Was ist Faschismus?

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Re: Was ist Faschismus?

Beitragvon odiug » Mo 9. Dez 2019, 19:05

H2O hat geschrieben:(09 Dec 2019, 18:57)

Schon klar. Ich hatte Sie schon im Verdacht als Urheber des Gedichts. Habe ich einmal laut vorgelesen. Genial! Nur weiß ich jetzt nicht, wie ich als Mitmensch verfahren soll. Ich meine, daß ich diesen Einschub Allotria löschen sollte, und daß wir lieber schweigen sollten, wenn wir nicht mehr verstehen, was uns ein Teilnehmer erklären will. Ein Gebot der Mitmenschlichkeit? H2O

Ich habe das oben nochmals näher erläutert ... ich ändere zu oft meine Beiträge, um sie verständlicher zu machen ... bin dabei aber leider zu langsam :(
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Re: Was ist Faschismus?

Beitragvon Dark Angel » Mo 9. Dez 2019, 19:06

odiug hat geschrieben:(09 Dec 2019, 18:50)

Es ist weder Deutsch noch Englisch noch sonst eine entsprechende Sprache die sich übersetzen ließe.
Das ist ja der Punkt :p
Das Zitat ist ein Paradox in diesem Zusammenhang.
Es zeigt was passiert, wenn man sich kultureller Determination verweigert und allein "menschliche Schaffenskraft" als Maßstab gelten lässt
Dennoch ist es Teil unsrer Kultur ... aber halt nur für die, die sich mit dem Konzept des Dadaismus beschäftigt haben.

Von kultureller Determination war nicht die Rede, das bringst du erst jetzt ins Spiel.
Ich habe auch nix von "menschlicher Schaffenskraft" geschrieben, sondern von menchlicher Schöpferkraft - Erfindungsgeist, wenn dir das besser gefällt.
Dennoch gibt es keine "kulturelle Schaffenskraft", wenn man Kultur als Erklärungsmodell für gesellschaftlich und historisch gewachsene Prozesse versteht.
Dieses Verständnis von Kultur schließt allerdings kulturelle Prägung (oder meinetwegen auch kulturelle Determination) mit ein.
Dass es dergleichen gibt, habe ich zu keiner Zeit bestritten.

Du hast mir gesagt, was Dich stört und jetzt sage ich was mich stört - nämlich dass Du ständig ausweichst, immer völlig andere Aspekte, mit dem Versuch, mich damit widerlegen zu können. So funktioniert das aber nicht.
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Re: Was ist Faschismus?

Beitragvon conscience » Mo 9. Dez 2019, 19:08

Definition der Früh-Faschistischen Bewegung action francaise:
„Gewiß war der ganze Faschismus schon durch den Ausgang von der »Action française« der europäischen konterrevolutionären Tradition zugeordnet worden, und die Kennzeichnung der Intention von Charles Maurras (Mitbegründer und führender Ideologe der Ende 1898 geründeten Action française; HB), den »autark-souveränen, kriegerischen, aristokratischen Staat des Ancien régime als Paradigma für alle französischen Zeiten« bedingungslos zu verteidigen bzw. wiederherzustellen, läßt das Verfehltsein und die Aussichtslosigkeit des Unternehmens noch anschaulicher werden als im Falle Hitlers.“ (Ebd., 2002, S. 221).
Quelle klick
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Re: Was ist Faschismus?

Beitragvon H2O » Mo 9. Dez 2019, 19:09

gallerie hat geschrieben:(09 Dec 2019, 18:56)

...demnach wird ein Thaksin ( Multimillionär) und viele andere chinesische Thais von der Diskriminierung ausgeschlossen und zahlen wie ein gewöhnlicher Thai?.
Obwohl die Präambel der allgemeinen Erklärung der Menschenrechte dieses festhalten, die Thais haben dem zugestimmt:

"Da die Anerkennung der angeborenen Würde und der gleichen und unveräußerlichen Rechte aller Mitglieder der Gemeinschaft der Menschen die Grundlage von Freiheit, Gerechtigkeit und Frieden in der Welt bildet,"
Es wird zu spezifisch, Thailand war schon immer ein sehr rassistisches Land, das zeigt seine Geschichte.


