Sparen war gestern

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Teeernte
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Re: Sparen war gestern

Beitragvon Teeernte » Do 19. Sep 2019, 00:48

Atue001 hat geschrieben:(19 Sep 2019, 00:28)


Ich möchte mal ein Beispiel bringen: Thema Versicherungen.

Die Grundidee einer Versicherung ist es, dass das allgemeine Risiko auf das Eintreten eines ungewollten Ereignisses finanziell dadurch abgesichert wird, dass man das Risiko auf viele Menschen aufteilt. Jeder zahlt nur einen kleinen Beitrag - aber die, die vom Schaden betroffen sind, können dann profitieren (sind so gesehen Gewinner des Marktes) und die anderen, die kein Schadensereignis haben, zahlen nur. (sind also die Verlierer.....)

Die Perversion einer Versicherung ist es, den Versicherungstarif individuell zu kalkulieren - tut man das, dann wird der individuelle Tarif genau dem Erwartungswert entsprechen, den man zu zahlen hat - allerdings inklusive dem Aufschlag für die Versicherung.

Solange man als Staat zulässt, dass der Versicherungsmarkt mehr und mehr in Richtung individueller Schadenswahrscheinlichkeit organisiert wird, stellte man gleichzeitig Sinn und Zweck der Versicherungsmarktes an und für sich mehr und mehr in Frage.

Meine Sichtweise!



Ich möchte mal ein Beispiel bringen: Thema Versicherungen....Autoversicherungen.

Da hat der (Deppen)Staat eingegriffen.

Jeder soll sein Auto preiswert (auf Kosten der Allgemeinheit) versichern können.

Man hat FRÜHER zB jungen Männern kein Auto mit viel PS als eines der esrsten Autos versichert..... die MUSSTEN eins mit weniger PS nehmen ! ...oder eine Prämie (Kaufpreis NEU) zahlen.

Mit Eingriff des Staates kann nun JEDER HANS und FRANZ mit frisch gepresster Fahrerlaubnis mal nen 800 PS Boliden "TESTEN" - für 30 Minuten - für mehr reicht das Geld nicht.

Ausgefahren wird die Kiste dann in der Stadt - die Opfer gibt es jeden Tag in Holzkisten.

--------------------

So eine Versicherung ist auch Mama und Papa ERSATZ - in einer Demokratie. ...und "untersagt" manche Risiken durch "GELD" (Versicherungsbeiträge). GENAU auf die Person zugeschnitten.

---------------------

Der Staat legt nun Risikosportarten auf die Allgemeinheit um - Warum steigt die Krankenkasse bei "Unfallverursachern" nicht gleich mit an ?
Obs zu kalt, zu warm, zu trocken oder zu nass ist:.... Es immer der >>menschgemachte<< Klimawandel. :D
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Re: Sparen war gestern

Beitragvon Skull » Do 19. Sep 2019, 08:16

Atue001 hat geschrieben:(19 Sep 2019, 00:28)

Hier haben wir eine fundamental differente Sichtweise auf grundlegende Fragestellungen des Zusammenlebens.

Korrekt.

Ich drücke es einfacher und nicht so versteckt aus,

Du bist für einen lenkenden eingreifenden (besserwissenden) Staat.
Ich bin für eigenständige, handelnde und denkende Menschen.

mfg

P.S.: Das der Staat Regeln und Rahmen festlegt, steht dabei nicht zur Disposition.
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Re: Sparen war gestern

Beitragvon BlueMonday » Do 19. Sep 2019, 18:22

Atue001 hat geschrieben:(19 Sep 2019, 00:28)

Hier haben wir eine fundamental differente Sichtweise auf grundlegende Fragestellungen des Zusammenlebens.

Ich möchte mal ein Beispiel bringen: Thema Versicherungen.

