Immobilienpreise - Spaltung der Gesellschaft in Besitzer und Besitzlose

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Atue001
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Re: Immobilienpreise - Spaltung der Gesellschaft in Besitzer und Besitzlose

Beitragvon Atue001 » Sa 28. Sep 2019, 00:23

franktoast hat geschrieben:(27 Sep 2019, 15:42)

Eben. Will man wirklich die Infrastruktur auf dem Land so viel verbessern. Überleg mal zwecks Klimaschutz. Eine 5km Straße, auf der pro Tag 10 Autos fahren oder auf der 1000 Autos fahren. Demnach wäre der Ressourcenverbrauch bei ersterer Straße 100mal so hoch (ok, auch wenn die Straße wohl auch länger hält). Deswegen würde ich behaupten, Landflucht ist gut fürs Klima.


Ach. Wenn München zu teuer relativ zur Attraktivität wäre, würde ja keiner hinwollen. Trotzdem wollen - trotz der Mieten - alle hin. Also steigt die Attraktivität schneller als die Mieten. Man könnte auch so argumentieren: Wenn der Wohlstand steigt, stellt sich immer die Frage: Was kauft man sich vom zusätzlichen Geld? Ein größeres Auto? Einen zusätzlichen Urlaubt? Mehr Freizeit? Eine größere Wohnung? Eine gleichgroße Wohnung in einer attraktiveren (aber auch teureren) Stadt? Kann ja jeder selber wählen.,


Nicht alles, was durch die Marktwirtschaft passiert, nützt auch den Menschen.

Grundlegend bin ich aber der Überzeugung, dass Märkte nur dann eine Berechtigung haben, wenn sie für die Menschen wirken. Märkte sind für die Menschen da, nicht die Menschen für die Märkte.

WEIL ich das so sehe, hält sich meine Begeisterung für falsch regulierte Märkte beispielsweise im Immobiliensektor in Grenzen.
Wenn sich junge Menschen München nicht mehr leisten können, ist das eine Fehlentwicklung.
NUR: Mein Schluß ist nicht zwingend, dass München billiger werden muss - sondern auch der, dass als Alternative die relative Attraktivität von München niedriger sein könnte - beispielsweise indem man den ländlichen Raum um München herum attraktiv macht. Warum muss jeder nach München? Wenn die Universitäten in anderen Bayrischen Städten wären, wären die Studenten schon mal nicht in München.......nur ein Beispiel.
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Re: Immobilienpreise - Spaltung der Gesellschaft in Besitzer und Besitzlose

Beitragvon franktoast » Sa 28. Sep 2019, 21:01

Alter Stubentiger hat geschrieben:(27 Sep 2019, 17:53)

Es geht um Verdrängung. Altmieter die eben nicht zu den Aufsteigern Zählen werden in den angesagten Städten rausgedrängt.

Jep, und Aufsteiger wollen in die Städte. Deswegen wird es in der Gesellschaft eher als was Gutes empfunden, wenn man aufsteigt und etwas Schlechtes, wenn man absteigt.
Und es gibt kein lebenslanges Mietrecht. Was ist mit denen, die ein schönes Haus bauen und dann in der Nähe ein Flughafen eröffnet?
Ein freier Mensch muß es ertragen können, daß seine Mitmenschen anders handeln und anders leben, als er es für richtig hält, und muß sich abgewöhnen, sobald ihm etwas nicht gefällt, nach der Polizei zu rufen.
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Re: Immobilienpreise - Spaltung der Gesellschaft in Besitzer und Besitzlose

Beitragvon franktoast » Sa 28. Sep 2019, 21:12

Atue001 hat geschrieben:(28 Sep 2019, 00:23)

Nicht alles, was durch die Marktwirtschaft passiert, nützt auch den Menschen.

Grundlegend bin ich aber der Überzeugung, dass Märkte nur dann eine Berechtigung haben, wenn sie für die Menschen wirken. Märkte sind für die Menschen da, nicht die Menschen für die Märkte.

Der Markt beschreibt nur ein System, in dem über Angebot und Nachfrage ein Preis entsteht und möglichst das produziert wird, was für die Menschen den höchsten Nutzen erzielt.

