Qassem Soleimani tot?

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Re: Qassem Soleimani tot?

Beitragvon Arcturus » Mi 15. Jan 2020, 10:29

DarkLightbringer hat geschrieben:(15 Jan 2020, 10:27)

Selbst wenn der General Märtyrer Soleimani mit Mahdi über die Pistazienernte zu sprechen gewünscht hätte, so wäre er als feindlicher Kombattant eben doch ein militärisch legitimes Ziel gewesen.

Über die Verhältnismäßigkeit ließe sich höchstens debattieren.
Aber der präzise Luftschlag scheint angemessen, um eine effektiv mannstoppende Wirkung zu erzielen.


Das erwähnst du jetzt schon zum drölfzigsten Mal - wir haben es alle kapiert.
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Re: Qassem Soleimani tot?

Beitragvon DarkLightbringer » Mi 15. Jan 2020, 10:34

Arcturus hat geschrieben:(15 Jan 2020, 10:29)

Das erwähnst du jetzt schon zum drölfzigsten Mal - wir haben es alle kapiert.

Der Kollege Audi hat aber noch Schwierigkeiten. ;)
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Re: Qassem Soleimani tot?

Beitragvon Arcturus » Mi 15. Jan 2020, 10:40

DarkLightbringer hat geschrieben:(15 Jan 2020, 10:34)

Der Kollege Audi hat aber noch Schwierigkeiten. ;)


Nein, er ist schlicht und ergreifend anderer Meinung.
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Re: Qassem Soleimani tot?

Beitragvon Bobo » Mi 15. Jan 2020, 10:44

Arcturus hat geschrieben:(15 Jan 2020, 10:26)

Die USA haben kein Glaubwürdigkeitsproblem? Ist das dein Ernst? Wenn der Präsident nicht ein hundert Prozent berechenbarer Freund ist, ist er nicht glaubwürdig, sonst wäre er ja berechenbar.


Glaubwürdigkeit und Berechenbarkeit ist nicht dasselbe. Seine emotionalen Entgleisungen im sozialen Netzwerk, für einen Präsidenten ein völliges NoGo, weisen ihn nur scheinbar als unberechenbar aus. Tatsächlich macht ihn der Scheiß berechenbar. Die Welt war Zeuge, wie der tiefe Nägel einschlug und am Ende nicht mal eine Heftklammer zur Hand hatte. Glaubwürdigkeit bezieht sich auf das gesamtpolitische Wirken. Das mag einen gefallen oder nicht, aber er zieht die angekündigten Programme durch!

Unberechenbarkeit sollte hier auch nicht für Wahnsinn stehen, sondern dafür, dass Reaktionen der Regierung unter der Führung des Präsidenten nicht insofern unberechenbar sind als dass sie nicht vorhersehbar sind. Bei Trump war nun wirklich jedem Verantwortlichen klar, dass er zu Konflikten bisher nur bluffte. Nicht aus Furcht, würde ich meinen, sondern weil er bei Antritt zur Wahl versprochen hatte, keine nutzlosen Kriege zu führen und die Soldaten heim zu holen. Stichwort Glaubwürdigkeit! Man könnte sein Verhalten als Kurzschlussreaktion bezeichnen. Auch ich hätte das Atomabkommen beanstandet, aber dem Iran vor dem Ausstieg hinter den Kulissen angemessene Nachverhandlungen angeboten. Erst wenn die ausgeschlossen wäre, wäre die Aufkündigung erfolgt. Schüsse auf US-Soldaten zögen immer harte Konsequenzen nach sich! Egal ob als Teil einer Show oder ernst gemeint. Aber ohne vorheriges Gelaber im TV oder sozialen Netzwerken.

Ich kann mir nicht vorstellen, dass du über diese Form der Glaubwürdigkeit sehr glücklich wärst. Du hättest wohl Gift und Galle gespuckt.
Zuletzt geändert von Bobo am Mi 15. Jan 2020, 10:48, insgesamt 3-mal geändert.
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Re: Qassem Soleimani tot?

