BGE - bedingungsloses Grundeinkommen

In diesem Forum werden Themen rund um die sozialen Sicherungsysteme diskutiert.
Krankenversicherung, Arbeitslosenversicherung, Arbeitslosengeld 2 (HartzIV), Rentenversicherung, Sozialgesetzbuch.

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Occham

Re: BGE - bedingungsloses Grundeinkommen

Beitragvon Occham » Do 20. Aug 2020, 12:45

Senexx hat geschrieben:(20 Aug 2020, 12:33)

wir müssen Hartz absenken. Ganz einfach.

Unter Existenzminimum zu gehen, halte ich für keine gute Idee. Die Marktwirtschaft irgendwie verändern, sodass sich Arbeit auch rentiert. Wenn das den wenigen nicht passt, die sich die Taschen vollstopfen... dann ist das halt so. Es ist schon asozial, wenn sich die Taschen auf Ungerechtigkeiten füllen. Natürlich ist Marktwirtschaft nie etwas gerechtes, da man von Arbeit niemanden freisprechen kann. Aber nicht so, das Wenig über Viel herrscht.
Senexx

Re: BGE - bedingungsloses Grundeinkommen

Beitragvon Senexx » Do 20. Aug 2020, 12:48

Occham hat geschrieben:(20 Aug 2020, 12:45)

Unter Existenzminimum zu gehen, halte ich für keine gute Idee. Die Marktwirtschaft irgendwie verändern, sodass sich Arbeit auch rentiert. Wenn das den wenigen nicht passt, die sich die Taschen vollstopfen... dann ist das halt so. Es ist schon asozial, wenn sich die Taschen auf Ungerechtigkeiten füllen. Natürlich ist Marktwirtschaft nie etwas gerechtes, da man von Arbeit niemanden freisprechen kann. Aber nicht so, das Wenig über Viel herrscht.

Hartz ist nicht unter Existenzminimum, sondern deckt vieles ab, was nicht zum Existenzminimum gehört.
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Re: BGE - bedingungsloses Grundeinkommen

Beitragvon Occham » Do 20. Aug 2020, 13:11

Senexx hat geschrieben:(20 Aug 2020, 12:48)

Hartz ist nicht unter Existenzminimum, sondern deckt vieles ab, was nicht zum Existenzminimum gehört.

man kann natürlich auch obdachlos sein und von guten willen mancher menschen leben, aber das halte ich für ein unwürdiges leben. Also es ist eine moralische Frage, was man den Leuten zutraut, ich will den menschen den Geldhahn nicht abdrehen, sodass es nur noch ein bisschen rauströpfelt, um halt nicht zu verhungern.
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Re: BGE - bedingungsloses Grundeinkommen

Beitragvon Meruem » Do 20. Aug 2020, 13:18

3x schwarzer Kater hat geschrieben:(20 Aug 2020, 08:47)

Der Zuspruch ist nicht hoch. Man sehe mal nach Österreich. Angeblich war dort auch ein bedeutender Anteil für das Grundeinkommen. Das Volksbegehren dazu sagt allerdings was anderes. Kaum jemand unterstützte es, trotz großer Marketingkampagnen. Es war sogar eins der Volksbegehren, die in Österreich am schlechtesten abgeschnitten haben.
Auch in der Schweiz ist es gnadenlos gescheitert.


In Deitschland befürworten nach letzten Umfragen 50% das BGE die,andere Hälfte ist dagegen im Osten tendenziell mehr , als im Westen.
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Re: BGE - bedingungsloses Grundeinkommen

Beitragvon Mendoza » Do 20. Aug 2020, 17:41

Meruem hat geschrieben:(20 Aug 2020, 13:18)

In Deitschland befürworten nach letzten Umfragen 50% das BGE die,andere Hälfte ist dagegen im Osten tendenziell mehr , als im Westen.

