Die eigentliche Genialität im Kapitalismus ...

Moderator: Moderatoren Forum 1

Benutzeravatar
franzmannzini
Beiträge: 383
Registriert: Sa 16. Mai 2020, 20:10

Re: Die eigentliche Genialität im Kapitalismus ...

Beitragvon franzmannzini » Di 30. Jun 2020, 20:40

Papaloooo hat geschrieben:(30 Jun 2020, 07:32)

Das Problem ist doch, dass die Zukunft und ihre unüberschaubaren Möglichkeiten der große Unsicherheitsfaktor in den Gleichungen der Wirtschaftssysteme darstellt.
Werden eines Tages wirklich Computer und Roboter die meisten humanoiden Tätigkeiten ablösen?
Wird dann das Kapital und somit die Macht in den Händen einiger weniger liegen?
Würden die Staatssysteme noch immer auf die Bürger hören, wenn diese nur noch auf Almosen durch den Staat angewiesen sind?
Wenn man Rentierstaaten anschaut (ich meine nicht das Weihnachtsstier, sondern die Berentung ab der Jugend),
dann ein klares Nein.
Aber dann wäre eine Revolution unumgänglich.
Wie stellt sich die Zukunft dar?
Wir wissen es nicht!
Wie haben sich die Menschen in den 1960ern die 2000er vorgestellt?
Genau so sehr tappen wir über die 2060er im Dunkeln.


Natürlich wissen wir nicht was die Zukunft bringt, jedoch ist bereits jetzt erkennbar, das ein bestimmter Anteil der Bevölkerung
nicht mehr für den Betrieb des Kapitalismus benötigt wird. Und es werden mehr.
Momentan wird das Problem so gelöst, das man diesen Menschen Geld in die Hand gibt, das heißt die Erfolgreichen (noch die Mehrheit) lassen noch eine gewisse Teilhabe
der weniger Erfolgreichen an ihrem Erfolg zu, dieses Verhalten ist aber eher rückläufig.
Denn hier geht es nur um Umverteilung und nicht etwa um eine Verhaltensänderung im Bezug auf das Wirtschaften.
Letztendlich gräbt sich der Kapitalismus die Grundlagen seines eigenen Erfolges immer weiter ab.
Es gibt nur eine Welt, wenn die "verbraucht" ist, dann ist Ende im Gelände.
Die noch vorhandene Begeisterung der Menschen für den Kapitalismus zeigt auch wie weit sich der Mensch in den letzten 100.000 Jahren entwickelt hat,
nämlich ungefähr von der Tapete bis zur Wand, denn Kapitalismus versteht jeder, sofort, denn er entspricht den Naturell der meisten Menschen.

Da ich ein großer Fan von Science-Fiction bin, habe ich ein ungefähres Bild über die Zukunft der Menschheit,
eine positive ist es eher nicht, ich sehe da zum einen eine staatenlose Wirtschaftsgesellschaft wie in Blade Runner oder schlimmer noch The Road,
besonders dann, wenn wir, die Menschen so weiter machen wie bisher.

Und wenn ich darüber philosophieren soll, was sich die Menschen für die Zukunft vorstellen, dann geht es einem großen Teil der Menschen in meinem
Dunstkreis eher darum, wo der nächste Urlaub stattfindet, ob man ein Grundstück erwirbt und was 1kg Nutella morgen im Angebot kostet.
Weitergehende Überlegungen kann ich da häufig nicht feststellen.

Finde ich das verwerflich? Nein. Denn mir ist nichts menschliches fremd.
"Ek is 'n Ranger.
Ons loop in die donker plekke, niemand sal binnekom nie.
Ons staan op die brug, en niemand mag slaag nie.
Ons leef vir die Een, ons sterf vir die Een. "
Benutzeravatar
Papaloooo
Beiträge: 1902
Registriert: Sa 8. Jul 2017, 15:11
Wohnort: Nürnberg
Kontaktdaten:

Re: Die eigentliche Genialität im Kapitalismus ...

Beitragvon Papaloooo » Di 30. Jun 2020, 21:20

Kohlhaas hat geschrieben:(30 Jun 2020, 20:04)

Entschuldige, aber was soll ich zu Deiner persönlichen Situation denn sagen? Was erwartest Du in einer Diskussion über Sachthemen? Wenn das die einzige Frage ist, auf die ich Deiner Meinung nach nicht geantwortet habe, dann fühle ich mich vollständig entschuldet.


