Immun gegen Fakten?

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syna
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Immun gegen Fakten?

Beitragvon syna » Di 17. Sep 2019, 13:57

-- Warum sind wir oftmals immun gegen Fakten?
-- Warum gibt es immer noch so viele Klimawandelleugner?
-- Warum ignorieren Menschen ständig Tatsachen?

Das sind Fragen, die mich schon seit Jahren umtreiben. Weil das Leugnen
von Fakten jede Diskussion ad Absurdum führt und nur noch Frustration
erzeugt. Nun hat ein Wissenschaftler der Uni Hamburg dazu eine Antwort
formuliert: Stefan Schulreich sagt, dass es

1. Selektive Wahrnehmung (confirmation bias)
2. Überschätzung der eigenen Kompetenz (Dunning-Kruger-Effekt)
3. Stress

sind. Genaueres gibt es hier (spiegel-online bento)
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imp
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Re: Immun gegen Fakten?

Beitragvon imp » Di 17. Sep 2019, 15:01

syna hat geschrieben:(17 Sep 2019, 13:57)

-- Warum sind wir oftmals immun gegen Fakten?
-- Warum gibt es immer noch so viele Klimawandelleugner?
-- Warum ignorieren Menschen ständig Tatsachen?

Das sind Fragen, die mich schon seit Jahren umtreiben. Weil das Leugnen
von Fakten jede Diskussion ad Absurdum führt und nur noch Frustration
erzeugt. Nun hat ein Wissenschaftler der Uni Hamburg dazu eine Antwort
formuliert: Stefan Schulreich sagt, dass es

1. Selektive Wahrnehmung (confirmation bias)
2. Überschätzung der eigenen Kompetenz (Dunning-Kruger-Effekt)
3. Stress


sind. Genaueres gibt es hier (spiegel-online bento)


Es ist an der Oberflaeche schwer zu erkennen, was bloß unwidersprochene Meinungen sind und was Fakten.
Fakten sind auch nicht unbedingt zwingende Argumente.

Wenn ich das Bier nicht kaltstelle, wird es warm werden. Jetzt gibt es Warmbier-Leugner, aber auch Leute, die mit warmem Bier kein Problem haben.
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Strangequark
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Re: Immun gegen Fakten?

Beitragvon Strangequark » Di 17. Sep 2019, 18:49

Ich denke der Hauptgrund warum so viele Menschen "immun" gegen Fakten sind ist die Tatsache das sie der eigenen Überzeugung widersprechen. Die eigene Überzeugung ist für die meisten Menschen das wichtigste im Leben und gilt als unantastbar, ein gutes Beispiel ist die Religion...

Stellen wir uns einen Menschen vor der religös erzogen wurde und sein ganzen bisheriges Leben dieser Überzeugung treu gewesen ist, stets das Paradies im Blick. Nehmen wir nun an dieser Mensch fängt eines Tages an sich intensiv mit Astronomie und Quantenphysik zu beschäftigen und beginnt zu verstehen wie der Kosmos aufgebaut und entstanden ist. Nach einiger Zeit folgt dann unweigerlich die Erkenntnis das dort kein Gott am Werke ist sondern "nur" die 4 Grundkräfte.

Was soll er tun? Sich eingestehen das er sich selbst getäuscht hat, von seinen Eltern/Verwandten/Freunden in einem Irrglauben erzogen wurde und darüber hinaus auch noch riskieren endlose Qualen im Höllenfeuer zu erleiden weil er den Glauben verliert? Ich denke dazu sind die meisten Menschen nicht fähig, deshalb fangen sie an Fakten zu ignorieren, uminterpretieren oder als Lüge zu bezeichnen welche mit einer Verschwörungstheorie gestützt wird.
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Re: Immun gegen Fakten?

Beitragvon Strangequark » Di 17. Sep 2019, 18:53

imp hat geschrieben:(17 Sep 2019, 15:01)Wenn ich das Bier nicht kaltstelle, wird es warm werden. Jetzt gibt es Warmbier-Leugner, aber auch Leute, die mit warmem Bier kein Problem haben.

Alles nur eine Frage der Definition. Wenn man einen Temperatur festlegt ab der das Bier kalt ist sollte es da eigentlich keine Zweifel mehr geben, selbst bei den Warmbier-Leugnern ;)
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Re: Immun gegen Fakten?

