Geopolitik - Interventionen/Präventionen im Sykes-Picot Raum

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King Kong 2006
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Re: Geopolitik - Interventionen/Präventionen im Sykes-Picot Raum

Beitragvon King Kong 2006 » So 20. Okt 2019, 10:08

Trump erzählt(e) mal wieder Unsinn und Saudi-Arabien muß die Sicherheitspolitik neu figurieren.

Trump kündigte ja an, der Abzug der US-Truppen hätte nichts mit dem angekündigten Einmarsch türkischer Truppen gegen die engsten US-Verbündeten, den Kurden, in Syrien zu tun. Man wolle ja eh abziehen und Syrien ist ja soweit weg von den USA. Trump riet, Napoleon Bonaparte zu Hilfe zu rufen. Nun schickt er genau diese Truppen noch weiter weg, in den Irak. Immer noch Nahostregion. Typisch Trump. ;)

Aus Syrien abgezogene US-Truppen werden im Irak eingesetzt

https://www.spiegel.de/politik/ausland/ ... 92401.html


Derweil muß sich Saudi-Arabien nach neuen/alten Gesprächspartnern umsehen.

Saudi-Arabien in der Krise

"Mohammed bin Salman hat viele Feinde"

Saudi-Arabien ist wegen des US-Rückzugs aus dem Nahen Osten in Panik. Experte Bernard Haykel über die Krise in Syrien, ihre Folgen für Europa - und einen mysteriösen Mord im Umfeld des saudischen Königs.


SPIEGEL: Seit wenigen Tagen gibt es in der Region einen neuen, fürchterlichen Kriegsschauplatz, die türkische Offensive im Norden Syriens. Weit mehr als hunderttausend Menschen wurden aus ihren Häusern vertrieben. Warum kommt die Region nicht zur Ruhe?

Haykel : Das sind die Folgen des amerikanischen Rückzugs aus dem Nahen Osten, der schon unter Ex-Präsident Barack Obama begann. Die US-geführten Kriege in der Region scheiterten, dabei wurde unendlich viel Geld und Blut verschwendet und Washington ist es trotzdem nicht gelungen, seine militärische Stärke in politische Macht umzusetzen. Jetzt sind die USA einfach erschöpft.

SPIEGEL: Wer wird das Vakuum füllen?

Haykel: Iran zeigt Stärke, die Türkei kreuzt plötzlich am Persischen Golf auf und im Roten Meer - und Russland ist sowieso überall. Wladimir Putin wird in diese Lücke hineinstoßen. Amerikas Verbündete in der Region - darunter auch Saudi-Arabien - geraten umgekehrt natürlich in Panik. Sie stellen fest, dass sie sich auf Washington nicht mehr verlassen können.

https://www.spiegel.de/politik/ausland/ ... 92206.html


Saudi Arabia and Russia sign up to closer ties with 20 new deals

https://www.arabnews.com/node/1569046/saudi-arabia


Saudi Arabia and Iran may finally be ready for rapprochement

https://www.aljazeera.com/indepth/opini ... 42982.html
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Re: Geopolitik - Interventionen/Präventionen im Sykes-Picot Raum

Beitragvon King Kong 2006 » Mo 21. Okt 2019, 21:14

Die USA erwägen vielleicht doch noch Truppen in der Region zu belassen. Um die Ölquellen zu schützen.

Hunderte US-Soldaten haben Nordsyrien in Richtung Irak verlassen - unter Beschimpfungen der kurdischen Bevölkerung. Das Pentagon erwägt, Soldaten in der Region zu belassen, um Ölfelder vor dem IS zu schützen.

https://www.spiegel.de/video/syrien-us- ... 30390.html
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Re: Geopolitik - Interventionen/Präventionen im Sykes-Picot Raum

Beitragvon King Kong 2006 » Mo 21. Okt 2019, 23:59

Die Emirate geben eingefrorene iranische Gelder frei.

Amid improving relations between Iran and the United Arab Emirates, the Gulf state has released $700 million of frozen funds to Tehran in recent days, an Iranian MP said Sunday.

https://www.timesofisrael.com/uae-frees ... iran-says/
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Re: Geopolitik - Interventionen/Präventionen im Sykes-Picot Raum

Beitragvon King Kong 2006 » Di 22. Okt 2019, 15:59

Die Regierung in Bagdad sagt, man wolle die US-Truppen aus Syrien nicht im Irak.

