Kapitalismus und Ungleichheit

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schokoschendrezki
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Kapitalismus und Ungleichheit

Beitragvon schokoschendrezki » Mi 11. Dez 2019, 10:40

Die Diskussionen zum Phänomen Armut in Deutschland laufen seit einiger Zeit ganz schön heiß. Ich halte nicht hinter dem Berg damit, dass in allen Fällen, in denen ich in D mit Armut in Form von Überschuldung, Stromsperren, Kindervernachlässigung etc. konfrontiert war, die Ursache darin bestand, dass die eigentlichen verantwortlichen Personen lieber den ganzen Tag lang TV-Serien schauen und Pizza liefern lassen als sich um etwas zu kümmern. Auch wenn mir klar ist, dass ich mich damit für einige zum Nazi mache und dass hier natürlich die Gefahr einer unzulässigen Verallgemeinerung persönlicher Erfahrungen liegt.

Aber einen Rückzug ins private Wohlstandsleben oder ein Blindstellen vor Problemen bedeutet das noch lange nicht. Nehmen wir nur einmal das Problem der hohen Jugendarbeitslosigkeit in allen südeuropäischen Ländern (bei gleichzeitig mindestens guter Wirtschaftskraft wohlgemerkt). Warum eigentlich soll mir ein Sozialhilfeempfänger in Genthin oder Anklam emotional näher stehen als junge Leute in Madrid, Athen, Lissabon oder Palermo, die in nicht geringer Anzahl ein schwieriges Studium hinter sich gebracht haben und nun mit Mitte 30 noch immer noch bei den Eltern wohnen und ihr Geld mit Taxifahren oder an der Supermarktkasse verdienen. Weil es nicht anders geht. Warum? Im Gegenteil: Es regt sich in mir eher ein Gefühl der Ungerechtigkeit, wenn dieses unbelohnte Engagement vergessen wird.

Jobs zumindest gibts seit einiger Zeit in Deutschland reichlich. Wenn auch nicht überall gleichmäßig. Sowohl für Ungelernte wie auch für Hochqualifizierte.
Zuletzt geändert von Brainiac am Fr 13. Dez 2019, 11:58, insgesamt 1-mal geändert.
Grund: [MOD] Abgetrennte Nebendiskussion aus dem Strang "Mentalitätsunterschiede"
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Re: Mentalitätsunterschiede zwischen Ost und West

Beitragvon Realist2014 » Mi 11. Dez 2019, 10:52

schokoschendrezki hat geschrieben:(11 Dec 2019, 10:40)

. Ich halte nicht hinter dem Berg damit, dass in allen Fällen, in denen ich in D mit Armut in Form von Überschuldung, Stromsperren, Kindervernachlässigung etc. konfrontiert war, die Ursache darin bestand, dass die eigentlichen verantwortlichen Personen lieber den ganzen Tag lang TV-Serien schauen und Pizza liefern lassen als sich um etwas zu kümmern. Auch wenn mir klar ist, dass ich mich damit für einige zum Nazi mache und dass hier natürlich die Gefahr einer unzulässigen Verallgemeinerung persönlicher Erfahrungen liegt.

.


Für mich machst du dich dazu zum Realisten.

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Re: Mentalitätsunterschiede zwischen Ost und West

Beitragvon Bartleby » Mi 11. Dez 2019, 11:09

Selina hat geschrieben:(11 Dec 2019, 10:22)

Ja klar, ich verstehe gut, was du meinst. Ich denke nur wirklich, dass dieser Kleingeist universell ist. Es gab schon immer und überall auch weltoffene, tolerante Freigeister, sogar in der im Schnitt kleingeistigen DDR. Und solche Leute findest du auch in Bayern in den größeren Städten. Und auf der anderen Seite, ob Ost, ob West, gibts immer auch Kleinkariertheit und Sehnsucht nach den 50ern. Beides zur gleichen Zeit vorhanden.


Weil Linke so etwas permanent durch die Blume oder direkt verkünden, ist die Linkspartei so unerfolgreich. Glauben Sie im Ernst, dass Menschen, denen die Sicherheit, wie JjazzGold sie oben so treffend beschrieb, fehlt, Vertreter wählen, die sie moralisch in den Senkel stellen? Und dabei selbst so retro sind, dass es quietscht? :D
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Re: Mentalitätsunterschiede zwischen Ost und West

Beitragvon Ammianus » Mi 11. Dez 2019, 11:49

schokoschendrezki hat geschrieben:(11 Dec 2019, 10:31)

Na Moment mal, A. Die Reaktionen der anderen ... äh ... ungefähr zehn Landesrundfunkanstalten Anfang der 70er zur Sesamstraßenübernahme war komplett und total anders. Insbesondere die des NDR.


