BGE - bedingungsloses Grundeinkommen

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Re: BGE - bedingungsloses Grundeinkommen

Beitragvon Realist2014 » Mi 11. Dez 2019, 21:21

lili hat geschrieben:(11 Dec 2019, 20:45)

Noch mal zum Thema: Wenn man ein BGE erhält, dann würde man nicht mehr Arbeiten wollen.

Es gibt ein kurzen Bericht von einer Kassierin: Da gibt es ein kleinen Abschnitt zum Thema BGE.

https://www.mainpost.de/regional/hassberge/Eine-Kassiererin-erzaehlt-Respekt-nimmt-immer-weiter-ab;art513833,10369340



"Bedingungsloses Grundeinkommen: Ich kann mir überhaupt nicht vorstellen, gar nicht zu arbeiten – auch wenn ich ohne Voraussetzungen 1500 Euro im Monat erhalten würde"

völliger Nonsens diese 1500 Euro
Laut Aussage der linken Ideologen sind alle ökonomisch erfolgreichen dumm, und die wahre Intelligenz tritt sich in der untersten ökonomischen Etage auf die Füße.....daher muss diese Etage ausgebaut werden
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Re: BGE - bedingungsloses Grundeinkommen

Beitragvon Atue001 » Do 12. Dez 2019, 01:04

Realist2014 hat geschrieben:(11 Dec 2019, 12:20)

Wer ausreiched eigenes Einkommen erwirschafte, der ist nicht bedürftig


Richtig - aber das Bedürftigkeitsprinzip basiert auf berechtigten Überlegungen von 1790, und ist heute in der modernen arbeitsteiligen Welt völlig veraltet und überholt. Es führt heute nur zu hohen Bürokratiekosten und zu wenig Effizienz. Diese Kosten bin ich als Steuerzahler nicht bereit zu tragen.

Realist2014 hat geschrieben:(11 Dec 2019, 12:20)
Nö,menchlich und sozial snd unsere heutigen, bedarfsorientierten Systeme. Ein BGE ist dagegen asozial


Nö - asozial ist, dass ich ein ineffizientes und ineffektives Bürokratiemonster bezahlen muss, welches dann die gewünschten Effekte regelmäßig verfehlt. Es drangsaliert die Betroffenen unnötig, und bestraft regelmäßig über Gebühr die falschen.
Wenn es mich als Steuerzahler 10€ kostet, auch den Faulenzer mit zu finanzieren - während es mich 100€ kostet, dieses Mitfinanzieren des Faulenzers zu vermeiden, dann ist es für mich besser, wenn ich den Faulenzer mit finanziere. Die Zahl der Faulenzer ist durch noch so viele Kontrollsysteme und durch noch so viel Überwachungsbürokratie zu keinem Zeitpunkt wirklich verringert worden. Die Kosten für die überbordende Bürokratie haben sich aber deutlich erhöht. Und: Die Kollateralschäden gegenüber eigentlich vernünftig agierenden Opfer, die auf das Sozialsystem zwingend angewiesen sind, hat dramatisch mit zunehmendem Kontrollwahn zugenommen.

Als ganzheitlicher Bürger bin ich nicht mehr bereit, diese unnötigen Mehrkosten von Kontrollwahnsinnigen mit zu bezahlen. Wer mehr Kontrollen will, der sollte doch auch die dafür entstehenden Kosten gerne übernehmen!

Realist2014 hat geschrieben:(11 Dec 2019, 12:20)
Klar, dann fehlt wohl es den 78% der Schweizer, die gegen ein BGE gestimmt haben, an Bildung..
Soll das ein Scherz sein?


Quark - abgelehnt wurde ein konkretes Schweizer Modell. Derzeit ist es international noch so, dass BGE noch zu wenig begriffen wurde - das ändert sich aber zunehmend. Die Menschen, die verstanden haben, dass eine BGE-Gesellschaft ernsthaft eine Alterantive zu veralteten Sozialsystemansätzen ist, wachsen eigentlich kontinuierlich. Auch und gerade in der Schweiz ist es nur eine Frage der Zeit, bis das passende Modell zur Abstimmung vorgelegt wird, und eine Mehrheit findet.