Die Grundidee einer Versicherung ist es, dass das allgemeine Risiko auf das Eintreten eines ungewollten Ereignisses finanziell dadurch abgesichert wird, dass man das Risiko auf viele Menschen aufteilt. Jeder zahlt nur einen kleinen Beitrag - aber die, die vom Schaden betroffen sind, können dann profitieren (sind so gesehen Gewinner des Marktes) und die anderen, die kein Schadensereignis haben, zahlen nur. (sind also die Verlierer.....)

Die Perversion einer Versicherung ist es, den Versicherungstarif individuell zu kalkulieren - tut man das, dann wird der individuelle Tarif genau dem Erwartungswert entsprechen, den man zu zahlen hat - allerdings inklusive dem Aufschlag für die Versicherung.

Solange man als Staat zulässt, dass der Versicherungsmarkt mehr und mehr in Richtung individueller Schadenswahrscheinlichkeit organisiert wird, stellte man gleichzeitig Sinn und Zweck der Versicherungsmarktes an und für sich mehr und mehr in Frage.



Eine Perversion des Versicherungsgedanken ist dein Ansatz.
Eine Versicherung ist im Wesentlichen eine Wette, die sich um den unsicheren Eintritt von Versicherungsfällen dreht. Wie der Name ja schon sagt: es geht um Unsicherheit (Unkenntnis, dessen was im Einzelfall passieren wird), sonst ist es keine Wette und keine Versicherung. Wenn bspw. sicher wäre, dass ein Haus in einem Jahr abbrennen wird, wie sollte so etwas noch versicherungsfähig sein? Sprich, ein sicherer Fall wird vornherein und "individuell" ausgeschlossen. Die Grundlage zur Versicherung(Unsicherheit) fehlt schlicht.

Nun ist eine Versicherung auch kein Schwarz und Weiß, sondern behandelt in der Regel eine Bandbreite unterschiedlicher (Gruppen)Risiken, ein Kontinuum letztlich.
Damit also eine Versicherung näherunsgweise funktioniert, werden sich bald diverse Gruppen von Versicherungsnehmern mit gleichen/ähnlichen Risiken ausdifferenzieren und entsprechend unterbreitet man dann unterschiedliche Angebote. Wenn man hingegen Versicherungsnehmer mit stark variierenden Risiken unterschiedlos in einen großen Topf wirft, also das Unterschiedliche mal wieder grob gleichwalzt, dann hat das nichts mehr mit Versicherung zu tun, sondern das ist eine fast sichere Umverteilung von Gruppen mit geringem Risiko zu Gruppen mit hohem Risiko. An so etwas wird also freilwillig kaum jemand bei Verstand teilnehmen. So etwas "funktioniert" nur zwangsweise, gewaltsam, per Staat. Das kann also nur ein Gewaltfetischist oder Staatsgläubiger gutheißen.

Und was heißt hier "funktionieren"? Im Grunde pumpt man damit das Problem des "moral hazard", also einen Fehlanreiz maximal auf. Riskantes Agieren zahlt sich sicher (unfreiwillig auf Kosten anderer) aus. Umsichtiges, vorsichtiges Vorgehen wird mit Sicherheit bestraft. Das wird also im Ganzen auf Dauer gerade nicht funktionieren. Oder man muss ständig gegensteuern, die Interventionsspiralen rotieren lassen, Anreize künstlich nachreichen, damit dieser ganze interventionistische Kahn nicht absäuft.
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Re: Sparen war gestern

Beitragvon Alter Stubentiger » Do 19. Sep 2019, 20:51

Paccon hat geschrieben:(17 Sep 2019, 10:20)

Ist doch nur eine weitere Umverteilung nach oben. Man will normalen Menschen einreden sie müssen in Dinge investieren von denen die meisten keine Ahnung haben. Wem kommt das zu Gute?
Mit Glück ein wenig den Sparern, mit Sicherheit aber den Unternehmen. Der Kapitalismus verlangt stätig nach mehr. Mehr Wachstum, mehr Geld,... Jetzt kommt dieses Geld eben von den Sparbüchern. Man hat einen Weg gefunden den Menschen ihr erspartes Geld zu entreißen. Entweder sie investieren oder es wird von alleine weniger.