Nach Abzug aus Syrien

US-Truppen müssen Irak verlassen

Das nächste Problem für die Syrien-Strategie von Präsident Trump: Die aus den Kurdengebieten abgezogenen Truppen dürfen nicht im Irak bleiben. So hat es die Regierung in Bagdad beschlossen.

https://www.tagesschau.de/ausland/us-tr ... k-101.html


Mittelfristig will der Irak alle US-Truppen loswerden. Auch, die noch im Irak sind.

Nun denn. Noch ist nicht Hopfen und Malz verloren. Die US-Truppen könnten weiter Schutz in Syrien anbieten. Natürlich nicht den Kurden, sondern dem Öl gegenüber. Deswegen sind die USA ja überhaupt in der Region, davor die Briten. Wegen den Rohstoffen. Der Rest ist ziemlich erfunden und dient höchstes dem ersteren Ziel, weswegen die USA/GB dort sind.
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Re: Geopolitik - Interventionen/Präventionen im Sykes-Picot Raum

Beitragvon King Kong 2006 » Di 22. Okt 2019, 21:59

Offenbar spielen die USA keine signifikante Rolle mehr in Syrien. Der Irak könnte folgen. Die arabische Halbinsel eruiert wohl die Lage und Positionierung in der Internationalen Politik.

Russland und die Türkei einigen sich auf gemeinsame Patrouillen in Nordsyrien. Die syrische Armee zieht ebenso in einige kurdisch kontrollierten Gebiete Nordsyriens. Die USA sind praktisch raus. Der Irak fordert ebenso den Abzug der US-Truppen.

Kommen jetzt tatsächlich AKK und andere Europäer in die Region nach?
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Re: Geopolitik - Interventionen/Präventionen im Sykes-Picot Raum

Beitragvon King Kong 2006 » Di 22. Okt 2019, 23:11

Ist Syriens Schicksal besiegelt? Vorerst wohl schon. Und ist da noch Platz für die Interventions AKKs?

Syriens Schicksal ist besiegelt

Bei einem Treffen in Sotschi teilen Putin und Erdogan Syrien unter sich auf. Neben den beiden profitiert vor allem Diktator Assad von dem Deal. Großer Verlierer ist die Kurden-Miliz YPG
.

Erdogan wollte eine Pufferzone schaffen, die sich vom Fluss Euphrat bis zur irakischen Grenze erstickt, fast 500 Kilometer lang und 35 Kilometer tief. Die USA haben ihm, nach einigem Hin- und Her, dafür weitgehend freie Hand gegeben.


Erdogan weiß jedoch: Um seine Pläne in die Tat umzusetzen, ist er auf die Zustimmung Russlands angewiesen. Denn um eine mögliche Pufferzone dauerhaft zu bewachen, muss er türkische Soldaten und syrische Rebellen nach Syrien schicken, und das geht nicht ohne Zustimmung aus Moskau.

Putin ist einerseits daran gelegen, dass sein Protegé, Diktator Baschar al-Assad, Syrien vollständig zurückerobert. Andererseits will er Erdogan nicht verprellen, da er ihn braucht, um die Nachkriegsordnung in Syrien zu regeln - und auch, um die Nato zu spalten.


Erdogan erkennt Assad als Herrscher an

Die Türkei erkennt die "politische Einheit und territoriale Souveränität" Syriens an. In anderen Worten: Erdogan, der in den ersten Kriegsjahren alles daran gesetzt hat, Assad zu stürzen, akzeptiert den Despoten als rechtmäßigen Herrscher über Syrien.

Die russische Regierung billigt im Gegenzug de facto die türkische Militäroperation, indem sie auf das sogenannte Adana-Abkommen zwischen der Türkei und Syrien verweist, das dem türkischen Militär Anti-Terroreinsätze im türkisch-syrischen Grenzgebiet ermöglicht.


Es entsteht, wie von Erdogan gefordert, zwischen Irak im Norden und dem Euphrat im Süden eine Pufferzone, etwa 500 Kilometer lang, 30 Kilometer tief, aus der sich die YPG gänzlich zurückzieht.