Vielleicht. Vielleicht auch nicht. Das ist hier aber nicht Thema. Hier geht es doch um die Frage, was am Kapitalismus "genial" ist. Meinst Du, man muss den (für uns segensreichen) Kapitalismus "genial" finden???

Im Übrigen hast Du von mir Zukunftsvisionen verlangt, die hier sonst niemand geliefert hat und die auch gar nicht Thema der Debatte sind.

Also Zitate wie diese auf meine Statements sind schon recht anmaßend: "Und wenn jemand diese Unterschiede allein auf Leistungsbereitschaft zurückführt und die Verlierer damit zu faulen Deppen erklärt, dann wirkt das auf mich bestenfalls überheblich und selbstgerecht."
Wo habe ich sowas denn behauptet?
Ich fordere lediglich einen etwas konstruktiveren Dialog.
Das ist Kapitalismus:
Man kauft Dinge, die man nicht braucht von Geld, das man nicht hat, um Leute zu beeindrucken, die man nicht leiden kann.

Volker Pispers
Benutzeravatar
Gruwe
Beiträge: 2368
Registriert: Mo 9. Nov 2015, 15:58
Benutzertitel: Obertransistorialrat
Wohnort: Saarland

Re: Die eigentliche Genialität im Kapitalismus ...

Beitragvon Gruwe » Di 30. Jun 2020, 21:46

Kohlhaas hat geschrieben:(30 Jun 2020, 16:45)
Woher haben die anderen Kapitaleinkommensempfänger ihr Einkommen? Was Du beschreibst, wäre nichts anderes als Tauschhandel zwischen Kapitaleigentümern. Mir scheint, Du hast nicht verstanden, was Kapitalismus eigentlich ist.


Aus der Produktion "Ihrer" Maschinen und Roboter!
Natürlich. Was sollen wirtschaftliche Beziehungen sonst sein, wenn nicht realer Austausch von Gütern und Produktionsfaktoren?

Und zur Definition von Kapitalismus: Frag 10 Leute, erhalte 11 Definition von Kapitalismus. Alle haben allerdings zumindest mal gemein, dass im Kapitalismus Privateigentum am Produktionsfaktor Kapital herrscht (nicht ausschließlich). Ich habe im letzten Beitrag ja eine Quelle verlinkt, die die Definition ein wenig weiter fasst.

Und sonst mal wieder die alte Leier: Dem anderen mal wieder vorwerfen, er hätte nicht verstanden. Gäääähn :x


Wo haben die Leute, die kein Kapital besitzen, ihr Einkommen denn her?


Aus Erwerbsarbeit. Oder Transferleistungen. Da es in deinem Szenario keine Erwerbsarbeit mehr gibt, eben aus Transferleistungen. Oder eine andere, nicht beschriebene Quelle. Auf jeden Fall nicht aus Kapitaleinkommen.




https://de.wikipedia.org/wiki/Wertsch%C3%B6pfung_(Wirtschaft)


Ahhh, Du beziehst Deine Meinungen aus der Neoklassik. Das erklärt natürlich einiges. Haben die Neoklassiker sich eigentlich überhaupt mal zum Thema Mehrwert geäußert? Wenn ja, wo widersprechen sie den beiden von mir zitierten Definitionen des Begriffs "Mehrwert"?


Natürlich, in erster Linie lege ich die neoklassische Schule zugrunde. Warum auch nicht? Ist ja nicht umsonst der Standard heute...im Gegensatz zum Marxismus. Was nicht bedeutet, dass sie über jeden Zweifel erhaben ist.


Nur mal so am Rande: Die Neoklassiker gehen bei ihren Überlegungen von einem "idealen Markt" aus


Die Neoklassiker gehen von diesem idealen Markt lediglich bei den Grundlagen aus. Bei weiterführenden Konzepten, etwa Marktversagen, lassen sie diese Annahme fallen. Kann ich jetzt nichts dafür, wenn dir diese weiterführenden Konzepte der Neoklassik nicht vertraut sind.


Das setzt zwingend voraus, dass es NACHFRAGE gibt!


Und?