Na ja. Auf der anderen Seite haben bei sehr wenigen Zinsen auch mehr Leute eine Chance auf die eigenen vier Wände. Früher hatte man doch viel Angst vor der Finanzirung und vor allem der Weierfinanzierung nachdem die ersten 5 oder 10 Jahre abgelaufen waren. Da ist es heute wesentlich entspannter. Jedes Ding hat eben 2 Seiten.

Heute ist es etwas mühsamer noch eine Art Rendite für sein Erspartes zu bekommen. Aber auf der anderen Seite eben auch viel einfacher. Wertpapier/Geldgeschäfte per Mausklick haben auch was für sich. Auxmoney und Xetra sind für jeden erreichbar und nutzbar.
Niemand hat vor eine Mauer zu errichten (Walter Ulbricht)
...und die Mauer wird noch in 50 oder 100 Jahren stehen (Erich Honecker)
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Re: Sparen war gestern

Beitragvon Atue001 » Do 19. Sep 2019, 23:04

Skull hat geschrieben:(19 Sep 2019, 08:16)

Korrekt.

Ich drücke es einfacher und nicht so versteckt aus,

Du bist für einen lenkenden eingreifenden (besserwissenden) Staat.
Ich bin für eigenständige, handelnde und denkende Menschen.

mfg

P.S.: Das der Staat Regeln und Rahmen festlegt, steht dabei nicht zur Disposition.


Da interpretierst du mich falsch! Ich bin für einen Staat, der gerade dadurch, dass er vernünftige Rahmen für alle vorgibt, maximal eigenständig handelnde und denkende Bürger ermöglicht. Wer meint, dass man ohne einen Staat lieber dem angeblich so gut funktionierendem Markt alles überlässt, der handelt lassez faire - und hat letzten Endes einen Markt, der nach dem Recht des Stärkeren funktioniert. In einer Umgebung, in der vor allem der Stärkere den eigenen Vorteil ausspielen kann, ist aber die Freiheit und Eigenständigkeit des Einzelnen nicht maximiert, sondern nur die Unterschiede zwischen Arm und Reich, Schwach und Stark u.ä.. Das Maximum an Freiheit innerhalb eines Staates ist nur dann erreichbar, wenn der Staat dafür sorgt, dass die Märkte zum Wohle der Menschen wirken. Für die Organisation von Märkten ist der Staat daher unerlässlich.

Das ist nicht zu verwechseln mit Planwirtschaft - aber wer aus einer Ablehnung der Planwirtschaft heraus ablehnt, Pläne zu machen - der scheitert als Unternehmer auch in einer sozialen Marktwirtschaft sehr schnell.

Es geht nicht darum, dass der Staat alles und jedes verbieten oder regulieren soll - es geht darum, dass der Staat möglichst solche Rahmen setzt und vorgibt, die zum Wohle möglichst aller wirken.
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Re: Sparen war gestern

Beitragvon Skull » Fr 20. Sep 2019, 08:10

Atue001 hat geschrieben:(19 Sep 2019, 23:04)

Es geht nicht darum, dass der Staat alles und jedes verbieten oder regulieren soll
- es geht darum, dass der Staat möglichst solche Rahmen setzt und vorgibt

Das ist ein deutlicher Unterschied hierzu:
Atue001 hat geschrieben:(17 Sep 2019, 00:51)

Da aber fehlt die lenkende Hand des Staates - der versagt hier und ist oft noch kontraproduktiv unterwegs.

Und letzterer Satz bezog sich auf das Threadthema. Lenkung in DIR (oder dem Staat) aktuell gewünschte Anlagen.

mfg
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Re: Sparen war gestern

Beitragvon Gruwe » Fr 20. Sep 2019, 09:31

Alter Stubentiger hat geschrieben:(19 Sep 2019, 20:51)

Na ja. Auf der anderen Seite haben bei sehr wenigen Zinsen auch mehr Leute eine Chance auf die eigenen vier Wände. Früher hatte man doch viel Angst vor der Finanzirung und vor allem der Weierfinanzierung nachdem die ersten 5 oder 10 Jahre abgelaufen waren. Da ist es heute wesentlich entspannter. Jedes Ding hat eben 2 Seiten.


