Wie sehr darf eine Nation "an sich" denken? Wo beginnt Nationalismus bzw. ab wo wirds eklig?

Moderator: Moderatoren Forum 2

Benutzeravatar
zollagent
Beiträge: 57845
Registriert: Mo 8. Aug 2011, 12:21

Re: Wie sehr darf eine Nation "an sich" denken? Wo beginnt Nationalismus bzw. ab wo wirds eklig?

Beitragvon zollagent » Di 16. Jan 2018, 22:53

Skeptiker hat geschrieben:(16 Jan 2018, 22:47)

Klar, rechte Parteien nutzen das auch um Wähler zu gewinnen und Populismus zu betreiben. Linke Parteien wiederum betreiben Populismus damit, dass es immer so weiter gehen kann, wohlwissend dass es ganz selbstverständlich eine Grenze der Integrationsfähigkeit gibt.

Einen inakzeptablen Nachteil würde ich da sehen, wo Integrationsleistungen einfach nicht mehr erbracht werden können, weil durch die Anzahl der Leute und der Integrationsaufwand z.B. durch Sprach- und Bildungsdefizite, nicht mehr gelingt. Der Aufwand dafür ist schon beachtlich. Ich sehe Deutschland da jedenfalls nicht in der weiteren moralischen Bringschuld - hier wird einiges geleistet.

Gerne darfst Du an die europäischen Nachbarn appellieren. Ja, da wäre man wohl noch dran zu helfen. Denen scheint dann aber die Moral am Ars.. vorbei zu gehen. Offensichtlich will Frankreich nicht gänzlich vom FN übernommen werden (hunderttausende Afrikaner wären Anlass genug für viele Franzosen den FN zu wählen) und die Visegrad Länder sind sich mit Ihrer Bevölkerung wohl einig, dass man das einfach aussitzen möchte und sich kein soziales Spannungsfeld für die nächsten Dekaden einfangen möchte.

Es reicht nicht, auf die Nachbarn zu zeigen, die ja "noch weniger leisten". Es ist schlicht keine Gefährdung unserer Gesellschaft zu sehen, auch nicht, wenn die Anzahl der Hilfesuchenden sich verdoppeln würde. Integrationsleistung beschränkt sich ja nicht auf Schulungskurse für Zuwanderer, Integration ist auch Aufgabe der hier schon Lebenden. Wenn ich höhnisch darauf hinweise, daß ich keine "Anderen" in der Nachbarschaft will, egal, welche Leistungen diese erbringen, muß ich mich nicht wundern, wenn schwache Geister eine Oppositionshaltung entwickeln, die bis zur Gewalttätigkeit gehen kann. Integration ist Aufgabe beider Seiten. Nur, wer deutlich macht, daß er sich nicht integrieren will und archaische Lebensvorstellungen über unsere Gesellschaftlichen Regeln stellt, dem kann man durchaus den Stuhl vor die Tür stellen. Allerdings muß ich auch meinen eigenen Beitrag leisten und Stühle zur Verfügung stellen.
Wer an Absurditäten glaubt, wird Abscheulichkeiten begehen. (Voltaire)
Benutzeravatar
H2O
Moderator
Beiträge: 25494
Registriert: So 13. Sep 2015, 13:49

Re: Wie sehr darf eine Nation "an sich" denken? Wo beginnt Nationalismus bzw. ab wo wirds eklig?

Beitragvon H2O » Di 16. Jan 2018, 22:54

jorikke hat geschrieben:(16 Jan 2018, 22:42)

Das kann ich alles gut nachvollziehen.
Wie könnte man das ändern?
Da wir Niemanden mit Waffengewalt zwingen unser Zeug zu kaufen, müssten wohl die Import Staaten selber Einfuhrbeschränkungen beschließen.
Die machen das aber nicht weil sie unsere Produkte brauchen.
Andererseits könnten wir natürlich selber beschließen nichts mehr zu exportieren.
Ich verzichte mal auf das vielbemühte Arbeitsplatzargument und gebe lediglich zu bedenken, wie wohl der Aufschrei aus den Drittstaaten aussehen würde.
"Die wollen uns klein halten, unsere Entwicklung verhindern, usw."
Zu dumm das man jedes Problem von mindestens zwei Seiten beurteilen kann.


