Wie sehr darf eine Nation "an sich" denken? Wo beginnt Nationalismus bzw. ab wo wirds eklig?

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Adam Smith
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Re: Wie sehr darf eine Nation "an sich" denken? Wo beginnt Nationalismus bzw. ab wo wirds eklig?

Beitragvon Adam Smith » Mi 17. Jan 2018, 10:13

Alana4 hat geschrieben:(17 Jan 2018, 10:07)

Danke, ja: mein "Kotz-Smiley" galt allein der Aussage "der Kapitalismus ist das Größte!".

Das "Grösste" nicht. Das "Beste" oder das "Gute". Wären die Afrikaner ein bisschen kapitalitischer würden sie z.B. Fischfarmen anlegen oder die Grösse von landwirtschaftlichen Betrieben deutlich erhöhen.
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Alana4
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Re: Wie sehr darf eine Nation "an sich" denken? Wo beginnt Nationalismus bzw. ab wo wirds eklig?

Beitragvon Alana4 » Mi 17. Jan 2018, 10:17

Adam Smith hat geschrieben:(17 Jan 2018, 10:13)

Das "Grösste" nicht. Das "Beste" oder das "Gute".


Es ist auch nicht "das Beste". Und das "Gute" auch nicht. Es ist lediglich das, was grad da ist.
Och- Kaiptalismus funktioniert auch in Afrika bestens- frag doch die, denen es dort gut geht. Die sind begeistert!
Ich beherrsche die deutsche Rechtschreibung! Aber meine Tastatur hat damit manchmal Probleme.
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Re: Wie sehr darf eine Nation "an sich" denken? Wo beginnt Nationalismus bzw. ab wo wirds eklig?

Beitragvon CaptainJack » Mi 17. Jan 2018, 10:22

pikant hat geschrieben:(17 Jan 2018, 09:58)

schon der Antisemit und Vater von Le Pen kam in die zweite Tour - das war 2002 und der Abstand in der ersten Tour zum Ersten war viel geringer.
Von Politik in Frankreich haben Sie null Ahnung und 'Deutschland last' findet nur in rechten Koepfen statt.
Le Pen hat es fertiggebracht Waehler fuer Macron zu mobilisieren, die ansonsten nie Macron gewaehlt haetten, aber das ist verlorene Muehe, wenn man sich in Frankreich politiksch null auskennt.
Du scheinst da leider nicht viel Ahnung zu haben, insofern darf ich dir dein Kompliment zurück geben. Befasse dich erst mal mit dem "französischen System". Ich würde dich aber bitten, dies im entsprechenden Thread zu tun .... falls du antworten willst.
Noch eine kleine Randbemerkung: Macron wurde als neue Lichtgestalt angesehen. Wenn du mal überprüfst, welche Parteien eingebüßt haben, dann weißt du, woher die Stimmen für Macron gekommen sind. :p

Ach, 2002 FN 17,8% - 2017 33,9%! Noch Fragen?
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Adam Smith
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Re: Wie sehr darf eine Nation "an sich" denken? Wo beginnt Nationalismus bzw. ab wo wirds eklig?

Beitragvon Adam Smith » Mi 17. Jan 2018, 10:30

Alana4 hat geschrieben:(17 Jan 2018, 10:17)

Es ist auch nicht "das Beste". Und das "Gute" auch nicht. Es ist lediglich das, was grad da ist.
Och- Kaiptalismus funktioniert auch in Afrika bestens- frag doch die, denen es dort gut geht. Die sind begeistert!

Die sind am meckern. Wurde doch gerade festgestellt.
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Re: Wie sehr darf eine Nation "an sich" denken? Wo beginnt Nationalismus bzw. ab wo wirds eklig?

Beitragvon pikant » Mi 17. Jan 2018, 10:36

CaptainJack hat geschrieben:(17 Jan 2018, 10:22)


Ach, 2002 FN 17,8% - 2017 33,9%! Noch Fragen?


wenn Sie nicht lesen koennen ist das nichrt mein Problem - ich sprach von der ersten Tour und dem Abstand zwischen Erstem und Zweiten.

und Sie kommen hier mit der Stichwahl - entweder machen Sie das bewusst, oder lesen die Postings nicht :mad2:
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Re: Wie sehr darf eine Nation "an sich" denken? Wo beginnt Nationalismus bzw. ab wo wirds eklig?

