Qassem Soleimani tot?

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Re: Qassem Soleimani tot?

Beitragvon Gutmensch1 » Mi 15. Jan 2020, 12:40

Papaloooo hat geschrieben:(14 Jan 2020, 15:05)

Und wenn man dabei übers Ziel schießt, und Unbeteiligte gleich mit in den Tod reißt, und das als Kollateralschaden bezeichnet, dann ist das ebenfalls Terror.


Die Nazis wurden also von Terroristen besiegt. Die Alliierten haben eine Menge Kollateralschäden im 2.Weltkrieg verursacht. Denk mal drüber nach. ;)
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Re: Qassem Soleimani tot?

Beitragvon Kohlhaas » Mi 15. Jan 2020, 13:27

unity in diversity hat geschrieben:(15 Jan 2020, 04:40)

Nach dieser unrechtsstaatlichen Logik, hätte auch Anis Amri prophylaktisch erschossen werden müssen.


Cobra9 hat geschrieben:(15 Jan 2020, 08:37)

Falsch. Du verwechselst da einige Dinge. Erstmal war Amri kein Soldat in einem bewaffneten Konflikt.Zweitens wurde Er definitiv nicht als Terrorist so eingestuft und die Behörden haben da versagt. Drittens ist die Rechtslage anders.

Sehe ich genauso

Ich füge mal ein 'viertens" hinzu: Wenn ich das richtig in Erinnerung habe, hat man Amri doch schließlich erschossen ;-)
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Re: Qassem Soleimani tot?

Beitragvon unity in diversity » Mi 15. Jan 2020, 13:33

Kohlhaas hat geschrieben:(15 Jan 2020, 13:27)

Sehe ich genauso

Ich füge mal ein 'viertens" hinzu: Wenn ich das richtig in Erinnerung habe, hat man Amri doch schließlich erschossen ;-)

Jihadisten sind Soldaten Allahs, die einen Gottesstaat errichten sollen.
Man muß daher den Begriff Kombattant neu definieren, oder man steht ständig in der Defensive und verliert.
Für jedes Problem gibt es 2 Lösungsansätze:
Den Falschen und den Unsrigen.
Aus den USA.
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Re: Qassem Soleimani tot?

Beitragvon Kohlhaas » Mi 15. Jan 2020, 13:36

Audi hat geschrieben:(15 Jan 2020, 11:03)

Weil es dieser Herr so sagt?

Ein Gutachten von Bundestags-Wissenschaftlern weist nun recht deutlich in eine Richtung.

Die Wissenschaftlichen Dienste des Bundestags haben erheblich Zweifel daran, dass die gezielte Tötung des iranischen Generals Ghassem Soleimani durch das US-Militär mit dem Völkerrecht zu vereinbaren ist. „Nach den Einlassungen der US-Administration ist nicht deutlich erkennbar, warum die Tötung Soleimanis im Irak unbedingt notwendig gewesen sein soll, um eine akute Gefahr für das Leben von US-Amerikanern ultima ratio abzuwehren“,

Der tödliche Drohnenangriff auf Soleimani erfülle „offensichtlich nicht die Kriterien eines ‚finalen Rettungsschusses‘“ und erscheine deshalb als Verstoß gegen das im Zivilpakt der Vereinten Nationen festgeschriebenen Recht auf Leben.

https://de.sputniknews.com/politik/2020 ... ermordung/


Man sollte solche Gutachten gelesen und verstanden haben, ehe man Schlüsse daraus zieht. Aber Dir reicht ja eine Meinungsäußerung dazu - und die auch noch ausgerechnet von Sputnik.

Zum Inhalt Deines Beitrags:

Ja, der Herr ist glaubwürdig, weil er Professor für Staatsrecht ist. Warum er zu einer anderen Auslegung kommt als der Wissenschaftliche Dienst des Bundestags, wird klar, wenn man das Gutachten selbst liest. Man kann das eigentlich schon aus Deinem Zitat erschließen. Da ist nämlich die Rede von "finalem Rettungsschuss" (stützt sich auf POLIZEI-Recht!) und vom "Zivilpakt" der vereinten Nationen die Rede.