WEIL ich das so sehe, hält sich meine Begeisterung für falsch regulierte Märkte beispielsweise im Immobiliensektor in Grenzen.
Wenn sich junge Menschen München nicht mehr leisten können, ist das eine Fehlentwicklung.
NUR: Mein Schluß ist nicht zwingend, dass München billiger werden muss - sondern auch der, dass als Alternative die relative Attraktivität von München niedriger sein könnte - beispielsweise indem man den ländlichen Raum um München herum attraktiv macht. Warum muss jeder nach München? Wenn die Universitäten in anderen Bayrischen Städten wären, wären die Studenten schon mal nicht in München.......nur ein Beispiel.

Ich - der in zwei bayrischen Städten studiert hat, die nicht München sind - verrate dir ein Geheimnis. Die Region rund um München ist sehr attraktiv und arsch teuer. Genauso wie es in Regensburg, Nürnberg, Würzburg, Augsburg auch immer teurer wird. D
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Re: Immobilienpreise - Spaltung der Gesellschaft in Besitzer und Besitzlose

Beitragvon Alter Stubentiger » So 29. Sep 2019, 17:29

franktoast hat geschrieben:(28 Sep 2019, 21:01)

Jep, und Aufsteiger wollen in die Städte. Deswegen wird es in der Gesellschaft eher als was Gutes empfunden, wenn man aufsteigt und etwas Schlechtes, wenn man absteigt.
Und es gibt kein lebenslanges Mietrecht. Was ist mit denen, die ein schönes Haus bauen und dann in der Nähe ein Flughafen eröffnet?


Eine Gesellschaft lebt vom Zusammenhalt. Und eine reine Ellenbogengesellschaft findest auch du nur gut solange dein Ellenbogen der Stärkere ist. Das kann sich aber ganz schnell ändern.
Darum ist es wichtig dass die grundsätzlichen Dinge bezahlbar bleiben. Und da gibt es eben ein Problem beim Wohnen.
Niemand hat vor eine Mauer zu errichten (Walter Ulbricht)
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Re: Immobilienpreise - Spaltung der Gesellschaft in Besitzer und Besitzlose

Beitragvon franktoast » Mo 30. Sep 2019, 10:57

Alter Stubentiger hat geschrieben:(29 Sep 2019, 17:29)

Eine Gesellschaft lebt vom Zusammenhalt. Und eine reine Ellenbogengesellschaft findest auch du nur gut solange dein Ellenbogen der Stärkere ist. Das kann sich aber ganz schnell ändern.
Darum ist es wichtig dass die grundsätzlichen Dinge bezahlbar bleiben. Und da gibt es eben ein Problem beim Wohnen.

Naja, aber welches Argument gibt es, dass jemand nicht in der Stadt wohnen darf, obwohl er die Mittel dazu hat?
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Re: Immobilienpreise - Spaltung der Gesellschaft in Besitzer und Besitzlose

Beitragvon Alter Stubentiger » Mo 30. Sep 2019, 16:59

franktoast hat geschrieben:(30 Sep 2019, 10:57)

Naja, aber welches Argument gibt es, dass jemand nicht in der Stadt wohnen darf, obwohl er die Mittel dazu hat?


Dagegen hat keiner was. Aber es gibt gute Gründe die Machenschaften von Immobilienbesitzern und vor allem Immobiliengesellschaften zu unterbinden die die Preise mit Spekulationen in die Höhe treiben. Es ist ja auch so dass es durchaus auch viele Immobilienbesitzer geht dies sich an diesen menschenverachtenden Spielchen nicht beteiligen weil sie eben sehr anständig sind. Man muß also nicht Luxussanieren oder Mietwohnungen bewußer vergammeln lassen um die Bewohner loszuwerden oder an RB&B Reisende vermieten um den schnellen €uro zu machen. Es geht auch anders.

