Abtreibungen mit Downsyndrom?

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Abtreibungen bei Kindern mit Downsyndrom?

Eher moralisch richtig (würde ich tun)
23
40%
Eher moralisch richtig (würde ich trotzdem nicht tun)
0
Keine Stimmen
Eher Unmoralisch (würde ich trotzdem tun)
8
14%
Eher Unmoralisch (würde ich nicht tun)
18
31%
Enthaltung
9
16%
 
Abstimmungen insgesamt: 58
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Re: Abtreibungen mit Downsyndrom?

Beitragvon Bartleby » Di 14. Jan 2020, 11:10

JJazzGold hat geschrieben:(14 Jan 2020, 10:49)

Das Naturgesetz kennt keine Ethik. ;)


Eben, und darum kann man die Warum-Frage hier nicht mit "Das ist so" beantworten. :)
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Re: Abtreibungen mit Downsyndrom?

Beitragvon Selina » Di 14. Jan 2020, 11:24

Das Thema gehört meines Erachtens nicht in den öffentlichen Diskurs. Weil das ganz alleine Sache der Eltern und in erster Linie der schwangeren Frau ist. Ich ziehe den Hut vor Frauen, die sich bewusst für das Kind mit Downsyndrom entscheiden. Aber ich verstehe auch die Frauen, die sich für einen Abbruch entscheiden, weil sie sich mit einem solchen Kind überfordert fühlen. Wichtig wäre natürlich in jedem Falle eine genaue Diagnose zuvor. Wegen der Schwere der Behinderung. Downsyndrom ist nicht gleich Downsyndrom.
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Re: Abtreibungen mit Downsyndrom?

Beitragvon Dark Angel » Di 14. Jan 2020, 11:55

lili hat geschrieben:(13 Jan 2020, 21:14)

Das jede kleine Einschränkung gefunden wird und dass sie gedrängt werden abzutreiben.

Du hast meine Frage immer noch nicht beantwortet!
Jetzt zum dritten Mal:
Nein, in meinem Post geht es um die Erforschung von Möglichkeiten, in Zukunft genetisch bedingte Behinderungen frühzeitig beheben zu können!

Welche "ethische Grenze" sollte es denn bei der frühzeitigen Behebung genetisch bedingter Behinderungen geben?


Was verstehst Du an frühzeitigen Behebung genetisch bedingter Behinderungen eigentlich nicht?
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Re: Abtreibungen mit Downsyndrom?

Beitragvon Bartleby » Di 14. Jan 2020, 11:57

Selina hat geschrieben:(14 Jan 2020, 11:24)

Das Thema gehört meines Erachtens nicht in den öffentlichen Diskurs. Weil das ganz alleine Sache der Eltern und in erster Linie der schwangeren Frau ist. Ich ziehe den Hut vor Frauen, die sich bewusst für das Kind mit Downsyndrom entscheiden. Aber ich verstehe auch die Frauen, die sich für einen Abbruch entscheiden, weil sie sich mit einem solchen Kind überfordert fühlen. Wichtig wäre natürlich in jedem Falle eine genaue Diagnose zuvor. Wegen der Schwere der Behinderung. Downsyndrom ist nicht gleich Downsyndrom.


Aha. Bioethik ist also eine Angelegenheit für geschlossene Räume. Das ist auch mal ein Statement.

Die Wirklichkeit sieht aber etwas anders aus - der Staat hat sogar einen Ethikrat, der sich mit solchen Fragen beschäftigt. Warum die Frage dann nicht öffentlich diskutiert werden soll, müssten Sie noch etwas genauer darlegen.
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Re: Abtreibungen mit Downsyndrom?

Beitragvon Dark Angel » Di 14. Jan 2020, 11:58

lili hat geschrieben:(13 Jan 2020, 21:09)

Doch es zeigt wie die Gesellschaft mit schwachen Menschen umgeht. Damit meine ich nicht explizit die Eltern sondern die Gesellschaft an sich.