Ist dem denn tatsächlich so?

Gerade Erwerb von Immobilien läuft doch bei Privatpersonen in der Regel kreditfinanziert ab, was zur Folge hat, dass bei Sinken des Zinsniveaus der Markt derart reagiert, dass die Marktpreise kreditfinazierter Geschäfte steigt. Nach meinen Informationen sind daher die Hauspreise in den letzten Jahren entsprechend gestiegen, so dass der Aufwand in Summe gleich geblieben ist, nur der Verkäufer mehr erhalten hat, die Bank weniger.
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Re: Sparen war gestern

Beitragvon 3x schwarzer Kater » Fr 20. Sep 2019, 10:02

Gruwe hat geschrieben:(20 Sep 2019, 09:31)

Ist dem denn tatsächlich so?

dass bei Sinken des Zinsniveaus der Markt derart reagiert, dass die Marktpreise kreditfinazierter Geschäfte steigt.


eine gewagte These ....
„Es wurde schon alles gesagt, nur noch nicht von jedem.“ (Karl Valentin)
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Re: Sparen war gestern

Beitragvon Atue001 » Fr 20. Sep 2019, 14:50

Skull hat geschrieben:(20 Sep 2019, 08:10)

Das ist ein deutlicher Unterschied hierzu:

Und letzterer Satz bezog sich auf das Threadthema. Lenkung in DIR (oder dem Staat) aktuell gewünschte Anlagen.

mfg

Auch da interpretierst du was rein, was objektiv da nicht drin steht.
Der Staat macht heute Vorgaben für Banken und Anlagen - und das ist gut so. Diese Vorgaben sind Teil seiner Lenkungsaufgabe. Die Frage die ich stelle ist, macht er das gut? Und die verneine ich.
Das bedeutet keinesfalls, dass alles reguliert werden muss, oder nur noch der Staat sagt, was getan werden soll - es geht darum, die RICHTIGEN Maßnahmen einzuleiten.

Nimm als Beispiel die Verkehrsregeln - wenn du da Tempo 5 auf allen Straßen festlegst, weil du nicht willst, dass Autos schneller als Fußgänger unterwegs sind, dann ist das sicherlich keine sinnvolle Lenkungsmaßnahme des Staates. Wenn du aber hingehst, und das Thema "Wir einigen uns auf Rechtsverkehr" wegnimmst, dann verbesserst du dich nicht, sondern es wird schlimmer.
Es geht also darum, dass der Staat die richtigen Maßnahmen ergreift, und dort lenkt und steuert, wo es notwendig ist.

Eine Ursache dafür, dass du heute keine Sparzinsen bekommst, liegt beispielsweise daran, dass einige schlechte Regeln bei der Einführung des Euros gemacht wurden. Das wurde bis heute nicht korrigiert. Da sich die Eurostaaten in Teilen noch immer nicht zu einer einheitlicheren Haushaltspolitik entschließen können, da auch noch immer Probleme im Bankenwesen bestehen, kommt es (es gibt weitere Ursachen) dazu, dass die Inflation partout nicht die 2% angehen will, die notwendig wären, damit man auch wieder Zinsen aufs Sparbuch bekommen könnte.

Die Ursache der derzeitigen Situation bezüglich Sparen liegt doch in klaren politischen Fehlern. Die Bankenkrise konnte passieren, weil der Gesetzgeber nicht unterbunden hatte, dass so viele faule Kredite entstehen konnten etc. etc. etc.....