Beitragvon Moses » Mi 17. Jan 2018, 10:37

Alana4 hat geschrieben:(17 Jan 2018, 10:07)

Danke, ja: mein "Kotz-Smiley" galt allein der Aussage "der Kapitalismus ist das Größte!".

Dann hatte ich das fehlinterpretiert - sorry dafür ;)
Der Herr gebe mir die Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann, den Mut, Dinge zu ändern, die ich nicht hinnehmen kann, und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden.
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Re: Wie sehr darf eine Nation "an sich" denken? Wo beginnt Nationalismus bzw. ab wo wirds eklig?

Beitragvon CaptainJack » Mi 17. Jan 2018, 10:39

pikant hat geschrieben:(17 Jan 2018, 10:36)

wenn Sie nicht lesen koennen ist das nichrt mein Problem - ich sprach von der ersten Tour und dem Abstand zwischen Erstem und Zweiten.

und Sie kommen hier mit der Stichwahl - entweder machen Sie das bewusst, oder lesen die Postings nicht :mad2:
Ich habe das sehr wohl gelesen. Der Abstand ist aber völlig uininteressant (da sich alle vereinigt haben), entscheidend ist die inzwischen viel höhere Akzeptanz. Und jetzt lass stecken!
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Re: Wie sehr darf eine Nation "an sich" denken? Wo beginnt Nationalismus bzw. ab wo wirds eklig?

Beitragvon pikant » Mi 17. Jan 2018, 10:49

CaptainJack hat geschrieben:(17 Jan 2018, 10:39)

Ich habe das sehr wohl gelesen. Der Abstand ist aber völlig uininteressant (da sich alle vereinigt haben), entscheidend ist die inzwischen viel höhere Akzeptanz. Und jetzt lass stecken!


ja und ein vorbestrafter rechtsextremer Antisemit bekam fuer die FN schon 2002 im ersten Wahlgang 19% und war nur knapp 1% hinter Chirac und 2017 bekam Marine Le Pen als 'grosse Sensation' :rolleyes: 21% und kam auf leisen Sohlen daher ohne Antisemitismus und politische Vorstrafen im Gespaeck und ja dann bei den Parlamentswahlen erreichte die FN gerade so eben das Niveau der AfD in Detuschland und jetzt stecken die Rechtsextremen in Frankreich in einer tiefen Krise und Abspaltungen fanden statt.
2002 war die Stichwahl nur rechts - 2 rechte Kandidaten und ja da ist es klar, dass le Pen links nichts holen kann und 2017 war Mitte -gegen rechtsextrem und da bekam Le Pen Stimmen von Linksextrem -Volksfront und Melechon von den Linksextremen gab keine Wahlempfehlung ab - und einigen Konservativen - Wenn Sie sich fuer die Politik in Frankreich interessieren muesste Ihnen das bekannt sein.

der Nationalismus in Frankreich ist sogar staerker ausgepraegt als dieser in Deutschland, aber auch in Frankreich haben nationalistische Parteien von Rechts und Linksaussen bei Wahlen bisher keine Chance gehabt und mit so einer irren Aussage wie 'Deutschland at last' erreicht man auch nur die Raender und Unzufriedenen.

Deutschland kann froh sein, dass diese Nationalisten bei Wahlen keine Chance haben mit ihrem Antiprogramm fuer Europa und das ist richtig gut so :thumbup:
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Re: Wie sehr darf eine Nation "an sich" denken? Wo beginnt Nationalismus bzw. ab wo wirds eklig?

Beitragvon H2O » Mi 17. Jan 2018, 12:37

Adam Smith hat geschrieben:(17 Jan 2018, 09:28)

2% der deutschen Exporte gehen nach Afrika. Die meisten davon nach Südafrika oder nach Ägypten. Exportiert werden laut Statistik kaum Lebensmittel. Auf jeden Fall werden die nicht aufgeführt. Oder gibt es andere Daten dazu?


Also gut, jetzt habe ich es ganz einfach gemacht: "Hähnchenfleisch für Afrika" und Google Marsch. Und siehe da, eine ganze Seite Treffer, unter anderem auch mit DIE ZEIT.