Nein, das zeigt NUR, dass werdende Eltern das Recht auf freie und selbstbestimmte Entscheidung haben, OB sie ein schwer bis schwerst behindertes Kind aufziehen wollen.
Es geht IMMER NOCH um schwere bzw schwerste Behinderungen und NICHT um Schwächen. Down Syndrom/Trisomie 21 ist KEINE Schwäche sondern eine schwere bis schwerste Behinderung!
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Re: Abtreibungen mit Downsyndrom?

Beitragvon Selina » Di 14. Jan 2020, 12:00

Bartleby hat geschrieben:(14 Jan 2020, 11:57)

Aha. Bioethik ist also eine Angelegenheit für geschlossene Räume. Das ist auch mal ein Statement.

Die Wirklichkeit sieht aber etwas anders aus - der Staat hat sogar einen Ethikrat, der sich mit solchen Fragen beschäftigt. Warum die Frage dann nicht öffentlich diskutiert werden soll, müssten Sie noch etwas genauer darlegen.


Und was sagt der Ethikrat zum Schwangerschafts-Abbruch bei Downsyndrom? Es gab ja Diskussionen, ob der Test zum Downsyndrom (Trisomie 21) eine kassenärztliche Leistung werden soll. Aber ansonsten sehen es die Fachleute so, wie ich oben schon sagte: Das entscheidet die Schwangere, ob sie das Kind austrägt oder nicht.
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Re: Abtreibungen mit Downsyndrom?

Beitragvon Bartleby » Di 14. Jan 2020, 12:17

Selina hat geschrieben:(14 Jan 2020, 12:00)

Und was sagt der Ethikrat zum Schwangerschafts-Abbruch bei Downsyndrom? Es gab ja Diskussionen, ob der Test zum Downsyndrom (Trisomie 21) eine kassenärztliche Leistung werden soll. Aber ansonsten sehen es die Fachleute so, wie ich oben schon sagte: Das entscheidet die Schwangere, ob sie das Kind austrägt oder nicht.

Vielleicht wollen Sie ja dann meine wiederholt gestellte Frage beantworten.

Jeder, der gebären/zeugen kann, könnte in diese Situation geraten. Auch wer Kinder und Enkel im entsprechenden Alter hat, könnte damit konfrontiert und um Rat gefragt werden.
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Re: Abtreibungen mit Downsyndrom?

Beitragvon Selina » Di 14. Jan 2020, 12:35

Bartleby hat geschrieben:(14 Jan 2020, 12:17)

Vielleicht wollen Sie ja dann meine wiederholt gestellte Frage beantworten.

Jeder, der gebären/zeugen kann, könnte in diese Situation geraten. Auch wer Kinder und Enkel im entsprechenden Alter hat, könnte damit konfrontiert und um Rat gefragt werden.


Selbstverständlich können medizinethische oder bioethische Fragen diskutiert werden. Nur gibt es zum Schwangerschaftsabbruch in Deutschland klare rechtliche Regelungen, auch für einen Spätabbruch. Was könnte die Erörterung ethischer Fragen da noch bringen? Ist ja nichts offen, außer, dass Gynäkologen immer noch vor den Kadi zitiert werden, wenn sie öffentliche Informationen zum Verlauf und zu den Bedingungen eines Abbruches auf ihre Internetseiten stellen. Diese Beschränkungen und Verfolgungen gehören natürlich abgeschafft. Auch hier gäbe es eine ethische Komponente, das stimmt. Aber welche ethischen Fragen zum Abbruch einer Schwangerschaft bei Trisomie 21 sind noch offen bzw. sehen Sie?
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Re: Abtreibungen mit Downsyndrom?

Beitragvon Bartleby » Di 14. Jan 2020, 12:40

Selina hat geschrieben:(14 Jan 2020, 12:35)

Selbstverständlich können medizinethische oder bioethische Fragen diskutiert werden. Nur gibt es zum Schwangerschaftsabbruch in Deutschland klare rechtliche Regelungen, auch für einen Spätabbruch. Was könnte die Erörterung ethischer Fragen da noch bringen?


Homosexualität war bis vor nicht langer Zeit strafbar. Klare Rechtslage also. Nach Ihrer Einlassung hier hätte die Erörterung ethischer Fragen dazu nichts mehr gebracht.