Dieser Beitrag

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hat mir sehr geholfen, weil ich nun auch einmal kein Fachmann für diese Wissenschaft bin. Einfach einmal durchlesen, Ihre Erfahrung in Thailand daneben halten, und schon sind Sie einen Schritt weiter mit der Einordnung der thailändischen Gesellschaft.
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Re: Was ist Faschismus?

Beitragvon gallerie » Mo 9. Dez 2019, 19:15

BlueMonday hat geschrieben:(09 Dec 2019, 19:02)

Nun, wenn Sie weiter nach oben schauen: - nomen est omen - wir befinden uns hier in einem politischen Forum.
Und Faschismus als politischer Gegenwartsbegriff hat seinen wesentlichen Zweck in der Instrumentalisierung. Man spuckt ihn wie deftigen Kirschkern durch ein Blasrohr auf den Gegner und hofft, dass er dort gut sichtbar im Gesicht kleben bleibt. Der Faschist ist nun mal der Unmensch. So etikettiert ist man erledigt. Spüren Sie nun die Brisanz, die von solchen Begriffen ausgeht? Der Begriff ist selten nur Gegenstand nüchterner wissenschaftlicher Analyse. Ein "wertfreierer" Zugang wäre freilich wohltuend, aber mit einem Großteil der offenbar stark politisierten Userschaft kaum zu haben, die sich aber dennoch in den Unterbereich der "Wissenschaft" drängen, obwohl sie gar nichts analytisch auseinandersetzen wollen. Im Grunde müsste man als Moderator frühzeitig einschreiten und den Thread davon befreien, um die eigentlich Diskussion zu ermöglichen. Aber das wäre dann auch irgendwo "faschistoid". Und so landen wir bei dieser Kakophonie von Teilnehmern, die sich eigentlich gar nichts zum Thema zu sagen haben. Ein kleines Dilemma.

Ja, auch eine spannende Frage, ist der Dadaismus ein Gegenpart des Faschismus? Würde ich für eine tief faschistische Behauptung halten, dass ohne oberste Anleitung und totalen Staat nur Dada herauskäme. Sicherlich käme hier und da auch Dada heraus, aber auch Millionen anderer Blüten zum Vorschein. Und nicht jeder Farbton wird jedem gefallen. Dada hat dennoch seine Berechtigung, selbst in Threads wie diesem hier - irgendwo :)


...die Gegenwart der bildenden Künste im Faschismus war die "Realität-Malerei, die ihren Ursprung in Italien fand.
Die griechischen und römischen Glorienkämpfer wurden Vorbild für das "arische Volk" benutzt.
Umberto Boccioni war der Wegbereiter dieser Kunst-Art.
Erstaunlicher Weise benutzte die SED in der DDR genau diese Form der Kunst. Der "arische muskulöse Körper" wurde nun nicht mehr an der Ostfront porträtiert,
sondern im Ernteeinsatz in Pommern.
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Re: Was ist Faschismus?

Beitragvon Selina » Mo 9. Dez 2019, 19:18

H2O hat geschrieben:(09 Dec 2019, 19:09)

Dieser Beitrag

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hat mir sehr geholfen, weil ich nun auch einmal kein Fachmann für diese Wissenschaft bin. Einfach einmal durchlesen, Ihre Erfahrung in Thailand daneben halten, und schon sind Sie einen Schritt weiter mit der Einordnung der thailändischen Gesellschaft.


Der Beitrag ist aber eher mit Skepsis zu lesen. Denn Faschismus als bloße andere Spielart des Wirtschaftens und der Staatlichkeit darzustellen, wirkt schon arg verharmlosend. Wo kommen da Nationalismus, Militarismus, Rassenwahn, Antisemitismus, Herrenmenschen-Denken vor in diesem Erklärungsversuch?
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Re: Was ist Faschismus?