Beitragvon Cobra9 » Mi 15. Jan 2020, 10:44

Arcturus hat geschrieben:(15 Jan 2020, 10:28)

Das ist mir zu plump. Oberflächlich betrachtet hat es uns nicht zu interessieren, wie viel Einfluss der Iran auf einen Nachbarstaat nimmt. Aber dann müsste man sich ja wieder die Frage stellen, was zum Teufel der Westen da eigentlich verloren hat und ob es "nur" an der Causa Israel hängt.


Das ist nicht zu plump sondern erkennbar das der Iran wieder das übliche Spiel abzieht. Einfluss gewinnen, sich festzecken und dann Milizen aufbauen um notfalls seine Interessen durchzusetzen.

Ich hoffe die Iraker setzen sich durch und räumen auf.
Gerne auch ohne Usa.


Wenn Dir das zu plump ist bitte. Und natürlich Israel darf nicht fehlen in der üblichen Verdächtigen Argumentation. Es war die irakische Regierung wo westliche Streitkräfte und Staaten um Hilfe gebeten hat. Niemand anderes.
User auf Ignore erhalten keine Antwort

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und Neuzugang Everythingchanges wo so konkrete Aussagen liefert wie ein Troll in der Mystik :p
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Re: Qassem Soleimani tot?

Beitragvon Arcturus » Mi 15. Jan 2020, 10:52

Cobra9 hat geschrieben:(15 Jan 2020, 10:44)

Wenn Dir das zu plump ist bitte. Und natürlich Israel darf nicht fehlen in der üblichen Verdächtigen Argumentation. Es war die irakische Regierung wo westliche Streitkräfte und Staaten um Hilfe gebeten hat. Niemand anderes.

Da hast du mich falsch verstanden, denke ich - ich wollte ausdrücken, dass der einzige mir einleuchtende Grund, warum man vor Ort ist, der Schutz Israels ist.
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Re: Qassem Soleimani tot?

Beitragvon DarkLightbringer » Mi 15. Jan 2020, 10:52

Arcturus hat geschrieben:(15 Jan 2020, 10:40)

Nein, er ist schlicht und ergreifend anderer Meinung.

Um so interessanter. Es gibt sonst ja kaum Vertreter eines "neuen" bzw. nicht etablierten oder kaum bekannten Völkerrechtes.
Aber ich schlage vor, wir warten einfach mal ob, ob sich Experte Audi dazu nochmal äußert respektive die Materie darzulegen beabsichtigt.
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Re: Qassem Soleimani tot?

Beitragvon Bobo » Mi 15. Jan 2020, 11:02

Arcturus hat geschrieben:(15 Jan 2020, 10:28)

Das ist mir zu plump. Oberflächlich betrachtet hat es uns nicht zu interessieren, wie viel Einfluss der Iran auf einen Nachbarstaat nimmt. Aber dann müsste man sich ja wieder die Frage stellen, was zum Teufel der Westen da eigentlich verloren hat und ob es "nur" an der Causa Israel hängt.



Dass nennt man politische Voraussicht! Es hat einen Grund, wenn der Iran seinen Einfluss auszuweiten versucht. Da wäre z. b. die Erweiterung des Gottesstaates gegen den Willen der jeweiligen Landesbürger. Der Iran ist in der Tat erklärter Todfeind Israels. und die Sicherheit Israels ist auf jedem Fall auch Angelegenheit Deutschlands, wie man weiß, sicher aber Anliegen der USA. Fühlte der Iran sich stark genug, seinen Todfeind mit oder ohne Atomwaffen anzugreifen, und die Vernichtung Israels wurde im Iran ja nun wirklich oft und laut genug propagiert, würden sowohl Deutschland als auch die USA in diesen Konflikt involviert. Entweder durch einen Krieg, der sich gewaschen haben dürfte oder durch einen nuklearen Schlagabtausch!

Der Iran hat sich als irre genug erwiesen, sich mit den USA anzulegen und kann sich glücklich schätzen, dass es nicht klappte. Die heutigen Ereignisse könnten den Iran fataler Weise zur Annahme verleiten, sie hätten die Spanne der Möglichkeiten noch nicht gänzlich ausgeschöpft. Man sollte sich da nicht vertun. Der Iran lotet suggestive aus, wie lange der Westen still hält und welche Länder sich in blanker Panik vor einem Konflikt von den Mullahs an der Nase herumführen lässt. Wehe, wenn diese Signale nicht sorgfältig in die Zukunftsplanung der maßgeblichen Regierungen mit ein fließt.
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Re: Qassem Soleimani tot?

