anderen Faktoren - dass ein sehr finsteres deutsches Kapitel geschrieben worden ist.
Wie ja eigentlich jeder weiß.

Watt bist Du denn für ein Jahrgang ? :?: :D

Ich bin ja auch nicht der Jüngste. Aber den zweiten Weltkrieg und die Zeit davor kenne ich nicht persönlich. Du ?

Ansonsten ist der Hinweis auf Dein Alter ... völlig ... überflüssig.

Und ICH persönlich lasse mich nicht, auch wenn ich ein bürgerlich-Mittiger sein sollte...

...in Deine Schablonen und eher unterstellenden Mutmassungen reinpressen. :)

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Re: Die bürgerliche Mitte - Wie verhält sie sich zum Rechtsruck?

Beitragvon Wolverine » Mi 3. Apr 2019, 16:27

Selina hat geschrieben:(03 Apr 2019, 15:53)

Erstens habe ich noch nie zu dir "Nazi" gesagt. Zweitens sage ich nur "Nazi" zu jemandem, der auch einer ist, was man an seinen krassen menschenfeindlichen Äußerungen deutlich sehen würde. …...


Habe ich auch nicht behauptet. Ich habe allgemein geäußert, dass man in der heutigen Zeit schnell in die Nazi-Ecke geschoben wird, wenn man nicht mit der Meute jault. Das war noch nie mein Ding. Ich gebe dir allerdings recht, dass es noch hapert an der Wahrnehmung. Momentan ist den Leuten die Gefahr durch rechte Fanatiker noch nicht richtig bewusst. Hinzu kommt noch das Schweigen. Das ist das Schlimmste an der ganzen Sache. Viele Menschen leben auch damit: "Muss ich nix zu sagen, regeln eh schon die anderen. Angesichts der deutschen Geschichte müssten eigentlich längst die Alarmglocken geläutet haben. Sollte die AfD noch mehr Wahlerfolge verzeichnen können, dann kommt das von alleine. Die Zeit von 1933 wünscht sich nicht wirklich jemand zurück. Davon bin ich zutiefst überzeugt. Extremisten haben in Deutschland keinen Erfolg mehr. Das musste die RAF erfahren und so wird es auch den faschistischen Teilen der AfD ergehen, sollten die etwas planen. Einen Rückhalt in der Bevölkerung sehe ich nicht. Nicht bei 12,5 % Wahlerfolg.
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Re: Die bürgerliche Mitte - Wie verhält sie sich zum Rechtsruck?

Beitragvon Selina » Mi 3. Apr 2019, 16:28

Liberty hat geschrieben:(03 Apr 2019, 15:57)

Wer genau ist denn "die bürgerliche Mitte"? Und was zeichnet diese inhaltlich aus?


Ein Großteil der Anhänger von CDU/CSU und FDP. Bei der SPD gibt es Teile, die man zur bürgerlichen Mitte zählen kann, aber auch sehr konservative Gruppierungen wie den Seeheimer Kreis, die sich selbst natürlich auch zur bürgerlichen Mitte zählen :D Genau wie eher linksorientierte SPD-Leute. Auch in der Partei Die Linke findet man Leute, die zur bürgerlichen Mitte gehören. Ebenso bei den Grünen, die in den letzten Jahren einen starken Ruck in Richtung bürgerliche Mitte zu verzeichnen haben. Als Eselsbrücke: Man schaue sich einfach die Lebensverhältnisse der betreffenden Leute an. Die entscheiden meines Erachtens darüber, ob jemand eher zur bürgerlichen Mitte gehört oder eher nicht. Die Ansichten reichen da von Besitzstandswahrung über Skepsis gegenüber Migration bis hin zu Klein-aber-mein-Haltungen. Auch die verstärkte Hinwendung zum Nationalen trifft man besonders häufig in der bürgerlichen Mitte an. In letzterem Punkt driftet sie auch gerne mal weiter nach rechts ab. Aber selbstverständlich gehören auch etliche sehr liberal und weltoffen denkende Leute zur Mitte. Die bürgerliche Mitte spricht von sich selbst natürlich von "politischer Mitte". Das Beiwort "bürgerlich" wird als zu marxistisch abgelehnt ;) Dabei wird es in der Soziologie durchaus verwendet.
Zuletzt geändert von Selina am Mi 3. Apr 2019, 16:30, insgesamt 1-mal geändert.
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