Beitragvon H2O » Mo 9. Dez 2019, 19:21

BlueMonday hat geschrieben:(09 Dec 2019, 19:02)

Nun, wenn Sie weiter nach oben schauen: - nomen est omen - wir befinden uns hier in einem politischen Forum.
Und Faschismus als politischer Gegenwartsbegriff hat seinen wesentlichen Zweck in der Instrumentalisierung. Man spuckt ihn wie deftigen Kirschkern durch ein Blasrohr auf den Gegner und hofft, dass er dort gut sichtbar im Gesicht kleben bleibt. Der Faschist ist nun mal der Unmensch. So etikettiert ist man erledigt. Spüren Sie nun die Brisanz, die von solchen Begriffen ausgeht? Der Begriff ist selten nur Gegenstand nüchterner wissenschaftlicher Analyse. Ein "wertfreierer" Zugang wäre freilich wohltuend, aber mit einem Großteil der offenbar stark politisierten Userschaft kaum zu haben, die sich aber dennoch in den Unterbereich der "Wissenschaft" drängen, obwohl sie gar nichts analytisch auseinandersetzen wollen. Im Grunde müsste man als Moderator frühzeitig einschreiten und den Thread davon befreien, um die eigentliche Diskussion zu ermöglichen. Aber das wäre dann auch irgendwo "faschistoid". Und so landen wir bei dieser Kakophonie von Teilnehmern, die sich eigentlich gar nichts zum Thema zu sagen haben. Ein kleines Dilemma.

Ja, auch eine spannende Frage, ist der Dadaismus ein Gegenpart des Faschismus? Würde ich für eine tief faschistische Behauptung halten, dass ohne oberste Anleitung und totalen Staat nur Dada herauskäme. Sicherlich käme hier und da auch Dada heraus, aber auch Millionen anderer Blüten zum Vorschein. Und nicht jeder Farbton wird jedem gefallen. Dada hat dennoch seine Berechtigung, selbst in Threads wie diesem hier - irgendwo :)


Tja, was soll ich machen? Ich bin leider nicht der Fachmann für Faschismus, bemühe mich darum, nun möglichst uneitel um gegenseitigen Respekt zu werben. Müßte sicher vieles in die Tonne treten, getraue mich aber nicht, weil ich den Beitrag nicht so recht bewerten kann. Dann kommt so etwas wie Kakophonie dabei heraus, schon weil der Respekt fehlt, sich auf den jeweils anderen ein zu lassen. Ich bin schon froh, daß ab und zu einmal eine Sternschnuppe hier vorüber zieht! Danke!
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Re: Was ist Faschismus?

Beitragvon gallerie » Mo 9. Dez 2019, 19:23

H2O hat geschrieben:(09 Dec 2019, 19:09)

Dieser Beitrag

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hat mir sehr geholfen, weil ich nun auch einmal kein Fachmann für diese Wissenschaft bin. Einfach einmal durchlesen, Ihre Erfahrung in Thailand daneben halten, und schon sind Sie einen Schritt weiter mit der Einordnung der thailändischen Gesellschaft.

....falls du Zeit und Lust hast, einfach mal lesen...

Der Militärrat, der 2014 durch einen Staatsstreich an die Macht kam, hat seine Befugnisse weiter ausgeweitet. Dies hat auch 2018 ernsthafte Einschränkungen in Bezug auf die Meinungsäusserungs-, Vereinigungs- und Versammlungsfreiheit zur Folge. Andersdenkende werden schikaniert und willkürlich verhaftet. Im April trat eine neue Verfassung in Kraft, die von einem vom Militär ernannten Gremium entworfen und im August 2016 in einem nationalen Referendum angenommen worden war. Der Militärrat bleibt weiterhin im Amt. Zwischen Anhängern der Regierung und der Opposition kommt es immer wieder zu schwerer Gewalt. Die Sicherheitskräfte gingen mehrfach und ungeahndet mit exzessiver Gewalt gegen Verdächtige vor. In Thailand bestehen zudem weitere starke politische Spannungen. Besorgniserregend ist die bewaffnete Gewalt in den südlichen Provinzen, wo muslimische Separatisten für Autonomie kämpfen.
In Thailand wird weiterhin die Todesstrafe praktiziert. Folter und Misshandlungen durch die Polizei und Streitkräfte kommen regelmässig vor. Straflosigkeit bleibt in ganz Thailand ein Problem. Es wurde über Fälle von Verschwindenlassen berichtet. Menschenhandel, Kinderarbeit und sexuelle Ausbeutung sind in Thailand weit verbreitet. Es gibt in Thailand kein gesetzlich verankertes Recht auf Asyl, wodurch Asylsuchende stark der Gefahr von Menschenrechtsverstössen ausgesetzt sind. Asylsuchende werden regelmässig in überfüllten Hafteinrichtungen untergebracht und sie werden von Menschenhandel nur ungenügend geschützt. Ein weiteres Menschenrechtsproblem ist der ungenügende Schutz für verletzliche Gruppen wie Frauen, Kinder und Behinderte sowie für Angehörige von indigenen Bergvölkern oder Minderheiten.
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Re: Was ist Faschismus?