Ja, aber Bayern war immer noch mal ein Stück konservativer. Die haben öfter mal auch auf den Hauptkanälen anderes gesendet. Von 1957 bis 1994 wählte eine Mehrheit der Bayern bei Bundestagswahlen die CSU. Das war eine andere Welt und dort im Süden noch mal ganz anders.
Doch eben auch allgemein. Wer z.B. junger SS-Offizier war, der befand sich zu Beginn der 70er in seinen besten Jahren, hatte vielleicht alles erreicht, eine Familie usw. und saß irgendwo als mittlere Führungskraft. Und um auf das Strangthema zu kommen. Was ist mit dem jungen Stasi-Offizier und seiner Familie. Bei dem oder der Staatsbürgerkundelehrerin kommt vielleicht noch der Frust des Verlierers hinzu der nicht mehr offen sein Leben loben darf. Das war bei den Hitler-Anhängern damals anders. Die blieben meist in ihren Ämtern oder kamen wieder rein. Was auch daran liegt, dass die Gesamtqualifikation der Bevölkerung zu der Zeit viel geringer war als heute.
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Re: Mentalitätsunterschiede zwischen Ost und West

Beitragvon Selina » Mi 11. Dez 2019, 11:56

schokoschendrezki hat geschrieben:(11 Dec 2019, 10:40)

Die Diskussionen zum Phänomen Armut in Deutschland laufen seit einiger Zeit ganz schön heiß. Ich halte nicht hinter dem Berg damit, dass in allen Fällen, in denen ich in D mit Armut in Form von Überschuldung, Stromsperren, Kindervernachlässigung etc. konfrontiert war, die Ursache darin bestand, dass die eigentlichen verantwortlichen Personen lieber den ganzen Tag lang TV-Serien schauen und Pizza liefern lassen als sich um etwas zu kümmern. Auch wenn mir klar ist, dass ich mich damit für einige zum Nazi mache und dass hier natürlich die Gefahr einer unzulässigen Verallgemeinerung persönlicher Erfahrungen liegt.

Aber einen Rückzug ins private Wohlstandsleben oder ein Blindstellen vor Problemen bedeutet das noch lange nicht. Nehmen wir nur einmal das Problem der hohen Jugendarbeitslosigkeit in allen südeuropäischen Ländern (bei gleichzeitig mindestens guter Wirtschaftskraft wohlgemerkt). Warum eigentlich soll mir ein Sozialhilfeempfänger in Genthin oder Anklam emotional näher stehen als junge Leute in Madrid, Athen, Lissabon oder Palermo, die in nicht geringer Anzahl ein schwieriges Studium hinter sich gebracht haben und nun mit Mitte 30 noch immer noch bei den Eltern wohnen und ihr Geld mit Taxifahren oder an der Supermarktkasse verdienen. Weil es nicht anders geht. Warum? Im Gegenteil: Es regt sich in mir eher ein Gefühl der Ungerechtigkeit, wenn dieses unbelohnte Engagement vergessen wird.

Jobs zumindest gibts seit einiger Zeit in Deutschland reichlich. Wenn auch nicht überall gleichmäßig. Sowohl für Ungelernte wie auch für Hochqualifizierte.


Du machst dich damit natürlich nicht zum Nazi, aber zum Konservativen, der hier auf weit ausgebreitete Arme und viel Zuspruch stoßen wird. Wie gesagt, den Gammel-Pseudo-Armuts-Ausschnitt den du da immer beschreibst, gibt es auch. Ich weiß. Aber es gibt auch die strukturelle Armut. Working poor. Prekäre schlecht bezahlte Arbeit und sehr niedrige Renten als Folge. Und das natürlich weltweit, aber eben auch in Deutschland. Hab zig Mal Beispiele gebracht, Armutsforscher-Texte verlinkt, eigene Erfahrungen gebracht. Dein ständiges Leugnen dieser Tatsachen, vielleicht aus der Sicht eines zufriedenen Stadtrand-Hausbesitzers, rückt dich ein wenig in dieselbe kleinbürgerliche Ecke, die du ansonsten immer so kritisierst. Aber was solls. Du wirst selbst wissen, warum du dieses merkwürdige konservative Menschenbild, Motto "selber schuld, dass du arm bist", immer wieder so anpreist. Statt dir die Strukturen anzuschauen. Vielleicht, um nicht zufällig im selben Atemzug mit linksorientierten Leuten genannt zu werden, weil das hier ja igitt ist... Wer weiß.
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Re: Mentalitätsunterschiede zwischen Ost und West