Beitragvon imp » Di 17. Sep 2019, 19:02

Strangequark hat geschrieben:(17 Sep 2019, 18:49)

Ich denke der Hauptgrund warum so viele Menschen "immun" gegen Fakten sind ist die Tatsache das sie der eigenen Überzeugung widersprechen. Die eigene Überzeugung ist für die meisten Menschen das wichtigste im Leben und gilt als unantastbar, ein gutes Beispiel ist die Religion...

Stellen wir uns einen Menschen vor der religös erzogen wurde und sein ganzen bisheriges Leben dieser Überzeugung treu gewesen ist, stets das Paradies im Blick. Nehmen wir nun an dieser Mensch fängt eines Tages an sich intensiv mit Astronomie und Quantenphysik zu beschäftigen und beginnt zu verstehen wie der Kosmos aufgebaut und entstanden ist. Nach einiger Zeit folgt dann unweigerlich die Erkenntnis das dort kein Gott am Werke ist sondern "nur" die 4 Grundkräfte.

Was soll er tun? Sich eingestehen das er sich selbst getäuscht hat, von seinen Eltern/Verwandten/Freunden in einem Irrglauben erzogen wurde und darüber hinaus auch noch riskieren endlose Qualen im Höllenfeuer zu erleiden weil er den Glauben verliert? Ich denke dazu sind die meisten Menschen nicht fähig, deshalb fangen sie an Fakten zu ignorieren, uminterpretieren oder als Lüge zu bezeichnen welche mit einer Verschwörungstheorie gestützt wird.

Die Grundkraefte sind vom Gott.
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Re: Immun gegen Fakten?

Beitragvon Strangequark » Di 17. Sep 2019, 19:18

imp hat geschrieben:(17 Sep 2019, 19:02)

Die Grundkraefte sind vom Gott.

Warum so bescheiden? Man könnte doch auch sagen die Grundkräfte sind Gott, ist doch viel schöner :D

Wirft aber neue problematische Fragen auf umso mehr man sich mit der Physik beschäftigt, so weiß man heute das die 4 Grundkräfte beim Urknall in einer einzigen Kraft vereint waren die sich erst mit der Abkühlung des Kosmos weiter aufgespalten hat. Wie erklärst du dir das? Bis zu Urknall ist die Entstehung des Kosmos soweit geklärt bis auf einige kleine Lücken. Wenn es einen Gott geben sollte bzw gegeben hat ist der vermutlich im Urknall gestorben ;)
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Re: Immun gegen Fakten?

Beitragvon imp » Di 17. Sep 2019, 19:51

Strangequark hat geschrieben:(17 Sep 2019, 19:18)

Warum so bescheiden? Man könnte doch auch sagen die Grundkräfte sind Gott, ist doch viel schöner :D

Wirft aber neue problematische Fragen auf umso mehr man sich mit der Physik beschäftigt, so weiß man heute das die 4 Grundkräfte beim Urknall in einer einzigen Kraft vereint waren die sich erst mit der Abkühlung des Kosmos weiter aufgespalten hat. Wie erklärst du dir das?

Quadritaetslehre. Vater, Sohn, Heilger Geist und Andrea Kiewel sind zugleich eines und nicht eines.
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Re: Immun gegen Fakten?

Beitragvon Fliege » Di 17. Sep 2019, 20:07

syna hat geschrieben:(17 Sep 2019, 13:57)
-- Warum sind wir oftmals immun gegen Fakten?
-- Warum gibt es immer noch so viele Klimawandelleugner?
-- Warum ignorieren Menschen ständig Tatsachen?

Das sind Fragen, die mich schon seit Jahren umtreiben. Weil das Leugnen von Fakten jede Diskussion ad Absurdum führt und nur noch Frustration erzeugt. Nun hat ein Wissenschaftler der Uni Hamburg dazu eine Antwort formuliert: Stefan Schulreich sagt, dass es

1. Selektive Wahrnehmung (confirmation bias)
2. Überschätzung der eigenen Kompetenz (Dunning-Kruger-Effekt)
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Man sollte erstens zwischen Fakten (dem, was ist) und Faktenbeschreibungen (Beschreibungen dessen, was ist) unterscheiden und zweitens berücksichtigen, dass Faktenbeschreibungen wahr oder falsch sein können. Entsprechend ergibt sich folgende Umformulierung deiner Eingangsfrage: Warum sind wir oftmals immun gegen Faktenbeschreibungen?