Sicher; da geht es schon mit der Daseinsvorsorge los. Wenn ich mich durch eigene Anstrengung und Schutz meiner Landwirtschaft voll versorgen kann, dann kann mir niemand mehr die Produkte verkaufen, die ich ja selbst erzeuge, wenn auch teurer als ein anderer Staat. Aber meine Versorgungssicherheit hat Vorrang. Bestenfalls kaufe ich Dinge, die mich nicht abhängig machen. Ich halte das für ein vernünftiges Staatsziel zum Nachteil eines Anbieters außerhalb.

Der Rest der beschriebenen Kette dient nur noch dazu, den Überfluß zu Lasten Dritter zu vergrößern. Da kann von "Vernunft" gar keine Rede sein.

Ist aber nur ein Beispiel, von dem ich bei genügend scharfem Nachdenken weitere ableiten könnte.

Ich gebe aber zu, daß es schwer ist, auf dem Gebiet ein stabiles Gleichgewicht her zu stellen.
Benutzeravatar
Watchful_Eye
Moderator
Beiträge: 3056
Registriert: Sa 7. Jun 2008, 12:13
Kontaktdaten:

Re: Wie sehr darf eine Nation "an sich" denken? Wo beginnt Nationalismus bzw. ab wo wirds eklig?

Beitragvon Watchful_Eye » Di 16. Jan 2018, 22:56

Adam Smith hat geschrieben:(16 Jan 2018, 22:48)

Das liegt aber nicht an uns, sondern an den anderen. Was können wir denn dafür, dass die jetzt so viel verkehrt machen?

Das ist eine sehr kollektivistische Denkweise. Wie gesagt, es besteht eben keine Chancengleichheit. Wenn man in einem "Shithole" geboren wurde, ist ein Aufstieg für den Einzelnen oft kaum möglich. :|
Zudem haben sich die schlechten Bedingungen natürlich auch historisch, z.B. aus den klimatischen Umständen, entwickelt.
"In a world where I feel so small, I can't stop thinking big." (Rush - Caravan)

Mod im Feedback- und Asienforum.
Benutzeravatar
Progressiver
Beiträge: 1984
Registriert: So 1. Apr 2012, 00:37
Wohnort: Baden-Württemberg

Re: Wie sehr darf eine Nation "an sich" denken? Wo beginnt Nationalismus bzw. ab wo wirds eklig?

Beitragvon Progressiver » Di 16. Jan 2018, 23:03

@Skeptiker,

es kommen keine Millionen Flüchtlinge nach Deutschland wie vor zwei Jahren. Deren Zahlen sind derzeit auf ca. 183.000 gesunken. Damit werden selbst die Erwartungen der CSU unterboten.
"Skepsis ist der erste Schritt auf dem Weg zur Philosophie." (Denis Diderot)
Benutzeravatar
Adam Smith
Beiträge: 26128
Registriert: Mi 18. Jan 2012, 21:57

Re: Wie sehr darf eine Nation "an sich" denken? Wo beginnt Nationalismus bzw. ab wo wirds eklig?

Beitragvon Adam Smith » Di 16. Jan 2018, 23:05

H2O hat geschrieben:(16 Jan 2018, 22:23)

Vielleicht darf man sich dieser Frage nicht so abstrakt nähern, wie das hier versucht worden ist, sondern anhand bekannter Lumpereien, die Staaten/Staatenbünde sich erlauben:

Die EU unterhält eine mit Steuergeldern gestützte Landwirtschaft, die möglichst die Ernährung der Europäer sicher stellen soll. Ich nehme an, daß dieses grundlegende Ziel erreicht wurde. Also erst einmal ein sinnvolles Staatsziel, das auch eine Unabhängigkeit und Absicherung gegen Erpressung in Zeiten der Knappheit vermeidet.

Die notwendigen Steuergelder verdient die EU mit der Ausfuhr industrieller Güter.

Zugleich hat sich die Landwirtschaft der EU auf industrielle Erzeugung ihrer Veredelungsprodukte (Fleisch, Molkereiprodukte, Konserven) verlegt... und erzeugt davon weit mehr, als in der EU benötigt wird. Diese Waren werden nun ebenfalls auf dem Weltmarkt angeboten zu Preisen, die unter den heimischen Kosten für die Empfängerstaaten liegen. Das ist möglich, weil diese Produkte und ihr Export mit Hilfe von Steuergeldern auf Weltmarktpreise geschleust werden.

Die Folge: Menschen in den Empfängerländern können zu diesen Preisen nicht mehr ihre Produkte herstellen und verarmen, suchen ihr Auskommen in Städten; das Land verödet. Manche dieser Menschen versuchen dann, Europa zu erreichen, um an unserem Reichtum teilhaben zu können.