Wenn du in einer Kneipe abstimmen lässt, ob es Freibier geben soll, dann sind auch alle dafür - bis auf den Wirt. Irgendwie hat da Demokratie auch gravierende Schwächen!
Churchill "Dem Kapitalismus wohnt ein Laster inne: Die ungleichmäßige Verteilung der Güter. Dem Sozialismus hingegen wohnt eine Tugend inne: Die gleichmäßige Verteilung des Elends."
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Re: BGE - bedingungsloses Grundeinkommen

Beitragvon 3x schwarzer Kater » Do 20. Aug 2020, 17:56

Meruem hat geschrieben:(20 Aug 2020, 13:18)

In Deitschland befürworten nach letzten Umfragen 50% das BGE die,andere Hälfte ist dagegen im Osten tendenziell mehr , als im Westen.


Ja klar, und in Österreich waren es vor dem Volksbegehren angeblich 40% die es befürworten - und beim Volksbegehren dann noch lächerliche 1,1%, die es unterstützen :D
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Re: BGE - bedingungsloses Grundeinkommen

Beitragvon JosefG » Do 20. Aug 2020, 20:43

Mendoza hat geschrieben:(20 Aug 2020, 09:45)

Was glaubst du warum es kaum deutsche Pflegekräfte und praktisch keine deutschen Erntehelfer gibt? Weil der Lohnabstand zwischen Hartz4 und diesen schweren, miesen Jobs so lächerlich gering ist, dass kein Hartz4er dafür früh aufsteht! Was erreicht man wohl, wenn man mit einem BGE die Bedingungen fürs Nichtstun noch verbessert?

Wenn aber die Leute bei Annahme eines solchen Jobs die Hartz4-Leistungen in voller Höhe behalten dürften und der Lohn oben drauf käme?
Dann wäre der Lohnabstand plötzlich nicht mehr niedrig und die Arbeit würde sich lohnen. Genau das wäre die Situation mit BGE statt Hartz4.
BGE statt Hartz4 ist der einzige Weg, das Lohnabstandsgebot konsequent umzusetzen.
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Re: BGE - bedingungsloses Grundeinkommen

Beitragvon Atue001 » Do 20. Aug 2020, 22:42

Mendoza hat geschrieben:(20 Aug 2020, 09:45)

Mit den genannten schlecht bezahlten Jobs hat man heute schon Probleme Leute zu finden!
Was glaubst du warum es kaum deutsche Pflegekräfte und praktisch keine deutschen Erntehelfer gibt ? Weil der Lohnabstand zwischen Hartz4 und diesen schweren, miesen Jobs so lächerlich gering ist, dass kein Hartz4er dafür früh aufsteht! Was erreicht man wohl, wenn man mit einem BGE die Bedingungen fürs Nichtstun noch verbessert? Oder willst du in die Richtung gehen Hartz4 einzukürzen und dafür sanktionsfrei machen?


Die Rechnung ist einfach - dann muss man diese Jobs besser bezahlen.

Wobei du einen offensichtlichen Gedankenfehler einfach nicht bereit bist mal abzulegen! Wie kommst du eigentlich auf die Idee, dass man mit einem BGE per se eine höhere Konsumfähigkeit hätte, als mit Hartz IV? Bevor man eine solche Aussage überhaupt treffen kann, braucht es durchaus einer Reihe weiterer Angaben dazu, wie das BGE tatsächlich konkret organisiert sein soll. Sofern es vor allem um die Grundsicherung geht, würde es sich anbieten, mit einem BGE in entsprechender Höhe im Gegenzug die Steuerbefreiung des Existenzminimums bei der Einkommensteuer wegzulassen. Und schon wäre der Brutto-Netto-Effekt eines BGEs deutlich niedriger.

Tatsächlich haben wir aber bei Hartz IV ein großes Problem an der Grenze zum Einkommen! Wenn du dort zuverdienst, bekommst du heute den Zuverdienst mit 80% bzw. sogar 90% mit Hartz IV verrechnet. Aus Sicht der Betroffenen führt dies gerade dazu, dass in deren subjektiver Betrachtung sich der Unterschied zwischen "Nicht Arbeiten" und "Kloputzen" Netto in Schmerzen im Kreuz in minimalistischem Zuverdienst ausdrückt. Kein Wunder, dass es doch tendenziell schwer ist, im Grenzbereich Hartz IV Empfänger an Arbeit heran zu führen. Würdest du dich ernsthaft über eine Lohnerhöhung freuen, wenn du dafür 8h täglich zusätzlich arbeiten sollst, aber 90% der Lohnerhöhung direkt an den Staat fließen?