So erhebt wohl niemand einen Einwand, wenn jemand eine falsche Faktenbeschreibung nicht akzeptieren möchte. Wahre Faktenbeschreibungen werden, so steht zu vermuten, deswegen zuweilen abgelehnt, weil sie den eigenen, gegebenenfalls falschen Überzeugungen zuwiderlaufen, wobei man sich nicht durchringen kann, die eigenen Überzeugungen zur Diskussion und Disposition zu stellen.

Letzteres, also den Versuch, die eigenen Überzeugungen nicht zur Diskussion und Disposition zu stellen, charakterisiert Hans Albert in seinem Traktat über kritische Vernunft (1968) als "Immunisierung gegen Kritik" (4. Auflage, 1980, S. 30 und weitere Stellen in diesem Buch).
Medienversagen: "für den gehobenen Moralbedarf"; Migrationsdesaster: "wie ein Hippie-Staat"; Klimahysterie: "weltweit dümmste Energiepolitik".
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Re: Immun gegen Fakten?

Beitragvon Teeernte » Di 17. Sep 2019, 20:19

syna hat geschrieben:(17 Sep 2019, 13:57)

-- Warum sind wir oftmals immun gegen Fakten?
-- Warum gibt es immer noch so viele Klimawandelleugner?
-- Warum ignorieren Menschen ständig Tatsachen?



Beispiel ?

Die WELT geht unter.....160m Wasser. (Meeresspieelerhöhung)...ach nee 60 m ....auch nee ..... >> 1,6m . ...

Deswegen muss man sich von ALLEM TRENNEN.....Steaks, insbesondere Fleisch...Autos, Geld, .. Kinder >> sind gaaaanz schlecht fürs Klima.

Es wird 4 in WORTEN vier Grad wärmer.... ahso. Keine Atombomben ? ...also die haben doch GAR KEIN RISIKO....kann man sich ein paar hundert von hinlegen lassen.

Krieg ist ja garnicht schlimm...kann man sich 3 mal am Tag dran beteiligen.

KLIMAWANDEL !!! >> ist viel schlimmer als Weltuntergang ! ALARM ALARM ALARM Klimawandel . ahso......

Klimawandel.... - da wirds Nachts Dunkel von !

Jede Sekunde stirbt ein Kind - durch VERHUNGERN. Aber KLIMAWandel ist ja ..... KLIMAWANDEL !!! ALARM !

Jaaaaaa sehr bedrohlich....
Obs zu kalt, zu warm, zu trocken oder zu nass ist:.... Es immer der >>menschgemachte<< Klimawandel. :D
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Re: Immun gegen Fakten?

Beitragvon syna » Di 17. Sep 2019, 21:20

Strangequark hat geschrieben:(17 Sep 2019, 18:49)

Ich denke der Hauptgrund warum so viele Menschen "immun" gegen Fakten sind ist die Tatsache das sie der eigenen Überzeugung widersprechen. Die eigene Überzeugung ist für die meisten Menschen das wichtigste im Leben und gilt als unantastbar, ein gutes Beispiel ist die Religion...

Stellen wir uns einen Menschen vor der religös erzogen wurde und sein ganzen bisheriges Leben dieser Überzeugung treu gewesen ist, stets das Paradies im Blick. Nehmen wir nun an dieser Mensch fängt eines Tages an sich intensiv mit Astronomie und Quantenphysik zu beschäftigen und beginnt zu verstehen wie der Kosmos aufgebaut und entstanden ist. Nach einiger Zeit folgt dann unweigerlich die Erkenntnis das dort kein Gott am Werke ist sondern "nur" die 4 Grundkräfte.

Was soll er tun? Sich eingestehen das er sich selbst getäuscht hat, von seinen Eltern/Verwandten/Freunden in einem Irrglauben erzogen wurde und darüber hinaus auch noch riskieren endlose Qualen im Höllenfeuer zu erleiden weil er den Glauben verliert? Ich denke dazu sind die meisten Menschen nicht fähig, deshalb fangen sie an Fakten zu ignorieren, uminterpretieren oder als Lüge zu bezeichnen welche mit einer Verschwörungstheorie gestützt wird.