Daß Europa eine Landwirtschaft betreibt, die die Ernährung Europas sichert, das ist Daseinsvorsorge.

Die Sache wird anrüchig, wenn das bestehende Monopol "Industriewaren" die gar nicht erforderliche Überproduktion von Veredelungsprodukten quersubventioniert und damit konkurrenzlos billig auf den Weltmarkt wirft.

Ebenso anrüchig ist aber auch, daß von der EU selbst diese Weltmarktpreise durch Zölle ferngehalten werden.

Richtig eklig wird die Angelegenheit, wenn dann auf Wirtschaftsflüchtlingen herum getreten wird, weil die im eigenen Lande nicht konkurrieren können, also zu Hilfsempfängern werden, und sie sich hilflos aus dieser Not befreien wollen.

Ich hoffe, daß ich an einem besonders anschaulichen Beispiel zeigen konnte, wie ein Nationalstaat (hier unsere EU) erst einmal seinen Bürgern Sicherheit gibt, dann aber aus dieser Sicherheit heraus andere Staaten auf anrüchige Weise zerstört, um sich dann über ganz eklige "Dreckslöcher" zu beschweren.

Dieses wird immer wieder gerne behauptet. Nur werden kaum oder so gut wie keine Agrargüter nach Afrika exportiert. Der Hunger in England verschwand z.B. als England Importe erlaubte.
rain353
Beiträge: 1328
Registriert: Di 5. Dez 2017, 01:37

Re: Wie sehr darf eine Nation "an sich" denken? Wo beginnt Nationalismus bzw. ab wo wirds eklig?

Beitragvon rain353 » Di 16. Jan 2018, 23:10

Progressiver hat geschrieben:(16 Jan 2018, 23:03)

@Skeptiker,

es kommen keine Millionen Flüchtlinge nach Deutschland wie vor zwei Jahren. Deren Zahlen sind derzeit auf ca. 183.000 gesunken. Damit werden selbst die Erwartungen der CSU unterboten.


Ja, aber trotzdem kann eine neue Flüchtlingswelle sich anbahnen und das man 1 Millionen ohne Vorbereitung und Leitkultur ebenso integrieren kann, glaubst du wohl selbst nicht.... (Beispiel: Die Gastarbeiter 70er/80er 9
Die kommen aus einer völlig anderen Kultur, was nicht heißt , dass sie sich nicht integrieren können bzw. wollten. Denn es gab ja schon vor über 100 Jahren in europäischen Ländern wie Deutschland, Großbritannien und Frankreich Zuwanderung...

Ein Problem wird es erst, wenn massenweise Menschen aus anderer Kultur kommen, denn dann enstehen Parallelgesellschaften(NICHT die Flüchtlinge bzw. die, die sich wegen Lügen und Gerüchte ein Ende ihrer wirtschaftlichen Misere hoffen sind Schuld, sondern Merkel, die praktisch mit "Wir schaffen das, wir sind ein starkes Land" , denen das so rüber gebracht hat, dass sie auch denen helfen können....
"Es ist nichts so klein und wenig, woran man sich nicht begeistern könnte." - Friedrich Hölderlin
Benutzeravatar
H2O
Moderator
Beiträge: 25494
Registriert: So 13. Sep 2015, 13:49

Re: Wie sehr darf eine Nation "an sich" denken? Wo beginnt Nationalismus bzw. ab wo wirds eklig?

Beitragvon H2O » Di 16. Jan 2018, 23:23

Adam Smith hat geschrieben:(16 Jan 2018, 23:05)

Dieses wird immer wieder gerne behauptet. Nur werden kaum oder so gut wie keine Agrargüter nach Afrika exportiert. Der Hunger in England verschwand z.B. als England Importe erlaubte.


Das kann so nicht stimmen. Ich habe gelernt, daß z. B. Tomatenkonserven in Afrika aus italienischer Produktion stammen. Reizvollerweise sind dann Tomatenbauern aus Afrika nach Italien ab gewandert, um dort als billigste Hilfskräfte den Tomatenanbau zu betreiben.

Ähnliches wurde wiederholt von "Schlachtabfällen" aus der europäischen Geflügelproduktion berichtet. Die Afrikaner können ihre Tiere nicht mit dem Futtermittel zu auskömmlichen Preisen aufziehen, weil diese "Schlachtabfälle" (Innereien, Geflügelklein) dort zu Spottpreisen angeboten werden. Die Menschen dort kaufen diese Ware aber, weil sie viel billiger zu haben ist als heimisches Geflügel. In Europa bleiben dann im wesentlichen das Brustfilet, die Schlegel und die Flügel zurück zur Vermarktung. Den Rest will keiner mehr haben... moderne Zeiten.