Beitragvon 3x schwarzer Kater » Mi 11. Dez 2019, 12:12

schokoschendrezki hat geschrieben:(11 Dec 2019, 10:40)

Die Diskussionen zum Phänomen Armut in Deutschland laufen seit einiger Zeit ganz schön heiß. Ich halte nicht hinter dem Berg damit, dass in allen Fällen, in denen ich in D mit Armut in Form von Überschuldung, Stromsperren, Kindervernachlässigung etc. konfrontiert war, die Ursache darin bestand, dass die eigentlichen verantwortlichen Personen lieber den ganzen Tag lang TV-Serien schauen und Pizza liefern lassen als sich um etwas zu kümmern. .


Man kann es ein bisschen weniger polemisch ausdrücken. Die Ursache liegt darin, dass die betroffenen Personen der Notwendigkeit sich auf angemessenem Niveau selber zu versorgen ganz einfach nicht die entsprechende Priorität bei der Entscheidungsfindung, wie man denn sein Leben gestaltet, eingeräumt haben. Was wiederum zeigt, dass wir es hier tatsächlich mit einem Wohlstandsproblem zu tun haben.
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Re: Mentalitätsunterschiede zwischen Ost und West

Beitragvon Diestel » Mi 11. Dez 2019, 12:14

schokoschendrezki hat geschrieben:(11 Dec 2019, 10:40)

Die Diskussionen zum Phänomen Armut in Deutschland laufen seit einiger Zeit ganz schön heiß. Ich halte nicht hinter dem Berg damit, dass in allen Fällen, in denen ich in D mit Armut in Form von Überschuldung, Stromsperren, Kindervernachlässigung etc. konfrontiert war, die Ursache darin bestand, dass die eigentlichen verantwortlichen Personen lieber den ganzen Tag lang TV-Serien schauen und Pizza liefern lassen als sich um etwas zu kümmern. Auch wenn mir klar ist, dass ich mich damit für einige zum Nazi mache und dass hier natürlich die Gefahr einer unzulässigen Verallgemeinerung persönlicher Erfahrungen liegt.

Aber einen Rückzug ins private Wohlstandsleben oder ein Blindstellen vor Problemen bedeutet das noch lange nicht.

Ich gehe davon aus, dass du dich ausschließlich in Mittelstandskreisen bewegst. Dort gibt es sie natürlich, die Leute, die sich überschulden, weil sie ihre Finanzen nicht in Griff haben, es gibt die Eltern, die lieber Tv-Serien schauen, als sich um ihre Kids zu kümmern und die Mütter, die keine Lust haben zu kochen und lieber den Bringdienst ordern.
Die gleichen Leute gibt es auch bei den unteren Einkommensschichten, aber nicht in der Ausschließlichkeit, wie du sie erfährst. In armen Familien passieren Überschuldung und Stromsperren oft einfach deshalb, weil das Geld nicht reicht.
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Re: Mentalitätsunterschiede zwischen Ost und West

Beitragvon Diestel » Mi 11. Dez 2019, 12:16

3x schwarzer Kater hat geschrieben:(11 Dec 2019, 12:12)

Man kann es ein bisschen weniger polemisch ausdrücken. Die Ursache liegt darin, dass die betroffenen Personen der Notwendigkeit sich auf angemessenem Niveau selber zu versorgen ganz einfach nicht die entsprechende Priorität bei der Entscheidungsfindung, wie man denn sein Leben gestaltet, eingeräumt haben. Was wiederum zeigt, dass wir es hier tatsächlich mit einem Wohlstandsproblem zu tun haben.

Man kann immer gute Ratschläge geben, wenn man selbst nicht mit einem finanziellen Budget am Rande des Existenzminimumums wirtschaften muss, nicht wahr?
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Re: Mentalitätsunterschiede zwischen Ost und West

Beitragvon 3x schwarzer Kater » Mi 11. Dez 2019, 12:18

Diestel hat geschrieben:(11 Dec 2019, 12:16)

Man kann immer gute Ratschläge geben, wenn man selbst nicht mit einem finanziellen Budget am Rande des Existenzminimumums wirtschaften muss, nicht wahr?