Selina hat geschrieben:(14 Jan 2020, 12:35)
Ist ja nichts offen, außer, dass Gynäkologen immer noch vor den Kadi zitiert werden, wenn sie öffentliche Informationen zum Verlauf und zu den Bedingungen eines Abbruches auf ihre Internetseiten stellen. Diese Beschränkungen und Verfolgungen gehören natürlich abgeschafft. Auch hier gäbe es eine ethische Komponente, das stimmt. Aber welche ethischen Fragen zum Abbruch einer Schwangerschaft bei Trisomie 21 sind noch offen bzw. sehen Sie?

Die Frage, die ich heute morgen zum wiederholten Male gestellt habe (an die Userin DA dieses Mal ganz speziell.)

https://www.politik-forum.eu/viewtopic.php?p=4645768#p4645768
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Re: Abtreibungen mit Downsyndrom?

Beitragvon Dark Angel » Di 14. Jan 2020, 12:53

Bartleby hat geschrieben:(14 Jan 2020, 08:42)

Mit dieser Aussage sind Sie dann absolut prädestiniert, die Frage zu beantworten, warum die Entscheidung zur Einleitung der Geburt eines lebensfähigen Fötus und Töten durch vorherige Injektion von Kaliumchlorid zu dieser absoluten Freiheit gehört, diese jedoch endet, wenn das Töten unmittelbar nach der Geburt im Falle der gleichen Behinderung oder einer anderen, schwereren zuvor nicht diagnostizierten verlangt würde.

Selbst Ihre Aussage über die Freiheit der Eltern "Das ist so!" die Sie hier wiederholt in den Raum geschmettert haben dürfte hinterfragt werden, gerade bei Ihnen, die andere gerne mit dem Sein-Sollen-Fehlschluss traktiert. ;) Diese Freiheit kann moralisch hinterfragt werden. Ich persönlich tue es nicht, aber die entsprechende Ethik, die dieser Freiheit zugrunde liegt, ist kein Naturgesetz.

Dazu erstmal folgendes: Bluttests zur Feststellung von Down Syndrom werden ab der 21. SSW durchgeführt. Zu diesem Zeitpunkt ist der Fetus NICHT ohne (hohen) Einsatz intensivmedizinischer, medizintechnischer Hilfe möglich, weil die Funktionsfähigkeit mehrerer Orgne (Lunge, Gehirn, Verdauungstrakt) zu diesem Zeitpunkt nicht gegeben ist. ==> die genannten Organe sind die letzten, die sich entwickeln und ihre (volle) Funktionsfähigkeit erst in der letzten 6 bzw 4 Wochen erlangen.
"Lebensfähig" ist in diesem Zusammenhang ein sehr relativer Begriff.
Hinzu kommt, dass sich die Bindung der Schwangeren an das werdende Kind erst entwickelt/entwickeln muss und dies "passiert" etwa ab diesem Zeitpunkt (20./21.SSW), wenn die ersten Kindesbewegungen spürbar werden. Ausgelöst werden diese (engen) Beziehungen u.a. durch eine Umstellung des Hormonhaushaltes der Frau - d.h. je weiter die Schwangerschaft fortschreitet, um so schwerer fällt es der Frau, eine Entscheidung FÜR eine Abtreibung zu treffen.
Von "absoluter Freiheit" kann also keine Rede sein.
In jedem Fall bedeutet a) die Mitteilung der Diagnose Down Syndrom UND b) die Entscheidung für oder gegen eine Spätabtreibung bei Diagnose Down Syndrom für die Frau/die Eltern eine schwere psychische Belastung - einerseits die Diagnose zu verarbeiten und andererseits abzuwägen, ob man fähig und in der Lage ist physisch und psychisch, sein Leben der Situation unterzuordnen.

Und natürlich spielen bei der Entscheidungsfindung ganz individuelle moralische Sichtweisen eine Rolle.
Es können und dürfen aber auch nur ganz persönliche moralische Sichtweisen und Abwägen der ganz persönlichen Faktoren eine Rolle spielen und KEIN " was denken die anderen von mir, wie sieht das 'die Gesellschaft'", weil andere bzw die Gesellschaft, die Situation nicht bewältigen müssen.