Natürlich habe ich keine Spionageabteilung und kann deshalb nur berichten, wovon ich zuvor vor Wochen und Monaten irgendwann einmal etwas gehört oder gelesen habe.

Aber nicht nur unsere industrialisierte Landwirtschaft zerstört andere Landwirtschaften. Recycling ist auch ein interessantes Thema, das man in diese Kette einbauen könnte.
Benutzeravatar
Watchful_Eye
Moderator
Beiträge: 3056
Registriert: Sa 7. Jun 2008, 12:13
Kontaktdaten:

Re: Wie sehr darf eine Nation "an sich" denken? Wo beginnt Nationalismus bzw. wo wirds eklig?

Beitragvon Watchful_Eye » Di 16. Jan 2018, 23:35

Milady de Winter hat geschrieben:(16 Jan 2018, 21:55)
Weil wir Deutsche sind oder weil wir Menschen sind? Wenn ersteres, warum? Wenn letzteres, dann müsste das für alle Menschen gleichermaßen gelten. Nur wenn man sich in der Welt umsieht, erkennt man, dass dieses Gesetz offensichtlich noch nirgends festgeschrieben wurde.

In Gesetzesform sicherlich nicht. Aber wie gesagt, man kann sich auch als Nation mehr oder weniger nach ethischen Prinzipien verhalten. Die radikalen Linken demonstrieren z.B. gerne mit dem Spruch "Deutschland, du mieses Stück Scheiße", um mangelnde ethische Prinzipien zu kritisieren. ;)

Ich wollte jetzt nicht auf eine spezielle Verantwortung Deutschlands hinaus. Aber wenn wir z.B. die Flüchtlingsdebatte nehmen - dass die Fundamentalopponnenten gegen die Aufnahme von Flüchtlingen häufig auf ethischer Ebene angegriffen werden, zeigt ja schon, dass die meisten von uns grundsätzlich Teil einer ethische Nation sein wollen. Mit reinem nationalen Eigennutz wird das üblicherweise nicht begründet. Oder andere Beispiele wie gesagt Entwicklungshilfe, Klimaschutz,..
"In a world where I feel so small, I can't stop thinking big." (Rush - Caravan)

Mod im Feedback- und Asienforum.
Benutzeravatar
zollagent
Beiträge: 57845
Registriert: Mo 8. Aug 2011, 12:21

Re: Wie sehr darf eine Nation "an sich" denken? Wo beginnt Nationalismus bzw. ab wo wirds eklig?

Beitragvon zollagent » Di 16. Jan 2018, 23:38

Progressiver hat geschrieben:(16 Jan 2018, 23:03)

@Skeptiker,

es kommen keine Millionen Flüchtlinge nach Deutschland wie vor zwei Jahren. Deren Zahlen sind derzeit auf ca. 183.000 gesunken. Damit werden selbst die Erwartungen der CSU unterboten.

...wobei man schon fragen kann, ob das an einem Versiegen von Flüchtlingsströmen läge oder ob einfach die Menschenabwehrmaßnahmen hier "Früchte" tragen.
Wer an Absurditäten glaubt, wird Abscheulichkeiten begehen. (Voltaire)
Benutzeravatar
zollagent
Beiträge: 57845
Registriert: Mo 8. Aug 2011, 12:21

Re: Wie sehr darf eine Nation "an sich" denken? Wo beginnt Nationalismus bzw. ab wo wirds eklig?

Beitragvon zollagent » Di 16. Jan 2018, 23:44

rain353 hat geschrieben:(16 Jan 2018, 23:10)

Ja, aber trotzdem kann eine neue Flüchtlingswelle sich anbahnen und das man 1 Millionen ohne Vorbereitung und Leitkultur ebenso integrieren kann, glaubst du wohl selbst nicht.... (Beispiel: Die Gastarbeiter 70er/80er 9
Die kommen aus einer völlig anderen Kultur, was nicht heißt , dass sie sich nicht integrieren können bzw. wollten. Denn es gab ja schon vor über 100 Jahren in europäischen Ländern wie Deutschland, Großbritannien und Frankreich Zuwanderung...