Wenn der Staat nun seine Lenkungsaufgabe entsprechend deiner Idee vollends aufgeben würde....wäre das für niemanden so richtig gut! Auch das würde dem Sparer genau gar nichts bringen.
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Re: Sparen war gestern

Beitragvon Skull » Fr 20. Sep 2019, 15:24

Atue001 hat geschrieben:(20 Sep 2019, 14:50)

Auch da interpretierst du was rein, was objektiv da nicht drin steht.
Der Staat macht heute Vorgaben für Banken und Anlagen - und das ist gut so.

Diese Vorgaben sind Teil seiner Lenkungsaufgabe. Die Frage die ich stelle ist, macht er das gut? Und die verneine ich.

Nö.

Du bringst da einiges durcheinander.
Natürlich macht der Staat Vorgaben in Form von Standards und Sicherheit.
Sicherheit für Kunden und das Bankensystem.

Aber nicht Vorgaben oder gar eine Lenkung in Anlagen in „sachlicher“ Sicht.

Und das ist auch gut so. :)
Atue001 hat geschrieben:(20 Sep 2019, 14:50)

es geht darum, die RICHTIGEN Maßnahmen einzuleiten.

Und daher stellt sich OFTMALS hinterher heraus, das RICHTIG doch falsch war. :D

Wie gesagt, ich vertraue da nicht dem Staat. Eher der Summe aller Einzel-Akteure.

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Re: Sparen war gestern

Beitragvon Atue001 » Fr 20. Sep 2019, 15:25

Lies vielleicht mal hier:
https://www.zeit.de/2019/38/carl-christian-von-weizsaecker-zinsen-geldpolitik-schulden?utm_source=pocket-newtab

Eventuell inspiriert das dich ja, und du versuchst wenigstens zu verstehen, warum Fehllenkung Seitens des Staates mit eine Ursache für die niedrigen Zinsen ist.
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Re: Sparen war gestern

Beitragvon Skull » Fr 20. Sep 2019, 15:29

Atue001 hat geschrieben:(20 Sep 2019, 15:25)

Lies vielleicht mal hier:
https://www.zeit.de/2019/38/carl-christian-von-weizsaecker-zinsen-geldpolitik-schulden?utm_source=pocket-newtab

Eventuell inspiriert das dich ja, und du versuchst wenigstens zu verstehen,
warum Fehllenkung Seitens des Staates mit eine Ursache für die niedrigen Zinsen ist.

Willst Du mich verulken ? :D

Du solltest davon ausgehen, das ich durchaus über einiges an Wissen, wie auch ausreichend Erfahrungen,
zu dem Thema verfüge. Da brauche ich keine Links. :dead:

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Re: Sparen war gestern

Beitragvon Skull » Fr 20. Sep 2019, 15:42

Atue001 hat geschrieben:(17 Sep 2019, 00:51)

Da aber fehlt die lenkende Hand des Staates
Atue001 hat geschrieben:(20 Sep 2019, 14:50)

Diese Vorgaben sind Teil seiner Lenkungsaufgabe. Die Frage die ich stelle ist, macht er das gut? Und die verneine ich.

Du solltest Dich aber entscheiden, ob Du eine Lenkung des Kapitals (Anlagen) durch den Staat gut findest oder willst...
...oder ob Du den Staat kritisierst, das er dieses nicht richtig kann oder nicht gut macht.

Beides...macht für mich keinen Sinn.

Es sei denn, du weisst definitv vorher, was nachher richtig war.

Und da unterstelle ich, dass das niemand (auch nicht der Staat) kann.

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Re: Sparen war gestern

Beitragvon franktoast » Fr 20. Sep 2019, 16:16

Ein Terraner hat geschrieben:(16 Sep 2019, 17:48)

4% wo das? 1200€ * 40 sind 48.000€, mit Zinseszins brauchst du nicht mehr Rechnen, die Zeiten sind vorbei.