Die Geschichte mit den leergefischten Seegebieten wurde im Zusammenhang mit Piraterie vor afrikanischen Küsten berichtet.

Mit dem Suchbegriff "Fischfabrikschiffe vor Afrika" und Google Marsch finden Sie die zugehörigen Treffer, von Greenpeace und vielen anderen.

Ich begann schon an meinem Gedächtnis zu zweifeln; aber dazu besteht offenbar kein Anlaß.
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Re: Wie sehr darf eine Nation "an sich" denken? Wo beginnt Nationalismus bzw. ab wo wirds eklig?

Beitragvon rain353 » Mi 17. Jan 2018, 12:52

zollagent hat geschrieben:(16 Jan 2018, 23:44)

Das Problem, das ich kommen sehe, wird wohl sein, daß Menschen als "Wirtschaftsflüchtlinge" kommen werden, weil in ihren Heimatländern durch den Klimawandel schlicht keine Überlebensmöglichkeiten bestehen. Und was dann kommen wird, werden nicht ein paar Hunderttausend sein, nicht mal eine oder zwei Millionen, dann wird es eine Völkerwanderung großer Teile der Menschheit geben. NOCH könnten wir das Ganze kanalisieren. Aber einfach sich abzeichnende Wanderungsbewegungen zu ignorieren und zu glauben, ein paar restriktive Einwanderungsbedingungen und ein paar Wachschiffe mehr könnten das von uns fern halten, das ist schlichte Träumerei. Diese Menschen werden kommen und sie werden in einer Zahl kommen, gegen die die bisherigen Flüchtlingsströme Rinnsale sind. Dann werden wir uns vor die Wahl gestellt sehen, entweder Krieg führen oder zusammenrücken und teilen..


Deutschland kann das aber nicht alles stemmen und da Merkel Europa überrumpelt hat und dafür gesorgt hat, dass sich mit ihrem Spruch sehr viele eingeladen fühlten, denen es sogar teilweise in ihrer Heimat besser ging, kann ich sogar verstehen, dass die Länder sich nicht mehr beteiligen wollen.... Die wollen die Suppe die Merkel eingebrockt hat nicht auslöffeln...
Welche Religion ich bekenne? Keine von allen, Die du mir nennst! »Und warum keine?« Aus Religion. - Friedrich Schiller
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Re: Wie sehr darf eine Nation "an sich" denken? Wo beginnt Nationalismus bzw. ab wo wirds eklig?

Beitragvon Adam Smith » Mi 17. Jan 2018, 12:56

H2O hat geschrieben:(17 Jan 2018, 12:37)

Also gut, jetzt habe ich es ganz einfach gemacht: "Hähnchenfleisch für Afrika" und Google Marsch. Und siehe da, eine ganze Seite Treffer, unter anderem auch mit DIE ZEIT.

Die Geschichte mit den leergefischten Seegebieten wurde im Zusammenhang mit Piraterie vor afrikanischen Küsten berichtet.

Mit dem Suchbegriff "Fischfabrikschiffe vor Afrika" und Google Marsch finden Sie die zugehörigen Treffer, von Greenpeace und vielen anderen.

Ich begann schon an meinem Gedächtnis zu zweifeln; aber dazu besteht offenbar kein Anlaß.

Natürlich gibt es diese Belege. Das bestreite ich auch nicht. Nur werden keine Zahlen genannt. In Bezug auf Griechenland sollen wir ja sogar den Olivenölhandel von denen beeinträchtigt haben, obwohl wir mit dem Land so viel Handel treiben wie mit Luxemburg oder Malaysia.
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Re: Wie sehr darf eine Nation "an sich" denken? Wo beginnt Nationalismus bzw. ab wo wirds eklig?

Beitragvon H2O » Mi 17. Jan 2018, 13:34

Adam Smith hat geschrieben:(17 Jan 2018, 12:56)

Natürlich gibt es diese Belege. Das bestreite ich auch nicht. Nur werden keine Zahlen genannt. In Bezug auf Griechenland sollen wir ja sogar den Olivenölhandel von denen beeinträchtigt haben, obwohl wir mit dem Land so viel Handel treiben wie mit Luxemburg oder Malaysia.