Ein Problem wird es erst, wenn massenweise Menschen aus anderer Kultur kommen, denn dann enstehen Parallelgesellschaften(NICHT die Flüchtlinge bzw. die, die sich wegen Lügen und Gerüchte ein Ende ihrer wirtschaftlichen Misere hoffen sind Schuld, sondern Merkel, die praktisch mit "Wir schaffen das, wir sind ein starkes Land" , denen das so rüber gebracht hat, dass sie auch denen helfen können....

Das Problem, das ich kommen sehe, wird wohl sein, daß Menschen als "Wirtschaftsflüchtlinge" kommen werden, weil in ihren Heimatländern durch den Klimawandel schlicht keine Überlebensmöglichkeiten bestehen. Und was dann kommen wird, werden nicht ein paar Hunderttausend sein, nicht mal eine oder zwei Millionen, dann wird es eine Völkerwanderung großer Teile der Menschheit geben. NOCH könnten wir das Ganze kanalisieren. Aber einfach sich abzeichnende Wanderungsbewegungen zu ignorieren und zu glauben, ein paar restriktive Einwanderungsbedingungen und ein paar Wachschiffe mehr könnten das von uns fern halten, das ist schlichte Träumerei. Diese Menschen werden kommen und sie werden in einer Zahl kommen, gegen die die bisherigen Flüchtlingsströme Rinnsale sind. Dann werden wir uns vor die Wahl gestellt sehen, entweder Krieg führen oder zusammenrücken und teilen..
Wer an Absurditäten glaubt, wird Abscheulichkeiten begehen. (Voltaire)
CaptainJack

Re: Wie sehr darf eine Nation "an sich" denken? Wo beginnt Nationalismus bzw. ab wo wirds eklig?

Beitragvon CaptainJack » Mi 17. Jan 2018, 00:03

zollagent hat geschrieben:(16 Jan 2018, 23:44)

Das Problem, das ich kommen sehe, wird wohl sein, daß Menschen als "Wirtschaftsflüchtlinge" kommen werden, weil in ihren Heimatländern durch den Klimawandel schlicht keine Überlebensmöglichkeiten bestehen. Und was dann kommen wird, werden nicht ein paar Hunderttausend sein, nicht mal eine oder zwei Millionen, dann wird es eine Völkerwanderung großer Teile der Menschheit geben. NOCH könnten wir das Ganze kanalisieren. Aber einfach sich abzeichnende Wanderungsbewegungen zu ignorieren und zu glauben, ein paar restriktive Einwanderungsbedingungen und ein paar Wachschiffe mehr könnten das von uns fern halten, das ist schlichte Träumerei. Diese Menschen werden kommen und sie werden in einer Zahl kommen, gegen die die bisherigen Flüchtlingsströme Rinnsale sind. Dann werden wir uns vor die Wahl gestellt sehen, entweder Krieg führen oder zusammenrücken und teilen..
Und wie würdest du dieses Problem lösen wollen?
Benutzeravatar
Tom Bombadil
Beiträge: 39173
Registriert: Sa 31. Mai 2008, 16:27
Benutzertitel: Non Soli Cedit

Re: Wie sehr darf eine Nation "an sich" denken? Wo beginnt Nationalismus bzw. wo wirds eklig?

Beitragvon Tom Bombadil » Mi 17. Jan 2018, 00:16

Watchful_Eye hat geschrieben:(16 Jan 2018, 23:35)

Aber wenn wir z.B. die Flüchtlingsdebatte nehmen - dass die Fundamentalopponnenten gegen die Aufnahme von Flüchtlingen häufig auf ethischer Ebene angegriffen werden, zeigt ja schon, dass die meisten von uns grundsätzlich Teil einer ethische Nation sein wollen.

Naja, nachdem die negativen Aspekte von Merkels Flüchtlingspolitik sichtbar wurden, war es schnell vorbei mit der Zustimmung von den "meisten". Die Deutschen erwirtschaften ihren Wohlstand selber, durch Produkte, die sich auf dem Weltmarkt gegen starke Konkurrenz durchsetzen, es ist imho auch ethisch und moralisch ein ganz starkes Zeichen, dass wir sehr, sehr viel Geld dafür ausgeben, um armen Menschen in Deutschland und auf der Welt helfen. Die >20 Mrd €, die wir jährlich für die Versorgung und Integration von Flüchtlingen ausgeben, erwirtschaften sehr viele Staaten noch nichtmal als BIP, dazu kommen noch die Zahlungen iHv. >10 Mrd. € an die EU, die an Staaten geht, denen es schlechter geht als uns dazu kommen noch die Entwicklungshilfe und private Spenden.
The tree of liberty must be refreshed from time to time with the blood of patriots and tyrants. It is its natural manure.
Thomas Jefferson
Benutzeravatar
zollagent
Beiträge: 57845
Registriert: Mo 8. Aug 2011, 12:21

Re: Wie sehr darf eine Nation "an sich" denken? Wo beginnt Nationalismus bzw. ab wo wirds eklig?