Das wiederum setzt voraus, dass zumindest die große Mehrheit der Menschen/Wirtschaftssubjekte Geld haben bzw. verdienen


Tun Sie doch!
In Deutschland gibt es knapp 45 Mio. Menschen, die Geld verdienen. Was ist damit also dein Problem?


Ein Kapitalismus Deiner Vorstellung, in dem Kapitaleigentümer miteinander handeln, wäre nicht denkbar.


Warum nicht? Sind Empfänger von Kapitaleinkommen KEINE Nachfrager?


Die Vorstellung würde die Begründer des der neoklassischen Theorie in ihren Gräbern rotieren lassen - wahrscheinlich so schnell, dass man die zum Ölbohren einsetzen könnte.


Was soll diese unnütze Plattitüde jetzt?


Dann erläuter doch bitte mal, wie "Kapitaleinkünfte" Deiner Meinung nach überhaupt zustande kommen! Kapital arbeitet ganz selbständig? Geld vervielfältigt sich ganz ohne menschliches Zutun?


Das ist DEINE Befürchtung, nicht meine!


Komm, erleuchte uns und erkläre, wie aus "Kapital" sowas wie "Einkünfte" entsteht!


Wie gesagt, "deine" Utopie! Du gehst davon aus, dass die Wertschöpfungsketten irgendwann in Zukunft gänzlich OHNE Erwerbsarbeit auskommen, d.h. Roboter und Maschinen leisten die Produktion jedes Gutes ganz alleine. Dann stellen die Maschinen in Besitz von Unternehmer 1 eben Waschmaschinen her, die Maschinen von Unternehmer 2 Autos, die Maschinen von Unternehmer 3 stellen Brote her, usw. So werden alle möglichen Güter jeweils von Maschinen hergestellt, die irgendwem gehören. Der kann dann seine hergestellen Produkte mit Unternehmen, die andere Produkte herstellen, tauschen. Inwiefern ist das in deiner Ansicht nach unmöglich?

Du behauptest: Kapital und Mehrwert existieren auch ohne Mitwirkung des Menschen. Ich behaupte: Ohne Mitwirkung des Menschen gibt es gar kein Kapital - und schon gar keinen Mehrwert.


Und? Das ist vollkommen irrelevant für die Frage, was in Zukunft ist. Aus deiner Utopie, dass sämtliche Wertschöpfungsketten ohne Arbeiter auskommen, folgt ja entsprechend aus, dass das auch für die Wertschöpfungsketten gilt, die eben diese Maschinen und Roboter herstellen.

Nimm zum Beispiel Gold. Das schlummerte Milliarden von Jahren in der Erde. Zu "Kapital" wurde es erst, als Menschen es gefördert haben, weil sie es "wertvoll" fanden.


Und wieso sollte Gold nicht rein von Maschinen förderbar sein?


Genau hier hast Du das geschrieben:


Und?
Das Kapital, das vorher in Privatbesitz war, ist weiterhin in Privatbesitz des Unternehmers.
Warum sollte das anders sein? Davon abgesehen, dass deine Utopie natürlich nie eintreten wird.


Wäre hilfreich, wenn Du mal vor die eigene Haustür schauen würdest, anstatt anderen Diskussionsteilnehmern logische Fehlschlüsse zu unterstellen. Du hast nachweisbar von "Privatbesitz" geredet. Das ist von "Staatsbesitz" zu unterscheiden. In Wahrheit war dies in der politischen Debatte bislang DAS zentrale Unterscheidungsmerkmal zwischen Kapitalismus (Privateigentum) und Kommunismus (Staatseigentum). Laber mir hier also bitte nicht vor, dass ich Dich nur "falsch verstanden" hätte! Steh einfach zu dem, was Du geschrieben hast.


Hör auf mit deine argumentativen Tricks!
Ich habe nirgendwo geschrieben, dass Kapitalismus bedeutet, dass alles Kapital im Privatbesitz sein muss!


Du musst nicht dauernd und bei allen Themen auf Marx rumreiten. Marx spielt nur eine Rolle für die Definition des Begriffs "Mehrwert". An dieser Stelle geht es aber um die Definition des Begriffs "Kapitalismus". Und da hast Du (ist oben zum zweiten Male zitiert!) behauptet, dass selbst eine auf Roboter gestützte Wirtschaft immer noch kapitalistisch wäre, weil sich ja das Kapital weiterhin in Privatbesitz befinden würde. Du hast da nicht weiter differenziert. Das war das EINZIGE Kriterium, das Du genannt hast. Wie gesagt: Ich habe es oben nochmal zitiert!


