BGE - bedingungsloses Grundeinkommen

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Gruwe
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Re: BGE - bedingungsloses Grundeinkommen

Beitragvon Gruwe » So 17. Nov 2019, 00:33

Atue001 hat geschrieben:(17 Nov 2019, 00:25)
Wirtschaft macht nur Sinn, wenn es Menschen gibt - und deshalb zahlen auch Menschen die Steuern und Abgaben - nicht die Unternehmen.


Sicher!
Nur treten Menschen in einer Wirtschaft eben nicht nur als Konsumenten auf.

Du siehst, du hast hier einen Denkfehler.


Nö.

Vielleicht solltest du nicht nur oberflächlich BWL betreiben, sondern dich auch mal damit beschäftigen, welchen Sinn das Ganze hat. Dann wird dir sicher alles klarer.


Ich beschäftige mich nicht (bzw. nur wenig) mit BWL, und wenn, dann nicht oberflächlich.

Unabhängig davon ist eine Beschäftigung mit Themen wie Wertschöpfung und Steuerinzidenz sicherlich sinnvoll - nur greift meine Aussage nicht auf dieser Ebene.
Eigentlich ist das nicht schwer zu verstehen - also sollte es dir doch auch gelingen.


Aber sicher doch, ich habe dies bereits verstanden und - man höre und staune - im Rahmen eines Hochschulstudiums bewiesen, dass ich das verstanden habe.

Nochmal: Einkommen erhalten die Produktionsfaktoren, die logischerweise letztlich immer als Konsumenten in irgendeiner Weise tätig werden. Vielleicht solltest du dir einfach mal den folgenden Link anschauen und verstehen, was mit der Produzentenrente passiert, wenn eine Steuer eingeführt wird. Und dann noch, wie sich die Produzentenrente verändert und ob diese Änderung das Steueraufkommen deckt.

https://www.wiwiweb.de/mikrooekonomik/grundlagen/wohlfahrt/wohlsteuela.html

Oder siehe etwa auch den letzten Beitrag von Kater:

3x schwarzer Kater hat geschrieben:(16 Nov 2019, 15:30)

Dieses Argument entspringt ja der etwas verqueren Logik eines Götz Werner, der damit ja in erster Linie für sein Konsumsteuerkonzept im Zusammenhang mit dem BGE argumentiert. [color]Die Argumentationskette mag für volkswirtschaftliche Laien ja einleuchtend klingen da die natürlich die Umsätze alle im Unternehmen oder besser im Wertschöpfungsprozess anfallenden Steuern decken müssen.[/color] Letztendlich zeigt er aber nur, dass er selbst als promovierter Volkswirt nicht verstanden zu haben scheint, wer denn am Ende des Tages tatsächlich Steuern zahlt.
Zuletzt geändert von Skull am So 17. Nov 2019, 07:17, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: BGE - bedingungsloses Grundeinkommen

Beitragvon Atue001 » So 17. Nov 2019, 00:42

Gruwe hat geschrieben:(17 Nov 2019, 00:33)

Sicher!
Nur treten Menschen in einer Wirtschaft eben nicht nur als Konsumenten auf.



Nö.



Ich beschäftige mich nicht (bzw. nur wenig) mit BWL, und wenn, dann nicht oberflächlich.



Aber sicher doch, ich habe dies bereits verstanden und - man höre und staune - im Rahmen eines Hochschulstudiums bewiesen, dass ich das verstanden habe.

Nochmal: Einkommen erhalten die Produktionsfaktoren, die logischerweise letztlich immer als Konsumenten in irgendeiner Weise tätig werden. Vielleicht solltest du dir einfach mal den folgenden Link anschauen und verstehen, was mit der Produzentenrente passiert, wenn eine Steuer eingeführt wird. Und dann noch, wie sich die Produzentenrente verändert und ob diese Änderung das Steueraufkommen deckt.

https://www.wiwiweb.de/mikrooekonomik/grundlagen/wohlfahrt/wohlsteuela.html

Oder siehe etwa auch den letzten Beitrag von Kater:



Na, dann bist du doch auf einem guten Weg!