"Warum nicht nach der Geburt" resultiert u.a. aus der angesprochenen Entwicklung einer sehr engen Beziehung/Bindung zwichen der Schwangeren und dem "werdendem" Kind. Kaum eine Frau ist fähig, sich von dem Kind, das sie geboren hat, zu trennen - völlig unabhängig davon, ob die Mitteilung einer schweren oder schwersten Behinderung des Kindes für die Mutter ein traumatisches Erlebnis/eine enorme psychische Belastung darstellt oder nicht.

Von "moralisch besser" können daher - sorry - nur Männer (oder Frauen) schwafeln, die nie eine Schwangerschaft (am eigenen) Leib erlebt haben.
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Re: Abtreibungen mit Downsyndrom?

Beitragvon Bartleby » Di 14. Jan 2020, 12:56

Ich kann die Frage aber auch in eine These umwandeln:

Wenn die Spätabtreibung eines lebensfähigen Embryos mit Trisomie 21 aufgrund der Entscheidungsfreiheit der Mutter/Eltern keine unmoralische Handlung der Mutter/Eltern und des Arztes darstellt, stellt die Tötung eines Neugeborenen nach der Geburt, das diese Merkmale aufweist, ebenso keine unmoralische Handlung dar, sofern die Tests, die zur Festellung des Merkmals geeignet gewesen wären, zuvor durchgeführt wurden.

Und um Sophismen vorzubeugen: Wenn es unmoralisch aber trotzdem gerechtfertigt sein sollte, dann müsste man angeben können, weshalb es unmoralisch ist.
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Re: Abtreibungen mit Downsyndrom?

Beitragvon Dark Angel » Di 14. Jan 2020, 12:59

Selina hat geschrieben:(14 Jan 2020, 11:24)

Das Thema gehört meines Erachtens nicht in den öffentlichen Diskurs. Weil das ganz alleine Sache der Eltern und in erster Linie der schwangeren Frau ist. Ich ziehe den Hut vor Frauen, die sich bewusst für das Kind mit Downsyndrom entscheiden. Aber ich verstehe auch die Frauen, die sich für einen Abbruch entscheiden, weil sie sich mit einem solchen Kind überfordert fühlen. Wichtig wäre natürlich in jedem Falle eine genaue Diagnose zuvor. Wegen der Schwere der Behinderung. Downsyndrom ist nicht gleich Downsyndrom.

Die ist eben nicht festtellbar, nur ob überhaupt Down Syndrom/Trisomie21 vorliegt.
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Re: Abtreibungen mit Downsyndrom?

Beitragvon Selina » Di 14. Jan 2020, 13:08

Bartleby hat geschrieben:(14 Jan 2020, 12:56)

Ich kann die Frage aber auch in eine These umwandeln:

Wenn die Spätabtreibung eines lebensfähigen Embryos mit Trisomie 21 aufgrund der Entscheidungsfreiheit der Mutter/Eltern keine unmoralische Handlung der Mutter/Eltern und des Arztes darstellt, stellt die Tötung eines Neugeborenen nach der Geburt, das diese Merkmale aufweist, ebenso keine unmoralische Handlung dar, sofern die Tests, die zur Festellung des Merkmals geeignet gewesen wären, zuvor durchgeführt wurden.

Und um Sophismen vorzubeugen: Wenn es unmoralisch aber trotzdem gerechtfertigt sein sollte, dann müsste man angeben können, weshalb es unmoralisch ist.


Dazu hat DA eigentlich schon alles gesagt. Ich stimme ihr da vollkommen zu. Außerdem sind die Begriffe "unmoralisch" und "moralisch" relativ. So ist für den einen höchst "moralisch", was er tut, während dieselbe Handlung von anderen Menschen unter Umständen als "unmoralisch" eingestuft werden kann. Je nachdem, wie das entsprechende Wertesystem bei demjenigen angelegt ist, der sich zum Sachverhalt äußert. Zutiefst religiöse Menschen etwa denken über Schwangerschaftsabbruch etwas anderes als atheistische. Und nochmal: Was eine Frau zusammen mit ihren Angehörigen alles durchmachen muss mit dieser Schwangerschafts-Diagnose (Trisomie 21) und zu welcher persönlichen Entscheidung die Frau dann kommt, das sollte sich jeder Bewertung von Dritten entziehen.
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Re: Abtreibungen mit Downsyndrom?