Beitragvon odiug » Mo 9. Dez 2019, 19:23

Dark Angel hat geschrieben:(09 Dec 2019, 19:06)

Von kultureller Determination war nicht die Rede, das bringst du erst jetzt ins Spiel.
Ich habe auch nix von "menschlicher Schaffenskraft" geschrieben, sondern von menchlicher Schöpferkraft - Erfindungsgeist, wenn dir das besser gefällt.
Dennoch gibt es keine "kulturelle Schaffenskraft", wenn man Kultur als Erklärungsmodell für gesellschaftlich und historisch gewachsene Prozesse versteht.
Dieses Verständnis von Kultur schließt allerdings kulturelle Prägung (oder meinetwegen auch kulturelle Determination) mit ein.
Dass es dergleichen gibt, habe ich zu keiner Zeit bestritten.

Du hast mir gesagt, was Dich stört und jetzt sage ich was mich stört - nämlich dass Du ständig ausweichst, immer völlig andere Aspekte, mit dem Versuch, mich damit widerlegen zu können. So funktioniert das aber nicht.

Das kommt daher, weil du glitschig wie ein schleimiger Aal diskutierst, dabei Begrifflichkeiten verwurstelst, wie es dir gerade in den Sinn kommt und keiner kohärenten Argumentation folgst, sondern es dir einmal so und dann wieder so zurechtlegst, wie es dir halt gerade passt.
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Re: Was ist Faschismus?

Beitragvon Bartleby » Mo 9. Dez 2019, 19:25

Im Dossier der aktuellen ZEIT-Ausgabe wird an Freud erinnert, dessen berühmte Schrift "Das Unbehagen in der Kultur" vor 90 Jahren erschien. Darin heißt es u.a.

1933, als in Deutschland die rechtsbürgerlichen Parteien Adolf Hitler und der NSDAP die politische Macht zuschieben, lässt Freud ein Exemplar von Warum Krieg?, einem Briefwechsel zwischen ihm und Albert Einstein, dem faschistischen Diktator Benito Mussolini mit einer handschriftlichen Widmung überreichen: "Benito Mussolini mit dem ergebenen Gruß eines alten Mannes, der im Machthaber den Kulturheros erkennt. Wien, 26. April 1933. Freud".

Was im Rückblick unverständlich erscheint, war nicht ganz willkürlich. 1927 noch hatte Mussolini, damals mit der Jüdin Margherita Sarfatti liiert, angesichts der Entwicklungen in Deutschland öffentlich bekannt: "Faschismus bedeutet Einigkeit, Antisemitismus dagegen Destruktion. Faschistischer Antisemitismus oder antisemitischer Faschismus sind deshalb eine krasse Absurdität.[...] Wir protestieren energisch dagegen, daß der Faschismus auf diese Weise kompromittiert wird. Der Antisemitismus ist ein Produkt der Barbarei, während der Faschismus auf der höchsten Zivilisationsstufe steht" (was nicht heißt, dass der italienische Faschismus am Ende nicht ebenfalls antisemitisch war).

Allerdings ging es Freud nicht in erster Linie um die Haltung zum Antisemitismus, sondern um Grundsätzlicheres: Die Menschheit, davon war Freud überzeugt, bedürfe – gerade weil sie ihrem anarchischen Freiheitswillen zum Trotz für ihr Überleben auf Kultur angewiesen sei – einer Moral, eines Gewissens, einer kollektiven Moral, eines kollektiven Über-Ichs und daher jener großen Gestalten, die diese Moral beispielhaft vorleben und verkörpern. Im Unbehagen in der Kultur schreibt er: "Das Über-Ich einer Kulturepoche hat einen ähnlichen Ursprung wie das des Einzelmenschen, es ruht auf dem Eindruck, den große Führerpersönlichkeiten haben, Menschen von überwältigender Geisteskraft oder solche, in denen eine der menschlichen Strebungen die stärkste, reinste, darum auch oft einseitigste Ausbildung gefunden hat." Eine solche Persönlichkeit muss für Freud Benito Mussolini gewesen sein.
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Re: Was ist Faschismus?