Da ich keine Steuer eingeführt habe, und dies auch nicht in meiner Argumentation verwendet habe, argumentierst du zwar schlüssig, aber leider am Problem und Thema vorbei.
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Re: BGE - bedingungsloses Grundeinkommen

Beitragvon Gruwe » So 17. Nov 2019, 00:45

Atue001 hat geschrieben:(17 Nov 2019, 00:42)

Na, dann bist du doch auf einem guten Weg!

Da ich keine Steuer eingeführt habe, und dies auch nicht in meiner Argumentation verwendet habe, argumentierst du zwar schlüssig, aber leider am Problem und Thema vorbei.


Es ging um die Frage, wer eine Steuer letzten Endes bezahlt. Das kann man wunderbar dadurch analysieren, indem man die Situation VOR Einführung einer Steuer mit der Situation NACH Einführung einer Steuer vergleicht. Dies wird in dem von mir verlinkten Artikel dargelegt. Und deine ursprüngliche Aussage war:

Atue001 hat geschrieben:(17 Nov 2019, 00:11)
Meine Aussage stellt lediglich klar, dass alle Steuern und Abgaben immer vom Konsumenten getragen werden - entweder direkt, oder eben indirekt über die Preise, zu denen Unternehmen ihre Dienstleistungen und Waren anbieten. Unternehmen zahlen keine Steuern und keine Abgaben. Das tun immer die Endkunden.


Und das ist eben nun Käse!
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Re: BGE - bedingungsloses Grundeinkommen

Beitragvon Realist2014 » So 17. Nov 2019, 12:24

Atue001 hat geschrieben:(17 Nov 2019, 00:07)

Die Gewinnsteuer wurde zuvor über den Umsatz bereits durch die Konsumenten bezahlt.


Nein, wir sie NICHT. Weil Gewinnsteuern KEINE Kosten sind. Die Gewinnsteuern zahlen die EIGENTÜMER der Unternehmen (direkt über EK-Steuer etc. bei Personengesellschaften, indirekt über Körperschaftssteuer etc. bei KApitalgesellschaftn) , genau wie die Arbeitnehmer eben Steuern ( Einkommenssteuer) auf ihr EInkommen bezahlen.



Der Unterschied zu heute ist, dass die SV-Abgaben heute für beschäftigte Mitarbeiter anfallen. Rationalisiere ich Mitarbeiter weg, spare ich mir auch die SV-Abgaben.
Dies wird nicht nur von mir kritisch betrachtet, weil es so günstiger ist, Maschinen einzusetzen, als menschliche Arbeit. Gegen diesen Vorteil spricht zwar grundlegend nichts, aber durch den Wegfall der Beteiligung der Bezahlung der SV wird diese Form der Rationalisierung auch noch durch sinkende staatliche Abgaben begünstigt.

Die Orientierung am Umsatz ist sicherlich auch kritisierbar und sicherlich auch für bestimmte Szenarien nicht optimal.
ABER: Wir entwickeln uns mehr und mehr hin zu Dienstleistungsgesellschaften. Bei den zugehörigen Unternehmen gibt es enorme Verzerrungen - also einige, die mit relativ niedrigen Umsätzen und hohen Personalkosten daher kommen, und andere, die mit relativ niedrigen Personalkosten sehr hohe Umsätze generieren. Ersteres sind beispielsweise Krankenhäuser, Pflegeheime u.ä. - zu letzterem zählen beispielsweise auch Unternehmen wie Google, Facebook und Co.

Es wäre in diesem Sinne nur fair, wenn auch solche Unternehmen bezogen auf ihren Umsatz, den sie in Deutschland machen, auch dafür an den SV ausreichend beteiligt werden. Dies würde arbeitsintensivere Jobs billiger machen, und dadurch mit dafür sorgen, dass Pflege und ähnliches bezahlbar bleibt.

Der Beitrag wäre ca. 5% des Umsatzes. Unternehmen, die heute höhere Sozialabgaben für ihre Mitarbeiter bezogen auf den Umsatz zahlen, würden also profitieren. google wäre mit ca. 15 Millionen Euro dabei. Derzeit zahlt google nur für ca. 500 Mitarbeiter in Deutschland - dürfte also deutlich weniger beteiligt sein.