Eine BGE-GEsellschaft ist ein deutlich anderes Konzept - zunächst muss eine Mehrheit das erst mal denken können - und wenn sie das denkt, dann dauert es auch noch einige Jahre, bis es politische Konzepte gibt, die das mehrheitsfähig umsetzen. So gesehen ist das Thema BGE heute schon erstaunlich weit. Bei ähnlichen Themenkomplexen hat es teilweise deutlich länger gedauert, bis überhaupt mal relevante 10-15% in den Gesellschaften das so gedacht haben.
Man stelle sich vor: Wahlen 1950 - mit einem Themenkatalog der Parteien von 2019. Das passt nicht zusammen - viele Themen, die heute aktuell sind, wurden 1950 noch nicht mal gedacht......

Das BGE ist thematisch und international auf einem guten Weg - trotzdem sage ich voraus, dass es mindestens noch 30-50 Jahre dauert, bis dieses überlegene Konzept ausreichend in der Breite an Raum gewonnen hat, dass es für Parteien selbstverständlich ist, dieses einzufordern.

Realist2014 hat geschrieben:(11 Dec 2019, 12:20)
Ganz sicher nicht. Die sehen, das unsere Sozialsystem viel sozialer sind, als es ein BGE sein könnte


:-) Brauchst du eine Liste mit den Problemen unserer Sozialsytemen oder kannst du dir selbst 100 Probleme in weniger als 30 Minuten benennen......wenn NICHT, dann fehlen dir ausreichend Kenntnisse über unsere Sozialsysteme und du hast ein verklärtes Bild.


Realist2014 hat geschrieben:(11 Dec 2019, 12:20)
Das sehen die, die es bezaheln sollen , ganz anders


Ja ja - das sind typische Argumente......die regelmäßig einer ernsthaften Prüfung nicht standhalten. Wer heute zahlt, ist morgen Empfänger. Und dann?


Realist2014 hat geschrieben:(11 Dec 2019, 12:20)
Sich auf Kosten derer, die alles finanzieren sollen , einen schlauen Lenz zu machen, bezeichnet man nicht als "Freiheit", sondern Schmarotzertum


Es ist wohl der größte Irrtum der Gegner von BGE-Ansätzen, dass man mit einem BGE das Schmarotzertum befördern würde, während man es mit Alternativen erfolgreich bekämpfen könnte.....
Tatsächlich gibt es die Alternativen zum BGE mindestens seit 1790 - erfolgreich das Schmarotzertum einschränken konnte aber niemand und keine einzige Maßnahme!

WENN es bis dato keine erfolgreichen Maßnahmen gegen Schmarotzertum gibt, obwohl schon über Jahrhunderte so viele Milliarden in die Bekämpfung des Schmarotzertums investiert wurden - dann stellt sich die Frage, wieso die irrige Annahme richtig sein soll, wenn man nur noch mehr in solche Maßnahmen investiert, dass es dann irgendwann wirkt......

BGE geht anders und bietet eine klare Alternative an! In einer BGE-Gesellschaft ist es einfach dramatisch schwerer zu schmarotzen - bis hin dazu, dass es in Teilen unmöglich wird.
Faktisch würden auch in einer BGE-Gesellschaft 1-2% der Gesellschaft auf Kosten der anderen leben - aber das ist heute auch nicht anders.
ABER: Während heute viele Menschen drangsaliert werden, die eigentlich redlich mit der Gesellschaft umgehen, hat die BGE-Gesellschaft das Potential deutlich kostengünstiger und mit weniger Bürokratie und Drangsale gerechter die 1-2% Schmarotzer zu ertragen, ohne dass man ALLE ANDEREN deshalb gleich verdächtig macht.


Haben alle Zwangsmaßnahmen die bis heute beschlossen wurden verhindert, dass es Schmarotzer gibt? NEIN!
Haben sie die Zahl der Schmarotzer deutlich verringern können? NEIN!