Beitragvon DarkLightbringer » Mi 15. Jan 2020, 11:02

Arcturus hat geschrieben:(15 Jan 2020, 10:52)

Da hast du mich falsch verstanden, denke ich - ich wollte ausdrücken, dass der einzige mir einleuchtende Grund, warum man vor Ort ist, der Schutz Israels ist.

Der Irak ist ja selbst Teil der Anti-IS-Allianz wie auch weitere arabische Staaten.
Die ersten Operationen fanden 2014 im Raum Rakka statt - was ein Hinweis auf den Zweck der Koalitionstruppen sein könnte.
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Re: Qassem Soleimani tot?

Beitragvon Audi » Mi 15. Jan 2020, 11:03

DarkLightbringer hat geschrieben:(15 Jan 2020, 09:56)

Zitat:
https://www.tagesschau.de/ausland/voelk ... w-101.html

Das heißt, es ist völkerrechtlich in Ordnung.

Weil es dieser Herr so sagt?

Ein Gutachten von Bundestags-Wissenschaftlern weist nun recht deutlich in eine Richtung.

Die Wissenschaftlichen Dienste des Bundestags haben erheblich Zweifel daran, dass die gezielte Tötung des iranischen Generals Ghassem Soleimani durch das US-Militär mit dem Völkerrecht zu vereinbaren ist. „Nach den Einlassungen der US-Administration ist nicht deutlich erkennbar, warum die Tötung Soleimanis im Irak unbedingt notwendig gewesen sein soll, um eine akute Gefahr für das Leben von US-Amerikanern ultima ratio abzuwehren“,

Der tödliche Drohnenangriff auf Soleimani erfülle „offensichtlich nicht die Kriterien eines ‚finalen Rettungsschusses‘“ und erscheine deshalb als Verstoß gegen das im Zivilpakt der Vereinten Nationen festgeschriebenen Recht auf Leben.

https://de.sputniknews.com/politik/2020 ... ermordung/

und weiter

Donald Trumps Berufung auf „präventive Selbstverteidigung“ gegen den Iran sei umstritten, sagte der Völkerrechtler Robin Geiß im Dlf. Würden Länder wie Russland und China dem US-Beispiel folgen, wäre vom zentralen Gewaltverbot der UNO-Charta bald „nicht mehr viel übrig“.

Münchenberg: Herr Geiß, auch bei dem Konflikt jetzt zwischen dem Iran und den USA hat man schon den Eindruck, Recht und Wahrheit bleiben im Krieg immer zuerst auf der Strecke. Teilen Sie diese Einschätzung?

Geiß: Ja, die teile ich durchaus. Das wirkte schon doch sehr konstruiert und die Gründe vor- und nachgeschoben, jedenfalls das, was wir bislang in Bezug auf die Attacke auf Soleimani gehört haben. Sie haben es gerade in dem Beitrag ja schon gesagt. Esper hat jetzt quasi Präsident Trump widersprochen, in Ansätzen jedenfalls.


„Selbstverteidigung kann man nicht ins Feld führen“

denn Esper hat ja meines Erachtens, wenn ich es richtig sehe, gesagt, dass er jetzt jedenfalls keine Beweise hat, dass solche Angriffe geplant waren, und wenn das so ist, dann kann man eigentlich die präventive Selbstverteidigung, die ohnehin umstritten ist, nicht ins Feld führen.

Und ich würde aus völkerrechtlicher Betrachtung noch anführen, was für mich auch neu ist: Diese präventive Selbstverteidigung hat man bislang immer im Verhältnis zu nichtstaatlichen Akteuren ins Feld geführt und die USA haben in ihren Stellungnahmen immer auch Wert darauf gelegt, dass das auf El-Kaida gemünzt war und quasi keine Allgemeingültigkeit hat. Dass man das jetzt gegen einen hochrangigen General eines Staates ins Feld führen würde, ist schon auch ein Novum, das bedenklich ist, weil es noch mal zu einer Ausweitung des Selbstverteidigungsrechtes führt.