Ich wüsste nicht, wo ich einen Ratschlag gegeben hätte.
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Re: Mentalitätsunterschiede zwischen Ost und West

Beitragvon Diestel » Mi 11. Dez 2019, 12:21

3x schwarzer Kater hat geschrieben:(11 Dec 2019, 12:18)

Ich wüsste nicht, wo ich einen Ratschlag gegeben hätte.

Stimmt, das war nicht richtig ausgedrückt. Wird geändert in: „den Stab brechen“
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Re: Mentalitätsunterschiede zwischen Ost und West

Beitragvon 3x schwarzer Kater » Mi 11. Dez 2019, 12:24

Diestel hat geschrieben:(11 Dec 2019, 12:21)

Stimmt, das war nicht richtig ausgedrückt. Wird geändert in: „den Stab brechen“


Auch das habe ich nicht gemacht. Kann doch jeder selber entscheiden, welche Prioritäten er/sie in seinem Leben setzt.
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Re: Mentalitätsunterschiede zwischen Ost und West

Beitragvon Diestel » Mi 11. Dez 2019, 12:28

3x schwarzer Kater hat geschrieben:(11 Dec 2019, 12:24)

Auch das habe ich nicht gemacht. Kann doch jeder selber entscheiden, welche Prioritäten er/sie in seinem Leben setzt.

„ Die Ursache liegt darin, dass die betroffenen Personen der Notwendigkeit sich auf angemessenem Niveau selber zu versorgen ganz einfach nicht die entsprechende Priorität bei der Entscheidungsfindung, wie man denn sein Leben gestaltet, eingeräumt haben. “

Du unterstellst ihnen, die falschen Prioritäten zu setzen und sich damit nicht selbst versorgen zu können.
Das ist hochgradig anmaßend.
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Re: Mentalitätsunterschiede zwischen Ost und West

Beitragvon 3x schwarzer Kater » Mi 11. Dez 2019, 12:36

Diestel hat geschrieben:(11 Dec 2019, 12:28)

„ Die Ursache liegt darin, dass die betroffenen Personen der Notwendigkeit sich auf angemessenem Niveau selber zu versorgen ganz einfach nicht die entsprechende Priorität bei der Entscheidungsfindung, wie man denn sein Leben gestaltet, eingeräumt haben. “

Du unterstellst ihnen, die falschen Prioritäten zu setzen und sich damit nicht selbst versorgen zu können.
Das ist hochgradig anmaßend.


Ich korrigiere mich. Es sind natürlich nur die gemeint, die sich selber beschweren und letztendlich das Ergebnis ihrer Entscheidungen nicht akzeptieren.

Aber es ist natürlich auch in hochgradig anmaßend alle, die ein bestimmtes statistisches Kriterium erfüllen mit dem Begriff "arm" zu stigmatisieren ohne überhaupt zu hinterfragen, ob sie sich den selber auch als arm bezeichnen würden.
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Re: Mentalitätsunterschiede zwischen Ost und West

Beitragvon Realist2014 » Mi 11. Dez 2019, 12:41

Diestel hat geschrieben:(11 Dec 2019, 12:28)

„ Die Ursache liegt darin, dass die betroffenen Personen der Notwendigkeit sich auf angemessenem Niveau selber zu versorgen ganz einfach nicht die entsprechende Priorität bei der Entscheidungsfindung, wie man denn sein Leben gestaltet, eingeräumt haben. “

Du unterstellst ihnen, die falschen Prioritäten zu setzen und sich damit nicht selbst versorgen zu können.
Das ist hochgradig anmaßend.



Nö, das sind Fakten

Nachdem viele Bezieher von Grundsicherung damit klar kommen, sind die anderen einfach unfähig
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Re: Mentalitätsunterschiede zwischen Ost und West

Beitragvon Bartleby » Mi 11. Dez 2019, 12:43

3x schwarzer Kater hat geschrieben:(11 Dec 2019, 12:24)

Auch das habe ich nicht gemacht. Kann doch jeder selber entscheiden, welche Prioritäten er/sie in seinem Leben setzt.