Das erschließt sich Jedem, der an einer ernsthaften Debatte interessiert ist und nicht zwanghaft versucht, die Aussagen des Gegenübers bewusst fehlzuinterpretieren.


Was ist Deiner Meinung nach wohl wichtiger für die Definition von "Kapitalismus"? Ist es das Privateigentum oder ist es vielleicht das Ziel der Gewinnmaximierung und die Steuerung des Marktes?

Nebenbei: Was wäre eigentlich, wenn in so einer Robotergesellschaft alles Kapital sich in Staatsbesitz befinden würde? Wäre das dann Deiner Auslegung immer noch Kapitalismus? Nö, wäre es nicht. Es wäre der ultimative Kommunismus. Vergleichbar mit einem Ameisenhaufen.

Du hättest den Text lesen sollen, ehe Du ihn verlinkst.

Da steht nirgendwo etwas drin, was sich so lesen ließe, als wäre Kapitalismus ohne Markt denkbar.

Dass dort Bezug auf den von Dir als irrelevant eingestuften Marx genommen wird, merke ich nur am Rande an.


Ich hab ganz ehrlich kein Interesse auf eine Diskussion auf diesem Diskussionsstil, der von dir an den Tag gelegt wird. Daher such dir irgendeinen anderen Doofen, dem du die Zeit rauben kannst mit deiner merkwürdigen Utopie!
Benutzeravatar
3x schwarzer Kater
Beiträge: 19232
Registriert: Mo 26. Mai 2014, 16:25
Benutzertitel: Do legst di nieda
Wohnort: Schwaben

Re: Die eigentliche Genialität im Kapitalismus ...

Beitragvon 3x schwarzer Kater » Di 30. Jun 2020, 21:56

Papaloooo hat geschrieben:(30 Jun 2020, 21:20)

Also Zitate wie diese auf meine Statements sind schon recht anmaßend: "Und wenn jemand diese Unterschiede allein auf Leistungsbereitschaft zurückführt und die Verlierer damit zu faulen Deppen erklärt, dann wirkt das auf mich bestenfalls überheblich und selbstgerecht."
Wo habe ich sowas denn behauptet?
Ich fordere lediglich einen etwas konstruktiveren Dialog.


Wobei auch hier aufgrund der Wortwahl der Eindruck entsteht, dass es überhaupt Verlierer gäbe, also Menschen, die im gegenwärtigen System tatsächlich etwas verlieren und dass dieser Verlust systemimmanent wäre. Was zumindest noch nachzuweisen wäre. So ist es auch mit den anderen Plattitüden, die hier völlig unmotiviert und zusammenhanglos in den Raum gestellt werden. Auf so einem Niveau wirst du dich schwer tun auch nur ansatzweise so etwas wie einen konstruktiven Dialog zu finden. Da müsste ja schon mal Bereitschaft da sein sich mit dem Grundlegenden zu beschäftigen. Z.B. mit der Frage, was Kapitalismus überhaupt ist? Warum wir eigentlich wirtschaften? Was denn der Sinn eines Wirtschaftssystems ist? Aber das ist wohl nicht der Mühe wert ;)
„Es wurde schon alles gesagt, nur noch nicht von jedem.“ (Karl Valentin)
Benutzeravatar
Papaloooo
Beiträge: 1902
Registriert: Sa 8. Jul 2017, 15:11
Wohnort: Nürnberg
Kontaktdaten:

Re: Die eigentliche Genialität im Kapitalismus ...