Strangequark, das ist ein schönes Beispiel einer "inneren kognitiven Dissonanz".

Jedoch gibt es auch Wissenschaftler, die sehr wohl religiös sind - und die da keine Widersprüche ausmachen.
Einstein beispielsweise war ein religiös im Sinne von Spinoza; für ihn war das Universum selbst Gott.
Man kann aber auch Gott als Schöpfer des Universums betrachten, indem man annimmt, dass Gott all das,
was wir beobachten, also der Urknall, die Zeit vor dem Urknall (obwohl es da ja gar keine Zeit gab), die Zeit
und Entwicklung nach dem Urknall usw. - als von Gott konzipiert betrachtet.

Oder anders ausgedrückt: Solange man Physik und Metaphysik auseinanderhält, gibt es zur Religion keinen
Widerspruch. Aber gut - das Beispiel selbst ist ein bißchen "off topic".

---- Aber zurück zur "inneren kognitiven Dissonanz". Ein aktuelleres Beispiel ist dieses: ---------------------------

Ein überzeugter Jünger des technischen Fortschritts hat sich gerade einen neuen SUV (=Sportic utility vehicle)
gekauft, und fährt damit sogar zum Brötchenkaufen.

Er erfährt nun, dass er damit erheblich zur Klimaerwärmung beiträgt. Das erzeugt in ihm eine "kognitive Dissonanz"
- ein starkes Unwohlsein, das unbedingt unterdrückt werden muss. Denn was nicht sein darf, kann auch nicht sein.

Um dieses Unwohlsein wieder loszuwerden - aber ohne seinen heißgeliebten SUV zu verstoßen - bekämpft
und leugnet er die Tatsache, dass er selbst zur Klimaerwärmung beiträgt. Um ganz sicher zu gehen, bestreitet er
den menschengemachten Klimawandel sogar ganz und gar - und sucht im Internet nach Bestätigungen
seiner Überzeugung.
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Re: Immun gegen Fakten?

Beitragvon syna » Di 17. Sep 2019, 21:28

Fliege hat geschrieben:(17 Sep 2019, 20:07)

Man sollte erstens zwischen Fakten (dem, was ist) und Faktenbeschreibungen (Beschreibungen dessen, was ist) unterscheiden und zweitens berücksichtigen, dass Faktenbeschreibungen wahr oder falsch sein können. Entsprechend ergibt sich folgende Umformulierung deiner Eingangsfrage: Warum sind wir oftmals immun gegen Faktenbeschreibungen?

So erhebt wohl niemand einen Einwand, wenn jemand eine falsche Faktenbeschreibung nicht akzeptieren möchte. Wahre Faktenbeschreibungen werden, so steht zu vermuten, deswegen zuweilen abgelehnt, weil sie den eigenen, gegebenenfalls falschen Überzeugungen zuwiderlaufen, wobei man sich nicht durchringen kann, die eigenen Überzeugungen zur Diskussion und Disposition zu stellen.

Letzteres, also den Versuch, die eigenen Überzeugungen nicht zur Diskussion und Disposition zu stellen, charakterisiert Hans Albert in seinem Traktat über kritische Vernunft (1968) als "Immunisierung gegen Kritik" (4. Auflage, 1980, S. 30 und weitere Stellen in diesem Buch).


Nun, Fakten sind Fakten.

Das, was Du "Faktenbeschreibungen" nennst, sind "Hypothesen". Und ja, über Hypothesen lässt sich
fröhlich und munter streiten.

Beispiel: Donald Trump wird im November Grönland kaufen.
Das ist eine Hypothese. Mancher mag daran glauben, mancher nicht. Mancher mag es für unwahr-
scheinlich halten, aber es könnte ja - unter bestimmten Umständen - so sein.

Beispiel: Wenn ich einen Stein loslasse, fällt er (hier auf der Erde) nach unten.
Das ist ein Fakt. Darüber können wir nicht streiten oder daran glauben. Es ist einfach so.