Unabhängig von der Einführung eines BGEs gehört dieser Schmarrn abgeschafft, und schon haben wir eine Reihe an Problemfällen weniger!


Occham hat geschrieben:(20 Aug 2020, 12:45)

Unter Existenzminimum zu gehen, halte ich für keine gute Idee. Die Marktwirtschaft irgendwie verändern, sodass sich Arbeit auch rentiert. Wenn das den wenigen nicht passt, die sich die Taschen vollstopfen... dann ist das halt so. Es ist schon asozial, wenn sich die Taschen auf Ungerechtigkeiten füllen. Natürlich ist Marktwirtschaft nie etwas gerechtes, da man von Arbeit niemanden freisprechen kann. Aber nicht so, das Wenig über Viel herrscht.


Unter das Existenzminimum kann man nur in sehr speziellen Fällen gehen! Was man aber schon machen kann ist, das Existenzminimum nicht in Geldleistungen sondern in Sachleistungen ausdrücken. Und man kann dann beispielsweise einem Hartz IV Empfänger aufdrücken, dass er statt Geld seine Mahlzeiten kostenfrei am Ort in der Nähe seines Wohnortes bekommen kann. Kleidung könnte es dann auch beispielsweise nur einmal im Monat an einem bestimmten Wochentag geben usw.....also - man kann schon auch Druck gegenüber Betroffenen aufbauen, wenn man dies will.

Die ewige Unterstellung ist ja, dass bei den Hartz IV Empfängern ein deutlicher Anteil derer zu finden ist, die einfach nur faul sind und die Allgemeinheit bescheissen. Die gibt es sicher - und die ärgern mich auch. Nur - ob die Zwangsmaßnahmen die es bei Hartz IV gibt helfen, den Anteil derer signifikant zu senken, kann man derzeit nicht sagen, weil der Staat dies nicht erfasst. Es wäre also schon mal eine wichtige Maßnahme, dass man den Erfolg solcher Maßnahmen auch misst und dann auch berichten kann, was es kostet, und was es nützt. Sollte sich dann herausstellen, dass durch die Zwangsmaßnahmen vor allem die Falschen getroffen werden, während sich die eigentlichen Ärgernisse wieder kreativ drumherum mogeln - dann sollte der Zwang wegen Wirkungslosigkeit sofort abgestellt werden.

Mendoza hat geschrieben:(20 Aug 2020, 17:41)

Wenn du in einer Kneipe abstimmen lässt, ob es Freibier geben soll, dann sind auch alle dafür - bis auf den Wirt. Irgendwie hat da Demokratie auch gravierende Schwächen!


Das ist eigentlich nicht das Problem. Das sehe ich mehr in der Fragestellung. Willst du ein BGE? Klar! - aber was genau bedeutet das denn? Will jeder, der zugestimmt hat, das BGE auch dann noch, wenn er am Ende zu den Verlierern gehört? Oder will jeder, der das BGE abgelehnt hat, auch weiterhin kein BGE, wenn er durch dessen Einführung 500€ im Monat mehr zum Konsum hätte?

Solcherlei Umfragen messen bestenfalls eine Grundbereitschaft zu einer positiven Stimmung zum BGE - wenn es konkret würde, wäre die Diskussion eine ganz andere, und die Umfrageergebnisse würden dann aussagekräftiger werden.



JosefG hat geschrieben:(20 Aug 2020, 20:43)

Wenn aber die Leute bei Annahme eines solchen Jobs die Hartz4-Leistungen in voller Höhe behalten dürften und der Lohn oben drauf käme?
Dann wäre der Lohnabstand plötzlich nicht mehr niedrig und die Arbeit würde sich lohnen. Genau das wäre die Situation mit BGE statt Hartz4.
BGE statt Hartz4 ist der einzige Weg, das Lohnabstandsgebot konsequent umzusetzen.


Ich bin immer vorsichtig mit solch absoluten Formulierungen. Ganz sicher kann man das Lohnabstandsgebot auch anders organisieren - beispielsweise indem man das Verrechnen von Hartz IV mit Einkommen deutlich flacher organisiert. Warum müssen gleich 80% verrechnet werden? Man könnte bei den ersten 100€ doch mal mit 20% anfangen....