Östlich und westlich davon übernehmen Putin und Assad die Kontrolle, türkische Truppen dürfen in unmittelbarer Grenznähe (10 Kilometer Tiefe) mitpatrouillieren. Die Gespräche mit den Kurden soll Assad nach dem Willen Putins künftig direkt führen. Die Stadt Kamischli wird der Herrschaft des syrischen Despoten unterstellt.


Es war strategisch tatsächlich aus Sicht Russlands ein bedeutender Schritt wieder in Syrien Fuß zu fassen. Anfangs Bestand die Sorge oder Hoffnung, je nachdem, daß Syrien für Russland ein Faß ohne Boden werden könnte. Nun stellt er sich als Erfolg heraus, der zudem Handlungsspielraum für Russland geschaffen hat. Russland ist wieder Ansprechpartner und Macher.

Sieger ist Russlands Präsident Wladimir Putin. Sein Vasall Assad hat nun fast im ganzen Land die Macht zurück. Gleichzeitig ist es Putin gelungen, Erdogan in seine Nachkriegspläne einzubinden. Die USA spielen in der Region keine Rolle mehr. Russland ist nun die neue Ordnungsmacht.


Doch auch Assad und Erdogan dürften mit der Übereinkunft weitgehend zufrieden sein. Zwar geht nach Erdogans Militäroffensive nur ein Bruchteil des anvisierten Territoriums tatsächlich an die Türkei, der Rest an Putin und Assad. Doch dem türkischen Präsidenten ist es gelungen, die YPG aus dem Grenzgebiet zu verbannen. Assad wiederum bekommt weite Teile Nordostsyriens zurück, muss dafür aber mit türkischer Präsenz leben.

https://www.spiegel.de/politik/ausland/ ... 92822.html


Die Frage ist, wie sich Annegret Kramp-Karrenbauer jetzt eine europäische Intervention vorstellt.

Das AKK-Manöver

Bundeswehr in Syrien - hat sich die CDU-Chefin selbst erledigt?

https://www.tagesspiegel.de/politik/das ... 43366.html


Eine größere Rolle der EU in der Außenpolitik wäre nicht verkehrt. Sie demonstrierte allerdings bereits ihre Unfähigkeit in der Auseinandersetzung mit der USA beim iranischen Atomabkommen.

Handel mit dem Iran

Europa blamiert sich

https://www.deutschlandfunkkultur.de/ha ... _id=461568


Wie genau soll jetzt die EU ihre Intervention in Syrien umsetzen?
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Re: Geopolitik - Interventionen/Präventionen im Sykes-Picot Raum

Beitragvon Emin » Di 22. Okt 2019, 23:22

King Kong 2006 hat geschrieben:(22 Oct 2019, 23:11)

Ist Syriens Schicksal besiegelt? Vorerst wohl schon. Und ist da noch Platz für die Interventions AKKs?

.











Es war strategisch tatsächlich aus Sicht Russlands ein bedeutender Schritt wieder in Syrien Fuß zu fassen. Anfangs Bestand die Sorge oder Hoffnung, je nachdem, daß Syrien für Russland ein Faß ohne Boden werden könnte. Nun stellt er sich als Erfolg heraus, der zudem Handlungsspielraum für Russland geschaffen hat. Russland ist wieder Ansprechpartner und Macher.





Die Frage ist, wie sich Annegret Kramp-Karrenbauer jetzt eine europäische Intervention vorstellt.



Eine größere Rolle der EU in der Außenpolitik wäre nicht verkehrt. Sie demonstrierte allerdings bereits ihre Unfähigkeit in der Auseinandersetzung mit der USA beim iranischen Atomabkommen.



Wie genau soll jetzt die EU ihre Intervention in Syrien umsetzen?


Ich glaube eher Putin wird jetzt schauen, dass er aus Syrien wiederrauskommt. Das könnte ein guter Moment sein das Feld als "Gewinner" zu verlassen. Was dann nach ihm kommt kann ihm ja egal sein.
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Re: Geopolitik - Interventionen/Präventionen im Sykes-Picot Raum

Beitragvon King Kong 2006 » Di 22. Okt 2019, 23:41

Emin hat geschrieben:(22 Oct 2019, 23:22)

Ich glaube eher Putin wird jetzt schauen, dass er aus Syrien wiederrauskommt. Das könnte ein guter Moment sein das Feld als "Gewinner" zu verlassen. Was dann nach ihm kommt kann ihm ja egal sein.