Der Hintergrund wird in dem Gutachten erläutert. Ich fasse das mal kurz zusammen:

Für die völkerrechtliche Bewertung militärischer Gewaltanwendung gegen einen anderen Staat kommt es entscheidend auf die Frage an, ob bereits ein Konflikt vorliegt oder nicht.

Besteht noch kein Konflikt, muss untersucht werden, ob ein Recht auf Anwendung von Gewalt bestanden hat (z.B. Selbstverteidigung nach einem Angriff oder präventive Aktion vor einem bevorstehenden Angriff). Die Juristen sprechen hier von "ius ad bello". Diese Bewertung erfolgt auf der Basis des "Friedensvölkerrechts", insbesondere menschenrechtliche Verpflichtungen.

Besteht bereits ein Konflikt, ist rechtlich nur noch zu bewerten, ob die militärische Gewaltanwendung völkerrechtskonform DURCHGEFÜHRT worden ist. In diesem Fall sprechen die Juristen von "ius in bello". In diesem Fall erfolgt die rechtliche Bewertung der Militäraktion auf der Basis des "Humanitären Völkerrechts" - und damit ist das KRIEGS-Völkerrecht gemeint!

Der Wissenschaftliche Dienst des Bundestags ist davon ausgegangen, dass zwischen den USA und dem Iran NOCH KEIN KONFLIKT bestand. Ablesbar an der Berufung auf "finalen Rettungsschuss" und "Zivilpakt". Aus der Perspektive kommt er zu dem Schluss, dass ein Verstoß gegen Völkerrecht vorliegt.

Der Professor hingegen ist davon ausgegangen dass USA und Iran sich BEREITS IN EINEM KONFLIKT BEFINDEN. Aus dieser Perspektive kommt er zu dem Schluss, dass die Tötung Soleimanis völkerrechtskonform war.

Jetzt mag sich jeder die Frage stellen, welche Sichtweise der Realität eher angemessen ist.

Hier ein Link zu dem Gutachten: https://www.linksfraktion.de/fileadmin/ ... an_USA.pdf
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Re: Qassem Soleimani tot?

Beitragvon Cobra9 » Mi 15. Jan 2020, 14:52

Arcturus hat geschrieben:(15 Jan 2020, 10:52)

Da hast du mich falsch verstanden, denke ich - ich wollte ausdrücken, dass der einzige mir einleuchtende Grund, warum man vor Ort ist, der Schutz Israels ist.



Entschuldige da hab Ich das falsch verstanden. Eigentlich jnein. Was Ich eher Mir gewünscht hätte wäre ein Europa das nicht unbedingt im Schwerpunkt militärisch agieren muss. Eher das man tatsächlich versucht eine gemeinsame Außenpolitik zu verfolgen und dann beispielsweise den Irak unterstützt beim Aufbau der Infrastruktur.

Das hätte dem Irak sehr viel geholfen. Aber ich sage schon nichts mehr
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Re: Qassem Soleimani tot?

Beitragvon Cobra9 » Mi 15. Jan 2020, 15:01

Audi hat geschrieben:(15 Jan 2020, 11:04)

Whataboutism?? Geht's dir gut? Ich frage dich ob Saudi Glaubwürdig ist da du denen ja anscheinend glaubst. Was hat das mit Whataboutism zu tun?



Ich hab Dir mehrfach geschrieben warum Ich in der Sache zumindest Saudi-Arabien für glaubwürdiger halte als den geschäftsführenden irakischen Ministerpräsident.

In dem Punkt ja halte Ich die Saudis für glaubwürdiger. Generell bestimmt nicht. Generell glaube Ich keinem Politiker bzw. der Führung eines Landes sehr viel. Gelogen wird viel.

Ich akzeptiere was Ich nachvollziehen kann durch unterschiedliche Quellen.
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Re: Qassem Soleimani tot?

Beitragvon Cobra9 » Mi 15. Jan 2020, 15:10

Audi hat geschrieben:(15 Jan 2020, 11:16)

Das Leben der "US Soldaten" wäre sicher wenn diese sich verpissen würden und zuhause ihren dienst ableisten. Es wären viel mehr Menschen sicher wenn die US Soldaten daheim geblieben wären



Us Soldaten wissen auf was Sie sich einlassen. Keine Sorge. Die Usa wurden ausdrücklich vom Irak gebeten wieder zu kommen. Das war nicht Wunsch der Usa.