„Völkerrecht in den letzten 20 Jahren sehr gebogen“


Münchenberg: Sie sagen es: Es ist ein Novum im Selbstverteidigungsrecht, auch ein schlechtes Vorbild für andere, dass man sagen kann, wenn die USA das machen, dann machen wir das auch?

Geiß: Ja, ganz genau, und das ist, glaube ich, das Hauptproblem. Wenn wir uns über die Konsequenzen für das Völkerrecht unterhalten möchten, dann ist es nicht nur jetzt dieser eine Vorfall, sondern es ist eine immer länger werdende Kette von Vorfällen, in denen in den letzten 20 Jahren zumindest das Völkerrecht sehr gebogen worden ist, zum Teil auch eklatant missachtet wurde – denken Sie an den Irak-Krieg, die Annexion der Krim, beides klar völkerrechtswidrig, aber auch der NATO-Einsatz im Kosovo, der NATO-Einsatz in Libyen, wo man zwar ein UN-Mandat hatte, aber das ja sehr großzügig interpretiert hat, sehr zum Missfallen Russlands, weshalb Russland jetzt nicht zu bewegen ist, zu einer Syrien-Resolution zuzustimmen.

Und ja, so kann man durchaus sagen, die USA, gerade als Führungsmacht, geben hier seit Jahren schon nicht das beste Beispiel ab, und das eskaliert immer weiter, und man muss sich nur mal vorstellen, was ist jetzt mit einem immer robuster auftretenden China, Russland, wenn die gleiche Argumente in Zukunft ins Feld führen werden und das ähnlich weit deuten, das Selbstverteidigungsrecht. Dann ist von unserem Gewaltverbot, das ja eigentlich der Grundpfeiler der UN-Charta ist, nicht mehr viel übrig.

https://www.deutschlandfunk.de/voelkerr ... _id=467759

Die USA zeigt wieder die Richtung und ist dann beleidigt wenn jemand das gleiche macht nur bei denen
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Re: Qassem Soleimani tot?

Beitragvon Audi » Mi 15. Jan 2020, 11:04

Cobra9 hat geschrieben:(15 Jan 2020, 10:23)

Spielen wir jetzt wieder die Whataboutism Taktik :rolleyes:

Preisfrage. Wenn an der Behauptung des irakischen Ministerpräsidenten, Geschäftsführend, was dran wäre warum schlachtet der Iran und RT Kumpels das nicht medial aus. Upssiiii. Der Iran hat selbst kurz vorher verneint im Dezember verneint das Verhandlungen geführt werden. Quelle kürzlich erst dem anderen Nutzer gepostet.

Es würde dem Iran also um die Ohren fliegen. Der irakischen Herr würde niemals allein für Saudi-Arabien irgendwie was beiVerhandlungen tun. Wären da noch andere irakische Politiker die keine schiitische Hintergründe haben beteiligt sähe die Sache anders aus

Whataboutism?? Geht's dir gut? Ich frage dich ob Saudi Glaubwürdig ist da du denen ja anscheinend glaubst. Was hat das mit Whataboutism zu tun?
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Re: Qassem Soleimani tot?

Beitragvon Bobo » Mi 15. Jan 2020, 11:14

Audi hat geschrieben:(15 Jan 2020, 11:03)

Weil es dieser Herr so sagt?

Ein Gutachten von Bundestags-Wissenschaftlern weist nun recht deutlich in eine Richtung.

Die Wissenschaftlichen Dienste des Bundestags haben erheblich Zweifel daran, dass die gezielte Tötung des iranischen Generals Ghassem Soleimani durch das US-Militär mit dem Völkerrecht zu vereinbaren ist. „Nach den Einlassungen der US-Administration ist nicht deutlich erkennbar, warum die Tötung Soleimanis im Irak unbedingt notwendig gewesen sein soll, um eine akute Gefahr für das Leben von US-Amerikanern ultima ratio abzuwehren“,

Der tödliche Drohnenangriff auf Soleimani erfülle „offensichtlich nicht die Kriterien eines ‚finalen Rettungsschusses‘“ und erscheine deshalb als Verstoß gegen das im Zivilpakt der Vereinten Nationen festgeschriebenen Recht auf Leben.

https://de.sputniknews.com/politik/2020 ... ermordung/

und weiter

Donald Trumps Berufung auf „präventive Selbstverteidigung“ gegen den Iran sei umstritten, sagte der Völkerrechtler Robin Geiß im Dlf. Würden Länder wie Russland und China dem US-Beispiel folgen, wäre vom zentralen Gewaltverbot der UNO-Charta bald „nicht mehr viel übrig“.