Ich gebe dir aber recht, dass ein BGE statt Hartz IV ein enormes Potential hat, dass man das konsequent effizient und effektiv organisieren kann - und das ohne all zu viel Bürokratie. Deshalb spricht für mich auch alles für ein BGE.
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Re: BGE - bedingungsloses Grundeinkommen

Beitragvon Mendoza » Do 20. Aug 2020, 23:14

Atue001 hat geschrieben:(20 Aug 2020, 22:42)
Die Rechnung ist einfach - dann muss man diese Jobs besser bezahlen.

Ach so, ein Arbeitgeber braucht nur mit den Fingern schnipsen und schon stehen ihm schnell mal 30% mehr Geld für seine Leute zur Verfügung? Und ich Dummerle dachte immer die müssten knallhart kalkulieren um wettbewerbsfähig zu sein und Geld zu verdienen. Wenn es so einfach ist, warum gehen Firmen überhaupt pleite? Fehlt den Firmenlenkern Daumen oder der Zeigefinger?
Churchill "Dem Kapitalismus wohnt ein Laster inne: Die ungleichmäßige Verteilung der Güter. Dem Sozialismus hingegen wohnt eine Tugend inne: Die gleichmäßige Verteilung des Elends."
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Re: BGE - bedingungsloses Grundeinkommen

Beitragvon Atue001 » Do 20. Aug 2020, 23:23

Mendoza hat geschrieben:(20 Aug 2020, 23:14)

Ach so, ein Arbeitgeber braucht nur mit den Fingern schnipsen und schon stehen ihm schnell mal 30% mehr Geld für seine Leute zur Verfügung? Und ich Dummerle dachte immer die müssten knallhart kalkulieren um wettbewerbsfähig zu sein und Geld zu verdienen. Wenn es so einfach ist, warum gehen Firmen überhaupt pleite? Fehlt den Firmenlenkern Daumen oder der Zeigefinger?


Im Prinzip ist es so einfach! Wenn er mit höheren Geldern nicht mehr wirtschaftlich seine Produkte anbieten kann, ist es halt kein Geschäftsmodell.

Gefragt wurde beispielsweise nach Kloputzern - wenn es wirklich einen Bedarf an sauberen Toiletten in der Form gibt, dass die Benutzer oder auch die Städte bereit wären, dafür so viel zu zahlen, dass man Kloputzer nicht ausbeuten muss, dann gibt es dazu ein Geschäftsmodell. Wenn nicht - pinkeln dir die Leute halt an den Baum. Ist der Klogang ausreichend teuer, kann man auch als Alterantive selbstreinigende Toiletten entwickeln.
Es könnte dann sein, dass Oma Krause sich den Toilettengang nicht mehr leisten kann - also den, den sie heute schon vermeidet, weil die Toilette ohne Reinigungsfachfrau einfach zu eklig ist.
Senexx

Re: BGE - bedingungsloses Grundeinkommen

Beitragvon Senexx » Do 20. Aug 2020, 23:34

Atue001 hat geschrieben:(20 Aug 2020, 23:23)

Im Prinzip ist es so einfach! Wenn er mit höheren Geldern nicht mehr wirtschaftlich seine Produkte anbieten kann, ist es halt kein Geschäftsmodell.

Gefragt wurde beispielsweise nach Kloputzern - wenn es wirklich einen Bedarf an sauberen Toiletten in der Form gibt, dass die Benutzer oder auch die Städte bereit wären, dafür so viel zu zahlen, dass man Kloputzer nicht ausbeuten muss, dann gibt es dazu ein Geschäftsmodell.

Frei schwadroniert ohne Verständnis wirtschaftlicher Zusammenhänge.

Nicht der Anbieter bestimmt den Preis, sondern die Nachfrage.
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Re: BGE - bedingungsloses Grundeinkommen

Beitragvon Meruem » Do 20. Aug 2020, 23:34

Mendoza hat geschrieben:(20 Aug 2020, 23:14)

Ach so, ein Arbeitgeber braucht nur mit den Fingern schnipsen und schon stehen ihm schnell mal 30% mehr Geld für seine Leute zur Verfügung? Und ich Dummerle dachte immer die müssten knallhart kalkulieren um wettbewerbsfähig zu sein und Geld zu verdienen. Wenn es so einfach ist, warum gehen Firmen überhaupt pleite? Fehlt den Firmenlenkern Daumen oder der Zeigefinger?