Jetzt stehen die Regierungen im Austausch um eine Lösung zu finden. Aber ein kompletter Abzug aller ausländischen Truppen sehr gerne. Dauert es 12 oder 18 Monate bis der Irak wieder um Hilfe schreit :)

Du solltest Dir bewusst sein ein Ende der Zusammenarbeit bedeutet ein Ende jeglicher Unterstützung. Der Irak hat jetzt schon durch Korruption und Unfähigkeit keine argen Gelder frei. Mit was will der Irak den Waffen und alles was benötigt wird kaufen ?

Dazu Ausbildung, Wartung usw.


Ami Go Home schreien kann man locker. Aber die Folgen würde Ich überlegen.


Im Prinzip ist der iranische Einfluss und das Festzecken des Iran im Irak das Problem. Ich hab kein Problem damit wenn ALLE ausländischen Staaten sich aus dem Irak rausnehmen. Aber das größte Problem ist der Iran.
Zuletzt geändert von Cobra9 am Mi 15. Jan 2020, 15:24, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Qassem Soleimani tot?

Beitragvon Cobra9 » Mi 15. Jan 2020, 15:13

Gutmensch1 hat geschrieben:(15 Jan 2020, 12:40)

Die Nazis wurden also von Terroristen besiegt. Die Alliierten haben eine Menge Kollateralschäden im 2.Weltkrieg verursacht. Denk mal drüber nach. ;)



Die Angriffe auf deutsche Soldaten im 2Wk waren Kriegsverbrechen :eek:

Wer das glaubt sollte kalt duschen
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Re: Qassem Soleimani tot?

Beitragvon Cobra9 » Mi 15. Jan 2020, 15:14

Kohlhaas hat geschrieben:(15 Jan 2020, 13:36)

Man sollte solche Gutachten gelesen und verstanden haben, ehe man Schlüsse daraus zieht. Aber Dir reicht ja eine Meinungsäußerung dazu - und die auch noch ausgerechnet von Sputnik.

Zum Inhalt Deines Beitrags:

Ja, der Herr ist glaubwürdig, weil er Professor für Staatsrecht ist. Warum er zu einer anderen Auslegung kommt als der Wissenschaftliche Dienst des Bundestags, wird klar, wenn man das Gutachten selbst liest. Man kann das eigentlich schon aus Deinem Zitat erschließen. Da ist nämlich die Rede von "finalem Rettungsschuss" (stützt sich auf POLIZEI-Recht!) und vom "Zivilpakt" der vereinten Nationen die Rede.

Der Hintergrund wird in dem Gutachten erläutert. Ich fasse das mal kurz zusammen:

Für die völkerrechtliche Bewertung militärischer Gewaltanwendung gegen einen anderen Staat kommt es entscheidend auf die Frage an, ob bereits ein Konflikt vorliegt oder nicht.

Besteht noch kein Konflikt, muss untersucht werden, ob ein Recht auf Anwendung von Gewalt bestanden hat (z.B. Selbstverteidigung nach einem Angriff oder präventive Aktion vor einem bevorstehenden Angriff). Die Juristen sprechen hier von "ius ad bello". Diese Bewertung erfolgt auf der Basis des "Friedensvölkerrechts", insbesondere menschenrechtliche Verpflichtungen.

Besteht bereits ein Konflikt, ist rechtlich nur noch zu bewerten, ob die militärische Gewaltanwendung völkerrechtskonform DURCHGEFÜHRT worden ist. In diesem Fall sprechen die Juristen von "ius in bello". In diesem Fall erfolgt die rechtliche Bewertung der Militäraktion auf der Basis des "Humanitären Völkerrechts" - und damit ist das KRIEGS-Völkerrecht gemeint!

Der Wissenschaftliche Dienst des Bundestags ist davon ausgegangen, dass zwischen den USA und dem Iran NOCH KEIN KONFLIKT bestand. Ablesbar an der Berufung auf "finalen Rettungsschuss" und "Zivilpakt". Aus der Perspektive kommt er zu dem Schluss, dass ein Verstoß gegen Völkerrecht vorliegt.