Könnte tatsächlich sein, die Sache mit Griechenland. Ich hatte... wieder vor Jahren... gelesen, daß von Griechenland die Olivenernten nach Italien zur Ölmühle gekarrt werden. Meine Vermutung: Die Kleinindustrie der Ölmühlen war fest in der Hand von Sozialisten, praktisch Staatswirtschaft. Da war anderer Leute Öl billiger, etwa aus Italien oder Spanien. Und dann kauft der Verbraucher und sein vorgeschalteter Großeinkauf natürlich dort. Und die griechischen Ölmühlen laufen dann eben leer.

Sie können auch die Preisunterschiede im Supermarkt sehen. Griechisches Olivenöl der höchsten Qualitätsstufe ist nahezu doppelt so teuer wie italienisches der gleichen Qualität. Da ist doch klar, wohin der Verbraucher dann greift, wenn er Olivenöl kaufen möchte.
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Re: Wie sehr darf eine Nation "an sich" denken? Wo beginnt Nationalismus bzw. ab wo wirds eklig?

Beitragvon Adam Smith » Mi 17. Jan 2018, 13:43

H2O hat geschrieben:(17 Jan 2018, 13:34)

Könnte tatsächlich sein, die Sache mit Griechenland. Ich hatte... wieder vor Jahren... gelesen, daß von Griechenland die Olivenernten nach Italien zur Ölmühle gekarrt werden. Meine Vermutung: Die Kleinindustrie der Ölmühlen war fest in der Hand von Sozialisten, praktisch Staatswirtschaft. Da war anderer Leute Öl billiger, etwa aus Italien oder Spanien. Und dann kauft der Verbraucher und sein vorgeschalteter Großeinkauf natürlich dort. Und die griechischen Ölmühlen laufen dann eben leer.

Sie können auch die Preisunterschiede im Supermarkt sehen. Griechisches Olivenöl der höchsten Qualitätsstufe ist nahezu doppelt so teuer wie italienisches der gleichen Qualität. Da ist doch klar, wohin der Verbraucher dann greift, wenn er Olivenöl kaufen möchte.

In Indien ist das sehr oft der Fall. Wir haben den Einzel-Gross- und Aussenhandel. In Indien bedienen sich sehr viele Unternehmen beim Verkauf zwischen Erzeuger und Kunden. Habe ich mal gelesen.
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Re: Wie sehr darf eine Nation "an sich" denken? Wo beginnt Nationalismus bzw. ab wo wirds eklig?

Beitragvon 3x schwarzer Kater » Mi 17. Jan 2018, 13:52

Watchful_Eye hat geschrieben:(16 Jan 2018, 20:56)

Ich frage mich seit der Flüchtlingskrise häufig: In welchem Maße darf eine Nation "an sich" denken bzw. darf man als Wähler eines Nationalstaates an seine eigene Nation denken?

Es gibt ja diesen häufig kritisierten Trump-Ausspruch "America First!". Meines Erachtens ist diese Kritik auch berechtigt, symbolisiert es doch das übermäßig national-egoistische Handeln Trumps. Auch impliziert er fälschlicherweise, in der Vergangenheit habe Amerika nicht im auf den eigenen Vorteil bedacht gehandelt. Meinem Eindruck nach existiert allerdings kein Staat auf der Welt, welcher dies nicht zumindest im weiteren Sinne tut.

Wenn wir 100%ig "global utilitaristisch" denken würden, wäre im Anbetracht globaler Armut bereits der bescheidenste Luxus eines Deutschen schwierig zu rechtfertigen. Wir müssten wohl einen sehr großen Teil unseres BIPs, möglicherweise über die Hälfte, in Entwicklungshilfe investieren. Schon das Konzept der Grenzziehung wäre schwierig zu rechtfertigen, da es in letzter Konsequenz bedeutet, nationale, mit dem Staat verbundene Privilegien zu sichern. Auch wäre es problematisch, zu versuchen, bei Verhandlungen mit anderen Staaten "das Maximum" herauszuholen, denn wir hätten dann ja als Weltbürger zu denken und nicht mehr als Deutsche.

Ein solches Handeln, in dieser Extremform gedacht, würde wohl schon alleine spieltheoretisch in eine Katastrophe führen, weil sich ausländische Bürger und Staaten natürlich mutmaßlich nicht unserem strikt globalen Denken anschließen würden. Es scheint auch insofern falsch, als dass wir hierzulande bereits ein weit überdurchschnittlich hohes Niveau an gesellschaftlicher Kohärenz und Stabilität erreicht haben, welches sich bei unbegrenzter Migration und Umverteilung nicht aufrechterhalten ließe.

