Finanzkrise - beginnt das Streichkonzert?

In diesem Forum werden Themen rund um die sozialen Sicherungsysteme diskutiert.
Krankenversicherung, Arbeitslosenversicherung, Arbeitslosengeld 2 (HartzIV), Rentenversicherung, Sozialgesetzbuch.

Moderator: Moderatoren Forum 1

Benutzeravatar
Tom Bombadil
Beiträge: 40836
Registriert: Sa 31. Mai 2008, 16:27
Benutzertitel: Non Soli Cedit

Re: Finanzkrise - beginnt das Streichkonzert?

Beitragvon Tom Bombadil » Mi 10. Feb 2010, 19:39

Olifant hat geschrieben:Da Du ja offenbar glauibst definieren zu können, was NICHT Kunst sei, kannst Du ja jetzt endlich mal definieren, was denn Kunst ist.

Warum sollte ich das tun? Damit du dann darüber schwadronieren kannst, dass eine Definition, die sich an meinem Geschmack orientiert, nicht allgemein gültig ist? Alter Hut. Du kannst es ja gerne für Kunst halten, wenn jemand auf die Bühne scheißt, das bleibt gänzlich dir alleine vorbehalten. Ich habe da schon einen höheren Anspruch an Kunst :dunno:
Wir können uns aber auch über die möglichst künstlerische Darstellung des Kackens unterhalten und wie die Wurst liegen muss, damit es Kunst wird :rofl: Was meinst du? Eher gekringelt oder als Haufen? Ich finde die Bedeutung des chaotischen Haufens ja herausragender als das steril-geordnete Muster des Kringels.
The tree of liberty must be refreshed from time to time with the blood of patriots and tyrants. It is its natural manure.
Thomas Jefferson
adal
Beiträge: 18711
Registriert: Mo 2. Jun 2008, 18:20

Re: Finanzkrise - beginnt das Streichkonzert?

Beitragvon adal » Mi 10. Feb 2010, 19:40

Tom Bombadil hat geschrieben:Das wäre in der Tat am ehrlichsten. Oder es wird halt jeder Künstler unterstützt, ob man sich das leisten kann oder nicht.
Dann behaupte ich einfach mal : Ich bin Künstler.
So einfach geht es denn doch nicht. Im Kultur- und Kunstbetrieb reussieren die wenigsten, mehr Erfolglose und Gescheiterte gibt es nirgendwo sonst. In keinem anderen Bereich gibt es eine gnadenlosere Auslese.
Zuletzt geändert von adal am Mi 10. Feb 2010, 19:42, insgesamt 1-mal geändert.
Benutzeravatar
Tom Bombadil
Beiträge: 40836
Registriert: Sa 31. Mai 2008, 16:27
Benutzertitel: Non Soli Cedit

Re: Finanzkrise - beginnt das Streichkonzert?

Beitragvon Tom Bombadil » Mi 10. Feb 2010, 19:42

adal hat geschrieben:Dann behaupte ich einfach mal : Ich bin Künstler.
So einfach geht es denn doch nicht. Im Kultur- und Kunstbetrieb reussieren die wenigsten, mehr Erfolglose und Gescheiterte gibt es nirgendwo sonst.

Und wonach würdest du unterscheiden, wer gefördert wird und wer nicht?
The tree of liberty must be refreshed from time to time with the blood of patriots and tyrants. It is its natural manure.
Thomas Jefferson
Benutzeravatar
Claud
Beiträge: 9257
Registriert: Mo 2. Jun 2008, 22:29
Benutzertitel: Hast ma etwas Port über?
Wohnort: Berlin
Kontaktdaten:

Re: Finanzkrise - beginnt das Streichkonzert?

Beitragvon Claud » Mi 10. Feb 2010, 19:42

blackbox hat geschrieben:
Die Frage ist welchen Stellenwert Kultur haben soll, wie der spezifische Wert von Kultur zu ermitteln ist und ob es -bei darbenden Kassen in den Kommunen- andere Aufgaben gibt welche dringender der finanziellen Unterstützung bedürfen.

Vor die Wahl gestellt zwischen Bildung (Museen, Bibliotheken, Ausstellungen) und dem alleine der Bildung verschriebenem Theater (die ausschließlich der Unterhaltung dienende Bühne benötigt keine oder kaum Zuschüsse) muss die Wahl zugunsten der Museen und Bibliotheken ausfallen.