Der Professor hingegen ist davon ausgegangen dass USA und Iran sich BEREITS IN EINEM KONFLIKT BEFINDEN. Aus dieser Perspektive kommt er zu dem Schluss, dass die Tötung Soleimanis völkerrechtskonform war.

Jetzt mag sich jeder die Frage stellen, welche Sichtweise der Realität eher angemessen ist.

Hier ein Link zu dem Gutachten: https://www.linksfraktion.de/fileadmin/ ... an_USA.pdf



Sehr gut erklärt. Danke spart mir Arbeit
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Re: Qassem Soleimani tot?

Beitragvon Cobra9 » Mi 15. Jan 2020, 15:21

Kohlhaas hat geschrieben:(15 Jan 2020, 13:27)

Sehe ich genauso

Ich füge mal ein 'viertens" hinzu: Wenn ich das richtig in Erinnerung habe, hat man Amri doch schließlich erschossen ;-)



Ja in Mailand von italienischen Polizisten. Er starb im Schusswechsel. Verletzte einen Polizisten.

https://de.m.wikipedia.org/wiki/Anis_Amri


Selber schuld. Hätte Er sich vernünftig verhalten wäre es nicht schlimm geworden.


Übrigens alle bitte einen Terroristen nicht mit einem Kombattanten vergleichen.
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Re: Qassem Soleimani tot?

Beitragvon Papaloooo » Mi 15. Jan 2020, 15:51

Gutmensch1 hat geschrieben:(15 Jan 2020, 12:40)

Die Nazis wurden also von Terroristen besiegt. Die Alliierten haben eine Menge Kollateralschäden im 2.Weltkrieg verursacht. Denk mal drüber nach. ;)

Hier geht es aber um einen gezielten Mord an einer einzigen Person und das mit drohnengestützter Kriegsführung, das ist mit dem 2. Weltkrieg nicht zu vergleichen.
Ohnehin ist das wie ein zündeln mit dem Feuer direkt neben einem Gastank.
Ohne Absprache, ohne Nachdenken.
Das ist Kapitalismus:
Man kauft Dinge, die man nicht braucht von Geld, das man nicht hat, um Leute zu beeindrucken, die man nicht leiden kann.

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Re: Qassem Soleimani tot?

Beitragvon Gutmensch1 » Mi 15. Jan 2020, 16:42

Papaloooo hat geschrieben:(15 Jan 2020, 15:51)

Hier geht es aber um einen gezielten Mord an einer einzigen Person und das mit drohnengestützter Kriegsführung, das ist mit dem 2. Weltkrieg nicht zu vergleichen.
Ohnehin ist das wie ein zündeln mit dem Feuer direkt neben einem Gastank.
Ohne Absprache, ohne Nachdenken.


Deine Aussage mit den Kollateralschäden = Terroranschlag war doch nicht zu ende gedacht, hmm?

Aber Papaloooooo, worüber muss man bei dem Terroristen denn noch nachdenken? Soleimani hat doch Tausende Menschen (darunter viele Amerikaner) ermorden lassen, er hat Terroranschläge durchgeführt, er hat sehr viele Menschen foltern lassen, zu Tode quälen lassen. Darf er das denn? Was ist denn Terror? Der Terror des Terroristen oder die Reaktion darauf oder beides?
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Re: Qassem Soleimani tot?

Beitragvon Bobo » Mi 15. Jan 2020, 16:53

Kohlhaas hat geschrieben:(15 Jan 2020, 13:36)

Man sollte solche Gutachten gelesen und verstanden haben, ehe man Schlüsse daraus zieht. Aber Dir reicht ja eine Meinungsäußerung dazu - und die auch noch ausgerechnet von Sputnik.

Zum Inhalt Deines Beitrags:

Ja, der Herr ist glaubwürdig, weil er Professor für Staatsrecht ist. Warum er zu einer anderen Auslegung kommt als der Wissenschaftliche Dienst des Bundestags, wird klar, wenn man das Gutachten selbst liest. Man kann das eigentlich schon aus Deinem Zitat erschließen. Da ist nämlich die Rede von "finalem Rettungsschuss" (stützt sich auf POLIZEI-Recht!) und vom "Zivilpakt" der vereinten Nationen die Rede.