ETF auf MSCI World.
Seit 1980 etwa 7% pro Jahr,
seit 2014 6%
seit 2007 etwa 2,75% (Hochpunkt Finanzblase)
seit 2000 etwa 2,5% (Hochpunkt Dotcomblase)

Nun legt jedoch ein normaler Anleger über Jahrezehnte sein Geld an. Die Rente selber dauert ebenfalls 10 Jahre oder gar 20. Keiner spart sein Geld bis 2007, kauft dann zu 100% Aktien und hat dann 2 Jahre lang Rente und ist dann tot.

4% ist ein guter Wert zum Rechnen! Wer konservativer will kann auch 3% nehmen. Solange man den Kapitalismus nicht abschafft, wäre darunter unrealistisch.

PS: wenn du mir mit Risiko kommen solltest: Da man in der Regel auch eine staatliche Rente bekommt, ist die Aktienanlage klar eine Verringerung des Risikos. Nur allein von staatlichen Aktivitäten abhängig zu sein ist töricht
Ein freier Mensch muß es ertragen können, daß seine Mitmenschen anders handeln und anders leben, als er es für richtig hält, und muß sich abgewöhnen, sobald ihm etwas nicht gefällt, nach der Polizei zu rufen.
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Re: Sparen war gestern

Beitragvon Alter Stubentiger » Fr 20. Sep 2019, 16:54

Gruwe hat geschrieben:(20 Sep 2019, 09:31)

Ist dem denn tatsächlich so?

Gerade Erwerb von Immobilien läuft doch bei Privatpersonen in der Regel kreditfinanziert ab, was zur Folge hat, dass bei Sinken des Zinsniveaus der Markt derart reagiert, dass die Marktpreise kreditfinazierter Geschäfte steigt. Nach meinen Informationen sind daher die Hauspreise in den letzten Jahren entsprechend gestiegen, so dass der Aufwand in Summe gleich geblieben ist, nur der Verkäufer mehr erhalten hat, die Bank weniger.


Wer es clever macht kann wirklich viel Geld sparen beim Kauf als auch der Finanzierung. Häuslebauer sollten aber nicht alles den Bauträgern oder Immobilienhändlern überlassen. Die sind teuer.
Als Häuslebauer sollte man sich mal die modernen Gertighäuser ansehen!
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Re: Sparen war gestern

Beitragvon Alter Stubentiger » Fr 20. Sep 2019, 17:02

Atue001 hat geschrieben:(20 Sep 2019, 15:25)

Lies vielleicht mal hier:
https://www.zeit.de/2019/38/carl-christian-von-weizsaecker-zinsen-geldpolitik-schulden?utm_source=pocket-newtab

Eventuell inspiriert das dich ja, und du versuchst wenigstens zu verstehen, warum Fehllenkung Seitens des Staates mit eine Ursache für die niedrigen Zinsen ist.


Dann schau dir mal den kurzdristigen Anleihemarkt an. Noch redet man es schon. Ich sage dir Geld wird dort knapp und die Zinsen stiegen letzte Tage enorm. Warum? Weil Trumps Schuldenpolitik Liquidität, speziell in den USA, aufsaugt. Wenn da einer Schulden als Lösung präsentiert ist dies brandgefährlich. Und schon 2008 ging alles den Bach runter durch zu hohe Schulden. Wieder in den USA. Und was macht man heute? Heute handelt man wieder mit verbrieften Hypotheken. Was denkst du welche Folgen drohen?

(und all dies hat nichts mit dem Euro zu tun. Der €uro wird immer schlecht geredet. Kein €uro wäre aber richtig schlecht. Die kleinen europäischen Währungen wären heute ein echtes Hemmnis für den Handel. Die DM wäre heute kein Vorteil. Sie war es nur in einem anderen Zeitalter.
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Re: Sparen war gestern

Beitragvon franktoast » Fr 20. Sep 2019, 17:31

Alter Stubentiger hat geschrieben:(20 Sep 2019, 17:02)

Dann schau dir mal den kurzdristigen Anleihemarkt an. Noch redet man es schon. Ich sage dir Geld wird dort knapp und die Zinsen stiegen letzte Tage enorm. Warum? Weil Trumps Schuldenpolitik Liquidität, speziell in den USA, aufsaugt. Wenn da einer Schulden als Lösung präsentiert ist dies brandgefährlich. Und schon 2008 ging alles den Bach runter durch zu hohe Schulden. Wieder in den USA. Und was macht man heute? Heute handelt man wieder mit verbrieften Hypotheken. Was denkst du welche Folgen drohen?