Theater als reines Instrument der Bildung hat sicherlich auch einen Stellenwert, nur wird dieser Wert oft genug alleine vom Intendanten und dem professionellen Feuilleton bestimmt. Zudem mag der Intendant sich genötigt sehen, den Shakespeare mit Kot- und Urinprobe „auszuwerten“ – das Publikum verschmäht in der Regel diese Art der Bildung und bleibt der Veranstaltung schlicht fern. Sofern es für diese Art der Bildung einen staatlichen Auftrag gäbe (was ich vehement verneine) so krepiert dieser Bildungsauftrag alleine schon an mangelnder Nachfrage.

Dabei ist die Intention des Schauspielhauses durchaus zu verstehen. Die Schauspieler kennen die alten Stücke, wer mit einer Neuinszenierung unbedingt auffallen möchte gibt dem Hamlet lieber ein Maschinengewehr an die Hand als nur das profane Schwert. Warum aber sollen Steuergelder dafür herhalten, wenn die Inszenierung vorsätzlich alte Stücke verwüstet bis vergewaltigt?
Wer hat eigentliche jemals plausibel erklärt, warum der Wert des Schauspielhauses mit der Zahl der leeren Plätze steigt?

Warum nicht eine Obergrenze der Zuschüsse, eben damit der Intendant versucht möglichst viele der doppelten Beitragszahler (Steuergelder plus Eintrittsgeld) zu gewinnen statt möglichst viele Besucher bereits vorab zu vergraulen? Welcher Hamlet hätte mehr für die Bildung getan – die werkgetreue Variante mit vollem Haus oder die „moderne“ Fassung vor bestenfalls halbleeren Rängen?


Diese Argumentationsweise erinnert mich an die Diskussionen bei der Bachelor Einführung an den Unis, wo auch schnell klar wurde, dass die meisten Unis ledeglich einen Zweck als Ausbildungsbetrieb wahrnehmen sollen, die vorangig Wissen vermitteln, statt Wissen zu schaffen.
Benutzeravatar
Claud
Beiträge: 9257
Registriert: Mo 2. Jun 2008, 22:29
Benutzertitel: Hast ma etwas Port über?
Wohnort: Berlin
Kontaktdaten:

Re: Finanzkrise - beginnt das Streichkonzert?

Beitragvon Claud » Mi 10. Feb 2010, 19:46

blackbox hat geschrieben:Den Anteil der Stücke mit vorsätzlich vergewaltigten Stücken kann ich nicht nennen, ich bezweifele auch ob es eine Statistik darüber gibt wann ein Shakespeare nur leicht verschandelt oder aber ganz gemeuchelt wurde.


Ich bezweifle, dass sich deren Anzahl in einem Bereich abspielt, als das es als Argument wirklich taugt.

Zwei Zahlen hätte ich allerdings schon:
Etwa 95 Euro legt der Staat auf jedes verkaufte Theaterticket drauf.
19,50 € kostet eine Karte für da aktuelle Stück Monsieur Ibrahim im (privat betriebenen) Theater am Aegi. Diese Veranstaltung ist ausverkauft.

1993 stand das Theater auf der Kippe, da es –trotz Subventionen- von der Landeshauptstadt als unrettbares Objekt gesehen wurde.


Das freut mich für das Aegi, es besitzt damit aber keinen einmaligen Status. Was wie und mit wie viel gefördert wird, ist auch in dem Bereich sehr unterschiedlich.
Benutzeravatar
Thomas I
Beiträge: 40287
Registriert: Sa 31. Mai 2008, 17:03
Benutzertitel: EMPEREUR DES EUROPEENS

Re: Finanzkrise - beginnt das Streichkonzert?

Beitragvon Thomas I » Mi 10. Feb 2010, 19:50



Dabei belegt er doch mit den von ihm gebrachten Argumenten schön, dass es auch in Ländern mit DEUTLICH weniger Subventionen eines Berufsbasis für besagte Leute gibt:

"6. Dem britischen „Ans Council" steht für die Subvention aller englischen Bühnen etwa so viel Geld zur Verfügung, wie bei uns allein das Berliner Schillertheater braucht. Darum wird in England doch nicht schlechter Theater gespielt — wie Peter Brooks Gastspiel mit dem „Sommernachtstraum" eindrucksvoll belegen konnte."
Benutzeravatar
Thomas I
Beiträge: 40287
Registriert: Sa 31. Mai 2008, 17:03
Benutzertitel: EMPEREUR DES EUROPEENS

Re: Finanzkrise - beginnt das Streichkonzert?