Der Hintergrund wird in dem Gutachten erläutert. Ich fasse das mal kurz zusammen:

Für die völkerrechtliche Bewertung militärischer Gewaltanwendung gegen einen anderen Staat kommt es entscheidend auf die Frage an, ob bereits ein Konflikt vorliegt oder nicht.

Besteht noch kein Konflikt, muss untersucht werden, ob ein Recht auf Anwendung von Gewalt bestanden hat (z.B. Selbstverteidigung nach einem Angriff oder präventive Aktion vor einem bevorstehenden Angriff). Die Juristen sprechen hier von "ius ad bello". Diese Bewertung erfolgt auf der Basis des "Friedensvölkerrechts", insbesondere menschenrechtliche Verpflichtungen.

Besteht bereits ein Konflikt, ist rechtlich nur noch zu bewerten, ob die militärische Gewaltanwendung völkerrechtskonform DURCHGEFÜHRT worden ist. In diesem Fall sprechen die Juristen von "ius in bello". In diesem Fall erfolgt die rechtliche Bewertung der Militäraktion auf der Basis des "Humanitären Völkerrechts" - und damit ist das KRIEGS-Völkerrecht gemeint!

Der Wissenschaftliche Dienst des Bundestags ist davon ausgegangen, dass zwischen den USA und dem Iran NOCH KEIN KONFLIKT bestand. Ablesbar an der Berufung auf "finalen Rettungsschuss" und "Zivilpakt". Aus der Perspektive kommt er zu dem Schluss, dass ein Verstoß gegen Völkerrecht vorliegt.

Der Professor hingegen ist davon ausgegangen dass USA und Iran sich BEREITS IN EINEM KONFLIKT BEFINDEN. Aus dieser Perspektive kommt er zu dem Schluss, dass die Tötung Soleimanis völkerrechtskonform war.

Jetzt mag sich jeder die Frage stellen, welche Sichtweise der Realität eher angemessen ist.

Hier ein Link zu dem Gutachten: https://www.linksfraktion.de/fileadmin/ ... an_USA.pdf


Im Grunde egal, weil der Wissenschaftliche Dienst des Bundestages keinen Verstoß feststellte.
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Re: Qassem Soleimani tot?

Beitragvon Kohlhaas » Mi 15. Jan 2020, 18:01

Bobo hat geschrieben:(15 Jan 2020, 16:53)

Im Grunde egal, weil der Wissenschaftliche Dienst des Bundestages keinen Verstoß feststellte.

Das sehe ich anders. Die Gutachter ziehen sehr wohl den Schluss, dass die Beseitigung von Soleimani ein Verstoß gegen das Völkerrecht gewesen sein soll. Wie das im Wissenschaftsbetrieb üblich ist, verklausulieren sie das nur mit Formulierungen wie:

"...es gibt keine Hinweise darauf, dass... "...(es kein Verstoß sein könnte)
Oder so: "Ungeachtet der Schwierigkeit zweifelsfreier Zurechnung...." (das stammt übrigens aus dem genannten Gutachten!)
Oder: "...lassen sich nicht ohne weiteres zu einem „bewaffneten Konflikt“ im Sinne des Art. 3 der Genfer Konventionen „zusammenlesen“" (auch aus dem genannten Gutachten)
Oder: "....wird derzeit kontrovers diskutiert..." (ebenfalls aus dem Gutachten)

All das sind "Hintertürchen", mit denen sich die Wissenschaftler absichern, um im Nachhinein bei zu lauter Kritik sagen zu können, dass sie ja schon von vornherein gesagt haben, dass nichts feststeht. Es bleibt aber die Tatsache: Der wissenschaftliche Dienst des Bundestages hält die Tötung von Soleimani für einen Verstoß gegen das Völkerrecht. Punkt. Das sieht man daran, wie schnell die Linke das "Gutachten" für Propagandazwecke genutzt hat und wie schnell das dann auf Portalen wie Sputnik oder RT gelandet ist...