Ist es also ein gutes Rezept, mehr weiter so wie bisher zu machen und noch mehr Drangsale und Kontrolle zu fordern? NEIN! Das wird unnötig teuer und ist und bleibt ineffektiv. Es trifft darüber hinaus regelmäßig zu einem überwiegenden Teil die falschen. Das ist unmenschlich.

Ich finde Schmarotzer auch nicht gut - aber wenn es billiger ist, Schmarotzer in einem BGE-System zu aktzeptieren, als in einem NIcht-BGE-System den kläglichen Versuch zu unternehmen, Schmarotzer zu vermeiden - der dann eh nicht gelingt - dann wähle ich klar das erfolgreichere und einfachere Konzept - auch wenn es derzeit noch zu wenig Menschen denken können.
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Re: BGE - bedingungsloses Grundeinkommen

Beitragvon Tom Bombadil » Do 12. Dez 2019, 09:55

Realist2014 hat geschrieben:(11 Dec 2019, 21:21)

"Bedingungsloses Grundeinkommen: Ich kann mir überhaupt nicht vorstellen, gar nicht zu arbeiten – auch wenn ich ohne Voraussetzungen 1500 Euro im Monat erhalten würde"

Ist aber ziemlich widersprüchlich, was die Frau da von sich gibt. Sie liest gerne, hat aber zu wenig Zeit, mit einem BGE hätte sie Zeit. Und obwohl sie keine Zeit hat, will sie Abitur machen und studieren. Auch dafür wäre ein BGE doch prima. Und sie will durch die Welt reisen und was für den Umweltschutz tun. Da wäre ein BGE doch auch eine tolle Sache...

Rein rechnerisch wäre ein BGE möglich.
13,59 Mio 0-18jährige bekommen 500 € pro Monat, macht pro Jahr 81,54 Mrd. €
16,8 Mio erwachsene Singles bekommen 1500 € pro Monat, macht pro Jahr 302,4 Mrd. €
52,62 Mio Erwachsene Nicht-Singles bekommen 1000 € pro Monat, macht pro Jahr 631,44 Mrd. €
Unter dem Strich sind das dann 1.015,38 Mrd € pro Jahr, ganz grob gerechnet.

Das ist schon fast die Summe, die Deutschland sowieso für Soziales aufbringt:
Insgesamt beliefen sich die Ausgaben für Sozialleistungen vergangenes Jahr auf 996 Milliarden Euro, wie aus dem neuen „Sozialbudget“ des Bundesarbeitsministeriums hervorgeht.

Ob so ein BGE aber gesellschaftlich sinnvoll ist, das wage ich auch zu bezweifeln. Das Geld muss ja auch weiterhin erwirtschaftet werden, wenn die Menschen das Geld dann nehmen, um die Arbeit zu reduzieren, fehlen nachher Einnahmen bei der Finanzierung.
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Re: BGE - bedingungsloses Grundeinkommen

Beitragvon Skull » Do 12. Dez 2019, 10:01

Tom Bombadil hat geschrieben:(12 Dec 2019, 09:55)

Das ist schon fast die Summe, die Deutschland sowieso für Soziales aufbringt:
Insgesamt beliefen sich die Ausgaben für Sozialleistungen vergangenes Jahr auf 996 Milliarden Euro, wie aus dem neuen „Sozialbudget“ des Bundesarbeitsministeriums hervorgeht.

Ob so ein BGE aber gesellschaftlich sinnvoll ist, das wage ich auch zu bezweifeln.

Na klar. In diesem „soziales“ stecken ja Positionen für Rentenversicherung, PRIVATE Kranken und Vorsorge-Versicherungen,
aber genauso noch andere INDIVIDUELLE Hilfen, wie Drogenprogramme, Jugendämterausgaben, Jugendhilfen, Behindertenhilfen...

und und und...(ist übrigens schon mehrmals HIER in diesem Thread thematisiert und dargelegt worden)

Kann man ja alles verfrühstücken und als BGE auszahlen. :p

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Re: BGE - bedingungsloses Grundeinkommen

Beitragvon Tom Bombadil » Do 12. Dez 2019, 10:02

Sicher, sowas wird dann alles gestrichen, das muss derjenige dann aus seinem BGE selber zahlen.
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Re: BGE - bedingungsloses Grundeinkommen

Beitragvon Skull » Do 12. Dez 2019, 10:05

Tom Bombadil hat geschrieben:(12 Dec 2019, 10:02)

Sicher, sowas wird dann alles gestrichen, das muss derjenige dann aus seinem BGE selber zahlen.