Ich kann mir nicht vorstellen, daß Putin jetzt einfach wieder so geht.

Er würde Handlungsspielraum gegenüber der Türkei verlieren (NATO-Spaltpilz) und somit gegenüber den USA verlieren. An wen sollte sich Israel diplomatisch wenden? Die USA spielen praktisch keine Rolle mehr und wollen noch mehr weg. Russland ist der Ansprechpartner für alle dort. Für Israel (gegenüber Syrien, Iran, Hezbollah usw.), für den Iran, für die Türkei, für die USA und auch definitiv für AKK. Sowas gibt man nicht auf.

Ich meine, das war der Hauptgrund weshalb Moskau überhaupt wiedergekommen ist. Man war ja/ist unter Druck in der Frage der Ukraine/Krim, Kaukasus und Baltikum. Die Intervention in Syrien sehe ich als einen Befreiungssschlag Russlands. Daneben gibt es in Syrien jetzt wieder die Möglichkeit einer Marinebasis für das Mittelmeer. Interessant wegen der Problematik der Gasförderung. Dazu können die Stützpunkte für Radaranlagen genutzt werden. Für die Luftraumüberwachung (gegenüber allen, den USA, Israel, Iran usw.) und Raketenabwehr (gegen Russland gewandte Raketen) sicher auch interessant.
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Re: Geopolitik - Interventionen/Präventionen im Sykes-Picot Raum

Beitragvon Emin » Di 22. Okt 2019, 23:51

King Kong 2006 hat geschrieben:(22 Oct 2019, 23:41)

Ich kann mir nicht vorstellen, daß Putin jetzt einfach wieder so geht.

Er würde Handlungsspielraum gegenüber der Türkei verlieren (NATO-Spaltpilz) und somit gegenüber den USA verlieren. An wen sollte sich Israel diplomatisch wenden? Die USA spielen praktisch keine Rolle mehr und wollen noch mehr weg. Russland ist der Ansprechpartner für alle dort. Für Israel (gegenüber Syrien, Iran, Hezbollah usw.), für den Iran, für die Türkei, für die USA und auch definitiv für AKK. Sowas gibt man nicht auf.

Ich meine, das war der Hauptgrund weshalb Moskau überhaupt wiedergekommen ist. Man war ja/ist unter Druck in der Frage der Ukraine/Krim, Kaukasus und Baltikum. Die Intervention in Syrien sehe ich als einen Befreiungssschlag Russlands. Daneben gibt es in Syrien jetzt wieder die Möglichkeit einer Marinebasis für das Mittelmeer. Interessant wegen der Problematik der Gasförderung. Dazu können die Stützpunkte für Radaranlagen genutzt werden. Für die Luftraumüberwachung (gegenüber allen, den USA, Israel, Iran usw.) und Raketenabwehr (gegen Russland gewandte Raketen) sicher auch interessant.


Und was genau bringt es Ansprechpartner zu sein? Fühlt sich Putin dann geschmeichelt? Russland hat im Nahen Osten wenig zu gewinnen, aber durchaus viel zu verlieren. Momentan ist Russland in einer guten Position, das kann aber bald auch schon wieder ganz anders aussehen. Jetzt kann ermit allen Beteiligten ein paar für Russland gute Handels-/Militärdeals rausschlagen, dabei als Gewinner vom Feld gehen. Lockt er damit Erdogan tiefer nach Syrien ist das auch das beste, was er hinsichtlich Spaltung Türkei-NATO tun kann.
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Re: Geopolitik - Interventionen/Präventionen im Sykes-Picot Raum

Beitragvon King Kong 2006 » So 29. Nov 2020, 11:45

Emin hat geschrieben:(22 Oct 2019, 23:51)

Und was genau bringt es Ansprechpartner zu sein? Fühlt sich Putin dann geschmeichelt? Russland hat im Nahen Osten wenig zu gewinnen, aber durchaus viel zu verlieren. Momentan ist Russland in einer guten Position, das kann aber bald auch schon wieder ganz anders aussehen. Jetzt kann ermit allen Beteiligten ein paar für Russland gute Handels-/Militärdeals rausschlagen, dabei als Gewinner vom Feld gehen. Lockt er damit Erdogan tiefer nach Syrien ist das auch das beste, was er hinsichtlich Spaltung Türkei-NATO tun kann.