Eigentum verpflichtet auch. Steht im Grundgesetz.
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Re: Immobilienpreise - Spaltung der Gesellschaft in Besitzer und Besitzlose

Beitragvon franktoast » Mo 30. Sep 2019, 17:16

Alter Stubentiger hat geschrieben:(30 Sep 2019, 16:59)

Dagegen hat keiner was. Aber es gibt gute Gründe die Machenschaften von Immobilienbesitzern und vor allem Immobiliengesellschaften zu unterbinden die die Preise mit Spekulationen in die Höhe treiben. Es ist ja auch so dass es durchaus auch viele Immobilienbesitzer geht dies sich an diesen menschenverachtenden Spielchen nicht beteiligen weil sie eben sehr anständig sind. Man muß also nicht Luxussanieren oder Mietwohnungen bewußer vergammeln lassen um die Bewohner loszuwerden oder an RB&B Reisende vermieten um den schnellen €uro zu machen. Es geht auch anders.

Eigentum verpflichtet auch. Steht im Grundgesetz.

Das wäre dann aber kein guter Motivator. Ich meine, was heißt hier "Machenschaften". Wenn ich als Vermieter 500€ für eine Wohnung kalt verlange und falls mein Mieter auszieht, 100 Leute am nächsten Tag ohne Widerworte einziehen würden, wäre es falsch von mir, wenn ich 550 haben will? Warum sollte ich Geld in Renovierungen stecken, wenn ich die Miete nicht anheben darf?

Ein System, das darauf hofft, dass die Vermieter altruistisch handeln, ist zum Scheitern verurteilt. Wenn die Nachfrage bei Weitem höher ist als das Angebot, dann ist der Preis zu niedrig. Wenn der Preis nicht steigen darf, dann verfällt die Immobilie bzw. es finden sich andere dubiose Absprachen ala "Also die Küche können würden Sie beim Einzug für 10 000€ übernehmen?".

Ich werde vlt. eine Wohnung erben und mein Plan wäre: Ich kümmer mich einfach gar nicht drum anstatt die Miete zu erhöhen, was womöglich eh gar nicht geht. (genaugenommen wäre mein Plan, zu verkaufen, wenn das vom Vererber zugelassen würde)

Ich bin grad selber Mieter. Unser Vermieter hat uns gebeten, einer Mieterhöhung zuzustimmen. Tja, wir stimmen nicht zu. Der soll erstmal nachweisen, dass unsre Wohnung auf einem "üblichen" Niveau ist. Die letzten Wochen hat er sich aber mit dem Wasserschaden auseinandergesetzt und über 4(!) beteiligte Firmen die Sache koordiniert. Meine Schwiegereltern vermieten einen Teil ihres Hauses. Nix als Ärger. Ein Freund meines Vater hat sich auch eine Wohnung als Altersvorsorge gekauft. Nix als Ärger. Entweder hat man Mietnomanden oder man hat Mieter, die eh locker die Mittel hätten, eine andere Wohnung zu finden oder ein Haus zu kaufen. Natürlich kann man auch Glück mit den Mietern haben, aber muss eben nicht. Und wenn man mal die falschen Mieter hat, bekommst du die auch nicht wieder raus.
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Re: Immobilienpreise - Spaltung der Gesellschaft in Besitzer und Besitzlose

Beitragvon Alter Stubentiger » Mo 30. Sep 2019, 17:27

franktoast hat geschrieben:(30 Sep 2019, 17:16)

Das wäre dann aber kein guter Motivator. Ich meine, was heißt hier "Machenschaften". Wenn ich als Vermieter 500€ für eine Wohnung kalt verlange und falls mein Mieter auszieht, 100 Leute am nächsten Tag ohne Widerworte einziehen würden, wäre es falsch von mir, wenn ich 550 haben will? Warum sollte ich Geld in Renovierungen stecken, wenn ich die Miete nicht anheben darf?

Ein System, das darauf hofft, dass die Vermieter altruistisch handeln, ist zum Scheitern verurteilt. Wenn die Nachfrage bei Weitem höher ist als das Angebot, dann ist der Preis zu niedrig. Wenn der Preis nicht steigen darf, dann verfällt die Immobilie bzw. es finden sich andere dubiose Absprachen ala "Also die Küche können würden Sie beim Einzug für 10 000€ übernehmen?".