Vor allem die PRIVATEN Vorsorgeversicherungen und DIREKTEN Sozialen Projekte. :dead:

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Re: BGE - bedingungsloses Grundeinkommen

Beitragvon Realist2014 » Do 12. Dez 2019, 12:17

Atue001 hat geschrieben:(12 Dec 2019, 01:04)

Richtig - aber das Bedürftigkeitsprinzip basiert auf berechtigten Überlegungen von 1790


Nein, denen von 2019

]Nö - asozial ist, dass ich ein ineffizientes und ineffektives Bürokratiemonster bezahlen muss, welches dann die gewünschten Effekte regelmäßig verfehlt. Es drangsaliert die Betroffenen unnötig, und bestraft regelmäßig über Gebühr die falschen.


Womit werden die Bezieher von bedarfsorientierter Grundsicherung im Alter oder der Sozialhilfe "bestraft"?


Wenn es mich als Steuerzahler 10€ kostet, auch den Faulenzer mit zu finanzieren - während es mich 100€ kostet, dieses Mitfinanzieren des Faulenzers zu vermeiden,


Das ist gemäß den Fakten Nonsens


Quark - abgelehnt wurde ein konkretes Schweizer Modell.


Es werden auch alle anderen Modelle von denen abgelehnt, die es bezahlen sollen

Eine BGE-GEsellschaft ist ein deutlich anderes Konzept


Abschaffung der Leistungsgesellschaft...



:-
Brauchst du eine Liste mit den Problemen unserer Sozialsytemen oder kannst du dir selbst 100 Probleme in weniger als 30 Minuten benennen......wenn NICHT, dann fehlen dir ausreichend Kenntnisse über unsere Sozialsysteme und du hast ein verklärtes Bild.


Du kannst ja mal erläutrn, welche Probleme ein BGE von 650 Euro pro Kopf "lösen" würde, die wir angeblich bei unserern bedarfsorientierten Existenzsicherungssystemen mit Leistungen zwischen 50 Euro und 1100 Euro haben....


Es ist wohl der größte Irrtum der Gegner von BGE-Ansätzen, dass man mit einem BGE das Schmarotzertum befördern würde,


Bei einem BGE von 500 Euro und einem Mindestlohn von 2 Euro würde es kein Schmarotzertum geben, das ist korrekt.


BGE geht anders und bietet eine klare Alternative an! In einer BGE-Gesellschaft ist es einfach dramatisch schwerer zu schmarotzen -


Bei obigen Parametern ist das korrekt


Faktisch würden auch in einer BGE-Gesellschaft 1-2% der Gesellschaft auf Kosten der anderen leben - aber das ist heute auch nicht anders.


Heute haben wir 15%... ( ALG II, Grundsichrung im Alter, Sozialhilfe...)

ABER: Während heute viele Menschen drangsaliert werden, die eigentlich redlich mit der Gesellschaft umgehen,


Nochmal meine Frage, wo die Beziehr von Grundsicherung im Alter oder Sozialhilfe "drangsaliert" werden?

Haben alle Zwangsmaßnahmen die bis heute beschlossen wurden verhindert, dass es Schmarotzer gibt? NEIN!


Zwangsmaßnahmen bei der Grundsicherung im Alter oder bei der Sozialhilfe?


Ist es also ein gutes Rezept, mehr weiter so wie bisher zu machen und noch mehr Drangsale und Kontrolle zu fordern? NEIN!