Zur Gegenfinanzierung sei gesagt: Alle Unternehmen, die heute mehr als 5% ihres Umsatzes für SV ausgeben, würden profitieren. Darunter auch ganz sicher viele Einzelunternehmer!


Deiner Argumentation kann ich hier folgen- sie entspricht ja auch im Kern der Forderungen der EU in Bezug auf Google & Co.

Nur, wieso sollten Selbständige/Freiberufler dann eine "Zusatzsteuer" auf ihren Umsatz bezahlen? Oder gäbe es eine "Öffnungsklausel" in deiner Vorstellung, diese Steuer erst a 1 Mio Umsatz oder ähnliches bezahlen zu müssen?
Laut Aussage der linken Ideologen sind alle ökonomisch erfolgreichen dumm, und die wahre Intelligenz tritt sich in der untersten ökonomischen Etage auf die Füße.....daher muss diese Etage ausgebaut werden
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Re: BGE - bedingungsloses Grundeinkommen

Beitragvon Realist2014 » So 17. Nov 2019, 12:26

Gruwe hat geschrieben:(16 Nov 2019, 21:36)

Was heißt "die verdienen sich dumm und dämlich"?
Die setzen hier Ihre Waren ab...wo die Wertschöpfung (und damit der Ressourcenverbrauch) stattfindet, dort haben logischerweise auch die Steuern gezahlt zu werden. Was spricht aus deiner Sicht gegen dieses Prinzip? Achso, lass mich raten: Damit du dein BGE bekommst, darf die ganze Welt ungerechtfertigt dafür blechen? Jaja, is klar! :D

Du solltest dich mal mit dem Begriff "Zahlungsbilanz" vertraut machen. Hilft ungemein beim Verständnis von "Dumm und dämlich verdienen" in Bezug zu Import und Export :D



Apple erzielt in D fast gar keine Wertschöpfung. Die findet woanders statt.
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Re: BGE - bedingungsloses Grundeinkommen

Beitragvon Gruwe » So 17. Nov 2019, 14:29

Realist2014 hat geschrieben:(17 Nov 2019, 12:26)

Apple erzielt in D fast gar keine Wertschöpfung. Die findet woanders statt.


Eben drum zahlt Apple auch woanders Steuern und nicht hier, was insofern korrekt isr.
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Re: BGE - bedingungsloses Grundeinkommen

Beitragvon Atue001 » So 17. Nov 2019, 17:04

Realist2014 hat geschrieben:(17 Nov 2019, 12:24)

Nein, wir sie NICHT. Weil Gewinnsteuern KEINE Kosten sind. Die Gewinnsteuern zahlen die EIGENTÜMER der Unternehmen (direkt über EK-Steuer etc. bei Personengesellschaften, indirekt über Körperschaftssteuer etc. bei KApitalgesellschaftn) , genau wie die Arbeitnehmer eben Steuern ( Einkommenssteuer) auf ihr EInkommen bezahlen.


Deiner Argumentation kann ich hier folgen- sie entspricht ja auch im Kern der Forderungen der EU in Bezug auf Google & Co.

Nur, wieso sollten Selbständige/Freiberufler dann eine "Zusatzsteuer" auf ihren Umsatz bezahlen? Oder gäbe es eine "Öffnungsklausel" in deiner Vorstellung, diese Steuer erst a 1 Mio Umsatz oder ähnliches bezahlen zu müssen?


Du schreibst ja selbst, dass auch diese Steuern nicht die Unternehmen zahlen - und außerdem kommen die Gewinne von Unternehmen niemals durch eigene Tätigkeit zustande, sondern immer nur dadurch, dass letzten Endes Menschen die Produkte der Unternehmen kaufen. (Wenn du jetzt B2B einwirfst....ist das nur eine Zwischenstation....am Ende kaufen immer Menschen.)

Aber - wenn du es anders sehen willst, darfst du das gerne tun.