Du tust so als wären die Geschehnisse am Immobilienmarkt alle sehr moderat. Kein Markt funktioniert ohne Regeln. Darum wird auch jeder Wochenmarkt reguliert. Sonst würden sehr schnell Betrüger und Hütchenspieler die Szene beherrschen. Und so ist es auch am Immobilienmarkt. Das versteht jeder. Außer Marktliberalen.
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Re: Immobilienpreise - Spaltung der Gesellschaft in Besitzer und Besitzlose

Beitragvon pLenarum » Mo 30. Sep 2019, 19:03

Vorallem wird zwischen Wucher und eine angemessener Kostenkalkulation, die den anfallenden Aufwand sowie Gewinnaufschlag inkludiert, vermischt, so wie reine schwarz-weiß Malerei betrieben. Als ob zwischen Mietnomade und Oberschicht nichts existiert. Wir sehen ein Marktungleichgewicht also ist der Staat gezwungen einzugreifen, da Wohnraum ein grundlegendes Bedürfnis ist. Um mehr geht es doch nicht. Ansonsten können wir bald statt Wohnungen asiatische Schlafkabinen vermieten. Ich finde das nicht Begrüßenswert.
Nichts ist eindeutig. Verallgemeinerungen sind Lügen. Alle Verallgemeinerungen sind falsch, diese eingeschlossen.
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Re: Immobilienpreise - Spaltung der Gesellschaft in Besitzer und Besitzlose

Beitragvon Julian » Mo 30. Sep 2019, 19:26

Zuerst wird über Steuern und Abgaben und eine künstlich verbilligte Währung auf sozialistische Manier dafür gesorgt, dass sich viele Leute nichts ansparen können. Dann wird darüber gejammert, dass diese Leute sich keine Immobilien leisten können. Als Lösung werden dann wieder sozialistische Maßnahmen vorgeschlagen.

Verstehe das, wer will. Einfach mehr Freiheit, geringere Steuern, mehr Spielräume für Bürger und Unternehmen. Andere Länder können es doch auch.

Leider führen sozialistische Maßnahmen in einen Teufelskreis, der erst durchbrochen wird, wenn alles den Bach runter ist - vor allem auch, weil sie den Staat immer weiter stärken und die Bürger immer weiter entmündigen. Seltsamerweise fühlen sich aber viele Bürger in diesem entmündigten Zustand wohl; die Politiker, die mit der Gießkanne Geld verteilen, genießen ihre gönnerhafte Macht ohnehin.
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Re: Immobilienpreise - Spaltung der Gesellschaft in Besitzer und Besitzlose

Beitragvon Mendoza » Mo 30. Sep 2019, 19:35

Der Staat sollte vor allem eingreifen in dem er mal Bauvorschriften vereinfacht und nicht ständig welche hinzufügt. In den Niederlanden waren lt. Focus die Baukosten innerhalb 10 Jahren um 6%, in Deutschland dagegen um 36% gestiegen und Holland ist ja auch dicht besiedelt! Wenn weniger kompliziert gebaut wird,
kann man mehr, schneller und billiger bauen. Sofern wir keine rasante Zuwanderung haben wird sich die Gesamtsituation dann auch mal wieder entspannen.
Churchill "Dem Kapitalismus wohnt ein Laster inne: Die ungleichmäßige Verteilung der Güter. Dem Sozialismus hingegen wohnt eine Tugend inne: Die gleichmäßige Verteilung des Elends."
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Re: Immobilienpreise - Spaltung der Gesellschaft in Besitzer und Besitzlose

Beitragvon Julian » Mo 30. Sep 2019, 19:47

Mendoza hat geschrieben:(30 Sep 2019, 19:35)

Der Staat sollte vor allem eingreifen in dem er mal Bauvorschriften vereinfacht und nicht ständig welche hinzufügt. In den Niederlanden waren lt. Focus die Baukosten innerhalb 10 Jahren um 6%, in Deutschland dagegen um 36% gestiegen und Holland ist ja auch dicht besiedelt! Wenn weniger kompliziert gebaut wird,
kann man mehr, schneller und billiger bauen. Sofern wir keine rasante Zuwanderung haben wird sich die Gesamtsituation dann auch mal wieder entspannen.


Leider ist das Gegenteil zu erwarten. Ich verstehe nicht, dass man sich bei all den Vorschriften - beispielsweise für Klimaschutz, Branschutz etc. - noch über steigende Preise wundert. Ich will hier nicht einmal behaupten, diese Vorschriften seien falsch; aber man muss sich doch darüber im klaren sein, dass sie zu Kosten führen.