Beitragvon zollagent » Mi 17. Jan 2018, 00:16

CaptainJack hat geschrieben:(17 Jan 2018, 00:03)

Und wie würdest du dieses Problem lösen wollen?

Es gibt nur die Lösung "zusammenrücken und teilen", die Alternative ist Krieg.
Wer an Absurditäten glaubt, wird Abscheulichkeiten begehen. (Voltaire)
Benutzeravatar
zollagent
Beiträge: 57845
Registriert: Mo 8. Aug 2011, 12:21

Re: Wie sehr darf eine Nation "an sich" denken? Wo beginnt Nationalismus bzw. wo wirds eklig?

Beitragvon zollagent » Mi 17. Jan 2018, 00:23

Tom Bombadil hat geschrieben:(17 Jan 2018, 00:16)

Naja, nachdem die negativen Aspekte von Merkels Flüchtlingspolitik sichtbar wurden, war es schnell vorbei mit der Zustimmung von den "meisten". Die Deutschen erwirtschaften ihren Wohlstand selber, durch Produkte, die sich auf dem Weltmarkt gegen starke Konkurrenz durchsetzen, es ist imho auch ethisch und moralisch ein ganz starkes Zeichen, dass wir sehr, sehr viel Geld dafür ausgeben, um armen Menschen in Deutschland und auf der Welt helfen. Die >20 Mrd €, die wir jährlich für die Versorgung und Integration von Flüchtlingen ausgeben, erwirtschaften sehr viele Staaten noch nichtmal als BIP, dazu kommen noch die Zahlungen iHv. >10 Mrd. € an die EU, die an Staaten geht, denen es schlechter geht als uns dazu kommen noch die Entwicklungshilfe und private Spenden.

Frau Merkels Flüchtlingspolitik ist eine Reaktion auf Dinge, die ihre Politik definitiv nicht verursacht hat. Daher ist dieses ewige Gejammer über "verfehlte Politik" einfach nur billige Hetze. Die Menschen, die aus Syrien, aus Irak fliehen, die fliehen vor einem Krieg, den Frau Merkel weder angefangen, noch befeuert hat. Und wir als zivilisiertes, kulturell hochstehendes Land, wenn wir uns mal diesen Anspruch setzen und ihm gerecht werden, müssen einfach den Opfern dieser Auseinandersetzungen helfen. Das ist Christenpflicht, es ist die Pflicht einer Nation, die sich der Ethik verschrieben hat. Und vor allem, ist unser Land auch dazu in der Lage. Niemandem wird der Lebensstandard gesenkt, wie es z.B. noch nach dem Krieg in den Vierzigern war, wo Menschen in vorhandene Häuser einquartiert wurden, weil darin Raum war und die Hausbesitzer dies auch hinnehmen mußten. Und so lange da auch kein sicheres Leben gewährleistet ist, ist der Krieg nicht beendet.
Wer an Absurditäten glaubt, wird Abscheulichkeiten begehen. (Voltaire)
Benutzeravatar
Der General
Beiträge: 9780
Registriert: Do 12. Sep 2013, 00:37
Benutzertitel: Ungefährlicher Gefährder
Wohnort: NRW

Re: Wie sehr darf eine Nation "an sich" denken? Wo beginnt Nationalismus bzw. ab wo wirds eklig?

Beitragvon Der General » Mi 17. Jan 2018, 01:29

zollagent hat geschrieben:(16 Jan 2018, 23:44)

Das Problem, das ich kommen sehe, wird wohl sein, daß Menschen als Wirtschaft"sflüchtlinge" kommen werden, weil in ihren Heimatländern durch den Klimawandel schlicht keine Überlebensmöglichkeiten bestehen. Und was dann kommen wird, werden nicht ein paar Hunderttausend sein, nicht mal eine oder zwei Millionen, dann wird es eine Völkerwanderung großer Teile der Menschheit geben. NOCH könnten wir das Ganze kanalisieren. Aber einfach sich abzeichnende Wanderungsbewegungen zu ignorieren und zu glauben, ein paar restriktive Einwanderungsbedingungen und ein paar Wachschiffe mehr könnten das von uns fern halten, das ist schlichte Träumerei. Diese Menschen werden kommen und sie werden in einer Zahl kommen, gegen die die bisherigen Flüchtlingsströme Rinnsale sind. Dann werden wir uns vor die Wahl gestellt sehen, entweder Krieg führen oder zusammenrücken und teilen..