Von einer Steuer hatten wir bisher gar nicht gesprochen - wir waren zuletzt bei der SV-Abgabe.
Um Selbstständige (die nicht in der eigenen Firma angestellt sind) geht es mir mit meinem Vorschlag nicht. Die versichern sich heute zu 100% selbst, das wäre bei der Umstellung der SV-Abgabe auf einen Umsatzanteil nicht anders. Man könnte es anders machen - würde dann aber entscheiden müssen, dass Selbstständige in die Solidargemeinschaft der GKV müssen. Das wäre je nach Einkommen dann für diese günstiger oder teurer. Ist aber für meinen Vorschlag nicht wesentlich.

In meinem Vorschlag adressiere ich Unternehmen mit abhängig Beschäftigten, die heute Abgaben an die GKV leisten. Heute wird die Abgabe entsprechend der Höhe der Einzeleinkommen der abhängig Beschäftigten kalkuliert - ich schlage vor, dass stattdessen diese Unternehmen die SV-Abgabe entsprechend der Umsatzhöhe zahlen müssen - die Prozentzahl wird so ermittelt, dass in Summe der Beitrag paritätisch bleibt - oder ggf. auch niedriger, wenn man die Unternehmen weniger belasten will, wie die Arbeitnehmer. Es geht mir nicht um eine Entlastung oder Belastung der Unternehmen im Allgemeinen - es geht allein darum, dass heute Rationalisierung regelmäßig zu mehr Umsatz oder doch wenigstens mehr Gewinn genutzt wird - dabei aber durch Automatisierung und Rationalisierung regelmäßig SV-Beiträge der AG-Seite entfallen.

Für die Dienstleistungsunternehmen, die per se viel Personal brauchen, ist diese Bewegung eine Belastung, für die Dienstleistungsunternehmen, die nach Rationalisierung und Automatisierung mit sehr wenig Personal auskommen, gibt es eine zusätzliche Form der Subvention, weil nicht nur die Gehälter entfallen, sondern auch die SV-Beiträge der Arbeitgeber. Den letzteren Part will ich adressieren - was durch eine andere Berechnung der SV-Beiträge für AG möglich ist. Eine Maschinensteuer o.ä. braucht man damit nicht.
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Re: BGE - bedingungsloses Grundeinkommen

Beitragvon Atue001 » So 17. Nov 2019, 17:10

Realist2014 hat geschrieben:(17 Nov 2019, 12:26)

Apple erzielt in D fast gar keine Wertschöpfung. Die findet woanders statt.


Das ist nicht zu Ende gedacht. Eine Wertschöpfung wird dann und genau dann realisiert, wenn das Produkt verkauft wird. Davor wurde in die Produktion, Verpackung, Lager etc. etc. investiert - und eine Wertschöpfung ermöglicht. Wird das Produkt aber nicht verkauft, gibt es diese Wertschöpfung nicht, sondern all die Arbeit war umsonst.

Insofern erzielt Apple mit jedem verkauften Smartphone (und seinen anderen Produkten) eine Wertschöpfung in Deutschland, wenn das Produkt in Deutschland verkauft/gekauft wird. Davor war die Wertschöpfung allenfalls virtuell, aber nicht real.

Wenn du mal in den Modemarkt abtauchst wird das klar - denn kalkuliere mal die Wertschöpfung eines Kleides. Dann ist die Höhe der Wertschöpfung abhängig davon, ob das Kleid zu Beginn einer neuen Saison verkauft wurde, oder im Schlußverkauf, oder ob das Kleid sogar vernichtet wird, weil es nicht benötigt wird. Die Arbeiter in China und Bangladesh machen aber immer das Gleiche - nur kann die Wertschöpfung dort nur dann realisiert werden, wenn verkauft wird.
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Re: BGE - bedingungsloses Grundeinkommen

Beitragvon Alpha Centauri » So 17. Nov 2019, 17:17

Eure Theorien über und was "Wertschöpfung" ist, sind ja ganz nett , aber ihr debattierte hier doch zunehmend am eigentlichen.Strang Thema ( bedingungsloses Grundeinkommen) vorbei.
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Re: BGE - bedingungsloses Grundeinkommen

Beitragvon Gruwe » So 17. Nov 2019, 17:45

Atue001 hat geschrieben:(17 Nov 2019, 17:10)

Das ist nicht zu Ende gedacht. Eine Wertschöpfung wird dann und genau dann realisiert, wenn das Produkt verkauft wird. Davor wurde in die Produktion, Verpackung, Lager etc. etc. investiert - und eine Wertschöpfung ermöglicht. Wird das Produkt aber nicht verkauft, gibt es diese Wertschöpfung nicht, sondern all die Arbeit war umsonst.