Beitragvon Thomas I » Mi 10. Feb 2010, 19:51

Claud hat geschrieben:
Diese Argumentationsweise erinnert mich an die Diskussionen bei der Bachelor Einführung an den Unis, wo auch schnell klar wurde, dass die meisten Unis ledeglich einen Zweck als Ausbildungsbetrieb wahrnehmen sollen, die vorangig Wissen vermitteln, statt Wissen zu schaffen.


Nur dass die Unis bisher sowohl Wissen vermittelt wie auch geschaffen haben (auch wenn sicher mit z.T. hohem Optimierungspotential) - was ich bei den Theatern der Gegenwart eher nicht so sehe...
adal
Beiträge: 18711
Registriert: Mo 2. Jun 2008, 18:20

Re: Finanzkrise - beginnt das Streichkonzert?

Beitragvon adal » Mi 10. Feb 2010, 19:55

Claud hat geschrieben:Etwa 95 Euro legt der Staat auf jedes verkaufte Theaterticket drauf.
Nö, auf jedes Opernticket.
Claud hat geschrieben:Das freut mich für das Aegi, es besitzt damit aber keinen einmaligen Status.
Das Aegi ist eine event-location.
Thomas I hat geschrieben:Dabei belegt er doch mit den von ihm gebrachten Argumenten schön, dass es auch in Ländern mit DEUTLICH weniger Subventionen eines Berufsbasis für besagte Leute gibt:
Nö. In England wird nicht schlechter Theater gespielt, nur halt entschieden weniger. Besonders in der Provinz. Wobei ich es nicht für verboten halte, über mehr Kosten- Effizienz an deutschen Bühnen nachzudenken.
Zuletzt geändert von adal am Mi 10. Feb 2010, 20:00, insgesamt 2-mal geändert.
Benutzeravatar
Thomas I
Beiträge: 40287
Registriert: Sa 31. Mai 2008, 17:03
Benutzertitel: EMPEREUR DES EUROPEENS

Re: Finanzkrise - beginnt das Streichkonzert?

Beitragvon Thomas I » Mi 10. Feb 2010, 19:59

adal hat geschrieben:Nö. In England wird nicht schlechter Theater gespielt, nur halt entschieden weniger. Besonders in der Provinz.


Provinz ist relativ. Man muß auch mal die Frage stellen ob Leverkusen, Krefeld und Mönchengladbach oder Ludwigshafen/Rhein eigene vollausgestattete Theater brauchen wenn keine 30-Zugminuten entfernt in Köln und Düsseldorf oder Mannheim erstklassige z.T. deutlich nicht ausgelastete Angebote vorhanden sind.
Ob Aufbau Ost, Bildug oder Kultur: Prinzip Gießkanne sichert keine Qualität und bringt in Relation zu den aufgewandten Mitteln nur spärliche Entwicklungsimpulse.
Zuletzt geändert von Thomas I am Mi 10. Feb 2010, 23:51, insgesamt 1-mal geändert.
Benutzeravatar
Claud
Beiträge: 9257
Registriert: Mo 2. Jun 2008, 22:29
Benutzertitel: Hast ma etwas Port über?
Wohnort: Berlin
Kontaktdaten:

Re: Finanzkrise - beginnt das Streichkonzert?

Beitragvon Claud » Mi 10. Feb 2010, 20:24

lostsoul hat geschrieben:wer spricht denn gleich von plätten? die theater müssen nur lernen, sich an marktgesetze zu halten. keine absurden aufführungen und provokationen mehr, die kaum jemand sehen will. sollen sie die themen so wählen, dass die breite masse damit etwas anfangen kann und das zu preisen anbieten, die dem theaterbesucher der theaterbesuch wert ist anstatt auf kosten der steuerzahler. die theater müssen auch mal anfangen auf die kostenseite zu achten und wenn eine bestimmte qualifikation aufgrund mangelnder gesamtnachfrage nach theaterkarten nicht gefragt ist, dann muss sich das eben auch mal im lohn niederschlagen und so zur abwanderung der qualifizierten an einem theater führen, was dieses wiederum den aufführungsplan in qualitativer hinsicht und den ausstattungsbedarf überdenken lassen sollte.