Beispiel: Die dunkle Materie besteht aus WIMPS (=Weakly interacting massive particles).
Das ist eine Hypothese. Es könnte so sein. Es könnte aber auch völlig falsch sein. Niemand weiß es,
aber jeder darf daran glauben, danach suchen, oder diese Hypothese ablehnen.

Beispiel: Der aktuelle Klimawandel ist durch uns Menschen verursacht.
Das ist ein Fakt. Darüber können wir nicht streiten oder daran glauben. Es ist einfach so.
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Re: Immun gegen Fakten?

Beitragvon Fliege » Di 17. Sep 2019, 21:32

syna hat geschrieben:(17 Sep 2019, 21:28)
Nun, Fakten sind Fakten.

Das, was Du "Faktenbeschreibungen" nennst, sind "Hypothesen". Und ja, über Hypothesen lässt sich
fröhlich und munter streiten.

Von Immunität gegen Fakten ist mir nichts bekannt. So sind Fakten auch nicht wahr oder falsch, das sind nur Faktenbeschreibungen.
Medienversagen: "für den gehobenen Moralbedarf"; Migrationsdesaster: "wie ein Hippie-Staat"; Klimahysterie: "weltweit dümmste Energiepolitik".
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syna
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Re: Immun gegen Fakten?

Beitragvon syna » Di 17. Sep 2019, 21:36

Teeernte hat geschrieben:(17 Sep 2019, 20:19)

Beispiel ?

Die WELT geht unter.....160m Wasser. (Meeresspieelerhöhung)...ach nee 60 m ....auch nee ..... >> 1,6m . ...

Deswegen muss man sich von ALLEM TRENNEN.....Steaks, insbesondere Fleisch...Autos, Geld, .. Kinder >> sind gaaaanz schlecht fürs Klima.

Es wird 4 in WORTEN vier Grad wärmer.... ahso. Keine Atombomben ? ...also die haben doch GAR KEIN RISIKO....kann man sich ein paar hundert von hinlegen lassen.

Krieg ist ja garnicht schlimm...kann man sich 3 mal am Tag dran beteiligen.

KLIMAWANDEL !!! >> ist viel schlimmer als Weltuntergang ! ALARM ALARM ALARM Klimawandel . ahso......

Klimawandel.... - da wirds Nachts Dunkel von !

Jede Sekunde stirbt ein Kind - durch VERHUNGERN. Aber KLIMAWandel ist ja ..... KLIMAWANDEL !!! ALARM !

Jaaaaaa sehr bedrohlich....


Jaaa, gut gut! Du bringst ein schönes Beispiel, in dem alles durcheinandergeht,
und in welchem jemand alle Bewertungsmaßstäbe verloren hat. Gerade dann ist
es ja um so wichtiger, auf das zu hören, was die Wissenschaftler - an Fakten(!) -
vortragen.

Aber warum werden diese Fakten oft nicht gehört, überhört - oder gar geleugnet?

---- Ist es die Überfrachtung - durch das Internet mit Nachrichten - und mit allen
möglichen Szenarien (wie Du es hier andeutest)?

---- Ist es die Unfähigkeit Nachrichten einzuordnen - und die vertrauenswürdigen
Nachrichten bzw. Fakten von den Fakes zu unterscheiden?

---- Hat unser Schulsystem an dieser Stelle versagt?
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Re: Immun gegen Fakten?

Beitragvon Teeernte » Di 17. Sep 2019, 21:40

Fliege hat geschrieben:(17 Sep 2019, 20:07)

Man sollte erstens zwischen Fakten (dem, was ist) und Faktenbeschreibungen (Beschreibungen dessen, was ist) unterscheiden und zweitens berücksichtigen, dass Faktenbeschreibungen wahr oder falsch sein können. Entsprechend ergibt sich folgende Umformulierung deiner Eingangsfrage: Warum sind wir oftmals immun gegen Faktenbeschreibungen?.



Warum sind die immun gegen Fakten...


Verkehrsmittel C02 pro KM
Fahrrad 5 Gramm
Pedelec 25 Gramm
Diesel-Bus 51 Gramm
E-Scooter 126 Gramm

VW Polo TDI Bluem. 80 PS 106 Gramm
Obs zu kalt, zu warm, zu trocken oder zu nass ist:.... Es immer der >>menschgemachte<< Klimawandel. :D
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Re: Immun gegen Fakten?