Bei der Grundsicherung im Alter und der Sozialhilfe gibt es welche Drangsale und Kontrollen ?
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Re: BGE - bedingungsloses Grundeinkommen

Beitragvon Tom Bombadil » Do 12. Dez 2019, 12:28

Skull hat geschrieben:(12 Dec 2019, 10:05)

Vor allem die PRIVATEN Vorsorgeversicherungen und DIREKTEN Sozialen Projekte. :dead:

Man kann nicht beides haben, ein BGE UND einen überbordenden Sozialstaat, da wird man sich entscheiden müssen, sollte so eine Entscheidung irgendwann einmal anstehen. Was ich bezweifle.
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Re: BGE - bedingungsloses Grundeinkommen

Beitragvon Skull » Do 12. Dez 2019, 16:36

Tom Bombadil hat geschrieben:(12 Dec 2019, 12:28)

Man kann nicht beides haben, ein BGE UND einen überbordenden Sozialstaat,
da wird man sich entscheiden müssen,
sollte so eine Entscheidung irgendwann einmal anstehen. Was ich bezweifle.

DU hattest doch die Zahl von knapp einer Billion Euro des „Sozialbudgets“ genannt.

Ich hatte nur darauf hingewiesen, das eine Menge privater Leistungen/Beiträge/Verträge dadrinstecken.
Und DIE kann man nicht als „verfügbar“ zum Verteilen betrachten.

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Re: BGE - bedingungsloses Grundeinkommen

Beitragvon 3x schwarzer Kater » Do 12. Dez 2019, 17:58

Auch wenn es hier schon ein x-mal erwähnt wurde scheint die Finanzierung des Grundeinkommens dem einen oder anderen immer noch nicht klar zu sein. Auch mit der Gegenrechnung irgendwelcher Sozialausgaben oder gegenwärtiger Steuereinnahmen kommt man nicht weit. Weil sich mit der Einführung eines BGE ja genau diese Parameter ändern und man ein BGE ja nicht losgelöst vom Steuersystem betrachten kann. Letztlich ist es ja nichts anderes als integriertes Steuer-und Transfersystem, das am Ende des Tages auch die jetzigen Steuern und Transferleistungen harmonisiert und vereinfacht.

Am besten kommt man mit Logik weiter. Und die Logik sagt folgendes: Der Staat stellt heute schon jedem Bürger das Existenzminimum sicher (über eine Vielzahl von Maßnahmen). Daraus folgt, dass ein BGE auf Existenzminimumsniveau natürlich finanzierbar ist und zwar ohne (in Summe zumindestens) jemanden mehr zu belasten. Natürlich unter der Voraussetzung, dass die Menschen im wesentlichen so weiterarbeiten wie bisher. Was aber unproblematisch ist. Da braucht das BGE nur entsprechend niedrig sein, so dass der Anreiz zum Arbeiten noch da ist.

Zur Finanzierung sehen die Konzepte vor, dass alle Transferleistungen und sonstige steuerliche Regelungen zur Existenzsicherung abgeschafft werden. Also keine Grundsicherung mehr, kein Kindergeld, keine Grund- und Kinderfreibeträge bei der Einkommensteuer. Meist ist auch bei der Einkommensteuer ein konstanter Grenzsteuersatz vorgesehen. Was im Zusammenhang konsequent ist, genau so wie die Einführung einer Kopfpauschale bei der Krankenversicherung. Die meisten Konzepte sehen darüber hinaus auch die Integration von staatlichen Leistungen in das BGE vor, die über die Grundsicherung hinausgehen, wie z.B. Renten oder ALG 1. Insgesamt ist also mit niedrigeren Sozialkosten zu rechnen als heute. Daraus folgt auch eine niedrigere Belastung der Bürger mit Steuern was letztendlich auch notwendig ist, da ja jeder, der im Falle eines Falles oder im Alter auf Existenzminimumsniveau abrutschen möchte ja irgendwie privat vorsorgen muss, also Vermögen bilden.