Insofern erzielt Apple mit jedem verkauften Smartphone (und seinen anderen Produkten) eine Wertschöpfung in Deutschland, wenn das Produkt in Deutschland verkauft/gekauft wird. Davor war die Wertschöpfung allenfalls virtuell, aber nicht real.

Wenn du mal in den Modemarkt abtauchst wird das klar - denn kalkuliere mal die Wertschöpfung eines Kleides. Dann ist die Höhe der Wertschöpfung abhängig davon, ob das Kleid zu Beginn einer neuen Saison verkauft wurde, oder im Schlußverkauf, oder ob das Kleid sogar vernichtet wird, weil es nicht benötigt wird. Die Arbeiter in China und Bangladesh machen aber immer das Gleiche - nur kann die Wertschöpfung dort nur dann realisiert werden, wenn verkauft wird.


Du haust hier immer krude Thesen raus, mein lieber Scholli!

Wegen dem von Dir angesprochenen "Problem" gibt es das Realisationsprinzip!

Ansonsten bist du es, der es nicht zu Ende denkt. Nein, die Wertschöpfung findet nicht dort statt, wo das Produkt abgesetzt wird. Das macht letzten Endes auch garkeinen Sinn. Es ist absolut gerecht, dass die Besteuerung so erfolgt, wie es aktuell der Fall ist.

Wenn ein Produkt z.B. in China zusammengebaut wird, dann erfolgt dort ein Ressourcenverzehr. Die dort eingesetzten Ressourcen stehen dann diesem Land NICHT MEHR zur Verfügung. Insofern ist es nicht weniger als richtig, dass dieses Land auch die Steuereinnahmen daraus erhält.

Nach deiner Logik könnte ich im Übrigen auch folgern, dass im Produktionsland die Wertschöpfung stattfindet, denn ohne die Produktion könnte ich im Absatzland garkeinen Umsatz realisieren. Insofern ist deine Logik "nicht zu Ende" gedacht.

Wertschöpfung entsteht durch den Einsatz von Ressourcen. Entsprechend findet die Wertschöpfung auch dort statt, wo die Ressourcen eingesetzt werden.

Und ja, richtig: Die Arbeiter machen immer das Gleiche in China und Bangladesch. Nur spielt das absolut keine Rolle für die Relevanz, wo und wie besteuert wird. Daran ändert auch nix, dass die Wertschöpfung bei einem Produkt zeitlich oder auch eben geographisch variiert.

Das ganze wird dann noch klarer, wenn man die für unterstellt, dass an einer Ländergrenze auch ein Unternehmenswechsel erfolgt, sprich der Produzent ist in Land A aktiv, der Absatzmittler in Land B und beide sind nicht das gleiche Unternehmen. Dann wird sich auf einen Preis geeinigt, der Importpreis. Dieser zählt einmal für den Produzenten als Umsatz (über den dann auch als Grundlage für die Steuerlast) und dann nochmal als Einkaufspreis für den Absetzer (der dann mit der Absatztätigkeit auch wieder einen Wert schafft, der dann in dem Zielland steuerbar wird). Das ist soweit alles umfassend durchgedacht und wird daher auch so gemacht.

Zudem solltest du dir noch klar machen, dass sich die Salden der Kapital- und Leistungsbilanz - bis auf kleine statistische Unstimmigkeiten - entsprechen und warum es daher keinerlei Ungerechtigkeiten gibt, die du hier offenbar suggerieren willst.