Das ist alles ziemlicher Zukunfts-Quatsch und eine gehörige Portion an Verschwörungstheorie :x

Ich kann einen Klimawandel nicht erkennen und gehöre ganz offen gesagt zu denen die daran auch nicht glauben. Informiert man sich mal ganz genau und steigt in diese Materie mal genauer ein, der weiß, dass sich die Temperaturen auf unseren Planeten kaum verändert haben!

Seit 50 Jahren gibt es mal einen wärmeren Winter und auch mal einen kälteren.... Vergleicht man alle Daten, sieht man kaum Unterschiede, dass ist Fakt !

Selbstverständlich wird es aber so sein, dass in der Zukunft die Zahlen der "Wirtschaftsflüchtlinge" steigen wird. Es ist allerdings eher der Demografie geschuldet als der "Klimawandel".

Ich kann bis Heute nicht verstehen, wie es sein kann, dass in vielen Afrikanischen Ländern, die Geburtenrate Massiv ansteigt obwohl dort Akut Nahrungsarmut herrscht ? Ein Unverantwortliches Phänomen was man auch in anderen, leider Ärmlichen Regionen sieht.

Das ist jetzt keine Wertung von mir sondern eine Feststellung bzw. Meinung !

Konkret zum Thema, gibt es für mich keine "Nation" oder ein "Nationales denken". Nach meiner Ideologie, hat JEDER einzelne Mensch auf diesem Planeten das freie Recht dort zu Leben wo er gerne möchte. Ganz einfach und unkompliziert argumentiert, denn für Jeden Einzelnen war es nur das Glück oder Pech an einem beliebigen Ort das Licht der Welt zu erblicken !

Offene Grenzen für alle und Jeden, so wie es auch mal Sahra Wagenknecht gesagt hat, ist zwar leider Utopie aber dennoch ein toller Gedanke.
Benutzeravatar
Adam Smith
Beiträge: 26128
Registriert: Mi 18. Jan 2012, 21:57

Re: Wie sehr darf eine Nation "an sich" denken? Wo beginnt Nationalismus bzw. ab wo wirds eklig?

Beitragvon Adam Smith » Mi 17. Jan 2018, 06:26

H2O hat geschrieben:(16 Jan 2018, 23:23)

Das kann so nicht stimmen. Ich habe gelernt, daß z. B. Tomatenkonserven in Afrika aus italienischer Produktion stammen. Reizvollerweise sind dann Tomatenbauern aus Afrika nach Italien ab gewandert, um dort als billigste Hilfskräfte den Tomatenanbau zu betreiben.

Ähnliches wurde wiederholt von "Schlachtabfällen" aus der europäischen Geflügelproduktion berichtet. Die Afrikaner können ihre Tiere nicht mit dem Futtermittel zu auskömmlichen Preisen aufziehen, weil diese "Schlachtabfälle" (Innereien, Geflügelklein) dort zu Spottpreisen angeboten werden. Die Menschen dort kaufen diese Ware aber, weil sie viel billiger zu haben ist als heimisches Geflügel. In Europa bleiben dann im wesentlichen das Brustfilet, die Schlegel und die Flügel zurück zur Vermarktung. Den Rest will keiner mehr haben... moderne Zeiten.

Natürlich habe ich keine Spionageabteilung und kann deshalb nur berichten, wovon ich zuvor vor Wochen und Monaten irgendwann einmal etwas gehört oder gelesen habe.

Aber nicht nur unsere industrialisierte Landwirtschaft zerstört andere Landwirtschaften. Recycling ist auch ein interessantes Thema, das man in diese Kette einbauen könnte.

Gemäss den offiziellen Angaben wird nach Afrika so gut wie gar nichts exportiert.
Benutzeravatar
Alana4
Beiträge: 3187
Registriert: Mo 20. Feb 2012, 19:09
Benutzertitel: ausgependelt glücklich
Wohnort: Großstadt

Re: Wie sehr darf eine Nation "an sich" denken? Wo beginnt Nationalismus bzw. ab wo wirds eklig?

Beitragvon Alana4 » Mi 17. Jan 2018, 07:19

Adam Smith hat geschrieben:(16 Jan 2018, 21:35)

.......... Denn der Kapitalismus beweist jedes Mal, dass er das optimalste und beste System ist.