Beitragvon odiug » Mo 9. Dez 2019, 19:27

gallerie hat geschrieben:(09 Dec 2019, 19:15)

...die Gegenwart der bildenden Künste im Faschismus war die "Realität-Malerei, die ihren Ursprung in Italien fand.
Die griechischen und römischen Glorienkämpfer wurden Vorbild für das "arische Volk" benutzt.
Umberto Boccioni war der Wegbereiter dieser Kunst-Art.
Erstaunlicher Weise benutzte die SED in der DDR genau diese Form der Kunst. Der "arische muskulöse Körper" wurde nun nicht mehr an der Ostfront porträtiert,
sondern im Ernteeinsatz in Pommern.

Das ist so nicht ganz korrekt.
Der Futurismus sah sich eigentlich als faschistische Staatskunst.
Die Architektur des italienischen Faschismus ist auch um vieles moderner, als das monumentale Gedöns eines Albrecht Speer.
Es gab aber auch in Deutschland unter den Nazis Bestrebungen, den deutschen Expressionismus als Staatskunst zu etablieren.
Aber Hitler war halt ein Banause und bevorzugte röhrende Hirsche über Sempels Sofa.
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Re: Was ist Faschismus?

Beitragvon H2O » Mo 9. Dez 2019, 19:32

Selina hat geschrieben:(09 Dec 2019, 19:18)

Der Beitrag ist aber eher mit Skepsis zu lesen. Denn Faschismus als bloße andere Spielart des Wirtschaftens und der Staatlichkeit darzustellen, wirkt schon arg verharmlosend. Wo kommen da Nationalismus, Militarismus, Rassenwahn, Antisemitismus, Herrenmenschen-Denken vor in diesem Erklärungsversuch?


Ihr Einwand ist sicher berechtigt. Aber ich meine, daß als Definitionsrahmen diese wenigen Punkte schon sehr gut weiter helfen. Ich vermute auch, daß einem Mussolini Rassenwahn bis zum geplanten Massenmord abging. Wollte man also nur die Gesamtheit Ihrer Zuschreibungen als Definition des Faschismus gelten lassen, dann käme vermutlich nur ein einziger Zweig davon zum Zuge.

Deshalb war ich ganz glücklich, diesen Erklärungsversuch gefunden zu haben.

Vor allem müssen Sie sehen, was wir hier mit den vielen Nebenthemen angerichtet haben. Ich habe Schwierigkeiten, daraus ein schlüssiges Bild des Begriffs Faschismus dar zu stellen. Das wäre aber das Ziel gemäß Überschrift.
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Re: Was ist Faschismus?

Beitragvon odiug » Mo 9. Dez 2019, 19:37

Thema italienischer Faschismus und Architektur: https://www.welt.de/img/kultur/mobile10 ... i-Foto.jpg
Das hat schon fast Züge zum Surrealismus eines Giorgio de Chirico
https://d7hftxdivxxvm.cloudfront.net/?r ... Flarge.jpg
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Re: Was ist Faschismus?

Beitragvon gallerie » Mo 9. Dez 2019, 19:39

odiug hat geschrieben:(09 Dec 2019, 19:27)

Das ist so nicht ganz korrekt.
Der Futurismus sah sich eigentlich als faschistische Staatskunst.
Es gab auch in Deutschland Bestrebungen den deutschen Expressionismus als Staatskunst zu etablieren.
Aber Hitler war halt ein Banause und bevorzugte röhrende Hirsche über Sempels Sofa.


...es gab das legendäre Bauhaus, weitab von Expressionismus, eine völlig neue Darstellung der der Kunst.
Und die widersprach der NS Devise pompös sich darzustellen.
Form follow function war die Strategie, demnach sollte sich jeder Form der Gestaltung der Funktion unterordnen.
Das war Hitler zu tiefste suspekt. Er wollte das glorifizierende darstellen und keine funktionierende Wirklichkeit.
Deshalb auch das AUS für Bauhaus 1933.
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Re: Was ist Faschismus?

Beitragvon H2O » Mo 9. Dez 2019, 19:42

gallerie hat geschrieben:(09 Dec 2019, 19:23)

....falls du Zeit und Lust hast, einfach mal lesen...