Interessant ist im Zusammenhang natürlich auch, dass ein BGE letztendlich ja nur noch das tatsächliche Existenzminimum absichern muss und eben nicht wie heute in der Grundsicherung üblich auf das höhere soziokulturelle Existenzminimum abstellen muss. Thomas Straubhaar, ein prominenter Befürworter des BGE schlägt hier z.B. für Deutschland BGE in Höhe des Grundfreibetrages vor, was heute in etwa 8.000 € sind. Denn letztendlich schafft das BGE ja den Freiraum sich auch seine Arbeit freier zu gestalten und freier aussuchen zu können, da die Existenz ja abgesichert ist. So kann man dann auch seiner Berufung nachgehen, selbst wenn die alleine eben nicht existenzsichernd wäre. Oder man kann weniger arbeiten, sich selbständig machen. Selbst die Menschen, die heute durchs Raster fallen, weil die Kompetenzen für einen Job mit Mindestlohn nicht ausreichen, haben dann auch wieder die Möglichkeit halt für 4 oder 5 Euro irgendwo zu Jobben um somit auch eigenes Geld zu verdienen und mehr zu haben als heute mit der Grundsicherung.
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Re: BGE - bedingungsloses Grundeinkommen

Beitragvon Realist2014 » Do 12. Dez 2019, 18:13

3x schwarzer Kater hat geschrieben:(12 Dec 2019, 17:58)


Interessant ist im Zusammenhang natürlich auch, dass ein BGE letztendlich ja nur noch das tatsächliche Existenzminimum absichern muss und eben nicht wie heute in der Grundsicherung üblich auf das höhere soziokulturelle Existenzminimum abstellen muss. Thomas Straubhaar, ein prominenter Befürworter des BGE schlägt hier z.B. für Deutschland BGE in Höhe des Grundfreibetrages vor, was heute in etwa 8.000 € sind. Denn letztendlich schafft das BGE ja den Freiraum sich auch seine Arbeit freier zu gestalten und freier aussuchen zu können, da die Existenz ja abgesichert ist. So kann man dann auch seiner Berufung nachgehen, selbst wenn die alleine eben nicht existenzsichernd wäre. Oder man kann weniger arbeiten, sich selbständig machen. Selbst die Menschen, die heute durchs Raster fallen, weil die Kompetenzen für einen Job mit Mindestlohn nicht ausreichen, haben dann auch wieder die Möglichkeit halt für 4 oder 5 Euro irgendwo zu Jobben um somit auch eigenes Geld zu verdienen und mehr zu haben als heute mit der Grundsicherung.



Also ein BGE von 550 Euro pro Erwachsenem und dann 3 Euro Stundenlohn für die Jobs, für die heute der ML bezahlt wird.....

Würde in den Großstädten die Mietsituation entspannen...
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Re: BGE - bedingungsloses Grundeinkommen

Beitragvon Tom Bombadil » Do 12. Dez 2019, 18:17

Skull hat geschrieben:(12 Dec 2019, 16:36)

Ich hatte nur darauf hingewiesen, das eine Menge privater Leistungen/Beiträge/Verträge dadrinstecken.

Was genau steckt da mit drin? Kann man das irgendwo nachlesen?
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Re: BGE - bedingungsloses Grundeinkommen

Beitragvon Skull » Do 12. Dez 2019, 18:45

Tom Bombadil hat geschrieben:(12 Dec 2019, 18:17)

Was genau steckt da mit drin? Kann man das irgendwo nachlesen?

viewtopic.php?p=4551903#p4551903
viewtopic.php?p=4551932#p4551932

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Re: BGE - bedingungsloses Grundeinkommen

Beitragvon Tom Bombadil » Do 12. Dez 2019, 19:33



Fällt mit einem BGE alles weg. Für die OECD fallen private Ausgaben in dem Sektor jedenfalls nicht unter Sozialausgaben.
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Re: BGE - bedingungsloses Grundeinkommen

Beitragvon lili » Do 12. Dez 2019, 23:41

Realist2014 hat geschrieben:(11 Dec 2019, 21:18)

Nein, die Verfassung wird ganz sicher nicht geändert


Welche Verfassung? Dass jeder ein Dach über den Kopf hat ist verboten?
,,Was sind unsere geistreichen und gebildeten Subjekte größenteils? Hohnlächelte Sklavenbesitzer und selber - Sklaven." Das unwahre Prinzip unserer Erziehung"

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Re: BGE - bedingungsloses Grundeinkommen

Beitragvon Realist2014 » Fr 13. Dez 2019, 10:04

lili hat geschrieben:(12 Dec 2019, 23:41)

Welche Verfassung? Dass jeder ein Dach über den Kopf hat ist verboten?