Beitragvon Dark Angel » Di 14. Jan 2020, 13:13

Bartleby hat geschrieben:(14 Jan 2020, 12:56)

Ich kann die Frage aber auch in eine These umwandeln:

Wenn die Spätabtreibung eines lebensfähigen Embryos mit Trisomie 21 aufgrund der Entscheidungsfreiheit der Mutter/Eltern keine unmoralische Handlung der Mutter/Eltern und des Arztes darstellt, stellt die Tötung eines Neugeborenen nach der Geburt, das diese Merkmale aufweist, ebenso keine unmoralische Handlung dar, sofern die Tests, die zur Festellung des Merkmals geeignet gewesen wären, zuvor durchgeführt wurden.

Und um Sophismen vorzubeugen: Wenn es unmoralisch aber trotzdem gerechtfertigt sein sollte, dann müsste man angeben können, weshalb es unmoralisch ist.

Sorry, aber von moralisch oder unmoralisch können nur diejenigen schwätzen, die nie in einer solchen oder ähnlichen Situation waren, die gar nicht ermessen können, welche psychische Belastung es für die Frau UND deren Angehörige es bdeutet, vor eine solche Entscheidung gestellt zu werden bzw in die Lage versetzt werden, einen Rat geben zu sollen, aber nicht zu können, weil ausnahmslos jeder Rat, der falsche ist.

Für die Betroffenen ist das weniger eine Frage der Moral, sondern viel mehr "bin ich der, sich ergebenden, Situation physisch und psychisch gewachsen".

Niemand Außenstehendes hat das Recht, mit dem moralischen Zeigefinger zu winken.
Hier gebe ich der Userin Selina ausnahmsweise mal Recht - eine Diskussion um eine moralische Rechtfertigung der Spätabtreibung bei Diagnose Down Syndrom gehört nicht in die Öffentlichkeit, da hat auch kein so genannter Ethikrat (in dem der "Klerus" großen Einfluss ausübt) moralische Werturteile zu fällen.
Was "die Gesellschaft" in diesem Zusammenhang tun kann/muss, ist bestmögliche Diagnosemethoden und -techniken UND Beratungsmöglichkeiten zur Verfügung zu stellen.
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Re: Abtreibungen mit Downsyndrom?

Beitragvon Bartleby » Di 14. Jan 2020, 13:13

Dark Angel hat geschrieben:(14 Jan 2020, 12:53)


Und natürlich spielen bei der Entscheidungsfindung ganz individuelle moralische Sichtweisen eine Rolle.


Da ich auf dem Sprung bin, verkürze ich für den Augenblick mal radikal.

Sie widersprechen hier Ihren eigenen Ansätzen, die Sie in Strängen über Kultur oder Identität vertreten, weil Sie moralische Sichtweisen von soziokulturellen Abhängigkeiten freistellen und plötzlich ins rein Subjektive verlegen. Ich komme mal in einem entsprechenden Strang bei Gelegenheit darauf zurück. Die individuelle Moral wird sich sehr stark danach richten, in welchem Umfeld jemand aufgewachsen ist und lebt, aber natürlich auch nach der individuellen Belastbarkeit und Emotionalität. Aber die gibt's nicht in einem moralischen Vakuum. Und der Gesetzgeber sollte vielleicht versuchen, möglichst viel Kriterien mit möglichst wenig vorgefertigtem ideologischem Input in Recht zu gießen.

Dark Angel hat geschrieben:(14 Jan 2020, 12:53)
Von "moralisch besser" können daher - sorry - nur Männer (oder Frauen) schwafeln, die nie eine Schwangerschaft (am eigenen) Leib erlebt haben.


?
Stand das irgendwo bei mir? Würde mich wundern, wenn ich irgendwo so ein Urteil abgegeben hätte.

Aber auch so: Männer mögen nicht von Kindern entbunden werden, aber das entbindet sie auch nicht vom Nachdenken über Ethik und Moral.
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Re: Abtreibungen mit Downsyndrom?