Solange die Aktienkurse hoch sind, würde ich mir da wenig Sorgen machen. Jetzt kommst du bestimmt mir "Was war denn 2007 oder 2000? Die Kurse sagen nix aus". Hm, würde ich nicht sagen. Seit 2011 betet man die Krise herbei. Im Folgejahr oder spätestens 3 Jahre später sei es so weit. Aber nichts davon hat sich bewahrheitet und die Kurse hatten recht.
Es ist nun mal so, dass der Aktienmarkt eine unglaublich hohes Volumen hat. Wenn also ein Marktteilnehmer mehr weiß als andere, kann er damit Multimilliardär werden. Wer nur meint, es besser zu wissen, aber sich irrt, scheidet aus dem Markt aus. Wer meint es besser zu wissen und es auch so ist, bekommt mehr "Spielgeld" und verbessert die Prognose des Marktes.
Wenn wir beide nun davon ausgehen, dass es Finanzprofis gibt, die zu den klügsten Menschen der Welt gehören, das ganze Vollzeit machen und mitbekämen, dass das bald bergab ginge, dann könnten hätten diese den Markt längst nach unten gezogen.

Du kannst aber auch denken: "Ich bin x Jahre alt und les jeden Tag Zeitung, ich weiß besser Bescheid".

Ich persönlich könnte mir einen kleinen Crash auch vorstellen, wo man nach 1-2 Jahren wieder Höchststände erreicht.
-> Damit könnte ich leben.


(und all dies hat nichts mit dem Euro zu tun. Der €uro wird immer schlecht geredet. Kein €uro wäre aber richtig schlecht. Die kleinen europäischen Währungen wären heute ein echtes Hemmnis für den Handel. Die DM wäre heute kein Vorteil. Sie war es nur in einem anderen Zeitalter.

Solange die Währung relativ wertstabil ist, ist es auch Wurst. Obwohl die 50 US-Staaten seit 250 Jahren eine gemeinsame Währung haben, gehören sie zu den Reichsten.
Ein freier Mensch muß es ertragen können, daß seine Mitmenschen anders handeln und anders leben, als er es für richtig hält, und muß sich abgewöhnen, sobald ihm etwas nicht gefällt, nach der Polizei zu rufen.
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Re: Sparen war gestern

Beitragvon Atue001 » Fr 20. Sep 2019, 21:56

Skull hat geschrieben:(20 Sep 2019, 15:42)

Du solltest Dich aber entscheiden, ob Du eine Lenkung des Kapitals (Anlagen) durch den Staat gut findest oder willst...
...oder ob Du den Staat kritisierst, das er dieses nicht richtig kann oder nicht gut macht.

Beides...macht für mich keinen Sinn.

Es sei denn, du weisst definitv vorher, was nachher richtig war.

Und da unterstelle ich, dass das niemand (auch nicht der Staat) kann.

mfg


Ich bin der Meinung, dass niemand anderes als der Staat die Lenkungsbefugnis haben darf. (was nicht gleichbedeutend ist, dass dies automatisch bei der Regierung liegen muss oder auch nur soll - manche Befugnisse deligiert der Staat auch aus gutem Grund an unabhängige Einrichtungen)

Nur - das bedeutet noch nicht, dass ich jeden Eingriff und jede Lenkung des Staates für richtig empfinde.

Sicher ist auch richtig, dass der Staat auch nur aus Menschen besteht, und dazu noch unter sehr schweren Bedingungen der Demokratie Entscheidungen herbeiführen muss. Aber auch das bedeutet nicht, dass er deshalb einen Freibrief für falsche Entscheidungen bekommt.