Beitragvon Papaloooo » Mi 1. Jul 2020, 06:58

3x schwarzer Kater hat geschrieben:(30 Jun 2020, 21:56)

Wobei auch hier aufgrund der Wortwahl der Eindruck entsteht, dass es überhaupt Verlierer gäbe, also Menschen, die im gegenwärtigen System tatsächlich etwas verlieren und dass dieser Verlust systemimmanent wäre. Was zumindest noch nachzuweisen wäre. So ist es auch mit den anderen Plattitüden, die hier völlig unmotiviert und zusammenhanglos in den Raum gestellt werden. Auf so einem Niveau wirst du dich schwer tun auch nur ansatzweise so etwas wie einen konstruktiven Dialog zu finden. Da müsste ja schon mal Bereitschaft da sein sich mit dem Grundlegenden zu beschäftigen. Z.B. mit der Frage, was Kapitalismus überhaupt ist? Warum wir eigentlich wirtschaften? Was denn der Sinn eines Wirtschaftssystems ist? Aber das ist wohl nicht der Mühe wert ;)

Stimmt und das ist es auch, was ich sinngemäß sagte.
Bei diesem Bemühen, das System schlecht zu reden,
sollte doch auch irgendwas durchsickern,
wie denn dann sonst das System aussehen solle.
Das ist Kapitalismus:
Man kauft Dinge, die man nicht braucht von Geld, das man nicht hat, um Leute zu beeindrucken, die man nicht leiden kann.

Volker Pispers
Benutzeravatar
franktoast
Beiträge: 4191
Registriert: So 29. Jun 2014, 10:24

Re: Die eigentliche Genialität im Kapitalismus ...

Beitragvon franktoast » Do 2. Jul 2020, 10:29

Kohlhaas hat geschrieben:(29 Jun 2020, 20:36)
DU warst derjenige, der die Regeln des Kapitalismus mit der Mathematik gleichgesetzt hat. Wirf jetzt bitte nicht mir vor, dass der Vergleich absolut sinnfrei war. Genau darauf hatte ich hingewiesen.

Ok, zeig mir, wo ich Kapitalismus und Mathematik "gleich gesetzt" habe. Gleich gesetzt als was? Als Wort in einem Satz? ja. Dann sind aber "in" und "einem" auch im letzten Satz gleich gesetzt.

Jetzt wird es lächerlich! Willst Du uns vorgaukeln, dass den Leuten, die bei Tönnies in sklavereiähnlichen Zuständen geschuftet und vegetiert haben, doch eigentlich die ganze Welt offengestanden hätte? Warum haben die dann unter diesen Bedingungen bei Tönnies gearbeitet? Weil sie blöd sind?

Oder willst Du sagen, dass die keinen Grund zur Klage haben, weil es ihnen zuhaus noch dreckiger gegangen wäre?

Was davon rechtfertigt die menschenunwürdigen Zustände bei Tönnies?

Also deinen Ausführungen entnehme ich, dass es bei Tönnies in Deutschland fast gar nicht schlimmer ginge. Den Sklaven in Amerika vor 200 Jahren erschien es besser zu gehen. Aber du erkennst an, dass es in Rumänien noch schlimmer vorgehen könnte? Du meinst also, die Arbeit in Rumänien - immerhin EU Land - ist schlimmer als "sklavenähnlich"?

Jetzt komm mal hier wieder auf den Teppich. Dich kann man nicht mehr ernst nehmen.

Und viel wichtiger: Wie kommst Du auf die absurde Idee, dass der Kapitalismus solche Auswüchse verhindern würde? Ist ja schließlich nicht so, dass derartige Sauereien nur bei Tönnies passiert wären...

Was genau ist denn bei Tönnies passiert? War/ist die Fleischverarbeitung in nicht-kapitalistischen Ländern besser?


Knallharter Wettbewerb.... Schöne Formulierung. Ich hatte darauf hingewiesen, dass es vor ein paar Jahren noch rund 30 Handelsunternehmen gab, heute noch sieben. Wie wirkt sich das Deiner Meinung nach auf den Wettbewerb aus? Es ist doch wohl mittlerweile ein offenes Geheimnis, dass die Handelsunternehmen die Zulieferer voll in der Hand haben und Abgabepreise erzwingen können, die nur noch wenig über den Herstellungspreisen liegen. Aber Deiner Meinung nach verhindert der Kapitalismus ja solche Missstände. Die Realität sieht so aus, dass nur staatliche Regulierungsmaßnahmen verhindern, dass es noch schlimmer geworden ist.