Daher scheint es mir eine Frage der richtigen Abwägung zu sein; und nach welchen Kriterien ist hier vorzugehen? Wie sehr dürfen wir unser eigenes Land bevorzugen und ab wann wirds, ethisch gesehen, eklig? Ist "nationales" Denken ein relativer Begriff? Sollte ein Wähler die Wahl seiner Partei in erster Linie am Wohl der eigenen Nation ausrichten oder eher am Wohl der gesamten Welt? Im Falle Deutschlands auch am Wohle Europas?

Ich würde von mir sagen, das Wohl meiner eigenen Nation schon am stärksten zu gewichten (dafür ist die Regierung schließlich auch zuständig), dann kommt Europa und dann der Rest der Welt. Das ist vermutlich auch normal. Aber ist es ethisch zu rechtfertigen und wenn ja, wie?


Ich bin in dieser Beziehung ja marktgläubig und der Meinung, dass letztendlich nur der Markt geeignet ist, die (weltweiten) Probleme zu lösen. Übertriebener staatlicher Interventionismus wird uns hier nicht weiterhelfen.
„Es wurde schon alles gesagt, nur noch nicht von jedem.“ (Karl Valentin)
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Re: Wie sehr darf eine Nation "an sich" denken? Wo beginnt Nationalismus bzw. ab wo wirds eklig?

Beitragvon Adam Smith » Mi 17. Jan 2018, 14:16

3x schwarzer Kater hat geschrieben:(17 Jan 2018, 13:52)

Ich bin in dieser Beziehung ja marktgläubig und der Meinung, dass letztendlich nur der Markt geeignet ist, die (weltweiten) Probleme zu lösen. Übertriebener staatlicher Interventionismus wird uns hier nicht weiterhelfen.

Amazon, Facebook, Googel, Twitter, Netflix und YouTube sind globale Unternehmen. Grenzen sind hier nur in Bezug auf Steuern usw. wichtig. Netflix hat sogar schon eine deutsche Serie produziert.
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Re: Wie sehr darf eine Nation "an sich" denken? Wo beginnt Nationalismus bzw. ab wo wirds eklig?

Beitragvon H2O » Mi 17. Jan 2018, 14:56

3x schwarzer Kater hat geschrieben:(17 Jan 2018, 13:52)

Ich bin in dieser Beziehung ja marktgläubig und der Meinung, dass letztendlich nur der Markt geeignet ist, die (weltweiten) Probleme zu lösen. Übertriebener staatlicher Interventionismus wird uns hier nicht weiterhelfen.


Dazu ein ganz entschiedenes Jein! Um zu unseren sehr erträglichen nationalen gesellschaftlichen Verhältnissen zu gelangen, haben wir die freie Marktwirtschaft durch ein Regelwerk zur sozialen Marktwirtschaft umgestaltet. Das war aber immer noch nicht genug; wir haben auch ein umfangreiches Sozialwesen entwickelt, um unser Zusammenleben zu gestalten. Ähnliche Maßnahmen müssen vermutlich auch global entwickelt werden. Bis dahin ist es aber noch ein sehr weiter Weg.
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Re: Wie sehr darf eine Nation "an sich" denken? Wo beginnt Nationalismus bzw. wo wirds eklig?

Beitragvon CharlotteK » Fr 19. Jan 2018, 10:21

Watchful_Eye hat geschrieben:(16 Jan 2018, 21:12)

Gute Frage - vielleicht, weil wir nicht nur Deutsche, sondern auch Menschen sind und uns unserer Spezies zu einem gewissen Grad verpflichtet fühlen sollten? Verstehe ich mich falsch - solch eine Gewichtung wird ja faktisch auch vorgenommen.

Natürlich basiert ein wichtiger Grund nicht-egoistischen nationalen Handelns schlicht darin, dass wir eben selbst auch rücksichtsvoll behandelt werden wollen. Wir ächten Angriffskriege und Kolonialismus, beteiligen uns an Abkommen gegen den Klimawandel und gewähren Flüchtlingen Asyl. Trotzdem sind wir vermutlich auch nicht ausschließlich auf das eigene Wohl bedacht. Es ist ja ziemlich offensichtlich, dass nicht alle Nationen/Regierungen gleich kooperativ bzw. "egoistisch" handeln, und das liegt sicherlich auch in der ethischen Kultur des jeweiligen Landes begründet.