Und das ist nur ein Beispiel. Ebenso absurd ist es, dass viele glauben, eine Massenzuwanderung, wie wir sie 2015/16 gesehen haben, würde nicht zu Verknappungen und Verteuerungen vor allem im günstigen Immobiliensegment führen. Als ob noch nie jemand in diesem Land von Angebot und Nachfrage gehört hätte. Auch hier gilt: Man kann gerne für diese Art der Einwanderung sein. Aber bitte sich dann nicht über die logischen, vorhersehbaren Folgen beklagen.

Und so geht es weiter.
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Re: Immobilienpreise - Spaltung der Gesellschaft in Besitzer und Besitzlose

Beitragvon conscience » Mo 30. Sep 2019, 21:15

Julian hat geschrieben:(30 Sep 2019, 19:47)
Und das ist nur ein Beispiel. Ebenso absurd ist es, dass viele glauben, eine Massenzuwanderung, wie wir sie 2015/16 gesehen haben, würde nicht zu Verknappungen und Verteuerungen vor allem im günstigen Immobiliensegment führen. Als ob noch nie jemand in diesem Land von Angebot und Nachfrage gehört hätte. Auch hier gilt: Man kann gerne für diese Art der Einwanderung sein. Aber bitte sich dann nicht über die logischen, vorhersehbaren Folgen beklagen.


Prinzipiell stehen zwei Meinungen konträr zueinander.

Die AfD formuliert das wie folgt:
Leidtragende sind vor allem die eigenen Bürger, die nun um bezahlbare Wohnungen konkurrieren müssen, während die steigende Nachfrage die Mieten explodieren lässt. Betroffen sind besonders die großen Städte. Die oftmals kulturfremden Migranten wollen natürlich am liebsten in bereits bestehenden Parallelgesellschaften leben.“
Quelle: klick

Verallgemeinert heißt es dann:
Verschärft werde diese Problematik laut Barth dadurch, dass oftmals Migranten bevorzugt und Deutsche benachteiligt würden. So gebe es viele Kommunen, die von Steuergeldern nagelneue Wohnungen oder ganze Häuser für Asylbewerber bauen würden. Zudem bekämen selbst abgelehnte, ausreisepflichtige Asylbewerber Hartz-IV und Wohnung ohne Vermögensprüfung, während deutsche Arbeitslose jeden Cent Eigentum und Altersvorsorge offenlegen müssten, so Barth. Ein Arbeitsdruck auf die Zuwanderer finde laut dem Politiker zudem nicht statt.
Quelle: ebenda

Ich könnte jetzt darauf eingehen, dass es sich dabei ausschließlich um "rechtspopulistische soziale Demagogie in Reinkultur" handelt. Quelle: klick

Ich erspare mir das und verweise auf den naheliegende Umstand, dass durch Zuwanderung der bereits knappe Wohnraum weiter verknappt wird. Aber warum sollte ein Vermieter, ob klein oder groß, als kapitalistischer Marktteilnehmer nicht die Miete nehmen, die er am Markt erzielen kann. Ein Mieter mit günstiger Miete wird es sich in dieser Situation zweimal überlegen, wenn er nicht gezwungen ist, umzuziehen, diesen auch dann durchzuziehen. Der Grund liegt m.M.n. also nicht primär in der Migration begründet sondern in der kapitalistischen Bewirtschaftung von Wohnraum als Mangelgut.
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Re: Immobilienpreise - Spaltung der Gesellschaft in Besitzer und Besitzlose

Beitragvon Skull » Mo 30. Sep 2019, 21:58

Guten Abend,

ich warne ausdrücklich davor, das Thema in eine Einwanderung, Ausländer, AfD Diskussion zu verwandeln.
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Re: Immobilienpreise - Spaltung der Gesellschaft in Besitzer und Besitzlose

Beitragvon Atue001 » Mo 30. Sep 2019, 22:56

franktoast hat geschrieben:(28 Sep 2019, 21:12)

Der Markt beschreibt nur ein System, in dem über Angebot und Nachfrage ein Preis entsteht und möglichst das produziert wird, was für die Menschen den höchsten Nutzen erzielt.