Zum Wettbewerb braucht man theoretisch gar keine Mitbewerber. Es reicht die Angst, wenn man einen Fehler macht, sprießen Duzende neue Wettbewerber aus dem Boden. Offenbar haben wir aktuell die Situation, dass wir weltweit eine der niedrigsten Lebensmittelpreise (relativ zur Qualität) haben. Aldi und Co. haben eine im internationalen Vergleich niedrige Gewinnmarge. Dazu liegt der Verdienst der Mitarbeiter etwa 50% über dem Mindestlohn. Hier scheint erstmal alles gut. Die Zulieferer bestehen oft aus kleineren Betrieben, also statt 7 Wettbewerber gibt es Hunderte. Prima, du müsstest erstmal in die Hände klatschen. Aber kleinere Betriebe bezahlen schlechter. Das was du bei den Handelsunternehmen auch willst, oder?

Ja Tönnies hat Minestlohn bezahlt, durch Überstunden womöglich weniger. Das finde ich nicht ok. Meiner Ansicht nach ist das ein Regelverstoß und im Kapitalismus gibt es nun mal auch Regeln. Dazu gibt es Mindesthygieneauflagen. Egal ob der Betrieb nun kapitalistisch oder sozialistisch ist, kann es zu Regelüberschreitungen kommen. Denn auch der sozialistische Betriebsleiter will gute Zahlen liefern, oder?

Kann man den Regelverstoß im Kapitalismus verhindern? Nein. Kann man ihn in einem nicht-kapitalistischen System verhindern? Nein. Also ist es keine valide Kapitalismuskritik.

Ganz nebenbei: Tönnies stand nie am Rande des Bankrotts. Der ist Milliardär geworden. Wie hat er das nur schaffen können???

Er ist Milliardär geworden, weil er pro Packung Wurst ein paar Prozent Gewinnmarge eingesteckt hat, die dann zum Aufbau in die Fabrik geflossen sind, um noch mehr Wurst zu verkaufen.

Na und? Wo wäre das Problem? Das ist halt der Kapitalismus. Wenn rumänische Hersteller die Fleischwurst billiger liefern können als deutsche Hersteller, dann kauft man eben die rumänische Wurst. Ist doch besser, als hier sklavereiähnliche Zustände zu dulden, um nur ja deutsche Wurst kaufen zu können.

Kommt mir nicht schlüssig vor, außer du wärst ein Nationalist und willst diese rumänischen Mitarbeiter eh nicht hier haben. Sofern es nicht auf deutschem Boden wäre, sind noch schlechtere Umstände kein Problem, oder? Aber keine Angst. Linke haben schon immer den Hang zu nationalistischem Denken.

Oh, jetzt kommt das Mensch-Maschine-Thema... Man mag von Karl Marx halten was man will, aber er hat nachvollziehbar dargelegt, dass "Mehrwert" nur durch menschliche Arbeit entsteht. Wenn alle Waren und Dienstleistungen von Robotern oder Maschinen hergestellt würden, gäbe es keinerlei Mehrwert. Weil dann nämlich niemand mehr da wäre, der Waren und Dienstleistungen bezahlen könnte.

Ziel einer Wirtschaft ist es, Waren und Dienstleistungen konsumieren zu können. Es ist nie das Problem, die hergestellten Güter zu konsumieren. Der Mehrwert im Sinne von Wertschaffung entsteht dadurch, dass zwei Akteure etwas tauschen, von dem sie beide denken, etwas davon zu haben. Wenn du eine Krawatte hast, aber meinen Kugelschreiber lieber magst und ich meinen Kugelschreiber lieber als deine Krawatte habe, findet kein Tausch statt. Würde ich tauschen, wäre ich ja blöd und nicht profitieren. Wenn aber ich deine Krawatte lieber mag bzw. als wertvoller einschätze als meinen Kugelschreiber, dann tauschen wird und gehen beide mit dem subjektiv wertvollere Teil nach Hause. Wir haben beide von den Tausch profitiert.
Subjektive Wertlehre. Aus Sicht der Marxisten gibt es das nicht. Es gibt nur objektive Werte. Somit wäre ein Tausch nie zu beidseitigem Vorteil. So wären zB. in die Herstellung der Krawatte mehr zeitlicher Aufwand in die Herstellung geflossen als in den Kugelschreiber und tauschst du deine Krawatte gegen meinen Kugelschreiber, hättest du verloren.
-> Das ist schlichtweg absurd.
Selbst wenn du deine Krawatte behältst, ändert sie aus deiner Sicht ja dauernd den Wert. Vielleicht hast du sie zu einer Hochzeit gekauft und du brauchst sie danach nie wieder. Oder sie gefällt dir irgendwann nicht mehr oder sie sieht irgendwann älter aus.
Wenn du die Logik der subjektiven Werte weiter spinnst, merkst du irgendwann, dass ein Arbeitnehmer einfach nur seine Arbeitszeit gegen einen Lohn (unter allen vereinbarten Bedingungen tauscht) und beide Parteien das nur machen, wenn sie davon profitieren.