Beitragvon Bartleby » Di 14. Jan 2020, 13:18

Dark Angel hat geschrieben:(14 Jan 2020, 13:13)

Sorry, aber von moralisch oder unmoralisch können nur diejenigen schwätzen, die nie in einer solchen oder ähnlichen Situation waren, die gar nicht ermessen können, welche psychische Belastung es für die Frau UND deren Angehörige es bdeutet, vor eine solche Entscheidung gestellt zu werden bzw in die Lage versetzt werden, einen Rat geben zu sollen, aber nicht zu können, weil ausnahmslos jeder Rat, der falsche ist.



Und da Sie alles über mich wissen, dürfen Sie mich auch so anmachen.

Da geb ich umgekehrt mal der Userin Selina recht: Ihre Art, andere angehen, und das zieht sich durch den ganzen Strang hier, ist einfach unterirdisch. Wenn Ihnen aus persönlichen Gründen permanent die Emotionen durchgehen, dann lassen Sie es sein. Die Fragen, die ich gestellt habe, sind zur Sache, und nicht zu irgendwelchen Personen. Ich schätze Ihre Informationen und Gedanken, aber die Art und Weise, wie Sie sie vortragen, ist unter aller Sau.

Und dann soll man wegen mir den Strang halt schließen. Ich hab's satt, mich hier dermaßen blöd anmachen zu lassen.
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Re: Abtreibungen mit Downsyndrom?

Beitragvon Selina » Di 14. Jan 2020, 13:19

Dark Angel hat geschrieben:(14 Jan 2020, 12:59)

Die ist eben nicht festtellbar, nur ob überhaupt Down Syndrom/Trisomie21 vorliegt.


Die Schwere der Trisomie 21 ist nicht feststellbar? Da bin ich mir nicht so sicher. Aber nicht, weil ich dir in diesem Punkt widersprechen will, sondern, weil ich es einfach nicht genau weiß. Hab gerade ein wenig gegoogelt danach und fand die Beschreibung von feststellbaren Symptomen vor und nach der Geburt. Wobei derzeit vor der Geburt offenbar wirklich - wie du sagst - keine allzu genaue Aussagen zur Schwere der Behinderung getroffen werden können. Aber unterschieden wird da schon zwischen "davor" und "danach":

https://de.wikipedia.org/wiki/Down-Synd ... C3%A4natal)
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Re: Abtreibungen mit Downsyndrom?

Beitragvon Selina » Di 14. Jan 2020, 13:29

Bartleby hat geschrieben:(14 Jan 2020, 13:13)

Da ich auf dem Sprung bin, verkürze ich für den Augenblick mal radikal.

Sie widersprechen hier Ihren eigenen Ansätzen, die Sie in Strängen über Kultur oder Identität vertreten, weil Sie moralische Sichtweisen von soziokulturellen Abhängigkeiten freistellen und plötzlich ins rein Subjektive verlegen. Ich komme mal in einem entsprechenden Strang bei Gelegenheit darauf zurück. Die individuelle Moral wird sich sehr stark danach richten, in welchem Umfeld jemand aufgewachsen ist und lebt, aber natürlich auch nach der individuellen Belastbarkeit und Emotionalität. Aber die gibt's nicht in einem moralischen Vakuum. Und der Gesetzgeber sollte vielleicht versuchen, möglichst viel Kriterien mit möglichst wenig vorgefertigtem ideologischem Input in Recht zu gießen.



?
Stand das irgendwo bei mir? Würde mich wundern, wenn ich irgendwo so ein Urteil abgegeben hätte.

Aber auch so: Männer mögen nicht von Kindern entbunden werden, aber das entbindet sie auch nicht vom Nachdenken über Ethik und Moral.


Sicher können Sie über so etwas nachdenken. Warum auch nicht. Allerdings fehlt mir eine These von Ihnen zum Thema. Was Sie selbst zum Abbruch einer solchen Schwangerschaft (Trisomie 21) denken, haben Sie meines Erachtens noch nicht gesagt. Also zumindest nicht sehr deutlich. Sie kleideten ihre Ansichten dazu immer in Fragen, aber was genau Sie selbst denken, hab ich noch nicht gefunden. Kann aber auch an mir liegen.
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Re: Abtreibungen mit Downsyndrom?