Man kann nicht alles und jeden nach dem Marktgesetz ausrichten, weil es schlichtweg keinen Sinn macht. Betrachtest du ein Theater als Bildungsinstitution, dann ist es etwas, was auch jeden erschwinglich sein muss und von der Gesellschaft gefördert werden sollte, eben weil Bildung in unser aller Interesse liegt. Ist das Theater eine Kulturschaffende Institution, die das produziert, was später unter Bildung fallen "kann" und an gesellschaftlicher Bedeutung erringen kann, dann ist sie deshalb von Bedeutung, weil sie eine Basis mitproduziert, aus der sich eine Kulturlandschaft auch bildet.

Ich habe bereits anhand von Berlin versucht es zu erklären und gebe nochmal das Berliner Ensemble als Beispiel, welches zu 90% ausgelastet ist und recht moderate Preise anbieten kann, obwohl es größtenteils "nur" bildungsbedeutsame Stücke von Lessing, Brecht, Schiller, Frisch usw auf die Bühne bringt, welche sehr hochwertig dargestellt werden. Da kosten dann halt die Niedrigpreisigen Tickets nur 5 €, die teuersten halt 30 €, eben weil das Theater subventioniert wird. Nimmt man dann die Subvention weg, dann muss man sich nicht wundern, wenn die Qualität singt und die Ticketpreise sich verdoppeln, die Anzahl der Gäste aber singt, weil eine Finanzierung für Schüler weniger erschwinglich wird und auch alle anderen aus dem Theater ausgeschlossen werden, welche sich dann soetwas nicht mehr leisten können.

Was hast du dann damit erreicht?

Nix! Der Schüler hat dann halt Brecht gelesen, nie aber eines seiner Stücke gesehen.

Man kann es natürlich auch anders machen, dass Berliner Ensemble kann auf Musicals umsteigen und Cats aufführen.

man muss auch mal die relationen im auge behalten. du wirst sicher nicht erleben, dass ich etwas gegen zoosubventionen habe. in einer ähnlichen diskussion im alten PF, habe ich mal die subventionen pro karte von zoos nachvollzogen. ~2,50 euro pro karte. bei einem theater fängt das bei 100 euro an. irgendwann muss man den leuten auch mal klar sagen, dass sie maß halten sollen und auf die kosten achten müssen. jeder zoo ist bemüht kostendeckend zu arbeiten, zeit, dass das die herren schausteller auch machen.


Beim Berliner Ensemble wird eine Karte im Schnitt mit 38€ subventioniert, womit es recht günstig ist. Die teuersten Theater, die du in Berlin finden wirst, sind die Jugend- und Kindertheater, beispielsweise das Theater an der Parkaue, welches pro Karte mit ca 55€ gefördert wird. Spitzenreiter sind die Opernhäuser, wo sich die Förderung in ganz anderen Eben abspielt und man zwar durchaus über soetwas nachdenken kann, man dadurch aber auch andere Probleme auf beschwört.



der künstler kann seiner phantasie herzlich gern in seiner freizeit frönen, doch aber nicht auf steuerkosten.


Hat der Steuerzahler keinerlei Interesse daran, dass auch Kultur geschaffen wird? Nimm mal Brecht und schaue dir seine Biographie an, wie er sein eigenes Ensemble auf Staatskosten bekommen hat, welches heute zu den angesehensten Bühnen in Europa gehört.
Zuletzt geändert von Claud am Mi 10. Feb 2010, 20:43, insgesamt 1-mal geändert.
Benutzeravatar
Claud
Beiträge: 9257
Registriert: Mo 2. Jun 2008, 22:29
Benutzertitel: Hast ma etwas Port über?
Wohnort: Berlin
Kontaktdaten:

Re: Finanzkrise - beginnt das Streichkonzert?

Beitragvon Claud » Mi 10. Feb 2010, 20:33

Thomas I hat geschrieben:Nur dass die Unis bisher sowohl Wissen vermittelt wie auch geschaffen haben (auch wenn sicher mit z.T. hohem Optimierungspotential) - was ich bei den Theatern der Gegenwart eher nicht so sehe...