Natürlich kann nun die Wertpolizei reinpreschen, die dich davor beschützen will, dass du deine vermeintlich weniger wertvolle Krawatte gegen meinen Kugelschreiber tauschst, aber die Wertpolizei kennt doch gar nicht deine Sichtweise. Vielleicht hättest du die Krawatte ansonsten in den Müll geworfen, weil du sie schlichtweg nicht mehr brauchst. Und wenn ein Rumäne nach Deutschland auswandert und bei Tönnies arbeitet, kann auch die Wertpolizei eingreifen. Aber weißt du, was in dem Rumänen vorgeht? Vielleicht hat er vorher für 15€/h am Bau gearbeitet, aber seine Haut ist anfällig für Melanome und er hält die Sonne nicht aus.

Kannst du dieser Logik folgen?
Ein freier Mensch muß es ertragen können, daß seine Mitmenschen anders handeln und anders leben, als er es für richtig hält, und muß sich abgewöhnen, sobald ihm etwas nicht gefällt, nach der Polizei zu rufen.
Benutzeravatar
franzmannzini
Beiträge: 383
Registriert: Sa 16. Mai 2020, 20:10

Re: Die eigentliche Genialität im Kapitalismus ...

Beitragvon franzmannzini » Do 2. Jul 2020, 17:13

Kohlhaas hat geschrieben:(30 Jun 2020, 11:33)

Der Kapitalismus ist keine Gesellschaftsordnung. Es ist ein Wirtschaftssystem, das von der Gesellschaftsordnung vollkommen unabhängig ist. Da es in jeder Gesellschaft und in jeder Gesellschaftsordnung Individuen gab und gibt, die aus unterschiedlichen Gründen nicht "produktiv" sind oder sein können, hat der Umgang mit diesen Menschen auch erstmal nichts mit dem Wirtschaftssystem zu tun. Auch Jäger- und Sammler-Gesellschaften müssen irgendwie mit solchen "nicht produktiven" Mitgliedern umgehen. Sie haben dazu nur andere Lösungen als dies im Kapitalismus der Fall ist.


Jede Gesellschaftsordnung betreibt irgend eine Art von einem Wirtschaftssystem, ein Wirtschaftssystem(Ordnung) ist immer ein Bestandteil einer Gesellschaftsordnung,
beides kann voneinander nicht getrennt werden.
Auch bei den Jägern und Sammlern, gab es ein Wirtschaftssystem (Subsistenz). In einigen Ländern unserer Erde sind bestimmte Bevölkerungsgruppen
dieser Art vom Wirtschaften noch nicht entkommen, nach 100.000 Jahren.
Und zur Zeit der "Jäger und Sammler" musste gar nicht mit den "nicht produktiven" Mitgliedern der Gesellschaft umgegangen werden,
sie sind schlicht und einfach verhungert.
"Ek is 'n Ranger.
Ons loop in die donker plekke, niemand sal binnekom nie.
Ons staan op die brug, en niemand mag slaag nie.
Ons leef vir die Een, ons sterf vir die Een. "
Kohlhaas
Beiträge: 2751
Registriert: So 24. Feb 2019, 19:47

Re: Die eigentliche Genialität im Kapitalismus ...

Beitragvon Kohlhaas » Do 2. Jul 2020, 17:47

franzmannzini hat geschrieben:(02 Jul 2020, 17:13)Und zur Zeit der "Jäger und Sammler" musste gar nicht mit den "nicht produktiven" Mitgliedern der Gesellschaft umgegangen werden,
sie sind schlicht und einfach verhungert.

Archäologen und Vor- und Frühgeschichtler haben das Gegenteil nachgewiesen.

Zurück zu „1. Wirtschaft“

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: lili und 3 Gäste