Weder noch den fehlen oftmals vor lauter Profitgier ein paar Hirnsynapsen.

Dann wird sich noch dreist gewundert warum viele diese schlecht bezahlten Jobs nicht machen wollen? Ja warum wohl? Für ein Apfel und Ei würde ein Mbabbe morgens auch nicht aufstehen wollen, dann fordert man ( Senexx) H4 mal eben zu kürzen ( zur Anhebung der (Zwangs)Arbeitsmoral) dass ist vom Ende her schlicht falsch gedacht , nicht H4 Regelsätze gehören wenn dann gekürzt sondern die Löhne erhöht, wenn sich arbeiten denn finanziell lohnen soll und offensichtlich tut es eben dass genau nicht bei den Niedriglöhnern hierzulande.
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Re: BGE - bedingungsloses Grundeinkommen

Beitragvon Mendoza » Do 20. Aug 2020, 23:40

Atue001 hat geschrieben:(20 Aug 2020, 23:23)

Im Prinzip ist es so einfach! Wenn er mit höheren Geldern nicht mehr wirtschaftlich seine Produkte anbieten kann, ist es halt kein Geschäftsmodell.

Gefragt wurde beispielsweise nach Kloputzern - wenn es wirklich einen Bedarf an sauberen Toiletten in der Form gibt, dass die Benutzer oder auch die Städte bereit wären, dafür so viel zu zahlen, dass man Kloputzer nicht ausbeuten muss, dann gibt es dazu ein Geschäftsmodell. Wenn nicht - pinkeln dir die Leute halt an den Baum. Ist der Klogang ausreichend teuer, kann man auch als Alterantive selbstreinigende Toiletten entwickeln.
Es könnte dann sein, dass Oma Krause sich den Toilettengang nicht mehr leisten kann - also den, den sie heute schon vermeidet, weil die Toilette ohne Reinigungsfachfrau einfach zu eklig ist.


Mit deinem tollen Modell haben wir noch weniger Unternehmen, die was in die Steuerkasse einzahlen. Wir haben mehr Arbeitslose, die als BGE-Empfänger aus der Kasse versorgt werden müssen und im konkreten Fall haben wir auch noch versiffte Toiletten und eine verdreckte Landschaft, wo jeder seinen Haufen und seine Pfütze hinmacht. Herzlichen Glückwunsch zu dieser genialen Strategie. Trümmer schaffen ohne Waffen!
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Re: BGE - bedingungsloses Grundeinkommen

Beitragvon unity in diversity » Fr 21. Aug 2020, 02:00

3x schwarzer Kater hat geschrieben:(20 Aug 2020, 17:56)

Ja klar, und in Österreich waren es vor dem Volksbegehren angeblich 40% die es befürworten - und beim Volksbegehren dann noch lächerliche 1,1%, die es unterstützen :D

1,1% waren dafür, sich finanziell ruhigstellen und langfristig aufgeben zu lassen. Die große Mehrheit ist offenbar für Bildungsangebote, damit sie im Zeitalter von Industrie 4.0 mit dem Wachstum der neuen Arbeitsplätze etwas anfangen kann.
Kein monatliches Begrüßungsgeld, schön daß du da bist, sondern jeden integrieren, keinen aufgeben.
Das ist modernes Gesellschaftsverständnis.
Für jedes Problem gibt es 2 Lösungsansätze:
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Re: BGE - bedingungsloses Grundeinkommen

Beitragvon Atue001 » Fr 21. Aug 2020, 23:41

Mendoza hat geschrieben:(20 Aug 2020, 23:40)

Mit deinem tollen Modell haben wir noch weniger Unternehmen, die was in die Steuerkasse einzahlen. Wir haben mehr Arbeitslose, die als BGE-Empfänger aus der Kasse versorgt werden müssen und im konkreten Fall haben wir auch noch versiffte Toiletten und eine verdreckte Landschaft, wo jeder seinen Haufen und seine Pfütze hinmacht. Herzlichen Glückwunsch zu dieser genialen Strategie. Trümmer schaffen ohne Waffen!