Du beantwortest das, wie ich finde, schon sehr schlüssig.

Ich denke zum einen wird wohl häufig Patriotismus und Nationalismus nicht klar getrennt.
Für mich ist es "verstörend" wenn jemand sich sehr nationalistisch äußert und Deutschland und Deutsche überlegen und wertvoller empfindet als andere Länder und Völker. Ebenso empfinde ich aber auch bei Deutschen, die sich ständig nur abfällig über ihr Land äußern und so überhaupt keinen Funken Vaterlandsliebe haben.
Was die Amerikaner oftmals zu viel an Patriotismus haben, haben Deutsche oft zu wenig. Es ist doch überhaupt nicht verwerflich, sein Land, seine Herkunft, sein Deutschsein zu mögen und seiner Heimat viel Verbundenheit und Liebe entgegen zu bringen. Es ist nun wahrlich nicht "nazi" zu sagen, dass man Deutschland liebt und gerne Deutscher ist.
Schlimm und falsch wird es meiner Meinung nach dann, wenn man sich im gleichen Atemzug über andere Nationen erhebt und in dieses "Deutschland über alles" abdriftet. Das hat mit gesundem Patriotismus nichts zu tun, das ist Nationalismus - und den halte ich für übel.

Trotzdem ist es ganz natürlich dass man erst mal an sich selbst denkt. Das ist wohl auch ein automatischer Prozess. Die eigenen Eltern/Kinder/Partner... sind einem naturgemäß immer wichtiger als die von anderen Leuten. Die Menschen aus dem gleichen Ort stehen einem pauschal wohl näher als die aus einem anderen Ort irgendwo im Land. Das eigene Volk steht einem näher als ein Volk irgendwo sonst auf der Erde. Warum? Weil man mehr Gemeinsamkeiten hat, sich verbundener und verstandener fühlt etc.
Der Satz "Jeder ist sich selbst der Nächste" klingt nicht sehr nett, ist aber nun mal Fakt - wenn man das auch auf Familie ausdehnt und dann immer weitere Kreise ziehen lässt. Und keiner lässt sich gerne wegnehmen, was er schon mal hat und von dem er denkt, dass es ihm zustehen würde.
Und trotzdem sind wir alle am Ende nur Menschen und niemand ist per se besser und wertvoller als der andere.
Manche haben mehr Glück als andere und leben in Regionen, in denen es den Menschen gut geht, in denen Bildung jedem offen steht und in dem sich jeder frei entfalten kann. Andere haben das nicht und ihnen fehlt auch ggf. das Verständnis was für manche Völker selbstverständlich ist - weil sie es nie kennengelernt haben. Das macht sie aber nicht zu schlechteren Menschen, die weniger wert sind und die man ihrem eigenen Elend überlassen darf; Hauptsache einem selbst geht es gut.
Der gesunde Menschenverstand geht da aber halt manchmal nicht einher mit dem persönlichen Empfinden. Bei manchen klappt es besser, bei anderen schlechter - oder gar nicht.
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Re: Wie sehr darf eine Nation "an sich" denken? Wo beginnt Nationalismus bzw. wo wirds eklig?

Beitragvon Billie Holiday » Fr 19. Jan 2018, 15:06

CharlotteK hat geschrieben:(19 Jan 2018, 10:21)

Du beantwortest das, wie ich finde, schon sehr schlüssig.

Ich denke zum einen wird wohl häufig Patriotismus und Nationalismus nicht klar getrennt.
Für mich ist es "verstörend" wenn jemand sich sehr nationalistisch äußert und Deutschland und Deutsche überlegen und wertvoller empfindet als andere Länder und Völker. Ebenso empfinde ich aber auch bei Deutschen, die sich ständig nur abfällig über ihr Land äußern und so überhaupt keinen Funken Vaterlandsliebe haben.
Was die Amerikaner oftmals zu viel an Patriotismus haben, haben Deutsche oft zu wenig. Es ist doch überhaupt nicht verwerflich, sein Land, seine Herkunft, sein Deutschsein zu mögen und seiner Heimat viel Verbundenheit und Liebe entgegen zu bringen. Es ist nun wahrlich nicht "nazi" zu sagen, dass man Deutschland liebt und gerne Deutscher ist.
Schlimm und falsch wird es meiner Meinung nach dann, wenn man sich im gleichen Atemzug über andere Nationen erhebt und in dieses "Deutschland über alles" abdriftet. Das hat mit gesundem Patriotismus nichts zu tun, das ist Nationalismus - und den halte ich für übel.