Wenn das so wäre, wäre ich nicht nur im Umgang mit Menschen ein Liberaler, sondern auch politisch. Aber wenn man dieses rein idealistische Menschenbild nicht teilt, will sich einem das nicht mehr. Es geht an der Wirklichkeit vorbei, weil es ein Können, und implizit ein Sollen, behauptet, dem nichts in der Wirklichkeit entspricht. Ich weiß übrigens, wovon ich rede, ich habe etwa ein Drittel meiner "Karrieren" mit diesem Klientel gearbeitet. Da gibt es kein Können, da gibt es nur Müssen - so wie es bei den anderen im oberen Segment kein "Lassen" gibt, wenn die Regeln es gestatten oder umgehbar sind, sondern nur Wollen und Müssen.
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Re: Mentalitätsunterschiede zwischen Ost und West

Beitragvon 3x schwarzer Kater » Mi 11. Dez 2019, 13:01

Bartleby hat geschrieben:(11 Dec 2019, 12:43)

Wenn das so wäre, wäre ich nicht nur im Umgang mit Menschen ein Liberaler, sondern auch politisch. Aber wenn man dieses rein idealistische Menschenbild nicht teilt, will sich einem das nicht mehr. Es geht an der Wirklichkeit vorbei, weil es ein Können, und implizit ein Sollen, behauptet, dem nichts in der Wirklichkeit entspricht. Ich weiß übrigens, wovon ich rede, ich habe etwa ein Drittel meiner "Karrieren" mit diesem Klientel gearbeitet. Da gibt es kein Können, da gibt es nur Müssen - so wie es bei den anderen im oberen Segment kein "Lassen" gibt, wenn die Regeln es gestatten oder umgehbar sind, sondern nur Wollen und Müssen.


Auch sich nicht zu entscheiden ist eine Entscheidung. Und zugegebenermaßen wohl die fatalste aller Entscheidungen. Führt sie doch dazu, dass dann, wenn es daneben auch sie betrifft, andere für einen Entscheiden und damit der eigene Handlungsspielraum eingeschränkt wird, die möglichen Handlungsalternativen schrumpfen. Da kann dann aus einem Können schon ein Müssen werden.
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Re: Mentalitätsunterschiede zwischen Ost und West

Beitragvon schokoschendrezki » Mi 11. Dez 2019, 13:36

Diestel hat geschrieben:(11 Dec 2019, 12:14)

Ich gehe davon aus, dass du dich ausschließlich in Mittelstandskreisen bewegst. Dort gibt es sie natürlich, die Leute, die sich überschulden, weil sie ihre Finanzen nicht in Griff haben, es gibt die Eltern, die lieber Tv-Serien schauen, als sich um ihre Kids zu kümmern und die Mütter, die keine Lust haben zu kochen und lieber den Bringdienst ordern.
Die gleichen Leute gibt es auch bei den unteren Einkommensschichten, aber nicht in der Ausschließlichkeit, wie du sie erfährst. In armen Familien passieren Überschuldung und Stromsperren oft einfach deshalb, weil das Geld nicht reicht.


Diestel. Ich bitte dich. Erklär mir nicht und stelle auch bitte keine Vermutungen daüber an, in welchen "Kreisen" ich mich bewege! Du wirst in jedem Fall nur Totalirrtümern aufsitzen.
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Re: Mentalitätsunterschiede zwischen Ost und West

Beitragvon Realist2014 » Mi 11. Dez 2019, 13:48

Diestel hat geschrieben:(11 Dec 2019, 12:14)


. In armen Familien passieren Überschuldung und Stromsperren oft einfach deshalb, weil das Geld nicht reicht.


Nein, weil sie nicht mit Geld umgehen können.

Die Ansprüche müssen an das jeweilige Einkommen angepasst werden.

Wer von Transferleistungen lebt, dessen Grundeinstellung basiert auf einem einfachen Wort: Bescheidenheit

Da gibt es zwischen Ost und West keinen Unterschied
Zuletzt geändert von Realist2014 am Mi 11. Dez 2019, 13:55, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Mentalitätsunterschiede zwischen Ost und West

Beitragvon schokoschendrezki » Mi 11. Dez 2019, 13:53

Ammianus hat geschrieben:(11 Dec 2019, 11:49)