Ich habe nur die Gedanken rund um Kloputzer weitergeführt!
Man mache sich klar: Wenn man den Kerngedanken hinter den Kloputzern ernst nimmt, ist das nichts anderes als die Forderung der Südstaaten nach Beibehaltung der Sklaverei, weil man sich ein Leben ohne Sklaverei nicht leisten kann.
Man mache sich auch klar: Die Südstaaten haben verloren, die dramatischsten Formen der Sklaverei wurden abgeschafft, und der Welt ging es danach nicht schlechter, sondern besser.

Moderne Sklaverei ist Lohnarbeit auf Niedrigstniveau, weil man als Gesellschaft nicht mehr bezahlen möchte.
Man hat dann nur wenige Alternativen, beispielsweise:

- Beibehaltung des STatus Quo mit dem Faktum, dass man anerkennt, dass kloputzen eine niederwärtige Tätigkeit ist, die man gerne armen Menschen zumutet, und bei der es aber fatal wäre, wenn man entweder mehr bezahlt, oder man diese Tätigkeit selbst verrichten müsste......
- Einführung eines Mindestlohnes - der definiert dann die neue Untergrenze, die die Alternative zur Sklaverei darstellt. Erst durch ausreichend hohen Mindestlohn wird die Gerechtigkeitslücke geschlossen - allerdings ist doch ein Mindestlohn faktisch kein Element der reinen Marktlehre mehr, die ja auf Angebot und Nachfrage setzt - so gesehen sind Mindestlöhne Gedankenelemente aus sozialistischem Gedankengut.
- Einführung eines BGEs - wenn wenigstens auf Höhe der Grundsicherung die Grundbedürfnisse schon mal gesichert sind, können sich Arbeitslöhne deutlich gleichberechtigter entsprechend Angebot und Nachfrage entwickeln

Ob wir in einer BGE-GEsellschaft mehr oder weniger Unternehmen haben, die was in die Steuerkasse einzahlen - kann und mag ich gar nicht beurteilen. Wahrscheinlich ist es so: It Depends.....
Warum wir mehr Arbeitslose haben sollten, erschließt sich mir nicht.
Warum du meinst, dass BGE-Empfänger aus der Kasse versorgt werden müssen - ist unklar, da ja in einer BGE-Gesellschaft JEDER aus der Kasse versorgt würde.
Dass es dann versiffte Toiletten geben könnte....nur wenn die Gesellschaft insgesamt nicht bereit ist, für diese Tätigkeit einen angemessenen Lohn zu zahlen, der dann noch genügend Menschen anspricht, dass diese dafür auch bereit sind Toiletten zu reinigen.

Gerade marktwirtschaftliche Argumente sprechen für eine BGE-Gesellschaft! Sozialistische Gedankenexperimente sprechen eher für einen Mindestlohn und Lohnobergrenzen.
Was nicht so richtig passt ist, wenn einerseits soziale Marktwirtschaft gefordert wird, aber andererseits moderne Sklaverei billigend in Kauf genommen wird. Das nannte man früher schon Ausbeutung - und wenn du forderst, dass diese beibehalten werden soll, damit du auch weiterhin nicht die Toiletten selbst reinigen musst, du aber auch nicht anständig entlohnen musst, damit das ein anderer für dich macht - dann ist das eine Form der Ausbeutung, die nur regelmäßig verdrängt wird.
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Re: BGE - bedingungsloses Grundeinkommen

Beitragvon unity in diversity » Sa 22. Aug 2020, 01:42

Von Hand geputzte Toiletten sind was für Menschen, die für den Rest ihres Lebens ausgelernt haben, die nichts mehr in ihre Zukunft investieren wollen. Diese Toiletten werden durch solche ersetzt, die sich selber reinigen. Das war es dann damit und den merkwürdigen Lohndebatten.