Der erste Teil deiner Aussage ist richtig.
Der zweite wäre in Absolutheit falsch - weil du "möglichst" reingeschrieben hast, kann man das eventuell noch durchgehen lassen. Das "möglichst" gelingt halt nur, wenn der Markt passende gesetzliche Leitplanken hat.
Wenn beispielsweise die Verschmutzung der Erde politisch einfach keinen Preis hat, kippen die Bürger ihre Notdurft auch einfach aus dem Fenster. So geschehen beispielsweise im Europa des Mittelalters - woraufhin man den Markt für Exkremente die durch das Fenster entsorgt werden mit einem Preis versehen hat. POLITISCH. Mit dieser Maßnahme entstand dann auch sukzessive ein Markt, der mehr zum Wohle des Menschen wirkt.
Ähnlich sieht das bei Verschmutzungsrechten bezogen auf CO2 aus. Solange das nichts kostet, entwickelt sich der Markt nicht. Damit es was kostet, muss die Politik den Rahmen setzen.
Es ist die Politik, deren Aufgabe es ist, Märkte zum Wohl der Menschen zu steuern.



Ich - der in zwei bayrischen Städten studiert hat, die nicht München sind - verrate dir ein Geheimnis. Die Region rund um München ist sehr attraktiv und arsch teuer. Genauso wie es in Regensburg, Nürnberg, Würzburg, Augsburg auch immer teurer wird. D


Ich verrate dir ein anderes Geheimnis - die Menge an Wohnungen in Deutschland hat zugenommen, genauso wie die Menge an Menschen. Trotzdem gibt es Regionen, in denen Häuser zerfallen, und andere, in denen Wohnraum nicht bezahlbar ist. Offensichtlich besteht hier Handlungsbedarf für die Politik, damit nicht Angebot und Nachfrage weiter auseinanderlaufen.
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Re: Immobilienpreise - Spaltung der Gesellschaft in Besitzer und Besitzlose

Beitragvon franktoast » Di 1. Okt 2019, 09:18

Atue001 hat geschrieben:(30 Sep 2019, 22:56)

Der erste Teil deiner Aussage ist richtig.
Der zweite wäre in Absolutheit falsch - weil du "möglichst" reingeschrieben hast, kann man das eventuell noch durchgehen lassen. Das "möglichst" gelingt halt nur, wenn der Markt passende gesetzliche Leitplanken hat.
Wenn beispielsweise die Verschmutzung der Erde politisch einfach keinen Preis hat, kippen die Bürger ihre Notdurft auch einfach aus dem Fenster. So geschehen beispielsweise im Europa des Mittelalters - woraufhin man den Markt für Exkremente die durch das Fenster entsorgt werden mit einem Preis versehen hat. POLITISCH. Mit dieser Maßnahme entstand dann auch sukzessive ein Markt, der mehr zum Wohle des Menschen wirkt.
Ähnlich sieht das bei Verschmutzungsrechten bezogen auf CO2 aus. Solange das nichts kostet, entwickelt sich der Markt nicht. Damit es was kostet, muss die Politik den Rahmen setzen.
Es ist die Politik, deren Aufgabe es ist, Märkte zum Wohl der Menschen zu steuern.

Deswegen auch "möglichst". Bei CO2 oder den Weltmeere geht es auch um fehlende Eigentumsrechte bzw. genauso um die schlechte Durchsetzbarkeit von Eigentumsrechten. Plump gesagt: In deinen Weiher kippt keiner seinen Müll, denn du hast ein natürliches Interesse daran, dass das nicht passiert. Sonst kippt das Wasser und dein Fischbestand und somit Ertrag stirbt. Sowas wie Luftrechte gibt es zB. in New York. Wenn du da ein 100 Appartsments mit Blick auf Central Park hast und dann baut einer davor einen 500Meter-Protz, sind die Appartments nur noch 1/3 wert. Deswegen kann man sich die Luftrechte kaufen.
Das ist ein Problem mit externen Kosten. Kennst du bestimmt.

Ich verrate dir ein anderes Geheimnis - die Menge an Wohnungen in Deutschland hat zugenommen, genauso wie die Menge an Menschen. Trotzdem gibt es Regionen, in denen Häuser zerfallen, und andere, in denen Wohnraum nicht bezahlbar ist. Offensichtlich besteht hier Handlungsbedarf für die Politik, damit nicht Angebot und Nachfrage weiter auseinanderlaufen.