Ja, aber Bayern war immer noch mal ein Stück konservativer. Die haben öfter mal auch auf den Hauptkanälen anderes gesendet. Von 1957 bis 1994 wählte eine Mehrheit der Bayern bei Bundestagswahlen die CSU. Das war eine andere Welt und dort im Süden noch mal ganz anders.
Doch eben auch allgemein. Wer z.B. junger SS-Offizier war, der befand sich zu Beginn der 70er in seinen besten Jahren, hatte vielleicht alles erreicht, eine Familie usw. und saß irgendwo als mittlere Führungskraft. Und um auf das Strangthema zu kommen. Was ist mit dem jungen Stasi-Offizier und seiner Familie. Bei dem oder der Staatsbürgerkundelehrerin kommt vielleicht noch der Frust des Verlierers hinzu der nicht mehr offen sein Leben loben darf. Das war bei den Hitler-Anhängern damals anders. Die blieben meist in ihren Ämtern oder kamen wieder rein. Was auch daran liegt, dass die Gesamtqualifikation der Bevölkerung zu der Zeit viel geringer war als heute.

Ich will noch mal daran erinnern, wie ich eigentlich auf die "Sesamstraße" gekommen bin.
Und die Sesame Street – also eine Straße – ist es auch, auf der die Rahmenhandlung in den USA bis heute spielt. Sie hält rund 20 knackig-kurze Filme einer Folge zusammen. Auf dieser Sesame Street mit einem Hinterhof, mit einem Krämerladen, mit verbeulten Mülltonnen, treffen sich Muppets und Menschen:

Man sieht farbige Kinder zusammen mit weißen Kindern und viele farbige Erwachsene. Diese große Vielfalt ist sehr speziell. Und dann die Innenstadt- Szenerie: alles passiert in dieser Straße, man sieht viel vom Stadtbild, niedrige Hochhäuser. Hier ist es mal nicht der grüne Stadtrand, es sind nicht nur weiße Kinder und weiße Erwachsene. Das ist sehr besonders!

Das ursprüngliche Konzept wurde unter anderem von der Carnegie Stiftung mitfinanziert. Es hatte ausdrücklich das Ziel, sozial abgehängte Kinder eben nicht durch einen Nanny-Staat zu fördern, der Geld schickt, sondern durch die Idee, das jeder selbst das Zeug für Kreativität und Ideen hat.

Sosehr man dieses Hilf-dir-selbst-Konzept auch politisch kritisch sehen kann und muss: ALs mentale Grundhaltung finde diesen amerikanischen Ansatz absolut großartig. Und der ist auch nicht erst in den 60er Jahren entstanden. Die ganze Geschichte des schwarzen Jazz und Blues sind Beispiele für die Wirkmächtigkeit.

Es ist aber offenbar so, dass die Mentalität eines großen Teils der Deutschen sowohl West wie Ost, dieser Haltung, sagen wir mal ziemlich reserviert gegenüberstand. Der bayerische Gegenentwurf zur Sesame Street war das "Feuerrote Spielmobil" und dieses wiederum ein Nachfolger der Serie "Spielschule". Du brauchst dir nur einmal dieses komplett absurde Wort anschauen: Spielschule. "Spielen nach Anleitung".

Kurz: Zeittypisch war das nicht unbedingt. Wohl eher deutschtypisch. Vielleicht auch ein bissel europatypisch. Siehe die "Gemeinsame Agrarpolitik" der EU.
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Re: Mentalitätsunterschiede zwischen Ost und West

Beitragvon Diestel » Mi 11. Dez 2019, 14:32

schokoschendrezki hat geschrieben:(11 Dec 2019, 13:36)

Diestel. Ich bitte dich. Erklär mir nicht und stelle auch bitte keine Vermutungen daüber an, in welchen "Kreisen" ich mich bewege! Du wirst in jedem Fall nur Totalirrtümern aufsitzen.

Wer meint, mit solchen verallgemeinernden, pauschalisierenden „Erfahrungen“ wie „ Ich halte nicht hinter dem Berg damit, dass in allen Fällen, in denen ich in D mit Armut in Form von Überschuldung, Stromsperren, Kindervernachlässigung etc. konfrontiert war, die Ursache darin bestand, dass die eigentlichen verantwortlichen Personen lieber den ganzen Tag lang TV-Serien schauen und Pizza liefern lassen als sich um etwas zu kümmern.“ zu argumentieren, sollte akzeptieren, dass sich andere ihre Gedanken dazu machen. Wieviel Hartzer kennst du, die nur deshalb überschuldet sind, weil sie nur den ganzen Tag auf dem Sofa liegen und sich die Pizza liefern lassen?

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