Der Militärrat, der 2014 durch einen Staatsstreich an die Macht kam, hat seine Befugnisse weiter ausgeweitet. Dies hat auch 2018 ernsthafte Einschränkungen in Bezug auf die Meinungsäusserungs-, Vereinigungs- und Versammlungsfreiheit zur Folge. Andersdenkende werden schikaniert und willkürlich verhaftet. Im April trat eine neue Verfassung in Kraft, die von einem vom Militär ernannten Gremium entworfen und im August 2016 in einem nationalen Referendum angenommen worden war. Der Militärrat bleibt weiterhin im Amt. Zwischen Anhängern der Regierung und der Opposition kommt es immer wieder zu schwerer Gewalt. Die Sicherheitskräfte gingen mehrfach und ungeahndet mit exzessiver Gewalt gegen Verdächtige vor. In Thailand bestehen zudem weitere starke politische Spannungen. Besorgniserregend ist die bewaffnete Gewalt in den südlichen Provinzen, wo muslimische Separatisten für Autonomie kämpfen.
In Thailand wird weiterhin die Todesstrafe praktiziert. Folter und Misshandlungen durch die Polizei und Streitkräfte kommen regelmässig vor. Straflosigkeit bleibt in ganz Thailand ein Problem. Es wurde über Fälle von Verschwindenlassen berichtet. Menschenhandel, Kinderarbeit und sexuelle Ausbeutung sind in Thailand weit verbreitet. Es gibt in Thailand kein gesetzlich verankertes Recht auf Asyl, wodurch Asylsuchende stark der Gefahr von Menschenrechtsverstössen ausgesetzt sind. Asylsuchende werden regelmässig in überfüllten Hafteinrichtungen untergebracht und sie werden von Menschenhandel nur ungenügend geschützt. Ein weiteres Menschenrechtsproblem ist der ungenügende Schutz für verletzliche Gruppen wie Frauen, Kinder und Behinderte sowie für Angehörige von indigenen Bergvölkern oder Minderheiten.


Ja, paßt doch! Was in der Thai-Beschreibung fehlt, das ist die Verherrlichung des Militärischen, die meinem Bezugsbeitrag zufolge ein Merkmal des Faschismus sein soll. Dafür passen vielleicht etliche andere Merkmale, die hier als unbedingter Bestandteil einer faschistischen Herrschaft genannt wurden:

viewtopic.php?f=75&t=69215&start=640#p4622286

Es gibt also durchaus auch Orientierung in diesem Strang; aber man muß ein wenig danach suchen.

Nachtrag: Mir fällt noch auf, daß die Rolle des Königs der des japanische Kaisers vor dem 2. Weltkrieg sehr ähnlich ist. Auch dort befand sich die eigentliche Staatsgewalt in den Händen des Militärs... und leider eben auch der Herrschaftswille über sämtliche Nachbarn. Gibt es den in Thailand auch? In meiner aktiven Zeit war Malaysia eine Art Feind, und wohl auch Myanmar/Burma. Aber so richtig gekracht hat es damals dort nicht.
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Re: Was ist Faschismus?

Beitragvon gallerie » Mo 9. Dez 2019, 19:51

H2O hat geschrieben:(09 Dec 2019, 19:42)

Ja, paßt doch! Was in der Thai-Beschreibung fehlt, das ist die Verherrlichung des Militärischen, die meinem Bezugsbeitrag zufolge ein Merkmal des Faschismus sein soll. Dafür passen vielleicht etliche andere Merkmale, die hier als unbedingter Bestandteil einer faschistischen Herrschaft genannt wurden:



Es gibt also durchaus auch Orientierung in diesem Strang; aber man muß ein wenig danach suchen.


...die dir fehlende Verherrlichung des Militärs wird durch Propaganda Medien in allen Sendern täglich verkündet.
Zudem wird jede Äußerung die du als Thai oder Expat gegen das Königshaus und des Militärs äußerst als
Verrat gegen das Volk geahndet.
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Re: Was ist Faschismus?