Die Ursachen für den aktuellen Zustand sehe ich insofern schon in der Politik - die hätte versuchen müssen, die jetzige Gesamtsituation zu vermeiden. Und: selbst wenn das nicht gelingt, müsste die Politik derzeit viel mehr daran setzen, dass sich die Ereignisse nicht wiederholen können. Doch gegenüber den Versprechungen nach der letzten Krise sind noch immer viele Felder nicht hinreichend gut organisiert - und einige Reformen der Krisenreaktion werden sogar wieder zurückgedreht. Das ist keine gute Politik!
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Re: Sparen war gestern

Beitragvon Misterfritz » Fr 20. Sep 2019, 22:11

Atue001 hat geschrieben:(20 Sep 2019, 21:56)

Ich bin der Meinung, dass niemand anderes als der Staat die Lenkungsbefugnis haben darf. (was nicht gleichbedeutend ist, dass dies automatisch bei der Regierung liegen muss oder auch nur soll - manche Befugnisse deligiert der Staat auch aus gutem Grund an unabhängige Einrichtungen)

Nur - das bedeutet noch nicht, dass ich jeden Eingriff und jede Lenkung des Staates für richtig empfinde.

Sicher ist auch richtig, dass der Staat auch nur aus Menschen besteht, und dazu noch unter sehr schweren Bedingungen der Demokratie Entscheidungen herbeiführen muss. Aber auch das bedeutet nicht, dass er deshalb einen Freibrief für falsche Entscheidungen bekommt.

Die Ursachen für den aktuellen Zustand sehe ich insofern schon in der Politik - die hätte versuchen müssen, die jetzige Gesamtsituation zu vermeiden. Und: selbst wenn das nicht gelingt, müsste die Politik derzeit viel mehr daran setzen, dass sich die Ereignisse nicht wiederholen können. Doch gegenüber den Versprechungen nach der letzten Krise sind noch immer viele Felder nicht hinreichend gut organisiert - und einige Reformen der Krisenreaktion werden sogar wieder zurückgedreht. Das ist keine gute Politik!
Der Staat fällt aber auch falsche Entscheidungen, schon weil er 1. keine Glaskugel hat und 2. nicht im luftleeren Raum ist, d.h. wir sind nur ein kleiner Teil der Welt. Viele Ereignisse, die auch heftigst auf Wirtschaft einwirkt, sind überhaupt nicht von einem einzelnen Staat steuerbar.
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Re: Sparen war gestern

Beitragvon Atue001 » Fr 20. Sep 2019, 22:15

Misterfritz hat geschrieben:(20 Sep 2019, 22:11)

Der Staat fällt aber auch falsche Entscheidungen, schon weil er 1. keine Glaskugel hat und 2. nicht im luftleeren Raum ist, d.h. wir sind nur ein kleiner Teil der Welt. Viele Ereignisse, die auch heftigst auf Wirtschaft einwirkt, sind überhaupt nicht von einem einzelnen Staat steuerbar.


Völlig korrekt.
Die Alternative kann aber trotzdem nicht sein, dass man auf die Entscheidungen des Staates verzichtet und es dem Recht des Stärkeren überlässt.

Die Alternative ist, in Anerkennung der Fehlbarkeit von Staaten wirksame Kontrollen mit einzurichten, und Fehlentscheidungen so schnell zu entdecken und zu überarbeiten.

Gegen das Problem der Abhängigkeit von anderen Staaten und deren Entscheidungen hilft, entweder auf Abschottung zu setzen (wenig attraktiv, weil erwiesenermaßen Abschottung mit höheren Kosten und weniger Möglichkeiten einhergeht) oder auf internationale Zusammenarbeit - wie wir sie beispielsweise bei der EU kennen. Eine konsequente Verstärkung und Demokratisierung der internationalen Zusammenarbeit ist deshalb sicher ein wichtiger Bestandteil einer modernen Politik.

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