Til Schweiger und Jan Josef Liefers sind Personen, welche vor allen durch das Theater geprägt und ausgebildet wurden. Stücke wie Linie 1, welche im GRIPS erschaffen wurden, erfreuen sich erstaunlicher Beliebtheit, die seid 20 Jahren währt und inzwischen dazu führte, dass es eines der erfolgreichsten Musicals aus/in Deutschland ist. Theater sind wertvolle Ausbildungsbetriebe, die einen bedeutsamen Anteil an jenen Personal ausbildet und fördert, auf die das Fernsehn und der Film später angewiesen sind. Kinder- und Jugendtheater sind Institutionen, wo junge Menschen dazu angeregt werden, sich kreativ zu entfalten.
Zuletzt geändert von Claud am Mi 10. Feb 2010, 20:36, insgesamt 2-mal geändert.
Benutzeravatar
lostsoul
Beiträge: 1213
Registriert: Mo 2. Jun 2008, 22:53
Wohnort: LE!

Re: Finanzkrise - beginnt das Streichkonzert?

Beitragvon lostsoul » Mi 10. Feb 2010, 20:50

Claud hat geschrieben:Man kann nicht alles und jeden nach dem Marktgesetz ausrichten, weil es schlichtweg keinen Sinn macht.

siehe hierzu meine meinung zu den zoosubventionen. eine klare orientierung an marktwirtschaftlichen prinzipien ist zwingend. ob die zu 100% umgesetzt werden können ist eine andere sache und das dies kaum geschafft wird ist auch mir bewußt. jedoch ist eine 80%ige staatsfinanzierung der theater, opern etc. für mich komplett inakzeptabel.

Claud hat geschrieben:Betrachtest du ein Theater als Bildungsinstitution, dann ist es etwas, was auch jeden erschwinglich sein muss und von der Gesellschaft gefördert werden sollte, eben weil Bildung in unser aller Interesse liegt.

theater gehören definitiv nicht in den bildungssektor, dort wird keine bildung vermittelt, sondern unterhaltung. qualitativ wertvolle stücke wie in der schule gelesener stoff, der kann für schüler auch gerne per schulkarte im rahmen des unterrichts kostenlos sein. feuchtgebiete will ich aber nicht als theateraufführung (halle/saale) finanzieren müssen. da die kultusministerien für schulen ohnehin schon festlegen was qualitativ wertvoll ist, kann der staat diese einschätzung auch für subventionen heranziehen. die einen aufführungen werden konsequent gefördert, die anderen muss das theater konsequent über die karten finanzieren. in meinen augen ist das fair.

hier kommen wir zu einem anderen aspekt. von halle nach leipzig und andersrum braucht man gerade einmal 30 minuten mit der bahn. wenn beide häuser nicht kostendeckend arbeiten können, dann legt man sie halt zusammen und schafft ein regionales günstiges theaterzentrum, welches zuschauer aus der ganzen region hat, anstatt nur die leute aus der eigenen stadt. die zeiten mit 350 kulturhauptstädten sind vorbei.

Claud hat geschrieben:Nimmt man dann die Subvention weg, dann muss man sich nicht wundern, wenn die Qualität singt.

hier können die theater dann mal zeigen wie kreativ und anpassungsfähig sie wirklich sind.

Claud hat geschrieben:Hat der Steuerzahler keinerlei Interesse daran, dass auch Kultur geschaffen wird?

nein hat er nicht. der steuerzahler hat daran ein interesse, dass der staat seine typischen staatsaufgaben so effizient wie möglich erledigt. theaterbetrieb gehört dazu sicher nicht.
Zuletzt geändert von lostsoul am Mi 10. Feb 2010, 20:52, insgesamt 2-mal geändert.
YOU are not welcome!
Benutzeravatar
Dampflok94
Moderator
Beiträge: 12834
Registriert: Mo 2. Jun 2008, 17:59
Benutzertitel: Betriebsrat
Wohnort: Berlin

Re: Finanzkrise - beginnt das Streichkonzert?

Beitragvon Dampflok94 » Mi 10. Feb 2010, 22:00

Thomas I hat geschrieben:Bisher scheint der Staat das zu können - oder unterstützt er etwa alles finanziell was beansprucht Kunst zu sein?