Beitragvon Teeernte » Di 17. Sep 2019, 22:06

syna hat geschrieben:(17 Sep 2019, 21:36)

Jaaa, gut gut! Du bringst ein schönes Beispiel, in dem alles durcheinandergeht,
und in welchem jemand alle Bewertungsmaßstäbe verloren hat. Gerade dann ist
es ja um so wichtiger, auf das zu hören, was die Wissenschaftler - an Fakten(!) -
vortragen.

Aber warum werden diese Fakten oft nicht gehört, überhört - oder gar geleugnet?

---- Ist es die Überfrachtung - durch das Internet mit Nachrichten - und mit allen
möglichen Szenarien (wie Du es hier andeutest)?

---- Ist es die Unfähigkeit Nachrichten einzuordnen - und die vertrauenswürdigen
Nachrichten bzw. Fakten von den Fakes zu unterscheiden?

---- Hat unser Schulsystem an dieser Stelle versagt?


Welcher Wissenschaftler soll sagen - was gefährlichER ist ?

Strassenverkehr ? Ärztepfusch ? Nahrung ? Terror ? Krieg Altersschwäche..... Stimmt KLIEEEEEEMAWANDEL !!

Man geht raus - zack ist man tot. Der Klimawandel hat einen getroffen.

Die Meeresspiegelerhöhung - Zahlen sind Zahlen von Wissenschaftlern !! Erst 160m .....Apokalypse...dann 1,60 - in 100 Jahren......also dass Was an Ebbe und Flut in wenigen Stunden passiert - die Hälfte ....verteilt auf 100 Jahre. Sehr verheeerend !

Was gibts noch an Fakten ? 2 Grad Erderwärmung in 30 Jahren . - 2 m über dem Erdboden - Lufttemperatur. Ja - sehr schlimm.

Die Frage - wie alt ist der ALARM "Empfänger" >> Wie oft ist der schon "fast" Gestorben - >> Wie oft hat der schon ALAAAAAARM gehört ?

Einem vor 1940 geborenem braust Du also von GEFAHR und ALARM >> durch Aussentemperaturerhöhung von 2 ...4 Grad nicht kommen.
Die haben im Keller gesessen - und es hat die Väter im Krieg erwischt.

Meine Generation ist von Atomkriegpropaganda und - wer gedient hat .....ausreichend ALARM gezeichnet.

Leute , die am Anfang im Osten demonstriert haben - haben in Gewehrläufe geschaut.... das Risiko eines "Himmlischen Friedens" (erschossen zu werden) war für DIE sehr hoch.

Nur mal nebenbei .....wer umweltfreundlich lebt - kein Auto hat - und NATÜRLICH >>KEINE KINDER ZEUGT (Umweltbelastung NUMMER 1) >> warum soll DER sich vor IRGENDWAS "Fürchten" ? Ahhhh stimmt - Klimawandel. Es wird ja 2 Grad wärmer 2m über der Grasnarbe. Schlimm ....

Nun die Frage ist - was ist die grössere Gefahr - das umweltgerechte vegane Leben in der TONNE (Diogenes in der Tonne) - oder das Leben mit KLIMAWANDEL ?? - für sich selbst gefragt.
Obs zu kalt, zu warm, zu trocken oder zu nass ist:.... Es immer der >>menschgemachte<< Klimawandel. :D
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Re: Immun gegen Fakten?

Beitragvon syna » Di 17. Sep 2019, 23:14

Teeernte hat geschrieben:(17 Sep 2019, 22:06)

Welcher Wissenschaftler soll sagen - was gefährlichER ist ?
Strassenverkehr ? Ärztepfusch ? Nahrung ? Terror ? Krieg Altersschwäche..... Stimmt KLIEEEEEEMAWANDEL !!
Man geht raus - zack ist man tot. Der Klimawandel hat einen getroffen.
...


Ahjaaa - es scheint also unser Schulsystem zu sein.
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Re: Immun gegen Fakten?

Beitragvon Kritikaster » Mi 18. Sep 2019, 00:02

syna hat geschrieben:(17 Sep 2019, 13:57)

-- Warum sind wir oftmals immun gegen Fakten?
-- Warum gibt es immer noch so viele Klimawandelleugner?
-- Warum ignorieren Menschen ständig Tatsachen?