Mit den diversen Konjunktiven und dezenten Verweisen auf gegenteilige Meinungen in ihrem Gutachten wollen die Leute nur sicherstellen, dass sie darauf nicht festgenagelt werden können. Das ist auch gut so. Der Wissenschaftliche Dienst kann und darf nämlich keinen Verstoß "feststellen". Der soll nur unseren Bundestagsabgeordneten (die ja zumeist keine Experten für Staatsrecht sind!) eine sachlich und fachlich fundierte Grundlage für ihr Abstimmungsverhalten liefern. Und genau das ist der zweite Grund, warum ich Dir an dieser Stelle widerspreche:

Es ist NICHT egal! Man muss dieses Hintergrundwissen haben, um seriös darüber entscheiden zu können, ob Soleimani "ermordet" wurde oder ob er "im Kampf gefallen" ist. Genau darum dreht sich die Diskussion, die wir hier führen. Ich hoffe inständig, dass die Masse der Bundestagsabgeordneten sich ihre Meinung "informierter" bildet, als einige Leute in diesem Forum. Und damit meine ich jetzt nicht Dich!

Meinungsäußerungen, die erkennbar ohne jede Kenntnis von Fakten oder Hintergrundwissen erfolgen, sind nämlich gar keine Meinungsäußerungen. Die sind nur der Versuch der Verbreitung von Vorurteilen.
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Re: Qassem Soleimani tot?

Beitragvon DarkLightbringer » Mi 15. Jan 2020, 21:29

Audi hat geschrieben:(15 Jan 2020, 11:03)

Weil es dieser Herr so sagt?

Ein Gutachten von Bundestags-Wissenschaftlern weist nun recht deutlich in eine Richtung.
(...)
https://de.sputniknews.com/politik/2020 ... ermordung/

(...)

„Selbstverteidigung kann man nicht ins Feld führen“

Genau das wird aber ins Feld geführt, zusätzlich noch das US-Recht.

(...)
Und ja, so kann man durchaus sagen, die USA, gerade als Führungsmacht, geben hier seit Jahren schon nicht das beste Beispiel ab, und das eskaliert immer weiter, und man muss sich nur mal vorstellen, was ist jetzt mit einem immer robuster auftretenden China, Russland, wenn die gleiche Argumente in Zukunft ins Feld führen werden und das ähnlich weit deuten, das Selbstverteidigungsrecht. Dann ist von unserem Gewaltverbot, das ja eigentlich der Grundpfeiler der UN-Charta ist, nicht mehr viel übrig.

https://www.deutschlandfunk.de/voelkerr ... _id=467759

Die USA zeigt wieder die Richtung und ist dann beleidigt wenn jemand das gleiche macht nur bei denen

Es gibt immer zwei Meinungen, was ja mithin auch ein Grund dafür ist, dass vor Gericht mindestens zwei Anwälte aufmarschieren.

Das Selbstverteidigungsrecht kann doch wohl nicht bedeuten, dass Terroristen freie Bahn zu gewähren sei oder ein feindlicher Kombattant Unverletzbarkeit zu beanspruchen hätte.
Wer gegen Streitkräfte operiert, muss wissen, dass dies nicht risikolos sein kann.
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Re: Qassem Soleimani tot?

Beitragvon DarkLightbringer » Mi 15. Jan 2020, 21:41

Papaloooo hat geschrieben:(15 Jan 2020, 15:51)

Hier geht es aber um einen gezielten Mord an einer einzigen Person und das mit drohnengestützter Kriegsführung, das ist mit dem 2. Weltkrieg nicht zu vergleichen.
Ohnehin ist das wie ein zündeln mit dem Feuer direkt neben einem Gastank.
Ohne Absprache, ohne Nachdenken.

Feldmarschall Rommel ist im 2. Weltkrieg verwundet worden. Zwar nicht mittels Drohne, aber ebenfalls durch Luftangriff.

Und die angebliche Gedankenlosigkeit führte dazu, dass der Iran geschwächt ist und die Europäer ein Umschwenken einläuten. Das ist zumindestens interessant.
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Re: Qassem Soleimani tot?