Nein, aber das kann auch nicht der Anspruch sein. Alles oder nichts ist selten das richtige Motto.
Es geht hier schließlich um Politik. Entscheiden tun also (gewählte) Politiker. Und damit ist das folgende...
Die Bürger können aber entscheiden was sie dafür halten. Insofern sollte man einen Finanzierungsmodus finden der das berücksichtigt.

ja schon durchaus zumindest teilweise erfüllt. Schließlich ist auch Kulturpolitik eines der Felder, die für den Wähler eine Rolle spielen (können).
Leute kauft mehr Dampflokomotiven!!!
Benutzeravatar
Thomas I
Beiträge: 40287
Registriert: Sa 31. Mai 2008, 17:03
Benutzertitel: EMPEREUR DES EUROPEENS

Re: Finanzkrise - beginnt das Streichkonzert?

Beitragvon Thomas I » Mi 10. Feb 2010, 23:49

Claud hat geschrieben:Nur dass die Unis bisher sowohl Wissen vermittelt wie auch geschaffen haben (auch wenn sicher mit z.T. hohem Optimierungspotential) - was ich bei den Theatern der Gegenwart eher nicht so sehe...


Til Schweiger und Jan Josef Liefers sind Personen, welche vor allen durch das Theater geprägt und ausgebildet wurden. [/quote]

Und? Mir fallen eine Menge dnge ein die mir ohne unsere Unis und deren Lehre und Forschung fehlen würden, Til Schweiger hingegen ist für mich durchaus verzichtbar - und anch Jan Josef Liefers musste ich gar erstmal googlen...

Claud hat geschrieben:- Stücke wie Linie 1, welche im GRIPS erschaffen wurden, erfreuen sich erstaunlicher Beliebtheit, die seid 20 Jahren währt und inzwischen dazu führte, dass es eines der erfolgreichsten Musicals aus/in Deutschland ist.


Und da frage ich mich schon warum man selbst während dieses Stück lief noch eine Erhöhung der Grundsubventionen brauchte.
Verstehe mich nicht falsch, aber das klingt für mich einfach verdächtigt danach, dass da Menschen den Ton angeben die wirtschaftliche Aspekte VÖLLIG außen vorlassen und es infolgedessen einfach zu unwirtschaftlichen sprich verschwenderischen Systemen kommt.

Claud hat geschrieben: Theater sind wertvolle Ausbildungsbetriebe, die einen bedeutsamen Anteil an jenen Personal ausbildet und fördert, auf die das Fernsehn und der Film später angewiesen sind.

Angesichts der Unsummen die die Bürger jährlich dem Fernsehen gezwungenermaßen als Rundfunkgebühren in den Rachen werfen ist das schonmal garkein Argument.

Claud hat geschrieben: Kinder- und Jugendtheater sind Institutionen, wo junge Menschen dazu angeregt werden, sich kreativ zu entfalten.

Das sind Einrichtungen die bei mir auch eher unter dem Posten Förderung und Bildung von Kindern und Jugendlichen laufen würden und nicht unter dem Posten Kunst und Kultur.
Zuletzt geändert von Thomas I am Mi 10. Feb 2010, 23:49, insgesamt 1-mal geändert.
Benutzeravatar
Olifant
Beiträge: 8542
Registriert: Mi 18. Jun 2008, 16:21
Benutzertitel: Demokratischer Kultist

Re: Finanzkrise - beginnt das Streichkonzert?

Beitragvon Olifant » Do 11. Feb 2010, 07:37

Thomas I hat geschrieben:Und da frage ich mich schon warum man selbst während dieses Stück lief noch eine Erhöhung der Grundsubventionen brauchte.


Weil Kultur (nahezu) immer ein Zuschussbetrieb ist . Egal, ob man gut laufende Museen, Theater. Archive oder sonstwas betrachtet. Auf Unterstützung sind alle angewiesen, weil die Kosten eben nie erwirtschaftet werden können. Komischerweise wird das bei Theatern thematisierte, bei Schulen, Museen oder Unis nicht.
Benutzeravatar
Tom Bombadil
Beiträge: 40836
Registriert: Sa 31. Mai 2008, 16:27
Benutzertitel: Non Soli Cedit

Re: Finanzkrise - beginnt das Streichkonzert?