Ja und es gibt Unternehmen, die verdienen prächtig und andere gehen pleite. Gibt es da auch Handlungsbedarf? Manche sind attraktiv, andere hässlich. Sollte da die Politik auch handeln?
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Re: Immobilienpreise - Spaltung der Gesellschaft in Besitzer und Besitzlose

Beitragvon franktoast » Di 1. Okt 2019, 12:40

pLenarum hat geschrieben:(30 Sep 2019, 19:03)

Vorallem wird zwischen Wucher und eine angemessener Kostenkalkulation, die den anfallenden Aufwand sowie Gewinnaufschlag inkludiert, vermischt, so wie reine schwarz-weiß Malerei betrieben. Als ob zwischen Mietnomade und Oberschicht nichts existiert. Wir sehen ein Marktungleichgewicht also ist der Staat gezwungen einzugreifen, da Wohnraum ein grundlegendes Bedürfnis ist. Um mehr geht es doch nicht. Ansonsten können wir bald statt Wohnungen asiatische Schlafkabinen vermieten. Ich finde das nicht Begrüßenswert.

Die Frage ist ja, wie der Staat eingreift. Ist das Ziel, dass es mehr Wohnraum in der Stadt gibt oder dass bestehender Wohnraum günstig bleibt? Ich denke, man konzentriert sich immer auf Letzteres. Städte wie München oder Zürich haben ja gar kein Interesse daran, dass die Einwohnerzahl steigt. Warum sollten die Anwohner von München wollen, dass mehr Menschen herziehen? Damit die Straßen breiter oder verstopfter werden? Mehr Menschen bedeutet oft mehr Probleme. Deswegen darf man in München nicht höher als die Marienkirche bauen...

Mietbremsen sind nett gemeint, jedoch führen sie dazu, dass es weniger Anreiz gibt, Wohnraum zu schaffen. Auch wenn es für Neugebäude Ausnahmen gibt, irgendwann ist der Neubau auch kein Neubau mehr. Zum anderen hat man einen DDR-Effekt. Wenn der Preis zu gering ist, ist die Nachfrage weit höher als das Angebot. Die natürlichen Kräfte des Marktes (=Eigenwohl der Teilnehmer) bewirken, dass sich das Angebot der Nachfrage angleicht. Sei es durch diverse Nebenabsprachen, sei es durch den Verfall der Immobilie.

Der Mieter zahlt zwar weniger als den Marktpreis, aber umziehen kann er vergessen. Was, wenn Familienzuwachs kommt und eine größere Wohnung benötigt wird. Wie soll das gehen bei 100 Bewerbern pro Wohnung?

Dann kommt tatsächlich die Ellbogengesellschaft. Anstatt auf ehrliche Weise zu versuchen, mehr Geld zu verdienen, kommt es zu aggressiven Nebenabsprachen ("Ich bezahl für die Küche 10 000€) oder Verleumdungen anderer Bewerber ("X oder Gruppe Y kenne ich, die machen immer voll laut Musik").

Lerne: Lass die Finger vom Marktpreis!
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Re: Immobilienpreise - Spaltung der Gesellschaft in Besitzer und Besitzlose

Beitragvon euroade » Di 1. Okt 2019, 13:31

Kölner1302 hat geschrieben:(21 Sep 2019, 09:02)

Tief im Westen steigen die Preise von Einfamilienhäusern jetzt um ca. 700 € / Monat.
Kein Normalverdiener kann dagegen ansparen.
Jeder, der bis jetzt noch keine Immobilie bezahlen kann, wird sich auch in Zukunft nie eine leisten können. Außer man erbt.
Die Gesellschaft zerfällt in Besitzer und Besitzlose.
https://www.immobilienscout24.de/immobi ... koeln.html
Inzwischen ziehen auch die Mieten stark an.
Viele Besitzlose werden ihre Unterkünfte nicht mehr bezahlen können, sobald sie Rentner werden.