Münchenberg: Herr Geiß, auch bei dem Konflikt jetzt zwischen dem Iran und den USA hat man schon den Eindruck, Recht und Wahrheit bleiben im Krieg immer zuerst auf der Strecke. Teilen Sie diese Einschätzung?

Geiß: Ja, die teile ich durchaus. Das wirkte schon doch sehr konstruiert und die Gründe vor- und nachgeschoben, jedenfalls das, was wir bislang in Bezug auf die Attacke auf Soleimani gehört haben. Sie haben es gerade in dem Beitrag ja schon gesagt. Esper hat jetzt quasi Präsident Trump widersprochen, in Ansätzen jedenfalls.


„Selbstverteidigung kann man nicht ins Feld führen“

denn Esper hat ja meines Erachtens, wenn ich es richtig sehe, gesagt, dass er jetzt jedenfalls keine Beweise hat, dass solche Angriffe geplant waren, und wenn das so ist, dann kann man eigentlich die präventive Selbstverteidigung, die ohnehin umstritten ist, nicht ins Feld führen.

Und ich würde aus völkerrechtlicher Betrachtung noch anführen, was für mich auch neu ist: Diese präventive Selbstverteidigung hat man bislang immer im Verhältnis zu nichtstaatlichen Akteuren ins Feld geführt und die USA haben in ihren Stellungnahmen immer auch Wert darauf gelegt, dass das auf El-Kaida gemünzt war und quasi keine Allgemeingültigkeit hat. Dass man das jetzt gegen einen hochrangigen General eines Staates ins Feld führen würde, ist schon auch ein Novum, das bedenklich ist, weil es noch mal zu einer Ausweitung des Selbstverteidigungsrechtes führt.



„Völkerrecht in den letzten 20 Jahren sehr gebogen“


Münchenberg: Sie sagen es: Es ist ein Novum im Selbstverteidigungsrecht, auch ein schlechtes Vorbild für andere, dass man sagen kann, wenn die USA das machen, dann machen wir das auch?

Geiß: Ja, ganz genau, und das ist, glaube ich, das Hauptproblem. Wenn wir uns über die Konsequenzen für das Völkerrecht unterhalten möchten, dann ist es nicht nur jetzt dieser eine Vorfall, sondern es ist eine immer länger werdende Kette von Vorfällen, in denen in den letzten 20 Jahren zumindest das Völkerrecht sehr gebogen worden ist, zum Teil auch eklatant missachtet wurde – denken Sie an den Irak-Krieg, die Annexion der Krim, beides klar völkerrechtswidrig, aber auch der NATO-Einsatz im Kosovo, der NATO-Einsatz in Libyen, wo man zwar ein UN-Mandat hatte, aber das ja sehr großzügig interpretiert hat, sehr zum Missfallen Russlands, weshalb Russland jetzt nicht zu bewegen ist, zu einer Syrien-Resolution zuzustimmen.

Und ja, so kann man durchaus sagen, die USA, gerade als Führungsmacht, geben hier seit Jahren schon nicht das beste Beispiel ab, und das eskaliert immer weiter, und man muss sich nur mal vorstellen, was ist jetzt mit einem immer robuster auftretenden China, Russland, wenn die gleiche Argumente in Zukunft ins Feld führen werden und das ähnlich weit deuten, das Selbstverteidigungsrecht. Dann ist von unserem Gewaltverbot, das ja eigentlich der Grundpfeiler der UN-Charta ist, nicht mehr viel übrig.

https://www.deutschlandfunk.de/voelkerr ... _id=467759

Die USA zeigt wieder die Richtung und ist dann beleidigt wenn jemand das gleiche macht nur bei denen



Und damit sind die Theoretiker dann auch schon am Ende. Lauter Gebrabbel im Konjunktiv. Scheint, könnte, wäre möglich. Wer dieser Mann war, darüber findet sich in deren Unterlagen wohl nichts. ich sehe die Deutsche Regierung nicht in der Situation, beurteilen zu können, ob, wann oder wie das Leben von US-Soldaten geschützt werden müsse. Aber das geht den Propagandisten ja runter wie Öl. :D
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Re: Qassem Soleimani tot?