Es gibt kein Recht für jeden in einer Großstadt zu wohnen

Und es gibt auch keine "Wohnungspolitik" die für überall gleiche Mietpreise ( München und Brandenburg auf dem Land) sorgen kann

Daher bleibt es dabei- du möchtest mit deinem BGE als Ersatz für die bedarfsorientierte Grundsichrung im Alter, das die Bezieher derselben aus den Ballungsräumen auf's Land vertrieben werden, weil sie mit dem niedirgeren BGE ihre Miete dann nicht mehr bezahlen können.

Die Bezieher in Brandenburg auf dem Land können dafür dann mehr konsumieren


Super "sozial".... :dead:
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Re: BGE - bedingungsloses Grundeinkommen

Beitragvon lili » Fr 13. Dez 2019, 10:23

Realist2014 hat geschrieben:(13 Dec 2019, 10:04)

Es gibt kein Recht für jeden in einer Großstadt zu wohnen

Und es gibt auch keine "Wohnungspolitik" die für überall gleiche Mietpreise ( München und Brandenburg auf dem Land) sorgen kann

Daher bleibt es dabei- du möchtest mit deinem BGE als Ersatz für die bedarfsorientierte Grundsichrung im Alter, das die Bezieher derselben aus den Ballungsräumen auf's Land vertrieben werden, weil sie mit dem niedirgeren BGE ihre Miete dann nicht mehr bezahlen können.

Die Bezieher in Brandenburg auf dem Land können dafür dann mehr konsumieren


Super "sozial".... :dead:



Nein, dass habe ich nicht geschrieben. Ich möchte kein niedriges BGE, sondern ein hohes. Das die Mieten nicht bezahlbar sind, liegt ja nicht im BGE. Man sollte die Wohnungspolitik ändern, damit jeder auch eine Wohnung bekommen kann.
,,Was sind unsere geistreichen und gebildeten Subjekte größenteils? Hohnlächelte Sklavenbesitzer und selber - Sklaven." Das unwahre Prinzip unserer Erziehung"

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Re: BGE - bedingungsloses Grundeinkommen

Beitragvon Realist2014 » Fr 13. Dez 2019, 10:26

lili hat geschrieben:(13 Dec 2019, 10:23)

Nein, dass habe ich nicht geschrieben. Ich möchte kein niedriges BGE, sondern ein hohes.



Also komplettes, realitätsfernes Wunschkonzert

Nur nochmal für dich:

Da spielen diejenigen, die es bezahlen sollen , nicht mit.
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Re: BGE - bedingungsloses Grundeinkommen

Beitragvon BenJohn » Fr 13. Dez 2019, 14:59

lili hat geschrieben:(13 Dec 2019, 10:23)

Nein, dass habe ich nicht geschrieben. Ich möchte kein niedriges BGE, sondern ein hohes. Das die Mieten nicht bezahlbar sind, liegt ja nicht im BGE. Man sollte die Wohnungspolitik ändern, damit jeder auch eine Wohnung bekommen kann.


Gute Tag,

In Berlin wurde die Wohnungspolitik geändert. Die Folge ist, dass weniger Wohnungen gebaut werden und weniger in Renovierung investiert wird.
Für manche Linken ist einer schon rechtsradikal, wenn er nur pünktlich zur Arbeit kommt. Heiner Geißler
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Re: BGE - bedingungsloses Grundeinkommen

Beitragvon Realist2014 » Fr 13. Dez 2019, 15:10

BenJohn hat geschrieben:(13 Dec 2019, 14:59)

Gute Tag,

In Berlin wurde die Wohnungspolitik geändert. Die Folge ist, dass weniger Wohnungen gebaut werden und weniger in Renovierung investiert wird.


Diese Entscheidung haben ja auch ökonomische Volltrottel getroffen ( Mietendeckel)
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