Es geht darum weniger um Schmeicheln. Russland baut damit ja bekanntlich Handelsmasse auf. So, wie Russland sich bedrängt fühlt in Fragen der Ukraine oder jetzt Weissrussland, kann Moskau (das muß man nicht nur an der Person Putin festmachen) zumindest handeln. Was soll Moskau sonst dahinsichtlich sagen? Hört auf sonst..? Sonst ist da nichts zu handeln. Aber mit dem Fuß in Vorderasien schon. Gegenüber auch der Türkei oder Israel. Sich in Syrien zu engagieren war riskant, versprach aber großen strategischen Gewinn für Russland. In der Summe hat sich das auf jedenfall gelohnt. Z.B. gegenüber Israel. Moskau ist da fast wichtiger als die USA. Weil Moskau ein indirekter Kommunikationskanal zum Iran für Israel darstelllt. Auch gegenüber der Türkei hat Moskau auf jedenfall jetzt ein Ass im Ärmel. Im Kontext der Türkei gegenüber der NATO und den USA.

Pläne: Russland und der Iran rüsten den Irak und Syrien mit Luftabwehrsystemen und Radar aus.

US Opposing Iraq’s S-400 Air Defence System Purchase to Guard its Aerial Hegemony: Iraqi Legislator

The United States is fiercely opposed to Iraq’s procurement of Russian-made S-400 air defense system for fear of losing the aerial hegemony it enjoys in the region, as well as loss of lucrative arms deals, an Iraqi parliamentarian has said.

“The main reason is to prevent the Russian side from marketing its air defense systems in the region, whether it is Iraq, the Persian Gulf region, Iran or any other country in the Middle East, because the US, along with Israel, will lose its hegemony over regional countries’ airspace, and its freedom of movement to target anti-Israel sites would be constrained,” Mohammed al-Baldawi, a member of the Iraqi Parliament’s Security and Defense Committee, told Arabic Al-Maalomah news agency on Monday.

https://www.defenseworld.net/news/28375#.X8N0sc1KiM8


Es war schon lange ein Traum Russlands einen Radardom über den Bereich Middle East zu ziehen. Und das Monopol der USA zu brechen. Dies gelang nie. Die Gründe sind mannigfaltig und kompliziert. Es berührt Sanktionspolitik und Fragen der Internationalen Politik. Es war aber auch immer ein Versuch des Konterns. Zur Erinnerung die massiven Pläne der Raketenabwehr gegenüber Russland (u.a. stationiert in Polen). Im Iran konnte sich Russland nicht festsetzen. Zumal man stärker auf eigene Systeme setzt.

Es gibt in Syrien auch russische Waffensysteme zur Luftabwehr, die haben aber eine schlechte Performance gegenüber Israel gezeigt. Ob das an weit überlegener westlicher Technologie liegt, oder an Gefälligkeiten Moskaus gegenüber Israel, ist eine offiziell ungeklärte Frage. Faktisch ist es Russland wichtig dort Augen und Ohren und Einfluß zu haben. Die Sicherheit für russische Stützpunkte. Syriens Sicherheit ist zweitrangig. Insofern natürlich wichtig, als das sie den dortigen Einfluß Russlands gewährt. Letztendlich hat das aber dazu geführt das Syrien jetzt im Iran einkauft. Die sehen Syrien lt. dem ehemaligen Verteidigungsminister Shamkhani als "first line of defence". In der Tat gibt es mit gesteigerten Fähigkeiten Irans in der Luftabwehr praktisch kaum noch Angriffe aus der Luft auf iranisches Territorium. Man muß Attentate und Terroranschläge old school mit Sprengstoff und Kugeln vor Ort ausführen. Natürlich hat es auch politische Gründe das so zu tun.

Iran-Syria Air Defense Pact Could Disrupt Allied Operations

https://www.washingtoninstitute.org/pol ... operations


Air Defense Systems Iran Could Supply to Syria Post-October 2020

https://www.washingtoninstitute.org/upl ... -HiRes.pdf


Das sind Pläne, noch keine Tatsachen. In welchem Umfang, wann und ob, ist abzuwarten. Aber die USA ziehen sich weiter zurück. Das wird unter Biden nicht anders sein. Ob er das mit offenen diplomatischen Kanälen geordnet oder chaotisch wie unter Trump vollzieht, bleibt abzuwarten.
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