Beitragvon Audi » Mi 15. Jan 2020, 11:16

Bobo hat geschrieben:(15 Jan 2020, 11:14)

Und damit sind die Theoretiker dann auch schon am Ende. Lauter Gebrabbel im Konjunktiv. Scheint, könnte, wäre möglich. Wer dieser Mann war, darüber findet sich in deren Unterlagen wohl nichts. ich sehe die Deutsche Regierung nicht in der Situation, beurteilen zu können, ob, wann oder wie das Leben von US-Soldaten geschützt werden müsse. Aber das geht den Propagandisten ja runter wie Öl. :D

Das Leben der "US Soldaten" wäre sicher wenn diese sich verpissen würden und zuhause ihren dienst ableisten. Es wären viel mehr Menschen sicher wenn die US Soldaten daheim geblieben wären
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Re: Qassem Soleimani tot?

Beitragvon Bobo » Mi 15. Jan 2020, 11:25

Audi hat geschrieben:(15 Jan 2020, 11:16)

Das Leben der "US Soldaten" wäre sicher wenn diese sich verpissen würden und zuhause ihren dienst ableisten. Es wären viel mehr Menschen sicher wenn die US Soldaten daheim geblieben wären



Sicher vor den US-Soldaten? Damit meinst du dann aber deren Zielpersonen wie IS und ggf. auch iranische Terroristen. Alle anderen haben vor den USA nichts zu befürchten. Tja. Mist. Die Amis sind da, also wird's wohl nichts aus der islamischen Weltrevolution.

Übrigens. Schau mal.

Der tödliche Drohnenangriff auf Soleimani erfülle „offensichtlich nicht die Kriterien eines ‚finalen Rettungsschusses‘“ und erscheine deshalb als Verstoß gegen das im Zivilpakt der Vereinten Nationen festgeschriebenen Recht auf Leben.


Nur für den Fall, dass dir das entgangen ist. Dieser Satz sagt. Der Abschuss sei kein Verstoß gegen das Völkerrecht. Er erscheint nur so!
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Re: Qassem Soleimani tot?

Beitragvon Politics » Mi 15. Jan 2020, 11:34

Bobo hat geschrieben:(15 Jan 2020, 11:25)

Sicher vor den US-Soldaten? Damit meinst du dann aber deren Zielpersonen wie IS und ggf. auch iranische Terroristen. Alle anderen haben vor den USA nichts zu befürchten. Tja. Mist. Die Amis sind da, also wird's wohl nichts aus der islamischen Weltrevolution.

Übrigens. Schau mal.



Nur für den Fall, dass dir das entgangen ist. Dieser Satz sagt. Der Abschuss sei kein Verstoß gegen das Völkerrecht. Er erscheint nur so!


Was bedeutet das denn? Das es kein Verstoß gegen das Völkerrecht war? Warum schreibt man dann nicht einfach, das es kein Verstoß gegen das Völkerrecht war?
"Ich hasse, was du sagst, aber ich würde mein Leben dafür geben, dass du es sagen darfst."

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Re: Qassem Soleimani tot?

Beitragvon Politics » Mi 15. Jan 2020, 11:36

Audi hat geschrieben:(15 Jan 2020, 11:16)

Das Leben der "US Soldaten" wäre sicher wenn diese sich verpissen würden und zuhause ihren dienst ableisten. Es wären viel mehr Menschen sicher wenn die US Soldaten daheim geblieben wären


So sieht es aus. Das hätte unzählige Menschenleben gerettet. Mal ganz abgesehen von den Verwüstungen der Infra und Wohnstrukturen.
"Ich hasse, was du sagst, aber ich würde mein Leben dafür geben, dass du es sagen darfst."

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Re: Qassem Soleimani tot?