Beitragvon Tom Bombadil » Do 11. Feb 2010, 08:59

Um meine Beiträge zu verstehen muss man nicht wissen, wie ich für mich persönlich Kunst definiere. Zum xten Male: was ich NICHT als Kunst und damit als NICHT förderungswürdig ansehe, habe ich genannt: öffentliches defäktieren, urinieren, koitieren. Für dich mag es Kunst sein, ich habe höhere Ansprüche an Kunst. Diese meine höheren Ansprüche sind aber mein Privatvergnügen und nicht Gegenstand der hiesigen Diskussion. Das solltest du wirklich verstehen können. Wir können uns aber auch noch ein paar Stunden im Kreis drehen und den Strang zerstören, ich habe heute Zeit, die Kunden feiern alle Karneval :dunno:
The tree of liberty must be refreshed from time to time with the blood of patriots and tyrants. It is its natural manure.
Thomas Jefferson
Benutzeravatar
Olifant
Beiträge: 8542
Registriert: Mi 18. Jun 2008, 16:21
Benutzertitel: Demokratischer Kultist

Re: Finanzkrise - beginnt das Streichkonzert?

Beitragvon Olifant » Do 11. Feb 2010, 09:12

Tom Bombadil hat geschrieben:Um meine Beiträge zu verstehen muss man nicht wissen, wie ich für mich persönlich Kunst definiere. Zum xten Male: was ich NICHT als Kunst und damit als NICHT förderungswürdig ansehe, habe ich genannt...


Bei Fragen der öffentlichen Förderungen gibt es nur die Frage, ob gefördert wird oder nicht. Um zu eintscheiden, wo hier die Grenze verläuft (und zwar generell nicht an einem konkreten Beispiel) bedarf es der Definition dessen, was förderungswürdig ist. Um die Förderungswürdigkeit zu definieren, bedarf es zwingend der Definition der Frage, was Kultur sei. Gut, ich denke mal, Du kannst es schlicht nicht definieren (was nicht schlimm ist, selbst die Equete-Kommission des Deutschen Bundestages konnte es nicht). Genau weil diese Abgrenzung eben (schon gar nicht politisch!) zu tätigen ist, kann es nur lauten, dass man generell die Förderung von Institutionen betreibt, ohne auf deren Spielplangestaltung und Inszenierungen Bezug zu nehmen. Es käme ja auch niemand auf die Idee, Bibliotheken vorzuschreiben, keine Bücher sexistischen Inhalts zu ordern oder Museen vorzuschreiben, welche Ausstellungsstücke sie zu präsentieren haben.
Benutzeravatar
Tom Bombadil
Beiträge: 40836
Registriert: Sa 31. Mai 2008, 16:27
Benutzertitel: Non Soli Cedit

Re: Finanzkrise - beginnt das Streichkonzert?

Beitragvon Tom Bombadil » Do 11. Feb 2010, 09:19

Olifant hat geschrieben:Gut, ich denke mal, Du kannst es schlicht nicht definieren (was nicht schlimm ist, selbst die Equete-Kommission des Deutschen Bundestages konnte es nicht).

Warum sollte ich mir auch anmassen, Kunst allgemein gültig definieren und damit generell festlegen zu können, wer oder was gefördert wird und wer oder was nicht? Erstens bin ich nicht größenwahnsinnig und zweitens fehlt mir dazu schlichtweg die Kompetenz, eine Kompetenz, die ich mir auch nie angemaßt habe. Aber meine Meinung, was ich persönlich nicht als Kunst und damit nicht als förderungswürdig ansehe, darf ich schon noch schreiben, ja? Oder reicht die Meinungsfreiheit dann doch wieder nicht so weit?

Genau weil diese Abgrenzung eben (schon gar nicht politisch!) zu tätigen ist, kann es nur lauten, dass man generell die Förderung von Institutionen betreibt, ohne auf deren Spielplangestaltung und Inszenierungen Bezug zu nehmen.

Na fein, dann gründe ich morgen ein Theater und lasse mich von Vater Staat fördern. Meinst du, das funktioniert?
The tree of liberty must be refreshed from time to time with the blood of patriots and tyrants. It is its natural manure.
Thomas Jefferson
Benutzeravatar
Olifant
Beiträge: 8542
Registriert: Mi 18. Jun 2008, 16:21
Benutzertitel: Demokratischer Kultist

Re: Finanzkrise - beginnt das Streichkonzert?

Beitragvon Olifant » Do 11. Feb 2010, 09:21

Tom Bombadil hat geschrieben:Na fein, dann gründe ich morgen ein Theater und lasse mich von Vater Staat fördern. Meinst du, das funktioniert?


Ich verstehe zwar den Zusammenhang nicht, aber meinetwegen. Versuchs mal. Du wärst nicht der erste.

Zurück zu „10. Sozialpolitik“

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 4 Gäste