Trotzdem ist es ganz natürlich dass man erst mal an sich selbst denkt. Das ist wohl auch ein automatischer Prozess. Die eigenen Eltern/Kinder/Partner... sind einem naturgemäß immer wichtiger als die von anderen Leuten. Die Menschen aus dem gleichen Ort stehen einem pauschal wohl näher als die aus einem anderen Ort irgendwo im Land. Das eigene Volk steht einem näher als ein Volk irgendwo sonst auf der Erde. Warum? Weil man mehr Gemeinsamkeiten hat, sich verbundener und verstandener fühlt etc.
Der Satz "Jeder ist sich selbst der Nächste" klingt nicht sehr nett, ist aber nun mal Fakt - wenn man das auch auf Familie ausdehnt und dann immer weitere Kreise ziehen lässt. Und keiner lässt sich gerne wegnehmen, was er schon mal hat und von dem er denkt, dass es ihm zustehen würde.
Und trotzdem sind wir alle am Ende nur Menschen und niemand ist per se besser und wertvoller als der andere.
Manche haben mehr Glück als andere und leben in Regionen, in denen es den Menschen gut geht, in denen Bildung jedem offen steht und in dem sich jeder frei entfalten kann. Andere haben das nicht und ihnen fehlt auch ggf. das Verständnis was für manche Völker selbstverständlich ist - weil sie es nie kennengelernt haben. Das macht sie aber nicht zu schlechteren Menschen, die weniger wert sind und die man ihrem eigenen Elend überlassen darf; Hauptsache einem selbst geht es gut.
Der gesunde Menschenverstand geht da aber halt manchmal nicht einher mit dem persönlichen Empfinden. Bei manchen klappt es besser, bei anderen schlechter - oder gar nicht.


Ich stimme dir zu.
Aber mal aus Neugierde....wen außer Rechtsextremisten kennst du, der sein Deutschsein und Deutschland über jedes andere Land stellt? Ich kenne niemanden, der sich auf sein Deutschsein was einbildet oder sagt, Deutschland sei höherwertig oder so einen Schwachsinn. Ich kenne bloß Deutsche, die im allgemeinen -trotz Verbesserungsmöglichkeiten- ihre Heimat ganz gut finden, jedoch andere Länder ebenfalls wertschätzen.
Wer mich beleidigt, bestimme ich.
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Re: Wie sehr darf eine Nation "an sich" denken? Wo beginnt Nationalismus bzw. wo wirds eklig?

Beitragvon CharlotteK » Fr 19. Jan 2018, 15:23

Billie Holiday hat geschrieben:(19 Jan 2018, 15:06)

Ich stimme dir zu.
Aber mal aus Neugierde....wen außer Rechtsextremisten kennst du, der sein Deutschsein und Deutschland über jedes andere Land stellt? Ich kenne niemanden, der sich auf sein Deutschsein was einbildet oder sagt, Deutschland sei höherwertig oder so einen Schwachsinn. Ich kenne bloß Deutsche, die im allgemeinen -trotz Verbesserungsmöglichkeiten- ihre Heimat ganz gut finden, jedoch andere Länder ebenfalls wertschätzen.


Ich auch. Ich meinte auch nicht, dass ich hier ein großes, flächendeckendes Problem sehe. Die meisten Menschen dürften wohl so denken, wie Du es gerade beschreibst. Sie sind ihrer Heimat verbunden, mögen ihr Land und sind zufrieden mit ihrem Deutschsein - ohne dass ihnen irgendein Schuldkult anhaftet und ohne dass sie in Nationalismus abdriften.
Man ist halt Deutsch und hat damit ziemliches Glück gehabt, was den Lebensstandard, die Möglichkeiten zur freien Entfaltung, die Freiheit und Sicherheit etc. angeht. Dafür kann man dankbar sein bzw. das sollte man wertschätzen können. Andere hatten das Glück eben nicht.
Und weil man sich dessen bewusst ist und froh ist, hier leben zu können, wertet man deswegen andere Länder und Völker nicht ab.