Beitragvon Dark Angel » Di 14. Jan 2020, 13:50

Selina hat geschrieben:(14 Jan 2020, 13:19)

Die Schwere der Trisomie 21 ist nicht feststellbar? Da bin ich mir nicht so sicher. Aber nicht, weil ich dir in diesem Punkt widersprechen will, sondern, weil ich es einfach nicht genau weiß. Hab gerade ein wenig gegoogelt danach und fand die Beschreibung von feststellbaren Symptomen vor und nach der Geburt. Wobei derzeit vor der Geburt offenbar wirklich - wie du sagst - keine allzu genaue Aussagen zur Schwere der Behinderung getroffen werden können. Aber unterschieden wird da schon zwischen "davor" und "danach":

https://de.wikipedia.org/wiki/Down-Synd ... C3%A4natal)

Ich habe HIER eine recht interessante Seite gefunden, auf der recht ausführlich erläutert wird, was ein Bluttest leisten kann und was nicht.
Soweit ich das verstanden habe, wird davon abgeraten, sich ausschließlich auf dessen Ergebnisse zu verlassen, sondern bei positivem Befund, weitere Untersuchungen durchführen zu lassen. Wie genau diese sind, steht da nicht.
Genauso interessant ist aber auch, von wem die Ethik-Diskussion "angeschoben" wurde:

"Nicht-invasive vorgeburtliche Tests verstärkten die Tendenz, eine Schwangerschaft zuerst als "Schwangerschaft auf Probe" zu betrachten, sagte der DBK-Sprecher weiter. "Das lehnen wir aufgrund der Schutzwürdigkeit jedes menschlichen Lebens ab dem Zeitpunkt der Zeugung ab." Besonders bedauerlich sei, dass die Kostenübernahme nicht auf eine Anwendung der Tests nach der 12. Schwangerschaftswoche beschränkt worden sei, sagte Kopp. "Die frühe Anwendung der Tests erhöht das Risiko eines Abtreibungsmechanismus weiter, da sich eine Frau nach einem positiven Testergebnis für einen Schwangerschaftsabbruch nach der Beratungslösung entscheiden kann, ohne die Gründe dafür im Beratungsgespräch offenbaren zu müssen."
Quelle
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Re: Abtreibungen mit Downsyndrom?

Beitragvon Dark Angel » Di 14. Jan 2020, 14:08

Bartleby hat geschrieben:(14 Jan 2020, 13:18)

Und da Sie alles über mich wissen, dürfen Sie mich auch so anmachen.

Da geb ich umgekehrt mal der Userin Selina recht: Ihre Art, andere angehen, und das zieht sich durch den ganzen Strang hier, ist einfach unterirdisch. Wenn Ihnen aus persönlichen Gründen permanent die Emotionen durchgehen, dann lassen Sie es sein. Die Fragen, die ich gestellt habe, sind zur Sache, und nicht zu irgendwelchen Personen. Ich schätze Ihre Informationen und Gedanken, aber die Art und Weise, wie Sie sie vortragen, ist unter aller Sau.

Und dann soll man wegen mir den Strang halt schließen. Ich hab's satt, mich hier dermaßen blöd anmachen zu lassen.

Woraus schließen Sie, dass ich Sie persönlich angesprochen habe?

Eben weil ich (mehr oder weniger) persönlich betroffen bin, enthalte ich mich einer moralischen Wertung und ja, ich erwarte das auch von anderen.
Ich selbst will niemanden stigmatisieren und will auch nicht, dass andere das tun, weil eben kein Außenstehender ermessen kann, was in Betroffenen vorgeht, wie sie mit der Situation umgehen und welchen psychischen Belastungen sie ausgesetzt sind.
Moralisches Hinterfragen Außenstehender ist in einer solchen, sehr persönlichen, Situation eher kontraproduktiv und kann bis zu psychischen Druck auf die Betroffenen führen.
Daher auch mein wiederholtes Plädoyer für eine freie selbstbestimmte Entscheidung der Betroffenen.
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