Und die ganze Fachwelt wird sich ganz sicher nicht zukünftig deinen - in der Tat nicht durch- bzw. zu Ende gedachten - Thesen unterordnen.
Zuletzt geändert von Gruwe am So 17. Nov 2019, 19:17, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: BGE - bedingungsloses Grundeinkommen

Beitragvon Gruwe » So 17. Nov 2019, 17:47

Alpha Centauri hat geschrieben:(17 Nov 2019, 17:17)

Eure Theorien über und was "Wertschöpfung" ist, sind ja ganz nett , aber ihr debattierte hier doch zunehmend am eigentlichen.Strang Thema ( bedingungsloses Grundeinkommen) vorbei.


Nein, ist es nicht, wenn unser lieber Atue001 für die Finanzierung eines BGE sämtliche Definitionen von Wertschöpfung gerne so gestalten möchte, dass sämtliche Ertragssteuern in Deutschland geleistet werden müssen, auch wenn das natürliche grober Unfug ist!
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Re: BGE - bedingungsloses Grundeinkommen

Beitragvon Realist2014 » So 17. Nov 2019, 18:05

Atue001 hat geschrieben:(17 Nov 2019, 17:04)

Du schreibst ja selbst, dass auch diese Steuern nicht die Unternehmen zahlen - .


Doch, zahlen sie...

WER denn sonst?






Von einer Steuer hatten wir bisher gar nicht gesprochen - wir waren zuletzt bei der SV-Abgabe.
Um Selbstständige (die nicht in der eigenen Firma angestellt sind) geht es mir mit meinem Vorschlag nicht. Die versichern sich heute zu 100% selbst, das wäre bei der Umstellung der SV-Abgabe auf einen Umsatzanteil nicht anders.


Aber sicher doch. Es wäre ein ZUSÄTZLICHE Abgabe
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Re: BGE - bedingungsloses Grundeinkommen

Beitragvon Realist2014 » So 17. Nov 2019, 18:18

Atue001 hat geschrieben:(17 Nov 2019, 17:10)



Insofern erzielt Apple mit jedem verkauften Smartphone (und seinen anderen Produkten) eine Wertschöpfung in Deutschland, wenn das Produkt in Deutschland verkauft/gekauft wird. Davor war die Wertschöpfung allenfalls virtuell, aber nicht real.

.


Und genau DIE ist eben sehr gering in D. Und nein, die Wertschöpfung war VORHER sehr hoch:

https://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/ ... 63714.html


Damit wird das nix als Finanzierungsbasis eines BGE...
Laut Aussage der linken Ideologen sind alle ökonomisch erfolgreichen dumm, und die wahre Intelligenz tritt sich in der untersten ökonomischen Etage auf die Füße.....daher muss diese Etage ausgebaut werden
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Re: BGE - bedingungsloses Grundeinkommen

Beitragvon 3x schwarzer Kater » So 17. Nov 2019, 21:04

Realist2014 hat geschrieben:(17 Nov 2019, 18:18)

Und genau DIE ist eben sehr gering in D.



... und sie wird vom Händler erbracht und dementsprechend der Gewinn daraus auch von ihm versteuert.
„Es wurde schon alles gesagt, nur noch nicht von jedem.“ (Karl Valentin)
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Re: BGE - bedingungsloses Grundeinkommen

Beitragvon Atue001 » So 17. Nov 2019, 22:34

Realist2014 hat geschrieben:(17 Nov 2019, 18:18)

Und genau DIE ist eben sehr gering in D. Und nein, die Wertschöpfung war VORHER sehr hoch:

https://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/ ... 63714.html


Damit wird das nix als Finanzierungsbasis eines BGE...


Du irrst, wenn du glaubst, dass ich fordere, dass Apple unglaublich viel Steuern in Deutschland zahlen soll.....
Nochmals: es geht mir um einen anderen Berechnungsmodus für den AG-Anteil an der Sozialversicherung. Sozialabgaben haben mit Steuern nicht so arg viel zu tun.
Beim Umsatz habe ich auch nicht die Wertschöpfung als Maßstab genommen, sondern den Umsatz in Deutschland.