Beitragvon Papaloooo » Do 16. Jan 2020, 07:21

DarkLightbringer hat geschrieben:(15 Jan 2020, 21:41)

Feldmarschall Rommel ist im 2. Weltkrieg verwundet worden. Zwar nicht mittels Drohne, aber ebenfalls durch Luftangriff.

Und die angebliche Gedankenlosigkeit führte dazu, dass der Iran geschwächt ist und die Europäer ein Umschwenken einläuten. Das ist zumindestens interessant.

Noch vor dem 1. Golfkrieg hatte die USA Saddam Hussein Waffen gegen den Erzfeind Iran vermacht.
Dieser hat sie dann später gegen US-Soldaten eingesetzt.
Und so scheint es immer weiter zu gehen:
Man macht sich Feinde, und irgendwann schlägt es auf einen zurück.
Speziell bei den USA ist da immer viel politische Kopflosigkeit dabei, sind sie doch die auserwählte Nation, nach deren Pfeife alle zu tanzen haben.

Ich kritisiere nicht den Einsatz als solchen, aber das soll ein Kremium beraten und nicht ein einzelner, dem es an polistischer Weitsicht vollkommen fehlt.

Vielleicht wäre es dann anders ausgegangen.
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Re: Qassem Soleimani tot?

Beitragvon Orbiter1 » Do 16. Jan 2020, 08:10

Papaloooo hat geschrieben:(16 Jan 2020, 07:21)

Noch vor dem 1. Golfkrieg hatte die USA Saddam Hussein Waffen gegen den Erzfeind Iran vermacht.
Dieser hat sie dann später gegen US-Soldaten eingesetzt.
Und so scheint es immer weiter zu gehen:
Man macht sich Feinde, und irgendwann schlägt es auf einen zurück.
Nicht nur das, die USA haben fast alle Monster gegen die man kämpfen musste selbst geschaffen. Saddam Hussein, Osama bin Laden, die Taliban oder die Mullahs im Iran hätte es ohne Unterstützung der USA oder in Folge falscher politischer Entscheidungen der USA nie gegeben.
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Re: Qassem Soleimani tot?

Beitragvon Kardux » Do 16. Jan 2020, 09:27

Orbiter1 hat geschrieben:(16 Jan 2020, 08:10)

Nicht nur das, die USA haben fast alle Monster gegen die man kämpfen musste selbst geschaffen. Saddam Hussein, Osama bin Laden, die Taliban oder die Mullahs im Iran hätte es ohne Unterstützung der USA oder in Folge falscher politischer Entscheidungen der USA nie gegeben.


Und die Menschen vorort sind lediglich Statisten - nicht wahr? :rolleyes:
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Re: Qassem Soleimani tot?

Beitragvon DarkLightbringer » Do 16. Jan 2020, 09:41

Papaloooo hat geschrieben:(16 Jan 2020, 07:21)

Noch vor dem 1. Golfkrieg hatte die USA Saddam Hussein Waffen gegen den Erzfeind Iran vermacht.
Dieser hat sie dann später gegen US-Soldaten eingesetzt.
Und so scheint es immer weiter zu gehen:
Man macht sich Feinde, und irgendwann schlägt es auf einen zurück.
Speziell bei den USA ist da immer viel politische Kopflosigkeit dabei, sind sie doch die auserwählte Nation, nach deren Pfeife alle zu tanzen haben.

Hätte nichts dagegen, wenn die Europäer es selbst versuchen würden, die Sicherheitsarchitektur im Nahraum und an der Peripherie positiv zu beeinflussen - teilweise wird das ja auch gemacht, in Mali etwa.

Ich kritisiere nicht den Einsatz als solchen, aber das soll ein Kremium beraten und nicht ein einzelner, dem es an polistischer Weitsicht vollkommen fehlt.
Vielleicht wäre es dann anders ausgegangen.

Ja, gut, ein Gremium wäre wohl nicht falsch, wenn es tatsächlich keine Beratungen geben sollte.

Im Prinzip wollen die Mullahs ca. 15 Milliarden Dollar von den Europäern haben, wofür sie im Gegenzug Öl liefern würden.

Aber im Moment ist eh alles im Fluß.
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