Aber klar, das ist er! Für ein paar wenige auf jeden Fall. Dann vielleicht für einige, die den Wenigen nützlich sind- die aber nur zeitweise. Die müssen immer schön Obacht geben, dass sie nicht von ihrem Platz verdrängt werden. Und dann hätten wir noch die große Menge derer, die dem System nichts nützen, unbrauchbar sind, .......macht aber alles nichts: Das System ist das Größte! (Hier fehlt ein Kotz-Smiley)
Ich beherrsche die deutsche Rechtschreibung! Aber meine Tastatur hat damit manchmal Probleme.
Benutzeravatar
Billie Holiday
Beiträge: 15638
Registriert: Mi 11. Jun 2008, 11:45
Benutzertitel: Mein Glas ist halbvoll.
Wohnort: Schleswig-Holstein, meerumschlungen

Re: Wie sehr darf eine Nation "an sich" denken? Wo beginnt Nationalismus bzw. ab wo wirds eklig?

Beitragvon Billie Holiday » Mi 17. Jan 2018, 07:24

Alana4 hat geschrieben:(17 Jan 2018, 07:19)

Aber klar, das ist er! Für ein paar wenige auf jeden Fall. Dann vielleicht für einige, die den Wenigen nützlich sind- die aber nur zeitweise. Die müssen immer schön Obacht geben, dass sie nicht von ihrem Platz verdrängt werden. Und dann hätten wir noch die große Menge derer, die dem System nichts nützen, unbrauchbar sind, .......macht aber alles nichts: Das System ist das Größte! (Hier fehlt ein Kotz-Smiley)


Der Sozialismus ist jedenfalls gescheitert.
Du findest, einer Mehrheit geht es hier schlecht? :?:
Was schwebt dir denn so vor?
Wer mich beleidigt, bestimme ich.
K. Kinski
Benutzeravatar
Moses
Vorstand
Beiträge: 9181
Registriert: Di 20. Mär 2012, 14:43
Benutzertitel: Cogito ergo hic erro.
Wohnort: Da wo die Liebe wohnt

Re: Wie sehr darf eine Nation "an sich" denken? Wo beginnt Nationalismus bzw. ab wo wirds eklig?

Beitragvon Moses » Mi 17. Jan 2018, 07:28

Alana4 hat geschrieben:(17 Jan 2018, 07:19)

Aber klar, das ist er! Für ein paar wenige auf jeden Fall. Dann vielleicht für einige, die den Wenigen nützlich sind- die aber nur zeitweise. Die müssen immer schön Obacht geben, dass sie nicht von ihrem Platz verdrängt werden. Und dann hätten wir noch die große Menge derer, die dem System nichts nützen, unbrauchbar sind, .......macht aber alles nichts: Das System ist das Größte! (Hier fehlt ein Kotz-Smiley)


Dem kann ich mich so nicht anschließen - vielleicht liegt es daran, dass ich die Möglichkeit habe zwei "Systeme" miteinander zu vergleichen
Sicherlich ist das, was hier als Kapitalismus bezeichnet wird nicht in allen Dingen perfekt, es gibt tatsächlich auch viele dunkle Seiten -
das positive allerdings überwiegt:
Demokratie
Freiheit
Rechtsstaat
Unsere Aufgabe sollte es sein, an den Schwachstellen zu arbeiten und das gute zu verteidigen - nicht das "System" mit "Kotzsmilys" zu verunglimpfen.
Der Herr gebe mir die Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann, den Mut, Dinge zu ändern, die ich nicht hinnehmen kann, und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden.
hafenwirt
Beiträge: 7785
Registriert: Mo 16. Mär 2009, 07:21

Re: Wie sehr darf eine Nation "an sich" denken? Wo beginnt Nationalismus bzw. ab wo wirds eklig?

Beitragvon hafenwirt » Mi 17. Jan 2018, 08:21

Moses hat geschrieben:(17 Jan 2018, 07:28)
nicht das "System" mit "Kotzsmilys" zu verunglimpfen.


Meine Interpretation ist, dass alana4 nicht "das System" grundsätzlich mit Kotzsmiley verunglimpft sondern den Beitrag in dem stumpf, kritiklos und einzeilig (surprise) vom "besten und optimalsten" System die Rede ist. Davon ab könnte man sich auch Systeme vorstellen, die weder Sozialismus noch Kapitalismus - so wie wir sie kennen - sind, aber das wäre für diesen Ort zu komplex.

Zurück zu „2. Innenpolitik - Verfassung“

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 3 Gäste