Es gab mal Maschinenstürmer, die dagegen protestiert haben, daß ihre „wertvolle“ Handarbeit von Maschinen übernommen wird. Die wurden schon damals als Anachronismus belächelt und keinem wäre es eingefallen, für diese Freigesetzten ein BGE zu erfinden.
So wird es wohl auch diesmal kommen, um den Fortgang der technischen Entwicklung zu sichern.
Für jedes Problem gibt es 2 Lösungsansätze:
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Re: BGE - bedingungsloses Grundeinkommen

Beitragvon Occham » Sa 22. Aug 2020, 02:28

würden psychisch kranke BGE bekommen, müssten sie an keinen Maßnahmen teilnehmen, sie würden weiter verwahrlosen, irgendwann würde nichts mehr funktionieren, kein einkaufen, keine post beantworten...
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Re: BGE - bedingungsloses Grundeinkommen

Beitragvon unity in diversity » Sa 22. Aug 2020, 04:17

Occham hat geschrieben:(22 Aug 2020, 02:28)

würden psychisch kranke BGE bekommen, müssten sie an keinen Maßnahmen teilnehmen, sie würden weiter verwahrlosen, irgendwann würde nichts mehr funktionieren, kein einkaufen, keine post beantworten...

Damit solchen Menschen Hilfestellung bei Verrichtungen des Alltags zukommt, gibt es Pflegeversicherung und Pflege-TÜV. Die Solidargemeinschaft tritt dafür ein, es braucht daher kein BGE.
Für jedes Problem gibt es 2 Lösungsansätze:
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Re: BGE - bedingungsloses Grundeinkommen

Beitragvon Mendoza » Sa 22. Aug 2020, 11:04

unity in diversity hat geschrieben:(22 Aug 2020, 01:42)

Von Hand geputzte Toiletten sind was für Menschen, die für den Rest ihres Lebens ausgelernt haben, die nichts mehr in ihre Zukunft investieren wollen. Diese Toiletten werden durch solche ersetzt, die sich selber reinigen. Das war es dann damit und den merkwürdigen Lohndebatten.

Es gab mal Maschinenstürmer, die dagegen protestiert haben, daß ihre „wertvolle“ Handarbeit von Maschinen übernommen wird. Die wurden schon damals als Anachronismus belächelt und keinem wäre es eingefallen, für diese Freigesetzten ein BGE zu erfinden.
So wird es wohl auch diesmal kommen, um den Fortgang der technischen Entwicklung zu sichern.


Du kannst die Klobrille mechanisch reinigen, vielleicht noch das Innere der Toilette. Was ist mit dem Rest des Raums, dem Boden, den Pissbecken, den Waschbecken. Wer wechselt Urinsteine, füllt Seife, Papier nach etc.? So einen Roboter wird es auf absehbare Zeit nicht geben und dessen Entwicklung, Bau und Wartung kostet auch immense Summen.

Es wird immer leicht daher geredet „ist demnächst alles automatisch“.

Falls es so geschehen würde wie von Atue durchdacht würden heute ganze Branchen, die heute gesund sind auf einen Schlag zerstört werden. Nicht durch technischen Fortschritt sondern durch die Nebenwirkungen eines BGE!
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Re: BGE - bedingungsloses Grundeinkommen

Beitragvon unity in diversity » Sa 22. Aug 2020, 11:22

Mendoza hat geschrieben:(22 Aug 2020, 11:04)

Du kannst die Klobrille mechanisch reinigen, vielleicht noch das Innere der Toilette. Was ist mit dem Rest des Raums, dem Boden, den Pissbecken, den Waschbecken. Wer wechselt Urinsteine, füllt Seife, Papier nach etc.? So einen Roboter wird es auf absehbare Zeit nicht geben und dessen Entwicklung, Bau und Wartung kostet auch immense Summen.

Es wird immer leicht daher geredet „ist demnächst alles automatisch“.

Falls es so geschehen würde wie von Atue durchdacht würden heute ganze Branchen, die heute gesund sind auf einen Schlag zerstört werden. Nicht durch technischen Fortschritt sondern durch die Nebenwirkungen eines BGE!

Wenn das Gedränge um diese "Arbeitsplätze" zu groß wird, ist das keine gute Nachricht für den Zukunftstandort Deutschland.
Für jedes Problem gibt es 2 Lösungsansätze:
Den Falschen und den Unsrigen.
Aus den USA.

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