Beitragvon odiug » Mo 9. Dez 2019, 20:02

gallerie hat geschrieben:(09 Dec 2019, 19:39)

...es gab das legendäre Bauhaus, weitab von Expressionismus, eine völlig neue Darstellung der der Kunst.
Und die widersprach der NS Devise pompös sich darzustellen.
Form follow function war die Strategie, demnach sollte sich jeder Form der Gestaltung der Funktion unterordnen.
Das war Hitler zu tiefste suspekt. Er wollte das glorifizierende darstellen und keine funktionierende Wirklichkeit.
Deshalb auch das AUS für Bauhaus 1933.

Das Bauhaus widersprach dem Kunstverständnis eines Adolf Schinkelgrubers vor allem in seinem internationalen Anspruch.
Interessant hingegen ist, dass der Nationalsozialismus wie keine andere politische Ideologie alle Gesellschaftsbereiche auch mit seiner Ästhetik durchdrang.
Das reichte von Uniformen über Plakate, Architektur, Filme bis hin zur Gestaltung von Alltagsgegenständen wie Aschenbecher.
Das ist eigentlich ein Konzept des Bauhaus und vorher der Wiener Sezession, nur halt völlig pervertiert.
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Re: Was ist Faschismus?

Beitragvon H2O » Mo 9. Dez 2019, 20:07

gallerie hat geschrieben:(09 Dec 2019, 19:51)

...die dir fehlende Verherrlichung des Militärs wird durch Propaganda Medien in allen Sendern täglich verkündet.
Zudem wird jede Äußerung die du als Thai oder Expat gegen das Königshaus und des Militärs äußerst als
Verrat gegen das Volk geahndet.


Ich bin fast davon überzeugt, daß in Thailand die Reinform des Faschismus verwirklicht wurde... siehe auch meinen Nachtrag mit der Rolle des Königs und des japanischen Tennos vor dem 2. Weltkrieg oder Mussolinis Verhältnis zum italienischen Königshaus oder Francos Verhältnis zum spanischen Königshaus. Letzterem möchte ich aber keinen erhöhten Eroberungswillen unterstellen, oder einen Rassenwahn.
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Re: Was ist Faschismus?

Beitragvon Europa2050 » Mo 9. Dez 2019, 20:45

gallerie hat geschrieben:(09 Dec 2019, 19:51)

...die dir fehlende Verherrlichung des Militärs wird durch Propaganda Medien in allen Sendern täglich verkündet.
Zudem wird jede Äußerung die du als Thai oder Expat gegen das Königshaus und des Militärs äußerst als
Verrat gegen das Volk geahndet.


Das sind schon mal starke Zeichen.

Was noch fehlt:

Wird dem Volk den eingeredet, dass böse dunkle Mächte eine Verschwörung gegen das thailändische Volk planen und nur ein Führer (Retter, Erlöser, gerne auch Wiederkehrer einer historisch bedeutenden Figur) das Volk retten kann?
Dann wären wir - nachdem von Dir geschilderten (Militarisierung der Gesellschaft, Opposition als Verrat gegen das Volk, Rassismus) wirklich bei Faschimus live.
Nationalismus lehrt Dich,
stolz auf Dinge zu sein, die Du nie getan hast und
Leute zu hassen, denen Du nie begegnet bist.
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Re: Was ist Faschismus?

Beitragvon H2O » Mo 9. Dez 2019, 21:27

Europa2050 hat geschrieben:(09 Dec 2019, 20:45)

Das sind schon mal starke Zeichen.

Was noch fehlt:

Wird dem Volk den eingeredet, dass böse dunkle Mächte eine Verschwörung gegen das thailändische Volk planen und nur ein Führer (Retter, Erlöser, gerne auch Wiederkehrer einer historisch bedeutenden Figur) das Volk retten kann?
Dann wären wir - nachdem von Dir geschilderten (Militarisierung der Gesellschaft, Opposition als Verrat gegen das Volk, Rassismus) wirklich bei Faschimus live.


Ich vermute, daß "der Führer" in den beiden Personen König und Oberkommandierender wirkt. Die eigentliche Macht liegt beim Oberkommandierenden, der aber alle seine Handlungen mit dem Schutz des Königs und der göttlichen Ordnung der thailändischen Gesellschaft vor gefährlichen Parteien begründet. Die Ähnlichkeit der Mussolini-Herrschaft oder der Herrschaft des japanischen Generalstabs vor dem 2. Weltkrieg oder der Herrschaft Francos springt mich geradezu an. Bin ich da wirklich auf dem Holzwege?

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