Beitragvon Arcturus » Mi 15. Jan 2020, 11:37

Bobo hat geschrieben:(15 Jan 2020, 10:44)

Glaubwürdigkeit und Berechenbarkeit ist nicht dasselbe. Seine emotionalen Entgleisungen im sozialen Netzwerk, für einen Präsidenten ein völliges NoGo, weisen ihn nur scheinbar als unberechenbar aus. Tatsächlich macht ihn der Scheiß berechenbar. Die Welt war Zeuge, wie der tiefe Nägel einschlug und am Ende nicht mal eine Heftklammer zur Hand hatte. Glaubwürdigkeit bezieht sich auf das gesamtpolitische Wirken. Das mag einen gefallen oder nicht, aber er zieht die angekündigten Programme durch!

Unberechenbarkeit sollte hier auch nicht für Wahnsinn stehen, sondern dafür, dass Reaktionen der Regierung unter der Führung des Präsidenten nicht insofern unberechenbar sind als dass sie nicht vorhersehbar sind. Bei Trump war nun wirklich jedem Verantwortlichen klar, dass er zu Konflikten bisher nur bluffte. Nicht aus Furcht, würde ich meinen, sondern weil er bei Antritt zur Wahl versprochen hatte, keine nutzlosen Kriege zu führen und die Soldaten heim zu holen. Stichwort Glaubwürdigkeit! Man könnte sein Verhalten als Kurzschlussreaktion bezeichnen. Auch ich hätte das Atomabkommen beanstandet, aber dem Iran vor dem Ausstieg hinter den Kulissen angemessene Nachverhandlungen angeboten. Erst wenn die ausgeschlossen wäre, wäre die Aufkündigung erfolgt. Schüsse auf US-Soldaten zögen immer harte Konsequenzen nach sich! Egal ob als Teil einer Show oder ernst gemeint. Aber ohne vorheriges Gelaber im TV oder sozialen Netzwerken.

Ich kann mir nicht vorstellen, dass du über diese Form der Glaubwürdigkeit sehr glücklich wärst. Du hättest wohl Gift und Galle gespuckt.


Berechenbar ist, dass er unberechenbar ist - ich glaube das trifft es am Besten. Ansonsten wirkt es dann doch immer so, als ob zuerst scharf geschossen, und dann verhandelt wird, also in bester Cowboy-Manier. Ansonsten hast du auf das gesamtpolitische Wirken gesehen durchaus Recht.
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Re: Qassem Soleimani tot?

Beitragvon Bobo » Mi 15. Jan 2020, 11:43

Politics hat geschrieben:(15 Jan 2020, 11:34)

Was bedeutet das denn? Das es kein Verstoß gegen das Völkerrecht war? Warum schreibt man dann nicht einfach, das es kein Verstoß gegen das Völkerrecht war?


Aber das tun die! Nur auf eigenem und dem Sprachniveau der Empfänger. Kein Scheiß! Der Satz sagt in der Tat. dass der Abschuss kein Verstoß gegen das erwähnte Statut darstellt.

Etwas scheint oder erscheint = Der Schein trügt.

Es macht den Anschein = Der Anschein ist stimmig.

Glaub mir. Ist keine Verarsche :thumbup:

Das sind die in dem Fall einfachsten Feinheiten der deutschen Sprache. Die Werbung macht sie sich ständig zu Nutze. Siehe der Vertrag, den man auch abschließen kann, wenn es eigentlich schon zu spät ist ... :D Klar kannst du ihn jederzeit abschießen, nur keine Leistungen beanspruchen. *Kicher*
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Re: Qassem Soleimani tot?

Beitragvon Arcturus » Mi 15. Jan 2020, 11:51

Bobo hat geschrieben:(15 Jan 2020, 11:02)

Dass nennt man politische Voraussicht! Es hat einen Grund, wenn der Iran seinen Einfluss auszuweiten versucht. Da wäre z. b. die Erweiterung des Gottesstaates gegen den Willen der jeweiligen Landesbürger. Der Iran ist in der Tat erklärter Todfeind Israels. und die Sicherheit Israels ist auf jedem Fall auch Angelegenheit Deutschlands, wie man weiß, sicher aber Anliegen der USA. Fühlte der Iran sich stark genug, seinen Todfeind mit oder ohne Atomwaffen anzugreifen, und die Vernichtung Israels wurde im Iran ja nun wirklich oft und laut genug propagiert, würden sowohl Deutschland als auch die USA in diesen Konflikt involviert. Entweder durch einen Krieg, der sich gewaschen haben dürfte oder durch einen nuklearen Schlagabtausch!