Das sind Fragen, die mich schon seit Jahren umtreiben. Weil das Leugnen
von Fakten jede Diskussion ad Absurdum führt und nur noch Frustration
erzeugt. Nun hat ein Wissenschaftler der Uni Hamburg dazu eine Antwort
formuliert: Stefan Schulreich sagt, dass es

1. Selektive Wahrnehmung (confirmation bias)
2. Überschätzung der eigenen Kompetenz (Dunning-Kruger-Effekt)
3. Stress

sind. Genaueres gibt es hier (spiegel-online bento)

Da will ich mal hoffen, dass Herr Schulreich für seine Erkenntnisse nicht extra bezahlt wurde.

Es ist für mich schwer vorstellbar, dass die von Dir aufgezählten 3 Punkte irgendwem nicht vorher bereits klar waren.
Der am höchsten entwickelte Sinn ist der Unsinn. (Peter E. Schumacher)
Wo der Sinn aufhört, beginnt der Wahnsinn. (Erhard Horst Bellermann)
Ger9374

Re: Immun gegen Fakten?

Beitragvon Ger9374 » Mi 18. Sep 2019, 05:44

Erkenntnisse stellen diese drei Punkte wahrlich nicht da.
Für mich stellen sich Fakten nicht als unumstössliche Warheiten dar.
Fakten sind das Ergebnis Des derzeitigen Forschungs und Wissenstandes.
Dieser ist bekanntlich auch in ständiger bewegung.
Absolute Warheiten sehe ich als Utopisch an.
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Re: Immun gegen Fakten?

Beitragvon John Galt » Mi 18. Sep 2019, 07:19

Ein Großteil der Fakten in politischen Diskussionen werden gar nicht oder nur selektiv erhoben.
Civilization is the progress toward a society of privacy. The savage’s whole existence is public, ruled by the laws of his tribe. Civilization is the process of setting man free from men.
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Re: Immun gegen Fakten?

Beitragvon Dark Angel » Mi 18. Sep 2019, 10:33

syna hat geschrieben:(17 Sep 2019, 21:28)

Nun, Fakten sind Fakten.

Das, was Du "Faktenbeschreibungen" nennst, sind "Hypothesen". Und ja, über Hypothesen lässt sich
fröhlich und munter streiten.


Beispiel: Donald Trump wird im November Grönland kaufen.
Das ist eine Hypothese. Mancher mag daran glauben, mancher nicht. Mancher mag es für unwahr-
scheinlich halten, aber es könnte ja - unter bestimmten Umständen - so sein.

Beispiel: Wenn ich einen Stein loslasse, fällt er (hier auf der Erde) nach unten.
Das ist ein Fakt. Darüber können wir nicht streiten oder daran glauben. Es ist einfach so.

Beispiel: Die dunkle Materie besteht aus WIMPS (=Weakly interacting massive particles).
Das ist eine Hypothese. Es könnte so sein. Es könnte aber auch völlig falsch sein. Niemand weiß es,
aber jeder darf daran glauben, danach suchen, oder diese Hypothese ablehnen.

Beispiel: Der aktuelle Klimawandel ist durch uns Menschen verursacht.
Das ist ein Fakt. Darüber können wir nicht streiten oder daran glauben. Es ist einfach so.

Falsch! Fakten sind Tatsachen, sind vorhanden und nachweisbar.
Beschreibungen dieser Fakten/Tatsachen ergeben sich aus diesen Tatsachen, sind Schlussfolgerungen, Hypothesen, Thesen/Behauptungen.
Über Hypothesen kann man diskutieren, Thesen/Behauptungen müssen bewiesen oder widerlegt werden.

Zu deinem letzen Beispiel: Tatsache/Fakt ist lediglich, DASS sich aktuell ein Klimawandel vollzieht.
Dass dieser Klimawandel durch den Menschen verursacht wurde, ist eine These/Behauptung, die z.Zt. weder belegt, noch widerlegt ist.
Belegt - also Fakt/Tatsache - ist nur dass der Mensch diesen Klimawandel beeinflusst - im welchem Umfang, ist wiederum unbekannt.
Gegen die menschliche Dummheit sind selbst die Götter machtlos.

Moralische Entrüstung ist der Heiligenschein der Scheinheiligen

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