Tief im Osten dagegen erleben Immobilieneigentümer in einigen Regionen einen Totalverlust.
Nach der Entvölkerung folgt nun die Entwertung.
https://www.immowelt.de/immobilienpreis ... ungspreise


sehr guter thread einstieg. die extremen steigerungen der immobilienpreise sind eine direkte folge der 0% zinspolitik der eurostaaten.
liebe mitdiskutanten, die 0% zinspolitik ist nicht vom himmel gefallen. die ist politikergemacht, genauer ,gemacht von der etablierten politik.
dazu zähle ich auch die Grünen, welche von 1998 bis 2005 mitregiert haben. und in dieser zeit wurden die weichen des euro gestellt.
der euro ist pfusch von vorne bis hinten, kein land hält sich an verträgen und abmachungen. sie pfuschen einfach weiter vor sich hin.

allerdings gibt es auch gute nachrichten. man kann nicht ewig weiterpfuschen. irgendwann fällt jedes kartenhaus einmal zusammen.
so wird auch der euro eines tages zusammenfallen, oder zumindest in den keller rutschen. dann wird es mächtig rumpeln und
die immobilienpreise werden wieder fallen. kurzfristig, also in einer chaotischen übergangszeit(schliesslich braucht es etwas zeit um den nordeuro einzuführen)
werden immobilien günstig zu haben sein. dass dann viele immobilienbesitzer, die zu höchstpreisen gekauft haben, hab und gut verlieren, ist zu bedauern.

also, wer auf fallende preis wartet, nicht die geduld verlieren. der tag wird kommen.
genauso wie der tag, an den etablierte politiker [Mod: Gewaltphantasien editiert]
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Re: Immobilienpreise - Spaltung der Gesellschaft in Besitzer und Besitzlose

Beitragvon Kritikaster » Di 1. Okt 2019, 15:03

euroade hat geschrieben:(01 Oct 2019, 13:31)

sehr guter thread einstieg. die extremen steigerungen der immobilienpreise sind eine direkte folge der 0% zinspolitik der eurostaaten.
liebe mitdiskutanten, die 0% zinspolitik ist nicht vom himmel gefallen. die ist politikergemacht, genauer ,gemacht von der etablierten politik.
dazu zähle ich auch die Grünen, welche von 1998 bis 2005 mitregiert haben. und in dieser zeit wurden die weichen des euro gestellt.
der euro ist pfusch von vorne bis hinten, kein land hält sich an verträgen und abmachungen. sie pfuschen einfach weiter vor sich hin.

allerdings gibt es auch gute nachrichten. man kann nicht ewig weiterpfuschen. irgendwann fällt jedes kartenhaus einmal zusammen.
so wird auch der euro eines tages zusammenfallen, oder zumindest in den keller rutschen. dann wird es mächtig rumpeln und
die immobilienpreise werden wieder fallen. kurzfristig, also in einer chaotischen übergangszeit(schliesslich braucht es etwas zeit um den nordeuro einzuführen)
werden immobilien günstig zu haben sein. dass dann viele immobilienbesitzer, die zu höchstpreisen gekauft haben, hab und gut verlieren, ist zu bedauern.

also, wer auf fallende preis wartet, nicht die geduld verlieren.

Schön, "Experten" in unserer Mitte zu wissen, die glauben, bei einem Wertverlust des Euro würden Sachwerte, und damit natürlich auch Immobilien, an Bedeutung und damit an Wert verlieren.

Wirklich interessant, was man hier so alles "lernen" kann.
Der am höchsten entwickelte Sinn ist der Unsinn. (Peter E. Schumacher)
Wo der Sinn aufhört, beginnt der Wahnsinn. (Erhard Horst Bellermann)
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Re: Immobilienpreise - Spaltung der Gesellschaft in Besitzer und Besitzlose

Beitragvon Atue001 » Mi 2. Okt 2019, 00:45

franktoast hat geschrieben:(01 Oct 2019, 09:18)

Ja und es gibt Unternehmen, die verdienen prächtig und andere gehen pleite. Gibt es da auch Handlungsbedarf? Manche sind attraktiv, andere hässlich. Sollte da die Politik auch handeln?


Sofern es da vernünftige Ideen für einen besseren Markt gibt - selbstverständlich! Hast du Angst vor besseren Märkten?

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