Der Iran hat sich als irre genug erwiesen, sich mit den USA anzulegen und kann sich glücklich schätzen, dass es nicht klappte. Die heutigen Ereignisse könnten den Iran fataler Weise zur Annahme verleiten, sie hätten die Spanne der Möglichkeiten noch nicht gänzlich ausgeschöpft. Man sollte sich da nicht vertun. Der Iran lotet suggestive aus, wie lange der Westen still hält und welche Länder sich in blanker Panik vor einem Konflikt von den Mullahs an der Nase herumführen lässt. Wehe, wenn diese Signale nicht sorgfältig in die Zukunftsplanung der maßgeblichen Regierungen mit ein fließt.

Propaganda ist das Eine - die Eier zu haben, sich ernsthaft mit den USA anzulegen oder die Bombe zu zünden, das Andere. Wie oft hat Kim Jong Un schon gedroht, die USA anzugreifen? Die Mullahs sind nicht irre, sondern am Machterhalt interessiert - der Versuch der Auslöschung Israels wäre die wahrhafte Auslöschung des Iran. Das wird niemals passieren. Es ist, wie schon immer in der Geschichte: Für ein (angeblich) einiges Volk braucht man einen Todfeind, um sein Handeln zu rechtfertigen. Heutzutage ist es aber nicht einfach so möglich, den Menschen Scheuklappen anzulegen, trotz Internetsperren und ähnlichem. Deshalb wird früher oder später dieses Regime fallen, aber nicht im amerikanischen Bombenhagel, sondern durch ein revoltierendes Volk - und hoffentlich so friedlich wie möglich, so unmöglich es auch scheint.
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Re: Qassem Soleimani tot?

Beitragvon Bobo » Mi 15. Jan 2020, 12:00

Arcturus hat geschrieben:(15 Jan 2020, 11:51)

Propaganda ist das Eine - die Eier zu haben, sich ernsthaft mit den USA anzulegen oder die Bombe zu zünden, das Andere. Wie oft hat Kim Jong Un schon gedroht, die USA anzugreifen? Die Mullahs sind nicht irre, sondern am Machterhalt interessiert - der Versuch der Auslöschung Israels wäre die wahrhafte Auslöschung des Iran. Das wird niemals passieren. Es ist, wie schon immer in der Geschichte: Für ein (angeblich) einiges Volk braucht man einen Todfeind, um sein Handeln zu rechtfertigen. Heutzutage ist es aber nicht einfach so möglich, den Menschen Scheuklappen anzulegen, trotz Internetsperren und ähnlichem. Deshalb wird früher oder später dieses Regime fallen, aber nicht im amerikanischen Bombenhagel, sondern durch ein revoltierendes Volk - und hoffentlich so friedlich wie möglich, so unmöglich es auch scheint.



Dein Wort in Gottes Ohr, wie man so schön sagt. Nur lassen die Ereignisse rund um den Iran keine Raum für Spekulation. Ein Krieg zwischen dem Iran und den USA wäre auch das Ende des Mulla Regimes; deshalb ist man gut beraten, die Entschlossenheit derselben zum Machterhalt nicht zu unterschätzen. Innere Stärke kann auch entstehen, wenn man den Volkszorn nach Außen lenkt. Wie du vermute auch ich, dass das Volk selbst die Mullahs irgendwann in die Wüste schicken wird, und die Aufnahmen von den Demonstranten, die sich weigerten über die US- und Israelfahnen zu laufen, lassen hoffen, dass der Teil in der Bevölkerung, der sich nicht länger für peinliche Hassszenarien instrumentalisieren lassen möchte, langsam größer wird. Tatsächlich sehe ich die Chance, dass ein von Innen ausgelöster Machtwechsel die Wahrscheinlichkeit gegen Null senkt, dass andere religiöse irre an die Macht kämen. Die jungen Iraner, und das ist die erschlagende Mehrheit, könnten die Schnauze von dem Gottesstaat voll haben.

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