Die Wertschöpfungsdefinition kann man zwar so machen, wie dies bei der neuen Steuerberechnung gemacht werden soll.
Allerdings halte ich diese Rechnung für fragwürdig. Sie geht davon aus, dass wesentliche Teile der Wertschöpfung im Ausland gemacht werden, also beim Zusammenbau.
Tatsächlich werden aber 100% der Wertschöpfung erst beim Verkauf realisiert. Vor dem Verkauf ist da keine reale Wertschöpfung sondern da sind nur Kosten. Ohne Verkauf bliebe Apple sogar auf diesen Kosten sitzen.
Genau deshalb würde ich nicht auf die Wertschöpfung gehen, sondern allein auf den Umsatz - und zwar unabhängig von Vorleistungen, also auch ohne Abzüge für Rohstoffkosten oder Arbeitsleistungen in Drittländern.
Ich bin aber auch nicht beim Steuerrecht, sondern allein dabei, wie der AG-Anteil der SV verrechnet werden sollte.


Für die BGE-Finanzierung taugt das nicht oder allenfalls zum Teil. Die Finanzierung einer BGE-Gesellschaft sollte anders organisiert werden.
In einer BGE-Gesellschaft würde ich auch die Frage stellen, welchen Sinn die paritätische Finanzierung von Sozialversicherungen macht - ich bin kein Fan davon.
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Re: BGE - bedingungsloses Grundeinkommen

Beitragvon Realist2014 » So 17. Nov 2019, 22:38

Atue001 hat geschrieben:(17 Nov 2019, 22:34)


Die Wertschöpfungsdefinition kann man zwar so machen, wie dies bei der neuen Steuerberechnung gemacht werden soll.
Allerdings halte ich diese Rechnung für fragwürdig. Sie geht davon aus, dass wesentliche Teile der Wertschöpfung im Ausland gemacht werden, also beim Zusammenbau.
Tatsächlich werden aber 100% der Wertschöpfung erst beim Verkauf realisiert. V n.


Sorry- aber diese deine Ausage ist falsch.

Betriebswirtschaftlich und auch Volkswirtschaftlich.

Die besteht auch nicht aus "dem Zusammenbau"......
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Re: BGE - bedingungsloses Grundeinkommen

Beitragvon Gruwe » So 17. Nov 2019, 23:14

Realist2014 hat geschrieben:(17 Nov 2019, 22:38)

Sorry- aber diese deine Ausage ist falsch.

Betriebswirtschaftlich und auch Volkswirtschaftlich.

Die besteht auch nicht aus "dem Zusammenbau"......


Vergiss es!
Ich habs ihm umfassend erläutert, da hat er aber kein Interesse daran das zu verstehen.
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Re: BGE - bedingungsloses Grundeinkommen

Beitragvon Teeernte » Mo 18. Nov 2019, 02:41

Atue001 hat geschrieben:(17 Nov 2019, 22:34)

Du irrst, wenn du glaubst, dass ich fordere, dass Apple unglaublich viel Steuern in Deutschland zahlen soll.....
Nochmals: es geht mir um einen anderen Berechnungsmodus für den AG-Anteil an der Sozialversicherung. Sozialabgaben haben mit Steuern nicht so arg viel zu tun.
Beim Umsatz habe ich auch nicht die Wertschöpfung als Maßstab genommen, sondern den Umsatz in Deutschland.

Die Wertschöpfungsdefinition kann man zwar so machen, wie dies bei der neuen Steuerberechnung gemacht werden soll.
Allerdings halte ich diese Rechnung für fragwürdig. Sie geht davon aus, dass wesentliche Teile der Wertschöpfung im Ausland gemacht werden, also beim Zusammenbau.
Tatsächlich werden aber 100% der Wertschöpfung erst beim Verkauf realisiert. Vor dem Verkauf ist da keine reale Wertschöpfung sondern da sind nur Kosten. Ohne Verkauf bliebe Apple sogar auf diesen Kosten sitzen.
Genau deshalb würde ich nicht auf die Wertschöpfung gehen, sondern allein auf den Umsatz - und zwar unabhängig von Vorleistungen, also auch ohne Abzüge für Rohstoffkosten oder Arbeitsleistungen in Drittländern.
Ich bin aber auch nicht beim Steuerrecht, sondern allein dabei, wie der AG-Anteil der SV verrechnet werden sollte.