Das tun in der Tat nur Nationalisten, die sich am rechten Rand der Gesellschaft befinden. Und auch wenn die in sozialen Medien omnipräsent sind und laut sind und Hetze betreiben, sind es am Ende doch nur wenige.
Ich kenne zum Glück niemanden, der ein gestörtes Verhältnis zu Deutschland hat, weder in die ein noch in die andere Richtung.
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Re: Wie sehr darf eine Nation "an sich" denken? Wo beginnt Nationalismus bzw. wo wirds eklig?

Beitragvon Europa2050 » Fr 19. Jan 2018, 16:07

CharlotteK hat geschrieben:(19 Jan 2018, 10:21)

Du beantwortest das, wie ich finde, schon sehr schlüssig.

Ich denke zum einen wird wohl häufig Patriotismus und Nationalismus nicht klar getrennt.
Für mich ist es "verstörend" wenn jemand sich sehr nationalistisch äußert und Deutschland und Deutsche überlegen und wertvoller empfindet als andere Länder und Völker. Ebenso empfinde ich aber auch bei Deutschen, die sich ständig nur abfällig über ihr Land äußern und so überhaupt keinen Funken Vaterlandsliebe haben.
Was die Amerikaner oftmals zu viel an Patriotismus haben, haben Deutsche oft zu wenig. Es ist doch überhaupt nicht verwerflich, sein Land, seine Herkunft, sein Deutschsein zu mögen und seiner Heimat viel Verbundenheit und Liebe entgegen zu bringen. Es ist nun wahrlich nicht "nazi" zu sagen, dass man Deutschland liebt und gerne Deutscher ist.
Schlimm und falsch wird es meiner Meinung nach dann, wenn man sich im gleichen Atemzug über andere Nationen erhebt und in dieses "Deutschland über alles" abdriftet. Das hat mit gesundem Patriotismus nichts zu tun, das ist Nationalismus - und den halte ich für übel.

Trotzdem ist es ganz natürlich dass man erst mal an sich selbst denkt. Das ist wohl auch ein automatischer Prozess. Die eigenen Eltern/Kinder/Partner... sind einem naturgemäß immer wichtiger als die von anderen Leuten. Die Menschen aus dem gleichen Ort stehen einem pauschal wohl näher als die aus einem anderen Ort irgendwo im Land. Das eigene Volk steht einem näher als ein Volk irgendwo sonst auf der Erde. Warum? Weil man mehr Gemeinsamkeiten hat, sich verbundener und verstandener fühlt etc.
Der Satz "Jeder ist sich selbst der Nächste" klingt nicht sehr nett, ist aber nun mal Fakt - wenn man das auch auf Familie ausdehnt und dann immer weitere Kreise ziehen lässt. Und keiner lässt sich gerne wegnehmen, was er schon mal hat und von dem er denkt, dass es ihm zustehen würde.
Und trotzdem sind wir alle am Ende nur Menschen und niemand ist per se besser und wertvoller als der andere.
Manche haben mehr Glück als andere und leben in Regionen, in denen es den Menschen gut geht, in denen Bildung jedem offen steht und in dem sich jeder frei entfalten kann. Andere haben das nicht und ihnen fehlt auch ggf. das Verständnis was für manche Völker selbstverständlich ist - weil sie es nie kennengelernt haben. Das macht sie aber nicht zu schlechteren Menschen, die weniger wert sind und die man ihrem eigenen Elend überlassen darf; Hauptsache einem selbst geht es gut.
Der gesunde Menschenverstand geht da aber halt manchmal nicht einher mit dem persönlichen Empfinden. Bei manchen klappt es besser, bei anderen schlechter - oder gar nicht.


Ein grandioser Post, der deutlich beleuchtet, dass es eben doch kein weiß und Schwarz gibt. Mir aus der Seele geschrieben :thumbup:
Nationalismus lehrt Dich,
stolz auf Dinge zu sein, die Du nie getan hast und
Leute zu hassen, denen Du nie begegnet bist.

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