Für die BGE-Finanzierung taugt das nicht oder allenfalls zum Teil. Die Finanzierung einer BGE-Gesellschaft sollte anders organisiert werden.
In einer BGE-Gesellschaft würde ich auch die Frage stellen, welchen Sinn die paritätische Finanzierung von Sozialversicherungen macht - ich bin kein Fan davon.


Ahhhhh.... die sollen Versandhandel aus den Staaten machen und gar keine Steuern in D zahlen ?

Man könnte auch online bezahlen ...und im Shop abholen.


Oder der Telekom in den USA verkaufen - die kann ja die Telefone in D verkaufen.

...oder das Handy zur 1000 eu teueren Bedienungsanleitung (die ist "Kunst") verschenken.

Aber - das ist ja mit Deutschen Autos ebenso - in den Staaten - "realisiert" wird der Verkauf in den Staaten.

Wie blöd dass es Steuerabkommen gibt - die das bereits regeln.

25 % sind ok ? (Steuersatz)

...der Türke zahlt nur 18.... % um SEINEN Gewinn in D Richtung Türkei zu überweisen... (der Deutsche in der Türkei auch nur..) JammerSÜLZ...
Obs zu kalt, zu warm, zu trocken oder zu nass ist:.... Es immer der >>menschgemachte<< Klimawandel. :D
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Re: BGE - bedingungsloses Grundeinkommen

Beitragvon Atue001 » Di 19. Nov 2019, 00:52

Teeernte hat geschrieben:(18 Nov 2019, 02:41)

Ahhhhh.... die sollen Versandhandel aus den Staaten machen und gar keine Steuern in D zahlen ?

Man könnte auch online bezahlen ...und im Shop abholen.


Oder der Telekom in den USA verkaufen - die kann ja die Telefone in D verkaufen.

...oder das Handy zur 1000 eu teueren Bedienungsanleitung (die ist "Kunst") verschenken.

Aber - das ist ja mit Deutschen Autos ebenso - in den Staaten - "realisiert" wird der Verkauf in den Staaten.

Wie blöd dass es Steuerabkommen gibt - die das bereits regeln.

25 % sind ok ? (Steuersatz)

...der Türke zahlt nur 18.... % um SEINEN Gewinn in D Richtung Türkei zu überweisen... (der Deutsche in der Türkei auch nur..) JammerSÜLZ...



Du greifst Dinge auf, die aus dem Zusammenhang gerissen etwas darstellen, was ich nie behauptet oder gesagt oder adressiert habe. Ist halt deine Art der Argumentation......



Ich habe lediglich über einen alternativen Ansatz geredet, wie man den AG-Anteil der SV besser berechnen und verteilen sollte......mit deinen Überlegungen dazu hat das nichts zu tun. Über Steuern habe ich nicht geredet.
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Re: BGE - bedingungsloses Grundeinkommen

Beitragvon Gruwe » Di 19. Nov 2019, 09:48

Atue001 hat geschrieben:(19 Nov 2019, 00:52)
Ich habe lediglich über einen alternativen Ansatz geredet, wie man den AG-Anteil der SV besser berechnen und verteilen sollte......mit deinen Überlegungen dazu hat das nichts zu tun. Über Steuern habe ich nicht geredet.


Ja, und es wurde dir mehrfach dargelegt, warum dieser Ansatz Unsinn ist. Die Leute, die das so wie es jetzt ist eingeführt haben, die haben sich durchaus was dabei gedacht. Ich bin ja oben schonmal kurz darauf eingegangen. Und jetzt kommst du und möchtest gerne - aus nicht nachvollziehbaren Gründen - alles auf den Kopf stellen, ohne dass du dafür Gründe lieferst.

Welchen Vorteil sollte es haben, wenn bspw. Deutschland die Besteuerung der Wertschöpfung vornimmt, welches von Ressourcen des Landes USA geleistet wurde, während die USA die Wertschöpfung aus Ressourcen des Landes Deutschland vornimmt? Es ist doch dadurch bereits trivial (gibt noch andere Gründe), dass es logischerweise ist, wenn Jeder den Nutzen (Steueraufkommen) aus den Ressourcen seines Landes zieht und nicht wechselseitig aus den des Handelspartners.

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